The strongest possible terms

Man muss das auch mal andersherum sehen. Am Ende jedes Maschinengewehrs, das zufällig vorbeifahrende Menschen zerfetzt, da steht doch auch ein Mensch. Einer, der eine Entscheidung gefällt hat und dann danach gehandelt hat. Zweifellos ist es ein böser Mensch; aber derlei Zuschreibungen sind gemeinsam mit dem Gedanken, dass Menschen selbst entscheiden, was sie tun oder lassen, verloren gegangen. Heute ist jeder wahlweise von seinen Genen, seinem Hirn, seiner Geschichte oder der seiner Eltern, seiner Religion oder seiner Kultur, den Produktionsverhältnissen oder – noch besser – von seinem Gewissen in Haft genommen worden. Was Menschen so tun, tun sie, weil sie gar nicht anders können.

Palästinenser morden eben, weil die Besatzung so furchtbar ist, und dann ist es auch kein Mord, sondern eine Verzweiflungstat. Oder ein Torpedieren von Friedensverhandlungen. Man betrachtet das nur noch im Kontext und nicht mehr für sich: Jemand stoppt mit seinem Gewehr ein Auto, erschießt die vier Insaßen und fährt weiter. “Eine Tragödie”, sagt Obama dazu, als ob das Ereignis unausweichlich gewesen wäre. Die Umstände sind eben so, die Leute sind eben so, heißt das. Keine autonome Entscheidung der Täter und ihrer Auftraggeber wird anerkannt und kritisiert.

Und dann die Phrasen, hinter denen die schreckliche Wirklichkeit verschwindet: Man verurteilt die Tat. Aufs Schärfste. Ein Anschlag. Und dann kommt der Kontext hinterher, damit man die Tat auch verstehen kann. Dabei führt das alles dazu, dass man die Tat eben überhaupt nicht mehr verstehen kann, sie wird völlig ungreifbar: Eine Straße, nachts, ein Auto mit Menschen, ein anonymer Täter, der mit einem Maschinengewehr vier Fremde einfach umschießt, er schießt aus einem fahrenden Auto und Washington ist weit weg.

Guido Westerwelle lässt sein “aufs Schärfste” ins Englische so übersetzen: “in the strongest possible terms.” Mit den stärksten möglichen Ausdrücken also. Dabei bleiben diese dann aus: Er behauptet eine scharfe Verurteilung und unterlässt sie genau dadurch. Die stärksten möglichen Ausdrücke und Begriffe bleiben in der Schublade. Die Tat an sich nicht wahrzunehmen, sondern nur ihren Kontext, führt schließlich dazu, dass ein brutaler vierfacher Mord gemeinsam mit der Ankündigung von Bautätigkeiten abgeheftet wird.

Die Unfähigkeit, moralische Urteile zu fällen, also zum Beispiel einen Mord als einen Mord zu verurteilen, ist auch die Triebfeder der häufigen Nazivergleiche. Wie soll man Menschen klar machen, dass es dezidiert böse Menschen und Taten gibt, wenn nicht mit dem Hinweis auf Nationalsozialismus, Massenmord und millionenfaches beabsichtigtes Leiden? Dabei spielt es gar keine Rolle, ob es tatsächlich um schlimme Menschen und Taten geht oder ob es sich um Projektionen handelt. Auch Antisemiten sehen das Böse am Werk, deshalb ist ihnen der Nazivergleich so nah.

Es ist der Postmoderne geschuldet, dass nicht nur moralische Begriffe verschwinden, sondern auch eine objektive Beschreibung der Realität an sich für unmöglich gehalten wird. Wäre es common sense, dass ein Mord ein Mord ist und sonst gar nichts, dann wäre auch die Wahrnehmung des Nahostkonflikts eine andere, da man dann das Verhalten der Konfliktparteien objektiv bewerten würde. Da aber eine objektive Bewertung von postmodernen Beobachtern ganz explizit ausgeschlossen wird, ist ein Mord kein Mord mehr, sondern ein politisches Manöver wie viele andere auch.

Überhaupt, die Friedensgespräche: Wie sie enden werden, kann man bei den Nahost-Experten nachlesen. Wie sie begonnen haben, steht schon fest: Mit vier Toten.

Zum selben Thema:
The fine art of gernalism

  1. Also, ich kann in diesem Statement von Obama nicht erkennen, dass er die Tat in irgendeiner Weise relativiert oder einordnet, “damit man die Tat auch verstehen kann.”

    http://www.whitehouse.gov/the-press-office/2010/09/01/remarks-president-obama-and-prime-minister-netanyahu-israel-after-bilate

    Oder worauf beziehst du dich?

  2. Ich beziehe mich, wie geschrieben, auf die Bezeichnung “Tragödie”. Eine Tragödie zeichnet sich dadurch aus, dass das Unheil nicht abzuwenden ist, dass die Protagonisten ihm nicht entgehen können.

    Ich finde das unpassend, und ich denke, dass es die Verantwortung der Täter für ihre Tat untergräbt.

