Mai 2010

You are currently browsing the monthly archive for Mai 2010.

In der bisher ohne Titel bleibenden Reihe von Blogeinträgen, in denen wir uns auf die Suche nach einem bei der WM zu unterstützenden Team begeben, kommt heute die Gruppe B an die Reihe. Wer die Einleitung und die Gruppe A noch nicht gelesen hat, liest hier weiter. Alle noch folgenden Gruppen werden im ursprünglichen Eintrag hinzugefügt, sobald sie geschrieben sind. Die Diskussion in den Kommentaren wird ebenfalls dort zentralisiert, in diesem und allen weiteren Beiträgen der Reihe werden die Kommentare geschlossen.

Gruppe B

________________________________________

Argentinien

1. Adolf Eichmann, Josef Mengele, Walter Rauff – wir wollen nicht lange drumrumreden: Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Argentinien mehr Nazis als heute bei einem Auswärtsspiel der deutschen Nationalmannschaft. Da wird es natürlich ganz schwer, noch zu punkten. Peronismus, Militärdiktatur und so weiter und so fort – das können wir unter den Tisch fallen lassen. Nicht aber die Falklandkriege: So ein Krieg gegen England deutschelt schon ein bisschen. Da es aber hauptsächlich um Rohstoffe und damit um Geld ging, geht das auch in Ordnung. Aber was gibt es denn Positives zu berichten? Da wäre zunächst mal der Sieg gegen Deutschland 1986, der meiner damaligen Meinung nach die deutsche Einheit noch einmal verzögern konnte, auch wenn die anderen Kinder mich für diese These ausgelacht haben. 1990 haben die Genossen sich immerhin noch einmal bemüht.

Maradona muss man für seinen undeutschen Lebensstil loben – Koks und Castro, diese Kombination ist ein Statement für das gute Leben. Argentinisches Steak ebenso. Erfrischend ehrlich kommt der Neo-Feudalismus in Argentinien daher, die aktuelle Präsidentin ist die Frau ihres Vorgängers. Aber das hilft wie gesagt alles wenig, wenn man sich zur sicheren Heimstatt für die schlimmsten Mörder der Geschichte gemacht hat.

2. Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi.

Der knuddelige kleine Kerl ist der einzige Weltklassefußballer, der uneingeschränkt sympathisch ist. Und er ist der beste. Seit Messi muss niemand mehr bedauern, Pele oder Maradona nicht mehr auf der Höhe ihrer Kunst erlebt zu haben, denn Messi ist besser. Der ganze Kader hat theoretisch das Zeug zum Titel, ähnlich wie Frankreich, trotzdem bleiben große Zweifel. Die Qualifikation war eine Qual, und ob der gute Maradona tatsächlich auch ein guter Trainer sein kann, steht in den Sternen. Deutschland hat man kürzlich eindrucksvoll besiegt, selbst mit Ballack hatte der Löw-Mob keine Torchance. Sportlich wäre Argentinien also ein guter Kandidat, vielleicht ein sehr guter.

3. Wie gesagt ist Messi ein wunderbares Maskottchen, mein Herz fliegt ihm zu. Maradona ohnehin, der nette Dicke ist wahnsinnig und gut. Demichelis kann man tolerieren, Veron verdrängen und dann einfach mal zusehen. Die Trikots sind hübsch. Wichtig!

Fazit:
Es ist wirklich schade um Messi, aber so richtig darf sich der aufgeklärte Ballanhänger nicht für die Albiceleste begeistern. Dafür darf der nette Blogger von nebenan ein bisschen so tun, als sei er Sportjournalist, und ganz kennermäßig von „der Albiceleste“ sprechen. Oder „die Albiceleste“? Ist ja auch egal. Für Argentinien haltet Ihr Euch bitte an folgende Regel. Sympathisieren: okay. Fan sein = Nazi sein.

________________________________________

Nigeria

1. Heute morgen las ich über „den afropessimistischen Mainstream“, also über die zumeist negative Berichterstattung über „die afrikanische Tragödie“. Da machen wir natürlich nicht mit! In Nigeria gilt zum Beispiel nur im Norden die Scharia, im Süden dagegen werden die Menschen nicht gesteinigt und auch nicht mit Amputationen bestraft. Und selbst im Norden wird oft nicht gesteinigt, sondern erschossen. Das BIP/Kopf von 1450 $ ist nur ein Durchschnittswert, es gibt also mehrere Menschen dort, die sogar mehr als das verdienen. Und statt eines Horstes haben die Nigerianer einen Goodluck zum Präsidenten, was für ein lebensbejahendes Land!

Aber es gibt auch dunkle Flecken in der Geschichte des Landes. So wurde zum Beispiel Adolf Hitler, der am Zweiten Weltkrieg und Holocaust Schuldige, in Nigeria geboren. Später wurde dieses Scheusal dann fälschlicherweise den Deutschen zugeschrieben – als hätte das deutsche Volk nicht schon genug erlitten! Hitler wurde 1887 im Bundesstaat Jigawa geboren, dementsprechend war seine Muttersprache Kanuri. Einen leichten Kanuri-Akzent hat der „Führer“ zeit seines Lebens behalten, wie Sprachwissenschaftler zwischenzeitlich nachgewiesen haben. Hitlers Versuche, die Scharia in Österreich einzuführen, sind dann schnell gescheitert, haben aber bis heute Spuren hinterlassen. Viele Österreicher sagen heute, dass sie das islamische Recht von dem Herrn Hitler damals schon genommen hätten, aber nicht heute und schon gar nicht von diesen „Moslems“.

Da die Geschichte des frühen Hitlers heute weitgehend verdrängt wurde (woran zweifellos GEWISSE KREISE ein INTERESSE haben, Ihr wisst was ich meine), gibt es kaum eine Verbindung zwischen Deutschland und Nigeria. Ob die rassistische Perspektive auf Nigeria dazu führt, dass das Team beliebt oder unbeliebt ist, steht in den Sternen. Lest es da bitte nach.

2. So mittel, sag ich mal. Alle drei Torhüter spielen in Israel, der Rest bei europäischen Clubs aus dem Mittelfeld. Im Viertelfinale ist also Schluss, eher früher. Man kennt Obasi, Martins und den ollen Kanu. Trainer ist ein alter Schwede, herrje, warum haben diese Afrikaner immer Trainer aus der fünften Reihe?

3. „We put the GER back in niGERia!“ Mein Claimvorschlag, falls die Nigerianer mit deutschen Tugenden punkten.

Fazit:
Nigeria muss weg, Norden und Süden gleichermaßen, und dann muss da irgendwo auch mal ein Mahnmal hin, wegen Hitler. Und bei der WM, da sind sie mir egal. Es sei denn, sie haben Vuweseelers, dann bin ich da so richtig dagegen.

________________________________________

Südkorea

1. Südkorea ist nicht Südafrika, und es ist auch nicht so ähnlich. Südkorea ist das neue West-Berlin. Ein antikommunistisches Bollwerk am Tropf der USA, das sich vom stalinistischen Nachbarn herumschubsen lässt. Unsere Solidarität gilt natürlich dem Norden des Landes, nicht aus politischen, sondern aus geolokalpatriotischen Erwägungen, die mit Rationalität und Logik nur ganz wenig zu tun haben.

In Deutschland hat man wenigstens Angst vor den fleißigen Asiaten, denen man durchaus zutraut, der glorreichen deutschen Wirtschaft Konkurrenz zu machen. Außerdem sehen die Koreaner ganz anders aus als die Menschen hier, insofern ist es besonders schwierig mit den deutschen Sympathien. In Sachen „entspannter Nationalismus“ dagegen können die Koreaner durchaus Vorbild sein, das Gekreische und Geschwenke 2002 könnte Vorbild für die Aufmärsche 2006 in Deutschland gewesen sein. Wir sehen: Südkorea ist ein Sowohlalsauchabereigentlichegal. Es ist auch sehr weit weg. Also zu Fuß eigentlich kaum zu erreichen, es sei denn, man geht irgendwo los, von wo es nicht mehr so weit ist.

2. Wie gesagt: Südkorea ist das neue West-Berlin. Und so spielen die auch Fußball, es sieht aus wie Hertha und fühlt sich an wie TeBe. Zufälligerweise ist die Redaktion von verbrochenes.net besetzt mit mehreren Experten für den südkoreanischen Fußball und kann deshalb besonders fundiert davon abraten, auf Südkorea zu setzen oder zu hoffen. Don’t. Nicht Machen.

3. Der laufbereitschaftsbasierte Stil langweilt, Stars gibt es keine. Aber: RUMMENIGGE RUMMENIGGE BUM KUN CHA! RUMMENIGGE RUMMENIGGE BUM KUN CHA!

Fazit:
Zu viel Erfolg für Korea könnte zu einer Wiedervereinigung führen, die wir ablehnen. Ansonsten kann man zu Südkorea nichts sagen, was nicht falsch wäre. Also Schluss damit.

________________________________________

Griechenland

1. Unbestätigten Berichten zufolge soll DFB-Präsident Theofanis „Dema“ Zwanziger bereits mit Angela Merkel und Horst Köhler zusammengetroffen sein, um über das Vorgehen bei einem denkbaren Viertelfinale Deutschland – Griechenland zu beraten. Bisher will niemand das Wort „Boykott“ in den Mund nehmen, hinter den Kulissen ist die Aufregung dennoch groß. Zwar trauen den Griechen nur wenige das Erreichen der dritten Runde zu, aber Angst hat man doch.
Ein hochrangiger DFB-Funktionär hinter vorgehaltener Hand: „Die sind zwar faul und gierig, aber am Ende kaufen sie sich mit unserem Geld noch richtige Fußballschuhe, und dann sind sie auf einmal doch genau so gut wie unsere Jongens! Gegen die treten wir nicht an!“ Während viele Funktionäre mit einer ähnlichen Argumentation für einen Boykott der Griechen sind und bereits deutsche Delegationen in Buenos Aires und Seoul an einer breiten Front gegen die schmarotzende Südländernation arbeiten, verharrt Angela Merkel noch immer im moderaten Lager. Die Kanzlerin wirbt hinter den Kulissen für eine Lösung, in der das Spiel zwar stattfindet, die Griechen sich aber in Anerkennung der finanziellen und moralischen Überlegenheit der deutschen Nation mit 4:1 besiegen lassen. Den griechischen Ehrentreffer solle dabei einer der griechischen Bundesligaspieler erzielen, als faire Geste gegenüber dem Gast- und Geldgeber.

Diese Planspiele zeigen, dass das neue Griechenland über das derzeit größte denkbare antideutsche Potential verfügt. Die deutsche Presse hetzt unermüdlich wegen läppischer 20 Milliarden geliehener Euros, mit denen die Griechen ihre Schulden bei deutschen Banken bezahlen sollen. Ein Erfolg von Griechenland bei der WM, möglicherweise gar gegen Deutschland, wäre eine riesige Demütigung für die deutsche Nation, die so sehr von ihrer Überlegenheit überzeugt ist. Die immer mindestens latent vorhandene Aggressivität des Nationalismus hat sich in den letzten Wochen spektakulär wie selten Bahn gebrochen, als es gegen die Griechen ging. Das war sehr eklig. Im Spiegel erzählt Leon de Winter den Abiturdeutschen, welche Eigenschaften „die Südländer“ jetzt haben: „Raffgier, Verantwortungslosigkeit, Egoismus, Betrug, Geldverschwendung“. Na dann. Liegt aber nur am Euro.

Das eigentliche Problem dabei, dass die Griechen jetzt nichts mehr haben, ist, dass man ihnen nichts mehr wegnehmen kann. Ich zitiere Wikipedia:

So wurde durch die erzwungene Ausfuhr der fast gesamten griechischen Produktion noch eine positive Handelsbilanz zum Deutschen Reich in Höhe von 71 Mio. Reichsmark festgestellt, die dann mit extremen Besatzungskosten verrechnet wurden. Griechenland hatte von allen besetzten Ländern pro Kopf die höchsten Besatzungskosten zu zahlen. Um von der Bevölkerung mehr Sachwerte abzuziehen, wurde der Banknotenumlauf gesteigert. Besonders die fehlenden Lebensmittel führten zu einer Hungerkatastrophe und einer Säuglingssterblichkeit von 80%. Von 300 im Oktober 1944 in Athen untersuchten Kindern waren 290 an Tuberkulose erkrankt.[27] Nach „Erbeutung“ nahezu sämtlicher Produktionsmittel wie Maschinen, Fahrzeuge etc. wurden mehrheitlich Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse nach Deutschland gebracht.

Vor diesem Hintergrund wird das Rumgehitlere auf dem deutschen Boulevard noch viel ekliger. Mit der griechischen Linken beschäftige ich mich hier aufgrund selektiver Wahrnehmung heute nicht, weil das Anzünden von Menschen nicht in meine Solidaritätsanforderungen passt, das Rechtfertigen desselben auch nicht.

Die glorifizierende Darstellung der Spartaner als Bilderbuchfaschisten in dem Film „300“ ist übrigens falsch: Die Griechen, das sind nette Leute. Auf Zypern konnte eine drohende Wiedervereinigung wieder abgewendet werden, der Schland-Faktor der Griechen bleibt damit bei unter 0. Toll!

2. Super, die Griechen! 2004 waren sie Europameister, und dieses Jahr werden sie Weltmeister. Toll! Mit erfahrenen Stürmern wie Charisteas und Gekas werden sie unter Umständen eines oder mehrere Tore erzielen können. Im Mittelfeld spielt Alexandros Tziolis, der in seiner Zeit bei Werder Bremen von Gegner und Mitspielern stets gleichermaßen gefürchtete Supertechniker. Und hinten macht Kyrgiakos dicht, der sogar bei einem richtigen Verein spielt, dem FC Liverpool. Wusste ich gar nicht. Im Tor steht dieses Mal kein weißhaariger Tattergreis, wobei unklar ist, ob man dem Mann die Haare gefärbt oder einfach einen anderen Torwart aufgestellt hat. In beiden Fällen ist es ab jetzt unmöglich, gegen die Griechen ein Tor zu erzielen. Fest steht, dass die Griechen auf jeder Position absolute Weltklasse haben und sicher den Titel gewinnen werden. Sicher.

3. Otto Rehhagel ist da Trainer.

Fazit:
Wer nicht für Griechenland ist, ist für Deutschland. Wir sind für Griechenland.

_________________________________________

Zum Kommentieren bitte hier klicken.

