Juni 2010

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Jeder in Deutschland weiß, dass Lothar Matthäus der ideale Trainer für den HSV wäre. Da man sich dort aber bekanntermaßen anders entschieden hat, ist LOTER weiterhin arbeitslos. Aber ist das gerecht? Nein, sagt der Chefredakteur des kicker, Rainer Holzschuh.

Holzschuh hat den Lothar in Afrika erlebt, wo der, Zitat, für den „berühmten TV-Sender ‚Al Jazeera'“ arbeitet. Das Adjektiv verrät, dass Holzschuh hier nur Gutes mit Lothar vorhat. Verzweifelt versucht der Mann vom kicker, den erbarmungswürdigen Altnationalspieler in ein gutes Licht zu rücken. Und da wird dann auch mal ein Fernsehsender zur Berühmtheit. Scharfsinnig beobachtet der Journalist, dass Matthäus mit „arabisch aussehenden Männern“ unterwegs ist. Ist das aufregend! Weite Welt! Metropolothar!

Aber auch kicker-Rainer ist ein Mann aus bestem Holz. Wenn der den Lothar trifft, dann sprechen sie „konsequenterweise“ über die deutsche Mannschaft. Konsequenz als Sekundärtugend der beiden alten Recken, das kommt gut an. Und dabei macht Ol‘ Rainer die Beobachtung, die eigentlich eine Vorabmeldung des kicker gerechtfertigt hätte, aber doch nur hier im Kommentar versteckt bleibt: Der Lothar ist „ein wirklich guter Analytiker des Fußballs“. Und wenn er analysiert, dann nicht etwa mit der Dummheit in den Augen und Borniertheit in der Stimme, nein, „mit einer faszinierenden Fachlichkeit, dass kein Zuhörer nur einen Hauch von Zweifel hegen konnte“. Man wünschte sich derlei „Fachlichkeit“ – Moment, ist das überhaupt ein Wort? – bei Holzschuhs Kerngeschäft, dem Schreiben deutscher Texte, aber vergeblich.

Man mag sich das gar nicht ausmalen, wie Lothar Matthäus daherschwafelt wie es derzeit jeder zweite Deutsche jeden Tag tut, über Schweini und Klose, über das Talent Özils und die Schwachstelle hinten links, während Holzschuh daneben steht, ihn verliebt anguckt und sich fragt, warum bloß niemand diesen Trottel in leitender Position in sein Unternehmen holt. Holzschuh hat schon längst keine Ahnung mehr von irgendwas, aber er bewegt sich auf den Bühnen der FIFA-Society und denkt, das sei Arbeit und die Leute da seien Experten, weil sie sich das alle ständig gegenseitig versichern. Da hilft man sich dann auch mal aus, denkt Rainer, und schreibt ein Loblied auf den gescheiterten deutschen Ex-Helden. Aber was heißt „schreibt“, wir reden hier von Metaphern wie „genährt von tausend Schlachten“, was wirklich eine lustige Idee ist. Aber der Mann ist Herausgeber der größten deutschen Sportzeitschrift, wie kann das angehen?

Bitter für LOTER sei es, „dass sein Wissen in Deutschland weniger gefragt ist. Zumindest rund um den Fußballplatz.“ Sein Wissen ist woanders also gefragter als um den Fußballplatz? Wo? Der Mann ist gelernter Raumpflegerausstatter. Natürlich ist Fußball alles, wofür er jemals gefragt war. Wollen wir nun alle gemeinsam hoffen, dass es doch noch irgendwo einen so unprofessionellen Verein gibt, dass der LOTER bald einen Job in Reichweite der von uns konsumierten Medien bekommt. Entertain me!

Vorhin rief mich ein Freund an und teilte mir mit, dass die WM völlig in die Binsen gegangen sei. Ich machte mich dann im Internet schlau und sah, dass er die Wahrheit gesagt hatte. Sei es drum. Natürlich liegt es nahe, dieses Ereignis, nun als es nicht den vorhergesagten und gewünschten Verlauf genommen hat, als Ganzes zu kritisieren. Aber wem hilft denn das weiter, und wer soll das glauben, wenn nebenher doch deutlich hörbar Japan – Paraguay läuft.

Fußball ist geschichtsvergessen, wenn nicht gar offen revisionistisch. Es interessiert ihn nicht, was vor siebzig Jahren war. Es interessiert aber auch nicht, ob ein Ball hinter der Linie ist, ob jemand im Abseits steht oder ob es einen harmlosen Schubser gab. Der Sport ist beliebig, wenn die Schiedsrichterentscheidungen beliebig sind. Fußball ist Hättehätte Lichterkette, und das ist das was mich so ärgert. Günther Netzer findet das gut und meint, das sei das Tolle am Spiel, dass man hinterher raten kann, was passiert wäre, wenn die Regeln was wert wären. Anstatt das hinterher zu erraten könnte man es auch einfach während des Spiels sehen, das wäre irgendwie interessanter, aber nicht für Netzer.

Es ist müßig, über die Gründe für Fehlentscheidungen zu spekulieren, von Bestechung bis menschlichem Versagen ist alles drin. Und wer erlebt hat, wie Gastgeber Korea 2002 ins Halbfinale gepfiffen wurde,der darf eigentlich keinen Zweifel mehr daran haben, dass bei derlei Turnieren auch manipuliert wird, wo es nötig ist. Warum und wieso – darüber darf spekuliert werden, Verschwörungstheoretiker nach vorn. Ich tippe bei Uruguay gegen Ghana jedenfalls auf Ghana, obwohl ich Uruguay für stärker halte.

Der Kommentator sagt gerade, im Achtelfinale seien die 16 besten Teams der Welt, das ist natürlich Quatsch. Die Nationalmannschaften zum Beispiel von Bosnien, Kroatien, Russland und sicher einige Südamerikaner sind besser als Truppen wie Neuseeland, Honduras oder Nordkorea. Aber damit es eine Weltmeisterschaft ist und kein Gehege im Völkerzoo leer bleibt, muss auch aus jeder Ecke einer mitmachen. Schlecht ist das nicht, aber man sollte das zumindest wissen, wenn man anderen Leuten beruflich etwas über die WM erzählt. Das Niveau ist nach wie vor unterirdisch, was bei einer WM aber auch selten anders war. Ein Drittel der Mannschaften würde in Deutschland in die zweite Liga gehören, und was man in der Bundesliga sonst so zu sehen kriegt, ist ja auch nicht sonderlich unterhaltsam, habe ich gehört. Auch das kann man vorher wissen. Länder wie England oder Italien spielten dagegen einen Scheiß, über den man sich wundern muss. Andererseits haben die Italiener schon vorher mit ihrem Kader klar gemacht, dass sie von vorgestern sind. England – meine Güte! Alt und müde und ängstlich, in jedem Spiel. Zumindest an ersterem könnte man was ändern, aber ich weiß nicht, ob das wirklich helfen würde. Gemein mit den Franzosen ist den Stars der irre Glaube, sie seien auch ohne Leistung echte Helden beziehungsweise ihre Leistung sei immer groß, auch wenn sie klein war. Unglaublich, der Realitätsverlust bei Franzosen und John Terry, die nach unterirdischen Leistungen sich in der Position wähnten, gegen den Trainer vorgehen zu können.

Das Elfmeterschießen fängt an. Ihr wisst: JAPAN NAZIS MUST DIE. Mal gucken. Ich will, dass Nelson schießt. Nelson ist „ein guter Junge.“ Da isser. Ist das spannend. Hach, ein toller Elfmeter! So, nun ist es aus mit Japan. Mehr als Achtelfinale wäre auch frech gewesen.

Nun also die Frage, wer im Viertelfinale nun zu unterstützen ist, da England und die USA ausgeschieden sind. Das ist eine einfache Frage. Hier die Reihenfolge:

1. Argentinien (Hier übernimmt das Primat des Sportlichen.)

2. Ghana (Kevin-Prince! Hoffentlich kann er überhaupt weitermachen.)

3. Holland (Spielt hässlich und gewinnt, die Deutschen hassen sie. Passt.)

4. Brasilien (Wird Weltmeister, joine das winning team!)

5. Spanien (Ist doch echt egal, wer die Deutschen rauswirft, Hautpsache jemand tut es. Spanien kann es zur Not im Halbfinale.)

6. Paraguay

7. Uruguay

8. Deutschland (Toller Fußball!)

Ja, es stimmt: Portugal fliegt nachher raus.

Was fast mehr nervt als der Flaggenwahn draußen, ist die Kriegsberichterstattung in den Medien. Dass es beim Fußball keinen kritischen Journalismus mehr gibt, war klar, aber das Ausmaß des Burgfriedens ist beeindruckend. Kritik an Manuel Neuer findet nicht statt, egal wie tapsig der knuddelige Manu durch seinen Fünfmeterraum irrt und springt. Mertesacker wird, anstatt ihn für seine Leistungen zu kritisieren, an seine früheren Taten erinnert, und Joachim Löw ist längst ein Nationalheld, weil Deutschland im Viertelfinale ist. Jeder Gegner wird vorher in den Boulevardzeitungen beschimpft und in der Qualitätspresse werden seine Schwächen analysiert. Die Einheit von Volk und Mannschaft ist perfekt, was jetzt noch stört sind diejenigen, die nicht mitmachen wollen. Man muss das Pack noch nicht einmal beschimpfen, es reicht wenn man an Deutschlandfans nach einem Sieg nur vorbeigeht, damit die fragen, warum man denn nicht feiere und ob man sich nicht einfach mal freuen dürfe.

