September 2011

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verbrochenes.net, das Event-Magazin für Mitteleuropa und umzu, präsentiert Euch zwei neue Veranstaltungen der Extraklasse, die Ihr nicht verpassen solltet.

Erstens:

Demonstration gegen rechte Gewalt in Bremen. Alles über den Anlass für diese Demo habt Ihr hier längst erfahren. Den ganzen Aufruf findet Ihr hier. Die Demo fängt um 17 Uhr am Ostkurvensaal an und endet vor dem Amtsgericht. Jetzt, wo Justiz und Politik deutlich gemacht haben, dass sie nicht bereit sind, antifaschistische Fans vor der Gewalt der Nazis zu schützen, ist jede Solidaritätsbekundung für die Opfer eine willkommene Unterstützung. Und gerade wenn Gerichtssprecher und andere Arschlöcher verkünden, prügelnde Faschos seien nicht ihr Problem, sondern das der linken Jugendlichen, ist die Restgesellschaft aufgerufen, zusammen mit den Opfern auf die Straße zu gehen. Also los, Mittwoch 17 Uhr, Ostkurvensaal. Alle jetzt, echt mal.

Ich selbst kann leider nicht, ich mach da gerade Urlaub.

Zweitens:

Über Duisburger wird berichtet, sie wären Untermenschen unterbelichtet. Für mich ist sowas Rassismus wie jeder andere auch! Nun, eine schmissige Einleitung ist immer gut, aber die hier beworbene Veranstaltung hat das eigentlich gar nicht nötig. Denn am fünften Oktober führt der famose Alex Feuerherdt durch ein interessantes Programm, in dem es um Antisemitismus in der Linken im allgemeinen und in der Duisburger Linkspartei im besonderen geht. Insofern man also in der Nähe wohnt oder mal was ganz Neues erleben will, ist man in Duisburg bestimmt gut aufgehoben.

Bremen, die kleine Großstadt in Norddeutschland. Schön gelegen am Fluss, überschaubare Stadtteile und Nachbarschaften, ein überraschend guter Fußballverein. Und hier passiert folgendes: Es hat sich eine gewalttättige Auseinandersetzung zugetragen. Das Ereignis ist inzwischen viereinhalb Jahre her, aber bekanntlich mahlen die Mühlen der Justiz langsam. Noch langsamer, wenn die Stadt, die die Mühlen bezahlt, so gut wie pleite ist. Und insbesondere dann, wenn der Schauplatz des Vorfalls eine Party mit über 100 Gästen war. Die müssen alle erstmal befragt werden, und dann bestehen sie auch noch darauf, alle vor Gericht gehört zu werden.

Das Verfahren beginnt also endlich, wenn auch ohne den Staatsanwalt. Der ist zwar angeblich der beste der Stadt und wurde deshalb für dieses komplizierte Verfahren eingesetzt, aber er ist im Urlaub, angeblich für drei Wochen. Gut, dann wird er halt vertreten, von einem unerfahrenen Kollegen. Das ist nur angemessen, denn immerhin findet der Prozess auch nicht wie ursprünglich geplant vor dem Land-, sondern vor dem Amtsgericht statt. Die aufgrund von Zeugenaussagen vorgeladenen sieben Tatverdächtigen haben ihre Anwälte aber schon gebucht, jeder einen, und da es hochspezialisierte Anwälte sind, behalten sie diese auch. Und sie machen in ihrem Sinne gute Arbeit: Sie sagen: „Wenn ihr 60 Zeugen hören wollt, laden wir 100 ein.“ Das imponiert freilich dem Richter, den dieses ganze Riesenverfahren ohnehin nur stresst, er schlägt eine einfache Lösung vor: Die ganzen Zeugen können zu Hause bleiben, die Täter sagen, dass sie Täter sind und zahlen jeweils Geldstrafen. Diejenigen, über die die Akten nichts sagen, dürfen sich noch einmal bewähren. Die to-be-Geständigen grinsen, und der Staatsanwalt ist auch einverstanden. Immerhin hat er ja nicht viereinhalb Jahre auf diesen Prozess hingearbeitet, sondern der Kollege, der sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt. Also: Subjektive Wichtigkeit des Riesenverfahrens für die Opfer hin oder her – die Beteiligten des Verfahrens einigen sich auf den Deal.

Was ist eine Provinzposse?

