Januar 2011

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verbrochenes.net, das Fachmagazin für Initiationsriten und Segelschiffe, nimmt zur Lage der Welt wie folgt Stellung:


Der kleine Samstag
schafft es, das Weserstadion noch kleiner zu machen als es jetzt ohnehin schon ist. So kann man es in der Tasche mitnehmen und muss auch die Zumutungen der aktuellen Mannschaft nicht mehr hinnehmen. Der Große Samstag folgt morgen, wenn Werder gegen den wiederauferstandenen FC Hollywood spielt. Die Konstellation verspricht Spannung, mindestens bis zum 0:1.

Einen noch größeren Samstag plant die ägyptische Spaßgesellschaft, die gerade Medienjunkies und Polit-Experten in aller Welt Freude bereitet. Keiner ist dagegen, schließlich weiß man noch nicht so recht, was die eigentlich wollen, und Mubarak mag niemand. Ob der bald abtreten muss, ob dann sein Sohn, das Militär, die Muslim-Bruderschaft oder eine demokratische Regierung den ganzen Schlamassel übernehmen – das weiß leider keiner. Wenn es die Islamisten werden, sollen sie wenigstens endlich den Gazastreifen übernehmen, bitte.

Wenn Ihr den kleinen Samstag schon erworben habt und der Dispo immer noch 22 Euro hergibt, dann gibt es gar keine andere Wahl, als Wolfgang Pohrt zu kaufen, beziehungsweise sein Buch. Pohrt hat brilliant gedacht, noch brillianter geschrieben, und schon beim Lesen möchte man eigentlich nur eins: ihn ständig nur zitieren. Im Blog, im Gespräch, in Gedanken. Das schickt sich natürlich nicht, und es bringt auch niemanden weiter, das wiederzukauen, was schon längst gesagt wurde, aber anderswo oder gar besser ist es halt nicht zu haben. Leider schreibt Pohrt nicht mehr viel, und schon lange keine hasserfüllten Polemiken mehr. Das liegt auch daran, dass mit dem Ende der deutschen Linken, die sich schließlich im nationalen Brei aufgelöst hat, kein Bedarf mehr an derlei Textproduktion mehr da war. Nun sitzen wir hier fest und langweilen uns mit den anderen linken Autoren, deren Mittelmäßigkeit man erst richtig begreift, wenn man vorher Pohrt gelesen hat.

Zuletzt ist hinzuweisen auf Israelkritik in der Jungle World. Stefan Vogt bewirbt sich zum wiederholten Male für eine Stelle bei der taz, indem er ganz ausgewogen schildert, warum die Israelis das mit dem Frieden verpatzt haben und aus ihrem Parlament bestenfalls noch „Lebenszeichen“ zu hören sind.

Jede europäische Macht, die etwas auf sich hält, hat sich im 19. Jahrhundert eine Repräsentanz in Jerusalem gesichert. So auch die Österreicher, deren Hospiz sich mitten in moslemischen Viertel befindet. In diesem Umfeld wirkt das Innere des Hospizes recht unwahrscheinlich, so geht man doch von den Gassen der Altstadt direkt in eine europäische Insel. Drinnen gibt es ein Kaffeehaus mit Garten, Sacher-Torte und Apfelstrudel, natürlich serviert von echt-autochthonen Österreichern. Früher waren die Wiener Aristokraten hier zu Gast, heute kann jeder rein und ein Zimmer nehmen oder im Schlafsaal übernachten.
Frei zugänglich ist auch das Dach, von dem aus man über die ganze Altstadt blicken kann, und von dem aus der famose Joinsen auch dieses Foto aufnahm. Es zeigt den Blick hinunter in die Gasse vor dem Haus, wo die Gastronomie gerade schließt.