Zeit für den Erlöser.

Kürzlich meldete die Bremer Linkspartei verstört, dass es „nun auch in Bremen“ einen „antideutschen Spuk“ gebe. Anlass war offenkundig, dass die eigenen antisemitischen Veranstaltungen von „fanatischen Pro-Israel-Kämpfern“ besucht wurden, die sich dann an den Diskussionen beteiligten und für schlechte Laune sorgten.

Gestern nun erreichte uns eine eMail, in der die sofortige Veröffentlichung der folgenden Proklamation verlangt wurde. Das war zwar frech, aber wer auf den Seiten der Linkspartei als „antideutscher Spuk“, als „Avantgarde dieser fanatischen Pro-Israel-Kämpfer“, die „im Hinter- und Untergrund arbeitet“, bezeichnet wird, der darf hier natürlich gerne veröffentlichen. Zum besseren Verständnis empfiehlt sich auf jeden Fall die vorherige Lektüre des oben angeführten Links. Dass Antideutsche so schreiben, wie sie schreiben – dafür kann die Redaktion jetzt auch nichts.

Antideutsche Avantgarde, schon 3 1/2 Wochen

Tja, lieber Bonde, da wirst du jetzt große Augen machen: ganz gegen den aktuellen Trend hat sich in unserem Bundesländchen eine „Antideutsche Avantgarde“ etablieren können, und das nicht erst seit gestern.

Vom Fachverband für die anti-anti-, also deutsche Frage, genannt „Die Linke in Bremen“, im Vorfeld des „Mavi Marmara“-Zwischenfalls am 28. Mai offiziell enttarnt und unter Zuhilfenahme gefaketer Expertise schonungslos etikettiert bilden diese „Freunde Israels“ anscheinend das letzte Bollwerk, das der erträumten „gerechten Aufteilung des Landes“ noch im Wege steht. „Viele linke Gruppen“ distanzierten sich angeblich schon dankend. Falls daran auch nur ein Wort wahr sein sollte wird blanker Neid in dem einen oder anderen Fall die nicht eben geringste Rolle gespielt haben. Und Verbrochenes.net sehe ich gleich schon mit auf der Liste.

Du kannst hier ja so ein bißchen antideutscheln, so gut das eben gelingt, oder Passivfußball spielen mit deinen Freunden, alles ein Tun. Antideutsche Avantgarde geht anders. Am besten geht die nämlich immer noch praktisch wie von selbst. „Anti-deutsch“ – das will ja kein angestrengtes Wollen, bemühtes Wirken, tiefes Fühlen und Drängen vorstellen, sondern gerade ganz das Gegenteil. Die antideutsche Avantgardestellung ergibt sich demnach auch völlig unerwartet – oder eben gar nicht. Selbst ein Weblog wäre dabei nur hinderlich, und falls das jetzt zufällig ein Englisch-Zweitsprachler lesen sollte, wird er den Kalauer hoffentlich genießen, den ich mir darauf erlaube, dass ich mir so etwas auch gar nicht erst virtuell ans Bein binde.

Wie also ist es den Fanatikern unter den Pro-Israel-Kämpfern gelungen, sich so souverän durchzusetzen? Ich muss ein bisschen ausholen:

Als im alten Jahr der Winter seinen harschen Einzug hielt und der avantgardistische AD-Troll vorerst nur schlummerte und schnarchte, verkündete die kulturelle Parteilinke im Lande mit großem Tam-Tam, aber ohne besonderes Aufsehen die Gründung einer sog. „Kulturredaktion“. Diese würde nach eigenem Bekunden gerne „das Politische in der Kultur aufspüren und den regionalen Aspekt betonen“ bzw. „eine Informations- und Diskussionsplattform für das linke Spektrum in Bremen und umzu bieten“, wobei umzu und der regionale Aspekt in diesem Fall mindestens bis zum Jordan und auf den Golan reichen, der Aspekt Information und Diskussion hingegen nicht allzu hoch bewertet werden sollte.

Die Redaktion hat man sich auch nicht etwa als Verlautbarungsorgan der Partei Die Linke vorzustellen, die Stellungnahmen zu deren Veröffentlichungen bisher lieber vermied, sondern eher als eine Art zufällige Mitbewohnerin auf ein und derselben Internetadresse, die darüber hinaus ihren Autoren freie Hand lässt, ihr Geschreibsel ganz in eigener Verantwortung zu verbreiten. So versicherte es mir jedenfalls Sönke Hundt, der sich trotzdem irgendwie dafür zuständig zu fühlen scheint, auf Nachfrage. Und tatsächlich erschließt sich diese Politik ja vielfach schon durch einen Blick auf die Resultate, außer schwerwiegend Wahrnehmungsgestörten wie mir, versteht sich, denen ihre Umwelt ohnehin nur noch „komplett antisemitisch“ erscheint.

Als besonders verlässliches Trüffelschwein zur Aufspürung des Politischen in der Kultur wie auch für die zunehmende Regionalisierung eines altbekannten Konflikts erweist sich regelmäßig ein Arn Strohmeyer, der grundsätzlich nur noch als „der Bremer Journalist Arn Strohmeyer, der früher beim Weser-Kurier und den Bremer Nachrichten gearbeitet hat“ bezeichnet werden sollte, weil sonst kein durchschnittlich vernunftbegabter Mensch von selbst darauf käme. Die geistige Kapazität dieser Koryphäe im besonderen wie der „Kulturredaktion“ im allgemeinen erschließt sich am eingängigsten über ihren jüngsten gemeinsamen Geniestreich: die irre Behauptung, das Transparent, das den bärtigen Schlachterjuden zeigt, wie er den sympathischen Gaza-Hilfsdelfin auf den Haken nimmt, schächtet und ausbluten lässt, wäre auf der Demo am 5. Juni „von den meisten Teilnehmern vermutlich überhaupt nicht wahrgenommen worden“, mit dem Foto des Autors als Redner vor eben diesem Transparent zu illustrieren.

Strohmeyer legte in den vergangenen Monaten ein ganz erstaunliches Talent an den Tag, jedes Mal zugegen zu sein, wenn das Bremer Netzwerk für einen gerechten Frieden im Nahen Osten und andere Allmachtsphantasien und die „verschiedenen Friedens- und Nahostgruppen“, in denen er sich sonst noch tummelt, wieder mal einen „zumeist jüdischen oder israelischen Referenten“ aufgetrieben hatten, der ihnen erzählen sollte, dass die Juden in Israel eine „Holocaustreligion“ praktizieren bzw. dass dort seit nunmehr schon über 35 Jahren die Machtergreifung der jüdischen Nazis unmittelbar vor der Tür steht.

Dabei entging ihm auch nicht, dass in diesen Zirkeln von 15 Personen aufwärts mitunter Leute auftauchten, deren perfide Hinterlist, die propagierten Inhalte erst einmal ernst zu nehmen, um dann nachzuhaken, ob das denn tatsächlich ernst gemeint sein könnte, regelmäßig Abwehr und Unbehagen provozierte. So brachte z. B. dem Verfasser das irgendwo zwischen wohlwollend und naiv anzusiedelnde Manöver, in gutem Glauben erst einmal davon auszugehen, Reuven „Doc“ Moskowitz hätte tatsächlich jemals eine Dissertationsschrift verfasst, den Vorwurf ein, einen alten Mann „inquisitorisch nach seiner wissenschaftlichen Qualifikation befragt“ zu haben.

Die Darstellung hat mit der Wirklichkeit zwar nur etwa so viel zu tun wie die Analogien zwischen Reden im Reichstag 33-45 und in der Knesset 67-73, die der „Friedensabenteurer“ durch angestrengtes Suchen aufgedeckt haben will, schmerzt aber doch sehr, da sie vor dem geistigen Auge wieder und wieder das Schreckensbild eines Pontifikatsprätendenten wider Willen erweckt, der es auch unter der Folter ablehnt, sich zum Gegenstand zu äußern, und ungerührt fortfährt seinen Segen zu spenden. Immerhin: ein aufschlussreiches Indiz konnte dem Delinquenten abgepresst werden. Moskowitz` bahnbrechendes Grundlagenwerk „Deutsche und Juden zwischen der Macht des Geistes und der Ohnmacht der Gewalt“ scheint für die Menschheit tatsächlich noch nicht ganz verloren zu sein. Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung soll möglicherweise noch eine vage Ideensammlung existieren. Allerdings hatten die antideutschen Kundschafter sich nun schon so weit aus der Deckung gewagt, dass sie selbst in den Fokus des Interesses geraten mussten. Ein professioneller Seelsorger, geschult an E. R. Carmins „Das schwarze Reich“, der schon Iris Hefets mit der Frage konfrontiert hatte, ob sie denn überhaupt „blutsmäßig“ Jüdin wäre, nahm spontan eine Blickanalyse an mir vor. Das Ergebnis konnte aber nicht überzeugen. Jedenfalls mich nicht.

