Im Zweifel nichts Neues

Antisemit will heute kaum noch einer sein, und dass explizit einer sagt, die Juden seien die schlechteren Menschen, kommt auch kaum noch vor. Das ist mit Rassismus, der sich gegen andere Gruppen als die Juden richtet, ganz genauso. Während man aber in manchen Teilen der Gesellschaft ein Bewusstsein dafür hat, dass Rassismus trotzdem eine mächtige Rolle spielt, wird dasselbe beim Antisemitismus meist bestritten. Während man also das rassistische Ressentiment sofort erkennt, wenn einer etwa vom „faulen Südländer“ redet und zum Beweis seiner These auf die höhere Arbeitslosigkeit unter Nicht-Deutschen verweist, ist das beim Antisemitismus anders. Redet da einer vom „rachsüchtigen Israeli“ und verweist auf Militärschläge in Gaza, fällt das Urteil weniger deutlich aus. Dabei ist die Strategie dieselbe: Das Ressentiment macht sich dadurch plausibel, dass entscheidende Tatsachen weggelassen und durch Projektionen ersetzt werden. Im einen Fall fehlt die Diskriminierung, die die Arbeitslosigkeit befördert; im anderen Fall fehlt meist alles, was palästinensische Akteure in Gaza tun und sagen. Die enstandenen Lücken in der Kausalkette werden gefüllt: Da tötet der Jude, weil er rachsüchtig ist, und der Südländer klaut, weil er faul ist.

Lächerlich

Ein Genosse hat mir auf Facebook vorgeworfen, mein Text zur Augstein-Debatte sei „lächerlich“. Ich und andere würden „sich um die Herleitung dieses [d.h. Augsteins] Antisemitismus einfach herum“ mogeln. Richtig ist, dass ich auf eine solche Herleitung verzichtet habe, weil ich angenommen hatte, dass diese zumindest da, wo man ein Bewusstsein für Antisemitismus hat, angesichts von Augsteins Texten überflüssig sein würde. Interessanter schienen mir seine Verteidiger zu sein. Nun, wo ich um eine ausführliche Antwort ohnehin nicht mehr herum komme, will ich aber gerne noch einmal darlegen, woran man meines Erachtens die antisemitische Motivation des israelkritischen Journalisten erkennen kann.

Der erwähnte Genosse stellt ganz richtig folgendes fest: „Am Ende kann man in Augstein nicht reinschauen, kann seine Beweggründe nur erahnen und kann damit auch nicht ausschließen, dass er Antisemit ist.“ Und das Gegenteil demzufolge natürlich auch nicht. Den Nachweis in die eine oder andere Richtung zu führen wird also: anstrengend. Ich möchte dafür in zwei Schritten vorgehen, wie im alten Text bereits angedeutet. Der erste ist, Augsteins Einlassungen zu Israel als realitätsfern zu entlarven, als unzulässige Darstellung der Tatsachen. Die Behauptung, in bestimmten Äußerungen Augstein könne „man auch unter ganz vernünftigen Erwägungen Sinnvolles entdecken“, möchte ich bestreiten. Im zweiten Schritt wird sich jeweils die Frage stellen, warum der denn dann so etwas schreibt. Diese Frage will ich mit dem Hinweis auf deutlich erkennbare Versatzstücke klassischen Antisemitismus beantworten, die sich in den fraglichen Texten zuhauf finden.

Zionist Occupied Government

Ein erstes Beispiel findet sich in Augsteins Kolumne aus dem Juni 2012. Anlass war ein Spiegel-Titel, der sensationsheischend „enthüllt“ hatte, was man längst wusste: Dass Israel aus Deutschland gelieferte U-Boote sehr wahrscheinlich mit Atomwaffen bestückt, um sich eine Zweitschlagskapazität zu verschaffen. Im Zuge dieser Nachricht schrieb Augstein:

Politik, Recht, Ökonomie – wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen.

Das ist offenkundig Unsinn. Keine Übertreibung, sondern Unsinn. Deutschland ist der mächtigste Staat Europas, und die Enthaltung bei der UN-Abstimmung über Palästinas Status im letzten Jahr ist nur ein Beispiel für nicht erfüllte Bitten der israelischen Regierung. Womit Augsteins Schilderung deutlich mehr gemein hat als mit der Wirklichkeit, ist die antisemitische Wahnvorstellung der ZOGs, der „Zionist Occupied Governments“.
Der Begriff beschreibt dabei nur eine sehr moderne Spielart der deutlich älteren Vorstellung, die Regierungen der Welt erhielten von Juden zwingende Anweisungen. Dazu gehört immer, dass die „eigene“ Bevölkerung darunter leidet, in diesem Fall sind es Steuerzahler und, Achtung, Drogistinnen:

Die Regeln der guten Haushaltspolitik und der marktwirtschaftlichen Ordnung, auf die sich die Merkel-Regierung gerne beruft, sind außer Kraft gesetzt. Pech für die Schlecker-Frauen: Mit Putzmitteln und Körperpflegeprodukten lässt sich kein Krieg führen.

