Neulich im Altenheim

Mann: (klopft gegen sein künstliches Bein) Hier, das haben die mir im Krieg einfach so weggeschossen, ohne mich zu fragen.

Frau: Ja, als Soldat-

Mann: Das haben die mir einfach so weggeschossen.

  1. Was soll uns dieser Beitrag sagen?

    Das Krieg scheisse ist?
    Das (ehemalige) Soldaten selber Schuld sind?
    Das Menschen über solche traumatischen Erfahrungen manchmal ein Leben lang nicht hinweg kommen?

    Oder soll’s nur ein Lacher sein?

  2. Das ist doch schon einiges.

  3. Ich Eintrag ist einfach nur arrogant und zynisch!

    Arrogant, weil er sich lustig macht und den Verfasser auf eine hoehere Ebene als den Mann stellt. Joinsen das hast du doch sonst nicht noetig!

    Zynisch, weil nicht alle Soldaten selber Schuld sind! Da ich davon ausgehe, dass es sich in diesem Block um einen deutschen Altenheimbewohner handeln soll, der waehrend des Zweiten Weltkrieges seine Kriegserfahrungen und -verstuemmelungen erlitten hat, stellt sich die Frage, wuerde der Verfasser diese Geschichte auch posten, wenn es sich um einen Soldaten der Alliierten handeln wuerde? Erlittenes Leid ist erlittenes Leid, egal auf welcher Seite, das nicht zu akzeptieren ist dumm.
    Nur damit wir uns da richig verstehen, produziertes Unrecht und Verbrechen relativiert das ueberhaupt nicht. Aber das Leid der Opfer, und die gibt es auch auf Seiten der Deutschen, ist unabhaengig davon, welche Rolle die Nation, zu der sie sich entweder zugehoerig gefuehlt oder zu der sie zugeschrieben wurden, an Ausbruch, Verlauf und Butalitaet der Krieges und er Vrebrechen waehrend des Krieges hatte.
    Ein weggeschossenes Bein ist ein und bleibt ein weggeschossenes Bein.
    Aisserdem ist es nicht optional gewesen ob der einzelne gerade “fuer Fueher Volk und Vaterland” in den Krieg ziehen wollte oder doch lieber eine Zivistelle als Altenpfleger oder Essensausfahrer anstrebte. Der Druck der Militaerjustiz war riesig und Todesurteil nicht gerade selten. Zu diesem Thema gibt es gerade eine Ausstellung in der unteren Rathaushalle. Einfach mal hingehen und drueber nachdenken. Es gehoerte schon eine grosse Portion Todesmut dazu, nicht seinen Einberufungsbefehl zu folgen.
    Die Verbrechen die hinter diesem System liegen sind dann wieder ein ganz anderes Thema. Genau wie die Verdammung des Krieges allgemein!

  4. Ich sehe da einen Dialog. Der wird ohne Kommentierung wiedergegeben. Wenn Du, enttäuschter Leser, darin Arroganz und Zynismus erkennst, dann dürfte das folglich mehr an Deiner spezifischen Vermutung hinsichtlich der Motive Joinsens liegen als am Beitrag selbst. Denn der Verfasser steht nicht drüber oder drunter, sondern nur daneben und hört zu. Aber es ist schon interessant, was da offenbar alles drinsteckt und zu welchen Gedanken so ein paar Worte führen können.

  5. Der enttäuschte Leser hat offenbar, genau wie ich, die Vermutung, dass Joinsen das hier entweder als “Lacher” veröffentlicht hat, oder dass er damit das Opfer in gewisser Weise verhöhnt – nach dem Motto: “Dummer Kerl, wenn er in den Krieg geht, braucht er sich nicht zu beschwerden!”. Dabei hatten, wie der Leser schon schrieb, auch auf deutscher Seite die meisten einfachen Soldaten kaum eine Wahl. Sie mussten in den Krieg.

    Kurz gesagt, dieser Beitrag ist in jeder Hinsicht unnötig und geschmacklos.

