August 2010

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Vor einigen Monaten brachte die taz einen antisemitischen Text von Iris Hefets, in dem die Autorin sich über das Gedenken an den Holocaust lustig machte. Anschließend gab es eine kurze Debatte, dann die groteske Verweigerung einer Debatte durch die Chefredakteurin der taz, Ines Pohl, und schließlich entschied die taz, dem Hass auf Israel eine Serie zu widmen.

Außerhalb dieser Serie beschäftigt die Zeitung eine antisemitische Bloggerin, die Studentin Kübra Yücel. Auf deren Konto geht der bisher heftigste rassistische und antisemitische Ausfall der Zeitung. Yücel präsentierte dummdreist die These, dass „die ethnische Herkunft von ‚weißen‘ Israeliten“ die Ursache der Probleme im Nahen Osten sei. Ironischerweise benennt sie das Problem als „rassistische Politik Israels“, nachdem sie sich gerade selbst explizit als Rassistin geoutet hat. Und während man noch fassungslos darauf guckt, was diese Zeitung alles veröffentlichen mag, legt alle paar Tage ein weiterer Kommentator nach. Heute ist es der Redakteur Stefan Reinecke.

Um gleich klarzumachen, dass es bei der Serie zur Israelkritik nicht darum geht, was tatsächlich im Nahen Osten passiert, also zum Beispiel um Israel, trägt sie den Titel „Unser Israel“. Da kann natürlich jeder ungeachtet der Fakten einfach was von seiner Oma erzählen, und so ähnlich kommt es dann auch. Der Autor, nicht ganz untalentiert, führt seine Tante in der Rolle der guten Deutschen ins Feld. Die gute Dame war ängstlich, versuchte, nichts falsch zu machen, und ihre Erkenntnisse passten in einen Satz. Die Tante, die hier für die Deutschen steht, war also herzensgut und dumm. Reinecke, Fuchs der er ist, ist dagegen schlau. Zwar bewundert er seine Tante für ihre „geradlinige Erkenntnis“, lehnt diese aber gleichweg ab. Schließlich meinte seine Tante, sie hätte kein Recht, über Israel zu urteilen. Reinecke dagegen will nicht nur das Recht haben, er sieht sich sogar in der Pflicht. Nur warum?

Er ist ein Deutschnationaler. Er benutzt dieselben Wörter und dieselbe Argumentation, die man so schon hunderte Male von denen gehört hat, die ihr Deutschsein nicht mehr mit den Verbrechen der Deutschen beschmutzt sehen wollen. „65 Jahre nach Kriegsende“ sind es jetzt schließlich, und Stefan Reinecke ist nicht nur Deutscher, er ist gleich „Deutscher 2010″. Und überhaupt, die Deutschen, sie sind „in einem Schuld-Sühne-Komplex“ gefangen, noch. Dass die NS-Vergangenheit historisiert wird und ferner rückt, ist „keine Gefahr, […] sondern eine Chance“. Er beklagt eine gefühlte „Freundespflicht gegenüber Israel“.

Nicht Martin Walser, nicht die Junge Freiheit, keine Burschenschaft und kein Gast bei Opas Fünfundneunzigstem redet so, sondern ein Redakteur der sich links verstehenden taz. Wie kann das sein, wie kommt dieses originär rechte Gerede in eine linke Zeitung, was will der Redakteur?

Wenn die deutsche Geschichte so entsorgt wird, dann geht es im nächsten Schritt stets gegen die Juden. Der Parlamentskorrespondent der taz ist ein Antisemit, der sich erst selbst einen Berechtigungsschein ausstellen muss, bevor er loslegen kann. Er meint, er könne „gelassen und nüchtern“ gegen Israel sein, womit er sich von denen absetzen will, die nicht gelassen sind, sondern ganz unlinks und untazig verkrampft. Mit einer ist-doch-alles-selbstverständlich-Haltung wirft er die altbekannten Lügen noch einmal neu auf: Apartheid, Araber als Bürger zweiter Klasse, blabla. „Man kann das nicht ignorieren, auch nicht aus vermeintlich guten Gründen“ schwallt er daher und unterstellt denen, die an Israel nichts auszusetzen haben, sie würden die bösen Taten der Juden ignorieren. Das will er abstellen, stattdessen sollen die Deutschen endlich erwachen.

