November 2010

You are currently browsing the monthly archive for November 2010.

Nazareth

Wer Tel Aviv verlassen möchte, muss mit einiger Wahrscheinlichkeit den zentralen Busbahnhof aufsuchen. Das ist praktisch für Tel Aviv, weil es wahrscheinlich einige tausend Menschen im Jahr davon abhält, die Stadt zu verlassen. Der Busbahnhofsmonsterbau war der weltweit grösste seiner Art und versprueht den Charme eines rumänischen Einkaufszentrums. Man kann lange staunend darin auf und ab laufen und die unglaubliche Hässlichkeit schliesslich nur noch bewundern. Abseits der schäbigen kleinen Shops, die den grössten Teil des Gebäudes belegen, fahren hier aber auch noch Busse in alle Richtungen ab. Fuer 10 Euro kommt man eigentlich überall hin, das Land ist klein und der Bus das gängige Verkehrsmittel.

Der Weg in den Norden fuehrt durch die Sharon-Ebene, den fruchtbarsten und deshalb am dichtesten besiedelten Teil Israels. Bald wird es huegelig, die Siedlungen werden kleiner und seltener, was die Landschaft gleichzeitig schoener macht. Man kann den Pioniersgeist erahnen, mit dem viele der Kleinstaedte einst auf die Huegel gesetzt wurden, elektrifiziert und ausgebaut wurden, bis schliesslich so etwas wie europaeische Standards eingekehrt sind, wo vorher nur Sand oder Sumpf war. Und dadurch, dass sie auf Hügeln liegen, springen sie ins Auge, anders als in der norddeutschen Tiefebene.

Bei meiner Fahrt wurde mir bald klar, dass ich nicht merken wuerde, wann wir wohl in Nazareth angekommen waeren, der Bus hielt an den Hauptstrassen und die Beschilderung half mir nicht weiter. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mit den Eingeborenen zu kommunizieren. Ein junger Soldat gewann schnell mein Herz, indem er sich mir annahm. Er empfahl mir den besten Imbiss (der sich allerdings als geschlossen herausgestellt hat), wies mir den Weg und warb noch ein bisschen dafuer, doch besser im juedischen Teil der Stadt nach einem Quartier zu suchen. Ich aber war schon festgelegt und spazierte schliesslich den Berg hinauf in die Altstadt.

Nazareth ist die „Hauptstadt der arabischen Israelis“, der groesste Teil der Stadt wird von Arabern bewohnt, christlichen wie moslemischen, auf dem oestlichen Huegel daneben steht ein juedisches Wohnviertel. Oben drauf thront das Gerichtsgebaeude, das durch Lage und Architektur den Anspruch des Staates beeindruckend deutlich macht. Gegenueber, in der Altstadt, liegt das erste richtige Hostel der Stadt, das Fauzi Azar Inn, in dem ich mich aufhalte. Das Gebaeude ist wunderschoen, das Hostel auch, und deshalb bin ich nun schon ein bisschen laenger hier als geplant. Die Altstadt von Nazareth ist genau so, wie man sich eine arabische alte Stadt vorstellt, baulich mit den engen Gassen und dem hellen Stein durchaus mit Jerusalem zu vergleichen, aber laengst nicht so gut restauriert, dafuer von echten Menschen bewohnt, mit echten Geschaeften, in denen die Einwohner der Stadt und nicht in erster Linie die Touristen einkaufen. Wenn man gerade von einem laengeren Aufenthalt in Tel Aviv kommt, ist die Ruhe geradezu himmlisch, ebenso wie die Luft und auf was man sonst noch so Wert legt im Alter.

Himmlisch – diese miese, falsche Ueberleitung sei gestattet – geht es natuerlich auch im Rest von Christussens Heimatstadt zu. Die größte Kirche im Nahen Osten steht hier, über der Grotte, in der der Erzengel Gabriel angeblich der Jungfrau Maria erschien und behauptete, sie werde den Sohn Gottes auf die Welt bringen. Das ist, obwohl Jesus hier auch seine ganze Jugend verbracht hat, anscheinend das wichtigste Ereignis in der christlichen Geschichte Nazareths. Die dazugehörige Kirche wurde erst in den Fünfzigern aus Beton gebaut, ist von innen dementsprechend hässlich und wurde angeblich zu einem guten Teil von Frank Sinatra bezahlt, was nun auch nicht jede Kirche von sich behaupten kann. Wobei Kirchen in der Regel gar nichts über sich selbst behaupten, aber ein bisschen Metaphernversagen hier und da, das finde ich schön. Schön ist auch, dass ich eben auf die Idee kam, den Computer auf deutsche Tastatur umzustellen, Ihr werdet es gemerkt haben. Über der Grotte standen zuvor viele andere Kirchen, die mit schöner Regelmäßigkeit wieder zerstört wurde, der Nahe Osten war schon immer eine harte Wohngegend.

