Genährte Schlachten und senile Männer

Jeder in Deutschland weiß, dass Lothar Matthäus der ideale Trainer für den HSV wäre. Da man sich dort aber bekanntermaßen anders entschieden hat, ist LOTER weiterhin arbeitslos. Aber ist das gerecht? Nein, sagt der Chefredakteur des kicker, Rainer Holzschuh.

Holzschuh hat den Lothar in Afrika erlebt, wo der, Zitat, für den “berühmten TV-Sender ‘Al Jazeera’” arbeitet. Das Adjektiv verrät, dass Holzschuh hier nur Gutes mit Lothar vorhat. Verzweifelt versucht der Mann vom kicker, den erbarmungswürdigen Altnationalspieler in ein gutes Licht zu rücken. Und da wird dann auch mal ein Fernsehsender zur Berühmtheit. Scharfsinnig beobachtet der Journalist, dass Matthäus mit “arabisch aussehenden Männern” unterwegs ist. Ist das aufregend! Weite Welt! Metropolothar!

Aber auch kicker-Rainer ist ein Mann aus bestem Holz. Wenn der den Lothar trifft, dann sprechen sie “konsequenterweise” über die deutsche Mannschaft. Konsequenz als Sekundärtugend der beiden alten Recken, das kommt gut an. Und dabei macht Ol’ Rainer die Beobachtung, die eigentlich eine Vorabmeldung des kicker gerechtfertigt hätte, aber doch nur hier im Kommentar versteckt bleibt: Der Lothar ist “ein wirklich guter Analytiker des Fußballs”. Und wenn er analysiert, dann nicht etwa mit der Dummheit in den Augen und Borniertheit in der Stimme, nein, “mit einer faszinierenden Fachlichkeit, dass kein Zuhörer nur einen Hauch von Zweifel hegen konnte”. Man wünschte sich derlei “Fachlichkeit” – Moment, ist das überhaupt ein Wort? – bei Holzschuhs Kerngeschäft, dem Schreiben deutscher Texte, aber vergeblich.

Man mag sich das gar nicht ausmalen, wie Lothar Matthäus daherschwafelt wie es derzeit jeder zweite Deutsche jeden Tag tut, über Schweini und Klose, über das Talent Özils und die Schwachstelle hinten links, während Holzschuh daneben steht, ihn verliebt anguckt und sich fragt, warum bloß niemand diesen Trottel in leitender Position in sein Unternehmen holt. Holzschuh hat schon längst keine Ahnung mehr von irgendwas, aber er bewegt sich auf den Bühnen der FIFA-Society und denkt, das sei Arbeit und die Leute da seien Experten, weil sie sich das alle ständig gegenseitig versichern. Da hilft man sich dann auch mal aus, denkt Rainer, und schreibt ein Loblied auf den gescheiterten deutschen Ex-Helden. Aber was heißt “schreibt”, wir reden hier von Metaphern wie “genährt von tausend Schlachten”, was wirklich eine lustige Idee ist. Aber der Mann ist Herausgeber der größten deutschen Sportzeitschrift, wie kann das angehen?

Bitter für LOTER sei es, “dass sein Wissen in Deutschland weniger gefragt ist. Zumindest rund um den Fußballplatz.” Sein Wissen ist woanders also gefragter als um den Fußballplatz? Wo? Der Mann ist gelernter Raumpflegerausstatter. Natürlich ist Fußball alles, wofür er jemals gefragt war. Wollen wir nun alle gemeinsam hoffen, dass es doch noch irgendwo einen so unprofessionellen Verein gibt, dass der LOTER bald einen Job in Reichweite der von uns konsumierten Medien bekommt. Entertain me!

  1. Ich habe es jetzt verstanden, er meinte wahrscheinlich “Schlachtungen”. Genährt von tausend Schlachtungen.

  2. Red Bull Wattenscheid!

  3. Jeah verunglimpfen wir mal den Beruf des Raumpflegers weil ein “deutscher” ihn gelernt hat. Voran antideutsche Elite!

  4. Gut, dass Du es sagst! Er ist natürlich Raumausstatter, nicht -pfleger. Habs korrigiert.

    Berufe zu verunglimpfen klingt ganz wunderbar. Toll, dass das für Empörung gut ist. Und es stimmt, das hat sicher eine antideutsche Dimension.

  5. Du solltest den Antisemitismus und -Zionismus der von Al-Jazeera ausgeht noch stärker hervorheben. Geht ja vollkommen verloren.

  6. Und so den ehrbaren Journalistenberuf verunglimpfen? Niemals! Diese Leute machen auch nur ihre Arbeit wie jeder andere auch. Die haben Familie!

  7. ,,wie jeder andere auch”:

    Da ist was Wahres dran, austauschbar und gut gekleidet.
    PS: Lang lebe Thomas Helmer, der beste Journalist der Welt!

  8. Verunglimpft die Tatsache, dass jemand lieber Fußballspielt Raum…ausstatter? Und dass der jemand dann fürn Fußball gefragt ist?
    Wenn das so ist: Nieder mit Harrison Ford! Wie der den Beruf des Zimmermanns verunglimpft, das ist ja schon fast blasphemisch! Das kann er nur gut machen, wenn er demnächst in nem OBI-Werbespott auftritt…
    Was ich mich zuletzt gefragt hab: Welche Sprachen spricht der Herr Matthäus denn? Serbien, Ungarn, Israel, Östereich … macht der das alles auf englisch?

  9. Nein, auf “fortgeschrittenem Englisch”!

  10. danke bonde! du hast mir aus der seele gesprochen. holzschuh bildet auch im doppelpass ein unschlagbares duo mit udo halbtot lattek. immer ein potpourri aus fussballphrasen der (schätzungsweise) 70er.

  11. Tach Herr Hänsel. Schönen Dank für Ihre Lese-Empfehlung (http://blog.chiemgau-online.de/). I’ll try to do my very best furthermore. Ach ja, natürlich: Wehret den Anfängen. Bin dabei. Grüße aus Zentralsüdostoberbayern in den Norden!

  12. “Jeder in Deutschland weiß, dass Lothar Matthäus der ideale Trainer für den HSV wäre. Da man sich dort aber bekanntermaßen anders entschieden hat, ist LOTER weiterhin arbeitslos.”

    Alles nur eine Frage der Zeit, das deutsche Volk hat ja bereits vor ein paar Wochen entschieden:
    http://www.abendblatt.de/sport/fussball/HSV/article1473294/Wen-wuenschen-Sie-sich-als-neuen-HSV-Trainer.html

    Im Grunde genommen der einzig akzeptable Grund, warum ein Volksentscheid doch mal Sinn machen könnte…

  13. fuer den besten verein der welt kommt doch eigentlich nur der beste trainer der welt in frage – und das ist ganz klar udo lattek.

    2057 titel hat der schon geholt!

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