Vom Nahen Osten kann und will der Kommentator keine Ahnung haben, weil das nicht sein Thema ist – sein Thema ist seine Tante, ihr Judenknacks und Deutschlands Heilung davon. Also phantasiert er, Netanjahu und sein Außenminister Lieberman würde man ohne Scheu „rassistische Demagogen“ nennen, wenn sie denn in Moldau oder Österreich regieren würden und nicht in Israel. Abgesehen davon, dass er sie damit gerade selbst so genannt hat, hat er natürlich recht: Die beiden sind jüdische Politiker, natürlich würden der „Kreuzberger Kinder-Stürmer“ (Broder) und seine Kameraden sie als Demagogen beschimpfen, schließlich ist das ein bekanntes antisemitisches Ressentiment.
Dass Österreich und Moldawien nicht von Feinden umgeben sind, die immer wieder Krieg gegen sie angefangen haben und das auch für die Zukunft ankündigen – geschenkt. Schließlich kann man davon ausgehen, dass Lieberman und Netanjahu sowieso einfach jemand anders unterdrücken würden, wenn mal keine Araber da wären. Die autochthonen Österreicher unter der Fuchtel der rassistischen jüdischen Politiker, und „keiner hätte Scheu“ das auch mal auszusprechen – so sehen deutschnationale feuchte Träume aus.

Eine „streng zionistisch erzogene Freundin“ lässt der vermutlich streng deutsch erzogene Reinecke raunen, das Land verwandle sich in eine Diktatur. Das findet er selbst nicht haltlos und unsinnig, sondern „übertrieben“ und redet dann, ganz nüchtern und gelassen, über „furchterregende Kampagnen gegen NGOs“. Gut zu wissen, was ein taz-Redakteur, der über Selbstmordattentate und Vernichtungsdrohungen kein Wort verliert, dann tatsächlich furchterregend findet: Gesetzesinitiativen, die von NGOs verlangen, ihre Finanzen transparenter zu gestalten.

Etwas bizarr wird das Geseier, wenn er „die Libertären, Weltoffenen“ lobt, die Israel verlassen, weil der Judenstaat so furchtbar geworden ist. Die gehen natürlich, wohin denn sonst, nach Berlin. Und erfreuen sich an der libertären BRD, wo es kaum Steuer und noch weniger Staat gibt. Genau.

Das Beste kommt zum Schluss: Genüsslich Nüchtern und gelassen prophezeit der Autor den Untergang des jüdischen Staates. „Auszehrung und Ermüdung“ werden die Juden heimsuchen, wenn sie ihr nationales Projekt nicht aufgeben und ihren Küstenstreifen zum nächsten Araberstaat umfunktionieren lassen, damit der taz-Fuchs zufrieden ist. Für ihn ist Israel keineswegs die sichere Heimstatt der Juden, kein Zufluchtsort für Millionen aus aller Welt, schon gar kein wirtschaftliches, kulturelles und religiöses Zentrum – für ihn ist Israel ein „Flugzeugträger der USA“, die wiederum sind ohnehin „im Abstieg“ und so soll es bald auch mit Israel zuende sein.

Zuletzt hat Reinecke noch einen Wunsch an seine Landsleute und Volksgenossen.

In Israel deutet viel darauf hin, dass die systematische Unterdrückung auf die Dauer die eigene, offene Gesellschaft zerstört. Die Generation meiner Tante konnte das nicht sagen. Wir sollten es, ohne Hochmut und mit viel Selbstdistanz. Das können wir von uns verlangen.