Wie eigentlich sowieso alles geriet die Sache aber über Henryk Broders Achse des Guten so richtig ins Rollen, in diesem Fall aber ganz zufällig, indem dort ein auf das Notwendigste beschränkter Augenzeugenbericht aus der denkbar „israelkritischen“ Freakshow „Zionismus “ seine Genesis, seine Gefahren, sein Untergang“ erschien, die im März in den Katakomben des Überseemuseums gastierte, wie ja Veranstaltungen zum Nahost-Konflikt, die sich nicht bloß empörend darstellen, beckmesserisch und unqualifiziert, sondern einfach nur noch grauenhaft, grundgruselig und grottig, geradezu zwanghaft auf dieses Haus abonniert zu sein scheinen. Sei es, dass dort Dr. Massarat lehrt, sich mit der iranischen Bombe anzufreunden, oder Iris who-the-fuck Hefets Angriffe türkischer Hooligans auf israelische Sportler als begrüßenswerte politische Aktion feiert.

Der selbstredend fruchtlose Versuch, die Direktorin dieses Museums zu überreden, wenigstens aus Rücksicht auf die Außenwirkung ihrer Einrichtung nach Hajo „Holocaustreligion“ Meyer nicht auch noch Iris „Schoah-Kult“ Hefets ein Forum zu bieten, tat ein übriges. Mitglieder der diversen „menschenrechtsbezogenen“ bzw. „zivilgesellschaftlichen“ Gruppen, die, teils in Personalunion, den Kampf gegen die jüdische Nationalbewegung zu dem ihren gemacht hatten, nahmen die getreue Wiedergabe ihrer Aktivitäten völlig zu recht als vollendeten Rufmord wahr und schlossen von dem Entsetzen, das sich ihrer daraufhin bemächtigte, fälschlich auf die Größe der unheimlichen Macht, die offenbar dahinter stecken musste, insofern Menschen nicht unähnlich, die jedes Mal aufs neue erschrecken, wenn sie im Spiegel ihren Schatten entdecken, weil sie sich nicht erklären können, wer ihnen das angehext haben mag und warum bloß.

Strohmeyer recherchierte jetzt noch ein bisschen sorgfältiger als sonst und stieß so auf den harten Kern einer eigentlich eher heterogenen Gruppe aus ca. zwei Bonvivants, die es sich zum schönen Brauch gemacht hatten, in ihrer Freizeit in loser Folge ein paar mehr oder auch weniger ersprießliche Vortragsveranstaltungen am Abend zu besuchen, um im Anschluss, so die Umstände das eben zuließen, eventuell noch einen heben zu gehen, aka „Sprengel“ (nein, das leitet sich nicht vom Naschwerk gleichen Namens ab), aka „Vorkämpfer“. Letzterer Nom-de-Guerre ist unverkennbar der schier verheerenden Wirkung geschuldet, die die pointierten Diskussionsbeiträge der pathologischen Philosemiten entfalteten, so sie denn überhaupt mal zu Wort kamen, die nur den Schluss zuließ, dass es sich bei ihnen wohl um die Schocktruppen handeln müsse, in deren Rücken das große anti-deutsche Aufräumen erbarmungslos seinen Lauf nehmen würde “ „Zerstörung der deutschen Nation“ und Aufteilung der Bundesrepublik unter ihren Nachbarn inclusive, also recht genau das, was das Bremer Netzwerk für einen gerechten Frieden im Nahen Osten sich doch eigentlich für eine ganz andere Gegend ausgedacht hatte.

Diese „Avantgarde“, über die inzwischen schon eine Menge haarsträubender Unwahrheiten gestreut wurden, wobei die Behauptung, es handele sich um „junge Leute“ noch mit Abstand zu den schmeichelhafteren zählt, bin zuvorderst mal ich. Und über mich soll hier nicht mehr verraten werden, als ein Geistheiler, ein Möchtegern-Stasi-Agent und ein schludriger Kopist auch nicht herausgefunden haben, da es ja sonst nicht mehr spannend wäre.

Zweitens kommt da schon mein sporadischer Saufkumpan und unerschütterlicher Stil- und Politikberater JPH, eigentlich ein Kryptokonservativer reinsten Wassers, so links wie das Steuer an seinem chromblitzenden Bentley, der mich schon verflucht hat, bevor ich überhaupt die Zeit fand, mich hinzusetzen, um diese Erklärung schriftlich zu fixieren, und der jetzt mal schön selbst zusehen kann, wie er aus dieser Nummer wieder herauskommt. Ich gönne es ihm von ganzem Herzen! Ja, ganz vorn an der Spitze der Avantgarde, wo die Katjuschas pfeifen und das rotlackierte Ressentiment aus tausend Schlünden droht, kann es bekanntlich auch schnell einsam werden…

Was hier in Bremen sonst noch unter dem Label „antideutsch“ gehandelt wird, ganz gleich ob es sich dabei um eine Eigen- oder Fremdkreation handeln mag, wird über kurz oder lang gar keine andere Wahl haben, als sich in unsere Arrière-Garde einzureihen, oder aber für alle Zeit im Schmollwinkel der Geschichte zu versauern. Ich empfehle, rechtzeitig zu reservieren, die Bearbeitung der Mitgliedsanträge kann sich hinziehen. Eine Aufnahme wird selbstverständlich davon abhängig gemacht werden, ob gewisse Sätze antideutscher Ideologie unterschrieben werden oder eben auch nicht. Der Fragenkatalog ist erhältlich bei Arn Strohmeyer, dem früheren Weserkurier-Mitarbeiter, c/o Onlineredaktion bei Die Linke in Bremen. online-redaktion@dielinke-bremen.de

Good luck! Wir sehen uns dann am Donnerstag bei Inge Höger, der Heiligen Johanna der Frauendecks.

Diesmal auch ganz offiziell eingeladen von der Partei des deutschen Antizionismus. Sönke Hundt wird den Conférencier geben, Arn Strohmeyer wie gewohnt den interessierten Beobachter. So ein Zufall jetzt aber auch€¦

TL

WM

Nachdem ich die WM mal wieder mit einem aufregenden sportlichen Ereignis verwechselt hatte, überkam mich nach dem ersten Spieltag der dringende Wunsch, in allen meinen Tipps die Anzahl der geschossenen Tore pro Team zu halbieren. Und heute ist klar: Ich hätte immer noch viel zu viele Tore getippt. Das liegt aber vor daran, dass im Moment die Auftaktspiele gespielt werden, und es in Vierergruppen nun mal rechnerisch so ist, dass eine Niederlage im ersten Spiel richtig große Scheiße ist. Bei manchen Konstellationen bedeutet sie schon fast das Aus. Da packt die Trainer die Angst, und man startet lieber mit einem Unentschieden, weil der Gegner dann auch nur einen Punkt kriegt und erstmal noch alles drin ist. Es sei denn, man spielt gegen Australien. Dann empfiehlt sich ein beherzter Angriffsfußball, vorausgesetzt man hat Mesut Özil in seiner Mannschaft. Ohne die Spanier gesehen zu haben muss man bis jetzt leider feststellen, dass alle Mannschaften langweilige Spiele geboten haben, viele davon wirklich ärgerlich öde waren, und nur die deutsche Mannschaft bisher ein bisschen Spaß gemacht hat. Ja, Spaß, obwohl sie gewonnen haben, schlimm war das, und vielleicht wird es noch schlimmer. Vielleicht ist diese junge spielfreudige Mannschaft tatsächlich die sympathischste der WM. Nur vielleicht. Vielleicht verlieren sie auch in einem Mittelfeldgewürge gegen Serbien und Mesut holt sich nach einer Tätlichkeit eine rote Karte ab. Aber eher nicht. Dazu kommt die Problematik, dass ich nichts gegen Özil, Marin und Mertesacker habe, eigentlich finde ich die sogar ziemlich cool. Müller find ich auch toll, und Podolski hätten wir echt mal kaufen sollen. Manchmal denke ich, dass man sich bei einer WM nicht nach weltanschaulichen Gesichtspunkten orientieren kann. Ich denke das aber nur, wenn gerade keine deutschen Autokorsos vorbei fahren.

Richtig sauer bin ich über Frankreich, das schon ein paar fähige Leute zur Verfügung hat und dann einen abstoßenden Altherrenfußball spielt, der mich als Betrachter persönlich beleidigt. Vorne stand Anelka, dann kam einer mit dem Ball und schon waren sie zu zweit. Gegen sechs Verteidiger. Wenn Frankreich ins Halbfinale kommt, ist das eine Niederlage für die Welt.

Besser: Argentinien. Messi war gut und kann noch viel besser. Ein frühes Tor hilft enorm, deshalb war das Spiel gegen schwache Nigerianer ganz erträglich. Dass die letzten fünf Minuten trotz deren Rückstand in der Hälfte der schrulligen Scharia-Boys stattfanden, sagt alles.

