Februar 2010

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Vor kurzem wurde die Redaktion auf ein interessantes Weblog aufmerksam gemacht. Auf www.verbrochenes.net treffen sich Verschwörungstheoretiker, Pferdepfleger und Matrosen und sprechen über ihre ach so unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Leben in Kapitalismus und Krise. Wir haben uns gefragt, was diese Leute wirklich antreibt und was wir für sie tun können. Deshalb haben wir uns mit dem sinistren Superhirn hinter der Website getroffen. Der zwielichtige Zweifler war nicht für ein persönliches Treffen zu gewinnen, weshalb wir uns im Internet unterhalten mussten.

Herr Joinsen! Erstmal was anderes jetzt: verbrochenes.net, was ist das eigentlich?

Für die einen ist es verbrochenes.net, für andere die wahrscheinlich kleinste Weltverschwörung – nunja, der Welt. „Für andere“ ist dabei ganz persönlich gemeint. Wir sind für die Menschen da, die eine Weltverschwörung brauchen: Antisemiten jeglicher Couleur, aber auch die Menschen von PI-News.


Sehr interessant, aber wem hilft das weiter? Mir jedenfalls nicht, ich fühle mich davon eher gestört.

Das liegt daran, dass Sie die Drecksarbeit hinter den Kulissen kennen. Denken Sie sich das doch mal weg – dann würden Sie tatsächlich glauben, der Mossad allein wäre das gewesen neulich. Dass es gar nicht so einfach ist, den Pass von Herbert Kujan erst zu stehlen und dann so abzuändern, dass ein vierunddreißigjähriger Killeragent etwas damit anfangen kann, weiß man eben erst, wenn man es einmal gemacht hat.

Auf Seiten der Leserschaft würden Sie sich über Ihr Dementi von neulich freuen, weil so klar ist, dass da irgendwas im Busch ist. Also genau über das, was Sie in Ihrer täglichen Auseinandersetzung mit verbrochenes.net so stört.

Da haben Sie jetzt natürlich recht, das muss ich schon zugeben.

Aber Sie kennen sich auch mit anderen Dingen aus. Die Finanzkrise war schlimm, aber Werders Rückrundenstart auch. Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um derartige Ereignisse in Zukunft zu verhindern?

Das würde ich jetzt ja nicht in einen Topf werfen. Der Rückrundenstart kam ja nicht unerwartet. Der kommt jedes Jahr. Was macht ihn denn so schlimm? Das könnte man sich mal fragen und dann entsprechend handeln. Wie genau, das müssen die Leute wissen, die sich ernsthaft mit Fußball beschäftigen. Wobei Thomas Schaaf natürlich nicht entlassen werden darf. Finanzkrisen sind sozusagen das Gegenteil von Rückrundenstarts: Sie kommen zwar nicht jedes Jahr, sind aber immer schlimm. Wir brauchen also differenzierte Ansätze. Während man bei der Finanzkrise einfach dafür sorgen könnte, dass es nie wieder eine gibt, wäre das beim Rückrundenstart äußerst kontraproduktiv. Wie sollte Werder denn dann je wieder Meister werden?

Da sollten die da oben wirklich mal drüber nachdenken! Aber reden wir auch über „die da unten“, die Kinder, unsere Zukunft. Was macht Kindern mehr Spaß, Dinosaurier oder Cowboys?

Bei Dinosauriern ist jedenfalls sicher, dass sie nicht schwul werden. Wobei Hollywood da natürlich alles zuzutrauen ist.

Joinsen, wir danken Ihnen für dieses Gespräch. Wollen Sie unseren Lesern noch etwas sagen?

Herbert Kujan gibt es wirklich. Look it up.

Haha!

England, Irland und Frankreich haben von Tel Aviv am Donnerstag Antworten auf die vielen offenen Fragen zum Mord an einem hochrangigen Hamas-Führer in dem Emirat gefordert.

Wird sicher ein paar Tage dauern, bis sie das Problem outgefigured haben und mal in Jerusalem nachfragen. Aber ob das hilft? verbrochenes.net kommentiert solche Vorfälle grundsätzlich nicht.

Halb Rom ist arbeitslos. An den Straßenecken stehen die Holzverkäufer, die kein Holz mehr verkaufen, bei den Geflügelhändlern, die kein Geflügel mehr verkaufen, und reden über die Fischer, die vom Fischen nicht mehr leben können. Vor den Brotmagazinen stehen die Bäcker um Brot an, und den Barbieren erklären die Blusenschneider, daß sie sich nicht mehr barbieren lassen können, weil die unbeschäftigten Hafenarbeiter keine Blusen mehr kaufen. Und im Senat reden die Väter immer noch von der Arbeitsscheu der unteren Schichten.