Ein großes Opfer, dass das deutsche Volk von sich selbst verlangen kann, in der Tat: Israelkritik als letzte heroische Tat in einer postheroischen Gesellschaft.

Schon im Titel steckte die Feinderklärung ganz verschmitzt: „Feigheit vor dem Freund“. Und am Ende ist klar, was die taz nun fordert: Die Deutschen sollen den Juden gegenüber nicht mehr so feige sein. In Verbindung mit der Drohung, dass ihr Staat untergehen wird, wenn sie sich nicht endlich bessern, weckt diese Forderung genau die Erinnerungen, deren Ende Reinecke eingangs so vehement gefordert hat.

Kein Zufall.

Warum man eigentlich Partei für Israel ergreifen sollte, fragen sich manche. Dabei muss man gar nicht Partei für Israel ergreifen, man muss sich nur der Wahrheit verpflichtet fühlen.

Ich befinde mich in einem ständigen Staunen darüber, wie unglaublich die Lügen sind, die Antisemiten sich erst ausdenken, dann selbst glauben und schließlich auch noch publizieren. Fassungslos stieß ich heute auf diesen Eintrag bei CiFwatch, die sich mit dem Diskussionsbereich der Website des „Guardian“ beschäftigen, wo sich linksliberale Antisemiten und ihre Freunde treffen.
Auf der Website der Zeitung war ein Foto erschienen, auf dem zu sehen ist, wie ein israelischer Soldat an einer Infusion für einen am Boden liegenden Mann arbeitet. Die Bildunterschrift jedoch behauptete das genaue Gegenteil: Der Mann am Boden würde total ignoriert.

Diese Leute schreiben unter ein Foto das Gegenteil von dem, was tatsächlich darauf zu sehen ist. Derlei antisemitische Lügen sind offenkundig. Man muss nicht politisch sein, um die Lüge und ihre Motivation zu erkennen.
„Jeder Evidenz ins Gesicht zu lügen,(…) das ist die Wahrheit der Antisemiten“ formulierte die Bahamas ganz richtig und traf damit einen faszinierenden Punkt. Während man viel über die antisemitische Ideologie, ihre Rolle und ihre Geschichte lesen kann, wird eine wichtige Tatsache als selbstverständlich betrachtet und dabei beinah vergessen: Das, was Antisemiten gegen die Juden und ihren Staat sagen, ist unwahr. Es ist nicht etwa eine falsche Auslegung gewisser Tatsachen, es ist schlicht und ergreifend unwahr.

Natürlich ist das eine Binse, schließlich wäre der Antisemitismus berechtigt, wenn die Schauermärchen über Juden auch nur 1% Wahrheitsgehalt hätten. Aber die Auseinandersetzung mit den Feinden Israels muss da, wo sie nicht ohnehin mit Waffengewalt ausgetragen wird, eine um die Wahrheit sein. Das effektivste Argument gegen Antisemiten ist nicht, dass ihre Äußerungen antisemitisch sind – das bestreiten sie ohnehin mit großer Lässigkeit – sondern, dass sie unwahr ist.

Eigentlich ist das hier die Stelle, an der ein launiger und wie immer optimistischer Saisonausblick steht. Aber eben begab es sich, dass ich, nachdem ich die Überschrift schon ersPONnen hatte, auf eine sehr sehr traurige Nachricht gestoßen bin. Hugo Almeida möchte Werder verlassen und redet auch drüber. Im Worum übersetzt man ihn so:

… habe keine konkreten Angebote
… möchte noch einige Jahre im Ausland spielen, bevor ich zurück nach Portugal wechsle
… Ich behalte den Wunsch, in einer anderen Liga zu spielen, nicht für mich. Ich habe bereits mit den Verantwortlichen von Bremen darüber gesprochen.
… Also Abschied wahrscheinlich? Ich fühle mich gut hier, ich bin glücklich, aber ich muss in Ruhe warten, was da kommt und dann entscheiden was für mich und den Verein am Besten ist.
… Aber ich kann sagen, dass es am Wahrscheinlichsten ist, nicht mehr in der Bundesliga diese Saison aufzulaufen? Ja, lass uns sagen, dass das am Wahrscheinlichsten ist. Ich sehe da Gesprächsbereitschaft von Bremen (mich ziehen zu lassen). Zeit ist gekommen, aber bin ruhig. Wenn ich am Ende noch ein Jahr bei diesem Club bleiben müsste, würde ich mich wie immer reinhauen
… ich möchte gerne nach England oder Spanien, am Besten wäre für mich aktuell Spanien, in die Liga will ich wechseln.

Was für ein infamer Verrat! Dabei haben wir alle ihn geliebt. Das ist jetzt natürlich vorbei, ich will das Schwein nicht mehr sehen! Als ob es so wichtig wäre für einen jungen und talentierten Fußballer, auch zu spielen und als ob es auf Werder Bremens Bank nicht immer schön gewesen wäre! Als ob ein Kerl wie Hugo gut nach England passen würde! Aber gut, das muss er alles selber wissen. Bisher bietet leider nur Lazio Rom. „Rom oder Bremen, Hauptsache England“ wird Hugo sagen und dem Wechsel hoffentlich zustimmen.

Wechsel! Dieses schäbige Spiel. Mein armes Herz wird ein weiteres Mal gebrochen werden, wenn Diego demnächst nach Wolfsburg wechselt. Wenn ich ihn nicht mehr haben kann, soll ihn auch kein anderer haben! Aber so läuft das im Fußball nicht. VW wird sich den kleinen Sympathieträger einiges kosten lassen, nachdem sie Ballack nicht bekommen haben. Irgendeinen Grund braucht man ja, um beim Wolfsburgspiel in der Sportschau nicht doch eben Bier holen zu gehen anstatt VW-Logos anzugucken.

„Ich hab Vertrag“, das bringt das ganze große Elend auf den Punkt. Mesut Özil gibt seit seinem Urlaub nur noch zu Protokoll, dass er hier sei, weil er einen Vertrag hat, den er respektiert. Lies: Er ist nur noch deshalb hier, sonst wäre er woanders, aber es geht halt nicht. Er hat Vertrag. Er würde das nicht sagen, wenn ein Wechsel in den nächsten Tagen nicht mehr möglich wäre. Dann würde er nämlich sagen: Ich habe noch große Ziele mit Werder Bremen und freue mich auf die neue Saison. Tut er aber nicht. Derweil wird ein Wechsel immer unwahrscheinlicher. Für Werder wäre beides zu verkraften, also ein Wechsel oder ein Bleiben. Allerdings sollte Özil dann bis zum ersten Heimspiel irgendwas nettes über Werder sagen, sonst werde ich nämlich grantig. Und eine ziemlich gute Saison sollte er spielen, sonst wird er nämlich ausgepfiffen. Der gemeine Fan versteht auch nicht, dass Özil 85 Minuten rumstehen kann, bis er dann die beiden entscheidenden und brillanten Pässe spielt. Der gemeine Fan pfeift dann nach der 50., mit Özils aktueller Vertragssituation eher nach der 15. Minute.

Auf der Habenseite können wir vielleicht demnächst einen neuen Brasilianer verbuchen, jedenfalls wenn es nach Per Mertesacker geht. Der hat in der BILD bereits verkündet, dass Allofs Wesley erstens für nötig hält und zweitens auch sagt, dass der Wechsel tatsächlich passieren wird. („Er sagt, dass Wesley kommen wird und wir diesen Spieler brauchen.“) Da jubelt natürlich das Managerherz, wenn der Gegenseite in den Verhandlungen klar gemacht wird, dass man den Spieler wirklich dringend braucht und den Wechsel auf jeden Fall machen wird. Vielleicht muss Mertesacker ja jetzt die Million, die Santos nach dem Interview mehr verlangen sollte, selbst zahlen. Merte, der Experte. Auch kluge Fußballspieler sind eben sehr dumm. Vielleicht ist aber Mertesacker auch nur sauer, weil er bei Werder Bremen bleiben muss. Anscheinend ist das schließlich ein sehr hartes Los.