Neben der Kirche gibt es ein Kloster, daneben eine weitere Kirche, die auf Ausgrabungen aus der Zeit Jesu steht, von denen man irgendwann angefangen hat zu behaupten, es handle sich um Josephs Werkstatt. Es gibt hier viele Ausgrabungen, die die Besiedlung zur fraglichen Zeit belegen, die Behauptungen allerdings, die daraus schließlich christliche Wallfahrtsorte gemacht haben, sind meist eher fragwuerdig. Wobei es meistens fragwürdig ist, wenn jemand behauptet, einer Frau sei ein Engel erschienen und ein paar Monate später habe sie den Sohn Gottes geboren. Ich sehe das kritisch, klar.

Gestern kam eine große Gruppe von französischen Pilgern an, putzige Leute, wie soviele Christen stets beseelt und liebenswert. Ebenso wie ein Kanadier, geboren in Ägypten, der sämtliche hier gesprochenen Sprachen spricht, Arabisch, Englisch, Deutsch, Französisch und wer weiß was noch. Mit ihm und einer in Seattle ansäßigen Britin saß ich gestern auf dem Balkon und unterhielt mich etwa zwei Stunden sehr gut über Gott und die Welt, bis ich nach ihren Berichten über die Situation in der Westbank anmerkte, dass es Gründe für Zäune und Checkpoints gibt. Das war für die dahin wirklich nette Frau offenbar schon zuviel, und dann brach sich der blanke Hass ein Bahn. Sie fiel mir sofort ins Wort, und auf meinen Einwand, dass die Selbstmordattentate tatsächlich stattgefunden hätten, rotzte sie mir verächtlich hin, dass mehr Israelis an Erdnussallergie gestorben seien als durch Terroranschläge. Nun, da fehlen einem die Worte. Anmerkungen, dass das pointless sei, wischte sie beiseite. Sie war inzwischen wirklich wütend und beschied mir in der Folge, dass ich nicht in Tel Aviv auf meinem Arsch sitzen solle – wir befinden uns in Nazareth – sondern in die Gebiete fahren und mit den Leuten sprechen. Als ob also das Elend der Palästinenser aufzurechnen sei gegen die Opfer von Selbstmordattentaten. In dem Allergievergleich steckt gleichzeitig, dass sich in die Luft sprengende Araber einfach hinzunehmen sind: Manchen machen Erdnüsse krank, und manchen sprengt ein Araber in die Luft – da kann man nichts machen, tja.
Nachdem sie mir nahezu schreiend vorgehalten hat, ich müsse da mal hinfahren, sage ich nichts mehr und wende mich schließlich wieder dem Kanadier und einer französischen Krankenschwester zu, die uns dann passenderweise fragt, wie denn die israelische Position sei, mit einem Palästinenser habe sie schon gesprochen. Ich lege das gerne und nervös dar, benutze eine Formulierung wie „die Palästinenser wollten…“, da fällt mir von hinten die schon einpackende Britin ins Wort: Die Palästinenser wollen Freiheit! Gaza sei ein Konzentrationslager, und, unvermeidlich: Die Juden hätten aus Warschau nichts gelernt. Mir bleibt nur noch der Hinweis, dass sie keine Ahnung habe, was ein Konzentrationslager ist, da rauscht sie davon.

Es fällt schwer, mit diesem Hass umzugehen. Dabei habe ich das alles schon oft gelesen, darüber geschrieben, das waren keine neuen Positionen. Und doch schockiert es, wenn einem nach einem längeren lockeren Gespräch auf einmal so etwas entgegenschlägt, natürlich frei von jedem Wissen, dafür mit viel Selbstbewusstsein. Dabei glaubt sie mit ganzem Herzen, was sie sagt. Sie spielt die Humanistin nicht nur, sie hält sich selbst für eine, wenn sie das Leid der Palästinenser beklagt, die unter Checkpoints leiden. Gleichzeitig begegnet sie der Tatsache, dass Israelis in diesem Konflikt sterben, mit Schulterzucken. Es ist ihr bestenfalls egal. Geschichte zählt nicht, von Warschau und Auschwitz und Treblinka weiß sie nichts, es interessiert sie auch nicht. Was sie interessiert, und das ist eine entlarvende Bemerkung, sind ihre Steuergelder. Sie arbeitet in Amerika und übertreibt, dass „jeder Steuer-Dollar“, den sie bezahlt, an „those fuckers“ gehe. Wenn es ein paar Cent sind, die jeder Amerikaner anteilig nach Israel schickt, würde mich das schon wundern, aber der Antisemitin ist wirklich gar kein Argument zu schade, um sich selbst endlich persönlich in den Konflikt zu befördern, damit sie auch unter den Juden leiden kann.

