Juli 2009

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Ich möchte in Zukunft meinen Lebensunterhalt mit Lotto verdienen. Ich möchte auch gerne mal woanders leben und ein bisschen frei sein. Solche Sachen. Haut natürlich mit Lotto nicht wirklich hin. Also mal was anderes überlegen, denk ich mir. I´m going in for the kill. I´m doing it for the thrill. Wo haben die Leute eigentlich Trost gefunden, bevor es Popkultur gab? Vermutlich gar nicht.

Ich plane übrigens, meinen Nachnamen in „Trost“ zu ändern. Also erst später, wenn meine Eltern, vor allem mein Vater, dann mal tot sind. Vorher nicht. Vielleicht denk ich mir auch eine Figur aus, die so heißt. Eine Romanfigur jetzt. Peter Trost. Die Geschichte endet damit, dass die Hauptfigur, vermutlich eine Frau, dann bei Trost ist. Holzhammermetapher in Dein Gesicht, Alter. Verkauft wie blöde, ich werd reich. Was meint ihr, Freunde?

Ich war ja schonmal in Düsseldorf. Aber letztens war ich auch in Köln. Da war ich vorher mal mit Werder, aber jetzt war ich anderweitig da. Es feierte sich die Agenturenbranche, also hauptsächlich Werbung. Und es wurde Fußball gespielt. Deshalb war ich auch da, war aber alles ein großer Irrtum. Alle irgendwie für irgendwen coolen Veranstaltungen kommen irgendwann an den Punkt, wo sie, obwohl noch lebendig, zum Mythos verklärt werden. Also sehe ich da jemanden, der „Mythos BAC – Wer sich erinnern kann, war nicht dabei!“ auf dem Shirt stehen hat. Das ist natürlich ein sicheres Zeichen für das Ende dieses Mythos. Niemand feiert, aber alle strengen sich an, echt mal so richtig zu feiern. Ganz traurige Show. Zweites Problem natürlich, so branchenspezifisch, dass alle unbedingt mit der geilsten Idee an den Start gehen müssen. Also eine Truppe mit dem lustigeren Motto als die andere. Aber keiner kann mehr über irgendwas lachen oder sich über irgendwas freuen, nichts ist mehr „Hahahaha GEIL!“, sondern alles ist irgendwo zwischen „Schöne Idee!“ und „Naja, die Idee ist jetzt auch nicht soooo gut.“ Keine Ahnung, ob das jetzt irgendwie verständlich ist.

Werder wird Meister. Ja, hab ich letztes Jahr auch schon gesagt. Und es stimmte nicht. Aber dieses Jahr stimmts. Werder und die Liga, da stimmt die Chemie. Nur Moreno, der floppt. Nicht hart genug. Diego kommt übrigens, auch wenn ihr das jetzt alle heimlich hofft und vermutet, nicht zurück. Macht aber nichts.

Morgen wilde Feierei im Zucker. Ich bin aber nicht da. Ich nehme inzwischen 400 Euro für Stargastauftritte, und das war wohl etwas viel. Wer in Bremen ist, sollte aber hingehen.
Und jetzt mal zu der in den Kommentaren angeregten Diskussion. Also warum eigentlich politisch ganz in Ordnung sein und zum Fußball gehen? Sehr schöne Frage, müssten in erster Linie mal die diskutieren, die das tun. Da besteht dann aber das Problem, dass politisch zu sein noch lange nicht heißt, im Internet korrekte politische Texte hinklatschen zu können. Muss es auch gar nicht. Wer die Genossen dafür angreift, ist nicht redlich.

Die Sache an sich ist folgende:
Wer sich beim Fußball engagiert, wird relevant. Also, zentrales Wort hier: Relevanz. Du kannst natürlich auch in Deinem bekackten Dorf was an die Bushaltestelle schmieren oder mit Deinen Kumpels die Antifaabteilung Bremen-Süd gründen. Das interessiert aber im Endeffekt niemanden. Zum Fußball gehen jeden Spieltag ein paar hunderttausend Menschen, Medienberichterstattung usw usf. Und jeder Dauerkartenbesitzer, mit dem ich rede, kennt die Ultras. In groben Zügen jedenfalls. Bei den Ultras politisch zu werden heißt, öffentlich politisch zu werden. Die riesige Werder GmbH & Co KG aA zu kritisieren, provoziert eine Reaktion derselben und aller, die sich dafür ebenfalls interessieren. Die Nazis im Stadionumfeld zu kritisieren ebenso. Wer sich auf dem Bahnhof mit Nazis prügelt, kommt ins lokale Käseblatt. Wer Nazis aus dem Fanblock schreit, landet in der Tagesschau. Natürlich geht das nicht so rum, dass diese Bühne gesucht wird. Aber viele junge Leute kommen zum Fußball und lernen da, dass sie relevant werden. Dass das, was sie tun, Bedeutung hat. Und dann machen sie weiter. Und erreichen sehr viel mehr als diejenigen, die theoretisch viel besser geschult sind, ihre Diskussionen aber auf linken Sofas und im Infoladen unter Gleichgesinnten führen.

