Die ganz abgefuckte Tour

Im Sommerloch starren die Medien in die große Leere, und die Leere starrt zurück in die Medien. Nicht so bei verbrochenes.net. Hier die drei großen Sommertipps für Spiel, Spaß und Stress.

1. Die ganz abgefuckte Tour: Pfandbons bei Kaiser’s liegenlassen.

2. Im Bekanntenkreis fragen, wer denn eigentlich der bekannteste deutsche Kanzler war. Im Regelfall lautet die Antwort ‘Helmut Kohl’ und ist falsch. Anschließend kann den Befragten Geschichtsvergessenheit und den Deutschen allgemein ein verlogener Umgang mit der eigenen Vergangenheit vorgeworfen werden. Auf den sehr richtigen Einwand, Hitler habe die Demokratie schließlich umgehend abgeschafft und damit auch der demokratischen Institution Kanzlerschaft faktisch ein Ende gesetzt, weshalb er völlig zu Recht heute nicht als Kanzler bekannt ist, sollte man mit höhnischem Gelächter reagieren und das Thema wechseln.

3. Als neues Thema bietet sich dann die Planung eines Mordes an. Spielt das ruhig mal durch. Zunächst braucht Ihr ein Opfer. Emotional ist es am einfachsten, wenn es sich um jemanden aus dem entfernteren Bekanntenkreis handelt, der oder die Ihr nicht besonders mögt. Desto entfernter die Bekanntschaft ist, umso weniger wahrscheinlich ist es, dass Ihr in den Fokus der Ermittlungen geraten werdet. Falls Ihr tatsächlich ein Mordmotiv gegen die Person hättet, spielt das am Ende auch der Polizei in die Karten.

Ist die Person nun ausgesucht, muss das genaue Vorgehen geplant werden. Ein Giftmord erscheint zunächst sehr attraktiv, schließlich vermeidet man so das unmittelbare Morden und muss im Idealfall gar nicht mehr anwesend sein, wenn es mit der bemitleidenswerten Zielperson zuende geht. Dabei ergeben sich aber weitere Probleme, nämlich die Beschaffung des Gifts und schließlich die Zuführung in den Körper des Feindes. Schön wäre natürlich, wenn das Gift in der Nahrung ohne Geschmack und Geruch untergeht und eine geringe Menge reicht. Ob man derlei Gift aber bekommen oder herstellen kann, das bleibt zu ermitteln. Hat man es erst einmal, kann man die vergiftete Nahrung per Post schicken und hoffen, dass der Empfänger es probiert. Mir schwebt da aus irgendeinem Grund Honig vor.
Aber da tut sich selbst für hartgesottene Mörder und solche, die es werden wollen, ein moralisches Dilemma auf: Was, wenn dritte Personen davon essen oder trinken? Wohl dem, dem das ganz egal ist. Ihm würde ich die Postvariante ans Herz legen, das ist eine schöne saubere Lösung. Wer ohnehin oft nah an seinem Opfer ist, kann es auch direkt vergiften, aber wie gesagt: Nähe zum Opfer ist der direkte Weg in die Ermittlungsakten. Und gerade als Ersttäter unterlaufen einem noch so einige Fehler, an denen man dann scheitern könnte. Fünfzehn Jahre sind eine lange Zeit.

Gift ist gut, aber der Königsweg zum Menschenmord bleibt die Schusswaffe. Da besteht das Problem der Beschaffung freilich auch. Es wird noch vergrößert dadurch, dass man bei der Beschaffung mit anderen Menschen sprechen muss, ein Treffen vereinbaren und so weiter und so fort. Und wo findet man Waffenhändlerinnen, denen man vertrauen kann? Es ist schwierig. Spricht man eine vergebens an, gibt es wieder eine Person mehr, die weiß, dass man selbst eine Waffe kaufen wollte. Vom Wissen bis zur Aussage ist es oft nur ein kleiner Schritt. Der Weg ins Ausland zum Waffenkauf scheint attraktiv, ist aber mit weiteren Risiken behaftet. Trotzdem ist die Beschaffung einer Schusswaffe sicher möglich und auch erstrebenswert.

Hat man nun das Schießgewehr, geht die Suche nach einem geeigneten Tatort los. Hier ist man natürlich vollständig von den Gewohnheiten des Opfers abhängig. Ein verlassener Ort ist am besten. Aber man sollte auch vor dem direkten Weg nicht zurückschrecken. Einfach mal nachts um halb fünf (im Winter) die Wohnungstür eintreten, die Sache erledigen, und dann schnell verschwinden. Es ist nachts, es ist dunkel und man vermummt sich natürlich. So ist das Risiko, erkannt oder gar gefasst zu werden, geringer als man denkt. Bei manchen Wohnorten geht das besser als bei anderen, das muss man dann sehen. Die Flucht könnte erst durch unbesiedeltes Gebiet, vielleicht einen Wald, führen, sodass man erst weit weg vom Tatort überhaupt erst wieder sichtbar wird. Falls ein solches Gebiet sogar als Tatort in Frage kommt – umso besser. Wichtig ist, dass kein irgendwie dokumentierbarer Kontakt zum Opfer aufgenommen wird. Man sollte also darauf verzichten, es irgendwohin zu locken oder anderen eitlen Blödsinn zu veranstalten. Man muss aus dem Nichts in den Alltag des Opfers stürmen und genauso schnell wieder daraus verschwinden.