Griechenland ist raus! Entgegen meiner ersten Analyse können die Griechen kein antideutsches Potential mehr haben, weil sie von den Antiimps geentert wurden. Auf jeder linken Demo rennen die schlimmsten Sozialisten mit griechischen Fahnen rum, und das war auch schon sichtbar geworden, bevor ich die Griechen hier beworben habe. Ein vermeidbarer Fehler, sagt man im Tennis. Dass auch meine sportliche Einschätzung der Kriechenden falsch war, räume ich ganz offen ein. Es geht alles den Bach runter mit den Griechen.

England kommt noch.

Schade ist es um Kamerun, weil sie wohl ausscheiden werden, schade ist es auch um Holland, weil sie so enttäuscht haben. Italien spielt wie 2006, nur schlechter. Und die Elfenbeinküste schließt sich den anderen enttäuschenden Afrikanern an, wobei Ghana immerhin gewonnen hat und auch taktisch ganz überzeugend war.

Es war halt alles ein großes Elend bisher, von den Vuvuzelas will ich hier gar nicht anfangen.

Gruppe H

In letzter Sekunde hier auch noch die Entscheidungshilfe für die Gruppe H. Wer die ganzen Spiele bislang ohne unsere Beratung geguckt hat, kann sich hier informieren, ob ihr oder ihm dabei Fehler unterlaufen sind. Schlechte Ausreden und sonstige Kommentare werden ebenfalls dort abgegeben.

Eines vorweg: In Gruppe H gibt es nichts zu sehen, außer guten Fußball. Und den eigentlich auch nur beim ersten Kandidaten:

Spanien

1. Von 1939 bis 1975 hatte Spanien eine faschistische Diktatur. Als sie diese endlich abschafften, installierten sie einen König, wegen der nationalen Einheit. Man könnte jetzt natürlich sagen: Ja aber, da haben doch erst eine ganze Menge Leute gegen den Faschismus gekämpft und die haben doch eigentlich nur wegen der Hilfe aus Deutschland nicht gewonnen, und dass es einen König braucht, um nationale Einheit zu schaffen, ist doch schon mal ein gutes Zeichen. Das erste mag stimmen, aber de fakto haben diese Leute ja verloren und dann gab es ein paar Jahrzehnte Faschismus, in dem die ganzen guten Leute auch noch umgebracht wurden. Das zweite ist Quatsch, denn es ist ja nicht so, dass da irgendwer gegen die Nation an sich ist. Die Gegner der spanischen Nation sind selbst Nationalisten, so links sie auch sein mögen.  In diesem ganze Wirrwarr aus demokratischen Monarchisten und nationalistischen Anarchisten finde ich mich beim besten Willen nicht zurecht, und daher lehne ich es ab.

2. Spanien ist sportlich extrem krass aufgestellt. Im Mittelfeld haben sie gute Spieler für mindestens drei Mannschaften, davor und dahinter stehen ebenfalls sehr gute Spieler. Alle sagen, dass Spanien Weltmeister wird. Da in dieser Rubrik aber gefordert wird, dass die Genossen wissen, wo das Tor steht, nützt das alles nichts.

3. Für schönen Fußball kann man sich immer begeistern.

Fazit: Der antideutsche Faktor ist ein hartes Kriterium. Als Deutschlandkiller ist Spanien jedenfalls geeignet, für mehr leider nicht.

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Schweiz

1. Die Schweiz ist neutral. Zum einen formal, zum anderen in der Bilanz der sie bewohnenden Menschen. Die ist exakt ausgewogen: Auf der einen Seite gibt es Saalschutz, die beste Band des Universums. Auf der anderen Seite steht der Rest der Schweizer, die alle Rassisten sind.

2. Die Schweiz ist neutral. Ein paar ganz fitte Bundesligaspieler, aber kein echtes Potential für irgendwas größeres. Die WM-Quali sagt uns da auch nichts Neues: Zwar wurde man dort Gruppenerster, aber wahrscheinlich so ungefähr in der schlechtesten Gruppe in ganz Europa.

3. Die Schweiz ist neutral. Rot, aber mit Kreuz. Nicht deutsch, aber deutschsprachig. Politisch so ähnlich wie die USA, aber in Europa – und eben neutral.

Fazit: Wir bleiben neutral.

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Honduras

1. 57% der Menschen denken, dass Honduras eine Insel ist, in China sind es 51%, in Honduras 14%. In echt ist Honduras aber ein Staat in der Mitte zwischen zwischen Amerika und Südamerika. Das Staatsmotto klingt wie das Credo eines Süchtigen: „Frei, souverän und unabhängig“. In echt ist Honduras wahrscheinlich hochgradig abhängig von den USA, was ja nicht das schlechteste ist, wenn die Alternative Chavez heißt.

Während 1969 anderswo der Summer of Love zelebriert wurde, engagierte sich Honduras im Fußballkrieg. Klingt erstmal ganz cool. Bei näherer Betrachtung war die Rolle der Honduraner aber eine sehr deutsche:

Der Grund waren Spannungen um Wirtschaftsflüchtlinge aus El Salvador, die seit längerem von der Bevölkerung Honduras€™ für die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich gemacht und angefeindet wurden.

Diese ganze Sache mit dem Putsch letztes Jahr versteht kein Mensch. Im Ergebnis wird Honduras jetzt aber von der Naumann-Stiftung beraten. Das ist schlecht für Honduras, also nicht nur für die Menschen dort, sondern auch für unsere Bewertung in Sachen deutsche Verhältnisse.

2. Ganz ehrlich, wir haben keine Ahnung. Aber sie werden sehr schlecht sein. Gründe: Armut, Abwanderung der besten in die USA, Krieg, Kleinheit, Armut.

3. Selbst wenn, es nützt ja alles nichts.

Fazit: Naumann-Stiftung aus dem Land jagen, danach den Vereinigten Staaten anschließen.  Wenn das noch so ein paar kleine Länder machen, haben wir einen würdigen England-Nachfolger.

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Chile

1. Chile ist unglaublich lang und beansprucht ein Kuchenstück von der Antarktis. Land und Leute sind offenbar sehr schön. Es gibt Berge und Vulkane, Seen, Flüsse und einen Pazifik. Das ist verdächtig, ich fühle mich schon ganz romatisch und kriege Fernweh. Ethnisch homogen sind die Chilenen auch noch. Und im Zweiten Weltkrieg blieb Chile wegen der Deutschstämmigen im Lande so lange neutral, bis klar war, wer gewinnt. Später dann hatte Chile Pinochet, jetzt sind sie demokratisch. Wer da keine Analogie riecht, hat die Lehren aus der Geschichte verschlafen.

2. Chile ist vielleicht gar nicht so schlecht. Ihre Qualifikationsergebnisse sollte man die Chilenen allerdings nicht überbewerten, weil sie bei Heimspielen regelmäßig die Gegner mit dünner Luft betäuben. In Südafrika genießen sie aber immerhin Südhalbkugelheimvorteil, heißt sie müssen sich nicht erst an den Winter gewöhnen und daran, dass sie auf dem Kopf stehen müssen. Die Namen sind nicht hinreichend groß, dass ich sie kenne, aber ich traue ihnen alles zu.

3. Siehe oben – es ist alles sehr schön dort. Das lassen wir hier einfach mal so stehen, denn die Gefahren dieser Schönheit wurden ja dort schon beschrieben.

Fazit: Da die simple Schönheit als Argument hier bislang etwas zu kurz kam, sei Chile jedem als Zweitmannschaft ans Herz gelegt, die man so lange behält, bis sie gegen England, Holland oder Griechenland verliert.

Gruppe F

Alle anderen Gruppen hier, Kommentare lesen und abgeben auch! Los!

Italien, Italien, die alte Hassliebe!

1. Zu kaum einem anderen Land dürfte die historische Beziehung der Deutschen ambivalenter sein als zum lustigen Fast-Nachbarn im Süden.

Allein die seltsamen politischen wie sozio-kulturellen Verbandelungen der letzten 100 Jahre böten mehr Stoff und daraus resultierende Einnahmequellen, als Guido Knopp und Helmut Markwort zusammen in Münchner Edelbordellen für 50 Jahre verwurstfingern könnten!

Erster Weltkrieg: erst Verbündeter, dann ,,treulose Tomaten“(ja, daher kommt die Bezeichnung).

Zwoter Weltkrieg: erst Verbündeter, dann zum Glück abgebrochener Sozius am Motorrad der Scheiße.

Danach: Adriaküste, Urlaubsparadies Nr. 1 und Rimini fest in deutscher Hand, lange bevor eine gewisse Balearen-Insel zur Gummipuppe deutscher Partywut gemacht wurde.

Die italienische Küche: nach anglo-amerikanischer Popkultur der wohl größte Einflussfaktor auf die deutsche Alltagskultur in der Nachkriegszeit.

Und nicht zuletzt: der Fußball. Trotz der magischen Nacht von Rom (8.7.1990 n.Chr.) erscheint das Wehklagen der Engländer ob der Unbesiegbarkeit der DFB-Auswahlen lächerlich im Vergleich zu dem, was die Italiener mit den Deutschen in WM- Endrundenspielen anzustellen pflegen: fünf Duelle, fünf Siege!