Ich brauchte Stunden, um einzuschlafen. Jetzt gerade ruft mich der Kanadier nach draußen: Der Mond geht hinter den Hügeln der Stadt auf, was für ein Anblick. Die Franzosen bevölkern das Haus, ich gehe nach draußen, etwas essen, ohne das hier vorher Korrektur zu lesen. Morgen fahre ich nach Tiberias.

verbrochenes.net, das Fachmagazin für humanistische Katastrophen, nimmt verspätet Stellung zu Gaza-Guido und seinem mutigen Besuch in Hamastan. Soweit uns bekannt ist, ist er der erste Außenminister, der einen aktuellen Kriegsgegner eines befreundeten Staates besucht und ihm logistische Hilfe verspricht. Auch die Logik des deutschen Heilsbringers ist bestechend: Wenn man für wirtschaftlichen Aufschwung sorgt, festigt man nicht etwa das Regime, sondern schwächt es. Die Redaktion schätzt, dass der Zweite Weltkrieg schon 1940 hätte beendet werden können, wenn die Briten den Deutschen ein paar schöne Klärwerke gebaut und die deutsche Industrie gefördert hätten. Doch leider musste erst ein Politiker von Westentaschenformat kommen, um diese Taktik zu entwickeln. Spannend daran ist auch, dass die westliche Welt ein paar Kilometer weiter östlich eine gegenteilige Strategie verfolgt: Beim Iran geht man davon aus, dass wirtschaftliche Sanktionen weiterhelfen würden, die Regierung auf Linie zu bringen.

Die Wahrheit ist natürlich, dass Guido Westerwelle sich nicht dafür interessiert, wie man die Hamas schwächen könnte. Dem eitlen Geck geht das Herz auf, wenn er als Gönner durch die Mädchenschulen laufen kann. Dabei sind die Palästinensergebiete einzigartig, was ihr Angebot an westliche Politiker angeht. Denn während ein Spaziergang mit hungrigen Afrikanerkindern nur eine herzerwärmend gute Tat ist, ist dieselbe Veranstaltung im Gaza-Streifen eine gute Tat und ein weithin beachteter Akt der internationalen Diplomatie noch dazu, ein Spaziergang auf der großen internationalen Bühne. Westerwelle hat sich den langersehnten Platz an der Sonne gesichert, indem er vorgegeben hat, den vermeintlichen Opfern der Juden zu helfen und sich dazu unter den Schutz der antisemitischen Mörder begeben hat. So betreibt die deutsche Regierung das Geschäft der Palästinenser, unterstützt deren absurde Forderungen und legitimiert Schritt für Schritt den „Widerstand“ gegen israelische Zivilisten. Immerhin hat Westerwelle als deutscher Klärwerksbeauftragter noch einmal daran erinnert, was die Welt einmal von der Hamas gefordert hat, nämlich die Anerkennung Israels, den Verzicht auf Gewalt und die Anerkennung bestehender Verträge zwischen Palästinensern und Israel. Davon, dass er die Forderung ausspricht, wird sie aber natürlich nicht erfüllt. Und wer auf die Nichterfüllung seiner Forderungen mit großzügiger Entwicklungshilfe antwortet, der wird bald nicht mehr ernst genommen. Insofern sind sich BRD und Hamas einig, weil sie sich gegenseitig nicht ernst nehmen. Das wäre anders, würden die Islamisten Guidos Wählerschaft mit Raketen beschießen, aber soweit ist es noch nicht. Und bis es soweit ist, glauben die Deutschen, dass die Scheiße aus Gazas Abwasser zu fischen ein probates Mittel ist, um mittelfristig den Krieg der Palästinenser gegen Israel zu beenden. Man muss ihnen ob der Originalität fast Respekt zollen.

Derweil wird an der Heimatfront erfolgreich daran gearbeitet, das Bild vom Juden als Täter salonfähig zu machen. Alfred Grosser, bekennender Israel-Hasser, sprach am 9.11. anlässlich des Gedenkens an die Novemberpogrome 1938 in der Frankfurter Paulskirche. Dabei gab es im Vorfeld viel Aufregung und die Befürchtung, Grosser könnte erneut gegen Israel austeilen. Aber was dann geschah, war viel perfider und in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen.

Die FR fasst zusammen:

„Auschwitz ist die Grundlage dafür, dass man an den Anderen denkt. Unsere Werte sind Werte für alle. Israel gehört zu unserem Westen.“ Deswegen müsse man Israel auch wegen der Palästina-Politik kritisieren, sonst mache sich der Westen mit dem Anspruch der Universalität der Menschenrechte in der Welt unglaubwürdig: „Wir können Grundwerte nur wollen, wenn wir sie nicht verletzen“

Und bei tagesschau.de:

Man könne von keinem Palästinenser verlangen, „dass er die Schrecken der Attentate versteht, wenn man nicht ein großes Mitgefühl hat, die Leiden im Gazastreifen zu verstehen“.

