August 2012

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Fast ein Wochenende ist die fuenfzigste Bundesliga-Saison nun alt, und wer vergessen hatte, was in diesem halben Jahrhundert bisher so passiert ist, konnte sich zur Eroeffnung des ersten Spieltags am Freitag nochmal in einem Video-Zusammenschnitt informieren, was man alles verpasst hat – zum Beispiel Martin Luther King und John F Kennedy, die ehemaligen Mittelstuermer des SV Werder. Der Zweite der ewigen Tabelle ist bekanntermassen auch das Team, dem diese Redaktion in unterschiedlicher Intensitaet die Treue haelt, und erwartungsgemaess eroeffnete Gruen-Weiss die Saison mit einer Auswaertsniederlage beim Vorjahresmeister. Wieviele Rueckschluesse man auf die nun folgenden 33 Spieltage (Pokalspiele brauchen uns ja nicht mehr zu interessieren, zumal der glorreiche RWE in diesem Wettbewerb ebenfalls die Segel gestrichen hat) ziehen kann, ist zumindest einmal fragwuerdig: Ja, die Abwehr sah nicht sonderlich gut aus, aber sie wird auch nicht die ganze Saison lang gegen Robert Lewandowski und Marco Reus verteidigen muessen. Und das Unwort der Saison duerfte dieses Jahr Bundesligadino heissen, ein Begriff, der hoffentlich nach dem vierunddreissigsten Spieltag obsolet geworden ist, weil es kein Subjekt mehr gibt, auf das diese Bezeichnung passt.

 

Vor Anstoss jeder der bisher 7 Partien, die stattfanden, oblag es einem Spieler der Heimmannschaft, ein Grusswort an die Fans im Stadion zu richten. Dort durften die Zuschauer – wenn das Ganze nicht in einem gellenden Pfeifkonzert unterging, wie etwa am Samstag in Frankfurt, wo die Eintracht ihre Saison vor einer leeren Nordwestkurve eroeffnete – erfahren, dass sich die DFL und die sie konstituierenden Vereine, wer haette es gedacht, klar gegen Rassismus und Diskriminierung stellen und auch von Pyrotechnik und Fan-Randalen nichts halten. Derlei Bekenntnisse wurden in vielen Stadien von Sprechchoeren flankiert, in denen der DFB als Fussballmafia bezeichnet wurde. Man kennt solch trotzige Reaktionen sonst zum Beispiel fuer den Fall, dass ein hochrangiger Politiker ein Fussballspiel besucht: Die Pfiffe der Fans, von denen sicherlich eine Menge ganz brave Wahlbuerger sind, sind ihm oder ihr sicher, aendern tut sich durch diese spontane Unmutsbekundung natuerlich ueberhaupt nichts. Doch es ist genau dieser trotzige Ton, den organisierte Fanbewegungen in den deutschen Stadien auch in diesem Jahr wieder anschlagen, wenn es um ihre eigenen Belange geht.

 

Das ist auch gar nicht so unverstaendlich, hat doch die DFL ihren Dialog ueber die Verwendung von Feuerwerkskoerpern in den Kurven unilateraler gestaltet als die Bush-Administration die Debatte um den Irak-Krieg. Eine Diskussionsbasis ist nicht (mehr) vorhanden, soviel haben mittlerweile alle Beteiligten verstanden, weshalb sich jeder Fernsehkommentator ein paar Standardsaetze ueber „Dinge, die wir im Stadion nicht sehen wollen“ zurecht gelegt hat und die meisten Vereinsoffiziellen mittlerweile fein zwischen Fans und Stoerenfrieden zu differenzieren wissen. In den Fankurven sieht das noch ein wenig anders aus, denn zumindest in der ersten Liga befinden sich die Befuerworter dessen, was sie selbst eine aktive Fankultur nennen, in der numerischen Unterzahl gegenueber den Normalos und Konsumenten, die das Gros der Besucher eines Bundesligaspiels ausmachen. Diese scheren sich im Normalfall weder um polizeiliche Repression, geklaute Zaunfahnen, Spruchbaender, Derbytreffpunkte und Drittortauseinandersetzungen, weshalb die Ernsthaftigkeit, mit denen vor allem die hiesigen Ultragruppierungen immer wieder auf unterschiedlichste Belange aufmerksam machen, bei ihnen vor allem auf Unverstaendnis stoesst.