Ist WM jetzt, und das wird geguckt. Am 11. Juni geht die ganze Geschichte los, das erste nationale Warmlaufen ist bereits über die Bühne gegangen, nachdem Klaus-Peter Boateng die deutschen Truppen enthauptet hatte. Für den Fußballinteressierten, der der Kartoffeltruppe das Vorrundenaus wünscht, muss langsam ein geeignetes Lustobjekt für die folgenden Wochen her, eine Lieblingsmannschaft muss ausgesucht werden. Dabei müssen verschiedene Kriterien beachtet werden.

1. Antideutscher Faktor

Das Land, dem ich im Juni mein Herz schenke, sollte hierzulande möglichst unbeliebt sein oder einen interessanten Beitrag zur deutschen Geschichte geleistet haben.

2. Sportlicher Faktor

Die Genossen sollten wissen, wo das Tor steht, und wie man den Ball dort hineinbekommt. Der schönste politische Hintergrund bringt nichts, wenn da elf Idioten stehen, die nach der Vorrunde ohne Punkt wieder nach Hause fahren oder am Ende 0:8 gegen Schland verlieren.

3. Ästhetisch-sympathischer Faktor

Hier scheitern die Besten: Die Protagonisten dürfen nicht allzu unsympathisch sein, ich kann gewissen Spielern einfach kein Glück wünschen, und deshalb scheitert so mancher aussichtsreiche Kandidat für mein Herz am Ende an Kleinigkeiten.

Schauen wir uns nun die Kandidaten an, es sind 32.

Gruppe A
________________________________________

Südafrika

Südafrika ist sicherlich ein interessanter Kandidat, aber auch ein völlig aussichtsloser.

1. Südafrika steht politisch für Apartheid, Verharmlosung von AIDS und die Internierung von Außerirdischen. „Überwindung (!) der Apartheid!“ wird der Deutsche einwenden, und das macht die Sache noch schlimmer. Die Aufarbeitung der Vergangenheit, das neue Selbstbewusstsein, das riecht alles ein bisschen deutsch und kommt in der Redaktion gar nicht gut an. Dazu ein Richie Goldstone, Richter im Apartheids-Regime, der knapp 30 Schwarze zum Tode verurteilt hat, andere hat auspeitschen lassen, um dann dieser Tage vom moral highground aus über Israel zu schimpfen – sorry, Südafrika, Ihr seid scheiße.

Dazu kommt, dass der exotische Gastgeber auch hierzulande sicher recht beliebt sein wird und für mich als Südafrika-Fan somit keinerlei Distinktionsgewinn zu holen wäre.

2. Sportlich: Unterirdisch, Vorrundenaus steht fest.

3. Ä-S: Nicht zu bewerten.

Fazit:
Auf gar keinen Fall!

__________________________________________

Mexiko

1. Mexiko liegt in Amerika. Mehr ist über dieses Land nicht bekannt, obwohl dieser Tage extra ein Redaktionsmitglied ins Land verschifft wurde. Der Bericht wird folgen.

2. Die besseren Zeiten der Mexikaner sind vorbei, und selbst in denen ging es nur ins Viertelfinale. Das Achtelfinale ist möglich, aber unwahrscheinlich.

3. Letztes Jahr war Sven-Göran Eriksson hier Trainer. Interesting, ah, ah. Die Spieler sind alle unbekannt. Dass sie auf dem Platz sehr große alberne Hüte tragen, ist nur ein blöder Witz und stimmt nicht.

Fazit:
Fazit für welches Land nochmal? Mexiko? Ach so. Naja.

__________________________________________

Uruguay

1. Uruguay ist eines der wenigen Länder mit drei U im Namen. Über die Politik klärt uns Wikipedia auf: „Bei den Wahlen am 31. Oktober 2004 erzielte … als heterogener Zusammenschluss von Sozialdemokraten, Christdemokraten, Sozialisten, Kommunisten und ehemaligen Tupamaros 51 Prozent der Stimmen.“

Das ist natürlich schrecklich. Die Redaktion lehnt derartige Zusammenschlüsse zur klassenlosen Volksgemeinschaft ab und fordert die Bildung eines antifaschistischen Bündnisses zur Zerschlagung der uruguischen Volksfront. Wir werden nicht länger zusehen, wie Tupamaros und Christdemokraten gemeinsam der Emanzipation im Weg stehen und wie selbsternannte Kommunisten sich dem Elend der Sozialdemokratie vor die Füße werfen! Schluss damit! DOWN WITH URUGUAY!

2. Zur Quali haben sich die Ururus hingehangelt und viel weiter wird es für sie nicht gehen. Diese Nazis.

3. Diego Forlan ist der bekannteste Spieler, und ich mag ihn nicht.

Fazit:
Uruguay ist Deutschland für Spanier.

__________________________________________

Frankreich

1. Frankreich ist super, da kann man wirklich nicht meckern. Zwar sieht es militärisch gerade gegen Deutschland sehr mau aus – und das Militärische ist wichtig beim Fußball – dennoch taugt Frankreich als Gegenmodell, auf das man antideutsch pochen kann. Frankreich als republikanisches Gegenmodell zum deutschen Volksstaat, das lässt sich längst nicht mehr sauber argumentieren, aber für eine vierwöchige Fußball-WM reicht es trotzdem. Während es also hierzulande nur um Abstammung und das Gemeinwohl geht, hält der Franzos´ die Werte der Republik hoch und verteidigt die Freiheit, die Gleichheit und die Brüderlichkeit. Als verkappte Liberale sind wir da gern dabei.

Die französischen Arbeitskämpfe sind ebenso erwähnenswert, weil sie ein Gegenmodell zum deutschen Korporatismus sind, der ökonomische Konkurrenzen verschleiert, statt sie zu regeln, und sich dabei wiederum der ekligen deutschen Ideologie bedient.

Bei der deutschen Jugend witzelt man gern, „nach Frankreich nur auf Ketten“ zu fahren und erfreut sich an den gewonnen Schlachten gegen Frankreich als chauvinistischem Prollpotential, weil man so schließlich noch die anschließenden Niederlagen Deutschlands verdrängen kann. Frankreich wird nicht ernst genommen, weil die französische Besatzungszone zu klein ausgefallen war und die Deutschen in der EU schon lange das Sagen haben. Bei der WM muss das anders werden, wenn der „Erbfeind“ frühestens im Viertelfinale zum Tanz bittet.

2. Man weiß zwar nicht mehr, wie sie das gemacht haben, aber am Ende standen die Franzosen wieder im WM-Finale 2006. 2002 waren sie ohne Tor in der Vorrunde gescheitert. Mancher Star ist ein bisschen zu alt für die ganz große Show, aber der größte Teil des Kaders spielt bei Top-Klubs. Vom Personal her gehört die Mannschaft wohl zu den besten fünf, da ist alles möglich.

3. Mit Ribery haben die Franzosen den beliebtesten Mann, der je für Geld mit einer Minderjährigen schlief und damit öffentlich wurde, in ihren Reihen. Heimlicher Held aller ungefickten Fußballfans, kann FRONK auch auf dem Platz den Unterschied ausmachen, wie man so schön sagt. Dass er ein blödes Arschloch mit Islam-Fimmel ist, ist deshalb doppelt ärgerlich. Ebenso, dass Henry die ganze Bande erst mit dem dreistesten Handspiel, das es seit Gottes Eingreifen 1986 gegeben hat, in die Endrunde gebracht hat, bringt mich gegen die Franzosen auf.

Fazit:
Hier beweist sich der ästhetisch-sympathische Faktor bereits das erste Mal als hinterlistiger Fallstrick für eigentlich aussichtsreiche Kandidaten. Holen die frechen Franzosen in den ersten Kategorien noch ungewöhnlich viele Pluspunkte, so haben sie doch am Ende sehr zu kämpfen. Uneingeschränkte Solidarität mit Frankreich kann es deshalb nicht geben, und wenn den grazilen Galliern auch alles Gute zu wünschen ist, so taugen sie nicht als Lieblingsmannschaft für dieses Turnier. Sehr schade, die Redaktion drückt ihr Bedauern aus.

___________________________________________

Gruppe B

________________________________________

Argentinien

1. Adolf Eichmann, Josef Mengele, Walter Rauff – wir wollen nicht lange drumrumreden: Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Argentinien mehr Nazis als heute bei einem Auswärtsspiel der deutschen Nationalmannschaft. Da wird es natürlich ganz schwer, noch zu punkten. Peronismus, Militärdiktatur und so weiter und so fort – das können wir unter den Tisch fallen lassen. Nicht aber die Falklandkriege: So ein Krieg gegen England deutschelt schon ein bisschen. Da es aber hauptsächlich um Rohstoffe und damit um Geld ging, geht das auch in Ordnung. Aber was gibt es denn Positives zu berichten? Da wäre zunächst mal der Sieg gegen Deutschland 1986, der meiner damaligen Meinung nach die deutsche Einheit noch einmal verzögern konnte, auch wenn die anderen Kinder mich für diese These ausgelacht haben. 1990 haben die Genossen sich immerhin noch einmal bemüht.

Maradona muss man für seinen undeutschen Lebensstil loben – Koks und Castro, diese Kombination ist ein Statement für das gute Leben. Argentinisches Steak ebenso. Erfrischend ehrlich kommt der Neo-Feudalismus in Argentinien daher, die aktuelle Präsidentin ist die Frau ihres Vorgängers. Aber das hilft wie gesagt alles wenig, wenn man sich zur sicheren Heimstatt für die schlimmsten Mörder der Geschichte gemacht hat.

2. Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi.

Der knuddelige kleine Kerl ist der einzige Weltklassefußballer, der uneingeschränkt sympathisch ist. Und er ist der beste. Seit Messi muss niemand mehr bedauern, Pele oder Maradona nicht mehr auf der Höhe ihrer Kunst erlebt zu haben, denn Messi ist besser. Der ganze Kader hat theoretisch das Zeug zum Titel, ähnlich wie Frankreich, trotzdem bleiben große Zweifel. Die Qualifikation war eine Qual, und ob der gute Maradona tatsächlich auch ein guter Trainer sein kann, steht in den Sternen. Deutschland hat man kürzlich eindrucksvoll besiegt, selbst mit Ballack hatte der Löw-Mob keine Torchance. Sportlich wäre Argentinien also ein guter Kandidat, vielleicht ein sehr guter.

3. Wie gesagt ist Messi ein wunderbares Maskottchen, mein Herz fliegt ihm zu. Maradona ohnehin, der nette Dicke ist wahnsinnig und gut. Demichelis kann man tolerieren, Veron verdrängen und dann einfach mal zusehen. Die Trikots sind hübsch. Wichtig!

Fazit:
Es ist wirklich schade um Messi, aber so richtig darf sich der aufgeklärte Ballanhänger nicht für die Albiceleste begeistern. Dafür darf der nette Blogger von nebenan ein bisschen so tun, als sei er Sportjournalist, und ganz kennermäßig von „der Albiceleste“ sprechen. Oder „die Albiceleste“? Ist ja auch egal. Für Argentinien haltet Ihr Euch bitte an folgende Regel. Sympathisieren: okay. Fan sein = Nazi sein.

________________________________________

Nigeria

1. Heute morgen las ich über „den afropessimistischen Mainstream“, also über die zumeist negative Berichterstattung über „die afrikanische Tragödie“. Da machen wir natürlich nicht mit! In Nigeria gilt zum Beispiel nur im Norden die Scharia, im Süden dagegen werden die Menschen nicht gesteinigt und auch nicht mit Amputationen bestraft. Und selbst im Norden wird oft nicht gesteinigt, sondern erschossen. Das BIP/Kopf von 1450 $ ist nur ein Durchschnittswert, es gibt also mehrere Menschen dort, die sogar mehr als das verdienen. Und statt eines Horstes haben die Nigerianer einen Goodluck zum Präsidenten, was für ein lebensbejahendes Land!

Aber es gibt auch dunkle Flecken in der Geschichte des Landes. So wurde zum Beispiel Adolf Hitler, der am Zweiten Weltkrieg und Holocaust Schuldige, in Nigeria geboren. Später wurde dieses Scheusal dann fälschlicherweise den Deutschen zugeschrieben – als hätte das deutsche Volk nicht schon genug erlitten! Hitler wurde 1887 im Bundesstaat Jigawa geboren, dementsprechend war seine Muttersprache Kanuri. Einen leichten Kanuri-Akzent hat der „Führer“ zeit seines Lebens behalten, wie Sprachwissenschaftler zwischenzeitlich nachgewiesen haben. Hitlers Versuche, die Scharia in Österreich einzuführen, sind dann schnell gescheitert, haben aber bis heute Spuren hinterlassen. Viele Österreicher sagen heute, dass sie das islamische Recht von dem Herrn Hitler damals schon genommen hätten, aber nicht heute und schon gar nicht von diesen „Moslems“.

Da die Geschichte des frühen Hitlers heute weitgehend verdrängt wurde (woran zweifellos GEWISSE KREISE ein INTERESSE haben, Ihr wisst was ich meine), gibt es kaum eine Verbindung zwischen Deutschland und Nigeria. Ob die rassistische Perspektive auf Nigeria dazu führt, dass das Team beliebt oder unbeliebt ist, steht in den Sternen. Lest es da bitte nach.

2. So mittel, sag ich mal. Alle drei Torhüter spielen in Israel, der Rest bei europäischen Clubs aus dem Mittelfeld. Im Viertelfinale ist also Schluss, eher früher. Man kennt Obasi, Martins und den ollen Kanu. Trainer ist ein alter Schwede, herrje, warum haben diese Afrikaner immer Trainer aus der fünften Reihe?

3. „We put the GER back in niGERia!“ Mein Claimvorschlag, falls die Nigerianer mit deutschen Tugenden punkten.

Fazit:
Nigeria muss weg, Norden und Süden gleichermaßen, und dann muss da irgendwo auch mal ein Mahnmal hin, wegen Hitler. Und bei der WM, da sind sie mir egal. Es sei denn, sie haben Vuweseelers, dann bin ich da so richtig dagegen.

________________________________________

Südkorea

1. Südkorea ist nicht Südafrika, und es ist auch nicht so ähnlich. Südkorea ist das neue West-Berlin. Ein antikommunistisches Bollwerk am Tropf der USA, das sich vom stalinistischen Nachbarn herumschubsen lässt. Unsere Solidarität gilt natürlich dem Norden des Landes, nicht aus politischen, sondern aus geolokalpatriotischen Erwägungen, die mit Rationalität und Logik nur ganz wenig zu tun haben.