  6. Du bist aber schnell unterwegs von einer Vermutung zu einer kurz gesagten Feststellung.

    Ich möchte die Szene einfach nicht kommentieren – ich habe diesen wirklich so gehörten Dialog online gestellt, weil er mir in ganz vielen Dimensionen und Schichten interessant erscheint. Das bestätigen ja auch die Gedanken, die ihr da etwas hektisch niedergeschrieben habt. Wenn nun aber Arroganz, Zynismus, Geschmacklosigkeit und weitere Gesinnungszuweisungen das einzige sind, was da in eurer beiden Köpfen abgeht, dann ist das zwar schade, aber nicht mein Problem.

  7. Für sich genommen steht das Zitat tatsächlich ebenso offen und vielschichtig in Bezug auf etwaige Deutungen da, Joinsen. Zu Recht k ö n n t e s t Du darauf verweisen, dass es keinen intendierten abwertenden bzw. entwertenden Deutungszusammenhang Deinerseits gibt, gäbe es nicht den Umstand, dass Du Teil einer Redaktion bist, die an dieser Stelle allerlei Texte veröffentlicht.
    Im Kontext der teilweise etwas brachial-humoristischen Beiträge in diesem Blog z.B. „Aus aktuellen Anlässen: Hamburgisierung“ stellen sich Interpretationen anders dar als von Dir erwähnt. Die kritischen Kommentare oben sind entsprechend nicht mehr als reine Projektion zu verstehen. Ganz so arglos kannst Du da nicht gewesen sein, Joinsen, es erscheint zumindest möglich, dass ein unterschwelliger Wertungszusammenhang plausibel erscheint.

  8. Der letzte Halbsatz ist besonders schön. Wieso ziehst du nicht die Möglichkeit in Betracht, dass es auch plausibel erscheinen könnte, dass ich meine, was ich sage?

  9. Das Leben ist voller Widersprüche- einer betrifft den Zusammenhang von Deutlichkeit des Ausdrucks und Klarheit der Intention einerseits und der Verwendung komplexer Satzstrukturen und Fremdwörter andererseits. Um Annäherungen an die Wahrheit zu finden, bedarf es teilweise des umständlich scheinenden Herantastens mittels entsprechender Formulierungen. Das führt oft zu Missverständnissen auf der Empfängerseite oder gar zu Abwehr und Polemik.
    So sehr ich mich darüber freue, dass die immer wieder bemerkenswerte Klarheit in der Haltung von Dir und Bonde Merkmal vieler Eurer Beiträge ist, so sehr verwundert es mich bisweilen, dass dieses Kriterium von Zeit zu Zeit hinter eingestreuten ironischen Beiträgen bzw. collageartige eingefügten Zitaten wie im jüngsten Falle verschwindet. Problematisch ist es meines Erachtens dann, Aufrichtigkeit vorzuschützen, wo doch allem Anschein nach Deine eigene Haltung alles anderes als klar ist. Das ist auch schlechterdings unmöglich, da wir hier im Falle des Einbeinigen verschiedene Ebenen in Betracht ziehen müssen: Der beschriebene Mann hat individuelles Leid erfahren. Auf dieser persönlichen Ebene könnte man Mitgefühl mit ihm entwickeln. Angenommen, der Mann wäre Dein Groß- oder Urgroßvater- Du könntest geradezu verbittert sein, weil Du wüsstest, dass er als Teil des Volkssturms mit sechzehn gegen seinen Willen eingezogen wurde und im April 1945 sein Bein verlor, ohne selbst wirklich gekämpft zu haben. Oder aber der Mann wäre Angehöriger der Waffen-SS gewesen, hätte Anteil an furchtbaren Verbrechen gehabt und ein Partisan hätte ihm das Bein „weggeschossen“. Nach dem Krieg wäre er Mitglied einer SS-Veteranenvereinigung gewesen, er hätte eine großzügige Invalidenrente bezogen und hätte einen gutdotierten Posten im Verwaltungsapparat der jungen BRD bekleidet und die NPD mi gegründet.
    Vor dem Hintergrund des von diesem Einbeinigen angerichteten Leids wäre in diesem Falle der Verlust des Beines marginal in der Gesamtperspektive. Historisch hätte das individuelle Leid eines ehemaligen Täters keine Bedeutung, individuell unter Umständen schon. Das Zitat allein gibt keinerlei Auskunft darüber, wie es um die Hintergründe bestellt ist. Allein mögliche, assoziative Sinnzusammenhänge, die sich aus den unterschiedlichen Beiträgen Eurer Redaktion konstruieren lassen, bieten Deutungsmöglichkeiten im Sinne von „Was hat Joinsen sich dabei gedacht?“
    Diverse Popsongs basieren allein darauf, dass Assoziationsmöglichkeiten entstehen, das gesamte textliche Oeuvre Coldplays basiert darauf, dass sich die Leute angesichts irgendwelcher beliebigen Wortaneinanderreihungen und Schlüsselbegriffe wie „love“, „hate“ „loneliness“, „heart“, „time“ etc. pp. ihren Teil denken. Im Kontext von suggestiver Musik, Konzertpräsenz, Interviewäußerungen und vorgeblichen politischen Engagement konstruieren die Hörerinnen und Hörer einen Sinn in den vollkommen willkürlichen Texten.
    Das ist politisch gesehen ein vergleichsweise harmloser Zusammenhang, wenngleich die Formation wahnsinnig nervt.
    Anders sieht es in der Politik aus.
    Als die FDP noch mit dem Antisemiten Möllemann in führender Rolle Wahlkampf machte, entstand das Projekt 18. 18 Prozent der Stimmen bei der Bundestagswahl 2002 waren das angestrebte Ziel. Kritiker wandten ein, dass „18“ innerhalb der Naziszene ein beliebter Code sei, schon nach dem Zweiten Weltkrieg waren unter den Nazis 18 und 88 gängige Zeichen. Warum dieser Zusammenhang von vagem Nazisymbol und FDP überhaupt schlüssig wirkte? Möllemann bediente so viele antisemitische Klischees, die er so geschickt und mehrdeutig in die Diskussion einbrachte, dass es nahelag, ihm und anderen FDP-Leuten diese unterschwellige Deutungsabsicht der „18“ zu unterstellen. Nie hätte man ihn dafür vor Gericht stellen können, seine abgewichste Volksschullehrerschlauheit reichte aus, um solchen Gefahren aus dem Weg zu gehen.
    Auch uneindeutige Symbole können eine hohe Wirksamkeit entwickeln, so ist es meines Erachtens, wenn Du dieses Zitat im Zusammenhang des Blogs veröffentlichst, Joinsen!