 

Dabei koennte alles so einfach sein, denn eigentlich moechten die Ultras gar nicht soviel – die meisten ihrer Forderungen passen auf ein paar Meter beschrifteter Tapetenrolle. Je nach Vereinszugehoerigkeit, Organisationsgrad, politischer Orientierung und Machtfuelle innerhalb des eigenen Vereins werden diese Forderungen artikuliert, dass es ueberall dieselben seien, waere eine unzulaessige Vereinfachung, so zu tun, als laegen zwischen den Gruppen geradewegs Welten, waere allerdings genauso falsch. Die medialen Mittel moegen differieren, denn manchmal erreicht uns die Ultra-Botschaft in Form eines Instruktionsvideos oder eines Indianerhaeuptlingzitats, manchmal in Form gegenderter Texte von erstaunlicher Laenge oder in tiefschuerfenden Ausfuehrungen, die Medienkritik und Selbstvergewisserung zusammenzubringen versuchen. Man taete Gruppen wie den Deviants von Preussen Muenster, der Infamous Youth vom SV Werder und all den anderen Zusammenschluessen, die etwas gegen so manche Haesslichkeiten des Stadionalltags unternehmen, auch Unrecht, schmisse man sie alle in denselben Topf. Auch im Jahr 2012 finden sich in vielen deutschen Stadien zum Teil gar nicht so unerhebliche und im Notfall mit der groesseren Muskelkraft ausgestattete Holzkoepfe, die sich das Faustrecht zu Nutze machen zu wissen, das mussten zuletzt einige Ultras von Alemannia Aachen erfahren.

 

Aber das Problem der Ultras und ihrer Suborganisationen ist tiefliegender als ein paar Spruchbaender, Karikaturen und Absichtserklaerungen es vermuten lassen: Sie kaempfen gegen einen gesellschaftlichen Prozess, den die meisten von ihnen entweder partout nicht als solchen begreifen wollen oder derart vereinfachen, dass am Ende wenig Erbauliches herauskommt. Man koennte sich auch an dieser Stelle das Leben sehr leicht machen und entweder die x-te Solidaritaetserklaerung abgeben oder mit dem Bashing beginnen. Letzteres faellt, falls gewuenscht, nicht gerade schwer, es genuegt ein Blick auf die oben verlinkten Artikel um zu erkennen, dass die Analyse der Lage in den meisten Faellen immer noch auf ein simples us versus them hinauslaeuft: Die Bonzen vom DFB, die natuerlich sichtbar sattgegessen sind, pressen den echten Fans die Luft zum Atmen aus dem Koerper. Waere es allerdings so einfach, wuerde ein anderer Fussball also tatsaechlich von einer 99 zu 1-Mehrheit gefordert, wie wir das in einem ziemlich analogen Fall zuletzt von der Occupy-Bewegung gehoert haben, warum ist er dann nicht laengst zur Realitaet geworden?

 

Eine zufriedenstellende Antwort auf diese Frage uebersteigt vermutlich sowohl den Rahmen eines Blogbeitrags als auch die Kompetenzen dieses Autors, aber zumindest eine Naeherung laesst sich versuchen: Wenn man versucht, Melancholie und Pathos zu vermeiden, kann man vom deutschen Nachkriegsfussball schwerlich etwas anderes als eine Erfolgsgeschichte erzaehlen: Steigende Zuschauerzahlen, Einnahmen und vermutlich auch eine deutliche Verbesserung der sportlichen Qualitaet praegen das Bild im fuenfzigsten Jahr der Liga. In der FAZ bestaetigte Michael Horeni diese Einschaetzung mit einer interessanten Beobachtung, die man auch als Fingerzeig in Richtung all derer lesen kann, die vom Millionengeschaeft und den davon profitierenden Bonzen fabulieren:

 

Und trotz aller Veränderungen und dem Sturm der Globalisierung – die mittelständischen Fußball-Unternehmen haben sich auch wirtschaftlich als weitaus robuster erwiesen als ihre Kollegen aus dem Dax. Alle sechzehn Klubs der ersten Bundesligasaison spielen noch heute in den drei Profiligen, trotz aller Skandale um gekaufte Spiele, Spieler und Schiedsrichter. Von den damals sechzehn größten deutschen Unternehmen sind jedenfalls einige wie Gutehoffnungshütte, Farbwerke Hoechst, Gelsenkirchener Bergwerk oder Badische Anilin längst vom Markt oder den Kurszetteln verschwunden.