    Ansonsten ist das Obama-Statement natürlich noch sehr viel besser als alles, was man in deutscher Sprache so lesen kann, aber der Begriff der Tragödie war mir aufgefallen.

    Dazu:
    http://www.shining-city.de/2010/09/01/the-difference-between-clinton-and-westerwelle/

    Derweil gehen die Angriffe weiter:
    http://www.haaretz.com/news/national/2-israelis-wounded-in-second-west-bank-shooting-attack-in-two-days-1.311583

  3. Ja, die Weltherrschafts Lyotards. Vor Veröffentlichung “Das postmoderne Wissen” hat es so was wie Morde ja gar nicht gegeben. Stattdessen ist eine Verschwörung von Philosophen wie Jacques Derrida und Judith Butler an die Hebel der Deutungsmacht gelangt und hat mit Thesen wie jenen der “Schriftvergessenheit” oder derer, daß Geschlecht eine gesellschaftlich wirksame, normative Kategorie ist, massenhaftes Morden und Kriege produziert, ein Novum in der Menschheitsgeschichte. Früher hingegen konnte man noch ganz objektiv konstatieren, daß Araber und Juden Untermenschen und Neger dümmer sind. Nicht zuletzt Herr Sarrazin verschafft diesem Denken ja zum Glück wieder objektive Gültigkeit, gelle?

    Du hast ja durchaus sympathische Anliegen, aber mit diesem daher dilettierten Quatsch schadest Du denen doch nur.

  4. den selben gedanken hatte ich bei dem begriff “tragödie” auch. es befiel mich eine ahnung dass er eine höhere gewalt verantwortlich machen wollte statt eines mörderischen vorsatzes. zumindest klingt dieses wort so.
    auch der ausdruck “senseless slaughter” von obama hat mich zu der überlegung hinreißen lassen ob es denn ein sinnvolles schlachten gibt.

    zwei dinge sollte man bei diesen überlegungen aber nicht außer acht lassen:
    1. begriffe haben im englischen oft auch eine tradierte bedeutung die sich von denen gleichen wortstammes aus verwandten romanischen sprachen unterscheidet, tragedy kann z.b. auch einfach mit leid übersetzt werden
    2. der us präsident muss 240 millionen bzw. 6 milliarden menschen seine haltung klar machen, da kann er sich in nicht in wortklauberei ergehen lassen. ich geb zwar zu dass man hier schärfere begriffe hätte verwenden müssen, wie immer in diesem kontext, aber bei PK´s wollen sich die chefs auch mit einer gemäßigten wortwahl an das protokoll halten. das ist einfach amerikanische außenpolitik…
    whatever, ich will obama nicht in den schutz nehmen, aber es ist doch wichtig klarzustellen dass die öffentliche, politische und mediale rezeption dieses terroranschlages sich in deutschland messbar von der in den USA unterscheidet, wie du es ja selbst schon gezeigt hast und in deinem anderen beitrag ausführst. dass die insassen des fahrzeugs “radikale siedler” waren ist der journaille dabei so wichtig, weil es in diesem kontext der einzige weg ist vom antisemitismus zu abstrahieren und den terrorakt zu so etwas wie einer bandenkeilerei zu degradieren: die siedler, das wissen wir ja, die haben auch dreck am stecken und sind im grunde nicht besser, vielleicht geschieht es ihnen sogar recht, da ist keiner besser als der andere.
    dass die attentäter einfach auf das ihnen nächste und vollbesetzte geschossen haben, ohne die insassen vorher zu fragen ob sie siedler sind oder einfach nur durchreisende, zeigt was für hamas anschläge charakteristisch ist: töte juden, so viel wie möglich. woher sie kommen, was sie tun? scheißegal.
    doch das wird in der presse nicht expliziert. somit wird der anschlag zu einem politischen manöver, als zu dem was es wirklich war: antisemitischer venichtungswahn, der zur tat schreitet.

  5. Lieber Momo,

    leider habe ich nirgendwo behauptet, dass postmodernes Denken die Ursache für irgendwelche Taten sei, oder dass es diese Taten erst seitdem gäbe. Ich habe mich darüber ausgelassen, wie man heute über solche Taten spricht und schreibt und welchen Anteil das postmoderne Denken daran hat.

    Ich bin ein bisschen ratlos ob Deiner kleinen Parodie, die so weit an dem vorbei geht, was ich geschrieben habe. Schön finde ich aber, dass Du soviele Philosophen und sogar die Titel ihrer Arbeiten aufzählen kannst, das hat mich schon vor zwei Wochen sehr beeindruckt.

    Und schließlich muss das, was Du gelesen hast, ja nicht das gewesen sein, was ich geschrieben habe, oder?

    @godot: Der andere Beitrag ist gar nicht von mir, ansonsten hast Du recht.

  6. Beeindruckend auch in diesem Zusammenhang die infantile taz-Antisemitin Kübra Yücel:

    “Ehrlichkeit ist mehr wert als Objektivität. Denn Letztere gibt es nicht.” Twitter

    Nehmen wir mal an, sie hätte jetzt keinen totalen Gaga-Satz da hingeschrieben, sondern das, was sie eigentlich sagen wollte:

    Ehrlichkeit ist ein hohes Gut und Objektivität gibt es nicht.