Hinter dem Schild ist die größte Kirche im Nahen Osten zu sehen, in Nazareth, auf dem Gelände einer Moschee. Der Text ist ein Koran-Zitat, das sich aus dem Englischen ungefähr so übersetzen lässt: „Jeder, der eine andere Religion als den Islam wählt, wird von Gott niemals akzeptiert werden und im Jenseits zu den Verlierern gehören.“ So werden die vielen christlichen Touristen gegrüßt, die meist mit Bussen für einen Tag hergebracht werden und die Verkündigungskirche besuchen. Aber natürlich richtet sich der kleine Gruß auch an die jüdischen Bewohner von Nazerat Illit. In der Nähe finden sich noch weitere Transparente, auf denen meist der Felsendom oder die al-Aqsa-Moschee abgebildet sind und auf denen es sinngemäß heißt, dass Allah den Moslems Kraft gebe, die Ungläubigen hingegen keine hätten. (Das Gegenteil ist richtig.)

Im Vergleich mit der Märtyrer-Verehrung und der Dichte an Felsendom-Bildern in der Westbank ist das Bild oben noch sehr milde, aber es ist bemerkenswert. Denn es lässt sich nicht allein im Kontext des Nahostkonflikts und der Auseinandersetzungen um bestimmte Flecken Land lesen. Es richtet sich an die christlichen Touristen, die Jesus‘ mutmaßliche Heimatstadt besuchen und mit der arabischen Bevölkerung dort und anderswo nichts zu tun haben. An diese meist etwas unbedarften Gruppen richten die moslemischen Urheber des Schilds ihre verächtliche Botschaft der Intoleranz, ohne jeden Anlass und ohne jede Antwort.

Gestern abend beim Einschlafen habe ich wie immer über den SV Werder nachgedacht, und wie immer hatte ich einen genialen Einfall, der alle Probleme des besten Vereins der Welt lösen wird: Thomas Schaaf darf Urlaub machen, mindestens ein halbes Jahr. Die Maßnahme beginnt sofort. Als Ersatz wird ein gestandener Bundesliga-Trainer verpflichtet, das dürfte so schwer nicht werden, auch wenn Friedhelm Funkel und Jörg Berger gleichermaßen verhindert sind. Unter dem neuen Trainer wird das beschädigte Spielermaterial wieder flott gemacht, neue Besen kehren gut, die Rückrunde wird mit unansehnlichem aber solidem Arbeitsfußball ohne größere Probleme zuende gespielt. Thomas Schaaf, der zweifellos beste Trainer, den Werder Bremen haben kann, erholt sich derweil mehrere Monate lang, unter anderem auf einer Kreuzfahrt und einer Safari. Er schießt einen Löwen, liest ein Buch, verbringt Zeit mit seiner Familie und schaut hier und da ein Fußballspiel, aber keines von Werder Bremen. Vielleicht darf er auch selbst entscheiden, was er in der Zeit macht, mal sehen.

Mitreden müsste der Trainer auch bei der Festlegung der Länge seiner Auszeit. Zwar können echte Fans fast alles auf der Welt auch von außen und ohne wichtige Informationen sehr gut beurteilen, das macht sie aus, aber in diesem Falle würde ich mir Rat holen wollen. Vielleicht reicht ein halbes Jahr nicht, vielleicht sollte Schaaf bis zur nächsten Winterpause oder gar bis Sommer 2012 Pause machen. Spätestens dann aber muss er Werder Bremen wieder übernehmen. Die Mannschaft müsste bis zu Schaafs Rückkehr, egal wann die erfolgt, in jedem Fall schon deutlich verändert worden sein. Eine deutliche Veränderung ist nicht nur in der Anzahl der Spieler zu messen, sondern auch in der Auswahl derjenigen, die gehen und vor allem derjenigen, die da kommen sollen. Mit der neuen Mannschaft könnte Thomas dann konzentriert arbeiten, und wir alle warten geduldig darauf, dass sich der Erfolg wieder einstellt.

