Gruppe C

Wer noch nicht weiß, worum es hier geht, klickt bitte sofort hier jetzt mal drauf so mit der Maus und verpasst gar nichts. Wer kommentieren will – und Kommentare machen uns immer glücklich – tut das ebenfalls in jenem Ursprungseintrag.

Gruppe C

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England

1. In England gibt es sehr viele Ritter, sehr viel mehr sogar als in Deutschland, obwohl die hiesigen Ritter oft unter anderen Namen unterwegs sind, während ein englischer Ritter auch Ritter heißt. Obwohl es um das emanzipatorische Potenzial des Rittertums an sich in der Redaktion verbissene Diskussionen gegeben hat, sind sich alle einig, dass Drachentöten definitiv ein antifaschistischer Akt ist. Ergo steht der heilige Georg bei uns hoch im Kurs.

Wiki weiß: “Georg rettet die jungfräuliche Königstochter vor einer Bestie, dem Drachen, indem er diesen tötet.

Die Bildsprache ist klar: Die “jungfräuliche (!) Königstochter” sind wir, die ungeborene Redaktion von verbrochenes.net. Die “Bestie” ist der deutsche Nationalsozialismus, der von Georg, dem Bomber Harris unter den Rittern des Mittelalters, getötet wird. Die Rolle der Befreier ist also die historische Rolle der Engländer. Und so führt der Anblick des Georgskreuzes bei uns immer zu großer Freude, zu Feuerwerken der Emotionen.

Wo andere Blogs über Gentrifizierung schimpfen, zeigen wir immer wieder auf, wie das Problem gelöst wurde und wieder gelöst werden kann: Hamburgisierung (BE: hamburgisation, AE: hamburgization) war die große Tugendtat des zwanzigsten Jahrhunderts. Erst als die deutsche Volksgemeinschaft in Schutt und Asche lag, wurde allen klar: Gegen die Engländer ist kein Kraut gewachsen. Zu den Amerikanern kommen wir gleich noch, aber schon jetzt ist festzustellen, dass die echten Kriegshelden die Engländer waren.

Weil die Franzosen – soviel Chauvinismus ist hier jetzt aber auch mal erlaubt manmussauchmalwasaussprechendürfen! – einfach mal gar nichts taugen, sind die Briten der einzige Gegenpol zum deutschen Boden in Europa. Sie haben den ganzen Euroblödsinn nicht mitgemacht, weil sie ihre Geldpolitik nicht von den Krauts machen lassen wollen. Zu recht! Würden die Briten heute Finanzprobleme haben und Geld von der EU benötigen, die Antwort des deutschen Stammtisches wäre klar: “Die sollen sich erstmal für den Zweiten Weltkrieg entschuldigen, und dann sehen wir weiter!”

Nein, die Briten machen die ganze postnational getarnte deutsche Politik nicht mit, ihr Herz schlägt links. Vom Atlantik.

Auf den grassierenden Überwachungswahn, den furchtbar durchregulierten Fußball und das Essen wird hier aus naheliegenden Gründen nicht eingegangen.

2. Das Potential ist da, keine Frage. Alle Spieler aus dem englischen Kader spielen in der Premier League, die meisten bei einem großen Klub. Das war aber auch bei den letzten Turnieren so, genutzt hat es nichts. Im Sturm sieht es neben Rooney etwas mau aus. Dafür haben die Engländer endlich mal einen Torwart, der aussieht, wie er aussehen muss. Fabio Capello ist im Gegensatz zu Sven-Göran Eriksson ein Trainer, der nicht nur den Ruf eines Startrainers, sondern auch dessen Erfolge vorzuweisen hat. Somit rechnen wir fest mit einer deutlichen Leistungssteigerung der Engländer. Und natürlich kann es auch für den Titel reichen. Zunächst mal wäre ein Viertelfinalsieg im Elfmeterschießen gegen Deutschland ganz großartig. Come on, England!

3. England hatte mal eine aufregende Fußballkultur, und bei der Nationalmannschaft ist noch etwas davon zu sehen. Südafrika ist weit weg, trotzdem hoffen wir auf große Unterstützung für das Team aus England. Was war das schön, als die Fans aus Fulham den Hamburgern zuriefen “Who are ya? Who are ya?”. Ein weiterer Klassiker ist das “It was so fuckin easy!” nach schönen Siegen, und die Ten German Bombers sind längst Pop. Ebenso sorgen die englischen Hooligans, die in zahlreichen Filmen und Büchern in den letzten Jahren massentauglich vermarktet wurden, hier für einige Faszination. England ist im Fußball ein echter Gegner auf allen Ebenen.

