In der bisher ohne Titel bleibenden Reihe von Blogeinträgen, in denen wir uns auf die Suche nach einem bei der WM zu unterstützenden Team begeben, kommt heute die Gruppe B an die Reihe. Wer die Einleitung und die Gruppe A noch nicht gelesen hat, liest hier weiter. Alle noch folgenden Gruppen werden im ursprünglichen Eintrag hinzugefügt, sobald sie geschrieben sind. Die Diskussion in den Kommentaren wird ebenfalls dort zentralisiert, in diesem und allen weiteren Beiträgen der Reihe werden die Kommentare geschlossen.
Gruppe B
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Argentinien
1. Adolf Eichmann, Josef Mengele, Walter Rauff – wir wollen nicht lange drumrumreden: Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Argentinien mehr Nazis als heute bei einem Auswärtsspiel der deutschen Nationalmannschaft. Da wird es natürlich ganz schwer, noch zu punkten. Peronismus, Militärdiktatur und so weiter und so fort – das können wir unter den Tisch fallen lassen. Nicht aber die Falklandkriege: So ein Krieg gegen England deutschelt schon ein bisschen. Da es aber hauptsächlich um Rohstoffe und damit um Geld ging, geht das auch in Ordnung. Aber was gibt es denn Positives zu berichten? Da wäre zunächst mal der Sieg gegen Deutschland 1986, der meiner damaligen Meinung nach die deutsche Einheit noch einmal verzögern konnte, auch wenn die anderen Kinder mich für diese These ausgelacht haben. 1990 haben die Genossen sich immerhin noch einmal bemüht.
Maradona muss man für seinen undeutschen Lebensstil loben – Koks und Castro, diese Kombination ist ein Statement für das gute Leben. Argentinisches Steak ebenso. Erfrischend ehrlich kommt der Neo-Feudalismus in Argentinien daher, die aktuelle Präsidentin ist die Frau ihres Vorgängers. Aber das hilft wie gesagt alles wenig, wenn man sich zur sicheren Heimstatt für die schlimmsten Mörder der Geschichte gemacht hat.
2. Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi Messi.
Der knuddelige kleine Kerl ist der einzige Weltklassefußballer, der uneingeschränkt sympathisch ist. Und er ist der beste. Seit Messi muss niemand mehr bedauern, Pele oder Maradona nicht mehr auf der Höhe ihrer Kunst erlebt zu haben, denn Messi ist besser. Der ganze Kader hat theoretisch das Zeug zum Titel, ähnlich wie Frankreich, trotzdem bleiben große Zweifel. Die Qualifikation war eine Qual, und ob der gute Maradona tatsächlich auch ein guter Trainer sein kann, steht in den Sternen. Deutschland hat man kürzlich eindrucksvoll besiegt, selbst mit Ballack hatte der Löw-Mob keine Torchance. Sportlich wäre Argentinien also ein guter Kandidat, vielleicht ein sehr guter.
3. Wie gesagt ist Messi ein wunderbares Maskottchen, mein Herz fliegt ihm zu. Maradona ohnehin, der nette Dicke ist wahnsinnig und gut. Demichelis kann man tolerieren, Veron verdrängen und dann einfach mal zusehen. Die Trikots sind hübsch. Wichtig!
Fazit:
Es ist wirklich schade um Messi, aber so richtig darf sich der aufgeklärte Ballanhänger nicht für die Albiceleste begeistern. Dafür darf der nette Blogger von nebenan ein bisschen so tun, als sei er Sportjournalist, und ganz kennermäßig von “der Albiceleste” sprechen. Oder “die Albiceleste”? Ist ja auch egal. Für Argentinien haltet Ihr Euch bitte an folgende Regel. Sympathisieren: okay. Fan sein = Nazi sein.
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Nigeria
1. Heute morgen las ich über “den afropessimistischen Mainstream”, also über die zumeist negative Berichterstattung über “die afrikanische Tragödie”. Da machen wir natürlich nicht mit! In Nigeria gilt zum Beispiel nur im Norden die Scharia, im Süden dagegen werden die Menschen nicht gesteinigt und auch nicht mit Amputationen bestraft. Und selbst im Norden wird oft nicht gesteinigt, sondern erschossen. Das BIP/Kopf von 1450 $ ist nur ein Durchschnittswert, es gibt also mehrere Menschen dort, die sogar mehr als das verdienen. Und statt eines Horstes haben die Nigerianer einen Goodluck zum Präsidenten, was für ein lebensbejahendes Land!