In Deutschland hat man wenigstens Angst vor den fleißigen Asiaten, denen man durchaus zutraut, der glorreichen deutschen Wirtschaft Konkurrenz zu machen. Außerdem sehen die Koreaner ganz anders aus als die Menschen hier, insofern ist es besonders schwierig mit den deutschen Sympathien. In Sachen „entspannter Nationalismus“ dagegen können die Koreaner durchaus Vorbild sein, das Gekreische und Geschwenke 2002 könnte Vorbild für die Aufmärsche 2006 in Deutschland gewesen sein. Wir sehen: Südkorea ist ein Sowohlalsauchabereigentlichegal. Es ist auch sehr weit weg. Also zu Fuß eigentlich kaum zu erreichen, es sei denn, man geht irgendwo los, von wo es nicht mehr so weit ist.

2. Wie gesagt: Südkorea ist das neue West-Berlin. Und so spielen die auch Fußball, es sieht aus wie Hertha und fühlt sich an wie TeBe. Zufälligerweise ist die Redaktion von verbrochenes.net besetzt mit mehreren Experten für den südkoreanischen Fußball und kann deshalb besonders fundiert davon abraten, auf Südkorea zu setzen oder zu hoffen. Don’t. Nicht Machen.

3. Der laufbereitschaftsbasierte Stil langweilt, Stars gibt es keine. Aber: RUMMENIGGE RUMMENIGGE BUM KUN CHA! RUMMENIGGE RUMMENIGGE BUM KUN CHA!

Fazit:
Zu viel Erfolg für Korea könnte zu einer Wiedervereinigung führen, die wir ablehnen. Ansonsten kann man zu Südkorea nichts sagen, was nicht falsch wäre. Also Schluss damit.

________________________________________

Griechenland

1. Unbestätigten Berichten zufolge soll DFB-Präsident Theofanis „Dema“ Zwanziger bereits mit Angela Merkel und Horst Köhler zusammengetroffen sein, um über das Vorgehen bei einem denkbaren Viertelfinale Deutschland – Griechenland zu beraten. Bisher will niemand das Wort „Boykott“ in den Mund nehmen, hinter den Kulissen ist die Aufregung dennoch groß. Zwar trauen den Griechen nur wenige das Erreichen der dritten Runde zu, aber Angst hat man doch.
Ein hochrangiger DFB-Funktionär hinter vorgehaltener Hand: „Die sind zwar faul und gierig, aber am Ende kaufen sie sich mit unserem Geld noch richtige Fußballschuhe, und dann sind sie auf einmal doch genau so gut wie unsere Jongens! Gegen die treten wir nicht an!“ Während viele Funktionäre mit einer ähnlichen Argumentation für einen Boykott der Griechen sind und bereits deutsche Delegationen in Buenos Aires und Seoul an einer breiten Front gegen die schmarotzende Südländernation arbeiten, verharrt Angela Merkel noch immer im moderaten Lager. Die Kanzlerin wirbt hinter den Kulissen für eine Lösung, in der das Spiel zwar stattfindet, die Griechen sich aber in Anerkennung der finanziellen und moralischen Überlegenheit der deutschen Nation mit 4:1 besiegen lassen. Den griechischen Ehrentreffer solle dabei einer der griechischen Bundesligaspieler erzielen, als faire Geste gegenüber dem Gast- und Geldgeber.

Diese Planspiele zeigen, dass das neue Griechenland über das derzeit größte denkbare antideutsche Potential verfügt. Die deutsche Presse hetzt unermüdlich wegen läppischer 20 Milliarden geliehener Euros, mit denen die Griechen ihre Schulden bei deutschen Banken bezahlen sollen. Ein Erfolg von Griechenland bei der WM, möglicherweise gar gegen Deutschland, wäre eine riesige Demütigung für die deutsche Nation, die so sehr von ihrer Überlegenheit überzeugt ist. Die immer mindestens latent vorhandene Aggressivität des Nationalismus hat sich in den letzten Wochen spektakulär wie selten Bahn gebrochen, als es gegen die Griechen ging. Das war sehr eklig. Im Spiegel erzählt Leon de Winter den Abiturdeutschen, welche Eigenschaften „die Südländer“ jetzt haben: „Raffgier, Verantwortungslosigkeit, Egoismus, Betrug, Geldverschwendung“. Na dann. Liegt aber nur am Euro.

Das eigentliche Problem dabei, dass die Griechen jetzt nichts mehr haben, ist, dass man ihnen nichts mehr wegnehmen kann. Ich zitiere Wikipedia:

So wurde durch die erzwungene Ausfuhr der fast gesamten griechischen Produktion noch eine positive Handelsbilanz zum Deutschen Reich in Höhe von 71 Mio. Reichsmark festgestellt, die dann mit extremen Besatzungskosten verrechnet wurden. Griechenland hatte von allen besetzten Ländern pro Kopf die höchsten Besatzungskosten zu zahlen. Um von der Bevölkerung mehr Sachwerte abzuziehen, wurde der Banknotenumlauf gesteigert. Besonders die fehlenden Lebensmittel führten zu einer Hungerkatastrophe und einer Säuglingssterblichkeit von 80%. Von 300 im Oktober 1944 in Athen untersuchten Kindern waren 290 an Tuberkulose erkrankt.[27] Nach „Erbeutung“ nahezu sämtlicher Produktionsmittel wie Maschinen, Fahrzeuge etc. wurden mehrheitlich Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse nach Deutschland gebracht.

Vor diesem Hintergrund wird das Rumgehitlere auf dem deutschen Boulevard noch viel ekliger. Mit der griechischen Linken beschäftige ich mich hier aufgrund selektiver Wahrnehmung heute nicht, weil das Anzünden von Menschen nicht in meine Solidaritätsanforderungen passt, das Rechtfertigen desselben auch nicht.

Die glorifizierende Darstellung der Spartaner als Bilderbuchfaschisten in dem Film „300“ ist übrigens falsch: Die Griechen, das sind nette Leute. Auf Zypern konnte eine drohende Wiedervereinigung wieder abgewendet werden, der Schland-Faktor der Griechen bleibt damit bei unter 0. Toll!

2. Super, die Griechen! 2004 waren sie Europameister, und dieses Jahr werden sie Weltmeister. Toll! Mit erfahrenen Stürmern wie Charisteas und Gekas werden sie unter Umständen eines oder mehrere Tore erzielen können. Im Mittelfeld spielt Alexandros Tziolis, der in seiner Zeit bei Werder Bremen von Gegner und Mitspielern stets gleichermaßen gefürchtete Supertechniker. Und hinten macht Kyrgiakos dicht, der sogar bei einem richtigen Verein spielt, dem FC Liverpool. Wusste ich gar nicht. Im Tor steht dieses Mal kein weißhaariger Tattergreis, wobei unklar ist, ob man dem Mann die Haare gefärbt oder einfach einen anderen Torwart aufgestellt hat. In beiden Fällen ist es ab jetzt unmöglich, gegen die Griechen ein Tor zu erzielen. Fest steht, dass die Griechen auf jeder Position absolute Weltklasse haben und sicher den Titel gewinnen werden. Sicher.

3. Otto Rehhagel ist da Trainer.

Fazit:
Wer nicht für Griechenland ist, ist für Deutschland. Wir sind für Griechenland.

_________________________________________________

Gruppe C

__________________________________

England

1. In England gibt es sehr viele Ritter, sehr viel mehr sogar als in Deutschland, obwohl die hiesigen Ritter oft unter anderen Namen unterwegs sind, während ein englischer Ritter auch Ritter heißt. Obwohl es um das emanzipatorische Potenzial des Rittertums an sich in der Redaktion verbissene Diskussionen gegeben hat, sind sich alle einig, dass Drachentöten definitiv ein antifaschistischer Akt ist. Ergo steht der heilige Georg bei uns hoch im Kurs.

Wiki weiß: „Georg rettet die jungfräuliche Königstochter vor einer Bestie, dem Drachen, indem er diesen tötet.

Die Bildsprache ist klar: Die „jungfräuliche (!) Königstochter“ sind wir, die ungeborene Redaktion von verbrochenes.net. Die „Bestie“ ist der deutsche Nationalsozialismus, der von Georg, dem Bomber Harris unter den Rittern des Mittelalters, getötet wird. Die Rolle der Befreier ist also die historische Rolle der Engländer. Und so führt der Anblick des Georgskreuzes bei uns immer zu großer Freude, zu Feuerwerken der Emotionen.

Wo andere Blogs über Gentrifizierung schimpfen, zeigen wir immer wieder auf, wie das Problem gelöst wurde und wieder gelöst werden kann: Hamburgisierung (BE: hamburgisation, AE: hamburgization) war die große Tugendtat des zwanzigsten Jahrhunderts. Erst als die deutsche Volksgemeinschaft in Schutt und Asche lag, wurde allen klar: Gegen die Engländer ist kein Kraut gewachsen. Zu den Amerikanern kommen wir gleich noch, aber schon jetzt ist festzustellen, dass die echten Kriegshelden die Engländer waren.

Weil die Franzosen – soviel Chauvinismus ist hier jetzt aber auch mal erlaubt manmussauchmalwasaussprechendürfen! – einfach mal gar nichts taugen, sind die Briten der einzige Gegenpol zum deutschen Boden in Europa. Sie haben den ganzen Euroblödsinn nicht mitgemacht, weil sie ihre Geldpolitik nicht von den Krauts machen lassen wollen. Zu recht! Würden die Briten heute Finanzprobleme haben und Geld von der EU benötigen, die Antwort des deutschen Stammtisches wäre klar: „Die sollen sich erstmal für den Zweiten Weltkrieg entschuldigen, und dann sehen wir weiter!“

Nein, die Briten machen die ganze postnational getarnte deutsche Politik nicht mit, ihr Herz schlägt links. Vom Atlantik.

Auf den grassierenden Überwachungswahn, den furchtbar durchregulierten Fußball und das Essen wird hier aus naheliegenden Gründen nicht eingegangen.

2. Das Potential ist da, keine Frage. Alle Spieler aus dem englischen Kader spielen in der Premier League, die meisten bei einem großen Klub. Das war aber auch bei den letzten Turnieren so, genutzt hat es nichts. Im Sturm sieht es neben Rooney etwas mau aus. Dafür haben die Engländer endlich mal einen Torwart, der aussieht, wie er aussehen muss. Fabio Capello ist im Gegensatz zu Sven-Göran Eriksson ein Trainer, der nicht nur den Ruf eines Startrainers, sondern auch dessen Erfolge vorzuweisen hat. Somit rechnen wir fest mit einer deutlichen Leistungssteigerung der Engländer. Und natürlich kann es auch für den Titel reichen. Zunächst mal wäre ein Viertelfinalsieg im Elfmeterschießen gegen Deutschland ganz großartig. Come on, England!

3. England hatte mal eine aufregende Fußballkultur, und bei der Nationalmannschaft ist noch etwas davon zu sehen. Südafrika ist weit weg, trotzdem hoffen wir auf große Unterstützung für das Team aus England. Was war das schön, als die Fans aus Fulham den Hamburgern zuriefen „Who are ya? Who are ya?“. Ein weiterer Klassiker ist das „It was so fuckin easy!“ nach schönen Siegen, und die Ten German Bombers sind längst Pop. Ebenso sorgen die englischen Hooligans, die in zahlreichen Filmen und Büchern in den letzten Jahren massentauglich vermarktet wurden, hier für einige Faszination. England ist im Fußball ein echter Gegner auf allen Ebenen.

Eigentlich wollten wir in der Zeit der WM nur noch Cockney sprechen, allerdings klingt das bei uns wie Lena Meyer-Landrut, was egal gewesen wäre, wenn die blöde Kuh standesgemäß Neunzehnte geworden wäre. Naja. Im englischen Teamhotel wird es wahrscheinlich sowieso eher wie bei Rosamunde Pilcher zugehen, und das steht uns auch gut. Lord Peter wartet in den Kommentaren bereits darauf, weitere Hintergrundinformationen zu liefern, zum Beispiel, warum das englische Team keine Nation vertritt. Da bin ich aber gespannt!

Fazit:
England ist ein naheliegender Favorit für die antideutsche Zuneigung. Das Sportliche stimmt ebenso, das Ästhetische auch. Das Einzige, was gegen England spricht ist, dass nichts gegen sie spricht. Hey, das ist mir jetzt zu verkopft!

_________________________

USA

1. Stop. Zurück zu England. England ist in Deutschland unbeliebt, keine Frage. Dabei treibt die Deutschen vor allem der Glaube, überlegen zu sein. Deutschland baut an Europa, und die Engländer, die Spalter, machen nicht mit, weil sie es nicht kapieren. England ist europäischer Nachbar und eigentlich ganz ähnlich, nur halt viel dümmer als Deutschland.

Anders sieht das antiamerikanische Ressentiment aus. Die USA sind nicht Nachbar und Kollege, sondern Gegner. Den Amis neidet der Stolzdeutsche ihre große Armee und die dadurch gegebene Möglichkeit, zu tun, was sie wollen. Auch wirtschaftlich sind die USA das deutlich stärkere Land, sie können sich dick und rund fressen vor lauter Wohlstand, und die Deutschen hassen das. Während deutsche Nationalisten also die Engländer scheiße finden, haben sie vor den Amerikanern Angst. Und obwohl die Briten schließlich der entschlossenste Gegner Nazideutschlands waren, waren es die Amerikaner und die Sowjets, die den Krieg am Ende gewannen.

Im Fußballkontext sieht das alles natürlich wieder ganz anders aus. Da haben die USA nichts zu melden, sind kein Gegner. Oder doch? 2002 spielten die US-Boys (sprecht das ruhig mal laut aus und nehmt es im kommenden Monat als Synonym für das amerikanische Team: US-Boys) Rudis Kartoffeln fast vom Acker, bis Michael Ballack zum obligatorischen 1:0 traf und Torte Frings den Ball mit der Hand von der Linie schaufelte. Ein kurzer Rückblick auf die Gegner der Deutschen bei jenem Turnier: Saudi-Arabien, Irland, Kamerun, Paraguay, USA, Südkorea, Brasilien. Gegen den ersten starken Gegner verloren sie prompt, gegen das restliche Fallobst in den K.O.-Runden war man das schlechtere Team und gewann trotzdem. Nur mal so reingeworfen jetzt.

Amerika ist das geilste Land in allen denkbaren Kategorien. Musik, Politik, Wissenschaft, Sport, Geographie, Wetter, Größe, Geschichte, Essen – alles! Und das wird auch so bleiben. Die deutsche Presse schreibt jeden Tag fünf Artikel darüber, warum Amerikas Abstieg begonnen hat und Europa (politisch) und China (wirtschaftlich) die Modelle der Zukunft sind. Nichts dergleichen wird passieren, denn Amerika ist dynamischer als das veralternde Europa, es passiert in New York jeden Tag mehr interessanter Scheiß als in allen deutschen Großstädten zusammen. Außer in Bremen, klar. In zwanzig Jahren ist Deutschland längst Peripherie, und die USA stellen den besten Fußballspieler der Welt.