 

Sieht man naemlich von den Branchen-Riesen ab, ist der Fussball noch immer eine mittelstaendische Angelegenheit. Es mag sein, dass Grossunternehmen wie Volkswagen oder Bayer den Etat mancher Vereine finanzieren, und ja, es gibt Faelle von unterschiedlich stark ausgepraegtem Maezenatentum, aber Maenner mit einer gut gefuellten Brieftasche haben auch den Aufstieg von Vereinen wie Rot-Weiss Essen in die Wege geleitet, sind also mitnichten eine neue Entwicklung. Die Bundesliga als weltweit vermarktungsfaehiges Produkt ist ein Phaenomen der letzten zwanzig Jahre, einer Zeit, in der sich viele Vereine neue Stadien gebaut haben, in denen TV-Rechte einen immer wesentlicheren Teil der prognostizierten Einnahmen der Liga ausmachten und in der eine amorphe Masse von neuen Stadionbesuchern entstanden ist. Wer vom Fussball als Sport des kleinen Mannes redet – lustigerweise tun es gerne die, die selbst einen akademischen Abschluss anstreben oder bereits erreicht haben und ganz sicher nicht zu den unteren 10 Prozent gehoeren – und mit dieser Formulierung auf dessen Kontostand abzielt, verliert die Funktionsmechanismen des Vergnuegungsangebots innert einer kapitalistischen Gesellschaft aus den Augen: Es richtet sich immer an einen wie auch immer umgrenzten Markt und muss notwendigerweise auf Profitmaximierung zielen, um sich selbst zu erhalten oder im besten Fall auch noch zu wachsen. Kritik an der Art und Weise, wie eben diese erreicht wird, formulieren vor allem sich selbst als aktiv verstehende Fans: Verkaufte Stadionnamen geraten dann genauso ins Visier wie Trikots, die nicht in Vereinsfarben gehalten sind.

 

Die positiven Effekte dieser Wachstumsprozesse aber nimmt man – verstaendlicherweise – gern mit: Bessere Spieler, unterhaltsamerer Sport, groessere Aufmerksamkeit, unter Umstaenden auch mehr Erfolg. Wer sich nun als Bewahrer altehrwuerdiger Traditionen und mithin als moralischen Sieger versteht, muss aber auch mit augenfaelligen Widerspruechlichkeiten leben: Stefan Kuntz, Vereinsverantwortlicher beim letztjaehrigen Absteiger aus Kaiserslautern, hat darauf in der letzten Saison aufmerksam gemacht. Die Pfaelzer absolvierten eine katastrophale Spielzeit, die mit einem der verdientesten Abstiege der letzten Dekade belohnt wurde, und waehrenddessen machten ihre Fans ein paar Mal durch das Abbrennen von Feuerwerkskoerpern auf sich aufmerksam. Sichtlich erzuernt erklaerte Kuntz in einem Interview, es seien ja eben diese Leute, die sich als Sachwalter von Fritz Walters Erbe verstuenden, obwohl in dessen aktiver Zeit das verbotene Abbrennen von Feuerwerk ueberhaupt nicht stattgefunden habe. In eine aehnliche Richtung gehend koennte man auch fragen, ob Max Morlock – oder irgendeine andere Spielerlegende bei einem anderen Verein – tatsaechlich auf den Erhalt oder gar die Umbenennung eines Stadionnamens gepocht haette, wenn gleichzeitig die Moeglichkeit bestanden haette, die Rechte an selbigem an den Meistbietenden zu verkaufen, um damit vielleicht noch einen oder zwei Transfers mehr zu ermoeglichen.

 

