Oktober 2012

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Weil seit seinem Erscheinen die Zahl derer, die „Nordsturm Brema“ googlen und darüber unter anderem bei uns landen, stark angestiegen ist, verlinken wir auch hier noch einmal den Spiegel-TV-Beitrag über Bremer Nazi-Hools.

Der im Beitrag auftauchende KFZ-Meister und sein Sohn waren auch Thema bei uns, damals mit der brillanten Idee, Leuten Geld für einen „deutschen Fußballverein“ aus der Tasche zu ziehen.

Dass nun Bilder auftauchen, in denen Kameraden vom Nordsturm ganz ungeniert ein Hakenkreuz auf der Brust tragen, sollte zwar nicht überraschen. Man darf es aber denen unter die Nase halten, die immer noch für eine „unpolitische Kurve“ eintreten und die Ausgrenzung von Nazis explizit ablehnen. Denn diese Leute schaffen es einfach nicht, ihre Neo-Nazi-Freunde mit dem in Verbindung zu bringen, wofür der Nationalsozialismus historisch steht: Massenmord und Terror. Da kann man dankbar sein, dass B. und H. sich so deutlich zum historischen NS bekannt und den Spielraum der selbsternannten Unpolitischen ebenso deutlich eingegrenzt haben.

Auch wenn man, wie ich, Hamburg nicht betritt, lohnt sich ein Abonnement des Newsletters der Hamburger Studienbibliothek. Denn der ist stets freundlich, klug und unterhaltsam geschrieben, ebenso wie diese Veranstaltungsankündigung. Wer also Gelegenheit dazu hat, sollte sich dort u.a. anhören, warum Judith „Butlers Strategie, lieber von Performanz und Diskurs zu reden statt von Hunger und Ausbeutung, von Vergewaltigung, Folter und Massenmord, daher nicht nur, zur Freude ihrer akademischen Anhängerschaft, die Spießerweisheit bestätigt, Worte seien mächtiger als Waffen “ sondern vielmehr auch systematisch das Grauen verharmlosen und verniedlichen muss, das Menschen tagtäglich angetan wird“.

Wer lieber zu Hause bleiben, dabei aber auch gut unterhalten und intellektuell nur ganz leicht stimuliert werden möchte, kann ein bisschen Stuckrad-Barre lesen. Der schreibt über sich und den Alkohol, trifft dabei aber – natürlich mit Absicht – vor allem die Großartigkeit und das Elend des Gemeinschaftssaufens.

Ein ganz anderes Vergnügen bietet die Lektüre eines Artikels von Peer Steinbrück in der FAZ. Das Stück ist aus dem Mai und Steinbrück versucht darin, sich über seinen berühmten Freund Thilo Sarrazin zu profilieren. Lesenswert ist das aber nur, weil Steinbrücks Deutsch ganz erbärmlich ist und er ja nun der Kanzlerkandidat der SPD ist.

Wahlkampf: Gibt es auch in den USA. Glaubt man einzelnen Presseartikeln, ist das furchtbar spannend und das Rennen völlig offen. Sieht man sich die Sache genauer an, liegt Barack Obama doch deutlich vorn. Das FiveThirtyEight-Blog, in dem Umfrageergebnisse analysiert und gewichtet werden, rechnet derzeit mit 73,6% Wahrscheinlichkeit mit einem Sieg Obamas. Wettbüros sehen das ähnlich.

Schließlich und endlich das Hochlicht dieses Link-Spektakels: Stephen Marche schreibt über unser Streben nach Einsamkeit:We are lonely because we want to be lonely. We have made ourselves lonely.“ Sein Aufhänger dabei ist Facebook, und das Ergebnis ist der mit Abstand beste Artikel, den ich dieses Jahr gelesen habe. Lest ihn.

The problem, then, is that we invite loneliness, even though it makes us miserable. The history of our use of technology is a history of isolation desired and achieved. When the Great Atlantic and Pacific Tea Company opened its A&P stores, giving Americans self-service access to groceries, customers stopped having relationships with their grocers. When the telephone arrived, people stopped knocking on their neighbors€™ doors. Social media bring this process to a much wider set of relationships.

