Veranstaltungsbefehl

Obacht!

In der Unteren Rathaushalle im malerisch an der Weser gelegenen Städtchen Bremen findet gerade die Ausstellung “Tatort Stadion 2 – Fußball und Diskriminierung” statt.

Die komplett überarbeitete Ausstellung Tatort Stadion 2 will informieren – sowohl über alltägliche Diskriminierung und Aktivitäten von Neonazis als auch darüber, was Fans dagegen tun.

Was sonst noch über die Ausstellung gewusst werden muss, erzählen Annika Hoffmann von BAFF und Thomas Janßen von der “AG Werderfans gegen Diskriminierung” im Interview mit Stadionwelt.

Soviel zur Veranstaltung, jetzt kommen wir zum Befehl. Da wir es als unseren Auftrag ansehen, unseren Lesern bei der Planung ihrer begrenzten Lebenszeit behilflich zu sein, befehlen wir, den unumgänglichen Besuch der Ausstellung zeitlich mit dem einer der beiden Abendveranstaltungen zu verbinden, die jeweils um 19 Uhr am gleichen Ort stattfinden und die thematisch ganz nach unserem (und somit auch eurem) Geschmack sind:

Am morgigen Montag, dem 19.04., findet im Rahmen der Ausstellung ein Vortrag von Alex Feuerherdt und Enno Wöhler über Antisemitismus beim Fußball statt. Dabei soll es um die verschiedenen Formen des Antisemitismus ebenso gehen wie um konkrete antisemitische Ausfälle beim Fußball; um den Antisemitismus der Nazis wie den des Mainstreams. Und natürlich wird es um Werder Bremen gehen, den sympathischen Verein aus dem Norden, dessen Fans in Hamburg schon einmal als gefährliche Heuschrecken und dessen Wappen in Hannover schon einmal als oranger Davidstern dargestellt wurden. In der anschließenden Diskussion darf dann der Frage nachgegangen werden, wie viele Baseballschläger bestellt werden müssen.

Im weiteren Verlauf des Abends berät die Redaktion von verbrochenes.net im privaten Rahmen alle Interessierten in Fragen der politischen Korrektheit und der korrekten Analyse der aktuellen Bundesligatabelle.

Eine Woche später, selbe Zeit und selber Ort, geht es um eine gelungene Intervention gegen Antisemitismus in unserer Stadt, nämlich die Befreiung durch die britische Armee vor 65 Jahren. Thema des Vortrags von Heinz-Gerd Hofschen (Historiker am Focke-Museum) soll aber auch sein, wieso es mit der Entnazifizierung dann doch nicht klappte.

  1. Laut Spon fällt der Vortrag wohl ins Wasser.
    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,689811,00.html

  2. Morgen um 19 Uhr ist die zweite Veranstaltung. Wird sicher sehr interessant.

  3. bei der ersten veranstaltung war die rede davon, den inhalt ebendieser in naher zukunft auch im internet abrufen zu können. gilt dies auch für die heutige veranstaltung? und wenn ja, wann kann man damit rechnen?

  4. Der Vortrag gestern war im Wesentlichen (also vor allem in Bezug auf die Kampfgemeinschaft gegen den Faschismus) eine Zusammenfassung des Beitrags des Referenten in dem Sammelband “Kriegsende in Bremen”: http://shop.edition-temmen.de/Zeitgeschichte/Allgemeines/Kriegsende-in-Bremen::222.html?XTCsid=nzmrcfhglk

  5. Es kommt zwar spät, aber es kommt: Bei der ersten Veranstaltung wurde sich am Rande auch mit dem FC Schalke befasst und die damals aktuelle “Knappen-Choreo” kritisiert. Abgesehen davon, dass die Gegenwart des Vereins das genaue Gegenteil eines “Arbeitervereins” ist, wurde hier auf die Verbindung zwischen Führerclub und Malochertruppe hingewiesen. Aber ist das Image des Vereins nicht viel älter als die Erfolge während der NS-Zeit und bezog sich demnach die Choreo nicht auf die Zeit des Nationalsozialismus (wie es – wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht – während des Vortrages dargestellt wurde) sondern auf die Anfangszeit des Vereins? Ich glaube, in der anschließenden Diskussion wurde eine ähnliche Frage auch von Bonde bzw seinem Münchner Kollegen beantwortet, leider kann ich mich daran nicht mehr erinnern.

  6. Ich denke, dass die Choreo sich auf Vergangenheit wie Gegenwart bezieht. Ganz sicher bezieht sie sich nicht nur auf die NS-Zeit, und ich möchte auch behaupten, dass das keiner von uns behauptet hat.

    Die Choreo wird im Vortrag erwähnt, weil sie ganz gut das deutsche Selbstverständnis illustriert, das von Antisemiten als Gegenstück zu den vermeintlichen Eigenschaften der Juden in Stellung gebracht wird. Auf der einen Seite die Arbeiter und Malocher, also das Volk, auf der anderen Seite die Juden als diejenigen, die nicht arbeiten aber dem Volk das Geld aus der Tasche ziehen.

    Das dumme Gerede vom Arbeiterklub ist natürlich keineswegs antisemitisch, aber man muss das Selbstverständnis, das dahinter steht, verstehen, um den Antisemitismus zu verstehen.

    Sorry, dass die Antwort so spät kommt.

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