Mesut Özil

Derzeit wird viel über Mesut Özils eventuellen Abschied vom SV Werder Bremen diskutiert. Zwar hat sich bisher noch kein Interessent gemeldet, aber spekuliert wird reichlich. Nachdem vor einem Jahr Diego für 26 Millionen nach Turin gegangen ist und viele Fans sich über die angeblich zu niedrige Ablöse geärgert haben, beginnt das Spiel nun von vorne. Wieviel ist ein Spieler wert? Klar ist, dass die Ablöse eines Spielers sich leider nicht nach den Wünschen der Fans des abgebenden Vereins berechnet.

Die Rechnung ist eigentlich ganz einfach: Sobald das Angebot (zusammen mit dem Gehalt für ein Jahr) die Summe übersteigt, die Özils Dienste für ein Jahr wert sind, muss das Angebot vernünftigerweise angenommen werden. Wenn Werder nun also beispielsweise 10 Millionen Euro geboten bekommt und Özil vielleicht zwei Millionen verdient, dann wären das 12 Millionen Euro, die man mehr auf dem Konto hat, wenn er verkauft wird. Ist es besser, Özil für ein Jahr zu haben, als 12 Millionen Euro zu haben? Darüber könnte man diskutieren. Wenn aber jemand Summen von 25 Millionen nennt, dann kann jeder erkennen, dass diese Summe viel zu hoch ist und Werder auch für deutlich weniger verkaufen müsste.

Die Frage, was ein Spieler Wert ist, erscheint zunächst ein bisschen heikel und steht im Ruch des Menschenhandels. Dabei ist das denkbar einfach. Die Ablöse, also das Geld, das für die Auflösung des alten Vertrage bezahlt wird, spiegelt die Summe wieder, die dieser Vertrag noch wert gewesen wäre. Genauer gesagt: die Summe Geld, die der abgebende Verein durch das Bestehen des Vertrags noch verdient hätte. Natürlich weiß das keiner vorher, also muss Werder hier schätzen, was sie mit Özil noch verdienen würden. Und diese Schätzung ergibt den Wert des Spielers: Die Summe, die er in der restlichen Vertragslaufzeit mutmaßlich noch einspielen würde. Übersteigt das Angebot eines anderen Vereins diese Summe, ist es vernünftig, das Angebot anzunehmen.

Ein Wettbieten mehrerer Vereine, die die Ablöse so nach oben treiben, ist nicht denkbar. Özil wird sich zunächst auf einen Verein festlegen, und der würde dann die Ablöse mit Werder aushandeln.

Was die Champions League Qualifikation angeht, macht Allofs eine interessante Rechnung auf: Wenn wir die (ohne Özil) verpassen, sind 15 Millionen Euro verloren. Wenn also klar wäre, dass wir es mit Özil schaffen und ohne ihn nicht, dann müsste Özils Ablöse erstmal die 15 Millionen plus das, was er den Rest der Saison noch einspielen würde, betragen. Es ist aber nicht klar, dass wir Özil für die Qualifikation brauchen, genau genommen wird er am Anfang der Saison und kurz nach der WM vielleicht sogar sehr schlecht in Form sein, wer weiß das schon.

Ich halte 16 Millionen für eine realistische Summe. An Özils Stelle würde ich allerdings noch ein Jahr warten, das Jahr kann er gut gebrauchen und wenn es wie erwartet gut läuft, verdient er auf diese Art und Weise im Endeffekt auch kurzfristig mehr Geld als wenn er jetzt wechseln würde. Andererseits ist es möglich, dass er jetzt durch die WM ein besonders gutes Image hat, das ihn für andere Vereine noch interessanter macht. Sie könnten dann sagen, dass sie den WM-Star verpflichtet haben. Da Özils WM aber lange nicht so glanzvoll war, wie so mancher in Deutschland denkt, könnte dieser Effekt auch gering sein.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist der des Sponsors. Nike hat Özil zu einem Werbeträger aufgebaut, dabei eigene Spots mit ihm produziert und vor dem Pokalfinale eine Özil-Statue vor ihrem Flagship-Store in Berlin aufgestellt. Der Sponsor pumpt also viel Geld in die Person Mesut Özil. Damit wird es vermutlich wahrscheinlicher, dass er auch in Zukunft in einem Nike-Trikot aufläuft. Die großen Stars verdienen einen erheblichen Teil ihres Geldes mit Sponsoring-Verträgen. Robben ging von Chelsea zu Real zu Bayern und blieb dabei immer bei Adidas-Vereinen. Kaka ging von Mailand nach Madrid, Hauptsache Adidas. Ballack spielte immer für Adidas-Vereine.
Nun gut, Messi und Ronaldo sind Gegenbeispiele, bei denen der Spieler einen anderen Werbepartner hat als der Klub, aber natürlich wäre es für Nike schöner, wenn Mesut auch bei einem Nike-Verein spielen würde. Mal gucken!

  1. Die Champions-League Rechnung hinkt in sofern aber, dass durch Werbeeinnahmen auch geld verloren gehen würde. Sprich, werder verdient auch indirekt an der Champions-League. Durch den Aufbau eines positiven (erfolgreichen) Images etc. Was sich unter anderem auch niederschlägt auf die Verpflichtung von zukünftigen Spielern. Die dann günstiger werden können, da Werder erfolgreich (champions-league) spielt.
    Außerdem wenn ich da subjektiv rangehe ist es einfach ein Hohn das vollpfosten wie dejong oder boateng 300 milliarden für den hsv bringen und nen özil dann nur 2 euronen kosten soll? Dat geht doch so net.

  2. Da hast Du recht, die Champions League ist sicher noch mehr wert. Spielt aber wie gesagt alles nur indirekt eine Rolle, weil Özils Beitrag zur eventuellen Qualifikation nicht so unfassbar wichtig wäre.

    Subjektiv rangehen solltest Du anderen überlassen, das bringt ja nichts. Wenn Özil noch drei Jahre Vertrag hätte, wäre die Rechnung auch eine ganz andere, siehe oben.

  3. Ich finde übrigens auch die Variante, dass er 2011 ablösefrei zu Bayern geht, nicht so unrealistisch. Er ist der beste deutsche Offensivspieler, und der steht den Bayern immer gut, da werden sie sich schon Gedanken machen. Bis 2011 könnte auch Platz in der Mannschaft sein, wer weiß, wer dann noch da ist. Und für Özil wärs sicher gut, erstmal in Deutschland zu bleiben, wo er sich auskennt. Passt aber nicht zu meiner Nike-These, naja.

  4. Na, van Gaal will ja jetzt wohl Kroos auf der klassischen 10 spielen lassen bzw. Müller auf der Özil-10, die Außen sind ja eh besetzt.
    Würde also vorsichtig dagegen wetten!

  5. Van Gaal ist doch 2011 eh Nationaltrainer, von irgendeiner Mannschaft, die international was gewinnen kann/will/soll/sollte… Zumindest will er das so, hab ich mal im Radio gehört

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