    Nur wie soll man dann ehrlich sein, also die Wahrheit sagen, wenn es gar keine Wahrheit gibt? Und wenn Ehrlichkeit ein bestimmtes Verhalten kennzeichnet, woran erkenne ich sie, wo ich doch gar nichts wirklich erkennen kann? Und wer legt fest, was ehrlich ist, wenn das doch jeder anders wahrnehmen kann?

  7. “Es ist der Postmoderne geschuldet, dass nicht nur moralische Begriffe verschwinden, sondern auch eine objektive Beschreibung der Realität an sich für unmöglich gehalten wird. ”

    Darauf bezog ich mich – und daß Du die gar nicht kennst, auf die die Du Dich vermeindlich beziehst, kann ich ja nicht ahnen. Na gut, nach der Nicht-Auseinandersetzung mit Butler vielleicht schon.

    Man kann freilich auch “Postmoderne” so verwenden, wie es einem gerade in den Kram paßt, dann braucht man sich aber nicht zu wundern, wenn man nicht verstanden wird.

    Das ist sogar im engeren Sinne strukturell antisemitisch, was Du da treibst, schreibt es doch die Attacken des späten 19. Jahrhunderts auf den “zersetzenden, jüdischen Geist” fort.

    Ach, und wie viel Unfug da noch drin steckt, das würde jetzt ein Referat erfordern, das laß ich mal.

  8. Auf die “infantile taz-Antisemitin Kübra Yücel” – na ja, Frauen gelten in diesem Blog ja eh als ein bißchen blöde und zurück geblieben – bezieht sich Dein Verständnis von “postmodern”? Im Ernst? Und möchtest Du jetzt ernsthaft Fragen nach jenen der “Objektivität” diskutieren?

    All das wäre ja zugegebenermaßen gar keinen Kommentar wert; da an sich ganz vernünftige Menschen mir jedoch ständig diese moralistischen Wixereien hier per Twitter weiter leiten, die ich als ernst zu nehmende und gebotene Solidarität mit Israel kaum lesen kann und die, weil es wohl doch tatsächlich so gemeint ist und ich das eigentlich prima finde, genau dieser einen Bärendienst erweisen, muss man da wohl doch mal ran.

  9. Auch in dem Absatz, den Du zitierst, steht nicht das, was du oben unterstellst. Mehr fällt mir dazu jetzt auch nicht mehr ein. Wenn also viel Unfug im Text steckt, dann bist Du leider unfähig, ihn zu benennen geschweige denn zu parodieren. Dass Du das Gegenteil behauptest, um den Beweis dann kokett schuldig zu bleiben, ist auch nicht besonders originell.

  10. Ja, da musst Du nochmal ran.

  11. Davon mal ab: Ist sie nicht infantil? Ist sie keine Antisemitin? Wo werden Frauen hier als blöde dargestellt? Ist der Gedanke, dass es Objektivität nicht gäbe, kein postmoderner?

    Beschäftige Dich doch mit dem, was ich tatsächlich geschrieben habe, dann möchte ich auch ernsthaft diskutieren.

  12. Entschuldige bitte, ich beschäftige mich mit dem, was Du tatsächlich geschrieben hast – wenn Du es anders gemeint hast, dann erkläre es doch, was Du mit “Postmoderne” meinst.

    Auf welchen Passus ich mich beziehe, habe ich ja nun deutlichst benannt. Und das ist hinsichtlich der Frage nach historischen wie auch aktuellem Antisemitismus gar nicht so trivial.

    Deshalb bleiben wir doch vielleicht einfach mal bei Dir und nicht bei Kübra Yücel. Kennzeichen aller Fundamentalismen ist schließlich, daß sie ihre eigenen Denkvoraussetzungen nicht zu hinterfragen bereit sind, und genau da greifen moderne wie postmoderne Denker an – also hinterfrag doch vielleicht auch mal Deine.

    Der Gedanke “daß es Objektivität nicht gibt”, den kannst du schon bei Platon finden, siehe das Höhlengleichnis. Kant unterscheidet zwischen “Ding an sich” und “Erscheinung”. Deshalb untersucht er jene Bedingungen, die das, was wir als Objektivität begreifen, erzeugen – die Bedingung der Möglichkeit von Erkenntnis. Usw. Postmoderne Denker haben diese Reflektion dann fortgeführt und noch mal kristisiert, u.a., indem sie die Reflektionsmetapher kritisierten ;-)

    Noch mal anders ist es, wenn Parteien, die offenkundig sehr unterschiedliche Interessen haben, aufeinander treffen – das ist dann gar keine Frage von Objektivität oder auch nicht, sondern von Praxis.

    “Mord” kann da sowohl als moralischer wie auch als juristischer Begriff begriffen werden. Und dann kann man mit Mondoprinte sich ja vielleicht einfach mal auf ein “Mord ist Mord” in dieser Hinsicht beschränken, ohne gleich die ganz große Litanei anzustimmen, der Fall ist ja schlimm genug.