ANGSTGEGNER nennt man so etwas für gewöhnlich.

Ungeachtet aller kulturellen Halbverbundenheiten: gäbe es so etwas wie ein Ranking der in Deutschland aktuell unbeliebtesten Fußballnationen, die Italiener hätten hervorragende Chancen, den Holländern und Engländern und so weiter klar den Rang abzulaufen! Seit dem unverzeihlichen Beenden des gar herrlichen Sommermärchens 2006 n.Chr., als die Squadra Azzurra die Mannen um Sönke Wortmann und damit eine ganze Partynation ins Tal der Tränen schoss, anschließend auch noch die Frechheit besaß, trotz mäßiger und unattraktiver Leistungen Weltmeister zu werden (so etwas sieht man als Deutscher natürlich gar nicht gern, geht überhaupt nicht im Fußball sowas), seit dieser ganzen Geschichte also wird hierzulande wieder des Öfteren eine politisch eher unkorrekte Bezeichnung für Menschen italienischer Herkunft bemüht, gerne auch in Kombination mit der Vorsilbe ,,Scheiss-„.
Dabei galt und gilt gerade im Süden Deutschlands eine gewisse Italien-Affinität stets als fancy und erstrebenswert. Doch selbst hier, zwischen der ,,Breisgau-Toskana“ und den entlang und südlich des Limes gelegenen ca. 479 ,,nördlichsten Städten“ Italiens, ja selbst im stets sonnenbebrillten Monaco di Bavaria ist man den Bewohnern des Stiefels (Floskeln, Floskeln, schalalalala!) nicht mehr ausgesprochen wohl gesonnen.

Ganz im Gegenteil: da wurde anläßlich der Feierlichkeiten auf dem Marienplatz zur hoch verdienten Vize-Europameisterschaft im Vereinsfußball vor wenigen Wochen nicht nur der FC Internazionale Mailand des fäkalen Geartetseins akustisch bezichtigt, sondern auch gleich das ganze italienische Volk.
Nix war mehr mit ,,Bello impossibile“, wie noch zu Luca Tonis Zeiten.

Und so bleibt festzuhalten: Italien ist für Deutschland so etwas wie der heimlich bewunderte und immer etwas coolere Freund, der trotzdem nicht davor zurück schreckt, einem die Mädels auszuspannen.
2. EinsNull-NullNull-ZweiNull. Jede andere Einschätzung wäre naiv! Oder höchst blamabel, denn neben Spanien dürfte Italien die vermeintlich leichteste Gruppe aller Top-Teams erwischt haben. Wie immer ist der Squadra Azzurra alles zuzutrauen, egal ob eine Niederlage gegen Neuseeland oder ein taktisches Totschweigen jedes Gegners, und sei er auch noch so gut. Eine alte Weisheit besagt: wer gegen Italien nicht mindestens 2:0 zur Pause führt, der geht so gut wie nie als Gewinner vom Platz. Wem aber ist so etwas in der Vorrunde zuzutrauen? Den kampfstarken Neuseeländern? Mmh. Den unangenehmen Slowaken samt ihres ,,Best-of-2.Bundesliga“- Sturms? Mmh. Der freundlichen Wundertüte Paraguay? Mmh.

Italien wird Gruppensieger, im Achtelfinale gibt€™s entweder die Neuauflage des Viertelfinals von 1990 gegen Kamerun oder ein wohl weitaus spannenderes Duell gegen kompakte Dänen.

3. Auf Grund der Nichtteilnahme Schwedens dürften die Italiener in der Gunst der Brigitte– und freundin-Leserschaft unangefochten auf Platz 1 stehen. Toll! Aber mal ehrlich: traditionell ultralangweiliger Spielstil, hinten gar keine Tore kassieren und vorne fast genauso wenige erzielen, diese aber dann meist mit derart hanebüchener Theatralik bejubeln, als hätte einen der Leibhaftige himself von Blindheit, Ausfluss und Impotenz gleichzeitig befreit, nein: das ist nicht sympathisch.

Zudem tritt Italien (schon wieder) mit einer gefühlten Rentnertruppe an, wie sie sich Berti Vogts in seinen versautesten Träumen nicht auszumalen gewagt hätte. Der jüngste Spieler im Kader ist Bonucci mit 23 Jahren, Respekt! Das kommt davon, wenn die komplette Jugend in Berlin-Friedrichshain rumhängt und säuft (wobei Spanien, Frankreich und England durchaus Nachwuchsspieler in ihren Reihen haben!).

Fazit: Die Ü23 der WM düdelt sich wahrscheinlich wieder irgendwie ins Viertelfinale. Zu Italien halten kann man, Freunde in den heimischen Biergärten wird man sich damit sicher nicht machen, aber auch keine ernsthaften Feinde. Falls doch: ab in die nächstgelegene Pizzeria.

Parakei/Slowaguay

1. P. und S. haben so unglaublich viele Gemeinsamkeiten. Beide Länder beginnen nicht mit Z. Beide Länder liegen nicht in Nordostafrika. Beide Länder wurden nicht Opfer von Homer Simpsons ,,U R (u) Gay“-Witzes. Beide Länder haben eine Einwohnerzahl von exakt 5,5 Millionen Menschen. Gut, in P. sind es 6,4 Mio., aber wer es mit so etwas genau nimmt, der hängt sich auch Zitate aus ,,Momo“ und ,,Der kleine Prinz“ an die Zimmertür!

,,Antideutsch“ mutet an P. und S. wenig an. In P. gilt Deutsch inoffiziell als dritte Landessprache, fünf bis sieben Prozent der Pschen Bevölkerung sind deutschstämmig und von 1954 bis ’89 gab ein gewisser Alfredo Stroessner den Präsidenten und Diktator des Landes (Quelle: youporn.at). Zudem sei an dieser Stelle an jenen gähnend sonnigen Samstagvormittag im Juni 2002 erinnert, als P. der DFB-Elf im WM-Achtelfinale sparringspartnerlike ebenso ein 0:1 abtrotzte wie später die Fußballgiganten USA und Südkorea. Widerstand sieht anders aus.

Auch S. war erstmals von 1939 bis 1945 (ui!) als ,,autonomer Staat“ existent, ,,faktisch als Satellitenstaat des Großdeutschen Reiches„. Soso.

2. P. und S. zählen zu den Hamit Altintops der WM, das heißt sie fallen unter die Kategorie Ergänzungs- und Ersatzmannschaften. Kaum einer würde ob der Abwesenheit besagter Teams ein Tränchen vergießen. Dennoch gilt ein spannender Kampf zwischen P. und S. ums Erreichen des Achtelfinales als wahrscheinlich. Möglicher Vorteil P.: die vermeintliche Überlegenheit des deutschen Sturmtrios Santa Cruz, Barrios und Valdez gegenüber dem deutschen Sturmtrio Jendrisek, Sestak und Vittek. Möglicher Vorteil S.: die technisch versierten Unannehmlichkeiten, die jedem -nicht ganz auf auf der Höhe seiner Möglichkeiten spielendem- Gegner den garaus machen können. Kühne Prognose: eine der beiden Mannschaften erreicht das Viertelfinale.

3. Gut, P. hat jenen Protagonisten eines extremst wortwitzigen Liedes einer Münchener Gitarrenpop-Band in seinen Reihen, ob dessen erstaunlicher Unverletztheit man die angebliche Härte des Britischen Fußballs ernsthaft bezweifeln darf. Und der zudem der hübscheste Boy im gesamten Turnier sein dürfte. Auch als BVB-Fan muss man ja beinahe Sympathien für dieses Team hegen.

Anders dagegen auf Schalke: mit wohlwollender Skepsis sollten hier die Auftritte Erik Jendriseks in Augenschein genommen werden, der, immerhin als amtierender Fast-Torschützenkönig der 2. Liga, nächste Saison mit Königsblau die Champions-League in Angriff nehmen wird. Ansonsten ist eigentlich nicht viel los mit der S..

Fazit: Zu P. und/oder S. zu halten bringt so wenig, daß es schon fast wieder was bringt.

Mittelerde

1. Nun, was weiß man über Neuseeland? Außer dass es Drehort der Herr-der-Ringe-Trilogie war, dass es da gaaaanz viele Mähmähs gibt und ganz viele frischgebackene Abiturienten, die, anstatt wie anständige junge Menschen Zivildienst oder FSJ zu machen, unter dem Vorwand der Selbstfindung avocadobäuchig und besoffen aus Australien herüberjetten, um sich einmal in anderer Umgebung ,,Gedanken über die Zukunft“ machen zu können?

Neeein: da ist zuallerst natürlich die Legende: Wynton Rufer! Was sind da der Worte noch nötig? Selbst der dumme arrogante Christoph Bräu, damals in der E-Jugend (TSV 1880 Wasserburg), wollte, obgleich dummer arroganter Bayern-Fan, stets die Nr. 11 auf seinem dummen arroganten Rücken tragen, ,,wegen Wynton Rufer“.

Aber antideutsch ist das nicht.

Ebensowenig ,,die“ Landschaft: das Auenland sieht aus wie die Gegend um Freiburg im Hochschwarzwald. Der Rest sieht halt auch irgendwie aus.