Ironischerweise muss Augstein die positiven Effekte der U-Boot-Deals auf den deutschen Arbeitsmarkt verschweigen: Die werden schließlich von deutschen Arbeitern mit deutschem Material gefertigt, es handelt sich wie häufig bei „den Interessen der Rüstungsindustrie“ auch um ein Subventionsprogramm für deutsche High-Tech-Arbeitsplätze. Das deutsche außenpolitische Interesse an einem militärisch starken Partner in einer wichtigen Region dürfte ebenfalls eine Rolle spielen. Derlei handfeste Gründe für die beschriebenen Vorgänge treten zurück, an ihre Stelle treten antisemitische Projektionen. (Die er hier im letzten Satz noch damit ausschmückt, dass die mächtigen Israelis die bittstellenden Deutschen auslachen. Echt.)

It all started when he hit me back

In einer weiteren, auch in der Wiesenthal-Liste zitierten Kolumne ist Augstein Günter Grass beigesprungen:

„Die Atommacht Israel gefährdet den ohnehin brüchigen Weltfrieden.“ Dieser Satz hat einen Aufschrei ausgelöst. Weil er richtig ist.

Die inhaltliche Kritik daran ist einfach: Es gibt keinen Weltfrieden. Der Weltfrieden ist kein gefährdeter Zustand, sondern eine Utopie, eine Hoffnung für die Zukunft. Nun könnte man wohlwollend argumentieren, dass doch trotzdem ein Funke Wahrheit darin stecke. Auf Facebook wurde ich also rhetorisch gefragt: „Wer will bestreiten, dass die propagandistische Mobilmachung der israelischen Regierung in Hinsicht auf die mögliche atomare Bewaffnung Irans durchaus den Frieden in der Region nachhaltig bedrohen kann.“

Hier! Ich! Denn auch der „Frieden in der Region“ ist erfunden: Der letzte große Waffengang in Gaza war da keine drei Jahre her, der letzte Krieg im Libanon sechs Jahre, und in beiden Fällen hatte Israel es mit Verbündeten Irans zu tun. Die Auseinandersetzung ist im vollen Gange, und es ist eine bestenfalls willkürliche Entscheidung, erst einen israelischen Militärschlag (bzw. schon die ‚propagandistische Mobilmachung‘) als Anfang von irgendetwas darzustellen. Was ebenfalls geflissentlich ignoriert wird, ist der offenkundig bedeutsame Umstand, dass es der iranischen Führung erklärtermaßen um die Vernichtung Israels als Staat geht, und dass davon umgekehrt keine Rede sein kann, ganz egal von welchem politischen Standpunkt aus man die Sache betrachtet.

Die Behauptung, Israel gefährde in diesem Fall den Frieden, den Weltfrieden gar, ist also beim besten Willen nicht zu halten. Wiederum aber lässt sie sich plausibel auf ein antisemitisches Ressentiment zurückführen, das man bei so verschiedenen Leuten wie Mel Gibson – „Die Juden sind für alle Kriege auf der Welt verantwortlich!“ – und Adolf Hitler – „Wenn es dem internationalen Finanzjudentum (…) gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen (…)“ – finden kann. Nein, Augstein ist nicht Hitler und nicht Gibson und auch nicht Streicher, und die Anwürfe gegen Juden haben sich mit der Zeit verändert. Trotzdem sind die Gemeinsamkeiten nicht zu übersehen.

Augstein weiter:

Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs (…)

Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA und Deutschland läuft das also – vielleicht sollte Bibi das mal jemand mitteilen. Es sollte vielleicht auch jemand in Moskau und Peking und Wellington anrufen und den dortigen Regierungen bescheid sagen, dass sie gemeinsam mit dem Rest der Welt am Gängelband der Regierung Netanjahu geführt werden – es könnte ihnen entgangen sein. Und wenn wir mal wieder etwas von zähen Verhandlungen über schärfere Sanktionen gegen Iran lesen, die dann von Russland verhindert oder verwässert werden, wissen wir jetzt, dass alles gelogen war. Netanyahu hat sein Lied gesungen, alle anderen haben gekuscht.
Wiederum also lesen wir grotesken Quatsch, durchsetzt mit altbekannten Vorstellungen über die negativen Auswirkungen der Macht von Juden, deren Ausmaß zu diesem Zweck völlig übertrieben wird.
Über die tatsächlichen Bemühungen der israelischen Regierung um Unterstützung und über die Positionen der anderen beteiligten Mächte kann man vielerlei interessante Dinge lesen, u.a. in amerikanischen Medien. Augsteins Pamphlet wirkt dagegen peinlich.

