September 2009

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Maxim Biller

Die Situation im Iran konnte man im Sommer lange im Fernsehen verfolgen, dann kamen die Demonstrationen zu einem Ende, und das Thema verschwand wieder aus den Massenmedien. Derweil läuft aber in Deutschland eine Diskussion unter Linken, wie man denn als aufgeklärter fortschrittlicher Mensch zum Gottesstaat und der Bewegung, die da nach der Wahl so aufsehenerregend protestierte, zu stehen hat. Das ist interessant.

Ich outline kurz:
Iran wird regiert von Islamisten, mit allem was dazu gehört: Frauenunterdrückung, Schwulenverfolgung, Folter, Mord usw usf.

Iran sponsort Terrorgruppen wie Hamas und Hizbollah, die gegen Israel kämpfen. Irans Präsident kündigt regelmäßig die Vernichtung Israels an, und gleichzeitig wird im Land an der Atombombe gebaut.

Das wollen die westlichen Staaten ändern, allerdings ist ihr Engagement in dieser Richtung nur halbherzig, weshalb der Iran an seinen Plänen festhalten kann und damit endgültig zum großen Helden der deutschen Antiimperialisten wird. Das ist er wegen der Unterstützung für Palästina (heißt: dem Kampf gegen Juden) ohnehin schon.

In diesem Klima gab es einen massiven Wahlbetrug und große Proteste im Land, eine Art Freiheitsbewegung scheint sich entwickelt zu haben. Dass die nun wiederum auch gern „Gott ist groß!“ über die Dächer ruft, macht klar, dass man es hier nun leider wieder nicht mit der kommunistischen Partei Persiens zu tun hat und dass das alles nicht so einfach ist.

Lange Rede, kurzer Sinn: In Bremen gibt es gerade eine Veranstaltungsreihe der Bremer „Gruppe in widersprüchlicher Gesellschaft“ zum Thema. Was für ein schöner Name! Und so läuft das ab:

Zur aktuellen Situation im Iran
mit Stephan Grigat
Dienstag 15.09.09 um 20 Uhr in der Villa Ichon
(in Kooperation mit der Heinrich- Böll Stiftung)

Die Situation der Frau im Gottesstaat Iran
mit Fathiyeh Naghibzadeh
Dienstag 29.09.09 um 20 Uhr in der Villa Ichon

„Kopftuch als System“- Film von Fathiyeh Naghibzadeh
Dienstag 13.10.09 um 19.30 Uhr in der Mediencoop des Lagerhauses

Verschleierter Kulturalismus – westliche Intellektuelle und ihr Flirt mit dem Islam
mit Andreas Benl
Dienstag 27.10.09 um 19.30 Uhr im Infoladen

Wir finden es ganz zauberhaft, dass jemand solche Veranstaltungen in Bremen organisiert, und Ihr solltet alle hingehen. In das Thema Iran kann man sich zum Beispiel hier einlesen.

Nachtrag:
Mehr Infos gibt es hier, aber Achtung:
Die Termine auf der Seite sind falsch, die richtigen stehen hier.

Weltexklusiv auf verbrochenes.net. Oder so.

Märtyrer

Mehrtürer

Im Ernst, ich hatte diese Idee schon vor Jahren. Eingefallen ist sie mir allerdings wirklich erst wieder beim Hören dieses Liedes.

©

Folgenden Satz lasse ich hiermit schützen:

Keine Arbeit ist besser als keine Arbeit.

Die Verwendung in Publikationen schriftlicher, filmischer oder musikalischer Art, geschehe sie in Punksongs, Lotzidokus oder Schülerzeitungen, auf deutsch oder in anderen Sprachen, in denen es funktioniert, bedarf der Nennung meines Namens sowie

  • im Falle einer schriftlichen Veröffnetlichung einer vorangestellten,
  • im Falle einer filmischen Veröffentlichung einer im Abspann integrierten beziehungsweise
  • im Falle einer musikalischen Veröffentlichung einer im Rahmen einer eigenen Strophe oder eines Rapparts

angebrachten Erklärung, wer die Arbeit geleistet hat.