Warum das jetzt hilft? Weil sich nichts mehr tut, weil die Phrasen immer dieselben sind und selbst ein erfolgreicher Rückrundenauftakt daran nichts ändern kann. Mannschaft und Trainer ergeben keinen guten Fußball mehr. Die Mannschaft kann man aber auf die Schnelle nicht austauschen. Den Trainer sollte man nicht austauschen, weil er der beste Mann für Werder Bremen ist. Deshalb muss eine kreative Lösung her, die die aktuellen Probleme löst und gleichzeitig eine langfristige Perspektive bietet. Ob bei der unvermeidbaren Trennung schon verkündet werden sollte, dass Schaaf zurückkehren wird, ist schwer zu sagen. Vermutlich ist es besser, die Öffentlichkeit im Dunklen darüber zu lassen und auch dem Interims-Trainer trotz kurzen Vertrags falsche Hoffnungen auf einen längeren Verbleib zu machen. Damit es dann 2012 auch heißen kann: „Meistertrainer Möhlmann gefeuert – Schaaf zurück!“

Seit der letzten Testspiel-Niederlage gegen einen türkischen Durchschnittsverein, bei dem angeblich „mindestens zwei Akteure Übergewicht“ hatten, und von denen ein Spieler, vermutlich normalgewichtig, sich nach dem Spiel „überrascht, wie schlecht Werder ist“, zeigte, ist in den Medien und unter den Werder-Fans die Endzeitstimmung angebrochen.

Besonders die Kreiszeitung, die sonst stets auf Vereinslinie war und auch in der Hinrunde immer, wie alle Fans, die stete Hoffnung auf Besserung hatte, zeigt sich nun schockiert. Den Spielbericht auf werder.de bezeichnet ein mutiger Redakteur geradeheraus als „Blödsinn“, was in Bremen geradezu revolutionären Charakter hat. Fraglich ist auch, ob peinliche Selbstentlarvungen wie die von Co-Trainer Matthias Hönerbach vor einem Jahr den Weg in die Medien gefunden hätten. „Du kleine Wurst, bei uns im Hotel ist noch ein Posten als Kellner frei, du Idiot“, soll der jetzt zum türkischen Schiedsrichter gesagt haben. Viel armseliger kann man sich nicht aufspielen. Ein kleiner Co-Trainer, Weisungsempfänger und Hütchenaufsteller, der sein Selbstwertgefühl daraus bezieht, dass immerhin noch andere Leute ihm das Essen bringen müssen, und der ernsthaft daran glaubt, dass er deshalb etwas Besseres wäre. Während wir uns vor Jahren noch Sorgen darum machen mussten, dass Werder zu beliebt werden könnte, wendet man sich nun angeekelt ab.

Sportlich war dem Vernehmen nach alles katastrophal, also wirklich noch schlechter als vorher. Dass es nicht besser werden würde, damit war zu rechnen, zumal nach Almeidas verständlichem Abgang. Dass wir aber noch vor dem ersten Spiel den Abstiegskampf entern, das ist beachtlich. Leider war das neue Elend bisher nicht im Fernsehen zu betrachten, weshalb man sich auf die Pressestimmen verlassen muss, aber die sind wie oben beschrieben außergewöhnlich deutlich in ihrer Alarmstimmung. Was bedeutet sie nun, die bevorstehende Apokalypse, und wie soll man damit umgehen?

Die Redaktion ist tief in sich gegangen und hat die Situation jetzt für sich angenommen wie ein Bundesligaspieler einen Zweikampf. Nach Jahren des Erfolgs, der, auch wenn das heute schon vergessen wird, tatsächlich bis zum Anfang dieser Saison in Genua konstant anhielt, verspüren wir eine Lust an der Niederlage, eine Sehnsucht nach der Apokalypse, nach dem Zusammenbruch. verbrochenes.net ist bereit, emotional Teil der Misere zu werden. Wir sind bereit, schwere Niederlagen einzustecken. Wir sind bereit, ein hart erkämpftes Unentschieden zu bejubeln, wenn es denn nur einen Punkt bringt, einen Punkt, den wir im Kampf gegen den Abstieg bitter benötigen. Wir sind bereit, Freitag abends auf eine Niederlage von Köln oder Nürnberg zu hoffen. Wir sind bereit, einen Anschlusstreffer zu bejubeln, wie wir seit Jahren kein viertes, fünftes oder sechstes Tor bejubelt haben. Und wir sind bereit, den Klassenerhalt zu bejubeln, wie wir keinen Derby- und keinen Finalsieg bejubelt haben.