Vielleicht hat die BILD die Informationen aber auch aus ihm rausgepresst und damit gedroht, sonst eine ähnliche Kampagne gegen ihn zu fahren wie gegen Marko Arnautovic. Der muss sich inzwischen täglich beschimpfen lassen, unter anderem von Mario Basler. Der warf ihm ganz sinnbefreit schonmal „null Pflichtspiele, null Tore“ vor, was zu diesem Zeitpunkt wirklich triftig ist. Dabei bin ich davon überzeugt, dass der Mann ein Zuckerstück ist, eine Granate, ein Supermann. Ihr werdet es erleben.

Aber was wird denn nun mit der Saison?

Das weiß doch jetzt noch keiner! Außer mir. Werder wird unter den ersten Fünf landen. Bisher gibt es keine Abgänge, dafür aber einen vielversprechenden Neuzugang. Die jungen Spieler sind wieder ein bisschen besser geworden, allen voran Aaron Aaron Hunt. Marko Marin wird eine gute Saison spielen, er ist ehrgeizig. Pizarro und Frings werden älter, aber eine gute Saison haben beide noch in den Knochen. Borowski wird schwerlich eine noch schlechtere Saison hinlegen können als die letzte, und sein Potenzial ist bekanntermaßen in der Kategorie „Interesse von Bayern“. Vermutlich deshalb (und wegen Wesley) durfte Niemeyer nun auch endlich gehen. In der Abwehr fehlt Naldo, das könnte ein richtiges Problem werden, wird es aber nicht. Alles wird gut mit Naldo. Noch im August steigt er wieder ins Mannschaftstraining ein und dann wird alles immer besser.
Auf den Außenpositionen sind wir mit Fritz sehr gut, mit Boenisch hoffnungsvoll und mit Pasanen gut besetzt. Wer da ständig rummeckert soll sich mal bei den anderen Bundesligavereinen umgucken. Und für Boenisch gilt auch, dass die nächste Saison auf jeden Fall besser wird als die letzte. Und in der sind wir bekanntlich Dritter geworden.

Die Konkurrenz schläft auch nicht, in Wolfsburg und Schalke wird wieder mit den Millionen geworfen. Wenn ich in Gelsenkirchen wohnen würde, würde ich übrigens mal nachfragen, warum die Stadt den Verein mit 20 Millionen rettet, damit der dann ein paar Monate später 30 Millionen in neue Fußballspieler investiert. Das Fußballgeschäft ist ein ungerechtes, aber wir sind trotzdem besser als alle anderen. Hamburg hat eine schlechte Mannschaft und kann unter der Woche auch noch ausschlafen. Warten wir mal ab, ob die dieses Jahr wirklich wieder gegen uns antreten wollen. Ich teile da diese Prognose.

Leider hängt bei uns doch viel davon ab, ob Özil bleibt und wenn ja, in welcher Verfassung er das tut. Wenn er bleibt, spielt er um einen neuen, großen Vertrag. Das wäre ganz gut, auch wenn ich dann in den nächsten zwei Monaten erstmal wenig von ihm erwarte. Kommt es so, spielen wir ganz oben mit um die CL-Plätze. Wichtig ist auch, dass wir die CL-Quali gegen Genua schaffen, damit wir nicht wieder tausend Spiele in der Europa League machen müssen, die dann die Kraft für die Bundesliga rauben. Geht Özil und kommen wir in der EL weit, wird es in der Bundesliga zum Kampf um Platz 5, vielleicht Platz 4. Viel tiefer wird es nicht gehen, weil wir eine eingespielte Mannschaft mit guten und ehrgeizigen Spielern haben, vom Trainer gar nicht zu reden. Meister wird sowieso Bayern, Quell ewiger Langeweile.

