Mindestens Paradox

Judith Butler hat der Jungle World ein Interview gegeben. Das hätte sie lieber nicht tun sollen. Die postmoderne Philosophin führt vor, wie ihr und ihren Anhängern beim Dekonstruieren und Relativieren der Realität dieselbe abhanden gekommen ist.

2006 hatte Butler gesagt, dass sie Hamas und Hisbollah für progressiv und links halte, mehr noch, die antisemitischen Banden seien “Teil einer globalen Linken”. Zu der sich Butler offensichtlich auch selbst zählt, daran kann es keinen Zweifel geben. Butler, Jüdin und eine Ikone der Gender Studies, bekannte Kämpferin für die Rechte der sexistisch Diskriminierten, erklärt also zwei frauenfeindliche, schwulenhassende Organisationen von Antisemiten zu ihren Bündnispartnern.

Noch medienwirksamer war ihre Weigerung, einen Preis für Zivilcourage von den Organisatoren des Berliner Christopher-Street-Days entgegenzunehmen. Sie äußerte, dass die Macher sich nicht ausreichend vom Rassismus distanzieren würden und nahm auch gleich Partei für einen alternativen CSD, der in Kreuzberg stattfindet. Zu beiden Vorfällen äußerte sie sich nun im Interview, das per eMail geführt wurde.

Über den CSD, den sie nicht mag, sagt sie:

“Hampels Gruppe Maneo stellt Homophobie und homophobe Gewalt als etwas dar, das allein in Minderheitengruppen anzutreffen sei. Das bringen zumindest die politischen Aktionen, Stellungnahmen und Berichte der Gruppe zum Ausdruck.”

Die Interviewerin beweist ihr umgehend das Gegenteil und zitiert eine Stellungnahme, in der Maneo sich ganz anders äußert. Daraufhin behauptet Butler, es seien doch nicht die politischen Aktionen, Stellungnahmen und Berichte, in denen sie das Problem erkannt habe, sondern “verschiedene Bemerkungen, die Mitglieder der Organisation gemacht haben”, die sie natürlich nicht näher spezifiziert, und “verschiedene Arten, wie sie das Problem umrahmen”.

Frau Butler lehnt die Gruppe Maneo also ab, weil da mal irgendwas gewesen ist, was sie aber nicht benennen kann; sie verurteilt die Gruppe öffentlich aufgrund von Hörensagen. Doch es kommt noch besser. Im Zeitungslayout liegen die beiden Aussagen praktischerweise direkt nebenbeinander, deshalb auch hier noch einmal das Zitat von oben.

Butler 1.
Maneo stellt Homophobie und homophobe Gewalt als etwas dar, das allein in Minderheitengruppen anzutreffen sei.

Nach der nächsten Frage:

Butler 2.
Jedenfalls habe ich nie gesagt, dass Maneo behauptet, Homophobie finde sich nur bei Mi­grantInnen.

Dass der Unterschied von MigrantInnen und Minderheitengruppen hier etwas aussagt, ist nicht anzunehmen. Aber Butler interessiert (ihr) Geschwätz von gestern ohnehin nicht: Es ist nicht so wichtig, wer was wann gesagt hat, als vielmehr zu fragen, ob Maneo die Bandbreite von Menschen, die auf der Straße, bei der Arbeit oder an der Grenze diskriminiert werden, abbildet.

Es soll also eine Gruppe für alle geben, eine Parade für alle. Dass bei dem anderen, alternativen CSD, die Schwulen z.B. aus der CDU nicht erwünscht sind, weiß Butler auch. Sie fordert Einigkeit, aber zur den Bedingungen ihrer Freunde aus Kreuzberg, nimmt also einfach nur Partei für die andere Parade, und gibt das schließlich auch zu:

[Man] “muss nicht nur Gruppen wie GLADT, ­ReachOut und LesMigraS aktiv einbinden. Es bedeutet auch, sich genau an diesen Gruppen zu orientieren[...]“

Migranten und Migrantinnen nehmen bei Butler die Avantgardestellung ein, sie sollen die Bewegung anführen. Und sie tun das einzig und allein wegen ihres Migrationshintergrundes, und nicht etwa weil diese Gruppen sich durch besonders kluge Texte, durch erfolgreiche Strategien oder besondere Persönlichkeiten hervorgetan hätten. Butler tischt den allerletzten identitären Scheiß auf.

Ein weiteres atemberaubend blödsinniges Konzept ist das des “Homonationalismus”. Laut Butler können wir in der westlichen Welt “den Anstieg des sogenannten Homonationalismus beobachten, also der Vorstellung, dass Freiheiten für Homosexuelle vor nicht-europäischen ImmigrantInnen geschützt werden müssten.”

Dass diese Vorstellung völlig richtig ist, ist offensichtlich. Es sind gerade die Zumutungen des Islam, die die Freiheitsrechte vieler Menschen bedrohen, und dazu gehören natürlich auch Homosexuelle. Darüber ließe sich sachlich diskutieren, aber Butler hat sich sämtliche Migranten als Schutzbefohlene geradezu angeeignet und zieht mit Phantasiebegriffen wie dem des “Homonationalismus” gegen jede Kritik an allem, was mit ihnen zu tun hat, zu Felde. Man kann sich sicher sein, Butler würde Kritik am Döner Kebap als “Küchennationalismus” brandmarken. So banal ist das.