Eigentlich wollten wir in der Zeit der WM nur noch Cockney sprechen, allerdings klingt das bei uns wie Lena Meyer-Landrut, was egal gewesen wäre, wenn die blöde Kuh standesgemäß Neunzehnte geworden wäre. Naja. Im englischen Teamhotel wird es wahrscheinlich sowieso eher wie bei Rosamunde Pilcher zugehen, und das steht uns auch gut. Lord Peter wartet in den Kommentaren bereits darauf, weitere Hintergrundinformationen zu liefern, zum Beispiel, warum das englische Team keine Nation vertritt. Da bin ich aber gespannt!

Fazit:
England ist ein naheliegender Favorit für die antideutsche Zuneigung. Das Sportliche stimmt ebenso, das Ästhetische auch. Das Einzige, was gegen England spricht ist, dass nichts gegen sie spricht. Hey, das ist mir jetzt zu verkopft!

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USA

1. Stop. Zurück zu England. England ist in Deutschland unbeliebt, keine Frage. Dabei treibt die Deutschen vor allem der Glaube, überlegen zu sein. Deutschland baut an Europa, und die Engländer, die Spalter, machen nicht mit, weil sie es nicht kapieren. England ist europäischer Nachbar und eigentlich ganz ähnlich, nur halt viel dümmer als Deutschland.

Anders sieht das antiamerikanische Ressentiment aus. Die USA sind nicht Nachbar und Kollege, sondern Gegner. Den Amis neidet der Stolzdeutsche ihre große Armee und die dadurch gegebene Möglichkeit, zu tun, was sie wollen. Auch wirtschaftlich sind die USA das deutlich stärkere Land, sie können sich dick und rund fressen vor lauter Wohlstand, und die Deutschen hassen das. Während deutsche Nationalisten also die Engländer scheiße finden, haben sie vor den Amerikanern Angst. Und obwohl die Briten schließlich der entschlossenste Gegner Nazideutschlands waren, waren es die Amerikaner und die Sowjets, die den Krieg am Ende gewannen.

Im Fußballkontext sieht das alles natürlich wieder ganz anders aus. Da haben die USA nichts zu melden, sind kein Gegner. Oder doch? 2002 spielten die US-Boys (sprecht das ruhig mal laut aus und nehmt es im kommenden Monat als Synonym für das amerikanische Team: US-Boys) Rudis Kartoffeln fast vom Acker, bis Michael Ballack zum obligatorischen 1:0 traf und Torte Frings den Ball mit der Hand von der Linie schaufelte. Ein kurzer Rückblick auf die Gegner der Deutschen bei jenem Turnier: Saudi-Arabien, Irland, Kamerun, Paraguay, USA, Südkorea, Brasilien. Gegen den ersten starken Gegner verloren sie prompt, gegen das restliche Fallobst in den K.O.-Runden war man das schlechtere Team und gewann trotzdem. Nur mal so reingeworfen jetzt.

Amerika ist das geilste Land in allen denkbaren Kategorien. Musik, Politik, Wissenschaft, Sport, Geographie, Wetter, Größe, Geschichte, Essen – alles! Und das wird auch so bleiben. Die deutsche Presse schreibt jeden Tag fünf Artikel darüber, warum Amerikas Abstieg begonnen hat und Europa (politisch) und China (wirtschaftlich) die Modelle der Zukunft sind. Nichts dergleichen wird passieren, denn Amerika ist dynamischer als das veralternde Europa, es passiert in New York jeden Tag mehr interessanter Scheiß als in allen deutschen Großstädten zusammen. Außer in Bremen, klar. In zwanzig Jahren ist Deutschland längst Peripherie, und die USA stellen den besten Fußballspieler der Welt.

2. Tun sie heute aber noch nicht. Scheiße. Dafür haben sie einen Helden in ihren Reihen, Clint Dempsey, der mit dem FC Fulham den HSV aus der Europa League warf. Guter Mann, ganz bestimmt. Der Rest des Kaders ist europäischer Durchschnitt, was aber – siehe Deutschland 2002 – bei einer WM durchaus auch mal fürs Finale reichen kann. Die Gruppenphase können sie auf jeden Fall überstehen, müssen sie, sollen sie, bitte bitte.

3. Ästhetisch, sympathisch – es sind die USA, goddamnit! Die Jungens sehen super aus, sind stets gut gelaunt und zum Finale kommt Obama. Es gibt da wirklich gar keine Bedenken!