    Und Deine “Butler-Kritik” war u.a. Machismo, jetzt mal ganz unabhängig davon, welcher Geschlechterkonstruktion Du nun zugehörig bist..

  13. Dadurch dass der Gedanke, dass es Objektivität nicht gibt schon bei Platon zu finden ist, wird er natürlich nicht war. Dass Platons Philosophie auf die Nichtexistenz von Objektivität zielt, ist allerdings auch unwahr, denn nichts anderes als unverhandelbare Essenz findet sich in der “Schau” der ideen ausgedrückt. Die Ideenleere lässt sich zwar ohne weiteres kritisieren, aber Platon als Gewährsmann für etwas heranzuziehen das im Besten Falle an ihm zu entwickeln wäre, ist Unfug.
    Für Kant gilt das gleiche, nicht um die Unmöglichkeit von Wahrheit, sondern um die Unmöglichkeit, Essenz zu erkennen, geht es hier. Damit wird Wahrheit (erstmals?) in eine gesellschaftliche Sphäre gerückt, die potentiel von materiellen Bedingungen abhängig ist. Damit kann Wahrheit als relativ (d.h. als abhängig von bestimmten Gegebenheiten beschrieben werden), aber nicht einfach relativiert werden. Die Gegebenheiten zu analysieren und adequat zu kritisierenn ist Bedingung, um vernünftige Aussagen zu treffen. Materialismus.
    Dass die “Postmoderne”, durchaus als Sammelbegriff sich durch eine am, “Linguistic Turn” geschulte Philosophie auszeichnet, ist eine simple Wahrheit, die auch die diversen Dekonstruktivisten und Poststrukturalisten nicht leugnen würden. Dass eine solche Philosophie notwendig idealistisch sein muss, bringt die Fokussierung auf die Sprache mit sich. Die essentialisierung gesellschaftlicher Widersprüche, vielleicht auch noch gesellschaftlich vermittelte Widersprüche, die aus der erkenntnistheoretischen Subjekt-Objekt Problematik herrühren, werden sprachphilosophisch als “Spur”, als Différance essentialisiert und damit konkret getilgt. Tatsächlich zeichnet sich jede Postmoderne Philosophie im Unterschied zu “klassischen” (entschuldigt den unscharfen Begriff) Idealismen dadurch aus, die eigene Schwäche, nämlich die völlig subjektive Konstruktion ihres Models einzugestehen. Vordergründig wird das erreicht, indem jeglicher Wahrheitsanspruch bestritten wird. Das gerade dann, soll Philosophie überhaupt noch Sinn machen, ein wollkürlich gesetztes Modell von Wahrheit durch die Hintertür enzug erhalten muss, ist das Dilemma allen Postmodernen, sofern es sich als Philosophie geriert (ausgenommen sind dabei die sogenannten postmodernen Kunstwerke, deren Wahrheitsanspruch in der Konstruktion von Widersprüchlichkeiten gerade erhalten bleibt).
    Entsprechend werden solch dümmliche Sätze wie “Ehrlichkeit ist mehr wert als Objektivität. Denn Letztere gibt es nicht”, zu gesellschaftlichen Meriten. Ehrlich wem gegenüber? Worüber ehrlich, möchte man Fragen und weiß doch, dass es der Logik des Satzes nach keine Antwort geben kann.
    @momorulez: Essentialisiert wird dann eben doch wieder von deiner Seite aus. Während Bonde Yücel als infantile Antisemitin bezeichnet, was von mir aus kritisiert werden kann, unterstellst du, dass sie als Frau angegriffen wird.

  14. platons philosophie fußt doch auf objektiver wahrheit und die unterscheidung vom “ding an sich” und dessen “erscheinung” hat hier auch nichts zu suchen, denn das “ding an sich” ist nach kant für uns ja gar nicht zu erkennen und somit kann es auf der ebene der “erscheinungen” durchaus wahrheit geben

  15. Die Frage nach “Objektivität”, so wie Bonde sie stellt, ist ja auch nicht identisch mit der nach Wahrheit. Und Platons Ideenlehre ist auch etwas komplexer, als daß man das nun mit “hier objektive Wahrheit” – “da alles subjektiv” oder ähnlich auflösen könne.

    Und entscheidend sind in allen Fällen die Produktionsbedingungen von Wahrheit – auch bei Kants Transzendentalem Programm – und hier im konkreten Fall ja auch jene nach medialer Vermittlung.

    Indem sich Bonde hier “diskurskritisch” gibt und eben die mediale Konstruktion von Wahrheit und deren gesellschaftliche Wirkung kritsiert, argumentiert er ja schon in einem solchen “postmodernen” Szenario. Und das auf der Basis von Informationen, die ihrerseits auch medial vermittelt sind. Ich vermute mal, er/sie war kein Augenzeuge.