Zu Beginn des Interviews behauptet Butler, für die Kriege in Afghanistan und dem Irak habe es “rassistische Begründungen” gegeben – eine Behauptung, die sie mit keinem Wort untermauert, und die angesichts der tatsächlichen Begründungen, ob man die glauben will oder nicht, völlig absurd erscheint.

Aber es wird bald schlimmer.

Ich habe einen jüdischen Familienhintergrund. Viele meiner Verwandten wurden während des Genozids durch die Nazis umgebracht, der sich auch gegen Sinti/Roma, Homosexuelle, KommunistInnen, Behinderte und WiderstandskämpferInnen richtete. Vielleicht war ich deswegen mein ganzes Leben lang interessiert an Widerstands­koalitionen und dem Kampf gegen die Gewalt des Staats.

Butler wirft ermordete Kommunisten mit ermordeten Juden in einen Topf und ignoriert die völlig unterschiedlichen Gründe für den Holocaust und für Morde an politischen Gegnern. Sie kann das, weil sie keine Ahnung vom Antisemitismus hat, weil sie sich nicht für die Ideologie, die hinter dem industriellen Mord steht, interessiert. So kommen absurde Behauptungen zustande, wie die eines Genozids gegen die Kommunisten oder die Homosexuellen. Ein Völkermord an Anhängern einer Weltanschauung? Natürlich ist das eine Relativierung des Holocausts, und natürlich ist es historischer Blödsinn. Butler bricht alles auf den Staat herunter, der angeblich die deutschen Morde begangen hat, und ignoriert dabei, dass der Staat damals längst dem wütenden Mob anheim gefallen war.

Und über welchen Staat sollte man wohl reden, nachdem man gerade alle Morde der Nationalsozialisten der Institution Staat zugerechnet hat? Natürlich über den jüdischen Staat: “Ich bin Teil einer wachsenden Gruppe der jüdischen Linken, die den illegitimen Einsatz staatlicher Gewalt durch Israel kritisiert”. Und weiter: “Für einige von uns ist die Kritik Israels vielmehr ein Weg, jüdische Werte wie Gerechtigkeit, ein friedliches Zusammenleben und soziale Gleichheit zu bewahren.” Israelkritik als Feel-Good-Strategie, selten wurde der Fetisch-Charakter, den Israel für seine Kritiker hat, offener eingestanden.

Später im Interview geht es dann um ihre Eingemeindung von Hamas und Hisbollah in die globale Linke. Die Arme fühlt sich schlecht behandelt. Dabei fällt vor allem auf, wie sie sich trotzdem niemals von den beiden Gruppen distanziert, wie sie kein schlechtes Wort über die antisemitischen Kindermörder verliert und stattdessen im Angesicht der totalitären Hassprediger die liberale Unschuld gibt.

habe ich gesagt, dass – deskriptiv gesehen – diese Bewegungen in der Linken zu verorten sind, doch wie bei jeder Bewegung muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er sie unterstützt oder nicht.

Natürlich würde sie nie über Organisationen wie die Republikaner oder die katholische Kirche sagen, dass jeder für sich selbst entscheiden müsse, ob er sie unterstützt. Derart liberal geht sie nur mit den Feinden Israels um.

Sogar eine Diskussion wäre gestattet: “Man könnte viel darüber sagen, wie diese Bewegungen entstanden sind und was ihre Ziele sind.”

Dann würde man herausfinden, dass sie zum Kampf gegen die Juden in Palästina entstanden sind und ihr Ziel die Vernichtung des jüdischen Staats sowie der Mord an Juden in aller Welt ist, oder?
Nein: “Das würde bedeuten, sie als Bewegungen gegen Kolonialismus und Imperialismus zu verstehen.”
Ach so. Israel, dessen jüdische Bewohner zum Teil schon seit Jahrhunderten dort gelebt haben, zu einem großen Teil aus den arabischen Ländern geflohen sind, zu einem anderen Teil erst 1990 aus der SU ausreisen konnten und zu einem anderen großen Teil vor, während und nach dem Holocaust aus Europa geflohen sind – dieses Israel ist so weit weg von Kolonialismus und Imperialismus, dass Butlers Behauptung nur irgendwo zwischen Ahnungslosigkeit und Antisemitismus verortet werden kann.

Es geht weiter um Hamas und Hisbollah:

“Jede Analyse müsste auch die gesellschaftlichen Dimensionen und den Ort der Gewalt im Kampf dieser Gruppen mit einbeziehen.”

Sind mit den gesellschaftlichen Dimensionen die für die arabische Welt außerordentlich hohen Lebensstandards in Israel, Gaza und Westbank gemeint? Und ist mit dem Ort der Gewalt ein Schulbus oder ein Altenheim gemeint? Vermutlich nicht.

Ich verstehe, dass es in Deutschland schwer ist, zwischen einer Kritik beispielsweise der israelischen Besatzung und Antisemitismus zu unterscheiden.