Gespannt bin ich auf Wolfsburg, wo Hoeneß hilflos Geld verprasst. Der Trainer spricht kein Deutsch, Dzeko hat keinen Bock und wie Diego in ein rasantes 4-3-3 passen soll, wie McClaren es in Enschede spielen ließ, weiß keiner. Wenn die Einkaufspolitik des Managers dem Trainer die Taktik diktiert, geht das meistens schief. Wenn Leute wie Diego und Dzeko in einer Mannschaft spielen, geht das meistens gut. Wir werden sehen.

Dortmund wird Sechster und dann wundern sich da alle, weil sie schon wieder im Größenwahn delirieren. Aber bald ist ja der CL-Sieg von vor 13 Jahren abbezahlt.

Genua. Seit der Auslosung habe ich schreckliche Angst vor Sampdoria Genua. Das ist ziemlich irrational, weil ich nichts über sie weiß, außer dass sie Vierter in Italien waren und Cassano irgendwie ein berühmter Stürmer ist. Dazu habe ich Angst vor Merte-Prödl, die bis Dienstag vielleicht noch keine gute Abwehr bilden können. Und wie bitter wäre das nach dem Endspurt in der vergangenen Saison, jetzt zu scheitern. Die anderen Male waren es Basel und Zagreb, Genua ist mindestens eine Nummer größer. Andererseits ist der italienische Fußball auch nicht mehr das, was er mal war (nämlich: gut). So langsam weicht meine Angst einer vorsichtigen Zuversicht.

Für die Zukunft des Vereins wäre die Qualifikation unglaublich wichtig, denn wenn sie verpasst wird und wir dieses Jahr nicht die direkte Qualifikation für das nächste Jahr schaffen, dann sind die fetten Jahre hier erstmal vorbei. Wie die fetten Jahre aussahen und wie teuer der Kader geworden ist, lässt ein Blick auf die Bilanzen deutlich werden. Wiederum im Worum hat jemand das aufgelistet. Damit diese Entwicklung jetzt nicht abrupt zurück gedreht wird, muss Werder in die Champions League kommen.

Wir befinden uns im Sommerloch, also der nachrichtenlosen Zeit in der Mitte des Jahres. Die Nachrichtenproduzenten machen Urlaub und lassen uns allein zurück. Das macht aber nichts, weil die Nachrichten im Rest des Jahres auch nicht gehaltvoller sind. Seien es die beliebigen schlaumeierisch aufbereiteten Agenturfetzen bei Spiegel Online oder die im lässigen Plauderton hingerotzten Eigenmeinungen in den linken Medien (ICH MEINE DICH, „KONKRET“) – ich verschwende meine Zeit in 90% der Fälle, in denen ich Nachrichten aufrufe. Und, soviel sei hier preisgegeben, ich rufe die Nachrichten oft auf. Ihr dagegen habt es besser. Ihr sitzt in Euren heimeligen Sofas auf grünen Wiesen, genießt das Leben und lest dann einfach nur das, was wirklich interessant ist.

Zum Beispiel den Text von „Les Madeleines“ in der Jungle World von heute, der für Euch Geizhälse noch nicht online ist. (Inzwischen schon.) Die Gruppe beschäftigt sich mit dem Konzept der sogenannten Definitionsmacht. Die Definitionsmacht soll allen Menschen in linken Zusammenhängen die Macht geben, alles als sexuellen Übergriff auf sich selbst zu definieren, was sie möchten, mit verschiedenen Konsequenzen, auch für den von ihnen ebenfalls bestimmten Täter. Klingt wahnsinnig, ist es auch. Kann man, wenn man das erste Mal davon hört, nicht so richtig glauben, stimmt aber. Wie wahnsinnig es aber wirklich ist und wie absurd die eigenen Publikationen der Definitionsmachtfreundinnen und -freunde sind, das kann man jetzt bei den Les Madeleines nachlesen. Wenn man die Jungle World kauft. Oder bis Sonntag wartet.

