Juli 2011

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Eine Firma kann nur erfolgreich sein, wenn sie expandiert. Das ist egal, weil wir leider keine Firma haben. Eine andere Geschichte ist diese: Zwei unserer Autoren fotografieren seit einiger Zeit mehr als dass sie ihre durchaus vorhandenen Gedanken in blogbaren Texten zusammentragen. Da auch das manchmal ganz schön anzusehen ist, muss dafür ein Raum her. Und siehe da, es ist noch Platz im Internet, und den nehmen wir uns. Mit einem Klick auf diesen Link könnt ihr euch dort einmal umschauen, und wenn es euch gefällt, macht am besten gleich ein Lesezeichen oder abonniert den Feed. Wer glaubt, eh schon zu viele Blogs zu lesen, kann sich einfach einbilden, dass es ja kein neues Blog ist, indem er oder sie wie gewohnt zu verbrochenes.net kommt und dann rechts auf das entsprechende Banner klickt.

In einem tragikomischen Interview in der SZ beklagt heute ein Martin Forberg, der als Journalist vorgestellt wird und im Internet bisher doch nur als Aktivist aufgetreten ist, die Behandlung durch die israelischen Sicherheitsbehörden.

Wir wollten zunächst einmal den palästinensischen Alltag kennenlernen. Die Idee hinter der Aktion war, auf die Probleme der Menschen in den besetzten palästinensischen Gebieten hinzuweisen. Vor allem auf die mangelnde Bewegungsfreiheit.

Das ist interessant: Forberg und Konsorten wollen auf etwas hinweisen, was sie selbst erst noch kennenlernen müssen. Sie haben also keine Ahnung, wie es in den palästinensischen Gebieten zugeht, wollen aber genau darauf aufmerksam machen. Eine beachtliche Anmaßung, wie man sie bei Leuten, die sich für die Guten halten, öfter findet.

Die Überschrift, die der Interviewer gewählt hat, ist „Es war eng und heiß in der Zelle“. Wer hätte das gedacht, in Israel im Juli, heiß? Eine Zelle, eng? Forberg beschreibt sein Eingesperrtsein als „eine unangenehme Situation.“ Tatsächlich? Gefängnis, unangenehm? Und dann: „Der Ton war vorwiegend rau.“ Polizei, rauer Ton? Man kann es kaum glauben. Dabei ging dieses ganze Martyrium sogar über vier Stunden lang, bis die Leute von der israelischen Staatsmacht, die anzuklagen sie ja angereist waren, in ein anderes Domizil gebracht wurden:

Das Gebäude war heller und größer, auch der Ton der Beamten wurde deutlich freundlicher. Wir waren in Vierbettzimmern untergebracht, in der Mitte ein Tisch. Die Zellentüren waren von neun bis 21 Uhr geöffnet. Es gab Duschen und etwas zu Essen, wir wurden von Ärzten betreut. Außerdem wurde uns in einem Vortrag erklärt, wir sollten das Gebäude nicht als Gefängnis begreifen, sondern als „unser Haus für die nächsten Stunden oder Tage“.

Der Horror! Denn:

Hier fand aber durchaus eine subtilere Kontrolle statt. Zur Mittagszeit besuchten uns zwei Vertreterinnen der deutschen Botschaft.

Frechheit! Ob diese Sätze überhaupt zusammenhängen oder ob die subtilere Kontrolle etwas anderes meint, bleibt offen. Subtil zeigte sich nun also die hässliche Fratze des Faschismus, und „geschmeidig“:

Allerdings wurden Einzelgespräche vorgeschrieben, Gruppengespräche verhindert. Auch der Austausch mit unseren Kolleginnen, die wir anschließend wiedertrafen, wurde geschmeidig abgeblockt.

Dabei wollte der Mann doch nur nach Palästina, und man hat ihn nicht gelassen. Hat man nicht?

Einige hätten nur nach Israel reisen können, andere auch in die Westbank. Bei mir war die Bedingung, dass ich mich nicht in „Unruhebereichen“ aufhalten dürfe. Ich habe dies abgelehnt.

Kurz übersetzt: Man hat ihm zu verstehen gegeben, dass er hinreisen könne, wo er wolle, solange er keinen Ärger mache, und er hat das dann abgelehnt. Da fragt dann selbst der hartgesottene Grenzer ungläubig nach:

Als ich erwähnte, das ich es für legitim hielte an gewaltfreien Demonstrationen teilzunehmen, war die Angelegenheit für die Gesprächspartner ohnehin erledigt. Sie haben allerdings noch zweimal nachgefragt.

„Erledigt“ heißt in diesem Fall „nicht erledigt“. Weiter mit kruder Logik:

Natürlich hat Israel, wie jeder andere Staat, das Recht, zu bestimmen, wer einreist und wer nicht. Aber der einzige Weg nach Palästina führt eben über Israel. Und wenn dieser Transitkanal dichtgemacht wird, dann ist das ein Problem, auf das man hinweisen muss.

Hier beklagt Forberg ein Problem, dass er und seine Freunde selbst erst verursacht haben. Denn wer nicht großspurig ankündigt, dass er kommt, um zu demonstrieren, der kann ganz einfach in die Westbank reisen. Dass der Transitkanal dichtgemacht wird, war in diesem Fall also eine Reaktion auf die Aktivisten selbst, die es sich dann wiederum zur edlen Aufgabe machen, auf diese Reaktion hinzuweisen.

Mir bleibt auf die tatsächliche Situation hinzuweisen, wie sie im Dezember war und sich nach Nachrichtenlage offenbar nicht geändert hat: Aus Jerusalem erreicht man Jenin, Nablus, Ramallah oder Hebron mit Bussen und Sammeltaxis ganz einfach, und das in der Regel ohne jede Kontrolle. Die Checkpoints sind seltener geworden, und an denen, die noch besetzt sind, werden nur stichprobenartige Kontrollen gemacht. Das heißt, dass Israel den Personenverkehr in die Gebiete kaum kontrolliert. Das ändert sich erst, wenn man zurückkommt, also nach Israel einreist und dabei eine Linie passiert, die nach allgemeiner Überzeugung eine internationale Grenze werden soll.

Bei der SZ muss man sich fragen lassen, warum eigentlich der Interviewer emotionaler bei der Sache zu sein scheint als der etwas naive Palästina-Aktivist, warum der wiederum als Journalist vorgestellt wird und warum man ein solches Interview überhaupt komplett veröffentlicht, anstatt es zu einem Zehnzeiler zu verarbeiten.