    Da ist dieses Postmoderne-Bashing einigermaßen albern, weil Antisemitismus als Gegenmoderne nun allen einstigen habermasianischen Sottisen zum Trotze was völlig anderes ist als das, was die meisten postmodernen und dekonstruktivistischen Denker attackieren, jetzt mal ganz unabhängig von der Frage, wo die dann Recht und wo die Unrecht haben – ich klammer die Frage nach Paul de Man mal aus, da kenne ich mich zu wenig aus, und die Heidegger-Diskussion wäre hier in diesem Blog nicht führbar.

    Man kann mit guten Gründen sagen, dass insbesondere an der postmodernen Kritikfigur, daß es sich bei der Forderung nach Menschenrechten um Kulturimperialismus handeln würde, dann eine Kritik ansetzen kann – daß freilich mittlerweile im Namen der Menschenrechte empirisch diese selbst verletzt werden, hebt man damit aber auch nicht auf. Und daß ist auch keine Frage nach “Objektivität” oder “Wahrheit”, sondern nach normativer Richtigkeit.

    Und an dem Punkt, wo die Kritik der Israelkritik selbst mit den Mitteln der Gegenmoderne arbeitet, während sie die Postmoderne kritisiert, wird sie zumindest paradox. Und so würde ich Bondes Artikel einschätzen.

  16. Du bist ein Schwaller, Momo. Du stellst hier in den Raum, dass meine Kritik an Yücel falsch wäre, und auf Nachfrage möchtest Du darüber nicht mehr sprechen. Das ist peinlich.

    Genauso stellst Du in Deinem ersten Kommentar in den Raum, ich hätte die Postmoderne als Ursache von bestimmter Gewalt genannt, dabei war das nicht der Fall. Auf Nachfrage benennst Du ein Zitat, in dem es ganz offenkundig auch nicht der Fall ist. Was ich mit Postmoderne gemeint habe, ist dabei nicht die Frage, sondern – nochmal – ob ich bestimmte Phänomene als Folge der Postmoderne benannt habe. Habe ich nicht, und keine Definition der Postmoderne kann daran etwas ändern.

    Die Existenz von Platons Höhlengleichnis bedeutet nicht, dass in der Postmoderne die Möglichkeit von Objektivität nicht bestritten werden kann, dass das also ein postmoderner Gedanke ist.

    Du versuchst da, mir zu widersprechen, ohne Dich dann tatsächlich zu trauen. Schreib es doch auf: “Dass es sowas wie Objektivität nicht gibt, ist kein postmoderner Gedanke.” Das wäre zwar Quatsch, aber immerhin hättest Du mir dann widersprochen. Stattdessen von Platon zu reden, als ob mich das widerlegen würde, ist armselig.

    Kant gegen die Möglichkeit der objektiven Erkenntnis in Stellung zu bringen ist ziemlich gewagt. Aber vermutlich war das auch nicht Deine Absicht, Du zitierst nur so gern. Und ganz ehrlich: Einer Diskussion über Platon, Kant und den Bezug der postmodernen Philosopen auf ihr Werk bin ich gar nicht gewachsen. Immerhin weiß ich das aber, im Gegensatz zu Dir.

    Wenn verschiedene Parteien mit verschiedenen Interessen aufeinandertreffen und dann ein und denselben Sachverhalt verschieden beschreiben, gerade dann stellt sich die Frage der Objektivität. Die Frage, was tatsächlich geschehen ist, sollte von entscheidender Bedeutung für das weitere Handeln, meinetwegen die Praxis, sein.

    Das ist aber selten der Fall, stattdessen ist die Wahrheit Gegenstand von Verhandlungen und die interessengeleitete Verzerrung von Tatsachen wird nicht denunziert, sondern als ganz persönlicher “Narrativ” geadelt.

    “Mord ist Mord” – das ist das, was ich hier postuliere und gegen die genannten Relativierungen verteidige.

    Meine Kritik an Butler war nicht Machismo; warum Du Dir das herbeiphantasierst, darüber kann ich nur spekulieren. Offenbar spielt die Geschlechterkonstruktion, der Butler zugehörig ist, für Dich eine deutlich größere Rolle als für mich.

    Ich war im Übrigen schon fassungslos über Deine selbstgerechte Selbstdemontage, als Du mich wegen Butler aufs Übelste beleidigt hast. (Fast hätte ich “kritisiert” geschrieben.) Da schriebst Du:

    „Als wäre nicht biologistisch untermauert die Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes wie auch die industriell-brüokratische Vernichtungsmaschinerie das, was den Holocaust singulär macht und auch dem Antikommunismus wie auch der Schwulenvernichtung zugrunde liegt.“

    Es ist so offensichtlich, dass etwas, was das eine singulär macht, nicht auch dem anderen zugrunde liegen kann. Es ist so offenkundig, es ist die simpelste Logik. Und als ich Dich darauf hinweise, korrigierst Du Dich nicht etwa, sondern empfiehlst Bücher und lässt Deiner Arroganz freien Lauf. Ich finde das ernsthaft verstörend, und jetzt gerade geht es mir wieder so.