Schon ganz geil so, die Ultras.

Nun ist wenig gesagt über die Faktoren, die zunächst mal Fußball so attraktiv machen und ob Vereinsanhängerschaft schon strukturell nationalistisch und der Wunsch, Diego mal zu küssen, schon unzulässige Heldenverehrung ist. Meine schnelle Antwort: Ja, ist schon so. Macht aber nichts.

Wir müssen alle wieder viel mehr nach links rücken. Also im Sinne von: denen, die mehr haben, was wegnehmen. Kann natürlich auch ne kapitalistische Strategie sein. Aber mit Arbeit kommt man zu nichts. Was in antideutschen Debatten ja untergeht, sind ganz einfache Fakten: Ich verdiene so wenig, damit mein Chef so ein großes Auto fahren kann. Denkt da mal drüber nach jetzt, Freunde.

Aber was willste machen? Schießen darfste nicht.

Und dann stirbt auch noch Michael Jackson, herrjemine. Wer das unterschätzt, sollte sich das hier mal ansehen. Im Wesentlichen ist es eine Parodie auf einen Schwarzen, gegeben von einem schwarzen Bürgerrechtler. Aber derlei Kommentare stehen mir wohl nicht zu. Und die Rede ist schon echt gut. Ruhig mal angucken. Recht hat er, der Mann. It was Michael Jackson! So siehts doch mal aus.

Lass mal Bier trinken beim Pokalspiel. Oder den Abend vorher. Was meinste? Ab morgen übe ich den Moonwalk.

mp3 downloaden.

Ich werde den Rest des Tages diese Website angucken:

http://www.eternalmoonwalk.com/

tagesschau.de berichtet auf seiner Startseite:

Nach dem Verzicht der Bundeswehr auf das Bombodrom in Brandenburg verlangt der niedersächsische Ministerpräsident Wulff nun auch die Schließung des Übungsplatzes „Nordhorn Range“ in seinem Land. Die Soldaten sollten stattdessen Bombenabwürfe im Ausland trainieren.

Auf unsere Nachfrage, ob die Atomanlagen des Iran ein Ziel sein könnten, teilte uns Wulff mit: „Wir müssen immer schauen, inwieweit hier niedersächsische Interessen berührt werden.“

Eck

Vor einigen Jahrzehnten noch erregte es Aufsehen, wenn eine Dame irgend welchen Sport trieb. Sogar das jetzt allgemein geübte Schlittschuhlaufen galt in den vierziger Jahren noch als unpassend.

Heute kennen wir gekrönte Häupter, die ausgezeichnete Radfahrerinnen sind. So ändern sich die Zeiten! Die Frau ist hier wie auf manchem andern Gebiet eine erfolgreiche Konkurrentin des Mannes geworden. Jedoch darf die Frau in der Oeffentlichkeit nie allein Sport betreiben.

Der Eislauf ist als gesunde Körperbewegung beliebt. Die junge Dame besucht die Eisbahn nur in Begleitung Bekannter. Sie darf mit bekannten Herren zusammen laufen, ebenso die kleinen Ritterdienste, zu denen der Eissport Gelegenheit giebt, annehmen. Die Toilette zum Eislauf ist ein elegantes Straßenkostüm. Für den Herrn ist hier ausnahmsweise die Pelzmütze, die sonst nicht getragen wird, gestattet.

Wer Rad fährt, vermeide als Herr jedes auffällige Kostüm. Sportkostüme mit Emblemen sind das Privilegium des Radfahrerklubs. Eine vornehme Frau weder allein Rad, noch wählt sie späte Stunden oder vielfrequentierte Straßen. Das viele Klingeln gilt als unfein. Die Dame überläßt dies ganz ihrem Begleiter. Daß jeder, der einen Sport dieser Art lernt, sich an möglichst einsam gelegenen Orten und zu Zeiten übt, wo dies ungesehen geschehen kann, ist ein Gebot der Klugheit. Ebenso bitte man nicht eher andere, mit uns Schlittschuh zu laufen oder uns bei einer Radtour mitzunehmen, bis man so weit geübt ist, daß man die anderen nicht aufhält und im Genuß stört. Wer z. B. nicht firm im Besteigen des Rades ist, darf sich unter keinen Umständen der Kritik der Straße aussetzen.