Our omnipresent new technologies lure us toward increasingly superficial connections at exactly the same moment that they make avoiding the mess of human interaction easy. The beauty of Facebook, the source of its power, is that it enables us to be social while sparing us the embarrassing reality of society€”the accidental revelations we make at parties, the awkward pauses, the farting and the spilled drinks and the general gaucherie of face-to-face contact. Instead, we have the lovely smoothness of a seemingly social machine. Everything€™s so simple: status updates, pictures, your wall.

Die Redaktion wünscht den Menschen im Libanon nur das Beste. Gleichzeitig fordern wir allerdings nachdrücklich dazu auf, jegliche juristischen Attacken auf Carrie Mathison zu unterlassen.

Das Oktoberfest ist ein großes Besäufnis, überhöht zu einem kulturellen Ereignis von Weltruf: Was schon lange jeder weiß, ist jetzt auch in München bekannt geworden und sorgt dort für Verdruss.

„Der stellvertretende AZ-Lokalchef Timo Lokoschat findet, dass das Oktoberfest ein nerviges Massenbesäufnis ist und mit Volksfest rein gar nichts zu tun hat.“

Nun gibt es in Deutschland kein Volksfest, dessen Kern kein nerviges Massenbesäufnis wäre. Und über den Posten als stellvertretender Lokalchef wird Loko (ich bin sicher, seine Kollegen nennen ihn so) auch nicht hinauskommen, wenn er das mit den Artikeln nicht bald lernt. Dabei bringt er ideologisch schon alles mit, was ein deutscher Boulevard-Redakteur braucht.

Lokoschat beklagt, dass eine „gigantische Lobby“ behauptet, das Oktoberfest sei ein Volksfest. Denn:

(Es) ist überhaupt kein Volksfest. Gut, versteht man unter „Volk“ vor allem besoffene Neuseeländer und erbrechende Ebersberger (nix gegen den Ebersberger an sich!), dann vielleicht schon. Denkt man aber an den normalen Münchner, dann wirkt dieser Terminus ziemlich deplatziert.

Der publizistische Abwehrkampf ist im vollen Gange: „Normale Münchner“ sind das Volk, und alle anderen gehören nicht dazu. Die sind schließlich auch nicht normal, sondern besoffen, und dann erbrechen sie sich auch noch. Und das auf dem Oktoberfest! Fiele keinem Münchner ein.
Wo eine gigantische Lobby und kulturbedrohende Auswärtige unterwegs sind, da ist stets auch das Geld der Autochthonen in Gefahr:

Das geht schon bei den Preisen los. 10 Euro für einen Liter Bier, der – glaubt man dem Verein gegen betrügerisches Einschenken – in Wirklichkeit nur 800 Milliliter sind. Das ist, pardon, einfach maßlos. Von den Steckerlfischen für 28 Euro, den Mandeln für 6 und den Hendln für 12 gar nicht zu reden.

Doch nicht nur teuer ist es, es droht gleich die totale Vertreibung:

Und wenn, dann muss man konsumieren, bis der Arzt kommt – oder eher die Bedienung, die einem auf, nun ja, unnachahmliche Weise klarmacht, dass man jetzt gefälligst eine dritte Maß oder ein zweites Hendl bestellt oder lieber die Fliege macht.

In einer Gesellschaft, die an buchstäblich jeder Ecke Plakate aufstellt, auf denen zum Konsum von irgendetwas aufgefordert wird, überrascht die zur Schau gestellte Empörung ein wenig. Ebenso erstaunlich ist, dass es noch jemand erstaunlich findet, wenn ein Unternehmen möglichst viel Gewinn machen will.
In Timo Lokoschats Kommentar lässt sich geradezu idealtypisch beobachten, wie der unbewusste Hass auf kapitalistische Unannehmlichkeiten sich auf andere Menschen richtet. Denn wer ist daran schuld, dass man so viel konsumieren muss? Na klar:

Zack zack, die sieben Australier warten schon.