Wahlkampfberater Balbus in Brechts Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar, erschienen 1957. Von mir gelesen heute.

In der Überschrift seht Ihr bereits einen guten Titel für eine Bearbeitung dieser Geschichte als Hörspiel. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg, denn bisher haben wir nur eine Mail erhalten, das Abenteuer beginnt. Die Mail ist über einen Remailer geschickt worden und so völlig anonymisiert. Als Absender wird ‚Nomen Nescio nobody@dizum.com‘ angegeben, sie erreichte die Redaktion am 11. Februar.

Betreff: üble Nachrede, ruinöse Berichte

Ihr habt einen großen Fehler gemacht. Man legt sich einfach
nicht mit gewissen „Menschen“ an. Wir wissen, wer Du bist und
Ihr tatsächlich seid! Ihr könnt Euch nicht verstecken!!!

Loge 8

Zunächst einmal begrüßen wir natürlich die Verwendung überflüssiger Anführungsstriche, besonders, wenn die Überflüssigkeit so wie hier ins Mysteriöse, ins Bedrohliche, ins Absurde fließt. Halten die Verfasser die Menschen, die sie anscheinend verteidigen möchten, gar nicht für echte Menschen?

Schwer zu verdauen ist auch die klare Ansage, dass SIE eben nicht nur wissen, wer ich bin, sondern auch, wer wir sind. Wir sind viele und wir sind zu zweit, würde Helene Hegemann jetzt sagen. Dass wir sehr schlecht im Verstecken sind, ist uns seit Kindergartenzeiten klar. Wir sind die Kinder, die immer vorher gesagt haben „Aber guck nicht hinter der Hundehütte!“ bevor sie sich hinter der Hundehütte versteckt haben. Dort befinden wir uns auch jetzt und warten auf die Loge 8. Und wenn SIE uns gefunden haben, dann werden wir SIE fragen:

Welcher unserer unzähligen Fehler war der „eine große“?

So schallte es hier kürzlich völlig zu Recht über den Flur. Richtigen Ehrgeiz gibt es heute gar nicht mehr, und da sind diese jungen Leute schon zufrieden, wenn es eben denn so geht. Aber geht es denn so eben auch, oder muss man schon feststellen, dass es nicht ausreichend ist, wenn es eben so geht? Natürlich geht es immer, und genau genommen braucht man auch nicht viel Geld, weshalb man nicht so viel Arbeit braucht – soviel politisches Statement darf heute sein. Aber so langfristig ist das ja doch nichts mit den Aquarellen, und wenn man auch keine Ambitionen hat, die Macht zu ergreifen, dann muss etwas Neues her.

Ich spiele deshalb aber kein Lotto. Denn ich rechnete es aus: Das Ausfüllen und Bezahlen von Lottoscheinen erhöht die Chancen auf einen Gewinn nur um eine statistisch nicht signifikante Größe. Aber was weiß ich denn heute noch von Signifikanz, was wissen wir überhaupt von Signifikanz. Die meisten Leute, die sich Gedanken über Signifikanz machen und feststellen, dass ihre eigene beängstigend niedrig angesiedelt ist, machen dann ein Kind und das merkt dann irgendwann, dass es ihm auch nicht anders geht mit der Signifikanz, es sei denn, es wird Bundeskanzler oder Zoowärter oder schreibt eben ein Blog und dann liest es das da unter den Stats ab: Signifikanz heute bei 500 Unique Visitors; und das Kind dann so: Yeaahh!

Jedenfalls könnte es so sein, möchte ich mich schonmal rechtfertigen, es könnte so sein. Und dann diese Politikscheiße, ich lese eine Zeitung und in diesem Internet, und ich gebe das hier jetzt zu: Ich interessiere mich für Tagespolitik, ich verfolge die Politik der neuen Regierung und ich glaube, dass eine andere besser gewesen wäre. So, jetzt ist es raus. Verhaftet mich ruhig wegen sozialdemokratischer Umtriebe, ich kann meine Unschuld beweisen, auch wenn ich derlei Rechtfertigungen vorzutragen natürlich ablehnen und stattdessen auswandern würde. Ihr würdet mir hinterherrufen, dass ich den Kommunismus verhindert hätte, und ich würde nur weise lächeln.

„No peace with Syria could mean war“ sagt Verteidungsminister Barak laut Jerusalem Post. Die Umkehrung ist das Interessantere: Kein Frieden könnte Krieg bedeuten. Man ist hierzulande immer wieder verwundert, dass da, wo Krieg ist, kein Frieden ist. Wie kann das sein, wie kommt denn das, was denken die sich dabei, bittesehr? Können die nicht Aquarelle zeichnen, so wie wir? Genau.

Ich schließe mit Musik.