2. Tun sie heute aber noch nicht. Scheiße. Dafür haben sie einen Helden in ihren Reihen, Clint Dempsey, der mit dem FC Fulham den HSV aus der Europa League warf. Guter Mann, ganz bestimmt. Der Rest des Kaders ist europäischer Durchschnitt, was aber – siehe Deutschland 2002 – bei einer WM durchaus auch mal fürs Finale reichen kann. Die Gruppenphase können sie auf jeden Fall überstehen, müssen sie, sollen sie, bitte bitte.

3. Ästhetisch, sympathisch – es sind die USA, goddamnit! Die Jungens sehen super aus, sind stets gut gelaunt und zum Finale kommt Obama. Es gibt da wirklich gar keine Bedenken!

Fazit:
Alles Granate, bis auf das Sportliche. Im Viertelfinale gehts wieder raus, und dann hat man den Salat. Den USA ist Erfolg unbedingt zu wünschen, sein Herz sollte man allerdings besser woanders hinhängen.

_______________________________

Algerien

1. Algerien, der sympathische Mittelmeeranrainer, über den keiner irgendwas weiß! Algerien hat einen Präsidenten, der Bouteflika heißt und bisher nicht als Gangsterrapper unter dem Namen „Booty Flicker“ aufgetreten ist. Aber was nicht ist, Ihr wisst schon. 90 Prozent der Bürger finden ihn gut, weshalb er sowohl beim HSV als Sportdirektor im Gespräch war, als auch als neuer Bundespräsident hoch gehandelt wird. Algerien ist sehr groß, größer als mehrere Blauwale hintereinander, und man trägt die Haare dort eher lang, Strähnchen werden nicht so gerne gesehen, sind aber unter einem Schleier oder einer Burka auch okay.

In Algerien ist Frankreich genauso beliebt wie in Deutschland, also Obacht. Dafür werden in Algerien aber keine Autos gebaut und kein Sauerkraut gegessen, immerhin. Hätte Algerien eine Südküste, wäre das der größte Strand der Welt. Wenn man einem Algerier mit dem Wortspiel vom Mittelmeer, an dem man keine Mittel mehr habe, kommt, reagiert er verwundert, weil er wahrscheinlich kein Deutsch kann. Dennoch sind die Algerier nicht als humorlos misszuverstehen, bei gutem Wetter wird auch mal gelacht.

Nicht so lustig war der Betrug, den die deutsche Volksgemeinschaft 1982 in Gijon an den Algeriern vorgenommen hat. Es besteht deshalb Grund zur Hoffnung, dass bei einem eventuellen Aufeinandertreffen mit den Deutschen die Fäuste zum Einsatz kommen. Das wäre toll.

2. Die sind total scheiße. Ein paar Algerier spielen in der Bundesliga, aber keiner bei richtigen Vereinen. Vorrundenaus. Eigentlich ist es ne Frechheit, dass die überhaupt antreten. Vielleicht überlegen sie es sich noch anders. Hoffentlich. Auch für das nationale Selbstwertgefühl wäre das gut. Jetzt reißt Euch mal zusammen, Ihr Algerier!

3. Nee.

Fazit:
Ohne Algerien wäre die Welt zwar kleiner – also angenommen, da wäre dann nichts, oder die Welt würde sich derart zusammenziehen, dass das Loch geschlossen würde und die Welt durch die Kontraktionen schrumpfen – aber nicht ärmer. Weil Algerien auch sehr arm ist. Naja. Nicht für Algerien sein, Freunde.

________________________________________

Slowenien

1. Slowenien ist zur Hälfte mit Wald bedeckt worden, wodurch die einheimischen Menschen ihre Ablehnung der Moderne ausdrücken wollen. Diese Ablehnung schlägt natürlich auch auf die Politik des Landes durch. Aus dem jugoslawischen Vielvölkerstaat hat man sich früh verabschiedet und den anschließenden Einmarsch der jugoslawischen Armee in nur wenigen Tagen abgewehrt. Das war umso bemerkenswerter, als das slowenische Urvolk sich dabei nur Zwillen und Knüppeln bediente, was zu teils sehr hässlichen Verletzungen bei den would-be-Besatzern führte. Die gewonnen Unabhängigkeit wurde absurderweise einerseits mit dem Pflanzen der erwähnten Wälder, andererseits mit großen Lagerfeuern aus Holz gefeiert.
Dank soviel autochthonen Geschmurgels sind die Slowenier ein geliebtes Ziehkind des deutschen Hegemons geworden, sogar den Euro dürfen sie benutzen, sind in der Nato, der EU und in mehreren Ortsvereinen der al-Qaida vertreten.

2. Im entscheidenden Spiel haben die Slowenen Russland geschlagen, also so ganz mies können sie nicht sein, aber es war schon auch ein glücklicher Sieg mit zwei roten Karten für den Gegner. In der Qualifikationsrunde landeten sie hinter der Slowakei und vor Tschechien, Nordirland, Polen und San Marino. Ganz ähnlich also wie Deutschlands Gegner bei der WM 2002: Alles easy. Die Spieler kenne ich alle nicht, fast alles spielt sich etwa auf deutschem Zweitliganiveau ab.

3. Nicht zu bewerten.

Fazit:
Gegen die Slowenier kann man schwerlich etwas haben, aber in dieser Gruppe sollen doch bitte England und die USA weiterkommen. Danke.

_________________________________________________

Gruppe D

________________________________

Deutschland

1. In Deutschland regiert das Kleinbürgertum, genau genommen ist Deutschland das Land des Kleinbürgertums. Der aktuelle Umweltminister wurde in einer Zeitung überschrieben mit „Ein Intellektueller im Umweltministerium“ (aus dem Gedächtnis zitiert.) Die Überschrift macht nur Sinn, weil der Rest des Kabinetts aus Trotteln und Schmocks besteht, die Intellekt mit Selbstgerechtigkeit ersetzen und in jeder Rolle Spaß haben, weil sie keine Ahnung haben. Das Parlament besteht aus Lehrern und Anwälten, erstere wissen über jeweils drei Themenfelder ungefähr ein Drittel von dem, was in einem Schulbuch von 1970 darüber zu lesen ist; und letztere konnten früher mal ein paar Gesetze auswendig, heute können sie besonders fundiert das Grundgesetz loben.

Von diesen Leuten wird Deutschland also ein bisschen hin und her regiert, so mancher Trend von Umweltschutz bis Abtreibung wird mal besprochen, und den finanziellen Sachzwängen wird natürlich auch entsprochen. Komischerweise ist dieses ausgesprochen dumpfe Schauspiel Gegenstand vielfältiger Berichterstattung von Leuten, die deutlich klüger sind als die, über die sie schreiben. So baut sich im zweiten Level bzw. auf der vierten Säule eine große Lupe auf, die alles, was unter ihr passiert, viel größer erscheinen lässt. Großes Theater passiert, und die Leute schauen immer noch gespannt zu, wenn im Reichstag die Lindenstraße nachgespielt wird.

Die Kleinbürger verwalten die Nation und das Anhängen an derselben. In den Gewerkschaften träumt man auch 65 Jahre nach Hitlers Kopfschuss noch von der Volksgemeinschaft, in der Arbeit und Kapital zusammengehen. Die Arbeitgeber lachen sich krumm und schief und senken die Löhne mit dem Argument des nationalen Standorts. Was gespart wird, wird eingesteckt, richtig so. Die kleinen Entscheider sorgen dafür, dass alles im Konsens passiert. Die Arbeiterklasse wird langsam abgeschafft, erstmal kommt die Hauptschule weg, dann Opel und am Ende sind alle irgendwie geschäftig unterwegs von hier nach da, können auch das Internet benutzen und tun so, als ob.

Kleinbürger sind die zivilisiertesten unter den Ungebildeten, und deshalb ist auch der Antisemitismus hierzulande so zivilisiert. So ein Massenmord ist doch ziemlich unappetitlich, das weiß man, trotzdem sind die Juden dem Deutschländer nicht geheuer. Das Ergebnis ist der verdruckste Antisemitismus, der immer einen Anlass braucht, um loszubrechen, und der sich auch dann immer rückversichert mit gewissen Einschränkungen bezüglich seiner Konsequenz. Gerade heraus sagt keiner, dass die Juden die Fresse halten sollen, nur „der Friedman“ eben. Es sagt auch keiner, dass Israel weg muss, man kritisiert eben nur alle Maßnahmen, die Israels Verschwinden verhindern. Das ist nicht ganz ungeschickt, aber es ist eine unbewusste Geschicklichkeit, die der verschämte Judenhass so hervorbringt.

Wichtig ist in Deutschland, dass es große Portionen gibt. Nicht Geld, auch nicht Spaß, sondern Essen. Das muss nicht schmecken, das muss aber in großen Portionen kommen und billig sein. Das hat man sich verdient. Ansonsten, so die landläufige Meinung, hat man sich nicht viel verdient, obwohl hier soviel Reichtum wie kaum irgendwo produziert wird. Man will genügsam sein. Vielleicht eine neue Couchgarnitur nächstes Jahr. Aber erst den großen Fernseher. Wenn das mit dem Urlaub diesen Sommer dann nicht klappt, dann lieber doch keine Couch. Jedenfalls nicht jetzt. Der Bierkonsum sinkt. Der Absatz von Maschinenbauern auch, dafür steigt der Geschäftsklimaindex. Der Arbeitsmarkt ist überraschend stabil, aber das Haushaltsdefizit explodiert. Alle Jugendlichen haben einen Ausbildungsplatz, toll – aber was ist mit den Langzeitarbeitslosen? Schulden vom Staat sind Vermögen von Privatpersonen. Muss man auch mal sehen. Der Autoindustrie geht es gut. Der Milchpreis steigt, der Ölpreis fällt, ebenso wie die Auflage der „Bild“. Egal, jetzt ist WM.

2. Und da fängt der Ärger an. Die deutsche Offensive ist eine starke, Podolski brennt schon wieder, Özil ist Weltklasse und ein guter Stürmer wird sich auch noch finden. Marin auf der Bank, Müller auf dem Platz, herrje, das ist alles ziemlich aufregend. Dahinter Schweinsteiger und Khedira, der anscheinend auch ganz gut ist, ich weiß das nicht. Ballack ist alt, und die Nachkommenden sind ehrgeizig, konzentriert und erfahren. Das kann klappen. Hinten sieht es nicht so gut aus, aber auch nicht schlecht. Badstuber war im CL-Finale die blanke Angst, und Arne Friedrich spielte jahrelang bei Hertha BSC. Das kann trotzdem gutgehen. Manuel Neuer wird mindestens ein Gegentor klar verschulden, das kann ein entscheidendes sein, muss es aber nicht.

Im Achtelfinale ginge es gegen England oder die USA, insofern in Gruppe C nichts Merkwürdiges passiert. Rule, Britannia!

3. Katastrophe. Deutscher Nationalismus kommt wieder als Pop daher, als ganz schlechter natürlich. Unter dem Titel „Deutschland abreißen!“ hat die Redaktion, die Gesetzesverstöße strikt ablehnt und aus praktischen Gründen auch ihren Leserinnen vom Begehen derselben abrät, folgenden Katalog entwickelt:

Autofähnchen: 1 Punkt
Tröten und so: 1 Punkt
Große Fahnen: 3 Punkte
Riesige Fahnen: 10 Punkte
Shirts, Pullis usw.: 10 Punkte
Nazifahnen: 20 Punkte

Vom Zusammenhang von Volltrottelkostümen und Nationalismus war hier schon vor zwei Jahren die Rede, und das stimmt immer noch alles. Los, lest das jetzt nochmal.

Ganz doof auch, dass mit Özil, Marin, Wiese und Merte vier so Vollschnuckis aus Bremen dabei sind, denen man schwer etwas Schlechtes wünschen kann. Schwer, aber nicht unmöglich. Wenn Özil eine gute WM spielt, geht er ohnehin. Und wenn er eine schlechte spielt, kann er meinetwegen auch bleiben. Marin sitzt auf der Bank, Wiese auch, und Mertesacker tut auch keinem weh.

Fazit:
Sportlich sieht das alles leider gut aus, aber das Losglück wird uns einen antideutschen Triumph im Achtelfinale bringen. Just great! Vorfreude!

______________________

Australien

1. Ich weiß nicht, ob es noch irgendwie uninteressanter geht als Australien. Man kann da lernen, sich von hinten an ein Känguruh anzuschleichen und ihm mit dem Messer die Kehle durchzuschneiden. True Story! Außerdem ist das, was die Aborigines mit den Deutschen machen, auch nichts anderes als das, was die Palästinenser mit den Indianern damals gemacht haben!

2. Mark Schwarzer, der erste unter den Fulham 11, ist über jeden Zweifel erhaben, der Rest der Australier dagegen ist völlig wehrunfähig und wäre mit einem eckigen Ball gut bedient.

3. Da muss mir gar keiner mit dieser Surferscheiße kommen, mit dem tollen Lifestyle und dem lustigen australischen Akzent. Australier sind selbstgerechte Arschlöcher. Jedenfalls die, die ich nicht kenne. Die meisten versuchen verzweifelt, die Insel zu verlassen, um dann aus unerfindlichen Gründen zurückzukehren.

Fazit:
Schade, dass so ein langweiliges Land mit seiner Graupentruppe in der deutschen Gruppe gelandet ist.