Und wenn man sich jetzt fragt, warum Palästinenser das Grauen eines Selbstmordattentates nicht verstehen können sollten, und was mein Mitgefühl mit Gaza damit zu tun haben soll, was ein Palästinenser versteht oder nicht – dann ist man Grosser längst auf den Leim gegangen.

Der Nazi-Mob von 38 hat mit dem Leid der Palästinenser soviel zu tun wie meine Oma mit dem Toten Meer. Wenn am 9. November in einer deutschen Bürgergesellschaft vom Leid der Palästinenser gesprochen wird, dann ist das nichts anderes als eine durch und durch antisemitische Attacke. Die Juden als Täter darzustellen ist Grossers Ziel, und das deutsche Publikum fällt vor Dankbarkeit auf die Knie, indem es sich zu Standing Ovations erhebt. Man schert sich nicht um das Leid der Palästinenser, denn es geht, wie das Datum bezeugt, hier um die Juden. Man ist in Deutschland fertig damit, sich der Juden als Opfer der Deutschen zu erinnern, und jetzt wird zum politischen und diskursiven Angriff geblasen. Als Rechtfertigung kommen die Palästinenser gerade recht, und die Argumentation selbst könnte verlogener kaum sein. Grosser hält ausgerechnet den Universalismus und die Menschenrechte hoch, um mit ihnen gegen Israel und für die Palästinenser zu kämpfen. Im Namen des Universalismus gesteht er den Palästinensern zu, dass sie die Schrecken der Attentate nicht verstehen müssten. Die so – mal wieder – entmündigten Wilden gehören nicht zu Grossers Universum, und so fordert er sein Publikum zur Solidarität mit den Opfern der Juden auf. Und das 72 Jahre, nachdem die deutsche Straße sich gewehrt hat – gewehrt gegen das jüdische Kapital, das zuvor so lange die deutsche Arbeiterschaft hatte leiden lassen. Nächstes Jahr fordert dann vielleicht jemand am gleichen Ort zur gleichen Zeit ein großes Mitgefühl mit den Mitarbeitern von Karstadt, die bis dahin möglicherweise auf der Straße sitzen. Schließlich gälte es dann, „soziale Unruhen“ zu verhindern, wie es sie schon am 9. November 1938 gab. Denn da ist man sich einig: Man muss den Anfängen wehren.

Vielleicht erleben wir das nächste Kapitel aber auch schon am 27. Januar. Dann wird der Befreiung von Auschwitz gedacht, und es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich den Spin vorzustellen, mit dem dann wieder über das Leid der Palästinenser gesprochen werden könnte.

Links:

Andreas Moser

Juedische.at – Ein Teilnehmer berichtet . Henryk M. Broder antwortet

Lizas Welt im Vorfeld

Wegen der besseren Lesbarkeit will ich gerne in Zukunft ohne Links im Text auskommen, was hält die Leserschaft davon?

Werder Bremen hat viele Probleme, das weiß seit ein paar Stunden jeder. Dabei ist diese Niederlage zu verkraften, ein schlechter Saisonstart auch, sogar das Ausscheiden in der Champions League ist in dieser Gruppe durchaus keine Schande. Aber Werder Bremen hat ganz andere Probleme, und die fangen nicht auf dem Fußballplatz an, sondern bei Klaus Allofs und Thomas Schaaf. Augenfällig wurde das, als man den Spielern im September nur das halbe Gehalt überwies – eine lächerliche Aktion, die deutlich Zeugnis über die eigene Überheblichkeit ablegt. Es zeigt sich die Hilflosigkeit der Vereinsführung, wenn sie bessere Leistungen über das Zurückhalten vertraglich vereinbarter Zahlungen zu erpressen versucht.

Ähnlich bedenklich waren die letzten Interviews, die Allofs und Schaaf gegeben haben. Allofs sah sich und seine Leistung durch den Erfolg vom FSV Mainz gefährdet und merkte an, dass man das, was Mainz jetzt macht, schon seit zehn Jahren mache. Allofs ist ein verbitterter Mann, für den Erfolg nicht mehr das große Ziel, sondern eine Selbstverständlichkeit ist. Wenn er sich dann aber nicht einstellt, ist Werders Vorstandsvorsitzender beleidigt. Seine Haltung, die früher mal Souveränität und Gelassenheit vermittelt hat, hat sich in Richtung Arroganz verändert. Da nimmt es nicht Wunder, wenn er in Zeiten des Misserfolgs schlecht aussieht.