Die Lust an der Apokalypse rührt vom Unbehagen am Bestehenden, und wir wissen das. Wir sind deshalb bereit, das Bestehende hinweggefegt zu sehen. Schaaf, Allofs, Frings, und alle anderen mit ihnen können verschwinden im Strudel des Niedergangs, im existenziellen Kampf um den Ball und die Zukunft. Wenn alles vorbei ist, ist alles neu, und wenn alles neu ist, ist alles besser. Arroganz und Dekadenz sind eingezogen bei den Herrschenden; Langeweile, Verweichlichung und Gleichgültigkeit bei ihren Anhängern. Dem wird diese Rückserie ein Ende machen, so oder so.

Oder eben auch nicht. Bis zur Testspielkatastrophe war ich davon ausgegangen, dass das schon alles auf Platz 10 enden wird, und vielleicht kommt es doch so. Wenn Pizarro wieder regelmäßig dabei ist und Mertesacker seine Normalform wiederfindet, dann wird alles schon wieder viel besser werden. Dagegen spricht, dass die Dinge nie so bleiben, wie sie sind, sondern sich immer in irgendeine Richtung bewegen. Weit bergauf kann es nicht gehen, dafür ist die Mannschaft zu schlecht. Also geht es bergab. Und das ist auch gut so. Siehe oben, ich freue mich drauf.

Wie man mit dem deutschen Volksempfinden Geld verdient, weiß man am besten beim „Spiegel“. Ende November hatten sie den letzten Hitler-Titel, wenn auch nur mit Goebbels als „Mann, der Hitler machte“. Drei Wochen vorher waren es die „Verzweifelten Staaten von Amerika“, die die deutschen Krisengewinnler am Kiosk freudig glucksen ließen. Als im Dezember „Das letzte Gefecht“ um den Euro ausgerufen wurde, kam die Angst um die deutsche Währung dran. Und schließlich wärmte das Blatt die Herzen mit dem „Mythos Mekka“, einem bewunderungsvollen Titel für die Hauptstadt der Antimoderne.

Mit dem aktuellen Titel haben die Magazin-Macher es allerdings geschafft, sich ein weiteres Mal zu übertreffen. Ein feist grinsendes Roboter-Insekt zerrt die Menschen aus ihren bescheidenen Häusern, die Überschrift sagt uns, um wen es sich handelt: „Die Unersättlichen“. Für diejenigen, die noch nicht wissen, welche unersättlichen Insekten es sind, die den Deutschen seit Jahr und Tag an Leib, Leben und Daten wollen, hat man es diesmal fast ausbuchstabiert: „Facebook & Co“ wollen mit dem Allerheiligsten des Volkes „Milliarden-Geschäfte“ machen. Weil es über Mark Zuckerberg, Facebook-CEO, inzwischen einen Film gibt und er „Person of the Year“ im „Time Magazine“ war, funktioniert das Bild noch viel schneller. Unersättliches Insekt, amerikanische Judenfirma, und der kleine Mann aus Deutschland fällt aus dem Fenster. Dazu die antimoderne Angst vor dem Fortschritt, fertig ist der Nazi-Titel, besser als jede rührselige Hitler-Story aus dem Bunker.

Dass hier antisemitische Karikaturen unters Volk gebracht werden, würde man beim Hamburger IntellektuellenBürger-„Stürmer“ natürlich ehrlich empört von sich weisen. Schließlich geht es hier um Datenschutz, ein ehrbares Anliegen, gegen das wirklich niemand etwas haben kann. Außer den geldgierigen amerikanischen Corporations, natürlich. Die Google-Streetview-Kamera, die das Ungetüm auf dem Kopf hat, ist Tatwaffe des Verbrechens an den Deutschen und ihren Häusern. Während Google frech einfach die Welt fotografierte, obwohl die ihm doch gar nicht gehört, hat Facebook es – Zuckerberg! – viel perfider angestellt. Die deutsche Jugend liefert ihre Daten einfach freiwillig beim amerikanischen Unternehmen ab, das dann damit Geld verdient. Zum Beispiel mit schrecklicher Werbung. Allerdings ist so etwas wie personalisierte Werbung nur die Spitze des Eisbergs für das Social-Media-Opfer. Schlimm genug ist bereits, dass überhaupt jemand im Ausland über Daten verfügt.