  10. Meine Haltung ist doch völlig egal, wenn die Szene auch für sich sprechen kann. Ich wäre durchaus nicht unzufrieden, wenn jeder aus der Szene unterschiedliche Schlüsse zieht – ich muss doch niemandem die Welt erklären. (Ich könnte es auch gar nicht.)

    Ihr könnt mir ja diese und jene Vorwürfe machen, aber ganz bestimmt nicht aufgrund eines unkommentiert wiedergegebenen Textes. Ich habe mich schlichtweg nicht dazu geäußert. Da hilft es auch nichts, eine Kommentierung meinerseits aus vorherigen Posts zusammenzukonstruieren. Dann kritisiert doch bitte eben die Posts, um die es euch geht.

    Es muss doch bitteschön möglich sein, in einem und demselben Blog Nachrichten, Reportagen, Reflexionen, Kommentare, Satire und simple Beschreibungen der Realität zusammenzustellen. So machen wir das jedenfalls.

  11. Ich glaube, Joinsen weiß selbst nicht genau, warum er diesen Dialog wirklich veröffentlicht hat. Falls er damit einfach nur eine Diskussion anregen wollte, ist es ihm gelungen.

  12. soldaten sind mörder und zwar in jedem land!

  13. Ich bin froh, dass es sowjetische, amerikanische, britische und französische Soldaten gab, die im Rahmen ihres Kampfes Wehrmachtsangehörige getötet haben.
    Ebenso glücklich bin ich, dass es die IDF gibt, die ein hohes Maß an Zivilisation und persönlicher Freiheit garantieren, peter!

  14. Caspar, aha. Du findest es also gut, das Soldaten (Menschen) andere Soldaten (übrigens auch Menschen) getötet haben, weil diese auf der “falschen Seite” standen?

    Schonmal daran gedacht, dass viele der Wehrmachtsangehörigen auch nur einfache Leute waren, für die es hieß: Front oder Galgen? Klar, Du hättest bestimmt Fahnenflucht begangen und Dich dafür erschießen lassen. Du bist ein Held!

  15. @ G.I. Joe: Absatz 1: Ja.