_________________________

Serbien

1. Das antideutsche Potenzial der Serben ist groß, wenn auch bekanntermaßen nicht groß genug:

Landstreitkräfte

* Kampfpanzer

o M-84, M84A – 212
o T-72M – 13 (werden außer Dienst gestellt)

* Schützenpanzer / Transportpanzer

o M-80/M-80 A – 320
o BOV – 137
o M-60P (APC) – 147 (werden/sind ausgemustert)
o BRDM-2 – 88

* Artillerie

*
o 2S1 (122-mm-Haubitze, Selbstfahrlafette) – 72
o M56 (10- mm-Haubitze) – 162 (Langzeit-MatE)

*
o M69 (81/82-mm Mörser) – 385 (Langzeit-MatE)
o M75 (120 mm) – 205

*
o M-63 Plamen (MLRS) – 20
o M-77 Oganj (MLRS) – 60

* Flugabwehrraketen-Systeme

o SA-7 Grail – 108
o SA-18 Grouse

* FLAK

o BOV-3 – 63
o L/70 BOFORS mit Giraffe Radar-60

* Panzerabwehr

o AT-3 Sagger
o M-60 Rückstoßfreies Geschütz -1500(soll durch die Bumbar ersetzt werden)
o M79 OSA Panzerfaust
o Bumbar (Nachbau des Französischen Eryx)

* Infanterie

o M21 – Sturmgewehr
o M70 – Sturmgewehr
o Master FLG 9mm
o M97 (UZI Kopie)
o Steyr AUG – Sturmgewehr
o HK MP5 – Maschinenpistole
o M76 – Scharfschützengewehr
o M84 – Maschinengewehr
o M87 – Überschweres Maschinengewehr
o BGA – automatischer Granatenwerfer, Lizenzbau der AGS-17

Flugabwehrraketen-Systeme

o SA-3 Goa mit erweitertem Radarsystem
o SA-6 Gainful mit erweitertem Radarsystem

Hubschrauber

o Mil Mi-8 – 10
o Mil Mi-24 – 2
o Aérospatiale Gazelle – 61

Kampfflugzeuge

o MiG-29 – 4
o MiG-21 – 24
o G-4 Super Galeb – 25
o Soko J-22 Orao – 32

Lufttransport

o Antonow An-26 – 4
o Jakowlew Jak-40 – 2
o Utva 75 (Verbindungs Flugzeug) – 16
o An-2 (Transportflugzeug) – 1

Wasserfahrzeuge

* 2 Transportboote für Ausrüstung oder Soldaten Typ 411
* 1 Kommandoschiff und Minenleger RPB-30 „Kozara“
* 4 Minenräumboote Typ RML

2. Die Serben haben einen relativ guten Kader, mit Weltklasse in der Abwehr, einem sehr guten Mittelfeld und einem durchschnittlichen Sturm. Dazu kommt ein erfahrener und erfolgreicher Trainer, und in der Qualifikation lief es auch gut, Serbien ließ Frankreich hinter sich. In den letzten Testspielen gab es leider nicht so gute Ergebnisse, aber beim Turnier wird das alles gutgehen.

3. Der krasse Nationalismus, der auf dem Balkan angesagt ist, nervt auch bei den Serben extrem, die Kriegsverbrecherquote auf den Tribünen dürfte relativ hoch sein. Insofern ist das Land kein großer Sympathieträger, obgleich ihnen gegen UCK und Bundeswehr der Sieg zu gönnen gewesen wäre. Sei es drum.

Fazit:
Gutes Team. Ambivalenter Hintergrund. Müssen wir uns erstmal im Einsatz angucken, bevor Sympathien freigemacht und ausgeteilt werden können. Gegen Deutschland sind die freundlichen Freischärler selbstverständlich Hoffnungsträger.

___________________________________

Ghana

1. Ghana ist eine tolle Sache, es ist schön warm da, es gibt Gold und Meer und Multikulti. Der einzige Grund, dieses schöne Land zu verlassen, ist eine Karriere im europäischen Profifußball. Nebenan liegt die ehemalige deutsche Kolonie Togo, was Ghana zu so einer Art Frankreich Afrikas macht, nur eben mit englischen Kolonisten.

Soweit das eine etwas lustlose Internetrecherche erkennen lässt, ist es in Ghana nicht ganz so übel wie anderswo in Afrika, obwohl die Armut extrem ist. Wow, what a downer! Dafür ist Ghana der Alptraum des deutschen Kleinbürgers. Na klar, auch wegen der vielen Schwarzen, aber das wirklich Schlimme ist, dass die auch noch alle verschiedenen „Ethnien“ angehören und die verschiedensten Sprachen sprechen! Denen müsste mal jemand klar machen, dass sie auch nur zu Gast auf der Welt sind (die sie dazu auch nur von ihren Kindern geliehen haben!) und auffordern, endlich eine Sprache zu sprechen, auch wegen der Integration.

2. Die haben Spieler im Kader, die spielen noch in Ghana. Mehrere. Schlimmes Ding. Dafür waren sie 2006 ziemlich super, aber dieses Mal fehlt ihr allerüberbester Spieler, Essien. In der Abwehr steht John Paintsil bereit, die Deutschen ebenso zu hamburgisieren, wie der FC Fulham es mit dem HSV tat. Neben ihm stehen einige hochklassige Spieler im Kader, die es auch in Europa geschafft haben, aber das Gesamtpaket reicht einfach nicht aus für den großen Wurf. Wenn die Serben schwächeln könnte es für das Achtelfinale reichen, aber ich glaub nicht dran.

3. Kevin-Prince Boateng! Der Ballackbesieger wird es wohl in die Stammelf schaffen, und das finde ich super. Ein Treffer von ihm zum Sieg gegen Deutschland wäre das Beste, was in der Vorrunde passieren kann. Seine Verpflichtung durch Werder Bremen wäre dann kaum mehr zu vermeiden.
Sympathisch auch der Torhüter, der als großer Schwachpunkt der Mannschaft gilt: Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 trug der Spieler den Namen „Kingson“ auf seinem Trikot, nachdem er zuvor als „Richard Kingston“ bekannt war. Der ghanaische Verband bestätigte daraufhin „Kingston“ als richtige Schreibweise. Der Torhüter selbst verwendet jedoch die Schreibweise „Kingson“. Richards Bruder Laryea spielt hingegen als Laryea Kingston.

Fazit:
Ghana ist eines der afrikanischen Länder, denen die Redaktion den Erfolg gönnt, auch weil sie Afrikaner sind. Schade, dass es trotzdem so unwahrscheinlich ist. Mit Boateng gibt es einen echten Deutschland-Bezug, der Ghana zum Sympathieträger für den antideutschen Pop macht.
___________________________________

Gruppe E

__________________

Niederlande

1. Die Niederlande sind ein ganz, ganz mieser Flecken Erde. Erst schön einen auf dicker Kolonist machen, und dann – wenn es um was geht, Stichwort Weltkrieg – die Schweizer Karte ziehen und sich aus dem Staub machen. Ich kriech das Kotzen ey!

Über das 17. Jahrhundert weiß Wikipedia:

Die Republik wurde von einem Patriziat (Regenten) – bestehend aus wohlhabenden Bürgern und Adeligen, welche schon im ausgehenden Mittelalter in die Städte einwanderten – regiert und nicht von einem König oder hohen Edelleuten.

Na toll, das ist ja ein feines Völkchen, wo das Geld regiert anstatt derjenigen, die rechtmäßig das Sagen zu haben hätten. Wundert hier jetzt auch keinen, dass die damals auch New York gegründet haben, erstmal unter einem Tarnnamen natürlich, is klaaa.

Aber das war noch gar nicht das Schlimmste! Im Ersten Weltkrieg waren die Niederlande auf folgender Seite aktiv: GAR KEINER! Ich werd bekloppt! Einfach schön neutral abgewartet, zwischendrin zynischerweise noch einen Kartoffelaufruhr (echt jetzt! googlets!) inszeniert und am Ende, am Ende haben sie den Kaiser Wilhelm Zwo direkt unter Vertrag genommen, den Kriegstreiber, und in Deutschland schön Platz für Hitler geschaffen, auch wenn Historiker das natürlich heute wieder anders bewerten, ist ja klar, logisch. Hier lest Ihr aber trotzdem die Wahrheit!

Dann: Zweiter Weltkrieg. Na, was machen die berglosen Idioten? Genau: wollen wieder einen auf Schweizer machen, klappt aber diesmal nicht. Also doch einmal kämpfen, sogar gegen die Richtigen, aber bitte nicht länger als drei Tage. Ja, drei Tage, meine Güte, haben die damals schon mit leeren Bierflaschen geworfen und Lieder gesungen? Lappen. Anschließend haben sich 60.000 Holländer freiwillig für die Waffen-SS gemeldet. Früher hat man das mal verurteilt, bevor es mit Günther Grass ein Kavaliersdelikt wurde, naja.

Wie kommen also einige Leute darauf, dass Holland antideutsches Potenzial hätte, hä? Durch die ganze liberale Kacke, die ihnen in den letzten Jahren längst um die Ohren geflogen ist? Durchs Kiffen? Da lach ich doch über!

So, jetzt war ich eigentlich fertig, aber dieser Internationale Gerichtshof, der ist auch scheiße!

Also worum kann es nur gehen, wenn man die Niederlande gegen den deutschen Furor in Stellung bringt? Um Fussek, logisch. Aber ist Fußball wirklich wichtig? Natürlich, natürlich. Und dann hat der Rijkaard auch noch dem Völler in die Haare gespuckt. Das war, symbolisch, die größte Demütigung, die deutsche Hausfrauen jemals hinnehmen mussten. Wie dieser dunkelhäutige Holländer der Tante Käthe in die Haare spuckt! Großer Sport, zugegeben. Aber: Stimmt das denn auch? Ist Spucken nicht viel mehr die widerlichste Respektlosigkeit, die man einem anderen Menschen gegenüber zeigen kann, ohne Gewalt anzuwenden? Denkt da ruhig mal drüber nach, mit Eurer behinderten Rijkaard-Jugend, meineherrennocheins!

Bleibt die Abneigung, die in Deutschland gegenüber den Holländern gepflegt wird. Halb so wild, sag ich! 48% der Berliner glauben, dass die Niederlande ein Bundesland der BRD wären, zumindest schätze ich das. Damit steht das Land kurz vor einer freundlichen Übernahme durch Völkerverständigung und sanften Nationalismus. Holland ist das neue Österreich.

2. Puh, die sind natürlich schon ganz gut, Mittelfeld und Sturm sind Weltklasse, die Abwehr auch nicht schlecht, und wahrscheinlich verstehen die sich auch noch alle gut und spielen gut zusammen, alles tutti also, wie der Italiener nicht sagt. Robben ist noch verletzt, das muss aber nicht so bleiben.

3. Boulahrouz, Mathijsen, v.d. Vaart, de Jong, Elia.

Dazu noch Robben, der sein ewiges Gemecker und Geflenne leider trotz Topleistungen nicht wieder gut machen kann. Ich finde die scheiße, auch ihr Operettenpublikum nervt, obwohl die Trikots toll sind.

Fazit:
Bis mir das mit den ganzen HSVern aufgefallen ist, wollte ich eigentlich für Holland sein. Naja, hatte sich dann halt erledigt. Möchte mich aber für meine Ausfälle oben entschuldigen und sagen, dass ich wahrscheinlich doch auch für Holland bin.

_______________________________

Dänemark

1.

Den ganzen Tag aufs Meer rausstieren
ab und an mal klimakonferieren –
so leben Dänenfrau und Dänenmann
dass man sich nicht beklagen kann.

Der Däne ist lustig, er karikiert –
und der Islamist, der ist pikiert.
Doch bleibt Dänemark froh und frei
trotz so mancherfrecher Axterei.

Die Löhne sind hoch in diesem Staat,
sieht neidisch der deutsche Sozialdemokrat.
Dem ne Mark und dem ne Mark,
Ganz Dänemark ist Freizeitpark.

Gegen Deutschland regt sich
hier nichts, man wohnt fast in Schleswich.
Nein, hier ist nichts faul, hier liegt keiner und bräunt sich
so wird man Europameister, Neunzehnzweiundneunzich.

Epilog:

Maria, Maria, wo bist Du geblieben?
– „Ich bin in Dänemark, bis viertel vor sieben!“

2. Dänemark ist ein böhmisches Dorf, nur viel größer. Für mich. Wahrscheinlich sind sie ziemlich gut, schließlich haben sie die Qualifikation vor Portugal beendet. Der Kader aber ist Mittelmaß mit ein paar Ausreißern. Daniel Jensen kuriert professionell Verletzungen bei Werder Bremen aus, könnte nun also vielleicht fit und in Form sein, dann ist er ziemlich gut. Im Sturm spielt der Superstar, Nicklas Bendtner von Arsenal London, aber auch Sören Larsen vom – Zebrastreifen weiß und blau! Ein jeder weiß genau! Das ist der M S V! Duisburg. Zweite Liga.
Liverpool, Turin und Wolfsburg sind auch vertreten, ein gewisses Niveau wird also erreicht. Das Achtelfinale ist auf jeden Fall drin, angesichts eines Gegners aus Gruppe F auch das Viertelfinale, und dann ist sowieso alles möglich.

3. Toll, die Dänen. Die kann man nur gut finden, was 82 Millionen Deutsche denn auch tun. Insofern ist keine Abgrenzung zu machen, aber muss ja auch nicht. Danish Dynamite, das klingt wie Göttingen Supertigers, geht aber auch als witzig durch.

Fazit:
Dänemark fühlt sich gut an, sympathisieren erlaubt, küssen verboten.

_____________________________

Japan

1. Japan ist ein bisschen wie ein Psychopath, den man sympathisch und lustig findet, solange er keine Menschen umbringt. Alles ist WTF und OMG. Dabei können die Japaner selbst ihre irren TV-Sendungen gar nicht angucken, weil sie entweder gerade arbeiten oder Selbstmord begehen, damit sie nicht mehr arbeiten müssen. Japan ist trotz oder wegen der ganzen Arbeit und Disziplin tiefer verschuldet als die Redaktion von verbrochenes.net.

Bevor wir hier jetzt lange über Sushi und die ganze Klischeescheiße reden, eine Abkürzung: Arbeit und Krieg waren die Eckpunkte der japanischen Politik, bis amerikanische Atombomben dem Krieg seinen guten Ruf versaut haben. Bis dahin wurde fröhlich in allen Ecken Ostasiens gemordet und gemetzelt, weit weg von Europa und doch schließlich mit denselben Gegnern wie das Deutsche Reich. Interessanterweise haben wir dann in der Schule alle gelernt, wie schlimm die Atombombenabwürfe waren, wieviele Opfer sie hatten, wie unnötig sie waren und was die Amerikaner für Drecksäcke sind. Die Solidarisierung der Deutschen fand also auch Jahrzehnte später noch statt. Erhellendes über den Krieg im Pazifik könnt Ihr hier lesen.

2. Wer in der vierten Qualirunde mit 15 Punkten weit hinter Australien (20) liegt, kann so stark nicht sein. Im Kader befinden sich ganze drei Legionäre, einer spielt in Wolfsburg. Bei einer WM kann man immer mal Glück haben, und am Einsatz wird es bei den Japanern nicht mangeln, aber das Achtelfinale ist unwahrscheinlich, das Viertelfinale schon unmöglich. Der Stil der Japaner ist schrecklich, wenn ich „Laufbereitschaft“ nur höre, wird mir ganz anders.

3. Es gibt ja Leute, die mögen Japan und seine von ihnen dann etwa als „ausgeflippt“ beschriebene Kultur. Der ferne Osten ist naheliegenderweise Projektionsfläche für Fernweh und Realitätsflucht, und Japan bietet tatsächlich viele Dinge, die man auf Englisch als „outlandish“ bezeichnen würde. Aber meine Sache ist das nicht.

Fazit:
JAPAN NAZIS MUST DIE!

