The fine art of gernalism

Wenn in Deutschland über den Nahostkonflikt berichtet wird, muss es immer so aussehen, als sei man unparteiisch. Letztlich sind dann aber doch immer die Israelis schuld. tagesschau.de zeigt schon im Anlesetext, wie es geht:

Nach dem Anschlag auf jüdische Siedler im Westjordanland hat der israelische Siedlerrat das vorzeitige Ende des Baustopps angekündigt. Ursprünglich sollte bis Ende September im Westjordanland nicht gebaut werden. Die Ankündigung dürfte die Friedensgespräche in Washington erheblich belasten.

Es ist nicht die Ermordung von vier Israelis, die die Friedensgespräche belasten, sondern die Ankündigung, Häuser zu bauen. Und da es ein jüdischer Rat ist, der dies beschlossen hat, handelt es sich dabei natürlich nicht um eine politische Entscheidung, sondern um ein perfides Manöver: “Der Rat der jüdischen Siedler im Westjordanland nutzt den Anschlag bei Hebron auf seine Weise.”

Nur wer den Text bis zum Ende liest, über eine Audioabspielmöglichkeit hinaus, könnte sich eventuell ein realistisches Bild von der Lage machen. Man könnte dort lesen, dass die palästinensischen Unterhändler abziehen wollen, wenn wieder gebaut wird – und sich fragen, wieso Israel nach dem Terroranschlag von Hebron weiter verhandeln möchte. Man könnte sich den einzigartig langmütigen Apell von Schimon Peres auf der Zunge zergehen lassen: “Die Terroristen werden keinen Erfolg haben. Sie sind eine Katastrophe für ihr eigenes Volk und eine Gefahr für unser Volk. Wir werden nicht mit Terroristen Verhandlungen führen, sondern mit denjenigen, die den Terror ablehnen.” Dann würde man sich sicher fragen, wie da wohl die Chancen stehen, solche Gesprächspartner zu finden.

Das alles ist natürlich nicht nötig, wenn die Erklärungen weiter oben nur allzu gut zu dem passte, was man schon immer wusste.

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