Datenschutz ist inzwischen ungefähr so wichtig wie gegen Kinderpornos zu sein. Zwar ist es okay, wenn der deutsche Staat Daten über seine Bürger sammelt, man lässt auch gern mit „Payback-Card“ sein Einkaufsverhalten protokollieren, aber wenn die USA Fluggastdaten haben wollen oder amerikanische Firmen kostenlose Dienstleistungen im Internet anbieten, dann empört sich die Nation und der „Spiegel“ bekommt antisemitische Aufwallungen. Als ob man durch das Speichern von Namen und Hauswänden die Seelen der Betroffenen einfangen könnte, empören sich die Leute, obwohl sie außer – schrecklich! – Vermarktung nichts zu befürchten haben. Datenschutz wird so ideologisch aufgeblasen, ganz ähnlich wie zuvor der Umweltschutz. Wäre eine deutsche Firma Marktführer in irgendeinem Bereich im Internet, so wäre das Volk begeistert von der neuen Technik. Denn letztendlich sind auch die persönlichen Daten eine nationale Angelegenheit. Weil die fraglichen Firmen aber aus dem kapitalistischen Ausland kommen, möchte das Volk vor ihnen beschützt werden. Dass das in Eigeninitiative recht effektiv zu machen ist, indem man sie einfach nicht benutzt, spielt dabei keine Rolle. Für das Wohl der Deutschen war schon immer der Staat zuständig.

Nachtrag: Der Titel zitiert offenbar diese Lithografie des antisemitischen Zeichners Andreas Paul Weber.

Wenn in den USA eine jüdische Kongressabgeordnete niedergeschossen wird, weil sie für eine allgemeine Krankenversicherung und andere demokratische politische Projekte eingetreten ist, weil sie also eine nach amerikanischem Verständnis „Liberale“ ist und wahrscheinlich, weil sie Jüdin ist, dann ist das eine politische Tat, die all diejenigen, die sich auch hierzulande mit Politik und Antisemitismus auseinandersetzen, beschäftigen sollte. Wenn dann in der Folge der Fokus vieler Kommentatoren nicht auf dem mutmaßlich antisemitischen Mordversuch und den sechs dabei begangenen Morden liegt, sondern auf verzweifelten Versuchen, die amerikanische Rechte zu verteidigen, dann ist das befremdlich. Andererseits passt es zu den wütenden Attacken auf Barack Obama, die seit dessen Wahl in (ex-)antideutschen und liberalen Publikationen Konjunktur haben. Dabei spielt es keine Rolle, dass die USA sich allein mit der Wahl eines Schwarzen zum Präsidenten einmal mehr als großartigstes Land der Welt erwiesen haben. Wichtig ist, dass Obama eine unter verschiedenen Aspekten weniger israelfreundliche Nahostpolitik macht, beziehungsweise das zumindest versucht.

Als ob Israel von Obamas gutem Willen abhinge, als sei dessen Fixierung auf die Westbank-Siedlungen nicht einfach ein politischer Fehler, sondern ein bösartiger Angriff auf den jüdischen Staat, ist der Präsident der Vereinigten Staaten zum beliebten Angriffsobjekt geworden. Auf der Suche nach einem Distinktionsgewinn lohnt es sich, immer den zu kritisieren, der gerade populär ist, und der Einfachheit halber zieht man dann ebenjene Popularität auch als wichtigsten oder einzigen Kritikpunkt heran. Mit tatsächlicher Politik oder der dahinterstehendern Ideologie hat das wenig zu tun. Obama hat ein paar Gesetze durchgebracht, die man böswillig als „sozialdemokratisch“ bezeichnen könnte. Man könnte Dinge wie eine verbesserte Krankenversicherung für arme Leute auch uneingeschränkt gutheißen, aber dafür müsste man sich für solche Dinge natürlich erst einmal interessieren, ebenso wie für die Rechte von Schwulen oder so läppische, materialistische Dinge wie Wirtschafts- und Steuerpolitik. Stattdessen ist der demokratisch gewählte Präsident der USA in einem grotesken Manöver zum Prügelknaben der Antideutschen geworden, die jetzt meinen, nicht mehr für die USA, sondern für Sarah Palin, nicht mehr gegen Links, Rechts und Grün, sondern gegen die Democratic Party in den USA anzuschreiben zu haben.