__________________________________________

Kamerun

1. Das hier ist der erste deutschsprachige Text über eine WM-Teilnahme Kameruns, in dem Roger Milla nicht erwähnt wird. Kamerun war deutsche Kolonie, bis es im Ersten Weltkrieg an die Franzosen und Briten fiel. Die großen Massenmorde in Afrika, die das Deutsche Reich begangen hat, geschahen allerdings woanders.

Wie es damals zuging, lässt sich in zwei Bildern beschreiben:

Ein Vorschlag für eine neue Flagge Kameruns.

Gouverneur Jesko von Puttkamer

In Kamerun weiß man also, was es heißt, sich von bunt geschmückten quasi-Neanderthalern in deutscher Sprache herumkommandieren zu lassen. Deshalb gilt den Genossen schon einmal volle Solidarität. Auch den Umgang mit Winfried Schäfer muss man loben, obwohl einige seine Einstellung kritisiert haben. Nur so hatte man aber die Möglichkeit, das Arschloch zu entlassen. Kamerun hat es natürlich schwer, ist selbstverständlich bitterarm, aber augenscheinlich geht es dort nicht so finster zu wie anderswo, und deshalb hat Kamerun von mir ein klares Ja.

2. Die Mannschaft ist solide, mit einem Superstar: Samuel Eto’o. Er ist easily einer der erfolgreichsten noch aktiven Spieler:

* UEFA Champions League: 2006, 2009 (FC Barcelona), 2010 (Inter Mailand)
* Goldmedaille beim Olympischen Fußballturnier: 2000
* Afrikameister: 2000, 2002
* Weltpokal: 1998 (Real Madrid)
* Copa del Rey: 2003 (Mallorca), 2009 (FC Barcelona)
* Spanische Meisterschaft: 2005, 2006, 2009 (FC Barcelona)
* Italienische Meisterschaft: 2010 (Inter Mailand)
* Italienischer Pokalsieger: 2010 (Inter Mailand)

Wenn auch der Rest der Mannschaft ein paar gute Wochen erwischt, kann Kamerun ebenso wie Dänemark aufs Achtelfinale und mehr hoffen. Durch die Qualifikation sind sie jedenfalls durchspaziert. Trainer Paul Le Guen war früher bei Olympique Lyon und hat der Redaktion so die wahrscheinlich schönste 2:7 Auswärtsniederlage aller Zeiten beschert. Ich hatte Spaß.

3. Ja, es gab die Trikots ohne Ärmel. Ich will da gar nichts schönreden, aber man muss auch mal vergessen können! Und der Spitzname „Die unbezwingbaren Löwen“ ist nicht albern, sondern authentisch.

Fazit:
Als Opfer des deutschen Kolonialismus verdient Kamerun Solidarität, aktuellere Befunde sprechen sanft für Kamerun. Kann man mal gutfinden!
___________________________________

Gruppe F von phlo

___________________________________

Italien, Italien, die alte Hassliebe!

1. Zu kaum einem anderen Land dürfte die historische Beziehung der Deutschen ambivalenter sein als zum lustigen Fast-Nachbarn im Süden.

Allein die seltsamen politischen wie sozio-kulturellen Verbandelungen der letzten 100 Jahre böten mehr Stoff und daraus resultierende Einnahmequellen, als Guido Knopp und Helmut Markwort zusammen in Münchner Edelbordellen für 50 Jahre verwurstfingern könnten!

Erster Weltkrieg: erst Verbündeter, dann ,,treulose Tomaten“(ja, daher kommt die Bezeichnung).

Zwoter Weltkrieg: erst Verbündeter, dann zum Glück abgebrochener Sozius am Motorrad der Scheiße.

Danach: Adriaküste, Urlaubsparadies Nr. 1 und Rimini fest in deutscher Hand, lange bevor eine gewisse Balearen-Insel zur Gummipuppe deutscher Partywut gemacht wurde.

Die italienische Küche: nach anglo-amerikanischer Popkultur der wohl größte Einflussfaktor auf die deutsche Alltagskultur in der Nachkriegszeit.

Und nicht zuletzt: der Fußball. Trotz der magischen Nacht von Rom (8.7.1990 n.Chr.) erscheint das Wehklagen der Engländer ob der Unbesiegbarkeit der DFB-Auswahlen lächerlich im Vergleich zu dem, was die Italiener mit den Deutschen in WM- Endrundenspielen anzustellen pflegen: fünf Duelle, fünf Siege!

ANGSTGEGNER nennt man so etwas für gewöhnlich.

Ungeachtet aller kulturellen Halbverbundenheiten: gäbe es so etwas wie ein Ranking der in Deutschland aktuell unbeliebtesten Fußballnationen, die Italiener hätten hervorragende Chancen, den Holländern und Engländern und so weiter klar den Rang abzulaufen! Seit dem unverzeihlichen Beenden des gar herrlichen Sommermärchens 2006 n.Chr., als die Squadra Azzurra die Mannen um Sönke Wortmann und damit eine ganze Partynation ins Tal der Tränen schoss, anschließend auch noch die Frechheit besaß, trotz mäßiger und unattraktiver Leistungen Weltmeister zu werden (so etwas sieht man als Deutscher natürlich gar nicht gern, geht überhaupt nicht im Fußball sowas), seit dieser ganzen Geschichte also wird hierzulande wieder des Öfteren eine politisch eher unkorrekte Bezeichnung für Menschen italienischer Herkunft bemüht, gerne auch in Kombination mit der Vorsilbe ,,Scheiss-„.
Dabei galt und gilt gerade im Süden Deutschlands eine gewisse Italien-Affinität stets als fancy und erstrebenswert. Doch selbst hier, zwischen der ,,Breisgau-Toskana“ und den entlang und südlich des Limes gelegenen ca. 479 ,,nördlichsten Städten“ Italiens, ja selbst im stets sonnenbebrillten Monaco di Bavaria ist man den Bewohnern des Stiefels (Floskeln, Floskeln, schalalalala!) nicht mehr ausgesprochen wohl gesonnen.

Ganz im Gegenteil: da wurde anläßlich der Feierlichkeiten auf dem Marienplatz zur hoch verdienten Vize-Europameisterschaft im Vereinsfußball vor wenigen Wochen nicht nur der FC Internazionale Mailand des fäkalen Geartetseins akustisch bezichtigt, sondern auch gleich das ganze italienische Volk.
Nix war mehr mit ,,Bello impossibile“, wie noch zu Luca Tonis Zeiten.

Und so bleibt festzuhalten: Italien ist für Deutschland so etwas wie der heimlich bewunderte und immer etwas coolere Freund, der trotzdem nicht davor zurück schreckt, einem die Mädels auszuspannen.
2. EinsNull-NullNull-ZweiNull. Jede andere Einschätzung wäre naiv! Oder höchst blamabel, denn neben Spanien dürfte Italien die vermeintlich leichteste Gruppe aller Top-Teams erwischt haben. Wie immer ist der Squadra Azzurra alles zuzutrauen, egal ob eine Niederlage gegen Neuseeland oder ein taktisches Totschweigen jedes Gegners, und sei er auch noch so gut. Eine alte Weisheit besagt: wer gegen Italien nicht mindestens 2:0 zur Pause führt, der geht so gut wie nie als Gewinner vom Platz. Wem aber ist so etwas in der Vorrunde zuzutrauen? Den kampfstarken Neuseeländern? Mmh. Den unangenehmen Slowaken samt ihres ,,Best-of-2.Bundesliga“- Sturms? Mmh. Der freundlichen Wundertüte Paraguay? Mmh.

Italien wird Gruppensieger, im Achtelfinale gibt€™s entweder die Neuauflage des Viertelfinals von 1990 gegen Kamerun oder ein wohl weitaus spannenderes Duell gegen kompakte Dänen.

3. Auf Grund der Nichtteilnahme Schwedens dürften die Italiener in der Gunst der Brigitte– und freundin-Leserschaft unangefochten auf Platz 1 stehen. Toll! Aber mal ehrlich: traditionell ultralangweiliger Spielstil, hinten gar keine Tore kassieren und vorne fast genauso wenige erzielen, diese aber dann meist mit derart hanebüchener Theatralik bejubeln, als hätte einen der Leibhaftige himself von Blindheit, Ausfluss und Impotenz gleichzeitig befreit, nein: das ist nicht sympathisch.

Zudem tritt Italien (schon wieder) mit einer gefühlten Rentnertruppe an, wie sie sich Berti Vogts in seinen versautesten Träumen nicht auszumalen gewagt hätte. Der jüngste Spieler im Kader ist Bonucci mit 23 Jahren, Respekt! Das kommt davon, wenn die komplette Jugend in Berlin-Friedrichshain rumhängt und säuft (wobei Spanien, Frankreich und England durchaus Nachwuchsspieler in ihren Reihen haben!).

Fazit: Die Ü23 der WM düdelt sich wahrscheinlich wieder irgendwie ins Viertelfinale. Zu Italien halten kann man, Freunde in den heimischen Biergärten wird man sich damit sicher nicht machen, aber auch keine ernsthaften Feinde. Falls doch: ab in die nächstgelegene Pizzeria.

Parakei/Slowaguay

1. P. und S. haben so unglaublich viele Gemeinsamkeiten. Beide Länder beginnen nicht mit Z. Beide Länder liegen nicht in Nordostafrika. Beide Länder wurden nicht Opfer von Homer Simpsons ,,U R (u) Gay“-Witzes. Beide Länder haben eine Einwohnerzahl von exakt 5,5 Millionen Menschen. Gut, in P. sind es 6,4 Mio., aber wer es mit so etwas genau nimmt, der hängt sich auch Zitate aus ,,Momo“ und ,,Der kleine Prinz“ an die Zimmertür!

,,Antideutsch“ mutet an P. und S. wenig an. In P. gilt Deutsch inoffiziell als dritte Landessprache, fünf bis sieben Prozent der Pschen Bevölkerung sind deutschstämmig und von 1954 bis ’89 gab ein gewisser Alfredo Stroessner den Präsidenten und Diktator des Landes (Quelle: youporn.at). Zudem sei an dieser Stelle an jenen gähnend sonnigen Samstagvormittag im Juni 2002 erinnert, als P. der DFB-Elf im WM-Achtelfinale sparringspartnerlike ebenso ein 0:1 abtrotzte wie später die Fußballgiganten USA und Südkorea. Widerstand sieht anders aus.

Auch S. war erstmals von 1939 bis 1945 (ui!) als ,,autonomer Staat“ existent, ,,faktisch als Satellitenstaat des Großdeutschen Reiches„. Soso.

2. P. und S. zählen zu den Hamit Altintops der WM, das heißt sie fallen unter die Kategorie Ergänzungs- und Ersatzmannschaften. Kaum einer würde ob der Abwesenheit besagter Teams ein Tränchen vergießen. Dennoch gilt ein spannender Kampf zwischen P. und S. ums Erreichen des Achtelfinales als wahrscheinlich. Möglicher Vorteil P.: die vermeintliche Überlegenheit des deutschen Sturmtrios Santa Cruz, Barrios und Valdez gegenüber dem deutschen Sturmtrio Jendrisek, Sestak und Vittek. Möglicher Vorteil S.: die technisch versierten Unannehmlichkeiten, die jedem -nicht ganz auf auf der Höhe seiner Möglichkeiten spielendem- Gegner den garaus machen können. Kühne Prognose: eine der beiden Mannschaften erreicht das Viertelfinale.

3. Gut, P. hat jenen Protagonisten eines extremst wortwitzigen Liedes einer Münchener Gitarrenpop-Band in seinen Reihen, ob dessen erstaunlicher Unverletztheit man die angebliche Härte des Britischen Fußballs ernsthaft bezweifeln darf. Und der zudem der hübscheste Boy im gesamten Turnier sein dürfte. Auch als BVB-Fan muss man ja beinahe Sympathien für dieses Team hegen.

Anders dagegen auf Schalke: mit wohlwollender Skepsis sollten hier die Auftritte Erik Jendriseks in Augenschein genommen werden, der, immerhin als amtierender Fast-Torschützenkönig der 2. Liga, nächste Saison mit Königsblau die Champions-League in Angriff nehmen wird. Ansonsten ist eigentlich nicht viel los mit der S..

Fazit: Zu P. und/oder S. zu halten bringt so wenig, daß es schon fast wieder was bringt.

Mittelerde

1. Nun, was weiß man über Neuseeland? Außer dass es Drehort der Herr-der-Ringe-Trilogie war, dass es da gaaaanz viele Mähmähs gibt und ganz viele frischgebackene Abiturienten, die, anstatt wie anständige junge Menschen Zivildienst oder FSJ zu machen, unter dem Vorwand der Selbstfindung avocadobäuchig und besoffen aus Australien herüberjetten, um sich einmal in anderer Umgebung ,,Gedanken über die Zukunft“ machen zu können?

Neeein: da ist zuallerst natürlich die Legende: Wynton Rufer! Was sind da der Worte noch nötig? Selbst der dumme arrogante Christoph Bräu, damals in der E-Jugend (TSV 1880 Wasserburg), wollte, obgleich dummer arroganter Bayern-Fan, stets die Nr. 11 auf seinem dummen arroganten Rücken tragen, ,,wegen Wynton Rufer“.

Aber antideutsch ist das nicht.

Ebensowenig ,,die“ Landschaft: das Auenland sieht aus wie die Gegend um Freiburg im Hochschwarzwald. Der Rest sieht halt auch irgendwie aus.

Historisch: immer so ein bißchen UK, kennt man ja.

Insgesamt also: eher vernachlässigbarer Antideutsch-Faktor, weil ein bißchen auch nicht viel bringt.

2. Wales und Nordirland sind nicht dabei, Neuseeland wird seinen fußballerischen Artgenossen ein würdiger Vertreter sein. Alles darüberhinaus gehende wäre eine Überraschung. Man wird sich nicht blamieren, man wird dagegenhalten, aber Achtelfinale? Mäh.

3. Neuseeland, werden jetzt vielleicht viele sagen, Neuseeland ist halt so etwas wie Australien in ein bißchen schlechter. Und ohne dieses latente 40-Grad-im-Schatten-Surfer-Image. Dafür aber rustikaler, starlos und möglicherweise schienbeinschonerstrapazierend. Neuseeland ist wie Schottland. Schottland ist cool.

Fazit: Neuseeland ist unbedingt zu unterstützen, so wie weiland Aachen im Uefa-Cup.