Ebenfalls in der Jungle kann man mal wieder innovative Nahostberichterstattung lesen. Nachdem die libanesische Armee das Feuer auf israelische Soldaten in Israel eröffnet hatte, frohlockt Hannah Wettig im Blatt, dass „der Libanon sich an eine Hauptforderung der Israelis inzwischen hält. Nicht mehr die Kämpfer der Hizbollah patroullieren an der Grenze, sondern Soldaten der libanesischen Armee.“ Man kann sich die Jubelstürme in Israel geradezu vorstellen, dass man da jetzt endlich von den Richtigen erschossen wird. Klasse auch, wie man diese beiden Sätze hintereinander schreiben kann: „…dem folgte an der Nordgrenze die Attacke der libanesischen Armee. Im Libanon befürchtet man, der Angriff aus Israel könne ein Test für einen neuen Krieg gewesen sein.“

Hier läuft alles noch nach der guten alten Ausrede: „It all started when he hit me back!“ Was wirklich war, ist schnell zusammengefasst.

Die englischsprachigen Blogger zum Thema lesen gerade alle Jeffrey Goldbergs Überlegungen und Interview-Fetzen zu einem möglichen Angriff Israels oder der USA auf die iranischen Atomanlagen. Das ist sehr interessant zu lesen, weil der Mann mit vielen Leuten gesprochen hat, die entweder wissen, wovon sie reden, oder die selbst an den Entscheidungen beteiligt sein werden. (Auch von denen wissen manche, wovon sie reden, zum Glück.)
Und während ich beim Lesen so dachte, dass das ja echt interessant ist, blieb ich hinterher doch mit wenig mehr Wissen als vorher zurück. Die Israelis wollen nicht, dass der Iran die Atombombe bekommt. Die Amerikaner wollen das auch nicht. Ob Sanktionen funktionieren werden (Antwort: vielleicht), ist nicht Goldbergs Thema. Es ist die Frage, ob jemand andernfalls die Atomanlagen bombardiert. Die USA könnten das tun und sagen, dass es durchaus erwogen wird, aber man glaubt ihnen nicht so richtig, weil Obama nicht der Typ dafür ist. Die Israelis könnten es vielleicht durchführen, sind sich aber auch noch nicht sicher, ob es denn, falls möglich, erstrebenswert ist. Schließlich würde es weitreichende Folgen haben, zunächst mal ein Krieg mit Hamas und Hisbollah, dazu diplomatischer Ärger mit der ganzen Welt inklusive den Amerikanern.

Vielleicht ist die Erkenntnis aus Goldbergs Artikel, dass weder die Sachlage klar ist, noch die Entscheidungen gefallen sind. Alles bleibt möglich. Ein plausibler Zeitplan scheint zu sein, dass zum Jahreswechsel eine Entscheidung gefällt wird und der Militärschlag dann im Frühjahr oder Sommer durchgeführt würde.

Einen lauten Aufschrei, mit dem der Tod der an Massenvernichtungswaffen werkelnden Ingenieure beklagt wird, wird es dann auch bei Spiegel Online geben. Auf welchem Niveau sich das meistbesuchte deutsche Nachrichtenportal bewegt, kann man ganz gut nachvollziehen, wenn man Niggemeiers Headline-Sammlung liest. Wäre alles doppelt so lustig, wenn wir es hier nicht mit einem deutschen Leitmedium zu tun hätten, das sich auch als solches versteht. Spiegel-Autoren geben sich stets allwissend, sie belehren die Leserinnen über den Gegenstand ihres Artikels. Dabei halten sie gekonnt die Distanz zum Gegenstand und heben sich und damit auch ihre Leserinnen über denselben hinaus. Es ist dieser Stil, der die Millionen von Nahost-Experten hervorbringt, die vor Deutschlands DSL-Anschlüssen herumwuseln. Wer Ulrike Putz gelesen hat, kann niemanden, über den sie geschrieben hat, mehr ernst nehmen. Nicht die Israelis, nicht die Islamisten in Gaza und Libanon und erst recht nicht Ahmadinedschad in Teheran.

