Antisemiten raus aus der Villa Ichon!

Obwohl es in Bremen eine große Nazi-Szene gibt, findet man die umtriebigsten Antisemiten in der Hansestadt auf der Linken. Da gibt es den „AK Süd-Nord“, der sich mit Propaganda gegen Israel profiliert hat. Und da gibt es das Bremer Friedensforum, das sich ebenfalls seit Jahren mit abenteuerlichen Geschichten über den jüdischen Staat hervor tut. Dabei greifen sie gerne in den riesigen historischen Fundus der Judenfeindlichkeit und schämen sich nicht, von durch Juden zerstörte Brunnen zu schwadronieren oder einen Boykott jüdischer Betriebe auf die Beine zu stellen. Im Bündnis mit der Linkspartei und türkischen und moslemischen Gruppen lassen sich in Bremen bei gutem Wetter schon einmal 7000 Menschen zu einer offen antisemitischen Demonstration zusammenbringen.

So weit, so bekannt. Was neu ist, ist die organisierte Kritik an den genannten Gruppen durch das „Bremer Bündnis gegen Antisemitismus“. Dessen Aufruf könnte man kritisieren, – er könnte deutlicher sein und einige unglückliche Formulierungen weniger enthalten – man kann das aber auch lassen. verbrochenes.net unterstützt das Bremer Bündnis, weil sein Anliegen richtig ist und es die Kritik an Friedensforum und AK Süd-Nord über das Internet heraus trägt.

Erreicht hat sie bereits die taz, die sich umgehend auf die Seite der Antisemiten geschlagen hat: „Philosemiten kämpferisch“ überschreibt das linke Blatt seine Kurzmeldung über das Bündnis, und was das heißen soll, kann man sich denken: Kritik am Antisemitismus üben nur Judenfreunde, Philosemiten eben, die ihren Judenknacks weg haben. Dass der Kampf gegen Antisemitismus einer für die Aufklärung, einer für das Eigeninteresse jedes Einzelnen, in einer erträglichen Gesellschaft zu leben, ist, das kann der taz-Lokalredakteur nur deshalb nicht begreifen, weil er selbst einiges für den Antisemitismus übrig hat. Man darf jetzt gespannt sein, ob die taz demnächst über antirassistische Bündnisse unter Zeilen wie „Niggerfreunde machen Alarm“ berichten wird.

Adressat des Aufrufs sind „alle Organisationen und Gruppen, die bisher das Friedensforum sowie den AK-Süd-Nord für adäquate Bündnispartner gehalten haben“. Namentlich genannt werden die Linkspartei Bremen – selbst eine Ansammlung skurriler Freaks mit antisemitischer Prägung – und der Asta der Uni Bremen. Nicht genannt, obwohl als Ziel einer solchen Kampagne sehr viel geeigneter, wird die Bremer Landesregierung. Dabei gehört die zu den größten Unterstützern des Bremer Friedensforums: Die Villa Ichon, in der das Forum standesgemäß residiert, gehört dem Land Bremen. Es ist also nicht zu viel gesagt, wenn man der rot-grünen Landesregierung vorwirft, eine antisemitische Organisation zu unterstützen. Und es ist auch nicht zu viel verlangt, wenn man von ihr fordert, diesen Zustand umgehend zu beenden. Belege für antisemitische Plakate und Aktionen gibt es wie erwähnt genug, und so kann die politische Forderung an Politik und Öffentlichkeit nur heißen: Antisemiten raus aus der Villa Ichon!

  1. u.’s avatar

    danke für den guten artikel. zwei dinge noch:
    was meinst du mit dem „boykott jüdischer betriebe“? beziehst du dich auf die boykottaufrufe gegen israelische waren, welche ja tatsächlich fast immer von jüdischen betrieben -wenn man den ausdruck mag- produziert werden? formal hast du recht aber deine formulierung suggeriert aber dass es es (auch) um jüdische betriebe in deutschland geht, was es soweit ich weiß in den letzten jahren nicht mehr gegeben hat. darüber hab ich in dem verweis nichts gefunden.
    und:
    warum musstest du den vergleich zu antirassistischen bündnissen bemühen? die aussage der taz steht für sich.