Bei Thomas Schaaf fällt noch mehr als bei Allofs die völlige Unfähigkeit auf, Kritik zu ertragen. Das Bremer Umfeld, in dem Journalismus nur als Abschreiben der vorgefertigten Häppchen auf werder.de vorkommt, hat unseren Trainer zu einem Mann gemacht, der sich vor niemandem rechtfertigen muss. Und obwohl es eigentlich müßig ist, über einzelne sportliche Entscheidungen zu streiten, muss man den Fall Silvestre hier hervorheben. Mikael Silvestre spielt unterirdisch schlecht, soviel ist unstrittig. Allerdings darf man das laut Schaaf nicht aussprechen. Schon vor zwei Wochen sagte Schaaf, dass ihm Silvestre von außen zu schlecht bewertet würde. Damit hat er die Gelegenheit verpasst, sich für den Spieler und seine Aufstellung zu rechtfertigen, sich zu erklären und die Fans, die sich die Slapstick-Auftritte jede Woche angucken müssen, mit ins Boot zu holen. Das aber hat Schaaf nicht nötig, er ist unantastbar. Ob er Silvestres rufschädigende Leistungen tatsächlich nicht so schlecht findet oder ob er aus Prinzip für den vom kicker schlechtestbewerteten Spieler der Liga Partei nimmt, bleibt rätselhaft. Fest steht, dass Schaaf das Pfeifkonzert, mit dem Silvestre gegen Nürnberg vom Platz geschickt wurde, selbst zu verantworten hat. Man kann die Leute nicht für dumm verkaufen, und wenn man nur einen miesen Spieler für die Position zu bieten hat, dann sollte man durchblicken lassen, dass man selbst das auch nicht so cool findet. Stattdessen hat Schaaf die Fans massiv angegriffen, nach dem Motto „Zahlen und Fresse halten“. Heute, weit weg vom Bremer Publikum, durfte der nervöse Franzose wieder ran und spielte dann wie immer.

Welche Folgen Allofs‘ Unsicherheit schon jetzt hat, kann man an einem von der Bild-Zeitung berichteten Vorfall ablesen. Marko Arnautovic soll nach seiner Auswechslung gegen Nürnberg, nach der er Sandro Wagner den Handschlag verweigert hatte und vom Manager darauf angesprochen worden war, zu Allofs sarkastisch gesagt haben, er könne ihm ja das ganze Gehalt streichen und an seine Familie verteilen.
Es ist nur folgerichtig, dass Allofs den Respekt der Spieler verliert, wenn er deren Gehalt zurückbehält und jeder weiß, dass er das nicht darf. Gleichzeitig kann man in Arnautovic beleidigter Reaktion auch dessen eigene Mentalitätsprobleme erkennen. Er ist ein 21jähriger Neuzugang, der mit Pizarro und Almeida im Sturm starke Konkurrenz hat und dafür relativ viel Einsatzzeit bekommt, die er schon seit Wochen kaum mehr gewinnbringend nutzen kann. Trotzdem ist er bei einer Auswechslung beleidigt und fühlt sich schlecht behandelt. So wird es nichts werden, dabei wäre ein bisschen Demut in Verbindung mit seinem Talent und einem Vertrag bei Werder Bremen ein sicheres Ticket nach ziemlich weit oben. Wenn er das nicht nutzen will, dann ist das ein Problem für ihn und für den Verein.

Ein Mentalitätsproblem hat auch Aaron Hunt. Nachdem er in der 33. Minute des achten Spieltags gegen den SC Freiburg doch tatsächlich mal ein Tor erzielen konnte und den ruhmreichen SV Werder so in der Blitztabelle auf Platz 11 befördert hatte, sah er den Moment für seine Abrechnung gekommen und drehte völlig durch: Er zeigte einmal rundum auf alle Zuschauer und legte dann den Finger auf die Lippen. Wie offenbar viele bei Werder fühlt er sich von den handzahmen Fans schlecht behandelt. Das kann er auch so machen, es ist nur etwas peinlich. Was ihn aber als ganz kleines Licht enttarnt, ist der Zeitpunkt seiner Geste. Größere Geister als Aaron Hunt einer ist spielen erst einmal eine gute Saison, oder sie jubeln nach dem Siegtreffer im Derby oder im Pokalspiel oder zumindest überhaupt nach einem Siegtreffer. Aaron Hunts Anspruch ist aber viel niedriger. Er sieht es als große Leistung an, ein Tor gegen Freiburg zu schießen, als offensiver Mittelfeldspieler noch dazu. Das zeigt, was in Zukunft noch von ihm zu erwarten ist: wenig. Womit wir bei der Qualitätsfrage wären.

Ich habe es so wenig kommen sehen wie Allofs und Schaaf, aber seit einigen Wochen muss man feststellen, dass wir Özils Abgang nicht verkraftet haben. Natürlich musste man ihn verkaufen, da gibt es keine Diskussion. Aber der Glaube, es werde schon wie immer gutgehen, war falsch. Das liegt daran, dass Aaron Hunt und Marko Marin nicht die Qualität und nicht die Einstellung haben, die ihre großen Vorgänger hatten. Bei beiden sah es gut aus, als Diego oder Özil neben ihnen spielten, aber jetzt geht es nicht mehr gut. Sie sind Durchschnitt und gehören nach Hannover oder Bochum. Hunt, den man auch heute noch mit über die Hände gezogenem Trikot spielen sieht, wie ein ängstlicher E-Jugendlicher also, kann die Regie nicht übernehmen. Marin hingegen versucht es noch nicht einmal. Sein zwanghaftes Dribbling ist für jeden Gegner leicht zu durchschauen, und sonderlich gut ist es auch nicht. Marin verliert fast jeden Ball. Das wäre okay, wenn er in den anderen Fällen wenigstens gefährlich werden würde. Es wäre aber auch dann noch problematisch, weil er das Kombinationsspiel verhindert, weil er Werder langsam macht und weil die Gegenangriffe uns immer wieder Gegentore einbringen. Marin kann ein interessanter Teil der Mannschaft sein, gewiss, aber er ist eine Kuriosität und keine tragende Säule.

