November 2011

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In den letzten Jahren haben die Medien das Thema „Homosexualität im Fußball“ für sich entdeckt. Seitdem kann man immer mal wieder Artikel lesen, in denen dann steht, dass es keinen offen schwulen Profi-Fußballer gibt, gefolgt von einem Zitat eines Spielers oder Funktionärs, dass das aber wirklich gar kein Problem wäre und niemand irgendwas gegen Schwule habe. Allerdings scheinen fast alle, die über Homosexualität im Fußball reden, anschließend über ihre eigene Heterosexualität reden zu müssen, so zum Beispiel Arne Friedrich und Philipp Lahm. Das ist angesichts der Verhältnisse in Gesellschaft und Sport auch nur vernünftig. Denn als Schwuler kann man inzwischen zwar im Show-Business, also als Komiker, Moderator oder als Bürgermeister von Berlin, erfolgreich arbeiten, von den echten Männerberufen hält man sicher aber besser fern. Denn im Fußball will das Volk echte Kämpfer sehen. Und ob jemand das sein kann, hängt in der öffentlichen Wahrnehmung offensichtlich noch davon ab, mit wem er ins Bett geht. Wer sich heute outen würde, müsste deshalb nicht nur mit dem Medienrummel leben, sondern auch mit Gehaltseinbußen und Jobverlust rechnen. Fußball wird von Sponsoren und dem Fernsehen bezahlt, und es ist leicht auszurechnen, dass erstere in aller Regel keinen schwulen Fußballer als Aushängeschild bezahlen wollen. Deshalb gilt bis auf weiteres don´t ask, don´t tell und es ist nicht damit zu rechnen, dass demnächst ein Fußballer gegen seine eigenen wirtschaftlichen Interessen sein coming out plant.

Gleichzeitig schafft Fußball einen öffentlichen Raum, an dem von Millionen von Menschen teilhaben. Es ist also für alle, die Homophobie für ein abzuschaffendes Übel halten, keine Nebensache, wenn dieselbe sich beim Fußball so hartnäckig hält – Fortschritt in den Fankurven ist Fortschritt in der Gesellschaft. Deshalb ist die „Aktion Libero“ unbedingt zu unterstützen, die seit heute auf vielen Sportblogs für eine erneute Auseinandersetzung mit dem Thema wirbt. Sie schreibt:

Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist “ Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.

Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen “ auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.

Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig:
Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.

Das können wir so unterschreiben. Zu hoffen ist, dass die Aktion Wirkung über den Mikrokosmos der Sportblogs hinaus zeigt und auch in den Stadien immer mehr Menschen sich offen gegen Homophobie positionieren. Wie so oft steht die Fanszene des SV Werder Bremen auch hier an der Spitze des Fortschritts und hat sich schon vor anderthalb Jahren mit viel Aufwand klar gegen die herrschende Homophobie geäußert:

Und auch 2011 kann man die Homophoben noch mit einer Regenbogenfahne provozieren. Und wenn man kann, dann soll man auch. Vielleicht ist es dann irgendwann so weit, dass ein Fußballer nicht bereitwillig über seine Heterosexualität Auskunft gibt, sondern einfach verkündet, dass seine Sexualität niemanden etwas angeht. Das wäre ein echter Fortschritt gegenüber dem üblichen „Ich habe nichts gegen Schwule, no homo!“