Germany

via

Ich habe heute eine eMail erhalten, in der ich gebeten werde, diese Richtigstellung hier zu veröffentlichen. Es geht dabei um das Ereignis, das hier und anderswo beschrieben wird.

Wichtig: Weder war ich zugegen, noch weiß ich mehr über die Auseinandersetzung, als im Internet darüber zu lesen ist.

„Richtigstellung bezüglich der Pressemeldungen zu einer Auseinandersetzung zwischen Bundeswehrsoldaten und Werderfans auf der Rastanlage Allertal am 30.8.2009″

Nach fälschlichen Verbreitungen der Presse auf Grundlage der verzerrten Sachverhaltsschilderung der Polizei, sehen wir uns gezwungen, eine Richtigstellung der Ereignisse, welche sich am Sonntag, den 30.8.2009 zugetragen haben, zu veröffentlichen.

Anders, als es teilweise durch die Medien und die Polizei vermittelt wurde, handelte es sich zwar um Soldaten der deutschen Bundeswehr, diese waren aber nicht uniformiert, sondern trugen „Freizeitkleidung“. Auch in ihrer Freizeit jedoch liessen sie es sich nicht nehmen, ihr menschenverachtendes Weltbild nach aussen zu tragen und stellten ihr faschistisches Gedankengut offen zur Schau: Neben einem T-Shirt mit dem Aufdruck „Auch ohne Sonne braun“ und einem weiteren T-Shirt mit dem Aufdruck „88“ (der bekannten Abkürzung für den achten Buchstaben des Alphabets, der für „HH“, die Grußformel „Heil Hitler“ steht) trug einer der Beteiligten ein Tattoo auf dem Ellbogen, welches eine „Schwarze Sonne“ darstellt, ein in Neo-Nazi-Kreisen zur Wiedererkennung beliebtes Runen-Symbol, dessen Bedeutung für die Neo-Nazis auf eine Verwendung dieses Symbols durch die SS zurückzuführen ist.
Die Behauptung der Polizei, die vier Personen seien „irrtümlich“ der rechten Szene zugeordnet worden, naht nicht nur an Naivität, sondern ist eine unzulässige Verzerrung der Tatsachen, welche die offensichtliche Zugehörigkeit und das Bekenntnis der Soldaten zur Nazi-Szene verschleiert. Dass dieses unreflektiert von den Medien übernommen wird, ist im „Copy+Paste“-Zeitalter des Internetjornalismus keine Überraschung, bei dem die eigenständige Recherche statt der unkritischen Übernahme einer Pressemitteilung auch zu der Frage hätte führen können, ob aus dem verfassungsfeindlich eingestuften Bekenntnis der Soldaten juristische und berufliche Konsequenzen gezogen werden.

Wir werden nicht wegschauen, wenn Menschen, ob im Dienste des deutschen Staates oder in ihrer Freizeit, menschenverachtende Propaganda verbreiten und NS-verherrlichende Kleidung tragen.

Ein paar Beteiligte

Nachtrag:

Artikel in der taz nord ein paar Monate danach.

Weiterer Nachtrag:

In einer allgemeinen Pressemitteilung lässt die Bremer Polizei folgenden Satz fallen:

Ein Stadionverbot wird wegen sicherheitsbeeinträchtigen Auftretens im Zusammenhang mit Fußballveranstaltungen nicht nur innerhalb oder außerhalb einer Platz- oder Hallenanlage geprüft, sondern auch vor, während oder nach einem Fußballspiel. So hat der DFB nach Einleitung eines polizeilichen Ermittlungsverfahrens wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung gegen vier Bremer Ultras ein überörtliches Stadionverbot gegen sie ausgesprochen. Die Bremer Fußballfans hatten im August 2009 nach einem Auswärtsspiel in Berlin auf einer Rastanlage an der Autobahn 1 Bundeswehrsoldaten angegriffen und diese zum Teil verletzt.