Nun gut, es ist widerlich, aber wir müssen auch darüber nachdenken: Stichwaffen. Sie sind sehr leicht und unverdächtig zu bekommen und erledigen ihre Aufgabe bei fachgerechter Benutzung in Sekundenschnelle und sehr leise. Im Endeffekt läuft der Rest (Ort, Zeit, Flucht) ähnlich wie bei einer Schusswaffe, ausgenommen das Schießen auf große Entfernung. Wer das beherrscht und das nötige Gewehr dazu besitzt, wird aber bei entsprechender Tat ohnehin bald befragt und eingelocht. Den Mord mit einem Messer aber muss man sich auch zutrauen, hier tritt das größte Problem beim Morden offen zu Tage: Kann ich das überhaupt? Das muss jeder mit sich selbst ausmachen, in den meisten Fällen dürfte die ehrliche Antwort ein klares Nein sein.

Die schönsten Morde sind die mit unkonventionellen Lösungen, zum Beispiel ein manipulierter Fallschirm. Aber auch mit einem geklauten Auto kann man einiges machen, besonders wenn das Opfer Fußgängerin oder Fahrradfahrer ist. Wenn es am Ende nach Fahrerflucht aussieht, gibt es vielleicht gar keine Mordkommission. Wenn die körperlichen Verhältnisse stimmen, ist auch ein Ersticken oder ein Erdrosseln gut machbar. Gewissen Charme hat ein Fenstersturz, keinen Stil hat hingegen das Erschlagen. Wer bei der Planung eines Mordes ein Erschlagen in Erwägung zieht, der sollte gar nicht erst planen, sondern sich direkt im Gefängnis melden. So bleibt auch das Opfer am Leben.

Die Planung eines Mordes ist ein faszinierender Spaß. Für Begriffsstutze und Strafverfolger sei erklärt, dass die Planung etwas anderes ist als die Durchführung. Die Planung macht morbide Freude, die Durchführung ist ein schreckliches Verbrechen.

  1. Hat sich schonmal jemand Gedanken darüber gemacht, dass Kai Diekmann eigentlich im entfernten Bekanntenkreis von jedem Deutschen irgendwie auftaucht?

  2. hm… Kai Dieckmann… Da hätten auch ziemlich viele Menschen ein Motiv, was die Ermittlungen erschweren würde… allerdings, je prominenter das opfer, desto angestrengter die Aufklärungsbemühungen… ich denke Mord an einem Obdachlosen wird bei fehlenden Fahndungserfolgen recht schnell ad acta gelegt… noch besser wäre Mord an einem Mörder/Pädokriminellen/Vergewaltiger, da hätte man sogar die Öffentlichkeit, zumindest die BILD-lesende, schnell auf seiner Seite, welche Druck machen würde, daß die Fahndung nach dem Mörder eingestellt wird…
    Gut ist auch, die Gewohnheiten seines Opfers bis ins Detail zu studieren… vllt. säuft es sich ja einmal die Woche ins Koma und man muß nur in die Wohnung eindringen und nochmal ne halbe Buddel Vodka nachkippen, um für den endgültigen Exitus zu sorgen… wenn der pathologe die langjährig geschundene leber sieht, wird der Anfangsverdacht auf Fremdeinwirken schnell weggewischt…
    Wenn dein Opfer heroinabhängig ist, schenk ihm doch einfach mal ein Päckchen mit hochreinem heroin; die meisten “goldenen Schüsse” kommen dadurch zustande, daß der Fixer rein zufällig mal an hochreinen Stoff gekommen ist, ihn aber aus Unwissen wie das endlos gestreckte Straßenzeug dosiert… absolut fremdeinwirkungsunverdächtig.
    Sicher gibt es noch viele andere “verwertbare” Gewohnheiten…

  3. 1. geschenkt!

    2. werde ich unbedingt mal antesten, wirkt aber schon jetzt nicht so gaaanz vielversprechend, als Anlass für höhnisches Gelächter natürlich gern genommen, falls nichts besseres zur Verfügung steht.

    3. sehr charmant. als connaisseur der Rekapitulation noch gar nicht begangener Straftaten möchte ich allerdings zu bedenken geben, dass die Flucht durch “unbesiedeltes Gebiet” speziell im Winter den Königsweg darstellt, eine Spur hinter sich her zu ziehen, die an Deutlichkeit und Unverwechselbarkeit wohl kaum noch irgend etwas zu wünschen übrig lässt, von dem Verdacht, den man zwangsläufig auf sich zieht, sobald man auch nur “sichtbar” wird, gar nicht zu reden. gerade in Kombination mit Schusswaffen (peng! peng!), die man dann auch nur entweder wie die sprichwörtliche “smoking gun” in aller Offensichtlichkeit unterwegs deponieren oder wie ebenso sprichwörtliches Blut pechzäh an seinen Händen kleben lassen kann ist das allenfalls was für den Outlaw, der unbedingt ein re-enactment von Butch Cassidy respektive Sundance Kid à la “Zwei Banditen” auf die Beine stellen will. was zugegebenermaßen auch seinen ganz eigenen Charme hat, insbesondere natürlich, man von vornherein ausschließt, lebend in die Hände der Sheriffs zu fallen, und den besten Kumpel gleich mitnimmt. allen denkbaren Folgeerscheinungen delinquenten Verhaltens wie z.B. im anschließenden Ermittlungsverfahren gegeneinander ausgespielt zu werden wird so konsequent ein Riegel vorgeschoben, und mit krämerischen Juristenbegriffen wie Strafmaß o.ä. braucht man sich auch nicht auseinanderzusetzen.

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