Die unzufriedenen Fans und Ultras sind letztlich also ein Ergebnis des Prozesses, den sie zu bekaempfen vorgeben: Entstanden sind sie naemlich, zumindest in Deutschland, nie vor der grossen Expansion des nationalen Fussballs, sondern irgendwann mittendrin. Die aeltesten noch nennenswerten Gruppen datieren sich auf die Mitte der 90er Jahre, viele sind erst im 21. Jahrhundert gegruendet worden. Sie formulieren ihre Wuensche nach einem anderen Fussball also nicht aus der Perspektive einer realen Erfahrung des Vergangenen, sondern aus einer Geschichte darueber, wie es einmal gewesen sein soll. Wie die englischen Maschinenstuermer im fruehen 19. Jahrhundert macht ihre Kritik ueberhaupt nur dann Sinn, ist ihre Wut erst verstehbar, wenn man sie als Reaktion auf bereits Geschehenes versteht. So, wie man eine Maschine nicht kaputtmachen kann, bevor sie gebaut wurde, so braucht man auch nicht gegen „Kommerzialisierung“ zu kaempfen, ohne dass sie stattgefunden hat. Dass man sich dabei, manchmal in bester Böhse Onkelz-Manier, als Vertreter einer verschworenen Minderheit inszeniert, mag ein enormes Satisfaktionspotenzial haben, schuetzt aber nicht vor inneren Widerspruechen. Den kleinen Mann jedenfalls, fuer den so viele Organisationen in der Menschheitsgeschichte schon vorgegeben haben, zu kaempfen, wird das alles vermutlich nicht sonderlich stoeren. Er schaltet auch naechstes Wochenende wieder den Fernseher ein, mancher aus Faulheit oder zu grosser Distanz zum Austragungsort, ein anderer, weil er sich die Karten nicht mehr leisten kann oder will, oder weil er seit 4 Jahren auf der Warteliste seines Vereins steht.

 

Und die Maschine, sie rattert weiter.

Der diesjährige Al-Quds-Marsch ist schon eine Woche her und deshalb auch längst verbloggt und abgekaspert. Aber noch nicht von allen, und ich hab doch auch Fotos gemacht, und überhaupt. Also bitte:

Anders als bei meinem letzten Besuch gab es diesmal keinen Frauenblock, jedenfalls fiel er mir nicht auf. Stattdessen wurde bunt gemischt, der Fortschritt ist nicht aufzuhalten.
Auf den vielen Schildern und Transparenten gab es wieder reichlich tote Kinder zu sehen, Kriegsszenen und auch sonst viel Blut. Dass die betont friedliche Demonstration eine derartige Faszination für zerfetzte Körper zeigt, verweist vielleicht auf die eigenen Absichten bei der „Befreiung“ Jerusalems.

Wie im oben verlinkten Text schon vermerkt, war auch die Rapperin „Dee Ex“ anwesend, wahrscheinlich auf einer Art PR-Tour mit eigenem Transpi.


Auf der Rückseite kann man in vier Sätzen die Weltanschauung einer deutschen Kleinbürgerfamilie nachlesen, auf der Vorderseite ist der für eine antisemitische Hass-Demo bemerkenswerte Hinweis zu finden, die Rapperin sei „gegen Feindbilder“ – stimmt ja irgendwie.

Der ganze Aufmarsch war ein bisschen wie ein Lehrbuch-Beispiel für Antisemitismus, mit den vielen Bildern von Blut und toten Kindern, dem Verweis auf die Banken, die Korruption, die angeblich unfrei gemachten Völker und den Weltfrieden, der tatsächlich für die Zeit nach der Vernichtung Israels in Aussicht gestellt wurde. Dazu passt auch dieses etwas wirre Schild, das den „wahren Menschenfeind“ im jüdischen Gemeinwesen erkannt haben will. Feind aller Völker, Feind aller Menschen – die ganz alte Schule.

In einer Paradedisziplin der Antisemiten, der Karikatur, wurde dieses Bild geboten, viel widerlicher geht es denn auch nicht mehr.

Auf einem Zwischenstop auf dem Kurfürstendamm las eine „Schwester“ (ja, so reden die da) „das Gedicht“ von SS-Grass vor, wobei sie sich große Mühe gab und wirklich alles herausholte, was aus der miesen Vorlage herauszuholen ist. Der Sprecher vom Dienst kündigte bei dieser Pause an, dass der anwesende Rabbi auch noch etwas sagen würde, „beziehungsweise wir werden es für ihn sagen, weil er samstags nicht sprechen darf.“ Guten Tag, wir sind alle plemplem.

Auf der Gegenseite gab es eine hübsch anzuschauende Antifa-Demonstration, die am Adenauer-Platz recht engagiert gegen den Wahn anbrüllte und nach Beginn des Marsches immer wieder am Straßenrand mit Israel-Fahnen provozierte. Auf Seiten der Jerusalembefreier lief eine Handvoll jugendlicher deutscher Antiimps mit, die sich per Klamotte zum Maschinengewehr bekannten und zur Unterstützung der Intifada (welcher?) aufriefen. Sieht aber ganz lustig aus, wenn die sich dann das minutenlange Singen eines Vorbeters mit anhören. Leute, es ist 2012, hallo!!!!!!!!