Fußball:

Man ist zuversichtlich. Wir haben eine gute Mannschaft beisammen. In der Abwehr hat sich wenig getan, aber das geht schon klar: Die vielgeschmähten Außenverteidiger Fritz und Boenisch sind immerhin entweder mal Stammspieler in der Nationalmannschaft gewesen bzw. gerade Europameister bei der U21 geworden. Das sind Gute, sie müssen es nur zeigen. Jungs, ich glaube an Euch. Innenverteidigung: Kein Thema, beide Weltklasse. Dahinter stehen Prödl und Pasanen, einmal großes Potential und einmal guter Überdurchschnitt.

Im Mittelfeld haben wir mit Özil schon die würdige Fortsetzung der Reihe, die meistens mit Micoud, bei mir aber mit Herzog beginnt: Herzog – Micoud – Diego – Özil. Viermal die gleiche Position, aber vier ganz unterschiedliche Spieler. Mit Özil geht es wieder ein bisschen Richtung Micoud, das Spiel wird schneller als mit Diego. Aber Özil ist selbst schneller und laufstärker als Micoud es war, er ist nicht darauf angewiesen, den Ball immer sofort wieder abzuspielen. Dafür fehlt ihm noch die Aura eines erfahrenen Spielers wie Micoud. Führungsstärke ist ein hässliches Wort, aber genau das wird Özil in Zukunft entwickeln müssen. Leider ist absehbar, dass er dann nicht mehr für uns spielen wird, weil sein Berater nächstes Jahr richtig Kasse machen will.
Ob das dann gut oder schlecht für Özil ist, wenn er schon dann zu Bayern wechselt, weiß ich nicht. Aber vermutlich ist er dann so gut, dass er in jeder Mannschaft der Welt Stammspieler wäre; das heimelige Gerede von der guten Entwicklung, die er in Bremen dann noch nehmen könnte, dürfte reines Wunschdenken sein.

Im Mittelfeld spielt auch immer noch Torsten Frings, der ganz stolz verkündet, dass er „fürs Land die Knochen hingehalten“ hat, und daraus heute Ansprüche ableitet. Das widerspricht nur vordergründig dem üblichen Narrativ, nachdem ein Spiel in der Nationalmannschaft stets eine große Ehre sei, ein Geschenk für den Spieler. Für Frings ist es harte Arbeit und ein Opfer. Aber so ist das eben in nationalen Zirkeln: Alle reißen sich darum, sich zerreißen zu dürfen, und wer am meisten gelitten hat, bekommt die größte Anerkennung. Wer leidet und entbehrt, wird hier gern verehrt. Absichtlich gereimt, jepp.

Weil Torsten wegen all des Knochenhingehaltes nicht mehr richtig sprinten kann, darf er jetzt nicht mehr gegen Aserbaidschan kicken. Schade für ihn, aber mich macht es auch nicht glücklich, dass er jetzt so lahm ist. Neuerdings spielt er auch noch Fehlpässe, das gab es früher nicht so. Und was beim Lutscher nach viel Einsatz und Kampfgeist aussieht, sind meistens Verzweiflungsgrätschen, die im regelmäßigen Einen-Schritt-zu-spät-kommen begründet sind.
Aber ich mache mir keine Sorgen um unser Mittelfeld. Das liegt zum einen an Tim Borowski, dessen Verpflichtung ich mega gefeiert (!) habe, zum anderen daran, dass Torsten jetzt zu Hause ausgezogen ist. Er wird zu alter Stärke zurück finden und seine Frau auch.