Etwas voreilig, liebe Kandidatin. Ganz so einfach ist es nicht. Es handelte sich hier nicht um eine einfache Schlägerei zwischen trinkfreudigen Friesen. Das machen schon die simplen Zahlen klar: Obwohl den über 100 Gästen der Party, die die antirassistische Fangruppierung Racaille Verte in jener Januarnacht ausrichtete, nur ungefähr 20 Angreifer gegenüberstanden, sind am Ende um die 40 junge Fans verletzt, einer davon so schwer, dass er einige Tage im Krankenhaus verbringen muss. Und so liegt es nicht etwa an der Geltungssucht der Opfer, dass sie alle aussagen wollen, sondern daran, dass sie Angst haben. Angst vor der Rache der Täter. Bei ihnen handelt es sich nämlich um rechtsradikale Hooligans, erprobt im Faustkampf und gefestigt in ihrer Ideologie. Doch all das beziehen Gericht und Staatsanwaltschaft nicht in ihre Erwägungen ein. Für sie ist viel mehr entscheidend, dass das Verfahren so lange gedauert hat. Und das ist für die Angeklagten, von deren Unschuld sie von Rechts wegen ausgehen, nun wirklich eine Zumutung. Denen muss man entgegenkommen, und das drückt sich in Zahlen so aus: 30% gehen nochmal ab von den Strafen, die alle unterhalb von 90 Tagessätzen liegen – der Grenze, ab der eine solche Strafe im polizeilichen Führungszeugnis auftaucht.

Was ist ein Justizirrtum?

Nein, die folgenden Fakten werden zeigen, dass auch das nicht die gesuchte Frage ist. Es ist nämlich nicht so, dass die Informationslage undurchsichtig wäre und deshalb ein Irrtum zustande kommen könnte. Dass ein Gericht sich nicht auf den Antifa-Seiten über ihre Klientel informiert scheint normal. Aber wenn die Angeklagten vor Gericht auftreten wie Mafiabosse, ihre Freunde sich vermummen und selbst nach mehrfachen Beschwerden der Betroffenen Unterstützerinnen und Unterstützer der Opfer filmen und fotografieren sowie Medienvertreter beleidigen können, läuft etwas falsch. Es kann nicht angehen, dass Polizisten und Gerichtsdiener sagen: „Vielleicht wäre doch das Landgericht der bessere Ort gewesen.“

Und der Staatsanwalt sollte sich vielleicht schon informieren, gegen wen er vorgeht. Er sollte die Anklage führen, Partei ergreifen, im Sinne der Sicherheit der Bürger des Staates, dessen Anwalt er ist. Das ist genau die Rolle, die dem Staat in Sonntagsreden stets zugeschrieben wird. Vor allem, wenn es gegen Neonazis geht. Gerade junge Menschen werden bei Events wie der Nacht der Jugend für ihr Engagement gegen Diskriminierung gelobt und erhalten Preise. Das bringt materiell meistens nicht so richtig viel, aber die Aussage ist: Ideel steht dieser Staat hinter euch, wir passen auf euch auf. Und genau so biederte sich auch die Staatsanwaltschaft bei den betroffenen Fans an, versuchte ihnen zu verdeutlichen, dass sie in diesem Fall für Gerechtigkeit sorgen würde und dafür, dass sich ein derartiger Vorfall nicht wiederholen würde. Die älteren Hauer, allesamt bekannte Neonazis, sollten endlich mal in den Bau wandern, während die jüngeren einen Schuss vor den Bug kriegen sollten, der ihnen weh tut. Die Fans nahmen dafür in Kauf, sich den Neonazis zu stellen und im Vorfeld des Prozesses immer wieder bedroht zu werden. Auch dies hätten Gericht und Staatsanwaltschaft wissen können und sollen, und spätestens im Gerichtssaal hätten sie es merken müssen.

Der vorliegene Deal bewirkt aber genau das Gegenteil der erhofften Klärung: Die Neonazis wissen jetzt genau, was sie ein Überfall auf junge Linke kostet: Ein paar tausend Euro, die sie leicht aufbringen. Für die entsprechenden Adressaten ist im wörtlichen Sinne gesorgt: Die Justiz hat sie mit ihrem sorgfältigen Apparat an die Nazianwälte gebracht, die sicher Kopierer besitzen. Racheakte sind vorprogrammiert.

Was ist Justizversagen?