Historisch: immer so ein bißchen UK, kennt man ja.

Insgesamt also: eher vernachlässigbarer Antideutsch-Faktor, weil ein bißchen auch nicht viel bringt.

2. Wales und Nordirland sind nicht dabei, Neuseeland wird seinen fußballerischen Artgenossen ein würdiger Vertreter sein. Alles darüberhinaus gehende wäre eine Überraschung. Man wird sich nicht blamieren, man wird dagegenhalten, aber Achtelfinale? Mäh.

3. Neuseeland, werden jetzt vielleicht viele sagen, Neuseeland ist halt so etwas wie Australien in ein bißchen schlechter. Und ohne dieses latente 40-Grad-im-Schatten-Surfer-Image. Dafür aber rustikaler, starlos und möglicherweise schienbeinschonerstrapazierend. Neuseeland ist wie Schottland. Schottland ist cool.

Fazit: Neuseeland ist unbedingt zu unterstützen, so wie weiland Aachen im Uefa-Cup.

Bei der WM-Auslosung ist es zu einem kleinen Fehler gekommen. Gruppe G müsste eigentlich Gruppe F sein. Bei uns erscheinen die Gruppen in ihrer richtigen Reihenfolge; um Missverständnisse zu vermeiden bleiben wir aber bei der offiziellen Bezeichnung der Fifa. Hier also Gruppe G vom wunderbaren Hepe.
Bonde

Gruppe G

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Brasilien

1. Wenn es irgendetwas gibt, für das man Brasilien schätzt, dann ist es die Fußballbegabung seiner Einwohner. Weit abgeschlagen folgen weiße Strände, Tropenwälder und der Karneval in Rio, bekannt aus den jährlich wiederkehrenden Tagesschau-Clips, in denen hemmungslose Frauen dem geerdeten Germanen nackt ins Wohnzimmer tanzen und ihm von ausschweifenden Orgien und leicht zu habender Liebe erzählen. Ganz blanco sind die Frauen zwar nicht, und vielfach finden deutsche Männer, man hätte an der Copacabana einen zu dicken Boppes. Trotzdem, die Fantasie wird angeregt, und der ein oder andere wird allein wegen des Karnevals insgeheim ein kleiner Brasilienfan.

Den Rest des Jahres übt man sich aber in Skepsis – zu sehr wird bewusst, dass auch Brasilien nicht mit dem Grad unserer Zivilisiertheit mithalten kann. Was den Südamerikanern nämlich immer noch abgeht: pünktlich zum Trainingsauftakt auf dem Platz stehen! Im Winter ohne Handschuhe spielen! Mal diese ganze Jesus-Kacke nachlassen! Abstiegskampf! Man kennt Ailton, einer zum Lachen und Gernhaben, aber eben mit wenig Gehirn und ziemlich dämlich. Typisch auch, dass er wie alle brasilianischen Fußballer kein Gefühl für Geld hat und seine Milliönchen darauf verwendet, zuhause riesige Sippschaften zu versorgen. In deutschen Kleingartenkolonien wird darüber nur mit dem Kopf geschüttelt. Festzuhalten ist aber, und darum geht es ja, dass man mit aufrichtiger Bewunderung rechnen muss, wenn Brasilien tollen Fußball spielt. Die Deutschen haben die Jungs vom Zuckerhut auf dem Zettel, gönnen ihnen die ein oder andere Niederlage. Etwas in ihnen will, dass Brasilien sich dennoch für die Ausscheidungsphase qualifiziert. Das gehört einfach zu einer anständigen WM. Deshalb: Übermäßiges Bejubeln brasilianischer Tore bringt keine Topwerte auf der Schadenfreude-Skala.

2. Einzelkönner haben sich in Brasiliens WM-Kader rar gemacht. Keine Ronaldos, Ronaldinhos und Rivaldos: Der einzig echte Popstar ist Kaká. Der hat eine maue Saison bei Real hinter sich und gibt formschwach den Hoffnungsträger. Weltklasse ist in der Offensive noch Luis Fabiano (Sevilla). Der Rest, aus dem neben Fabiano vermutlich noch Citys Ex-Millionen-Onkel Robinho herausstechen wird, kann guten Fußball spielen (abgesehen von Julio Baptista und abgesehen auch von Robinho, dem alten Blender), Grafite und Jo-Sue aus der Autostadt werden trotzdem kaum zu WM-Helden aufsteigen. Insgesamt also relativ mäßiges Torpotenzial.

Und doch wird Brasilien Weltmeister! Man konnte sich das irgendwie schon denken, als Naldo nicht nominiert wurde. Hinten stehen Dani Alves, einer Hyäne nicht unähnlich, Maicon (2*4 Meter), Lucio, Cesar (die letzten drei von Inter Mailand) und noch einige mehr. Krasse Verteidung. Besonders Alves: Schießt wie Anderbrügge, kämpft wie Daun, rennt wie Overmars! Er spielt normalerweise rechts hinten (so wie auch Maicon), läuft und flankt und schießt aber quer durch alle Verbände. Maicon hat das nicht nötig, macht bloß „Buh“. Meine Prognose: Wenn das hinten läuft, kriegt die Albicel.. Selecao kein einziges Gegentor.

3. Fazit:
Brasilien als Weltmeister? Die Mehrheit der Deutschen kennt das schon und wäre nicht überrascht geschweige denn empört, wenn es wieder passieren würde. Keine gute Wahl!

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Elfenbeinküste

1. Afrika halt, und damit in Deutschland als Exot geführt. Nicht auszuschließen, dass weite Teile mit der Elfenbeinküste sympathisieren würden, wenn Erfolg in Aussicht steht. Das ist natürlich nur eine rein oberflächliche Zuneigung, reicht aber aus, um die Côte d’Ivoire als potentiellen anti-deutschen Liebling von der Liste zu streichen. Stars wie Drogba & Co. dürften dafür gesorgt haben, dass man die Elfenbeinküste hierzulande als zivilisiertere Gegend von Afrika wahrnimmt. Was das Land selbst betrifft, weiß ich von nichts. Man munkelt, es wird auch heute noch viel Elfenbein abgebaut. Ich persönlich finde das in Ordnung. Bemerkenswert, dass im Land die Benutzung einer anderen als der offiziellen Bezeichnung „Côte d’Ivoire“ unter Strafe verboten ist. Auch damit gehe ich d’accord, ist schließlich ein schöner Name.

2. Die Elfenbeinküste gehört gefühlt seit 1876 zu den WM-Geheimfavoriten. Mit Geheimfavoriten verhält sich das so wie mit den ewigen Talenten: Für gewöhnlich scheitern sie kläglich beim Versuch, die an sie gestellten Erwartungen zu erfüllen. Die Elfenbeinküste wird da dieses Jahr keine Ausnahme machen. Zugegeben, unter den afrikanischen Teams haben sie die namhafteste Abwehrreihe, darin inbegriffen Kolo Touré (City) und Emannuel Eboué (Arsenal). Im Mittelfeld sind Yaya Touré (Barca) und Romaric (Sevilla) bekannt, im Sturm Gervinho (Lille), Drogba und Kalou (beide Chelsea). Zumindest Eboué, Yaya Touré und Kalou sind bei ihren Vereinen jedoch meistens – Obacht – Edelreservisten, also nicht allzu überragend. Drogba ist mangels Anspielen wesentlich ungefährlicher als bei Chelsea, sodass es für Nordkorea, nicht aber für Portugal und Brasilien reichen wird.

3. Fazit:
Überschätzt, fliegt in der Vorrunde raus. Daumen drücken bringt nix!

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Nordkorea

1. Nordkorea ist Kim Jong-il, und Kim Jong-il ist eine coole Socke. Er trägt die Sonnenbrille so, wie sie Ultras erst in Jahren tragen. Er sorgt für fette Choreos und ist Ehrenbürger der Provinz Los Lios in Ecuador, was von uns, so meine ich, noch keiner geschafft hat. Dass seine vierte Olle Kim Ok heißt, verstärkt den Eindruck, dass unser Kimmi ein echter Pfundskerl zu sein scheint.

Zugegeben, Nordkorea könnte mal ein bisschen Tino Polster gebrauchen. Ein neuer Anstrich würde gerade den verstaubten Atombomben gut zu Gesicht stehen und Nordkorea dabei behilflich sein, sich des Graue-Maus-Images zu entledigen. Auch hier muss man aber feststellen: Kim sieht das anders, und wenn er das anders sieht, geht der Trend mit ihm. Keine aufgesetzte Marketingkampagne, die Nordkorea mit Papagei III zu einer hippen Marke macht. Stattdessen setzt Kim Jong-il auf Taepodong-2, einem ehrlichen Produkt aus eigenem Hause. Ist ihm mit dieser grundsoliden Einstellung die Sympathie der deutschen Bevölkerung sicher? Ich meine: Ja, denn Nordkorea bietet als Weltaußenseiter ein aufregendes Gegenmodell zum herkömmlichen Westprinzip. Viele werden sich deshalb ins Fäustchen lachen, wenn es in der Vorrunde gelingt, einen oder mehrere fest eingeplante Punkte der Favoriten zu stibitzen.