Für Butler ist es immer wichtig, wo und wer über eine Sache nachdenkt, wichtiger als die Sache selbst jedenfalls. Die Deutschen dürfen also zu einem anderen Ergebnis kommen als sie selbst, und sie sieht es ihnen nach. Und sie weigert sich standhaft, den Antisemitismus der Feinde Israels auch nur anzuerkennen:

Wenn Hamas und Hizbollah antisemitische Positionen vertreten, dann sind sie unbedingt abzulehnen. Doch man muss genau analysieren, ob in der Kritik Israels Antisemitismus im Spiel ist oder nicht. Die Vorstellung, dass jede Kritik an Israel antisemitisch ist, lehne ich ab. [...] Im Bezug auf Hamas und Hizbollah bedeutet das, zu diskutieren, ob ein gewalttätiger Widerstand akzeptabel ist, und ich selbst habe mich entschieden, gewaltlosen Widerstand zu unterstützen.

Sie selbst verweigert diese Analyse, dabei wäre sie angesichts der Aussagen und Taten der Terrorgruppen so einfach. Aber es bleibt dabei: Kritik an nichtwestlichen Menschen oder Gruppen kommt Butler nicht über die Lippen und schon gar nicht in die Tastatur. Sie würde lieber tot umfallen als explizit und mit eigenen Worten zu sagen, dass ein Selbstmordanschlag auf einen Linienbus nicht akzeptabel ist.

Später bemerkt sie immerhin, trotz Konjunktiv, dass ihr Gerede Blödsinn ist:

Es wäre mindestens paradox, wenn ich als queere Jüdin mich für Hizbollah und Hamas aussprechen würde, wie das in der Taz nahegelegt worden ist.

Wie gesagt hat sie selbst die beiden in der globalen Linken verortet, in einer Bewegung also, zu der sie zweifelsfrei selbst gehört.

Das Interview dreht sich noch eine Weile um Butlers Liebe zum Orient, mit einigen grotesken Ergebnissen. Wo sie vorher zum Beispiel die westliche Welt zusammenfasst, um ihr “Homonationalismus” vorzuwerfen (“In den USA, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden, um nur ein paar Länder zu nennen…”), verbittet sie sich eine Verallgemeinerung in der islamischen Welt:

Sie haben »islamische Länder« erwähnt. Ich würde zunächst zurückfragen, ob es nicht enorme Unterschiede gibt, beispielsweise zwischen dem Iran und Ägypten, und ob wir nicht differenzieren sollten zwischen Ländern mit einer großen muslimischen Gemeinde und denen, die ausschließlich durch das islamische Gesetz regiert werden.

Ein Vergleich zwischen Holland und Iran wäre also “homonationalistisch”, weil der Iran dabei so schlecht wegkommt bzw. weil Holland dabei gut wegkommt; eine Differenzierung zwischen Not und Elend, also Iran und Ägypten, ist dagegen zwingend notwendig. Wenn Butler selbst vergleicht, kommt so etwas dabei heraus:

So gibt es etwa auch in den USA Morde an queeren Jugendlichen, und manchmal werden diese Taten von der Polizei und den Gerichten nicht ernst genommen. In Lateinamerika gibt es Versuche, die Straßen für transsexuelle Menschen sicher zu machen und ein Ende der Polizeigewalt zu erreichen.

Während es also in den USA “manchmal” Justizversagen gibt und das schlecht ist, gibt es in Lateinamerika “Versuche”, etwas besser zu machen, und das ist gut. Das ist die ganz große Kunst des Relativierens: Natürlich ist in den USA die Situation der Homosexuellen viel besser als an den allermeisten Orten in Lateinamerika. Aber das würde Butler, Stichwort “Homonationalismus”, niemals zugeben. Sie betont die Versuche auf der einen Seite und verurteilt die Ausnahmen von der Regel auf der anderen. Das ist eine Strategie wie sie Politiker verwenden, aber nicht Wissenschaftler.

Zum Ende glänzt die Dame noch einmal mit einem Satz über die Islamophobie:

Der Begriff »Islamophobie« versucht also die Möglichkeit zu bieten, darüber nachzudenken, wie »der Islam« zur Quelle von Angst und Panik wird

Das wäre in der Tat schön, wenn die Vertreter des Islamophobie-Begriffes zum Beispiel über Flugzeuge in Hochhäusern, Bomben in U-Bahnen und abgeschnittene Ohren und Nasen nachdenken würden. Stattdessen versuchen sie, die Islamophobie mit dem Antisemitismus gleichzusetzen und offenbaren damit ihren eigenen Antisemitismus. Denn wer heute behauptet, die Angst vor dem Islam sei dem Antisemitismus ähnlich, der insinuiert, dass Juden einen Anlass für den Hass gegen sie geliefert hätten, so wie radikale Islamisten vorgeführt haben, dass sie aus Motiven, die in ihrem Selbstverständnis als Moslems liegen, zum Massenmord bereit sind.