  17. Komm, Baby, “Schwaller” ist nun wirklich nicht gerade das, was ausgerechnet Du in den Mund nehmen solltest – und Intellektuellenfeindlichkeit gehört eben auch in den Präfaschismus. Und die tritt dann gerne als “Objektivität” gegen die “Schwurbler” auf. Recherchier mal, was die jüdischen Literaten Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts zu hören bekamen. Wo hier schon immer so lustige Antideutsche mit mißbrauchten Pseudonymen wie “Nicht-Identisches” applaudieren, die sonst gerne mal “strukturellen Antisemitismus” diagnostizieren, kann man das in diesen Diskurs vielleicht einfach mal einbauen.

    Und bei Kant kenne ich mich schon ganz gut aus, keine Sorge, natürlich geht es da ebenso wie bei Foucault oder Derrida um die Konstitutionsbedingungen von Objektivität – “die Bedingung der Möglichkeit von Erfahrung ist zugleich die Bedingung der Möglichkeit der Gegenstände von Erfahrung”. Das Problem wird man auch nicht dadurch los, daß man sich die Objektivität zugesteht und sie anderen abspricht.

    Im ganzen Transzendentalen Programm geht es genau darum, wie konstituiert sich Objektivität. Lyotard knüpft dann z.B. explizit, wie übrigens auch Hannah Arendt, an der Kritik der Urteilskraft an.

    Worauf ich allergisch reagiere, sind diese neoabsolutistischen Verschlagwortungen, wo dann mit “Postmoderne” angeblich irgendwas gesagt und ansonsten zu den Waffen gerufen wird.

    In Zeiten, wo die noch up to date war, die Postmoderne, blieb die Kritik der politischen Ökonomie auf der Strecke, DAS war deren Problem, aber ein Sarrazin wäre da so und in dieser Form nicht möglich gewesen – und Nolte wurde zum Glück weg gebissen. Es gibt die Position , daß die Postmodernen allerlei Neofaschismen Raum geschaffen hätten, an der was dran ist, aber auch die muß man schon richtig angehen.

    Mittlerweile sind wir schon ziemlich tief in eine Gegenmoderne hinein geschlittert, mitten im späten 19. Jahrhundert. Auch der Islamismus reagiert auf die Ansprüche von Moderne UND Postmoderne, und Du wärest Dir mit den Mullahs ziemlich einig, was die Kritik an der Postmoderne betrifft. Und DAS ist das Problem.

    “Wenn verschiedene Parteien mit verschiedenen Interessen aufeinandertreffen und dann ein und denselben Sachverhalt verschieden beschreiben, gerade dann stellt sich die Frage der Objektivität.”

    Dann stellt sich ergänzend genau so die nach einer Bewertung und einer Interpunktion von Ereignisfolgen, aber bestimmt nicht die nach der Postmoderne. Und da pflichte ich Modnoprinte vollkommen bei.

    “Offenbar spielt die Geschlechterkonstruktion, der Butler zugehörig ist, für Dich eine deutlich größere Rolle als für mich.”

    Daß sie für Dich angeblich keine Rolle spielt, genau darin zeigt sich ja der Machismo. Du bist das Allgemeine, das spricht und übergreifende Objektivität für sich in Anspruch nimmt, so als wandelnde Weltweisheit insbesondere im “Nahostkonflikt”, wo man, Deinen Verlautbarungen folgend, ja ansonsten gar keine Experten außer Bonde antrifft. Das IST Machismo.

    Du hast Butler beleidigt, beschmpft und verdreht; und inwiefern sich da nun eine Beleidigung drin versteckt in dem Zitat, das erschließt sich mir nicht.

    Ansonsten habe ich mir lediglich mit recht drastischen Worten verbeten, daß Du Schwule instrumentalisierst in Deinen Argumentationen. Das macht mich mittlerweile irre, ständig zum “Knackenbashing” instrumentalisiert zu werden- von zumeist weißen, heterosexuellen Männern.

    Das Zitat habe ich übrigens erläutert; kann ich doch nix für, wenn Du das nicht verstehst.

    Singulär ist der Versuch und die Durchführung mittels industrieller Logik und perfektionierter Verwaltung der Massenvernichtung ganzer Bevölkerungsteile. Dem zugrunde liegt eine anti-egalitäre Logik, die alles, was von weiß/arisch/hetero abweicht unterwirft und Sinti, Roma, Kommunisten, Juden und Schwule in KZs steckte. Daß auch woanders Kommunisten in KZs gesteckt wurden und Schwule umgebracht und Genozide begangen, das ändert nun nix dran, daß die ganze Ideologie der Nazis auf eben dieses Zentrum bezogen war. Das ist doch nun nicht soooo schwer zu verstehen. Das is die Differenz zwischen einem Prozeß und der ihm zugrunde liegenden Struktur.

    Wenn Du das alles ernsthaft verstörend findest, dann habe ich zumindest irgendwas erreicht. Das ist ja der erste Schritt auf dem Weg zur Erkenntnis. Kannst ja vielleicht einfach mal drüber nachdenken, wieso mich das so wütend macht, das fände ich prima. Antisemitismus macht mich wie Dich auch sehr wütend.