Aber es gibt auch dunkle Flecken in der Geschichte des Landes. So wurde zum Beispiel Adolf Hitler, der am Zweiten Weltkrieg und Holocaust Schuldige, in Nigeria geboren. Später wurde dieses Scheusal dann fälschlicherweise den Deutschen zugeschrieben – als hätte das deutsche Volk nicht schon genug erlitten! Hitler wurde 1887 im Bundesstaat Jigawa geboren, dementsprechend war seine Muttersprache Kanuri. Einen leichten Kanuri-Akzent hat der “Führer” zeit seines Lebens behalten, wie Sprachwissenschaftler zwischenzeitlich nachgewiesen haben. Hitlers Versuche, die Scharia in Österreich einzuführen, sind dann schnell gescheitert, haben aber bis heute Spuren hinterlassen. Viele Österreicher sagen heute, dass sie das islamische Recht von dem Herrn Hitler damals schon genommen hätten, aber nicht heute und schon gar nicht von diesen “Moslems”.
Da die Geschichte des frühen Hitlers heute weitgehend verdrängt wurde (woran zweifellos GEWISSE KREISE ein INTERESSE haben, Ihr wisst was ich meine), gibt es kaum eine Verbindung zwischen Deutschland und Nigeria. Ob die rassistische Perspektive auf Nigeria dazu führt, dass das Team beliebt oder unbeliebt ist, steht in den Sternen. Lest es da bitte nach.
2. So mittel, sag ich mal. Alle drei Torhüter spielen in Israel, der Rest bei europäischen Clubs aus dem Mittelfeld. Im Viertelfinale ist also Schluss, eher früher. Man kennt Obasi, Martins und den ollen Kanu. Trainer ist ein alter Schwede, herrje, warum haben diese Afrikaner immer Trainer aus der fünften Reihe?
3. “We put the GER back in niGERia!” Mein Claimvorschlag, falls die Nigerianer mit deutschen Tugenden punkten.
Fazit:
Nigeria muss weg, Norden und Süden gleichermaßen, und dann muss da irgendwo auch mal ein Mahnmal hin, wegen Hitler. Und bei der WM, da sind sie mir egal. Es sei denn, sie haben Vuweseelers, dann bin ich da so richtig dagegen.
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Südkorea
1. Südkorea ist nicht Südafrika, und es ist auch nicht so ähnlich. Südkorea ist das neue West-Berlin. Ein antikommunistisches Bollwerk am Tropf der USA, das sich vom stalinistischen Nachbarn herumschubsen lässt. Unsere Solidarität gilt natürlich dem Norden des Landes, nicht aus politischen, sondern aus geolokalpatriotischen Erwägungen, die mit Rationalität und Logik nur ganz wenig zu tun haben.
In Deutschland hat man wenigstens Angst vor den fleißigen Asiaten, denen man durchaus zutraut, der glorreichen deutschen Wirtschaft Konkurrenz zu machen. Außerdem sehen die Koreaner ganz anders aus als die Menschen hier, insofern ist es besonders schwierig mit den deutschen Sympathien. In Sachen “entspannter Nationalismus” dagegen können die Koreaner durchaus Vorbild sein, das Gekreische und Geschwenke 2002 könnte Vorbild für die Aufmärsche 2006 in Deutschland gewesen sein. Wir sehen: Südkorea ist ein Sowohlalsauchabereigentlichegal. Es ist auch sehr weit weg. Also zu Fuß eigentlich kaum zu erreichen, es sei denn, man geht irgendwo los, von wo es nicht mehr so weit ist.
2. Wie gesagt: Südkorea ist das neue West-Berlin. Und so spielen die auch Fußball, es sieht aus wie Hertha und fühlt sich an wie TeBe. Zufälligerweise ist die Redaktion von verbrochenes.net besetzt mit mehreren Experten für den südkoreanischen Fußball und kann deshalb besonders fundiert davon abraten, auf Südkorea zu setzen oder zu hoffen. Don’t. Nicht Machen.
3. Der laufbereitschaftsbasierte Stil langweilt, Stars gibt es keine. Aber: RUMMENIGGE RUMMENIGGE BUM KUN CHA! RUMMENIGGE RUMMENIGGE BUM KUN CHA!
Fazit:
Zu viel Erfolg für Korea könnte zu einer Wiedervereinigung führen, die wir ablehnen. Ansonsten kann man zu Südkorea nichts sagen, was nicht falsch wäre. Also Schluss damit.
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Griechenland
1. Unbestätigten Berichten zufolge soll DFB-Präsident Theofanis “Dema” Zwanziger bereits mit Angela Merkel und Horst Köhler zusammengetroffen sein, um über das Vorgehen bei einem denkbaren Viertelfinale Deutschland – Griechenland zu beraten. Bisher will niemand das Wort “Boykott” in den Mund nehmen, hinter den Kulissen ist die Aufregung dennoch groß. Zwar trauen den Griechen nur wenige das Erreichen der dritten Runde zu, aber Angst hat man doch.