________________________

Gruppe G von Hepe
__________________

Brasilien

1. Wenn es irgendetwas gibt, für das man Brasilien schätzt, dann ist es die Fußballbegabung seiner Einwohner. Weit abgeschlagen folgen weiße Strände, Tropenwälder und der Karneval in Rio, bekannt aus den jährlich wiederkehrenden Tagesschau-Clips, in denen hemmungslose Frauen dem geerdeten Germanen nackt ins Wohnzimmer tanzen und ihm von ausschweifenden Orgien und leicht zu habender Liebe erzählen. Ganz blanco sind die Frauen zwar nicht, und vielfach finden deutsche Männer, man hätte an der Copacabana einen zu dicken Boppes. Trotzdem, die Fantasie wird angeregt, und der ein oder andere wird allein wegen des Karnevals insgeheim ein kleiner Brasilienfan.

Den Rest des Jahres übt man sich aber in Skepsis – zu sehr wird bewusst, dass auch Brasilien nicht mit dem Grad unserer Zivilisiertheit mithalten kann. Was den Südamerikanern nämlich immer noch abgeht: pünktlich zum Trainingsauftakt auf dem Platz stehen! Im Winter ohne Handschuhe spielen! Mal diese ganze Jesus-Kacke nachlassen! Abstiegskampf! Man kennt Ailton, einer zum Lachen und Gernhaben, aber eben mit wenig Gehirn und ziemlich dämlich. Typisch auch, dass er wie alle brasilianischen Fußballer kein Gefühl für Geld hat und seine Milliönchen darauf verwendet, zuhause riesige Sippschaften zu versorgen. In deutschen Kleingartenkolonien wird darüber nur mit dem Kopf geschüttelt. Festzuhalten ist aber, und darum geht es ja, dass man mit aufrichtiger Bewunderung rechnen muss, wenn Brasilien tollen Fußball spielt. Die Deutschen haben die Jungs vom Zuckerhut auf dem Zettel, gönnen ihnen die ein oder andere Niederlage. Etwas in ihnen will, dass Brasilien sich dennoch für die Ausscheidungsphase qualifiziert. Das gehört einfach zu einer anständigen WM. Deshalb: Übermäßiges Bejubeln brasilianischer Tore bringt keine Topwerte auf der Schadenfreude-Skala.

2. Einzelkönner haben sich in Brasiliens WM-Kader rar gemacht. Keine Ronaldos, Ronaldinhos und Rivaldos: Der einzig echte Popstar ist Kaká. Der hat eine maue Saison bei Real hinter sich und gibt formschwach den Hoffnungsträger. Weltklasse ist in der Offensive noch Luis Fabiano (Sevilla). Der Rest, aus dem neben Fabiano vermutlich noch Citys Ex-Millionen-Onkel Robinho herausstechen wird, kann guten Fußball spielen (abgesehen von Julio Baptista und abgesehen auch von Robinho, dem alten Blender), Grafite und Jo-Sue aus der Autostadt werden trotzdem kaum zu WM-Helden aufsteigen. Insgesamt also relativ mäßiges Torpotenzial.

Und doch wird Brasilien Weltmeister! Man konnte sich das irgendwie schon denken, als Naldo nicht nominiert wurde. Hinten stehen Dani Alves, einer Hyäne nicht unähnlich, Maicon (2*4 Meter), Lucio, Cesar (die letzten drei von Inter Mailand) und noch einige mehr. Krasse Verteidung. Besonders Alves: Schießt wie Anderbrügge, kämpft wie Daun, rennt wie Overmars! Er spielt normalerweise rechts hinten (so wie auch Maicon), läuft und flankt und schießt aber quer durch alle Verbände. Maicon hat das nicht nötig, macht bloß „Buh“. Meine Prognose: Wenn das hinten läuft, kriegt die Albicel.. Selecao kein einziges Gegentor.

3. Fazit:
Brasilien als Weltmeister? Die Mehrheit der Deutschen kennt das schon und wäre nicht überrascht geschweige denn empört, wenn es wieder passieren würde. Keine gute Wahl!

_______________________________

Elfenbeinküste

1. Afrika halt, und damit in Deutschland als Exot geführt. Nicht auszuschließen, dass weite Teile mit der Elfenbeinküste sympathisieren würden, wenn Erfolg in Aussicht steht. Das ist natürlich nur eine rein oberflächliche Zuneigung, reicht aber aus, um die Côte d’Ivoire als potentiellen anti-deutschen Liebling von der Liste zu streichen. Stars wie Drogba & Co. dürften dafür gesorgt haben, dass man die Elfenbeinküste hierzulande als zivilisiertere Gegend von Afrika wahrnimmt. Was das Land selbst betrifft, weiß ich von nichts. Man munkelt, es wird auch heute noch viel Elfenbein abgebaut. Ich persönlich finde das in Ordnung. Bemerkenswert, dass im Land die Benutzung einer anderen als der offiziellen Bezeichnung „Côte d’Ivoire“ unter Strafe verboten ist. Auch damit gehe ich d’accord, ist schließlich ein schöner Name.

2. Die Elfenbeinküste gehört gefühlt seit 1876 zu den WM-Geheimfavoriten. Mit Geheimfavoriten verhält sich das so wie mit den ewigen Talenten: Für gewöhnlich scheitern sie kläglich beim Versuch, die an sie gestellten Erwartungen zu erfüllen. Die Elfenbeinküste wird da dieses Jahr keine Ausnahme machen. Zugegeben, unter den afrikanischen Teams haben sie die namhafteste Abwehrreihe, darin inbegriffen Kolo Touré (City) und Emannuel Eboué (Arsenal). Im Mittelfeld sind Yaya Touré (Barca) und Romaric (Sevilla) bekannt, im Sturm Gervinho (Lille), Drogba und Kalou (beide Chelsea). Zumindest Eboué, Yaya Touré und Kalou sind bei ihren Vereinen jedoch meistens – Obacht – Edelreservisten, also nicht allzu überragend. Drogba ist mangels Anspielen wesentlich ungefährlicher als bei Chelsea, sodass es für Nordkorea, nicht aber für Portugal und Brasilien reichen wird.

3. Fazit:
Überschätzt, fliegt in der Vorrunde raus. Daumen drücken bringt nix!

_____________________________

Nordkorea

1. Nordkorea ist Kim Jong-il, und Kim Jong-il ist eine coole Socke. Er trägt die Sonnenbrille so, wie sie Ultras erst in Jahren tragen. Er sorgt für fette Choreos und ist Ehrenbürger der Provinz Los Lios in Ecuador, was von uns, so meine ich, noch keiner geschafft hat. Dass seine vierte Olle Kim Ok heißt, verstärkt den Eindruck, dass unser Kimmi ein echter Pfundskerl zu sein scheint.

Zugegeben, Nordkorea könnte mal ein bisschen Tino Polster gebrauchen. Ein neuer Anstrich würde gerade den verstaubten Atombomben gut zu Gesicht stehen und Nordkorea dabei behilflich sein, sich des Graue-Maus-Images zu entledigen. Auch hier muss man aber feststellen: Kim sieht das anders, und wenn er das anders sieht, geht der Trend mit ihm. Keine aufgesetzte Marketingkampagne, die Nordkorea mit Papagei III zu einer hippen Marke macht. Stattdessen setzt Kim Jong-il auf Taepodong-2, einem ehrlichen Produkt aus eigenem Hause. Ist ihm mit dieser grundsoliden Einstellung die Sympathie der deutschen Bevölkerung sicher? Ich meine: Ja, denn Nordkorea bietet als Weltaußenseiter ein aufregendes Gegenmodell zum herkömmlichen Westprinzip. Viele werden sich deshalb ins Fäustchen lachen, wenn es in der Vorrunde gelingt, einen oder mehrere fest eingeplante Punkte der Favoriten zu stibitzen.

2. Tja. Ahnt man nicht! Fast alle spielen daheim, bei Spaßtruppen wie der „Sporttruppe 25. April“ oder lustigen Terrorzellen wie der „Sportgruppe Amrokgang“. Wikipedia weiß außerdem, dass drei Spieler des aktuellen Kaders im Ausland spielen: einer in Russland, zwei in Japan (einer davon bei Kawasaki Frontale! Zeit, mal wieder eine Ultragruppe zu gründen, diese Namen lassen einem ja das Wasser im Mund zusammen laufen).

Trikots gibt es nicht zu kaufen, weswegen man auf den mitteleuropäischen Straßen auch kein Gefühl dafür bekommt, wer der Star der Mannschaft sein könnte. Mein Gefühl sagt mir: Hong Yong-jo (der Russe) ist ein gefährlicher Flügelspieler, kann aber leicht Abseits gestellt werden. Er neigt dazu, in der Halbzeit ein Nickerchen zu halten, ist deshalb in den ersten fünf Minuten der zweiten Halbzeit leicht zu verteidigen, danach allerdings ein steter Unruheherd. Pak Nam-chol ist die Schwachstelle der löchrigen Abwehr und leistet sich auf der linken Innenverteidigerposition immer wieder leichte Abspielfehler. Ihm zur Seite steht Pak Nam-chol, von dessen fußballerischen Qualitäten wenig bekannt ist, da eine Personensuche bei Google nur Berichte und Bilder von den riskanten Querpässen seines Partners in der Innenverteidigung liefert. Ebenso gespannt darf man auf Pak Chol-jin sein, der die linke Außenbahn beackert und es versteht, technische Defizite durch taktische Stellungsfehler auszumerzen. Pak Chol-jin heißt übersetzt „Hau die Flanke rein“. Seit nunmehr zwölf Jahren lässt Werder Bremen ihn beobachten, nachdem ihn Pierre Littbarski, ein Kenner der Szene, wärmstens empfohlen hatte. Nam Song-chol komplettiert die Viererkette auf der rechten Seite. Er ist ein harter Hund und liebt besonders das Spiel ohne Ball. Insgesamt ist Nordkoreas Abwehr, abgesehen von den schludrigen Eskapaden eines Pak Nam-chol, eine Bank. Schaffen es Mittelfeld und Sturm aus dem großen Unbekannten über die Mittellinie, liegt eine realistische Platzierung im Bereich des Möglichen.

3. Fazit:
Keine Chance, aufgrund des Außenseitermodus viel zu beliebt.

__________________________________________

Portugal

1. Geht pleite und wird entsprechend bald den Zorn der BILD auf sich ziehen, wenn nicht ohnehin schon geschehen. Die südeuropäische Einstellung zu Arbeit ist hier hinlänglich bekannt. Ich würde behaupten, der gemeine Deutsche wähnt den Portugiesen irgendwo zwischen Armut und Strand, sprich in einem eigens verschuldeten Dilemma. Ressentiments sind aufgrund der großen Entfernung ansonsten eher spärlich gesät, was eher an Unwissenheit und Ignoranz denn an Wohlwollen liegt. Stoßen kann man sich höchstens an Christiano Ronaldo, den mehr als 75% der hiesigen Bevölkerung getrost als „Lackaffen“ bezeichnen würden. Das macht Portugal zu einem interessanten WM-Teilnehmer. Schließlich geht es um Dinge, die der deutsche Fußballfan so gar nicht abkann. Christiano Ronaldo gehört definitiv dazu.

2. Auch wenn ich das selbst ungern zugebe (siehe oben, 75%), ist _CR9_ Weltklasse. Er ist schnell, robust, hat eine perfekte Technik, einen bemerkenswerten Abschluss und enormen Drang zum gegnerischen Tor. Seine Neigung zum fußballerischen Egoismus teilt er normalerweise mit Nani (ManU), der verletzt ausfällt, und Liedson (Sporting Lissabon). Letzterer ist übrigens Hugos erster Konkurrent im Sturm. Apropros Hugo: Ich glaube nicht, dass er irgendwann einmal Spuren von Bedeutung hinterlassen wird. Vermutlich wird er bei dieser WM zwei Tore als Einwechselspieler schießen, für ihn ein kleiner Erfolg. Bei Portugal noch zu nennen sind Simao (Atletico), für den das Wort „filigran“ überhaupt erst erfunden wurde, Deco, Carvalho (beide Chelsea) und Pepe (Real), den ich bei Gelegenheit gerne nochmal ein paar Sachen fragen würde. Sportliches Abschneiden auf den Punkt gebracht: Hält die Abwehr, Viertelfinale, höchstens Halbfinale!

3.Fazit:
Kommt drauf an, wie gerne ihr Ronaldo mögt. Kann man machen.

______________________________________

Gruppe H von Joinsen

__________________________________

Spanien

1. Von 1939 bis 1975 hatte Spanien eine faschistische Diktatur. Als sie diese endlich abschafften, installierten sie einen König, wegen der nationalen Einheit. Man könnte jetzt natürlich sagen: Ja aber, da haben doch erst eine ganze Menge Leute gegen den Faschismus gekämpft und die haben doch eigentlich nur wegen der Hilfe aus Deutschland nicht gewonnen, und dass es einen König braucht, um nationale Einheit zu schaffen, ist doch schon mal ein gutes Zeichen. Das erste mag stimmen, aber de fakto haben diese Leute ja verloren und dann gab es ein paar Jahrzehnte Faschismus, in dem die ganzen guten Leute auch noch umgebracht wurden. Das zweite ist Quatsch, denn es ist ja nicht so, dass da irgendwer gegen die Nation an sich ist. Die Gegner der spanischen Nation sind selbst Nationalisten, so links sie auch sein mögen.  In diesem ganze Wirrwarr aus demokratischen Monarchisten und nationalistischen Anarchisten finde ich mich beim besten Willen nicht zurecht, und daher lehne ich es ab.

2. Spanien ist sportlich extrem krass aufgestellt. Im Mittelfeld haben sie gute Spieler für mindestens drei Mannschaften, davor und dahinter stehen ebenfalls sehr gute Spieler. Alle sagen, dass Spanien Weltmeister wird. Da in dieser Rubrik aber gefordert wird, dass die Genossen wissen, wo das Tor steht, nützt das alles nichts.

3. Für schönen Fußball kann man sich immer begeistern.

Fazit: Der antideutsche Faktor ist ein hartes Kriterium. Als Deutschlandkiller ist Spanien jedenfalls geeignet, für mehr leider nicht.

__________________________________

Schweiz

1. Die Schweiz ist neutral. Zum einen formal, zum anderen in der Bilanz der sie bewohnenden Menschen. Die ist exakt ausgewogen: Auf der einen Seite gibt es Saalschutz, die beste Band des Universums. Auf der anderen Seite steht der Rest der Schweizer, die alle Rassisten sind.

2. Die Schweiz ist neutral. Ein paar ganz fitte Bundesligaspieler, aber kein echtes Potential für irgendwas größeres. Die WM-Quali sagt uns da auch nichts Neues: Zwar wurde man dort Gruppenerster, aber wahrscheinlich so ungefähr in der schlechtesten Gruppe in ganz Europa.

3. Die Schweiz ist neutral. Rot, aber mit Kreuz. Nicht deutsch, aber deutschsprachig. Politisch so ähnlich wie die USA, aber in Europa – und eben neutral.