    Und möchtest Du jetzt gerne Erläuterungen bezüglich Deiner Arroganz und Selbstgerechtigkeit und der Verwendung von Prädikaten wie “armselig” und “peinlich”, oder sparen wir uns das?

  18. Da triffst Du schon den Punkt: Entweder man bezeichnet Intellektuelle als Schwaller, eben weil sie intellektuell sind. Oder man bezeichnet Leute wie Dich als Schwaller, weil sie ohne einen einzigen vernünftigen Gedanken seitenlang daherreden, die halbe Philosophiegeschichte zitieren, ohne sie selbst verstanden zu haben und alles, was sie vorher gesagt haben, mit großer Leichtigkeit wieder entsorgen und so tun, als hätten sie es nicht gesagt.

    Deine Beleidigung war “Fick Dich”, und sie steht nicht im Zitat von oben. Was Du da jetzt einen Absatz lang “erklärst”, ist nicht das, was Du in Deinem eigenen Zitat gesagt hast. Es gibt da auch nichts zu erklären, Du widersprichst Dir in dem Satz ganz offen. Du verteidigst das nicht einmal, es ist Dir egal. Das ist das Verstörende, das Wahnsinnige, und so ist dann auch keine Diskussion möglich.

    For the record: Ich habe Butler nicht beleidigt, ich betreibe kein “Kanackenbashing”, ich habe Dich nicht instrumentalisiert, ich habe alles verstanden, was Du geschrieben hast.

    Grüße!

  19. @Cyrano:

    Ich danke Dir für eine ernst zu nehmende Antwort, auch wenn sie ein wenig nach dem Motto verfährt “Was ich mir schon immer zum Thema Postmoderne zusammen gebastelt habe, schreibe ich dann auch mal hier”. Weil Du natürlich auf die These, daß auch Platon die Konstitutionsbedingungen von Objektivität mittels der Ideenlehre angeht, gar nicht eingehst, sondern entgegen der Position, die Du vermutlich eigentlich vertreten würdest, implizit die Möglichkeit eines unmittelbaren Zugangs zu Objektivität in Anspruch nimmst, die natürlich Unfug ist.

    Was Du zu Kant schreibst, ist nun nix, was dem widerpsricht, was ich geschrieben habe; man muß freilich die Kritiken schon als Ganze sehen, und gerade Fragen der Moralbegründung wie auch der Urteilskraft sind noch mal anders gebaut. Daß aus wahlweise hegelianischer oder marxistischer Perspektive gerade diese Moralbegründung dann wieder kritisiert wurde, geschenkt.

    Und natürlich spielt in all das der “linguistic Turn”, genau so jedoch die Reflexion auf andere Medien Erkenntnis hinein, und das ist zunächst eine methodische, keine ontologische Frage.

    Und mit der Kritik der “großen Erzählungen” kannt Du genau so gut die antisemitische kritisieren, so lange Du nicht der Illusion erliegst, es gäbe nix außer diesem Narrativ – was zumindest Lyotard auch nicht passiert ist.

    Und was mich bei Bonde & Co ja im Grunde genommen nervt, ist, daß nun gerade die, die “Ojektivität” für sich in Anspruch nehmen, sich im Wesentlichen drauf beschränken, antisemitische Diskurse ggf. auch da aufzuspüren, wo diese evtl. gar nicht stattfinden, auch welche zu finden, die tatsächlich welche sind, und sozioökonomische Bedingungen, Macht, Herrschaft und ähnliche Fragen einfach auszuklammern.

    Was man nun wiederum Foucault z.B. gerade nicht vorwerfen kann, der untersucht Diskursproduktion in Krankenhäusern mit sozial- und humanwissenschaftlichen Methoden; wie man da auf die Idee kommt, er würde “Objektivität” leugnen, ist mir ein Rätsel. Er zeigt – wiederum – die Konstituionsweise solcher Diskurse, die als objektiv verstanden wirksam werden und als gesellschaftliche Realität, als erfahrbare, solche, in denen ich z.B. als krank erklärt werden würde. Was bis hin zu Elektroschick ganz handfeste Konsequenzen hatte.

    Das ist dann kein “Essentialismus”, z.B. die Sprecherposition “Frau” im Rahmen dieser Diskursproduktionsmechanismen zu bestimmen und Bondes Reaktion darauf. Das verweist auf die Materialität dieser Diskursuniversen und dem, was sie mit Menschen und deren Körpern machen. Das impliziert aber keine reine “Sprachontologie”, weil es ja auch noch Körper etc. gibt, in die sich Machtverhältnisse einschreiben.

    Weg von der Philosophie enthält die Postmoderne eine Pluralitäts-, aber keine Beliebigkeitsforderung. Weil, wenn man es nicht verurteilenswert fände, wie Delinquenz produziert wird, bräuchte man auch keine Gefangenenbefreiung.

    Will man nun Israel als einzig plurale Demokratie in einer homogenisierter, politischen Umgebung mit dem Recht, eben diese plurale Lebenswirklichkeit auch im Sinne der Selbstverteidgung aufrecht zu erhalten, die zudem als Schutzstaat weltweit verfolgter Juden gegründet wurde, dann stellt sich zudem Israel aus dieser Perspektive als postmoderner Staat hinsichtlich einer Vielfalt möglicher Lebensstile dar. Dann ist es aber idiotisch, nun ausgerechnet Postmodernekritik zu betreiben, wenn man sich auf die Seite genau dessen stellen will.