2. Tja. Ahnt man nicht! Fast alle spielen daheim, bei Spaßtruppen wie der „Sporttruppe 25. April“ oder lustigen Terrorzellen wie der „Sportgruppe Amrokgang“. Wikipedia weiß außerdem, dass drei Spieler des aktuellen Kaders im Ausland spielen: einer in Russland, zwei in Japan (einer davon bei Kawasaki Frontale! Zeit, mal wieder eine Ultragruppe zu gründen, diese Namen lassen einem ja das Wasser im Mund zusammen laufen).

Trikots gibt es nicht zu kaufen, weswegen man auf den mitteleuropäischen Straßen auch kein Gefühl dafür bekommt, wer der Star der Mannschaft sein könnte. Mein Gefühl sagt mir: Hong Yong-jo (der Russe) ist ein gefährlicher Flügelspieler, kann aber leicht Abseits gestellt werden. Er neigt dazu, in der Halbzeit ein Nickerchen zu halten, ist deshalb in den ersten fünf Minuten der zweiten Halbzeit leicht zu verteidigen, danach allerdings ein steter Unruheherd. Pak Nam-chol ist die Schwachstelle der löchrigen Abwehr und leistet sich auf der linken Innenverteidigerposition immer wieder leichte Abspielfehler. Ihm zur Seite steht Pak Nam-chol, von dessen fußballerischen Qualitäten wenig bekannt ist, da eine Personensuche bei Google nur Berichte und Bilder von den riskanten Querpässen seines Partners in der Innenverteidigung liefert. Ebenso gespannt darf man auf Pak Chol-jin sein, der die linke Außenbahn beackert und es versteht, technische Defizite durch taktische Stellungsfehler auszumerzen. Pak Chol-jin heißt übersetzt „Hau die Flanke rein“. Seit nunmehr zwölf Jahren lässt Werder Bremen ihn beobachten, nachdem ihn Pierre Littbarski, ein Kenner der Szene, wärmstens empfohlen hatte. Nam Song-chol komplettiert die Viererkette auf der rechten Seite. Er ist ein harter Hund und liebt besonders das Spiel ohne Ball. Insgesamt ist Nordkoreas Abwehr, abgesehen von den schludrigen Eskapaden eines Pak Nam-chol, eine Bank. Schaffen es Mittelfeld und Sturm aus dem großen Unbekannten über die Mittellinie, liegt eine realistische Platzierung im Bereich des Möglichen.

3. Fazit:
Keine Chance, aufgrund des Außenseitermodus viel zu beliebt.

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Portugal

1. Geht pleite und wird entsprechend bald den Zorn der BILD auf sich ziehen, wenn nicht ohnehin schon geschehen. Die südeuropäische Einstellung zu Arbeit ist hier hinlänglich bekannt. Ich würde behaupten, der gemeine Deutsche wähnt den Portugiesen irgendwo zwischen Armut und Strand, sprich in einem eigens verschuldeten Dilemma. Ressentiments sind aufgrund der großen Entfernung ansonsten eher spärlich gesät, was eher an Unwissenheit und Ignoranz denn an Wohlwollen liegt. Stoßen kann man sich höchstens an Christiano Ronaldo, den mehr als 75% der hiesigen Bevölkerung getrost als „Lackaffen“ bezeichnen würden. Das macht Portugal zu einem interessanten WM-Teilnehmer. Schließlich geht es um Dinge, die der deutsche Fußballfan so gar nicht abkann. Christiano Ronaldo gehört definitiv dazu.

2. Auch wenn ich das selbst ungern zugebe (siehe oben, 75%), ist _CR9_ Weltklasse. Er ist schnell, robust, hat eine perfekte Technik, einen bemerkenswerten Abschluss und enormen Drang zum gegnerischen Tor. Seine Neigung zum fußballerischen Egoismus teilt er normalerweise mit Nani (ManU), der verletzt ausfällt, und Liedson (Sporting Lissabon). Letzterer ist übrigens Hugos erster Konkurrent im Sturm. Apropros Hugo: Ich glaube nicht, dass er irgendwann einmal Spuren von Bedeutung hinterlassen wird. Vermutlich wird er bei dieser WM zwei Tore als Einwechselspieler schießen, für ihn ein kleiner Erfolg. Bei Portugal noch zu nennen sind Simao (Atletico), für den das Wort „filigran“ überhaupt erst erfunden wurde, Deco, Carvalho (beide Chelsea) und Pepe (Real), den ich bei Gelegenheit gerne nochmal ein paar Sachen fragen würde. Sportliches Abschneiden auf den Punkt gebracht: Hält die Abwehr, Viertelfinale, höchstens Halbfinale!

3.Fazit:
Kommt drauf an, wie gerne ihr Ronaldo mögt. Kann man machen.

Nachdem mein Antrag, die WM um vier Tage nach hinten zu verlegen, abgelehnt wurde, geht es doch heute schon mit Gruppe E weiter. Tolle Gruppe! (Die anderen Gruppen und das ganze Tralala findet Ihr hier, und da kommentiert Ihr bitte auch.)

Mit der Gruppe E verabschiedet sich auch Euer Moderator Peter Bonde von Euch, die drei weiteren Gruppen werden von Experten betreut, und ich melde mich anschließend mit einem Fazit zurück!

Gruppe E

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Niederlande

1. Die Niederlande sind ein ganz, ganz mieser Flecken Erde. Erst schön einen auf dicker Kolonist machen, und dann – wenn es um was geht, Stichwort Weltkrieg – die Schweizer Karte ziehen und sich aus dem Staub machen. Ich kriech das Kotzen ey!

Über das 17. Jahrhundert weiß Wikipedia:

Die Republik wurde von einem Patriziat (Regenten) – bestehend aus wohlhabenden Bürgern und Adeligen, welche schon im ausgehenden Mittelalter in die Städte einwanderten – regiert und nicht von einem König oder hohen Edelleuten.

Na toll, das ist ja ein feines Völkchen, wo das Geld regiert anstatt derjenigen, die rechtmäßig das Sagen zu haben hätten. Wundert hier jetzt auch keinen, dass die damals auch New York gegründet haben, erstmal unter einem Tarnnamen natürlich, is klaaa.

Aber das war noch gar nicht das Schlimmste! Im Ersten Weltkrieg waren die Niederlande auf folgender Seite aktiv: GAR KEINER! Ich werd bekloppt! Einfach schön neutral abgewartet, zwischendrin zynischerweise noch einen Kartoffelaufruhr (echt jetzt! googlets!) inszeniert und am Ende, am Ende haben sie den Kaiser Wilhelm Zwo direkt unter Vertrag genommen, den Kriegstreiber, und in Deutschland schön Platz für Hitler geschaffen, auch wenn Historiker das natürlich heute wieder anders bewerten, ist ja klar, logisch. Hier lest Ihr aber trotzdem die Wahrheit!

Dann: Zweiter Weltkrieg. Na, was machen die berglosen Idioten? Genau: wollen wieder einen auf Schweizer machen, klappt aber diesmal nicht. Also doch einmal kämpfen, sogar gegen die Richtigen, aber bitte nicht länger als drei Tage. Ja, drei Tage, meine Güte, haben die damals schon mit leeren Bierflaschen geworfen und Lieder gesungen? Lappen. Anschließend haben sich 60.000 Holländer freiwillig für die Waffen-SS gemeldet. Früher hat man das mal verurteilt, bevor es mit Günther Grass ein Kavaliersdelikt wurde, naja.

Wie kommen also einige Leute darauf, dass Holland antideutsches Potenzial hätte, hä? Durch die ganze liberale Kacke, die ihnen in den letzten Jahren längst um die Ohren geflogen ist? Durchs Kiffen? Da lach ich doch über!

So, jetzt war ich eigentlich fertig, aber dieser Internationale Gerichtshof, der ist auch scheiße!

Also worum kann es nur gehen, wenn man die Niederlande gegen den deutschen Furor in Stellung bringt? Um Fussek, logisch. Aber ist Fußball wirklich wichtig? Natürlich, natürlich. Und dann hat der Rijkaard auch noch dem Völler in die Haare gespuckt. Das war, symbolisch, die größte Demütigung, die deutsche Hausfrauen jemals hinnehmen mussten. Wie dieser dunkelhäutige Holländer der Tante Käthe in die Haare spuckt! Großer Sport, zugegeben. Aber: Stimmt das denn auch? Ist Spucken nicht viel mehr die widerlichste Respektlosigkeit, die man einem anderen Menschen gegenüber zeigen kann, ohne Gewalt anzuwenden? Denkt da ruhig mal drüber nach, mit Eurer behinderten Rijkaard-Jugend, meineherrennocheins!

Bleibt die Abneigung, die in Deutschland gegenüber den Holländern gepflegt wird. Halb so wild, sag ich! 48% der Berliner glauben, dass die Niederlande ein Bundesland der BRD wären, zumindest schätze ich das. Damit steht das Land kurz vor einer freundlichen Übernahme durch Völkerverständigung und sanften Nationalismus. Holland ist das neue Österreich.