    Absatz 2: Die Wehrmacht als eine Vereinigung hinzustellen, die nur aus Angst vor dem Galgen Europa überrannt hat, ist Schwachsinn, G.I.Joe.

  16. Wenn Dein “Ja” ernst gemeint und nicht nur Provokation ist, fehlen mir echt die Worte. Das ist echt menschenverachtend. Hoffentlich stehst Du niemals – freiwillig oder gezwungen – auf der “falschen Seite”…

    Zur Wehrmacht: Sicher gab es genügend Soldaten, die viel Schuld auf sich geladen haben. Doch es gab ebenso eine Gruppe einfacher Soldaten, die quasi an die Front(en) gezwungen wurden. Sonst wären sie nämlich hingerichtet worden. Ist Dir wohl nicht bekannt, dass Kollege Adolf auch zahlreiche Landsleute auf dem Gewissen hat, oder? Du solltest mal dringend Deine Schwarz/Weiss-Brille ablegen.

  17. Du hast das “zynisch” vergessen. Bitte zukünftig auf das “G.I.” verzichten. Wie wäre es mit „G.R.“ für „Geschichtsrelativismus-Jürgen“?!

  18. Boah, hat Dir irgendein 68′er Lehrer einen Hyper-Schuldkomplex in Dein Hirn eingepflanzt? Vielleicht hätte man bei Deiner Indoktrination noch ‘nen Schuss Humanismus (“Böse Menschen – also Deutsche – töten ist OK”) hinzufügen sollen. Unglaublich.

    Auch wenn’s wohl vergebene Liebesmüh ist: Ich bin Demokrat und pro-Israel. Die Frage ist, was bist Du? Deine Äußerungen lassen nichts Gutes vermuten.

  19. Das Neurotische, G.I. Joe, liegt hier in Deinem Versuch, mit aller Macht ein harmonisches Geschichtsbild Deutschlands zu konstruieren. In dem Du die Täter zu Opfern stilisierst, versuchst Du das Vergangene für Dich handhabbar zu machen. 17,7 Millionen bedauernswerte Landser, die aus Angst vor dem Galgen an die Front getrieben wurde, um dort unter Zwang zu töten, zu vergewaltigen und zu brandschatzen? Wer hat diese Masse an Menschen ferngesteuert? Der böse Führer und seine kleine Clique von Schergen? War da Vodoo im Spiel?
    Du solltest zwischen Individualschicksal und GESCHICHTE unterscheiden können!
    Meine Ausführungen beziehen sich darauf, eine Menschheitskatastrophe als solche zu bezeichnen und die Überwindung durch die obengenannten militärischen (!) Kräfte aufzuzeigen.
    Als Tucholsky „Soldaten sind Mörder“ in die Welt setzte, hatte das weit komplexere Hintergrunde als das, was ich so mach einfältiger Friedensaktivist seit den 1980ern dabei dachte. Viele der „Pace“-Typen sind keine von Grund auf friedfertigen Wesen, vielmehr jubeln sie bei Bedarf dubiosen „Freiheitskämpfern“ zu.

  20. Wer konstruiert hier denn etwas? Geschichte besteht nunmal aus tausenden Einzelschicksalen und sollte nicht auf Wörter wie “Führer” und “Landser” vereinfacht werden.

    Wenn Du den Eindruck hast, ich habe Täter zu Opfern stilisierst, irrst Du. Mir ist sehr wohl bewusst, wer den Krieg angefangen hat. Doch darum geht es hier gar nicht. Mir scheint, Du siehst die Dinge zu verbissen und einseitig. Sicherlich gab es viel zu viele deutsche Soldaten, die a) von Hitler überzeugt oder b) über ihre ihnen aufgebürdete Pflicht (wir erinnern uns -> Pflichtverweigerung -> Hinrichtung!) hinaus Verbrechen begangen haben. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass z.B. auch die Russen vergewaltigt und gebrandschatzt haben. Krieg ist nunmal grausam, egal, aus welcher Perspektive. Man darf davon ausgehen, dass es unter den deutschen Soldaten mehr als eine Handvoll gab, die am liebsten sofort den ganzen Scheiss hinter sich gelassen hätten. Und das ist der Punkt: Du unterstellst einer ganzen Soldaten-Generation, dass ALLE freiwillig und mit Begeisterung zum fröhlichen töten und vergewaltigen aufgebrochen seien. Dem ist aber nicht so. Im Gegensatz zu heute gab es keine Verweigerungsoption bzw. wäre diese der Tod gewesen.