So spielte Claudio Pizarro zuletzt häufig im Mittelfeld, beziehungsweise ließ sich immer öfter in dasselbe zurückfallen. Allein diese Tatsache zeigt die Misere in Werders Mittelfeld. Wo nun der beste Stürmer aushelfen muss – der im übrigen 32 ist und somit mehr und mehr zum Strafraumstürmer werden sollte als zum Mittelfeldarbeiter – liegen Werders größte Probleme. Wenn man nach vorne nichts Kreatives zustande bringt, sind ständige Konter vorprogrammiert. Werder macht aus seinem Ballbesitz nichts, und das ist das Problem.

Hinten haben wir mit Prödl einen weiteren durchschnittlichen Spieler auf entscheidender Position. Er spielt ordentlich, aber nicht gut. Endgültig demontiert hat ihn Schaaf, als er ihn nach Wochen auf der Innenverteidigerposition gegen Enschede plötzlich auf die rechte Seite degradierte, um ihn durch den dort völlig neuen Torsten Frings zu ersetzen. Prödl sollte irgendwann Stammspieler anstelle Naldos oder Mertesackers werden, jetzt hatte er seine Chance, und seit Enschede kann man ihn als gescheitert betrachten.

Muss man über Silvestre noch reden? Es ist unglaublich, einfach unglaublich.

Einer der wenigen Lichtblicke ist Wesley, der vielleicht sogar in der Lage wäre, die Mittelfeldmisere zu lindern, aber vorerst noch als Außenverteidiger verwendet wird. Von ihm abgesehen fällt es schwer, sich eine Lösung für das Mittelfeld vorzustellen. Ein Transfer wie der von Diego gelingt nicht alle Tage, und bei Marin und Hunt ist es wie erwähnt Zeit, alle Hoffnungen fahren zu lassen.

Das gilt auch für den Europapokal. Alle drei Gegner sind Werder überlegen, sogar Twente, die vor allem körperlich ganz anders zur Sache gehen können als Werder. Nicht einmal die Europa League werden wir erreichen können, und haben so finanziell zwar gut verdient, es hätte aber auch noch viel mehr sein können. Und dann stellt sich automatisch die Frage nach der nächsten Saison, schon jetzt. Mertesacker wird gehen, selbst wenn diese Saison wider Erwarten doch noch gut ausgeht. Frings und Pizarro werden älter und spätestens in der nächsten Saison dann auch deutlich schlechter. Wer bleibt da noch? Wesley und Arnautovic haben zumindest das Zeug zum Star, aber dafür müsste sich einiges in der Mannschaft ändern. Prödl kann nicht der Mertesacker-Ersatz sein, er ist nicht gut genug. Somit besteht dringender Handlungsbedarf auf verschiedenen Positionen. Ob Allofs dabei erfolgreich sein wird, darf man gespannt erwarten. Allzu viel Geld dürfte nicht da sein, schließlich waren Wesley und Arnautovic nicht billig, und außer Mertesacker wird es wohl keinen lukrativen Verkauf geben.

Das ist aber auch alles nicht so wichtig. Wichtig ist, dass die Vereinsführung wieder zurück auf den Boden der Tatsachen kommt; dass sie selbstkritisch ist, dass sie ihre stinkende Selbstgerechtigkeit ablegt und für eine andere Stimmung im Verein sorgt. Dabei wäre ein Ende der Publikumsbeschimpfungen hilfreich, ebenso wie ein anderer Umgang mit den Spielern. Man hat sich eine weinerliche Gruppe von Jungprofis herangezogen, die sich zu wenig mit sich selbst und zu viel mit den anderen beschäftigt. Das kommt nicht von ungefähr, sondern ist gängige Praxis im ganzen Verein. Und das muss aufhören.