Fazit: Wir bleiben neutral.

_________________________________

Honduras

1. 57% der Menschen denken, dass Honduras eine Insel ist, in China sind es 51%, in Honduras 14%. In echt ist Honduras aber ein Staat in der Mitte zwischen zwischen Amerika und Südamerika. Das Staatsmotto klingt wie das Credo eines Süchtigen: „Frei, souverän und unabhängig“. In echt ist Honduras wahrscheinlich hochgradig abhängig von den USA, was ja nicht das schlechteste ist, wenn die Alternative Chavez heißt.

Während 1969 anderswo der Summer of Love zelebriert wurde, engagierte sich Honduras im Fußballkrieg. Klingt erstmal ganz cool. Bei näherer Betrachtung war die Rolle der Honduraner aber eine sehr deutsche:

Der Grund waren Spannungen um Wirtschaftsflüchtlinge aus El Salvador, die seit längerem von der Bevölkerung Honduras€™ für die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich gemacht und angefeindet wurden.

Diese ganze Sache mit dem Putsch letztes Jahr versteht kein Mensch. Im Ergebnis wird Honduras jetzt aber von der Naumann-Stiftung beraten. Das ist schlecht für Honduras, also nicht nur für die Menschen dort, sondern auch für unsere Bewertung in Sachen deutsche Verhältnisse.

2. Ganz ehrlich, wir haben keine Ahnung. Aber sie werden sehr schlecht sein. Gründe: Armut, Abwanderung der besten in die USA, Krieg, Kleinheit, Armut.

3. Selbst wenn, es nützt ja alles nichts.

Fazit: Naumann-Stiftung aus dem Land jagen, danach den Vereinigten Staaten anschließen.  Wenn das noch so ein paar kleine Länder machen, haben wir einen würdigen England-Nachfolger.

__________________________________

Chile

1. Chile ist unglaublich lang und beansprucht ein Kuchenstück von der Antarktis. Land und Leute sind offenbar sehr schön. Es gibt Berge und Vulkane, Seen, Flüsse und einen Pazifik. Das ist verdächtig, ich fühle mich schon ganz romatisch und kriege Fernweh. Ethnisch homogen sind die Chilenen auch noch. Und im Zweiten Weltkrieg blieb Chile wegen der Deutschstämmigen im Lande so lange neutral, bis klar war, wer gewinnt. Später dann hatte Chile Pinochet, jetzt sind sie demokratisch. Wer da keine Analogie riecht, hat die Lehren aus der Geschichte verschlafen.

2. Chile ist vielleicht gar nicht so schlecht. Ihre Qualifikationsergebnisse sollte man die Chilenen allerdings nicht überbewerten, weil sie bei Heimspielen regelmäßig die Gegner mit dünner Luft betäuben. In Südafrika genießen sie aber immerhin Südhalbkugelheimvorteil, heißt sie müssen sich nicht erst an den Winter gewöhnen und daran, dass sie auf dem Kopf stehen müssen. Die Namen sind nicht hinreichend groß, dass ich sie kenne, aber ich traue ihnen alles zu.

3. Siehe oben – es ist alles sehr schön dort. Das lassen wir hier einfach mal so stehen, denn die Gefahren dieser Schönheit wurden ja dort schon beschrieben.

Fazit: Da die simple Schönheit als Argument hier bislang etwas zu kurz kam, sei Chile jedem als Zweitmannschaft ans Herz gelegt, die man so lange behält, bis sie gegen England, Holland oder Griechenland verliert.

h/t Liza!

Am 1. Mai feierte ein breites Blockadebündnis in Berlin einen großen Erfolg gegen einen Naziaufmarsch, der nur wenige hundert Meter weit laufen konnte. Überrascht hat das keinen, denn derlei Bündnisse sind per definitionem immer ein Erfolg. Entweder weil die Nazis nur wenige an der Zahl waren, nicht weit kamen oder – wenn beides nicht der Fall war- einfach deshalb, weil es ein Bündnis gab. Da zeigt man Gesicht, da setzt man ein Zeichen, da verteidigt man seinen Kiez oder seine Stadt oder sein Land. Und dafür feiert man sich vorher, dabei und hinterher kräftig ab.

Die Blockade besteht zum größten Teil aus Wichtigtuern, die sich hier einen billigen Ego-Boost holen, der weder Aufwand noch Geld kostet. Es gibt, und da können selbst die Nazis nicht mithalten, keine andere Veranstaltung, auf der sich die Teilnehmer so unzweifelhaft im Recht sehen wie eine Nazi-Blockade. Damit steht auch schon fest, dass man für keine andere Veranstaltung weniger nachdenken muss, denn es ist alles schon so richtig, alles fühlt sich so gut an, man kann hier auf der Seite der Guten stehen. Das ist attraktiv, da will man dabei sein.

Die penetrantesten und unangenehmsten Genossen auf so einer Blockade sind sicher die, die mit Karte und Telefon bewaffnet auf der Suche nach der effektivsten Strategie sind. Erst den Wehrdienst verweigern und dann hier den Feldherren spielen. Warum auch nicht, wenigstens hat man hier nichts zu befürchten. Die Nazis sind weit weg hinter drei Wasserwerfern, und vor der Bullenkette sitzt erstmal Wolfgang Thierse. Wo Thierse ist, benehmen sich selbst Polizisten. Der Bundestagsoberschmock, der seinen Wahlkreis letztes Jahr blamabel an den Direktkandidaten von der Linken verlor und trotzdem Parlamentspräsident geblieben ist, lässt sich von der Polizei wegführen und betont, dass dieselbe nicht sein Gegner wäre, sondern nur ihre Pflicht tue, ebenso wie er seinen Bürgerpflichten nachkomme. Der Polizist muss sich eben an die Gesetze halten, aber die Bürger helfen ihm aus dieser Bredouille und stoppen die Nazis selbst. Das Selbstverständnis der Demonstranten ist ungefähr das eines inoffiziellen Mitarbeiter des Verfassungsschutzes.

Als solche betätigen sich auch die zahlreichen Antifas, die mit dem „Ich bin Profi, ihr seid Amateure“-Blick über das Aufmarschgebiet defilieren. Dazu kommen viele Touristen, die mit der Attitüde des Fußballfans zum Aufmarsch kommen und nicht Deutschland gegen die Türkei, sondern deutsche Bürger gegen Nazis bejubeln. Das geht mit Bier, das geht aber auch mit Kinderwagen und taz. Hier verfließt die Grenze zum erzgrünen Stadtbürgertum, das sich unter anderem aus ehemaligen Maoisten und jungen Werbern zusammensetzt, die sich hauptsächlich durchs biologische Alter unterscheiden und Nazis „Ärsche“ nennen.

Allen gemein ist das Ziel, das Böse zu stoppen. „Nazis raus“ ist die Parole, aber kaum einer hat sich mal Gedanken darüber gemacht, was das „raus“ eigentlich genau bedeuten soll. In Prenzlauer Berg ist man letzte Woche schon konkreter geworden:

ausschlandraus
Links: Zukunft geht nur ohne euch Rechts: Nazis raus aus Deutschland

Nur: Wo sollen sie denn hin? In die Ostmark? USA? Israel? West-Berlin? Und was passiert, wenn die Nazis da bleiben, bleibt dann die Zeit stehen und die Zukunft bleibt uns versagt, passiert einfach nicht? Fragen über Fragen. Aber ganz egal, wo man die Nazis hinschafft, der Volkshygiene wäre Genüge getan, wenn sie aus dem Land wären. Überhaupt gehören die gar nicht dazu, denn anständige Deutsche sind keine Nazis, wie schon diese unbekannte Dame an unbekanntem Ort wusste.

Widerstand muss praktisch werden, sonst glaubt man sich bald selbst nicht mehr. Also geht der gute Mensch heraus zum ersten Mai und blockiert die Nazis. Per Selbstermächtigung greift dann der kleine Mann und die kleine Frau in das Geschehen, das am nächsten Tag sogar im Fernsehen kommt, ein und dreht am großen Rad. Schaffen die Bösen nicht den ganzen Weg, wird die eigene Macht bejubelt. Worüber man nur hinter vorgehaltener Hand reden darf: Wer am Ende wo lang geht, wer wo eine Blockade machen darf und welche Blockade am Ende halten darf – das entscheidet allein die Polizei. Sie kann jeden Weg freimachen, den sie freimachen will. Und sie kann die Demo an jedem Punkt, an dem sie Lust dazu hat, auch wieder beenden.

Ebenso könnte der Staat die Demo auch von vornherein verbieten. Wo Holocaustleugnung verboten ist, wäre es ein Leichtes, auch die nationalsozialistische Wiederbetätigung auf der Straße zu verbieten. Wo man Berufs- und Parteienverbote erteilen kann, kann man auch solche Demonstrationen verbieten – allein, die Gerichte tun es nicht. Thierse könnte, wenn er denn solche Demos verhindern will, sich für ein Gesetz dagegen einsetzen, stattdessen setzt er sich vor Kameras auf die Straße und gibt den Bürgerdarsteller. Und ab und zu liest man, dass die Gegendemonstranten den Nazis „keine Bühne“ bieten wollen. Kein Wunder, haben sie die Bühne doch längst selbst liebgewonnen.

Twitter, Ihr habt vielleicht davon gehört, ist ein schönes schnelles neues Medium, das wir hier ausgiebig für Euch getestet haben. Nun zum Ergebnis: Twitter ist ganz geil, aber auch viel doof.

Ganz geil: Twitter ist komfortabel und schnell. Aber wofür eigentlich? Für die Informationen natürlich. Man „folgt“ denjenigen Twitterern, für deren Beiträge man sich interessiert. Ein hoher Prozentsatz besteht aus dem einfachen Herumreichen von Links. In dieser Funktion unterscheidet sich Twitter wenig von Foren und Blogs, wo interessante Links ebenfalls die Runde machen. Es ist aber viel schneller, weil alles viel kürzer beschrieben wird und weil alle Leser dieselbe Plattform benutzen, Twitter eben. Mit einem Klick reicht man einen interessanten Tweet an seine eigenen Leser weiter, mit maximal 140 Anschlägen gibt man seinen eigenen Senf dazu. So wird der Twitterstream zur niemals endenden Linklawine für alle daran Beteiligten.

Twitter kann auch sehr lustig sein. Mit vielen Witzen und Sprüchen ist es so, dass sie sich auf 140 Zeichen runterbrechen lassen und dadurch eher besser als schlechter werden. Das gilt übrigens auch anderswo, und das ist der heutige gute Tipp der Redaktion: Wenn Ihr was schreibt, lest es hinterher durch und streicht jedes überflüssige Wort.
Sehr lustig ist zum Beispiel Tim Siedell.

Über Twitter liefern Experten und Idioten, die man sich jeweils aussuchen kann, Informationen zu allen möglichen Themen. Es ist auch unterhaltsam, ein großer Teil der gesammelten Links führt schließlich zu lustigen Videos und irgendwelchen OMFG-Geschichten.

Aber! Wie wirklich jeder andere Twitter-Nutzer auch bin ich davon überzeugt, zu wenige Leser (Follower) zu haben. Es sind jetzt gut 150 registrierte Leser, einige andere rufen die Seite bestimmt auch ohne Account auf. Andererseits sind viele der Follower sicher Karteileichen oder Spamaccounts. Das reduziert die Leserschaft auf einen sehr überschaubaren Kreis. Noch mauer wird es, wenn es um die verlinkten Beiträge geht. Der Blog-Eintrag über den neuen HSV-Trainer wurde an den ersten beiden Tagen offenbar keine zehn Mal angeklickt. Vielleicht verrechne ich mich da auch gerade, aber unterm Strich bleibt, dass der Nutzen für das Blog hart gegen null geht. Dazu kommt, dass ich mit knapp 700 Tweets (Einträgen) relativ aktiv war, auch ab und zu von deutlich besser besuchten Twitterern erwähnt wurde und inhaltlich natürlich nur Highlights geboten habe. Es liegt also nahe zu vermuten, dass mein Potential dort annähernd ausgereizt ist.

Während der Nutzen des Twitterns für das Blog (!) also überschaubar ist, ist der Schaden erheblich. Denn in den 700 Tweets stecken bestimmt 200 Blogeinträge, die nie geschrieben wurden. Es ist viel bequemer, einen Link zur Taz mit dem Hinweis „Antisemitisches Pamphlet in der taz“ bei Twitter zu verlinken, als einen Blogeintrag zu schreiben, in dem die antisemitischen Elemente herausgearbeitet werden. Schließlich schreibt diesen Blogeintrag meist auch noch jemand anders in einem anderen Blog – den verlinkt man dann auch noch bei Twitter. Dem Mitteilungsbedürfnis und der Empörung sind damit Genüge getan. Die eigene inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema fällt aber weitaus weniger ertragreich aus, wenn der Blogeintrag ausfällt. Und die eigene Eitelkeit leidet mit, wenn statt 100 Kommentaren im Blog nur ein Re-tweet von Niels Ruf herausspringt.

Kurz: Ich blogge weniger, weil ich Twitter nutze, und anschließend leide ich darunter, dass ich weniger gebloggt habe. Das geht nicht nur mir so, andere Blogger berichten dasselbe und es ist ohnehin naheliegend. Unsere Zeit ist begrenzt, und man muss sich entscheiden, welche Medien man konsumieren und welche man machen möchte. Das ist hier soeben geschehen, womit ein monatelanger Entscheidungsprozess zu seinem Ende kommt. Das Twittern wird weitgehend eingestellt; was vorher nur getwittert wurde, findet nun wieder im Blog statt. Das wird dazu führen, dass hier gerne mal Einzeiler auftauchen oder wieder mehr Videos unkommentiert eingebunden werden. An mancher Stelle und für manchen User mag das auch weniger komfortabel zu konsumieren sein als vorher, aber das dürfte die Minderheit sein. Der Rest kann über die Kommentare teilhaben, und das ist super. Für mich bedeutet es, dass ich mehr schreiben werde, was ziemlich genau das ist, was ich gerade machen will. Für Pommes „Joinsen“ Gerhard bedeutet es, dass er sich nicht länger auf seinen Lorbeeren ausruhen kann und in der Pflicht ist, hier in Zukunft ebenfalls wieder deutlich mehr zu leisten.

Für die Welt, und um nichts weniger geht es hier schließlich, bedeutet dieser Schritt nur Gutes. Twitter, ich will das betonen, bleibt ein wirklich schönes Medium. Probiert das ruhig mal aus, Freunde.

Entschuldigt mich an dieser Stelle, ich muss für das Derby trainieren. Auf dem Schießstand.