    -u.

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  2. Wilko Zicht’s avatar

    In die Zwei-Wörter-Überschrift der taz interpretierst Du nach meinem Geschmack etwas zu viel hinein. Wenn sich die Bremer taz-Redaktion in mehr als nur zwei Wörtern zu diesem Thema äußert, klingt das doch ganz anders als das, was das Du ihr unterstellst: http://www.dielinke-bremen.de/nc/politik/aktuell/detail/zurueck/bremennews/artikel/taz-antwortet-arn-strohmeyer-links-unterwandert/

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  3. Bonde’s avatar

    Ja, ich beziehe mich da auf die bekannten Boykott-Aufrufe gegen Waren aus Israel. Die Formulierung finde ich angemessen, weil diese Aktionen offenkundig antisemitisch motiviert sind, sich also gegen Juden und deren Unternehmungen richten. Und natürlich formuliere ich das auch so, um die Parallele zu historischen Nazi-Aktionen deutlich zu machen. Dass das einen Boykott von Betrieben in Deutschland suggeriert, finde ich nicht.

    Ich finde meinen Vergleich mit antirassistischen Bündnissen ziemlich spitze, weil er deutlich macht, wie absurd diese Überschrift der taz ist, wie absurd es ist, einer Initiative gegen ein Ressentiment zu unterstellen, sie sympathisiere halt besonders mit den potentiellen Opfern dieses Ressentiments. Ich sehe da auch gar nicht viel Interpretationsspielraum, und je gedankenloser jemand diese zwei Wörter drüber geschrieben hat, desto tiefer lässt das blicken. Dass die taz einerseits das Friedensforum als antisemitisch kritisiert und andererseits über das Bremer Bündnis mit antisemitischen Parolen berichtet, finde ich allerdings auch irritierend, und ja, ob sie sich tatsächlich „auf eine Seite geschlagen“ haben, ist angesichts dessen schon zu bezweifeln.

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  4. Wilko Zicht’s avatar

    Anders als „Niggerfreunde“ hat „Philosemiten“ aber keinen abwertenden Beiklang (mehr). Und mir fiele nun auch kein ähnlich kurzer und präziser Begriff ein für Menschen, die sich gegen Antisemitismus engagieren. Vermutlich hat sich der Autor einfach gedacht, dass man angesichts der Zwänge beim Kreieren einer einspaltigen Überschrift das Wort schon nicht so auf die Goldwaage legen würde. Vor allem aber deutet ja allein die Tatsache, dass die taz den Aufruf weiterverbreitet hat, darauf hin, dass sie ihm eher freundlich gesinnt ist.

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  5. NoHomo’s avatar

    Wir rufen Enno, Enno – Freund aller Juden! Jeder kennt ihn, den Spack aus Berlin. (Melodie von Flipper)

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  6. Bonde’s avatar

    Aber natürlich hat es einen abwertenden Beiklang, mehr als das: Der Begriff bezeichnet Rassisten, die die Juden besonders klasse finden. Er ist völlig ungeeignet und deshalb auch völlig unüblich – geschweige denn „präzise“ -, um Menschen zu bezeichnen, die sich gegen Antisemitismus engagieren. Dankenswerterweise kommt in dem Kommentar über mir noch ein Antisemit dazu, mich als „Freund aller Juden“ zu bezeichnen. Genau so ist auch der Begriff von den Philosemiten zu verstehen, abwertend und das Engagement gegen Antisemitismus in den Bereich der persönlichen Befindlichkeiten samt Judenknacks abschiebend.

    Kurze Überschriften, die ohne den Begriff auskommen, gibt es nun wirklich genug, „Gegen Antisemitismus“ wäre eine gewesen. Und mit der gewählten Überschrift und dem durchgehenden Konjunktiv kommt mir der Artikel auch gar nicht nicht freundlich vor, sondern distanziert und überheblich: Die Philosemiten, die haben sich da was in den Kopf gesetzt.

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