Rabins Erben

Vor 15 Jahren wurde Jitzhak Rabin in Tel Aviv erschossen. Er war damals Israels Ministerpräsident und hatte gerade das zweite Oslo-Abkommen, das eine weitgehende Autonomie für die Palästinenser festschrieb, vereinbart. Schon nach Oslo I hatte er, ebenso wie Jassir Arafat und Schimon Peres, den Friedensnobelpreis bekommen. Verfrüht, wie sich später zeigen sollte. Schon zu Beginn des Oslo-Prozesses hatte die Gewalt zugenommen, die Hamas hatte seit 1994 dutzende Israelis bei Selbstmordanschlägen getötet. Rabin dagegen wurde am 4. November von einem fanatischen Israeli ermordet. Politisch massiv unter Druck, hatte Rabin das ganze linke Lager auf dem zentralen Platz in Tel Aviv, der heute Rabin-Platz heißt, versammelt, um ihm den Rücken zu stärken. Seine Gegner, unter ihnen auch sein späterer Mörder, Yigal Amir, hatten Rabin in den Wochen davor in Fotomontagen unter anderem in SS-Uniform gezeigt und ihn massiv beleidigt. Trotzdem hielt es niemand für möglich, dass ein Jude Rabin ermorden könnte. Rabins Mörder war ein fanatischer Religiöser, der die Aufgabe der Westbank durch Israel für eine Sünde und es für sein Recht hielt, Rabin zu töten. Nach der Kundgebung erschoss er Rabin mit zwei Schüssen in den Rücken.

Das ganze Land war schockiert, am Tatort und auf dem Platz der Kundgebung versammelten sich eine Woche lang vornehmlich junge Menschen mit Kerzen, bis nach Ende der Trauerwoche eine große Trauerveranstaltung mit mehr Teilnehmern, als auf den Platz passten, stattfand. Seitdem wurde jedes Jahr eine solche Veranstaltung mit Auftritten prominenter Musiker und Reden verschiedener Friedensaktivisten organisiert. Dieses Jahr, 15 Jahre nach dem Mord, fiel das Gedenken auf letzten Samstag, und es war wohl die letzte Veranstaltung dieser Art. Das Fernsehen ließ sich erstmals erst nach Protesten dazu bewegen, eine Live-Übertragung anzubieten, und die Teilnehmerzahlen sind massiv gesunken. Das reflektiert den allgemeinen Status der Friedensbewegung in Israel, sie ist gescheitert. Die Arbeitspartei, Rabins Partei, ist marginalisiert, die andere linke Partei, Meretz, war schon immer eine kleine Partei. Dabei wurde Rabin offenbar soweit vereinnahmt, dass sich ausschließlich das Friedenslager zum Gedenken zusammenfindet, obwohl sein Tod damals das ganze Land getroffen hatte. Der Gedanke an ein „gespaltenes Land“ drängt sich auf, wird der komplizierten israelischen Gesellschaft aber nicht ansatzweise gerecht.

Rabin war nicht nur derjenige, der große Teile der Westbank und den Gaza-Streifen im Tausch gegen Frieden zurückgeben wollte, er war auch derjenige, der sie erst erobert hatte. Als Generalstabschef im Sechs-Tage-Krieg hatte er 1967 den berühmtesten militärischen Sieg der Israelis erreicht und den Staat damit einmal mehr gegen seine Todfeinde verteidigt. Gleichzeitig hat der Krieg soviele arabische Menschen unter israelische Kontrolle gebracht, dass sich das bis heute bestehende Problem entwickelte: Verbleiben diese Menschen in Israel, ist Israel kein jüdischer Staat mehr.

Schließlich hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Westbank nicht zu Israel gehören kann. Hält man also am zionistischen Ziel, einen Judenstaat aufzubauen, fest, muss eine andere Lösung für die Gebiete her. Seitdem wird darum gestritten, wie man das am besten bewerkstelligt. Was in den Neunzigern niemand ahnte, war, dass die Palästinenser den Staat, der ihnen am Ende des Oslo-Prozesses wie vorgesehen angeboten wurde, einfach nicht annehmen würden. 2000 in Camp David scheiterte Oslo so endgültig. Mit der Zweiten Intifada machten Arafat und seine Banden schließlich deutlich klar, dass sie an weiteren Verhandlungen nicht mehr interessiert waren.

Bei den Verhandlungen, die es seitdem trotzdem gegeben hat, stellt sich nun immer die Frage, was anders laufen soll als in Camp David. Sollen die Israelis mehr bieten oder sollen sich die Palästinenser mit weniger zufrieden geben? Beides ist unwahrscheinlich. Für die Israelis gibt es keinen vernünftigen Grund, mehr zu bieten. Das einzige, was sie erhalten konnten und können, wäre die simple Zusage der Palästinenser, dass der Konflikt beendet ist und ein damit selbstverständlich einhergehender Verzicht auf weitere Gewalt. Das ist seit jeher das Ziel der Israelis, und darüber hinaus gibt es nichts, was sie von der Gegenseite verlangen. Die wiederum sagt weiterhin deutlich, was sie für ihre Leute erreichen wollen: Nicht die Aufgabe der jüdischen Siedlungen, die auf vormals kahlen Hügeln in der Westbank stehen, sondern die Rückkehr der Araber nach Jaffa, nach Salameh und nach Haifa. Ziel der Palästinensischen Autonomiebehörde ist nicht das gute Leben für ihre Bürger, für das ein eigener Staat ein gutes Mittel wäre, sondern die Rückkehr nach Israel. Dafür haben sie das „Recht auf Rückkehr“ erfunden und geben es nicht auf. Und diese Forderung ist verankert in der Bevölkerung. Für viele ist es auch ein Versprechen von Wohlstand, wenn die Hoffnung auf Großmutters Haus in Jaffa genährt wird.

