Januar 2010

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Es ist Zeit, sich diesen Verein einmal genauer anzusehen. Der FC Bayern ist ein deutscher Sonderfall, so etwas gibt es nirgendwo sonst. Überall in Europa gibt es mindestens zwei etablierte große Vereine, nur in der DDR (Dynamo Berlin) und in der BRD gab und gibt es einen Vorzeigeklub. Heute spricht man oft vom „Branchenprimus“ und meint das dann irgendwie bewundernd. Die Münchner sind hinter Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg der dritte Klub, der sich nicht nur sponsorn lässt, sondern bei dem ein Teil des ganzen Ladens gleich an die deutsche Industrie verkauft wurde, hier Adidas und Audi.

Das ist halt heute so, sagen die einen, das ist cleveres Management, sagen deren Freunde, und beide ignorieren, dass hier etwas gekippt ist: Von Vereinen, die für Geld Werbung machen, damit sie erfolgreich Fußball spielen können, zu Konzernen, die sich einen Verein kaufen, der dann für sie Werbung macht. Der Verein wird umgewidmet von einer Institution für Sport zu einer für Werbung und Marketing. Bayern ist dabei schon längst über die Grenze. Die ganz harten Fans, die seit Austria Salzburg kein Red Bull mehr trinken, können schonmal ihre Adidas-Jogger in den Spendencontainer für Haiti werfen.

Dabei ist beim Rekordmeister immer noch das alte Personal in den entscheidenden Positionen. Und was für ein Personal es ist! Hoeneß und Rummenigge repräsentieren reaktionäres Kleinbürgertum. Ab und zu bekennen sie sich diskret zur sozialdemokratischsten aller Nazi-Parteien, der CSU, denn das muss man machen, wenn man ein Großunternehmer in Bayern ist. Uli Hoeneß ist genau genommen zwei Großunternehmer, er verkauft nebenher noch Wurst, und das passt zu ihm.

Auch den Größten Fußballer Aller Zeiten verdanken wir den Bayern, Franz Beckenbauer beweist jeden Tag in den Medien, dass es nicht der Intellekt sein muss, der einen zum gefühlten zwölffachen Weltmeister als Spieler, Trainer und Busfahrer macht. Dieses völlig aus den Fugen geratene Selbstbewusstsein, dieser unerschütterliche Glaube, auf jede Frage eine Antwort zu wissen, die produziert der FC Bayern München bei allen seinen Angestellten.
Viele Bayern-Fans gefällt es heute, sich über Lothar Matthäus lustig zu machen, dabei übersehen sie in ihrem Wahn, dass der Mann ein Produkt des FCB-Establishments ist, deren Anhänger sie sind und merkwürdigerweise auch bleiben. Lothar Matthäus ist das, was die vielgerühmte „Mir san mir“ Einstellung wirklich bedeutet.

Der erfolgreichste Trainer der letzten Jahre in München war Ottmar Hitzfeld, genannt „der General“. Nach ihm erfolgreich war der Disziplinfanatiker Felix Magath, der Bundesliga-Trainer, der wohl am meisten Wert auf die sogenannten deutschen Tugenden legt. Dazu ein Trainerstab mit Hermann Gerland, der geborenen Provinzialität und, das muss man sich erstmal klar machen: Chefscout ist Paul Breitner. Was für ein schrecklicher Mensch, mir fehlen die Worte.
Trainer Louis van Gaal lässt sich von seinen Töchtern siezen, und die Bayern-Fans beschmunzeln das, weil es für sie eine eigenartige Marotte ist, wenn es nicht ohnehin als vorbildlich empfunden wird. Liebhaber des Mittelalters fühlen sich wohl beim FC Bayern.