Denn man versteht dann alles und jeden, und natürlich versteht man, dass alles was sie machen irgendwie irrational motiviert ist, und auch dafür hat man Verständnis. Das ist das Wichtigste: Wer den Spiegel gelesen hat, der hat Verständnis dafür, dass alle immer alles falsch machen. Die einen weil sie arm sind, die anderen wegen des Holocaust. Man versteht, dass Homöopathie nicht funktioniert, man versteht aber auch, warum alle trotzdem in die Apotheke rennen und Globuli kaufen.

Wir sollten also eigentlich dankbar dafür sein, dass das im Text behauptete Allwissen bei SPON zumindest in der Headline glaubwürdig dementiert wird. Dabei macht gerade diese Mischung das Angebot so attraktiv. Mit der Lesekompetenz eines Achtjährigen kann man bei SPON zum Experten für alles mögliche werden. Der große Bescheidwisser-Stil macht es möglich. Und der neueste Klatsch und Tratsch liest sich auch gleich viel besser, wenn man ihn in einem Qualitätsmedium liest. Dass die ganze Panorama-Redaktion von BILD eingekauft wurde, interessiert da nicht weiter.

Paradedisziplin ist natürlich die deutsche Politik. Da raunen sich die Redakteure einen zusammen, interpretieren die Verlautbarungen aus den Parteien bis ins kleinste Detail, befragen dann noch den Hausmeister vom Willy-Brandt-Haus und zitieren ihn als „Quelle aus der Partei“, fertig ist ein Text, der seinem Leser das schöne Gefühl gibt, die große Politik verstanden zu haben. Er ist jetzt in der Lage, zwei Stunden später eine Prognose zur Politik abzugeben, die gut informiert daherkommt. Das ist einerseits schlecht, weil das eigene Denken bei dieser Art von Berichterstattung ausfällt. (Was bei einem Magazin noch akzeptabel ist, nicht aber bei der oft einzigen täglichen Nachrichtenquelle.) Und andererseits, weil viele Artikel so mies sind wie die von Ulrike Putz und die Leute, die sich bestens informiert wähnen und selbstgerecht daherschwadronieren, keine Ahnung haben oder geradewegs falsch informiert sind.

Zuletzt: Was Intifada und Friedensprozess so mit sich gebracht haben. Der sogenannte Friedensprozess und die beiden Intifadas in Palästina haben dazu geführt, dass Israelis und Palästinenser nichts mehr miteinander zu tun haben, sie haben keinen Kontakt mehr zueinander. Das ist das Gegenteil von dem, was Oslo mal versprochen hatte. Es führt auch dazu, dass die jungen Menschen in Gaza offenbar noch negativer gegenüber Israel und Juden eingestellt sind als die älteren.

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, die Verteidiger der Hamas wie zum Beispiel Helga Baumgarten einmal beim Wort zu nehmen. Ihre Erzählung ging jahrelang ungefähr so: Die Hamas war mal radikal, aber jetzt geht sie denselben Weg wie die Fatah und ist deshalb ein guter Partner für Verhandlungen.
Wenn man nun sieht, dass der Judenhass offenbar in der neuen Generation noch schlimmer ist als in der davor, wird das alles schwer vorstellbar. Das macht aber für Leute wie Baumgarten nichts, weil natürlich Israel dran schuld ist, dass die Welt gar nicht so ist, wie Baumgarten sie beschrieben hatte.