  21. und nur weil die Russen “vergewaltigt und gebrandschatzt haben”, dürfen die Deutschen das nämlich auch. Vorallem weil die Schuld bei ihnen lag.

    Und das faschistische System hat nämlich auch nur Onkel Adolf alleine konstruiert. Die arme Zivilbevölkerung konnte im Prinzip ja gar nichts dafür, sie wussten ja gar nichts davon, dass Juden die Straße schrubben mussten..

  22. Hoffnungslos! Manche hier trainieren offenbar dafür, alles absichtlich missverstehen zu können. Viel Spaß noch bei Eurem undifferenzierten Selbsthass.

  23. @ G.I.-Joe: Ich habe den Eindruck, dass Du mich immer noch missverstehst. Ich sehe im Nationalsozialismus ein einzigartiges Verbrechen, an dem die große Mehrheit der Deutschen inklusive der Soldaten teilgehabt hat.
    Ich gebe Dir Recht, dass Krieg immer drastische und unmenschliche Folgen mit sich bringt, es gibt keinen s a u b e r e n Krieg. Dennoch glaube ich, dass es g e r e c h t e Kriege gab, unter anderem den erwähnten Kampf der Alliierten gegen das Deutsche Reich. Das ist die historische Dimension des Konflikts.
    Meines Erachtens gibt es viel mehr Menschen in Deutschland, die beklagen, dass die Deutschen an sich und Deutschland insgesamt unter moralischen Vorwürfen wegen der NS-Geschichte leiden würden als Menschen, die diese Vorwürfe tatsächlich formulieren. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges existiert eine Schlussstrichdebatte in Deutschland. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wird immer wieder der Wunsch formuliert, „stolz sein zu dürfen“ auf Deutschland. In diesem Zuge wird oftmals Kritik abgewehrt, die eine differenzierte Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte aufgreift.
    Die einschlägigen (neurotischen) Verteidigungsargumentationen tauchen seit Jahrzehnten immer wieder auf. Da ist von „Auschwitz als Moralkeule“ die Rede (Martin Walser), davon, „dass die Juden mit den Palästinensern schlimmer umgehen als die Deutschen mit den Juden während des NS“ und davon, dass das alliierte Bombardement deutscher Städte ein Holocaust gewesen sei (Jörg Friedrich). Dazu kommen dann individuelle Schicksalsbeschreibungen: Die Oma, die von den Russen vergewaltigt wurde, der Opa, der sein Bein verloren hat, und der Großonkel, der nicht aus sowjetischer Gefangenschaft zurückkam. Die Mischung von diffusen Entlastungskonstruktionen und individuellen Erfahrungsberichte dient dann gerne generellen Umdeutungen, die zu einer Relativierung von Geschichte oder gar zu einer Umkehrung von Schuldfragen führen können. Das ist nicht allein ein psychisches Problem, das das individuelle Bewusstsein trübt; diese Problemlage findet bedauernswerterweise immer wieder kollektiven Ausdruck in politischen Haltungen und Aktionen.
    Die Antideutschen formulieren mittlerweile konkret die Thesen, die die Vertreterinnen und Vertreter des Geschichtsrelativismus bzw.- revisionismus schon bekämpften, als es sich noch ausschließlich um Projektionen eines Feindbildes handelte.
    Im Übrigen muss ich weder Patriot noch Nationalist sein, um dem Leben angenehme Seiten abgewinnen zu können- die Nation ist ein ungeeigneter Rahmen für Selbstverwirklichung und Erfüllung.

  24. Wenn du, lieber Joe, anderen Deutschen “Selbsthass” unterstellst, so hast du noch nicht verstanden, dass nicht jeder seine zugeschriebene Nationalität als Identität annehmen will, oder dass eine solche Ablehnung überhaupt möglich ist. Du machst aus etwas politisch-kulturellem etwas persönlich-psychologisches. Es ist klar, dass beides immer irgendwie immer zusammenhängt. Aber gerade wenn du das gute Leben der Menschen als Ziel siehst, solltest du diesen von dem ganzen Quatsch genannt Deutschland loslösen, ja, ich würde sagen: befreien. Ganz bestimmt aber solltest du das zumindest deinen Mitmenschen gestatten, ohne von etwas Pathologischem auszugehen.