Es ist die Rückkehr zum Historikerstreit, in dem behauptet wurde, der Judenmord hätte einen rationalen Kern gehabt. Die Angst vor dem Islam, die bekanntermaßen an runde Tische und nicht nach Auschwitz führt, hat durch und durch rationale Gründe. Wer diese Angst nun mit dem Judenhass gleichsetzt, unterstellt auch diesem rationale Gründe. Und das ist antisemitisch.

  1. Habe mich erst über den diskreditierenden Einstieg gewundert. Hätte es wohl aber emotionaler zusammengefasst. Ob sie beim Gegenlesen wenigstens kurz ein schlechtes Gewissen hatte…

  2. Was meinst Du mit dem Einstieg?

    Schöne Frage nach dem Gegenlesen. Man muss sich ja auch immer klar machen, dass das ein eMail-Interview war, dass sie also über jede Formulierung so lange nachdenken konnte, wie sie wollte. Ich füge das kurz ein.

  3. Danke für den schönen Text… das Interview hat mir das Frühstück versüßt, dein Text den Abend…

  4. Danke für den Text. Ahnungslosigkeit oder Naivität kann man bei Butler wohl kaum noch unterstellen. Ihre Wiederholungstäterschaft ist ein Zeichen von Überzeugung und einem tiefen Wissen um den narzisstischen Bonus, den sie sich selbst mit ihrer antisemitischen Projektion gewährt.

    http://nichtidentisches.myblog.de/nichtidentisches/art/200097440

    http://nichtidentisches.wordpress.com/2010/07/07/judith-butler-hat-recht-der-csd-e-v-ist-ignorant-gegenuber-diskriminierung/

  5. Also ich habe sie so verstanden, dass sie die Haltung der westlichen Welt kritisiert, in Betrachtung ihrer eigene Gesetzgebung und gesellschaftliche “Fortschrittlichkeit”, andere Länder für “schlechter” zu halten. Also unsere Vögelperspektive aus der Hamas von Co für uns vielleicht völlig anders aussieht als sie im Kontext ihrer Anhänger aussehen. Links ist ja immer relativ zur Mitte und wo die verortet ist, sei eben zu diskutieren.
    Grundsätzlich gebe ich aber zu, ich hab keine Ahnung von den Diskursen in der Linken und möchte mir auch nicht anmaßen das sachlich genug beurteilen zu können. Mein Kommentar bezieht sich erstmal ausschliesslich auf das Interview, losgelöst von eventuell sie disqualifizierenden vorherigen Aussagen.
    Trotzdem ist für mich an der Kritik Judith Butlers etwas dran, auch wenn ich die relevant und “Nebenwirkungen” nicht absehen kann. Ich sehe durchaus auch ein Problem mit Islamophobie, finde den Begriff auch treffender als ihn einfach unter Rassismus zu verbuchen und finde keinen Anlass zu denken, dass sie ihn mit Antisemitismus gleichsetzt. Es geht lediglich auch darum, dass jemand basieren auf seiner Religionszugehörigkeit diskriminiert wird.
    Und wie viele Menschen, beispielsweise konservative des Westens, das tatsächlich tun, muss ich bestimmt niemandem erzählen.

  6. “Butler [...] erklärt also zwei frauenfeindliche, schwulenhassende Organisationen von Antisemiten zu ihren Bündnispartnern.”

    –> Tut sie das? Sie verortet beide Gruppierungen in einer diffusen internationalen Linken, was nicht gleichbedeutend ist mit Gutheißen…
    Ich würde auch viele politische Strömungen als “links” etikettieren, ohne sie dadurch gutzuheißen, auch wenn ich mich selbst zur Linken zähle.

    ” Butler 1.
    Maneo stellt Homophobie und homophobe Gewalt als etwas dar, das allein in Minderheitengruppen anzutreffen sei.

    Nach der nächsten Frage:

    Butler 2.
    Jedenfalls habe ich nie gesagt, dass Maneo behauptet, Homophobie finde sich nur bei Mi­grantInnen.”

    –> Diese Aussagen widersprechen sich rein formal NICHT. Behauptung 1 sagt, daß Homophobie ausschließlich in Minderheitengruppen anzutreffen sei, Behauptung 2, daß damit nicht nur MigrantInnen gemeint sind. Sie sagt also nur, daß Maneo behauptet, daß es auch andere Minderheitengruppen gibt, in welchen man Homophobie antreffen kann (z.B. Christen?). Da ich Maneo nicht kenne, treffe ich hier bewußt keine wertende Aussage über den INHALT der Aussagen.

    ” [Butler:] ” Ich habe einen jüdischen Familienhintergrund. Viele meiner Verwandten wurden während des Genozids durch die Nazis umgebracht, der sich auch gegen Sinti/Roma, Homosexuelle, KommunistInnen, Behinderte und WiderstandskämpferInnen richtete. Vielleicht war ich deswegen mein ganzes Leben lang interessiert an Widerstands­koalitionen und dem Kampf gegen die Gewalt des Staats. ”

    Butler wirft ermordete Kommunisten mit ermordeten Juden in einen Topf und ignoriert die völlig unterschiedlichen Gründe für den Holocaust und für Morde an politischen Gegnern.”