Und es hört nicht auf. Die Vergewaltigungen, die Körperverletzungen und die vielen anderen Verbrechen finden zwar in München statt, gehören aber eigentlich ganz woanders hin:

München bekommt während der Wiesn eine Verbrechensrate, die beinahe Kapstadt, Rio und Köln-Porz in den Schatten stellt.

Kriminalität? Ist doch so ein Ausländerphänomen.

Kurzer Blick auf die Checkliste. Was fehlt uns noch auf der Hitliste der deutschen Ressentiments?

Die Reichen.

Von alldem bekommen die Promis, abgeschottet in ihren Boxen in den VIP-Zelten, natürlich nichts mit. Zugegeben: Da ist es tatsächlich gemütlich. … Für Normalsterbliche unerreichbar. Schade.

Im Anschluss: Die Frauen.

Wobei: Will man wirklich riskieren, einen Abend neben dieser blonden Nervensäge – Sie wissen schon – verbringen zu müssen?

Und zurück zu: Den Ausländern.

Da ist einem ja fast der lallende Ire lieber.

Klasse, Lokoschat, klasse! Auf Facebook, wo ich über den Text stolperte, komplettierten findige Einheimische das Schreckenskabinett in den Kommentaren noch mit, na klar, den Italienern. Die sollen für die zahlreichen sexuellen Übergriffe verantwortlich sein, denn auch das machen natürlich nicht die Münchner, sondern nur die Südländer. In Lokoschats Tirade kommt ein Italiener nur am Rande vor, aber auch das ist interessant:

„Mann drückt Zigarette an Wange von Mädchen aus“, „Italiener schleudert Frau Maß an den Kopf“, „17-Jähriger bedroht Ordner“

So lauten die Links zu anderen AZ-Artikeln. Der „Mann“ kommt aus Freising, wird hier aber nach seinem Geschlecht benannt. Der „Italiener“ schleuderte den Maßkrug nach einer seiner Landsfrauen – das Opfer wird allerdings als „Frau“ notiert, der Täter seiner Nationalität nach. (In der Überschrift des Artikels selbst ist es andersrum, auch nicht schlecht.) Beim „17-jährigen“ wird das anders gehandhabt, der ist nämlich nicht nur 17, sondern auch Deutscher und hat einen Angestellten rassistisch beleidigt.

Jemand nannte das Oktoberfest kürzlich „Europas größte offene Drogenszene“. Das trifft es gut, zumal am illegalisierten Drogenkonsum und dessen Auswirkungen in Deutschland auch immer die Ausländer schuld sind und deshalb ab und an mit Brechmittel traktiert werden müssen. Prost, Deutschland!

No Deutschland!

Anlässlich des anstehenden Nationalfeiertags der Deutschen fordern wir die sofortige Abschaffung Deutschlands. Wir halten die Gründe für derart offensichtlich, dass sie keiner weiteren Erklärung bedürfen. Der Fortbestand eines deutschen Nationalstaats nach 1945 ist und bleibt eine historische Unverschämtheit. Ein selbstbestimmtes Leben, ein Verein freier Menschen ist nur ohne Deutschland möglich.

Abschaffung durch Umbenennung

Die Abschaffung Deutschlands ist nicht nur möglich, sie ist lächerlich einfach: Wir fordern die sofortige Umbenennung des bestehenden Staates in einen „Verein freier Menschen in Mitteleuropa“. Ein paar Drucksachen neu auflegen, ein paar neue Schilder – mehr braucht es nicht. Ist der deutsche Nationalstaat erst erledigt, wird die soziale Befreiung folgen. Und ehe man sichs versieht, ist Kommunismus.

Ultimatum

Wir räumen der herrschenden Klasse und ihrem Parlament Zeit bis zum 31.12.12 ein, unsere Forderungen zu erfüllen. Sollte Deutschland bis dahin weder einem seiner zivilisierten Nachbarstaaten angegliedert noch umbenannt worden sein, gründen wir eine Bürgerinitiative.

Und jetzt: Musik.