Im Sturm haben wir unseren persönlichen Podolski endlich geholt, den Erlöser, den Sanogovertreiber, den peruanischen Prinzen – Klaus Bizarr. Ob das finanziell okay ist und ob er in drei Jahren noch Tore schießt, das ist mir ganz egal. Diese Saison hat er jedenfalls gerettet. Pizarro ist so ballgeil, so fußballverliebt, dass er das Klischee vom ausländischen Sportsöldner, der nur für das Geld hier ist und so wenig dafür tut wie eben nötig, auf dem Platz in jeder Minute widerlegt. Das macht mir große Freude. Neben ihm könnte Moreno mal spielen, aber der hat Thomas Schaaf anscheinend mal am Bart gezogen und darf jetzt ein paar Wochen lang gar nicht mehr ran. Dadurch, dass er meinen Blicken entzogen wird, ist Moreno jedenfalls interessanter geworden und in meiner Gunst sehr gestiegen, ich sage nun: Der ist ungefähr so gut wie Klasnic und sollte mehr spielen.

Zu Marin kein Wort, da bin ich misstrauisch: „Achtnhalb Mijonen?? Der soll ersma Leisdung zein!!“ Ich werde das auch noch sagen, wenn er zehn sehr gute Spieler nacheinander gemacht hat. Aus Prinzip, und weil ich ein waschechter Fan bin.

Weil wir auch einen Torwart haben, wage ich einen weiteren Exkurs in die Nationalmannschaft. Enke mag ein guter Torwart sein, vielleicht auch besser als Jim Wiese, aber seine Beförderung zum Stammkeeper bedeutet trotzdem ein Problem für die Nationalmannschaft: Sie wird so noch langweiliger. Von Enke über Mertesacker zu Rolfes und Hitzlsperger bis zum ollen Miroslav Klose – wen soll denn das jetzt noch zu Emotionen hinreißen? „Poldi“ steigt gerade in den Durchschnitt ab, „Schweini“ ist da angekommen, im Tor steht der langweiligste Torwart vom langweiligsten Verein der Liga, auf der Bank sitzen gleich drei Langweiler als Trainer und dem Ballack darf man auch schon ins Gesicht schlagen, ohne dass es irgendeine Reaktion gibt. Aber vielleicht zeigt ja Peter Trochowski den Fans mal den Mittelfinger. Oder so.

Wo ich bei Torwärten bin, ärgere ich mich gerade wieder, dass ich nie den Text über Rensing geschrieben habe, den ich schreiben wollte. Denn jetzt ist es zu spät, jetzt habe ich schon recht behalten. Vor Bundesligastart schrieb ich in einer Mail:

Seine Ausstrahlung ist immer große Unsicherheit, vermischt mit einem trotzigen Unwillen, seine Schwächen einzusehen. Er wirkt, als habe er einen Rechtsanspruch auf den Platz im Tor und auf gute Leistungen erworben. Und dass das irgendwie nicht klappt, versteht er nicht. Der hat sich schon im Nationaltor gesehen, bevor er zehn Bundesligaspiele hatte.

Da freu ich mich natürlich, wenn er gleich im ersten Spiel wieder patzt. Am Ende wird er vielleicht mal eine der tragischen Figuren der Bundesliga, wenn diese Unsicherheit seine ganze Karriere scheitern lässt. Ich sehs kommen. Meister werdet ihr natürlich trotzdem.

Die Tragik ist kaum zu überbieten. Rensing hat noch nie etwas gewonnen und das alles trotzdem schon wieder verloren. Und wie soll er nochmal unbeschwert spielen, wenn er mit jedem Einsatz fürchten muss, wieder eine Stufe abzusteigen? Bald spielt er dann in Frankfurt oder Mainz oder Salzburg statt bei der WM in Südafrika. Das muss man erstmal verarbeiten. Das Beste wäre, wenn er als ganz offizieller Ersatztorwart bei Bayern bliebe.

Das ist alles. Dieser Beitrag kommt ohne Links aus. Alles, was ich bisher über das Leben gelernt habe, habe ich aus dem Kicker.