    –> Hier denke ich, daß du sie gründlich mißverstanden hast bzw. aufgrund einer Erwartungshaltung diese Aussage aufs böswilligste interpretiert hast. Sie sagt, daß sie aufgrund ihres Backgroundes eine gewisse Sensibilität hat für Auswirkungen staatlicher Gewalt und ein daraus folgendes Interesse an Möglichkeiten des Widerstandes. Ob das Wort “Genozid” nun das Richtige ist, um die Ermordung von Kommunisten zu bezeichnen (“Kommunizid”??), wenn es in diesem Zusammenhang falsch ist, gilt dies genauso für den Mord an Juden, welche sich meines Wissens vor der Gründung des Staates Israel in erster Linie über die gemeinsame Religion definiert haben und nicht unbedingt als Volk. Ich halte aber den Streit um die richtige Begrifflichkeit für Haarspalterei nach dem Motto “Ihr habt ja keine Ahnung, ihr benutzt nichtmal das richtige Wort”, um den Diskussionsgegner von vorneherein mundtot zu machen. Ich würde es schlicht und einfach “Mord” nennen, gleich ob JüdInnen, KommunistInnen oder Homosexuelle… Das MOTIV für die Morde mag unterschiedlich sein, Morde waren es aber in jedem Fall. Und Butler spricht eben nicht über das Motiv (was du ihr unterstellst), sondern über die Methode.

    Was die Islamophobie betrifft: Sie ist mindestens so rational wie jede andere Religionsphobie; daß einzelne selbsternannte Vertreter (nicht: -innen!) dieser Religion Terroranschläge verübt haben, rechtfertigt aber nicht die de-facto-Gleichsetzung des Islams als “Terrorreligion” bzw. von MuslimInnen als TerroristInnen. Vor der Shoa gab es keine Terroranschläge von JüdInnen auf die Weimarer Republik, ja. Aber wäre die Shoa auch nur ein klitzekleines bißchen gerechtfertigter oder “rationaler” gewesen, wenn eine Handvoll JüdInnen Terroranschläge verübt hätten? Ich denke, nein.
    Ob der Islam nun eine frauenfeindliche/homophobe Religion ist, sei dahingestellt; tatsächlich gibt es viele Gründe, genau das anzunehmen. Ebenso finde ich aber auch viele Indizien dafür, daß das Christentum frauenfeindlich und homophob ist; auch wenn die Kirche heute evtl. liberaler ist, als der Islam heute, denke ich, daß die Zeiten, als das Christentum noch frauenfeindlicher/homophober war als der Islam heute, noch gar nicht lange her sind… Ich hoffe/glaube jedenfalls, daß es durchaus Liberalisierungstendenzen auch im Islam gibt und extrem sexistische/homophobe Aussagen eher ein Sich-aufbäumen gegen die islaminterne Liberalisierung ist als ein neuer Trend. Prinzipiell sehe ich Sexismus und Homophobie aber in allen monotheistischen Religionen nicht nur als vorhanden, sondern als wesentlichen Bestandteil der Glaubenslehre an.

    So, ich schweife ab, daher nun Punkt.

  7. Guter Beitrag, aber hier:

    Judith Butler hat der Jungle World ein Interview gegeben. Das hätte sie lieber nicht tun sollen.

    wird das falsche Subjekt benannt: nicht Judith Butler hätte der Interview geben sollen, sondern die Jungle World hätte Judith Butler nicht (so) interviewen sollen.

  8. »Das hätte sie lieber nicht tun sollen. Die postmoderne Philosophin führt vor, wie ihr und ihren Anhängern beim Dekonstruieren und Relativieren der Realität dieselbe abhanden gekommen ist.«

    Das sind ja nunmal sehr harte einleitende Worte, über die ich mich beim ersten Lesen gewundert habe. Die aber angesichts der Widersprüche, die sie sich leistet, angemessen sind.

  9. Tut sie das? Sie verortet beide Gruppierungen in einer diffusen internationalen Linken, was nicht gleichbedeutend ist mit Gutheißen…
    Ich würde auch viele politische Strömungen als “links” etikettieren, ohne sie dadurch gutzuheißen, auch wenn ich mich selbst zur Linken zähle.

    Natürlich tut sie das. Um noch einmal eine der drei Fragen zu zitieren, auf die sie da antwortet:

    “3. Since the Left hesitates to support Hamas and Hezbollah “just” because of their use of violence, does this hurt Palestinian solidarity?”

    Es geht hier um ein Treffen von sich selbst als globale Linke verstehenden Leuten, auf denen die Frage gestellt wird, ob ein Verzicht auf Solidarität mit den genannten Gruppen das gemeinsame Anliegen gefährdet. Darauf antwortet Butler, dass die Gruppen selbstverständlich links seien, zur globalen Linken gehören. Und impliziert aufgrund der Frage, dass ihre Gewalt sie eben nicht aus dieser Linken ausschließe.
    Und im Interview distanziert sie sich an keiner Stelle auch nur einen Zentimeter von Hamas und Hisbollah, obwohl sie mehrfach danach gefragt wird – sie tut es nicht, weil sie es nicht will. Wenn man dann für dieselbe Sache kämpft, die Zerstörung Israels, dann ist man nichts anderes als ein Bündnispartner.