Doch soweit wird es nicht kommen. Bis eine Zwei-Staaten-Lösung verwirklicht wird, wird der Konflikt weiter verwaltet werden. Dazu gehört der absurde Zustand in Gaza, wo die, die Israel zerstören wollen, nur mit israelischen und internationalen Hilfslieferungen überleben können. Und dazu gehören die Bemühungen der PA, in der Westbank staatsähnliche Strukturen aufzubauen. Neu verkündetes Ziel der PA ist es nun, im nächsten Jahr unabhängig von Gesprächen mit Israel einen eigenen Staat auszurufen. Was eigentlich Ziel der Verhandlungen sein sollte, will man sich jetzt einfach nehmen, ohne den Preis dafür zu bezahlen, nämlich die Erklärung über das Ende des Konflikts. Dabei könnte dieses Manöver auch nach hinten losgehen. Der ausgerufene Staat, der durchaus von vielen Ländern anerkannt werden könnte, kann sich nur hinter der Sicherheitsmauer befinden, Gaza ist ohnehin außen vor. So finden sich die Palästinenser vielleicht in einem Staat wieder, der den Israelis wunderbar passen würde, auf Teilen der Westbank und mit der Hauptstadt Ramallah, ohne Ost-Jerusalem. Natürlich würde man weiterhin fordern, dass die Israelis noch mehr Land hergeben und die Rückkehr der sogenannten Flüchtlinge ermöglichen, nur wird das von außen nicht mehr so dringlich erscheinen, wenn sie doch bereits einen eigenen Staat haben. Dabei ist der Blick von außen Teil der Geschäftsgrundlage der PA. Internationaler Druck soll den Israelis abpressen, was die Palästinenser wollen.

All diese strategischen Überlegungen sind Lichtjahre entfernt von Jitzhak Rabin und der Stimmung vor 15 Jahren. Es waren große Worte der Versöhnung, mit denen sich die Friedensbewegung und ihre Anführer berauschten. Diese Stimmung hielt viele Selbstmordattentate und auch den Mord an Rabin aus und blieb trotzdem hoffnungsvoll, bis 2000 alles in sich zusammenfiel. Jetzt standen am vergangenen Samstag nur noch wenige tausend Menschen auf dem Rabin-Platz. Dabei waren es fast ausschließlich junge Menschen. Nicht die Generation Uri Avnery verwaltet hier ihr Erbe, sondern eine neue Generation trifft sich dort. Dabei werden von wütenden Reden auf die heutige Politikergeneration bis zu echter Kirchentagsatmosphäre alle Register gezogen. Im Hintergrund bleibt die Frage, ob und mit wem überhaupt ein Frieden geschlossen werden kann, ganz unabhängig von der israelischen Politik und Gesellschaft. Derweil spricht man sich selbst Mut zu, auch wenn Rabins Erbe nach 15 Jahren offensichtlich verbraucht ist. Eine neue Organisation hat sich gebildet, die Nationale Linke, eine zionistische Linke also, die sich von den vielen antizionistischen Splittergruppen absetzt und der traditionsreichen israelischen Linken neue Kraft einhauchen will.

Der Niedergang der Linken, insbesondere der sozialdemokratischen Avoda, ist dabei kaum vom Scheitern des Friedensprozesses zu trennen, obwohl er mit dem Niedergang der europäischen Sozialdemokratie einhergeht. Arafat hat nicht nur Bill Clinton ruiniert, sondern auch seine Partner in Israel. So ist der Blick zurück auf Rabin und Oslo einerseits einer auf einen Trümmerhaufen. Aber war das vermeidbar? Die israelische Gesellschaft hat mit Oslo ihrer Friedenssehnsucht Ausdruck verliehen. Sie hat viel riskiert, und sie hat viel verloren. Es lässt sich aber nur schwer ermessen, wieviel diese Friedenssehnsucht an sich wert ist, und wieviel dazu die Tatsache, dass man sie geäußert hat, dass man den Ausgleich gesucht hat. Es konnte 1993 niemand wissen, was im Verlaufe der nächsten Jahre passieren würde. Vielleicht hätte man Arafat nicht ins Land holen sollen, vielleicht hätte man schon in den Neunzigern anders mit der Hamas umspringen sollen – heute sind alle klüger. Aber es versucht zu haben, nach bestem Wissen und Gewissen, das ist das große Verdienst der Friedensbewegung.