  25. @Caspar

    Ich stimmte Dir in Teilen zu, jedoch gibt es für mich keinen “gerechten” Krieg. Krieg ist Krieg. Interessant ist da lediglich noch die Frage, wer ihn begonnen hat. Ebenfalls halte ich nichts davon, menschliches Leid gegeneinander aufzurechnen nach dem Motto “der deutsche Landser X hat 5 Russen getötet, also ist es legitim, dass der Russe Y als Vergeltung 10 deutsche Frauen vergewaltigt”.

    Was den “Stolz auf Deutschland” angeht: Ich bin persönlich bin zu wenig Patriot, um auf mein Geburtsland stolz zu sein. Ich bin lieber auf persönliche Erfolge stolz. Jedoch sehe ich nichts schlimmes daran, wenn jemand äußert, dass er gerne hier lebt und auf dieses Land aufgrund seiner kulturellen, sportlichen oder ökonomischen Leistungen stolz sei. Diese Art von einfachem Nationstolz gibt es in fast jedem Land und bereitet mir kein Kopfzerbrechen.

  26. @Joinsen

    Was ist denn so schlimm an diesem “Quatsch” namens Deutschland?

    Lehnst Du einfach nur Nationalstaaten als solche ab und träumst von einer bunten “One-World”-Gesellschaft? Das würde leider nie funktionieren – aus den gleichen Gründen, weshalb der Sozialismus mittelfristig immer versagen wird. Der Mensch selbst ist das Problem.

  27. Vielleicht liegt ja vergewaltigen und Brandschatzen in der Natur der Soldaten. Vielleicht auch in der des Krieges…. Wer weiß das schon…

    Nationalismus ist das Problem!!!!

  28. Nein, vergewaltigen und brandschatzen liegt im Charakter eines Menschen, der entmenschlicht und verdorben wurde oder es vielleicht in seinen Tiefen schon immer war (genetische Veranlagung?). Das selbst “gute” Menschen in einem Krieg zu Bestien werden können, ist hingegen ja leider nichts Neues.

    Nationalismus ist kein Problem, solange er in schwacher, einfacher Form vorhanden ist. Im Gegenteil, er kann helfen, eine Bevölkerung gesellschaftlich und sozial zusammen zu halten. Ein Problem ist nur übersteigerter Nationalismus in Verbindung mit Herrschaftsansprüchen (siehe 2. WK). Leider wird aus dem linken Lager in Deutschland bereits jemand, der einfach nur beim Fussball ‘ne Fahne schwenkt, als potentieller Extremist angesehen.

    Das Problem des linken Spektrums besteht darin, zwar Probleme zu erkennen, aber keine realisischen Lösungen anzubieten. Sozialismus ist keine und Anarchie (brennende Autos) ebenso nicht.

  29. An dieser Stelle möchte ich G.I. Joe anregen, weitere politische Begriffe zu erläutern! Nachdem wir hier so unterhaltsam erfahren haben, dass „Nationalismus“ eigentlich o.k. ist, „Sozialismus“ nicht funktioniert und „Anarchismus“ Autos anzünden bedeutet. Folgende Termini stelle ich bereit: „Kapitalismus“, „Charakter“ und „Michael Jackson“!

  30. Och nöö, bitte nicht Michael Jackson!
    (Ich leide unter Lesezwang, sonst wär’s ja okay.)

  31. Der Kapitalismus hat trotz seiner Probleme zumindest mehr Menschen zu einem guten Leben verholfen, als der Sozialismus. Da hat nämlich keiner etwas, außer der “Elite”.

    Zu dem restlichen Quatsch sage ich mal nichts.

  32. Eigentlich hat in dieser Diskussion bisher niemand den Sozialismus endorsed, und auch Kapitalismuskritik hat nicht stattgefunden. Vielleicht magst du mal erklären, inwiefern und warum du Deutschland (sei es als Staat oder als Idee) als Bollwerk gegen den Sozialismus ansiehst. Oder wie du sonst ausgerechnet in der Diskussion zu diesem Beitrag darauf kommst.