    ___________

    Diese Aussagen widersprechen sich rein formal NICHT.

    Das weiß ich auch, deshalb habe ich darauf hingewiesen, dass der Unterschied in der Wortwahl wohl nichts zu sagen hat, sondern Zufall ist. Natürlich will Butler im zweiten Satz nicht sagen, dass Maneo nicht nur Migranten, sondern auch andere Minderheiten (aber niemanden sonst) für homophob hält. Es ist offensichtlich, dass sie ihre Aussage von vorher nicht mehr präsent hatte und sich gegen einen Vorwurf wehrt, der zutreffend war.

    ___________________

    Hier denke ich, daß du sie gründlich mißverstanden hast…

    Nein, das habe ich nicht. Ich bin auch nicht daran interessiert, über diese Begrifflichkeiten zu streiten, aber sie benutzt nun einmal den Begriff des Völkermords, und dann kann man vielleicht feststellen, dass der Begriff Unsinn ist. Aber das wäre dann ihr und nicht mir vorzuwerfen. Da die Nazis das jüdische Volk ziemlich genau definiert haben, ist mindestens aus ihrer Sicht der Holocaust ein Völkermord.

    Ich kann mich eigentlich nur wiederholen: Die Behauptung, alle Opfer der Nazis seien in einem großen Genozid umgekommen, ist historischer Unsinn. Und eigentlich ist es auch common sense, dass der Holocaust als singuläres Ereignis betrachtet wird und die politischen Gegner und die “Volksschädlinge” eine andere Geschichte haben. Und nein, Butler spricht hier nicht über die “Methode”, Butler rechtfertigt mit den Morden des Nazistaats ihr Engagement gegen den jüdischen Staat.

    _________________

    Islamophobie: Hier macht niemand den Islam zur Terrorreligion, und ich mache mir auch nicht die Tiraden derjenigen zueigen, die ihren Fremdenhass als Islamkritik oder Verteidigung des Abendlandes verkaufen wollen. Ich wende mich gegen diejenigen, die Islamophobie als den neuen Antisemitismus verkaufen wollen, und gegen diejenigen, die die Reaktionen auf die realen Terrortaten als islamophob denunzieren.

    Natürlich wäre die Shoah durch nichts zu rechtfertigen gewesen, aber Deine Frage ist niederträchtiger Unsinn, weil auf die Terrorattacken der Islamisten bekanntlich – ich hatte das erwähnt – mit runden Tischen und nicht mit Vernichtungslagern geantwortet wurde. Der genannte Vergleich ignoriert das.

    Butler selbst bezeichnet sowohl Antisemitismus als auch Islamophobie als “Rassismen”, weil sie den Unterschied, der gerade historisch schmerzhaft wirkmächtig geworden ist, nicht kennen will. Dass der Islam nichts mit Rasse zu tun hat und Rassismus hier also der völlig falsche Begriff ist, das zeigt nur einmal mehr wie der Antirassismus von seinen vermeintlichen Beschützern intellektuell demontiert wird.

  10. @fish: “Also unsere Vögelperspektive aus der Hamas von Co für uns vielleicht völlig anders aussieht als sie im Kontext ihrer Anhänger aussehen.” Freudscher Verschreiber? ;)

  11. Das Krasseste ist Dir in dem Artikel aber entgangen, denn der absolute Hammer ist folgende Aussage von ihr:
    “Es ist sehr schwer, jemanden daran zu hindern, deine Worte in einer Art und Weise zu verwenden, die nicht deiner Intention entspricht und die gegen deine wichtigsten Werte verstoßen. Ich habe mich auch gefragt, ob die Verwendung meiner gekürzten Bemerkungen über Hamas und Hizbollah nicht selbst eine Art antisemitischer Angriff (sic!) war. Ich spüre in der Tat wieder meine Verletzbarkeit als Jüdin (sic!) in Deutschland, wenn ich auf diese Art und Weise in den Medien diskreditiert werde.”
    Das ist Selbstviktimisierung der perfidesten Art. Butler unterstellt ihren Kritikern einen antisemitischen Angriff auf sie selbst.

  12. Zitat: “Butler bricht alles auf den Staat herunter, der angeblich die deutschen Morde begangen hat, und ignoriert dabei, dass der Staat damals längst dem wütenden Mob anheim gefallen war. ”

    Neinnein, das waren Ausseridische – die die “guten dOitschen” missbraucht haben….. oma und opa warn immer lieb gewwesen……

    fuck off germany!

  13. mehr als eine rechtschreibschwäche hast du nicht zu bieten?
    dann spar dir doch bitte derart nutzlose kommentare!

  14. Zum Rassismus von Maneo (selbst der soll ja hier offenbar geleugnet werden) lohnt sich ein Blick auf den folgenden Beitrag:

    http://schwule-seite.de/politics_schwuler_rassismus.htm

    Die Beiträge des für politische Forderungen beim CSD e.V. noch im Juli 2010 Verantwortlichen Jan Feddersen, der gern und oft in der TAZ rassistisch schreibt, sind ja hoffentlich hinlänglich bekannt.