Nein, auch das ist nicht die Frage, lieber Kandidat. Wenn nämlich all das sehenden Auges geschieht, ist das mehr als Versagen. Vor allem das Gericht vertritt sehr selbstbewusst einen Standpunkt, der kritisiert werden muss. Die Wortwahl der Beteiligten offenbart ihre Entscheidung, sich falsch zu positionieren: Neonazis werden immer wieder als rechtsgerichtet bezeichnet, als hätte hier eine Gruppe CDUler ihrer Wut auf Grüne Ausdruck verliehen. Der Gerichtssprecher tut so, als stünden sich hier zwei gleichwertige Konfliktparteien gegenüber, indem er sich dafür lobt, kein weiteres Öl ins Feuer gießen zu wollen. Man könnte fast glauben, die Ultras würden auf einer Woge der Begeisterung anfangen, Neonazis zu vermöbeln, wenn die ihre gerechte Strafe bekommen! Der stellvertretende Staatsanwalt schiebt indirekt den Opfern den Verlauf des Verfahrens in die Schuhe, indem er sich in Erinnerung ruft, wie lange sie brauchten, um sich zu Aussagen durchzuringen. Simple Arithmetik ignoriert er einfach: Natürlich machen die dreieinhalb Monate, die die Zeugen brauchten, nicht wirklich den Kohl fett. Am schwersten wiegt aber die Behauptung, es handele sich hier um szeneinterne Streitigkeiten. In Bremen gibt es eben nicht eine Fanszene, sondern mehrere, die nebeneinander und größtenteils unabhängig voneinander existieren: klassische Kuttenfanclubs im Oberrang, teils „unpolitische“, teils progressive Ultras im Unterrang, (Nazi-)Hools auf dem Acker. Das weiß eigentlich auch jeder, nur der Gerichtsprecher behauptet in staatsragendem Ton das Gegenteil und übernimmt dabei fast das Wort der Verteidigung von einem quasi innerfamiliären Konflikt. An dieser Stelle hätte es vielleicht geholfen, wenn vor dem Prozess nicht nur ein anerkannter Experte, sondern auch der Verein, zu dem sich ja in der Tat Angreifer wie Opfer zugehörig fühlen, eindeutig geäußert hätte. Vielleicht, denn es kommt doch der Eindruck auf, dass hier sehr wohl bewusst gehandelt wurde: Der Urlaub, die Wahl des Gerichts, der offenbar vorbereitete Deal, die dummen Begründungen.

Ich möchte lösen. Die Frage lautet: Was ist ein Justizskandal?

Herzlichen Glückwunsch, Sie haben 8000 Mark gewonnen! Herr Güldner von den Grünen hätte es übrigens auch fast geschafft, er hat nur das Prinzip dieser Sendung nicht verstanden.

Die heutige Medienanalyse gilt folgendem Bild, das ich ohne zu fragen vom Antifaschistischen Netzwerk beziehungsweise der Antifa Westhavelland geklaut habe.

Fangen wir mit der bildlichen Darstellung an: Die Vorfahren der hier aktiven Neonazis haben offensichtlich erst Ende des ersten Jahrtausends den aufrechten Gang gelernt. Als Jesus über den See Genezareth spazierte, schlug sich ein merkwürdiges Mischwesen aus Affe, Katze und Bär durch die später ostdeutsch werdenden Gebiete. Gegen Ende des Mittelalters war aus diesem erstklassigen Genmaterial ein deutscher Wandersmann entstanden, der sich 1945 böse verletzt haben muss, woraufhin er sich einen Stock zulegte und anschließend für einige hundert Jahre unsichtbar wurde. Doch damit nicht genug der merkwürdigen Ereignisse: Weil sich Zeit und Raum etwas gekrümmt haben, sind wir in dieser Zeit nur bis ins Jahr 2011 voran gekommen, und der politische Nachwuchs des eingangs gezeigten Halbaffen hat sich seit 1945 kein Stück verändert. Ab jetzt wird er, wenn das nach 1945 aufgetretene Raum-Zeit-Gelöt hält, noch mehrere Jahrzehnte brauchen, um sich seines Unterleibs zu entledigen, dabei dennoch deutlich zu wachsen, und an seinem Krückstock eine Fahne zu befestigen. Eine Rückkrümmung der Zeit hingegen würde bedeuten, dass er darauf noch mehrere hundert Jahre warten muss.