Irgendwie haben es die Müncher geschafft, in der Stadt selbst noch weniger beliebt zu sein als 1860 München, was über alle drei etwas aussagen könnte: den FCB, 1860 und München. Die Hauptstadt der Bewegung ist bald nur noch für die Schickeria zu bezahlen, aber nicht für die Münchner Ultras.
Die „Schickeria München“ gibt sich gerne als linke Gegenbewegung, taugt aber vor allem als arrogante Prollbewegung. Mit Bremer Ultras engagierte man sich der Theorie nach zwar im Netzwerk „Alerta“, gleichzeitig ist es den Münchner Männern aber auch wichtig, den Genossen weiterhin auf die Fresse hauen zu können. Das überrascht, da es sich hier ja nicht nur um eine vermeintlich linke Gruppe handelt, sondern eines ihrer Mitglieder eben auch schon einmal eine Frau derart mit einer Flasche traf, dass sie heute auf einem Auge blind ist. Aber Ultras sind eben in erster Linie starke Männer oder Menschen, die sich dafür halten, erst recht in Bayern.

Überhaupt müssen sich aktive Fans in München fragen lassen, warum sie da überhaupt noch hingehen. In der Allianz Arena, einem abseits der Zivilisation gelegenen Event-Komplex aus der Zukunft, ist nichts erlaubt, was Fans gefällt. Die meisten haben das erkannt, weshalb konsequenterweise keine Fans mehr kommen, sondern Zuschauer, die schon jedes Musical gesehen haben und nun auch den Schweini mal live sehen wollen. Natürlich kann man auch das gut finden, man kann dann aber nicht mehr davon träumen, dass im Fußball und unter seinen Zuschauern irgendetwas zu erleben wäre, was es anderswo nicht gibt; und man muss sich auch vom Gedanken verabschieden, dass im Fußballumfeld vielleicht etwas gesellschaftlich Relevantes entstehen könnte.

Die schon erwähnte Allianz aus CSU und Vorstand kümmert sich rührend darum, allen Fremden den Besuch zu verleiden, dazu gehören brutale Polizeieinsätze ebenso wie simple Schikane. So durfte sich die Redaktion dort gemeinsam mit 60 anderen Businsaßen einmal zum Foto aufstellen, weil irgendwo in Stadionnähe eine Oma umgefallen war. Wer Bayern bejubelt, bejubelt Beckstein, und wer Staatsfeind, Liberaler oder Mensch ist, der fühlt sich in Bayern nicht wohl.

Wer den FC Bayern als liberalen Musterverein darstellt, bei dem erfrischend wenig Deutschtum zu sehen sei, der muss auch sagen, was denn stattdessen passiert. Wenn der FC Bayern internationale Stars verpflichtet und auf die Nationalität seiner Spieler wenig achtet, dann kann man das schön finden. Man kann darin aber auch die übliche Ausländerfreundlichkeit sehen, die heute Staatsideologie ist: Wenn er etwas für uns hat oder tun kann, dann ist er ein guter Ausländer. Und wenn er nur im Verdacht steht, das einst nicht mehr zu tun, dann ist er „ein Franzos“ und „München is ihm wurscht“.

Wer sich die Spieler der Bayern genauer anguckt, wird nur wenig Bewundernswertes finden. Michael Rensing ist zur tragikomischen Gestalt geworden, im Traum war er schon Nationaltorhüter, nun muss er bald in die zweite Liga. Und wer kann ernsthaft einer Mannschaft zujubeln, in der Mark van Bommel Kapitän ist? Viele glauben, er sei ein harter Spieler, aber das ist nicht wahr. Van Bommel ist ein hinterhältiger Treter, der nicht aus Erfolgshunger, sondern aus Bösartigkeit seinen Gegenspielern weh tut. Dazu ein Ivica Olic, der letztes Jahr Per Mertesacker mutwillig aus dem Uefa-Cup trat, und Franck Ribery, die hässliche Diva. Philipp Lahm hat mit seinem Interview vor Wochen bewiesen, dass er den Bayern-Wahn, alles am besten zu wissen, schon tief verinnerlicht hat.
Es wird also nicht mehr lange dauern, bis er Kapitän werden kann, beim Branchenprimus.