    So weit zum Prinzipiellen.

  20. @Bonde:

    Ja, auch das Machismo: Das Gegenüber entmündigen, entwerten und sogar noch privilegierte Kenntnisse darüber zu besitzen, beurteilen zu können, was dieses verstanden hat und was nicht. Du bist ja so dermaßen in der exklusiven Verfügungsgewalt über die Objektivität verhaftet, daß sogar ich darin verschwinde und meine Aussagen gleich mit. Na, das “Ich habe Gott gesehen” spare ich mir mal, das “Fick Dich” erhalte ich hiermit aufrecht. Was für eine Knalltüte. Wenn Israel solche Freunde hat: Armes Israel.

    Ja, ich bin dann auch wieder weg …

  21. @ Bonde & Momorulez:
    Ich glaube Ihr habt EIGENTLICH (yeah, postmodern!) nicht wirklich ein Problem mit inhaltlichen oder argumentativen Aspekten Eurer vermeintlich unterschiedlichen Ansichten, sondern eher ein ganz simples der Kommunikation.
    Anreden wie ,,Schwaller” oder ,,Komm Baby” und offene oder indirekte Beurteilungen wie ,,armselig” oder ,,das ist doch nicht soooo schwer zu verstehen” sind das wahre Gift in Eurer (und jeder) Diskussion und werden in ihrer erniedrigenden Absolutheit und Battle-Rap-Haftigkeit keiner ernsthaften Diskussion gerecht, vielmehr noch: sie führen Euer sonstiges Niveau ad absurdum, lenken völlig vom Thema ab und machen aus einer Diskussion um Inhalte einen Schaukampf des Rechthabens.
    Das finde ich schade, denn meiner Meinung nach habt Ihr wirklich was zu sagen!
    Wieso macht Ihr Euch das durch solch kurzschlüssige und ultrazynische Umgangsformen zunichte?

  22. @Maulwurf:

    Okay, der doch noch: Diesbezüglich habe ich tatsächlich angefangen, weil ich mich über Bondes Butler-Eintrag sehr aufgeregt habe, aus den oben genannten Gründen und einigen darüber hinaus. Und in der Tat extrem harsch reagiert habe, wofür ich mich allerdings nicht schäme, da hatte ich gute Gründe.

    Daß Bonde dann im Gegenzug so reagiert, das verstehe ich schon ganz gut, klar. Und es stimmt natürlich, daß das den alles andere als trivialen Inhalten teilweise auch nicht so gut tut.

    Umgekehrt ist meine Erfahrung in Blog-Diskussionen, daß die aggressiver geführten auf beiden Seiten, auch und gerade meiner, auch und gerade bei so stark aufgeladenen Themen wie z.B. Homophobie oder diesem hier die mit dem größten Lerneffekt sind. Entweder redet man dann nie wieder miteinander oder es bleibt was hängen, weil Ritualschlaufen durchbrochen werden. Was gerade bei einem Blog mit einem sehr konstant durchlaufenden Grundtenor wie dem hier doch nicht schaden kann, oder?

  23. Natürlich bleibt vielleicht ,,was hängen” und spart Zeit, wenn man einfach mal draufhaut. Allerdings gerät man dann auch in die Sabine-Christiansen-Falle: jeder tut seine Meinung kund und basta!keine Widerrede, diskutiert wird dann aber nicht mehr wirklich.
    Und meine Erfahrung mit Blogs ist: je mehr gebellt wird, desto weniger wird gebissen! Aller sprachlichen Elaboriertheit zum Trotz reduziert man durch Gegner-Bashing seine Aussagen dann auf die einfache Formel: Ich habe recht und ihr nicht. Oder: Wer am lautesten brüllt, der weiß es am besten.
    Und anti-postmodern ist das ja auch, denn funktionierende Pluralität bedeutet das Aushalten anderer Meinungen/Lebensformen bzw. deren Vertreter. Oder anders gesagt: eine Meinung muss ich ja gar nicht tolerieren, aber zumindest deren Inhaber.
    Ist in den Augen vieler wahrscheinlich wieder naives ,,Gutmenschen”-Gesülze, aber gut, Schnoddrigkeit und Misanthropie können’s auf Dauer wohl auch nicht sein! In Blogs nicht und in der Realität erst recht nicht.

  24. @Mallwurf:

    Okay, dann ist das ja schon mal was, was ich für mich mitnehmen kann. Ohne Ironie.

  25. an dieser stelle sei objektiv (!) festgehalten: bonde ist ein verdammt kluger, unheimlich gewissenhafter und vor allem ein famos eleganter autor, der zudem zumindest in diesem zusammenhang die besseren, nämlich die eigentlichen (!) argumente ins feld führt und sich nicht an metathemen aufreibt. im übrigen heißt es „reflexion“.

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