Was kann nun die ausführliche Beschriftung zum besseren Verständnis des Transparents beitragen? „Vom Schuldkult zur Mitschuld“ – ist das zeitlich zu verstehen? Da der „Schuldkult“ in der Mitte der Zeitleiste eingeordnet ist, würde das die „Mitschuld“ dahinter einordnen. Fraglich ist nun, ob sie sich auf die Revolution bezieht – eine Mitschuld an der Revolution? – oder auf ein noch dahinter liegendes Ereignis, eventuell gar auf das Nachfolgetransparent für die nächste Demonstration, in dem die ganze Sache dann aufgelöst wird. Denkbar wäre dann, dass die Revolution scheitert, vielleicht weil eine Fahne einfach keine hinreichende Waffe mehr ist, so um 2109 rum, und dann hinterher die Mitschuldfrage gestellt wird.

Vielleicht ist die Mitschuld aber auch im Zusammenhang zur gezeigten Evolution zu sehen: Aus dem Affen wird ein sich seiner selbst bewusst seiender Mensch, genau wie Eva und Adam sich ihrer selbst erst bewusst wurden, als sie vom Apfel aßen – der Sündenfall. Selten wurden Evolution und christliche Theologie so gekonnt verzahnt, selten wurde der katholische Schuldkult so subtil kritisiert.

Aber stellen wir uns nicht dumm, lesen wir mal bei den Künstlern selbst nach:

„…darauf aufmerksam zu machen, was der Schuldkult im Laufe der Jahrzehnte mit unserem Volk angerichtet hat. Wir wurden zum ewigen Täter erklärt und fressen jede noch so dreiste Lüge, ohne sie auch nur einmal zu hinterfragen. (…) Mit dieser Ignoranz, trägt ein gesamtes Volk Mitschuld an den Missständen auf der Welt.“

Hört, hört! Die Kollektivschuldthese ist wieder da, unwahrscheinlicherweise vorgetragen von ostdeutschen Neonazis. Die antideutschen Nationalsozialisten sind geboren, und ihr Vorwurf lautet auf nicht weniger als „Mitschuld an den Missständen auf der Welt“. Ein „gesamtes Volk“ wird hier angeklagt, und das Rezept gegen den „Schuldkult“ der Deutschen ist der Vorwurf an sie, schuldig zu sein. Damit sind die Kameraden schon vor der Revolution bei einer Erkenntnis angelangt, für die der Führer ein ganzes Leben und einen verlorenen Krieg gebraucht hat: Die Deutschen, die taugen nichts.

Genau genommen ist es moeglich, sehr viele Dinge “ eigentlich alles “ zu prognostizieren: Das Ende aller Tage, den Untergang der bekannten Welt, kann man sehr genau mit Hilfe des Maya-Kalenders vorherbestimmen, er faellt auf das zweitausendundzwoelfte Jahr nach christlicher Zeitrechnung und ist dementsprechend schon in drei bis maximal fuenfzehn Monaten faellig. Wer sich in derartig existenziellen Fragen nicht auf die Prophezeiungen untergegangener Hochkulturen verlassen moechte, hat die Moeglichkeit, sich auf aktuellere und weniger weitreichende Prognosen zu verlassen, die das Wetter, Ergebnisse demokratischer Wahlen oder “ nicht jeder moechte schliesslich solche unbedeutenden Broetchen backen “ weltpolitische Entwicklungen mal mehr, mal weniger akkurat vorhersagen.