2. Puh, die sind natürlich schon ganz gut, Mittelfeld und Sturm sind Weltklasse, die Abwehr auch nicht schlecht, und wahrscheinlich verstehen die sich auch noch alle gut und spielen gut zusammen, alles tutti also, wie der Italiener nicht sagt. Robben ist noch verletzt, das muss aber nicht so bleiben.

3. Boulahrouz, Mathijsen, v.d. Vaart, de Jong, Elia.

Dazu noch Robben, der sein ewiges Gemecker und Geflenne leider trotz Topleistungen nicht wieder gut machen kann. Ich finde die scheiße, auch ihr Operettenpublikum nervt, obwohl die Trikots toll sind.

Fazit:
Bis mir das mit den ganzen HSVern aufgefallen ist, wollte ich eigentlich für Holland sein. Naja, hatte sich dann halt erledigt. Möchte mich aber für meine Ausfälle oben entschuldigen und sagen, dass ich wahrscheinlich doch auch für Holland bin.

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Dänemark

1.

Den ganzen Tag aufs Meer rausstieren
ab und an mal klimakonferieren –
so leben Dänenfrau und Dänenmann
dass man sich nicht beklagen kann.

Der Däne ist lustig, er karikiert –
und der Islamist, der ist pikiert.
Doch bleibt Dänemark froh und frei
trotz so mancherfrecher Axterei.

Die Löhne sind hoch in diesem Staat,
sieht neidisch der deutsche Sozialdemokrat.
Dem ne Mark und dem ne Mark,
Ganz Dänemark ist Freizeitpark.

Gegen Deutschland regt sich
hier nichts, man wohnt fast in Schleswich.
Nein, hier ist nichts faul, hier liegt keiner und bräunt sich
so wird man Europameister, Neunzehnzweiundneunzich.

Epilog:

Maria, Maria, wo bist Du geblieben?
– „Ich bin in Dänemark, bis viertel vor sieben!“

2. Dänemark ist ein böhmisches Dorf, nur viel größer. Für mich. Wahrscheinlich sind sie ziemlich gut, schließlich haben sie die Qualifikation vor Portugal beendet. Der Kader aber ist Mittelmaß mit ein paar Ausreißern. Daniel Jensen kuriert professionell Verletzungen bei Werder Bremen aus, könnte nun also vielleicht fit und in Form sein, dann ist er ziemlich gut. Im Sturm spielt der Superstar, Nicklas Bendtner von Arsenal London, aber auch Sören Larsen vom – Zebrastreifen weiß und blau! Ein jeder weiß genau! Das ist der M S V! Duisburg. Zweite Liga.
Liverpool, Turin und Wolfsburg sind auch vertreten, ein gewisses Niveau wird also erreicht. Das Achtelfinale ist auf jeden Fall drin, angesichts eines Gegners aus Gruppe F auch das Viertelfinale, und dann ist sowieso alles möglich.

3. Toll, die Dänen. Die kann man nur gut finden, was 82 Millionen Deutsche denn auch tun. Insofern ist keine Abgrenzung zu machen, aber muss ja auch nicht. Danish Dynamite, das klingt wie Göttingen Supertigers, geht aber auch als witzig durch.

Fazit:
Dänemark fühlt sich gut an, sympathisieren erlaubt, küssen verboten.

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Japan

1. Japan ist ein bisschen wie ein Psychopath, den man sympathisch und lustig findet, solange er keine Menschen umbringt. Alles ist WTF und OMG. Dabei können die Japaner selbst ihre irren TV-Sendungen gar nicht angucken, weil sie entweder gerade arbeiten oder Selbstmord begehen, damit sie nicht mehr arbeiten müssen. Japan ist trotz oder wegen der ganzen Arbeit und Disziplin tiefer verschuldet als die Redaktion von verbrochenes.net.

Bevor wir hier jetzt lange über Sushi und die ganze Klischeescheiße reden, eine Abkürzung: Arbeit und Krieg waren die Eckpunkte der japanischen Politik, bis amerikanische Atombomben dem Krieg seinen guten Ruf versaut haben. Bis dahin wurde fröhlich in allen Ecken Ostasiens gemordet und gemetzelt, weit weg von Europa und doch schließlich mit denselben Gegnern wie das Deutsche Reich. Interessanterweise haben wir dann in der Schule alle gelernt, wie schlimm die Atombombenabwürfe waren, wieviele Opfer sie hatten, wie unnötig sie waren und was die Amerikaner für Drecksäcke sind. Die Solidarisierung der Deutschen fand also auch Jahrzehnte später noch statt. Erhellendes über den Krieg im Pazifik könnt Ihr hier lesen.

2. Wer in der vierten Qualirunde mit 15 Punkten weit hinter Australien (20) liegt, kann so stark nicht sein. Im Kader befinden sich ganze drei Legionäre, einer spielt in Wolfsburg. Bei einer WM kann man immer mal Glück haben, und am Einsatz wird es bei den Japanern nicht mangeln, aber das Achtelfinale ist unwahrscheinlich, das Viertelfinale schon unmöglich. Der Stil der Japaner ist schrecklich, wenn ich „Laufbereitschaft“ nur höre, wird mir ganz anders.

3. Es gibt ja Leute, die mögen Japan und seine von ihnen dann etwa als „ausgeflippt“ beschriebene Kultur. Der ferne Osten ist naheliegenderweise Projektionsfläche für Fernweh und Realitätsflucht, und Japan bietet tatsächlich viele Dinge, die man auf Englisch als „outlandish“ bezeichnen würde. Aber meine Sache ist das nicht.

Fazit:
JAPAN NAZIS MUST DIE!

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Kamerun

1. Das hier ist der erste deutschsprachige Text über eine WM-Teilnahme Kameruns, in dem Roger Milla nicht erwähnt wird. Kamerun war deutsche Kolonie, bis es im Ersten Weltkrieg an die Franzosen und Briten fiel. Die großen Massenmorde in Afrika, die das Deutsche Reich begangen hat, geschahen allerdings woanders.

Wie es damals zuging, lässt sich in zwei Bildern beschreiben:

Ein Vorschlag für eine neue Flagge Kameruns.

Gouverneur Jesko von Puttkamer

In Kamerun weiß man also, was es heißt, sich von bunt geschmückten quasi-Neanderthalern in deutscher Sprache herumkommandieren zu lassen. Deshalb gilt den Genossen schon einmal volle Solidarität. Auch den Umgang mit Winfried Schäfer muss man loben, obwohl einige seine Einstellung kritisiert haben. Nur so hatte man aber die Möglichkeit, das Arschloch zu entlassen. Kamerun hat es natürlich schwer, ist selbstverständlich bitterarm, aber augenscheinlich geht es dort nicht so finster zu wie anderswo, und deshalb hat Kamerun von mir ein klares Ja.

2. Die Mannschaft ist solide, mit einem Superstar: Samuel Eto’o. Er ist easily einer der erfolgreichsten noch aktiven Spieler:

* UEFA Champions League: 2006, 2009 (FC Barcelona), 2010 (Inter Mailand)
* Goldmedaille beim Olympischen Fußballturnier: 2000
* Afrikameister: 2000, 2002
* Weltpokal: 1998 (Real Madrid)
* Copa del Rey: 2003 (Mallorca), 2009 (FC Barcelona)
* Spanische Meisterschaft: 2005, 2006, 2009 (FC Barcelona)
* Italienische Meisterschaft: 2010 (Inter Mailand)
* Italienischer Pokalsieger: 2010 (Inter Mailand)

Wenn auch der Rest der Mannschaft ein paar gute Wochen erwischt, kann Kamerun ebenso wie Dänemark aufs Achtelfinale und mehr hoffen. Durch die Qualifikation sind sie jedenfalls durchspaziert. Trainer Paul Le Guen war früher bei Olympique Lyon und hat der Redaktion so die wahrscheinlich schönste 2:7 Auswärtsniederlage aller Zeiten beschert. Ich hatte Spaß.

3. Ja, es gab die Trikots ohne Ärmel. Ich will da gar nichts schönreden, aber man muss auch mal vergessen können! Und der Spitzname „Die unbezwingbaren Löwen“ ist nicht albern, sondern authentisch.

Fazit:
Als Opfer des deutschen Kolonialismus verdient Kamerun Solidarität, aktuellere Befunde sprechen sanft für Kamerun. Kann man mal gutfinden!

Die immer weiter steigenden Mieten in den Berliner Innenstadtbezirken führen jetzt zu einem neuen Trend. Nachdem auch die in Amerika üblichen Trailer Parks für Wohnwagen vielen Menschen zu teuer sind, nimmt das städtische Wohnen ganz neue Formen an:

Zynischerweise heißt dieses Modell der neuartigen Wohndecken auch noch „Villa“, der blanke Hohn für die Menschen, die ihre schnucklige Wohnung im Prenzlberg gegen eine solche Decke eintauschen mussten und von einer echten Villa nur träumen können. Mit einem Quadratmeterpreis von knapp 10 Euro bewegt sich die Wohndecke zumal auch preislich im Bereich der aufgewerteten Bezirke, sie ist halt nur viel kleiner.

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