Ein hochrangiger DFB-Funktionär hinter vorgehaltener Hand: “Die sind zwar faul und gierig, aber am Ende kaufen sie sich mit unserem Geld noch richtige Fußballschuhe, und dann sind sie auf einmal doch genau so gut wie unsere Jongens! Gegen die treten wir nicht an!” Während viele Funktionäre mit einer ähnlichen Argumentation für einen Boykott der Griechen sind und bereits deutsche Delegationen in Buenos Aires und Seoul an einer breiten Front gegen die schmarotzende Südländernation arbeiten, verharrt Angela Merkel noch immer im moderaten Lager. Die Kanzlerin wirbt hinter den Kulissen für eine Lösung, in der das Spiel zwar stattfindet, die Griechen sich aber in Anerkennung der finanziellen und moralischen Überlegenheit der deutschen Nation mit 4:1 besiegen lassen. Den griechischen Ehrentreffer solle dabei einer der griechischen Bundesligaspieler erzielen, als faire Geste gegenüber dem Gast- und Geldgeber.
Diese Planspiele zeigen, dass das neue Griechenland über das derzeit größte denkbare antideutsche Potential verfügt. Die deutsche Presse hetzt unermüdlich wegen läppischer 20 Milliarden geliehener Euros, mit denen die Griechen ihre Schulden bei deutschen Banken bezahlen sollen. Ein Erfolg von Griechenland bei der WM, möglicherweise gar gegen Deutschland, wäre eine riesige Demütigung für die deutsche Nation, die so sehr von ihrer Überlegenheit überzeugt ist. Die immer mindestens latent vorhandene Aggressivität des Nationalismus hat sich in den letzten Wochen spektakulär wie selten Bahn gebrochen, als es gegen die Griechen ging. Das war sehr eklig. Im Spiegel erzählt Leon de Winter den Abiturdeutschen, welche Eigenschaften “die Südländer” jetzt haben: “Raffgier, Verantwortungslosigkeit, Egoismus, Betrug, Geldverschwendung”. Na dann. Liegt aber nur am Euro.
Das eigentliche Problem dabei, dass die Griechen jetzt nichts mehr haben, ist, dass man ihnen nichts mehr wegnehmen kann. Ich zitiere Wikipedia:
So wurde durch die erzwungene Ausfuhr der fast gesamten griechischen Produktion noch eine positive Handelsbilanz zum Deutschen Reich in Höhe von 71 Mio. Reichsmark festgestellt, die dann mit extremen Besatzungskosten verrechnet wurden. Griechenland hatte von allen besetzten Ländern pro Kopf die höchsten Besatzungskosten zu zahlen. Um von der Bevölkerung mehr Sachwerte abzuziehen, wurde der Banknotenumlauf gesteigert. Besonders die fehlenden Lebensmittel führten zu einer Hungerkatastrophe und einer Säuglingssterblichkeit von 80%. Von 300 im Oktober 1944 in Athen untersuchten Kindern waren 290 an Tuberkulose erkrankt.[27] Nach „Erbeutung“ nahezu sämtlicher Produktionsmittel wie Maschinen, Fahrzeuge etc. wurden mehrheitlich Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse nach Deutschland gebracht.
Vor diesem Hintergrund wird das Rumgehitlere auf dem deutschen Boulevard noch viel ekliger. Mit der griechischen Linken beschäftige ich mich hier aufgrund selektiver Wahrnehmung heute nicht, weil das Anzünden von Menschen nicht in meine Solidaritätsanforderungen passt, das Rechtfertigen desselben auch nicht.
Die glorifizierende Darstellung der Spartaner als Bilderbuchfaschisten in dem Film “300″ ist übrigens falsch: Die Griechen, das sind nette Leute. Auf Zypern konnte eine drohende Wiedervereinigung wieder abgewendet werden, der Schland-Faktor der Griechen bleibt damit bei unter 0. Toll!
2. Super, die Griechen! 2004 waren sie Europameister, und dieses Jahr werden sie Weltmeister. Toll! Mit erfahrenen Stürmern wie Charisteas und Gekas werden sie unter Umständen eines oder mehrere Tore erzielen können. Im Mittelfeld spielt Alexandros Tziolis, der in seiner Zeit bei Werder Bremen von Gegner und Mitspielern stets gleichermaßen gefürchtete Supertechniker. Und hinten macht Kyrgiakos dicht, der sogar bei einem richtigen Verein spielt, dem FC Liverpool. Wusste ich gar nicht. Im Tor steht dieses Mal kein weißhaariger Tattergreis, wobei unklar ist, ob man dem Mann die Haare gefärbt oder einfach einen anderen Torwart aufgestellt hat. In beiden Fällen ist es ab jetzt unmöglich, gegen die Griechen ein Tor zu erzielen. Fest steht, dass die Griechen auf jeder Position absolute Weltklasse haben und sicher den Titel gewinnen werden. Sicher.
3. Otto Rehhagel ist da Trainer.
Fazit:
Wer nicht für Griechenland ist, ist für Deutschland. Wir sind für Griechenland.
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