Fuer letztere Zwecke gibt es Menschen vom Schlage eines Peter Scholl-Latour, die in ihrem Leben so unendlich viele Saetze dahergeschwafelt haben, dass irgendeine ihrer Aussagen immer zutreffend erscheint. Die US Army wird wahlweise im Irak, in Afghanistan oder sonstwo ihr zweites Vietnam erleben, die Weltwirtschaft wird erst im Zuge der Immobilienkrise, nun eben im Zuge der Finanzkrise untergehen, soviel ist mal klar. Die phantasiereichsten Prognostiker der Linken stehen hierzulande ueblicherweise bei der jungen Welt in Lohn und Brot: Werner Pirker wusste dort schon 2002, dass die Amis ein „totalitaeres Regime ueber die internationale Staatenwelt“ errichten werden, dass natuerlich auch vor dem „nuklearen Genozid“ nicht zurueckschreckt. Im selben Jahr veroeffentlichte selbiger dann mit Wilhelm Langthaler ein regelrechtes Standardwerk der USA-Prognostik mit dem Untertitel „Zwoelf gute Gruende fuer einen Antiamerikanismus“, in dem der zukunftsinteressierte Leser erfahren konnte, die naechsten militaerischen Ziele der USA seien Pakistan, dass die Amerikaner in den letzten Jahren militaerisch offenbar nur aufruesteten, um nicht wieder einen asymmetrischen Krieg fuehren zu muessen und Saudi-Arabien, dem die Bundesregierung “ man hatte das Buch offenbar mit grosser Verspaetung gelesen – noch schnell ein paar Panzer verkauft hat. Unklar bleibt hingegen weiterhin, ob in der jW-Redaktion dieselben Wahrsagekugeln stehen wie in den RAF-Unterschlupfen: Deren Kommando Gudrun Ensslin wusste schon vor dreissig Jahren, dass eine „Intervention im Iran“ unmittelbar bevorstuende “ hoechstwahrscheinlich unter Einsatz jener legendaeren Neutronenbombe, die der deutschen Friedensbewegung in den Achtzigern schlaflose Jahre bereitete, obwohl sie nie zum Einsatz gebracht wurde.

So ist das mit Prognosen: Die meisten sind entweder schnell wieder hinfaellig (die deutsche Frauenfussballnationalmannschaft feierte den von der Bild erwarteten Triumphzug bei der WM im eigenen Land dann doch nicht), harren noch ihrer Erfuellung (die Maya haben immerhin noch ein paar Monate Zeit) oder waren von vornherein Quatsch. Wie man mit Prognosen Geld verdient, laesst sich an einem Menschen wie Nouriel Roubini zeigen: Der „Wirtschaftsexperte“ sagte die Rezession fuer das Jahr 2007 voraus und verkauft seitdem eine Menge Buecher “ was sich laut Prognosen positiv  auf seinen Geldbeutel auswirkt. Diese Leistung zeugt allerdings weit weniger von Genialitaet als von der Existenz der beruehmten Stecknadel im Heuhaufen:

„Er prognostizierte unter anderem einen ernsthaften Börsenkrach für 2004, eine scharfe Wachstumsverlangsamung für 2005, einen globalen Einbruch für 2006 und eine Rezession für 2007, die dann endlich kam.“

Wir von verbrochenes sind manchmal auch etwas geschwaetzig, ja. Aber wenigstens reden wir dann ueber des idealtypischen deutschen Wutbuergers liebstes Thema, den Fussball. Bonde hat hier schon einige Male Untergaenge prophezeit, vor allem den des FC Bayern. Dieser ist bisher ausgeblieben und ich prognostiziere an dieser Stelle, dass es auch dieses Jahr nichts wird. Die Muenchner werden in der laufenden Saison souveraen Meister und auch bei allem anderen, was nun kommt, habe ich Recht: Sollte es anders kommen, dann liegt das “ natuerlich “ an unvorhersehbaren Ereignissen.

Maximal drei Champions League-Plaetze stehen den Bundesligisten dieses Jahr zur Verfuegung, und diese werden an Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und leider auch an Schalke 04 gehen. Dieser Autor wuerde gerne seiner Abneigung gegen die Knappen mehr Gewicht geben, aber was ist schon eine persoenliche Meinung in Anbetracht des Laufes der Geschichte? Wer den besten Sturm der Liga hat, kommt am Ende eben auch unter die Top-Plaetze. Dass Bayer Leverkusen die Saison irgendwo zwischen Platz 2 und 4 beendet ist genauso sicher wie der Nichtaufstieg der Spielvereinigung Greuther Fuerth, und Dortmund spielt einfach zu schoenen Fussball, um dafuer nicht belohnt zu werden. Der Voodoopriester, der Mirko Slomka und Hannover 96 die letzten Monate so vorzuegliche Dienste geleistet hat “ denn anders ist der Erfolg des langweiligsten Vereins der Bundesliga nicht zu erklaeren “ wird auch noch ans Ende seiner Kraefte kommen, und spaetestens dann stuerzen die Niedersachsen wieder dahin wo sie gehoeren, auf die Plaetze 7 bis 11, wo man am Ende der Saison die Gesellschaft von 1899 Hoffenheim, Mainz 05, dem VfB Stuttgart und Borussia Moenchengladbach geniessen darf “ ter Stegen und Reus reichen dann eben doch nicht fuer den ganz grossen Wurf, der dem VfL “ sorry an alle Fohlen-Fans “ nie wieder gelingen wird. Und: Wer sich von Holger Stanislawski trainieren laesst, braucht mit grossen Anspruechen nun wirklich nicht zu kommen.