Wie der feuchte Traum des idiotischen Teils der amerikanischen Rechten – nicht aber die Realität – aussieht, lässt sich an dieser Episode absehen. Ein Blogger sitzt einem schlecht gemachten Fake auf, der Barack Obama und einen Haufen linker Ikonen als Vorbilder des Schützen von Arizona ausgibt. Das hätte vielen Rechten bestens gepasst: Der Mörder als ein linker Fan von Präsident Obama, der so mit antisemitischen Spinnern in Verbindung gebracht werden kann. Nur mit der Wahrheit hat das alles nichts zu tun. Um die geht es längst nicht mehr, weil es in diesen Tagen vor allem darum geht, die Verantwortung für die Schießerei weg vom Schützen und hin zum politischen Gegner zu schieben.

Nun ist die amerikanische innenpolitische Debatte hier nicht das Thema und kann es auch nicht werden. Was hier Thema sein kann, ist antisemitischer Mord, ebenso wie die Einstellung der Deutschen zu den USA und zu progressiver Politik. Hierzu ist festzustellen, dass Sympathien aus Deutschland für Obama eine gute Sache und dem Fortschritt dienlich sind, sie sprechen mitnichten gegen den verehrten Präsidenten. Es ist weiterhin festzustellen, dass eine möglichst umfangreiche Gesundheitsvorsorge für alle Menschen wünschenswert ist.

Die USA behalten weiterhin die Rolle des Landes, das dem bornierten Rest der Welt zeigt, dass Veränderung möglich ist, und Barack Obamas Erfolg ist der Beweis dafür. Es wäre deshalb schön, wenn die Solidarität mit den USA nicht durch eine Solidarität mit dem skurrilsten bis hässlichsten Teil derselben ersetzt werden würde, und wenn Obama nicht als Teil einer Verschwörung gegen Amerika, sondern als ein weiteres Argument für Amerika erkannt werden würde.

Es gibt viele Wege zur Besserlesbarmachung des Internets, und wir müssen sie alle ausprobieren. Spaß beiseite, es gibt nur einen.

Die Lösung: „Readability“, das praktische Plugin für die lustigen Leser des irren Internets. Einmal installiert, erhöht sich das persönliche Lesevergnügen um etwa 42 Prozent. Sogar längere Texte werden jetzt zu Späßen für die ganze Familie!

Das Problem: Webseiten sind, auch ohne Werbung noch, unübersichtlich und wirr. Das macht sie hässlich, aber damit können wir leben. Es macht sie aber auch schwer lesbar, weil unsere viel zu klein geratenen Gehirne ständig abgelenkt werden und unsere Augen kleine faule Arbeitsverweigerer sind.
Hier ein Beispiel, bei dem neben dem Text noch massenweise andere Elemente herumstehen. Wir sind aber nur am Text in der Mitte interessiert, alles andere brauchen wir nicht. Deshalb machen wir, Du und ich und alle unsere Freundinnen und Freunde, Folgendes: Wir drücken auf den kleinen Button von „Readability“ und entledigen uns mit einem Klick aller Webseiten-Elemente, die nicht der Haupttext auf der angezeigten Seite sind. Dieser wird nun in gut lesbarer Größe und schön formatiert angezeigt, bis wir ihn fertig gelesen haben und wieder auf den Button klicken. Schon sehen wir wieder die originale Webseite und können weiteren Links folgen.

Und das sagen Menschen, die „Readability“ schon länger benutzen:

Klaus: „Sehr praktisch!“

Marianne: „Eine tolle Sache; jetzt finde ich das Internet noch besser!“

Peter: „Danke, Readability!“

Ewald: „Das ist so toll, dafür mache ich kostenlose Werbung in meinem Blog!“

Und wo gibts das tolle Ding jetzt nochmal? Im Internet! Yaaay, Internet!