Die eigene Demo der Antifaschisten ist eine super Idee, das bestätigt spätestens der Besuch der bürgerlichen Demo, an der man sonst hätte teilnehmen müssen. Auf einer solchen musste man vor Jahren noch mitansehen, wie ein liberaler deutscher Klapskalli staatstragend die Hände hinter dem Rücken verschränkte und Richtung Horizont blickte, während er die Hatikvah abspielte. Dieses Jahr fielen mir auf einer ansonsten langweiligen Veranstaltung vor allem diese Schilder auf:

Auf dem rechten steht „Europas Freiheit steht und fällt mit Israel„, auf dem linken steht ein Zitat von Alan Posener: „Sehen Beirut und Damaskus, Kairo und Gaza eines Tages aus wie Tel Aviv, ist Europas Freiheit sicher; sieht Tel Aviv aus wie Teheran oder gar Hiroshima – na, dann kaufen Sie Ihrer Frau schon mal eine Burka und melden Sie ihr Kind zur Koranschule an.“

Die schwierige Frage, wie man Deutsche zur Solidarität mit dem Judenstaat bringen kann, wird hier beantwortet: Man droht ihnen einfach damit, dass fremde Horden „ihre“ Frauen unter die Burka zwingen werden. Natürlich spricht Posener nur männliche Leser an, und die haben anscheinend Verfügungsgewalt über „ihre“ Frauen. So liberal geht’s hier zu, so lange noch nicht das grüne Banner überm Reichstag weht. Aber dann, aber dann!

„Europas Freiheit“ ist eine Erfindung, die gerade jetzt skurril anmutet, wo sich in Athen die Selbstmorde häufen, in Spanien jeder zweite junge Mensch arbeitslos ist und in Deutschland Millionen Menschen in staatlicher Hartz-4-Zwangsverwaltung organisiert werden. Aber zugegeben: Das alles ist so deprimierend, dass geostrategische Überlegungen und die ideologische Abwehrschlacht gegen die Bärtigen die deutlich anziehenderen Themen sind.

Aber wie soll das gehen, wenn Deutschland besetzt wird? Wie sieht das aus? Das zeigt, und da schließt sich der Kreis, ein Flyer der Gegenseite:

Auf der Rückseite befindet sich unter der Überschrift „Karte besetzter Gebiete in Palästina“ die bekannte Serie von Karten, deren völlige Unsinnigkeit Yaacov Lozowick kürzlich treffend beschrieb.

Während die beiden pro-israelischen Demonstranten also wollen, dass wir uns vor der vieldiskutierten Islamisierung des freien Vaterlands fürchten, wollen die Islamisten uns zu einem ähnlichen Gedankenexperiment anregen. Sie geben nicht an, wer denn die Besatzungsmacht wäre, und so darf man die Karte durchaus auch als akkurate Wiedergabe der Ängste der Posener-Fans betrachten.

Gemeint ist freilich eine Besetzung durch die Zionisten, und angesichts der manchmal geäußerten Forderung, den Judenstaat in Europa statt in der Levante aufzubauen, ist das auch ein interessanter Gedanke. Gerade für Antisemiten ist das natürlich eine Horrorvorstellung, erst recht weil es schon zahlenmäßig eine Vervielfachung der Judenheit gegeben haben müssten, um das gezeigte Ergebnis zu verwirklichen und 80 Millionen Deutschen ihre Scholle abzujagen.

Was würde ich tun? Nun, ich fühle mich nicht sonderlich betroffen, schließlich sind Bremen und augenscheinlich auch Berlin auf dieser Karte weiterhin frei. Oder deutsch, je nach Sichtweise.
Oder ist das nur Nord-Berlin? Neukölln ist schon längst gefallen, klar, nicht auszuhalten da. Wird eine Mauer gebaut werden? Und darf man in Wandlitz noch ohne Burka baden? Interessant auch, dass ausgerechnet Köln trotz Moscheemonsterbau deutsch bleiben kann. Da steckt doch irgendeine morgenländische List dahinter…

Und was würden die Deutschen tun? Nun, diese Frage stellt sich nicht mehr, weil die Angst vor „Verjudung“ hier keine originelle Idee, sondern eine historische Tatsache ist. So gesehen müsste die Frage eigentlich lauten: „Was haben sie getan?“ Die Antwort ist bekannt und verrät, wofür der Autor des Flyers hier um Verständnis wirbt.