Nachtrag:
Alles Quatsch und das Gegenteil ist richtig, sagt Lizas Welt.

… schalalalala!

Diese Mail erreichte meinen Provider und schließlich mich.

Hallo,

ich hätte eine Bitte an Sie. Seit einiger Zeit wid, wenn man meinen Namen bei google eingibt, ein Suchergebnis bei www.verbrochenes.net bzgl. Antisemitismus angezeigt, bei dem mein Name erwähnt wird. Da diese verächtliche Einstellung nicht meiner eigenen entspricht, würde ich Sie bitten diese Site zu löschen oder zumindest meinen Namen. Es wäre mir wirklich enorm wichtig, da mir dadurch in jüngster Vergangenheit erhebliche berufliche Nachteile entstanden sind.

Über eine schnelle Antwort würde ich mich sehr freuen.

mit freundlichen Grüßen

Klaus Klitsche*

*Name von der Redaktion geändert. Einen zweiten Googletreffer hat er vorerst nicht verdient.

Nun wollte ich dem Kameraden gerade anbieten, gegen eine kleine Spende an eine passende wohltätige Einrichtung das Problem aus der Welt zu schaffen, da er offenbar schon ganz gut gestraft ist, aber da fiel mir sein übler Kommentar ganz am Ende der Diskussion wieder ins Auge. Was meint Ihr, Freundinnen und Freunde?

Ich hab den Witz schon auf Twitter gemacht, aber ich mach ihn hier nochmal. Bei der taz gibt es eine neue Aktion, sie heißt „Analphabeten gegen Isarel“. Eine Ivesa Lübben schmiert mit gefetteter Feder einen Schmachtfetzen ins Schmockblatt, dass einem der Schweiß aus den Augen fließt. Vorgeschichte: Tausend verkommene Spinner leiden so sehr unter ihrer Bedeutungslosigkeit in der postheroischen Langweilergesellschaft, dass sie jetzt im Kampf gegen die Juden mal so richtig was hermachen wollen, fahren nach Kairo und verlangen, nach Gaza einreisen zu können. Hundert von ihnen lassen die Ägypter rein, der Rest bleibt draußen.

Iseva Lübber schreibt einfach mal drauf los über das, was die im Gazastreifen vielleicht erlebt haben. Da kommt dann ein „Mentel Health Zentrum“ vor, das mutmaßlich am International Day des Denglish gegründet wurde. Ist ja auch alles nicht so wichtig, wichtig ist, dass alles ganz schlimm ist, und dass Israel daran schuld ist und sonst keiner.

Einer Katastrophe gleich käme es, wenn Ägypten tatsächlich die Tunnel schließt, durch die Waren nach Gaza geschmuggelt würden. „Jede Wasserflasche, jede Coladose, die ich getrunken habe, selbst das Toilettenpapier, das ich benutzt habe – absolut alles kommt durch die Tunnel,“ erzählt eine Amerikanerin nach dem Trip.

Da säuft die gute Frau eine Coladose nach der anderen und muss trotzdem noch irgendwie erzählen, dass alles schlimm ist. Das ist schwierig, aber Isolde Lüger von der taz nimmt das gerne auf. Unnötig zu erwähnen, dass das Trinkwasser in Gaza natürlich nicht durch die Tunnel geschmuggelt werden muss. Aber es gruselt so schön!

Besonders lustig wird es, wenn Frau Flobber auf das hohe Bildungsniveau hinweist, was ja doch irgendwie auf ein ganz gutes Leben hinweist, um dann sofort zu beklagen, dass die armen Leute doch nicht im Ausland studieren könnten. Verschwiegen wird natürlich, dass im letzten Jahr 18.500 Leute ausreisen durften. Der Grund für die Blockade wird sowieso im ganzen Geschmiere nicht erwähnt.