  33. Frag den “interessierten Leser”, wie er auf das Thema kommt.
    Habe aufgrund seines Einwurfes mal locker-flockig einige Gedanken geäußert…

  34. naja…
    nationalismus ist trotzdem das problem! wann ist er denn ok wann übersteigert? wann wird aus dem fahnenschwenker jemand der einen ausländer auf der straße beleidigt? bei jeder fussball großveranstaltung liegt das gerade bei einer niederlage deutschlands doch sehr nahe beisammen…
    ohne nationalismus hätte es bestimmt den I WK nicht gegeben, damit wohl auch nicht den II (ob es ohne nationalistische tendenzen ausgehend von einem unabhängigen staat überhaupt zu kriegerischen handlungen komen würde wage ich zu bezweifeln…)
    und das mit dem “entmenschlichtem” und “verdorbenen” Soldaten vergiss auch mal lieber. “wenn einer erstmal angefangen hat ist es für die anderen ganz leicht mitzumachen” frag mal die menschen die anfang der 90er in deutschland “gezündelt” haben…

  35. Ich denke, die Welt ist heute viel komplexer, als das man Kriege und andere Konflikte (Unruhen) einfach an Nationalismus festmachen könnte. Egal, was von jetzt davon hält.

    In Deutschland wird es vermutlich in den nächsten Jahren auch noch zu Unruhen kommen, dafür haben wir bzw. unsere Politiker schon gesorgt. Allein durch die massenhafte Einwanderung von Menschen, die unsere Kultur und christlichen Wurzeln überwiegend ablehnen ist bereits für genügend sozialen Sprengstoff gesorgt. Kommt dann noch steigende Arbeitslosigkeit und Inflation hinzu, kann sich jeder ausmalen, wie es in 5-8 Jahren in Deutschland aussehen wird. Die “1. Mai”-Krawalle werden nichts dagegen sein.

  36. Ich bin nicht eingewandert!

  37. ich auch nicht!
    ansonsten:

    zzzz zzzz zzzz zzz

  38. Nationalismus und Patriotismus sind mir vollkommen unverständlich. Aber ich stelle immer wieder fest, dass sehr viele anscheinend ein unglaubliches Bedürfnis danach haben.
    Auch die Antideutschen scheinen da nicht anders zu sein, übertragen das ganze nur auf einen anderen Staat (Israel) den sie dann kritiklos und undifferenziert anhimmeln und teil wird dann auch noch der Patriotismus einfach durch einen Lokalpatriotismus (z.B: Bremen) ersetzt.
    Komisches Phänomen.

  39. Die Situation um und in Israel ist ein sehr schwieriges Thema. Meinem Eindruck nach sind die Israelis durchaus an einem dauerhaften Frieden interessiert. Leider sind ihre Gegner voller Judenhass – das hat aber sicherlich nichts mit deren Religion zu tun (oder etwa doch?)… jedenfalls wird eine vernünftige Lösung des Konfliktes so fast unmöglich.

  40. Ach ja, noch etwas: Das “Antideutsche” Israel angeblich anhimmeln, ist mir neu. Das linksextreme Spektrum sticht doch genau wie das rechtsextreme Spektrum durch starken Antisemtismus hervor. Nicht umsonst sah man auf den Pro-Pali-Demos so viele offensichtlich Linke.

  41. Zur Information der interessierten Leser teile ich mit, dass unser Joe in seinem letzten Beitrag die Internetseite angegeben hatte, die zu ihm passt und die ich entsprechend unserer erprobten Policy gelöscht habe.

    Joe, hast du ernsthaft noch nichts von Antideutschen gehört?

  42. Aha, die Seite passt gut zu mir? Offenbar passt zu Dir vor allem Zensur.

    Was ist eigentlich so schlimm an der Seite? Hast Du überhaupt mal einige Beiträge gelesen (ich rede nicht von den z.T. unpassenden Kommentaren)?
    Wer nur linke Medien liest, verblödet genauso, wie derjenige, der nur die Bild-Zeitung kennt. Ein äußerst einseitiges Schwarz/Weiss-Weltbild ist die Folge. Dabei liegt die Wahrheit, wie so oft, irgendwo dazwischen. Und entgegen gegenläufiger Meinungen von Leuten, die die besagte Seite vermutlich nie wirklich gelesen haben, ist diese nichts “rechtsextrem”, sondern lediglich rechts-konservativ, was ja legitim sein sollte (heutzutage ist leider alles, was nicht links ist, beinahe automatisch rechtsextrem/rechtsradikal).