Michael Oenning ist seinen Job am kommenden Sonntag los, nachdem seine Mannschaft in Bremen, dass die Saison als Fuenfter beendet, mit 3 zu 0 unter die Raeder gekommen ist. Ohne Mertesacker, dafuer aber mit einem bald wieder einsatzfaehigen Naldo kommt man in der Bundesliga nicht in die Champions League, vor allem dann nicht, wenn man sich im Sturm neben Pizarro auf Arnautovic und Wagner verlassen muss, was ohne Zweifel schade, aber so leicht nicht zu aendern ist, da an der Weser offensichtlich das Geld fuer einen Hochkaraeter im Sturm nicht vorhanden ist. In Anbetracht des Pokal-Auftritts in Heidenheim und einer Vorbereitung, bei der man gegen Southampton die Segel streichen musste, ist das aber immer noch ganz in Ordnung. Den UEFA-Pokalplatz teilt man sich mit dem etwa ab Mitte der Saison wiedererstarkenden VfB Stuttgart, ein strukturstarker Verein mit neuem Stadion, dessen Kader einfach zu stark aufgestellt ist, um nochmal im Niemandsland der Tabelle zu versauern, zumal eben dieses von Freiburg, Wolfsburg und Nuernberg bevoelkert wird.

Das sind zwar sehr unterschiedliche Vereine mit ganz unterschiedlich gelagerten Problemen, aber sie haben eine zu gute Mannschaft um abzusteigen, und eine zu schlechte, um auch nur in die Naehe der Euroleague-Quali zu kommen. Der Club hat eine Menge guter Leute abgegeben und trotzdem noch eine der besseren Innenverteidigungen der Liga, vorne aber keine Durchschlagskraft mehr, Wolfsburg implementiert unter Magath das so genannte Essener Modell („Man muss nur genug Spieler kaufen, deren Zenit ueberschritten ist, und daraus formt sich dann von alleine ein starker Kader“) und kaempft nochmal um den Nichtabstieg, Freiburg ist ohnehin eine Fahrstuhlmannschaft, deren seltene Ausreisser auf einen einstelligen Tabellenplatz am Saisonende die Regel, dass es in Schwaben zwar keine guten Menschen, in Baden dafuer aber einfach keine guten Fussballvereine gibt, nur bestaetigt.

Womit wir beim echten Abstiegskampf waeren. Den tragen die Aufsteiger Augsburg und Hertha, der Effzeh aus Koeln, Kaiserslautern und natuerlich der HSV aus. Vermutlich schafft der Dino den Klassenerhalt auch dieses Jahr und der alberne Counter im Volkspark bleibt in Betrieb. Vor allem deshalb, weil andere Mannschaften einfach noch schlechter sind “ das hat auch Werder Bremen und den VfL Wolfsburg vor dem Abstieg in der letztjaehrigen Saison bewahrt. Lief es in der Rueckrunde auch noch so schlecht, auf die Eintracht aus Frankfurt war genauso Verlass wie auf den zweiten Hamburger Verein. Die Hamburger Morgenpost wird sich am Ende bei Kaiserslautern und Augsburg bedanken koennen, deren Kader zwar auch nur ein Drittel von dem des HSV kosten, dafuer aber auch eindeutig schlechter sind. Wie der letztjaehrige Neunte aus der Pfalz bisher in der Liga aufspielt, laesst jedenfalls nichts Gutes erahnen, zumal fuer die diesjaehrigen Relegationsspiele ein ganz besonderer Leckerbissen ansteht: Die Geissboecke duerfen dort die Fortuna aus Duesseldorf in zwei Spielen mit einer 9-1 Torbilanz deklassieren, ein spaetes Highlight in einer mittelmaessig interessanten Bundesliga-Saison. 2011/12.

Und wer es noch nicht geahnt hat: Den Pokal holt der RWE. Die Rache der Mayas moege sich also noch bis mindestens Ende Mai verzoegern.