  15. ähnliche kritikpunkte an dem interview mit judith butler hatte ich auch.

    besonders krass ist, daß butler ihre sprechakt-theorie völlig unsensibel und inkonsequent nutzt. gegenüber migrant_innen sollen homophobe und religiös fundamentalistische ansätze gefälligst sensibel, differenziert und wohlwollend kritisiert werden. wenn überhaupt. eigentlich steht es nämlich europäischen kritiker_innen gar nicht zu über migrant_innen zu urteilen.

    auf der anderen seite wirft butler maneo, die zugegebenermaßen offenbar problamtisch täter_innen ethnisieren, rassismus vor – in der konsequenz eigentlich nur, weil das anti-gewalt-projekt nicht teil eines antikolonialen, antiimperialistischen netzwerkes ist.

    bezüglich der hamas / hisbollah ist dann für butler alles egal. wissenschaft, politik, emanzipatorische und ‘linke’ diskurse werden zusammengewürfelt, entkernt und übrig bleibt eine vermeintlich linke, globale befreiungsbewegung. gruselig! diese perspektive ist sowohl wissenschaftlich verkürzt, als auch politisch untragbar.

    eine weitere politisch diskursive kapriole ist, daß butler die antisemitische gleichung “juden gleich israel” lediglich einer monolithische idee des judentums selbst zuschreibt udn dagegen vermeintlich jüd. werte und eine besondere geschichte und demografie des “jüdischen volkes” setzt. diese besteht allerdings nicht in der shoa und dem exodus (nach palästina), sondern in traditioneller, antiisrelischer kritik jüdischer linker. so nutzt sie völkische attribute gegen israel und wendet die antisemistische gleichung zu “juden ungleich israel”.

  16. @florian

    Ich habe einen möglichen Rassismus von Maneo nicht geleugnet, weil ich mich dazu gar nicht geäußert habe. Ich habe lediglich festgestellt, dass Butlers Aussage, laut Maneo sei Homophobie allein bei Minderheitengruppen zu finden, nachweisbar falsch ist. Und Dein Link belegt das noch einmal. Denn wenn Maneo die Zahl der homophoben Gewalttaten übertreibt und falsch bewertet, wie dort nachvollziehbar behauptet wird, dann berichten sie ganz offenkundig auch über die Homophobie anderer Gruppen, also auch die weißer Männer.

    Man ist geneigt zu sagen: Natürlich tun sie das. Butler hat eben nicht gesagt, dass Maneo den Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund übertreibt. Sie hat stattdessen etwas gesagt, was offenkundig falsch ist und was sie folgerichtig ein paar Sätze später schon wieder dementieren musste.

  17. Gerade lese ich bei Tülin Duman vom “antimuslimischem Rassismus”. Fällt mir nichts mehr zu ein, was für ein intellektuelles Totalversagen. Was kommt als nächstes, wenn Rassismus jetzt das Wort für Diskriminierung jeder Art ist? Ist Homophobie Rassismus?

    Und was ist Rassismus dann eigentlich noch?

    http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/eine-minderheit-unter-vielen

  18. @ machnow: Sprechakttheorie konsequent und sensibel zu “nutzen” ist aus der Theorie heraus schwer zu leisten. Sprechort ohne Essentialisierung zu bestimmen kann nur negativ gelingen, dann als materialistische Kritik eines aufgrund der gesellschaftlichen Verortung beschränkten Blicks. “Nutzen”, impliziert eben schon, es geht um praktische, produktive Anwendung. In solchen Fällen kommt es eigentlich immer zu (anti-)identitären Generalisierungen, denn wenn an unterschieldichen (Sprech-)Positionen unterschiedliche Aussagen unterschiedlich zu kritisieren sind, heißt das notwendig, das Postiv gewandt einige mehr sagen “dürfen” als andre. Das ist in der Theorie angelegt.

    Ansonsten streitet man sich webauf-webab über dieses “deskriptiv”. Ich verlinke da mal, was ich bei aka zu sagen hatte, obwohl es sich größtenteils um “stating the obvious” handeln sollte…
    http://aka.blogsport.de/?p=1066#comment-17516

  19. Trackback from rhizom on 4. August 2010 at 19:03

  20. Dieses Interview hätte sie echt besser nicht gegeben… Die meisten JW-Leser werden die (kritikwürdigen) Ungenauigkeiten in der Sprache genauso zu zerreißen wissen, wie ihre Unkenntnis der deutschen Antisemitismusdebatten und der Hamas-Ideologie. Hihi… in der Jungle World zu schreiben, dass in D oft Israelkritik und Antisemitismus verwechselt werden… Schon fast Realsatire…

    Aber warum immer dieser Hasserfüllte Unterton in der Kritik? (Ist sicher nicht beabsichtigt, aber kommt bei mir so an.) Behandel deine Gegner mal etwas respektvoller, dann stimmen dir auch nichtmehr nur Leute zu, die eh schon deiner Meinung waren.
    Warum diese Ungleichbehandlung von Islamophobie und Antisemitismus. Ist letzterer immer schlimmer/gefährlicher, weil er das in der Vergangenheit war?
    Auch diese seltsame Konstruktion mit der globalen Linken. Hamas und Hisbollah sind halt antiimperialistische linke Gruppen, die antisemitischen Verschwörungstheorien anhängen. Kann man das nicht einfach mal wertfrei konstatieren?
    Zur Herrschaft des Mobs wurde oben schon geschrieben. Ich kenne solche Argumente eigentlich nur aus der konservativen Ecke, wo geleugnet werden soll, dass die NSDAP eine kleinbürgerliche Partei aus der deutschen Mitte war. Willst du dich diesen Leuten anschließen?