Fazit:
Alles Granate, bis auf das Sportliche. Im Viertelfinale gehts wieder raus, und dann hat man den Salat. Den USA ist Erfolg unbedingt zu wünschen, sein Herz sollte man allerdings besser woanders hinhängen.

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Algerien

1. Algerien, der sympathische Mittelmeeranrainer, über den keiner irgendwas weiß! Algerien hat einen Präsidenten, der Bouteflika heißt und bisher nicht als Gangsterrapper unter dem Namen “Booty Flicker” aufgetreten ist. Aber was nicht ist, Ihr wisst schon. 90 Prozent der Bürger finden ihn gut, weshalb er sowohl beim HSV als Sportdirektor im Gespräch war, als auch als neuer Bundespräsident hoch gehandelt wird. Algerien ist sehr groß, größer als mehrere Blauwale hintereinander, und man trägt die Haare dort eher lang, Strähnchen werden nicht so gerne gesehen, sind aber unter einem Schleier oder einer Burka auch okay.

In Algerien ist Frankreich genauso beliebt wie in Deutschland, also Obacht. Dafür werden in Algerien aber keine Autos gebaut und kein Sauerkraut gegessen, immerhin. Hätte Algerien eine Südküste, wäre das der größte Strand der Welt. Wenn man einem Algerier mit dem Wortspiel vom Mittelmeer, an dem man keine Mittel mehr habe, kommt, reagiert er verwundert, weil er wahrscheinlich kein Deutsch kann. Dennoch sind die Algerier nicht als humorlos misszuverstehen, bei gutem Wetter wird auch mal gelacht.

Nicht so lustig war der Betrug, den die deutsche Volksgemeinschaft 1982 in Gijon an den Algeriern vorgenommen hat. Es besteht deshalb Grund zur Hoffnung, dass bei einem eventuellen Aufeinandertreffen mit den Deutschen die Fäuste zum Einsatz kommen. Das wäre toll.

2. Die sind total scheiße. Ein paar Algerier spielen in der Bundesliga, aber keiner bei richtigen Vereinen. Vorrundenaus. Eigentlich ist es ne Frechheit, dass die überhaupt antreten. Vielleicht überlegen sie es sich noch anders. Hoffentlich. Auch für das nationale Selbstwertgefühl wäre das gut. Jetzt reißt Euch mal zusammen, Ihr Algerier!

3. Nee.

Fazit:
Ohne Algerien wäre die Welt zwar kleiner – also angenommen, da wäre dann nichts, oder die Welt würde sich derart zusammenziehen, dass das Loch geschlossen würde und die Welt durch die Kontraktionen schrumpfen – aber nicht ärmer. Weil Algerien auch sehr arm ist. Naja. Nicht für Algerien sein, Freunde.

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Slowenien

1. Slowenien ist zur Hälfte mit Wald bedeckt worden, wodurch die einheimischen Menschen ihre Ablehnung der Moderne ausdrücken wollen. Diese Ablehnung schlägt natürlich auch auf die Politik des Landes durch. Aus dem jugoslawischen Vielvölkerstaat hat man sich früh verabschiedet und den anschließenden Einmarsch der jugoslawischen Armee in nur wenigen Tagen abgewehrt. Das war umso bemerkenswerter, als das slowenische Urvolk sich dabei nur Zwillen und Knüppeln bediente, was zu teils sehr hässlichen Verletzungen bei den would-be-Besatzern führte. Die gewonnen Unabhängigkeit wurde absurderweise einerseits mit dem Pflanzen der erwähnten Wälder, andererseits mit großen Lagerfeuern aus Holz gefeiert.
Dank soviel autochthonen Geschmurgels sind die Slowenier ein geliebtes Ziehkind des deutschen Hegemons geworden, sogar den Euro dürfen sie benutzen, sind in der Nato, der EU und in mehreren Ortsvereinen der al-Qaida vertreten.

2. Im entscheidenden Spiel haben die Slowenen Russland geschlagen, also so ganz mies können sie nicht sein, aber es war schon auch ein glücklicher Sieg mit zwei roten Karten für den Gegner. In der Qualifikationsrunde landeten sie hinter der Slowakei und vor Tschechien, Nordirland, Polen und San Marino. Ganz ähnlich also wie Deutschlands Gegner bei der WM 2002: Alles easy. Die Spieler kenne ich alle nicht, fast alles spielt sich etwa auf deutschem Zweitliganiveau ab.

3. Nicht zu bewerten.

Fazit:
Gegen die Slowenier kann man schwerlich etwas haben, aber in dieser Gruppe sollen doch bitte England und die USA weiterkommen. Danke.