    Wie auch immer: Ich informiere mich aus verschiedenen Quellen. Solltest Du auch mal versuchen. Natürlich könnte dabei die vorgefertigte Meinung etwas in Wanken geraten, aber das Risiko ist es wert.

  43. Es ist keine Zensur, wenn ich auf einer privaten Seite Links entferne.

    PI News betont in völlig ungerechtfertigter Weise und ohne jegliche Reflektion die Bedeutung von dem, was sie Kultur nennen. In Bezug auf vermeintliche Konstanten menschlichen Handelns werden unmenschliche Schlüsse gezogen. Damit bewegen sie sich sehr Richtung Rassismus. Außerdem ist eine Neigung zu Verschwörungstheorien zu bemerken, die auch in deiner Empfehlung durchklingt.

    Dazu kommt ein wirklich nerviger Missionswahn (mit der auch bei der anzutreffenden Annahme, andere seien noch nicht informiert/erweckt), dem wir mit der Löschung der Links ein wenig entgegenwirken wollen, damit hier nicht alles zugespamt wird.

  44. Reden wir von der gleichen Seite?

    Politcally Incorrect betont meiner Ansicht nach lediglich die Werte des Abendlandes, was ich für legitim halte. Auch wenn ich nicht alles toll finde, was dort steht, stellt die Seite einen interessanten Gegenpol zu den ebenfalls einseitigen Positionen der (eher linken) Mainstream-Medien da. Wie gesagt, die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte.

  45. Die Wahrheit liegt nicht, schon gar nicht in der Mitte. Sie wandert. Tagsüber. Nachts schläft sie. Auf verbrochenes.net.

  46. Interessant. Joinsen ist für die Inhalte verantwortlich und Du machst den Clown. Nette Mischung.

  47. Richtig. Nebenbei experimentiere ich. Mit Gewalt und Sprache. In diesem Fall mit Sprache. Wenn ich jemanden in kurzen Sätzen anspreche passiert also folgendes: Er antwortet in kurzen Sätzen. Manche sehr kurz. Nur ein Wort.

    Weitermachen. Für unser Land.

  48. Verbrochenes: 4, G.I. Joe 0

  49. Sind das Noten, Meter oder Punkte?

  50. ich finde joe ist ein richtiger G.I.

  51. Mir liegt zwar Cricket mehr als Fußball, dennoch denke ich, dass es sich beim 4:0 um Tore handelt, liebe Lady Lim! Eine vergleichbare Analogie findet man bei der sehr hübschen LP der Formation Housemartins aus dem Jahre 1986.

    Baron Guttenberg trägt scheußliche Motivkrawatten und besucht AC/ DC-Konzerte. Dies nahm ich heute mit einiger Genugtuung beim Durchblättern des Sterns wahr. Sechshundert Jahre Inzucht hinterlassen eben doch Spuren.

  52. Oh Lord Peter! Du hast Licht ins Dunkel gebracht, dankeschön. Tooore! Natürlich.

    Bist Du eigentlich eher so der Batsman oder der Bowler?

  53. Liebe Lady Lim, für das Balliol in Oxford schlug ich mich auf jeder Position nach besten Kräften. Tatsächlich liegt mir die Vielseitigkeit am Herzen!

  54. Was für ein Kindergarten.

  55. Glückwunsch zum 18., Bonde.

  56. Dass die Enthüllung der Altersverhältnisse ausgerechnet im Zusammenhang mit diesem Beitrag stattfindet, ist ein Hinweis auf so etwas wie Fügung oder ein Schicksal, das einen Blick für seine Ironie hat.

  57. Gratulation! Zukünftig werde ich Bonde als Wunderkind rühmen können! Doch aufpassen, M.J. hat gezeigt, wohin Wunderkindkarrieren führen können! G.I. Joe gibt sich so, dass ich ihn gerne „Onkel Joe“ nennen möchte. Oder „Vati“.