  21. Kann man das “wertfrei” konstatieren? Davon hinge doch ab, was “man”, u./oder was Butler unter “Links” versteht. Wie soll das denn “wertfrei” sein? Hamas und Hisbollah als Links zu begreifen heißt doch gerade: nicht wertfrei sowohl etwas darüber aussagen, was unter Links verstanden werden soll als auch etwas über Hamas und Hisbollah.
    Wo kommt denn diese Idee her, politische Zusammenschlüsse wären “wertfrei” zu katalogisieren? Es wäre doch “Links” zu definieren, un zu erklären warum die benannten Gruppen darunter fallen?

  22. Im Zusammenhang mit “Multitude” von Hard(t?) und Negri gabs doch schonmal so eine Merkwürdige Debatte. Die zählen auch deutsche Neonazis zur Multitude, was kein identitäres Kollektiv ist, sondern (ganz grob) eine Sammelbezeichnung für soziale Proteste. Da haben dann auch ganz viele protestiert: Man kann doch nicht ein Wort benutzen, das auf uns genauso zutrifft wie auf Nazis. Wir sind doch ganz anders…

  23. Hasserfüllt bin ich nicht, und ich denke auch nicht, dass es einen solchen Unterton gibt. Mit dem Respekt für Butler ist es aber in der Tat nicht weit her. Das liegt zum einen an den unhaltbaren Positionen, die sie vertritt, und zum anderen an der Attitüde, mit der sie das tut. Ich finde dieses Interview einfach unfassbar und verzweifle ein bisschen an der Selbstgerechtigkeit, die Butler und ihre Anhänger trotz dieses offenkundigen Blödsinns an den Tag legen.

    Islamophobie und Antisemitismus müssen ungleich behandelt werden, weil sie ungleich sind und das nicht nur, aber auch geschichtlich. In ihrer Ideengeschichte, in ihrer Herkunft, in ihren Vertretern und in ihrer Konsequenz.

    Islamisten sind keine Linken, nur weil sie dieselben Gegner wie die Antiimps haben. Sie sind eigentlich nach keiner Definition irgendwie Linke. Und nach meiner, die zumindest eine Verpflichtung auf die Aufklärung beinhaltet, erst recht nicht.

    Eine Bewertung des NS war nicht mein Ziel, und mit der Formulierung über den Mob, dem der Staat anheim gefallen ist, wollte ich vor allem ausdrücken, dass es nicht die Institution ‘Staat’ war, die die NS-Verbrechen zu verantworten hat, sondern die sich zum Mob formierenden Menschen. Butler hingegen erkennt in ihrer unfassbaren Brillanz ja, dass sowohl Israel als auch der NS-Staat, nunja, Staaten sind und waren und schlägt dann die Brücke von den Opfern des einen zum Engagement gegen den anderen. Meine Güte!

    Sicher war der NS kleinbürgerlich, schließlich haben aber aus allen Schichten die Anhänger der Volksgemeinschaft, die keine Schichten und Klassen mehr kennt, begeistert mitgemacht.

  24. @ seine Lordschaft
    “Im Zusammenhang mit “Multitude” von Hard(t?) und Negri gabs doch schonmal so eine Merkwürdige Debatte. Die zählen auch deutsche Neonazis zur Multitude, was kein identitäres Kollektiv ist, sondern (ganz grob) eine Sammelbezeichnung für soziale Proteste.”
    Inwieweit hilft das, die Kritik zu schärfen, oder … was weiß ich … die Debatte voran zu bringen? Natürlich ist es möglich, eine Beschreibung zu entwickeln, die so vage ist, dass sie alle möglichen Phänomene vereint. Das mag auch für Butlers Begriff von “Links” gelten. So what. Weder ist damit nachgewiesen, dass Butlers “Links” wertfrei ist, noch gilt das für die Multitüde. Was zu tun ist, wenn behauptet wird es werde rein deskriptiv argumentiert, habe ich bei aka schonmal kurz umrissen, und ebenso, warum solcherart Wissenschaftliche Herangehensweise dennoch nicht Voraussetzungslos ist (e.g. warum wird unter “Links” subsummiert und nicht unter “blau”).
    Hier nochmal der Link: http://aka.blogsport.de/2010/07/31/judith-butler-im-jungle-world-interview/#comment-17516

    Vielleicht reden wir aber auch aneinander vorbei, und du kritisierst in diesem Fall den Begriff “Links” als adäquate Beschreibung von whatever. Das wäre ein sinnvoller Schluss.

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