Ein Kanadier berichtet, er hätte einer Familie, die in Trümmern lebte, gesammelte Spenden geben wollen. Doch sie hätten konsequent abgelehnt.

Mein Gott, die Menschen sind quasi am Verhungern und lehnen Spenden trotzdem ab. Irgendwas stimmt hier nicht, Frau Lübke! Ach so, das ist Mut und Würde. Ich dachte, die brauchen das vielleicht gar nicht. Oder der Kanadier hat sich vielleicht benommen wie ein Touri beim Affenfüttern im Zoo.

Auch die palästinensichen NGOs, die in Gaza das Programm des Friedensmarsches vorbereitet hatte, lehnten das ägyptische Angebot mehrheitlich ab: „Wir wollen nicht immer und immer wieder irgendwelchen Abordnungen die Hände schütteln, wie wollen nachhaltige politische Solidarität“, erklärzen sie.

Liebe Palästinencher, mit Euren illiteraten Freunden wird das leider nichts, wie sollen die das mit der Solidarität denn auf die Reihe kriegen. Und mal angenommen, das führt irgendwann zu irgendwas und man kann nicht mehr in Rafah den Dicken schieben, sollen die dann nach Tibet ausweichen oder was? Scheißkalt ist es da und mit den Chinesen ist auch nicht so gut Humus essen. Außerdem ist das immer noch ein gutes Geschäft, Hände schütteln gegen weltweite PR, oben drauf bringen die Deppen ja auch noch ein bisschen Kram. Stellt Euch nicht so an.

„Warum brauchen wir eine Mauer gegen unsere palästinensischen Brüder, wenn die Grenze zu Israel völlig ungesichert ist?“ Fragt die liberale Wafd-Zeitung und beweist die These mit einen Korrespondenten, der ohne kontrolliert zu werden über die isarelisch-ägyptische Grenze in die isarelische Negev-Wüste gewandert ist.

Gute Frage, liebe Liberale! Vielleicht kommt die Antwort ja von selbst. Vielleicht liegt sie aber auch in der isarelischen Wüste, wo fast jeder hinreisen darf.

Kurzer Logikcheck hinterher: Weil man von Ägypten nach Israel einreisen kann, braucht es keine Mauer zwischen Ägypten und Gaza?

Vielleicht wird es dadurch wahr, dass Ilse Labber es behauptet. Wenn sich dieses Prinzip durchsetzt, erlaubt der Duden bald auch das Kommasetzen mit dem Salzstreuer, und Tippfehler werden Pflicht.

Und eben tweetete ich so: Erwäge, dieses Getwitter zugunsten des Blogs wieder sein zu lassen. Aber ob das dann funktioniert, wer weiß.

Denn, einige werden es bemerkt haben, hier tut sich gar nichts mehr. Und das, ich räume das jetzt ein wie ein Regal, obwohl ich eigentlich Zeit dafür habe. Und während hier so Nas aus den Lautsprechern pumpt lese ich allerlei Blödsinn im Internet, den ich ja durchaus auch kommentieren könnte. Oder ich denke mir mal was eigenes aus, das ist ja alles prinzipiell möglich, und das Publikum will es, ich will es, alle wollen es. Aber wie so oft passiert nicht das, was für alle das Beste wäre. Das ist der Kapitalismus, aber damit können wir um. Neue Mentalität in der Redaktion: Rapper. Wir grabben was unsers ist auf dem freien Markt. Reich werden no matter how. Das Geld liegt auf der Straße und in den Taschen der Dummen und der Klugen, man muss es da rausholen. Viele verlieren, wir gewinnen, so läuft das halt, SORRY.

Okay, der Link da oben geht nicht in Deutschland. Ich lasse ihn drin, damit Ihr Euch das mal vor Augen führt, wie scheiße es hier ist. Sony hasst uns und alles, was hier wächst. Und jetzt mal abwarten.

Wer nicht leiden will muss sterben.