Von außerdordentlicher Wichtigkeit für Gesundheit, Haltung und Wohlbefinden ist es, wenn du, lieber Leser, turnen, fechten, schwimmen und reiten lernst. Diese Künste erhöhen deine körperliche Gewandtheit, bestärken dich in sicherem Auftreten und verhelfen dir zu kraftvoll anmutigen Bewegungen. Auch dir, verehrte Leserin, raten wir, soweit es dir möglich ist, die Uebungen zu betreiben. Sie stählen die Gesundheit, bedördern die Widerstandsfähigkeit des Körpers und erhalten dich – und dies wird dir gewiß nicht einerlei sein – jung.

Wem die Betreibung von dergleichem Sport aus irgend einem Grunde unmöglich ist, der findet Ersatz in den Bewegungsspielen, die dem allen körperlichen Uebungen so zugthanen England zu uns herübergekommen sind, und die in Deutschland so fest gefaßt haben, daß es zum guten Ton gehört, sie zu kennen und zu spielen. Allen voran steht das beliebte Lawn Tennis, auch nur Tennis genannt, dem an Badeorten, wie Homburg, Wiesbaden, großartige Plätze hergerichtet wurden, und welches auch in den Gärten begüterterter Familien eine Freistatt fand. Es ist ebenso gesund wie interessant, erfordert und begünstigt körperliche Gewandtheit und Anmut. In Hemdärmeln zu spielen, ist ganz und gar unpassend. Es giebt heute Tennisklubs, Tennisturniere und Tennismerkbüchlein, in denen die Partien, Verabredungen, Turniertage u. s. w. verzeichnet werden.

Ein neues englsiches Bewegungsspiel, erst seit kurzem unter uns gespielt, ist das Golfspiel. Wie beim Lawntennis, dem Football und dem Croquet, lauter Spiele, die über den Kanal zu uns herübergekommen sind, bildet auch hier die Kugel und ihre Fortbewegungung Zweck und Ziel des Spiels. Der Ball darf während des Spiels nicht mit der Hand berührt werden, er wird mit einem Hammer vorwärts getrieben.

Von den Spielen im Freien kommen wir auf die Spiele im Zimmer, die so genannten Gesellschaftsspiele. In erster Linie ist hier das Billardspiel zu erwähnen. Wer in der Gesellschaft beliebt zu werden wünscht, lerne es. In Deutschland findet es sich außer in reichen Haushalten nur im Restaurant. Damen spielen im Restaurant selbstverständlich nicht mit.

Unter den Kartenspielen ist augenblicklich Skat, Whist, Bézique am beliebtesten. Früher waren L´hombre und Boston im Schwunge. Lerne diese Spiele, lieber Leser, damit du stets im stande bist, bei einer Partie auszuhelfen. Spiele aber nie mit halber Aufmerksamkeit. Es kränkt den Partner, wenn er merkt, daß du es nicht der Müher wert hältst, ganz bei der Sache zu sein.

Daß alle Hazardspiele verboten sind, ist dir bekannt. Wer einmal in Monte Carlo in den überhitzten Spielsälen die goldhungrige Schar leidenschaftlicher Spieler beobachtet hat, wer in den Zügen der verzerrten Gesichter gelesen, die nervös zitternden Hände das gewonnene Geld einstreichen sah, wird gewiß von Herzen froh sein, daß diese Stätten in unserem Vaterland zu existieren aufgehört haben.

Wir wollen diesen Abschnitt nicht schließen, ohne einer Lieblingspassion, eines Lieblingssports zu gedenken, der Jagd. Wer Pächter einer Jagd ist, veranstaltet eine oder mehrere Treibjagden u. s. w. und ladet diejenigen ein, deren Jagdgast er gewesen ist. Bist du erst seit kurzem Jäger, oder willst du es gar erst werden, so warne ich dich vor Einem: Schaffe dir keine allzu patente, wohl gar bunte Kleidnung dazu an, sie verrät, daß du noch Neuling bist.

Gekürzter Auszug aus: Wie soll ich mich benehmen? Die Sitten der guten Gesellschaft in Aufnahmen nach dem Leben von J. v. Wedell, 6. Auflage, um 1900.

Wie gern würde ich im nächsten Jahrhundert leben! Oder im übernächsten. Oder noch eins später.