Der Glaube schämt sich

Alle paar Wochen ist bei Augstein Israelkritikzeit, im September ging es um das Mohammed-Video. Die wurstige Schreibe weiß zu begeistern: „Mit Religion hat das nichts zu tun. Wenn die Straße brennt und der Mob regiert, schämt sich der Glaube.“ Da schämt sich der Glaube, okay.

Bekannt geworden ist die Kolumne jetzt, weil sie ebenfalls vom Wiesenthal-Zentrum zitiert wurde. (Verfälscht zitiert übrigens, die Republikaner und Israel werden im Original zumindest formal nicht den „Wahnsinnigen und Skrupellosen“ zugerechnet.) Sie ist besonders bemerkenswert, weil Augstein hier starke Verrenkungen vollführt, um einen ungeheuren Vorwurf zu machen, für dessen Richtigkeit es keinen einzigen Hinweis gibt: Er insinuiert, Republikaner und/oder die israelische Regierung hätten womöglich das Mohammed-Video produzieren lassen, um die Ausschreitungen und die Ermordung von US-Bürgern zu provozieren, weil das ihre Chancen bei den Präsidentschaftswahlen erhöhen respektive Unterstützung für Netanyahus Iran-Politik befördern würde. Hier erübrigt sich die Frage danach, wie viel das mit der Wirklichkeit zu tun hat, es ist zu 100% Augsteins Phantasie. Und auf die Frage, warum die so aussieht und sich auf extrem niederträchtige Juden und deren finstere Verbündete konzentriert, gibt es wiederum eine sehr plausible Antwort, und zwar nur eine: Antisemitismus, dieses Mal in der verschwörungstheoretischen Spielart. Schlimmes ist geschehen, vielleicht sind die Juden schuld. Bei Rainer Trampert gibt es u.a. dazu noch mehr zu lesen.

Kritik und Gegenstand

Immer wieder wird gefragt, ob es denn eine Grenze zwischen Israelkritik und Antisemitismus gibt, auf deren richtiger Seite man dann ja irgendwie bleiben könnte. Henryk Broder hat jetzt ein sehr schönes Kriterium zumindest dafür genannt, was als Kritik gelten darf:

Und ich wiederhole wieder und wieder: Das hat mit Israelkritik nichts zu tun. Kritik muss auch nicht fair, sachlich oder ausgewogen sein. Sie muss nur etwas mit dem Gegenstand zu tun haben, den sie kritisiert.

Ernähren und Brechen

In Augsteins letzter hier zu verhandelnder Kolumne geht es um die jüngste Eskalation in Gaza. Er behauptet:

Die Katastrophe geschieht. Gaza ist ein Ort aus der Endzeit des Menschlichen. (…) Gaza ist ein Gefängnis. Ein Lager. Israel brütet sich dort seine eigenen Gegner aus.

Dazu und zur Kritik daran stellt mein Kritiker auf Facebook nun fest:

Die (…) Feststellung, Israel brütet sich dort den eigenen Feind aus, ist hingegen nicht, wie das bisweilen jetzt gemacht wird mit dem antisemitischen Stereotyp zu verwechseln, der Jude sei schuld am Antisemitismus. Die Repression des israelischen Staates (…) ist nicht zu verwechseln mit dem Juden an sich oder der Demokratie Israel, sie zeigt natürlich ihre Wirkung wie jede Repression, die aus sich heraus Widerstand erzeugt, ob dieser nun gerechtfertigt oder gar gerecht ist oder nicht. Diese Repression kann man folgerichtig kritisieren, ohne damit antisemitisch sein zu müssen.

Nun kann man tatsächlich die Repression gegen Gaza als kontraproduktiv kritisieren. Gegen eine solche Kritik würde die andere Seite dann einwenden, dass eine weniger harte Politik gegen einen derart entschlossenen und radikalen Gegner einem Appeasement gleich käme und dessen Macht nur vergrößern würde. Beide Argumente haben ihre Plausibilität, und um sie herum drehen sich interessante Debatten von Leuten, die an einer erfolgversprechenden Politik in dieser Sache interessiert sind. Augstein gehört nicht dazu. Man muss eine solche Debatte schließlich vor dem Hintergrund der Tatsache führen, dass die Hamas nicht ein Ende der Blockadepolitik zum Ziel hat, sondern die Eroberung des gesamten israelischen Staatsgebiets. Das ist der Kern des Konflikts, unabhängig davon, ob dieses Ziel „nun gerechtfertigt oder gar gerecht ist oder nicht.“ Doch während er diese Realität wie gewohnt ignoriert, erfindet Augstein sich eine andere Erklärung mit „Katastrophe“, dem „Lager“, der „Endzeit des Menschlichen“. Nichts davon ist wahr, es gibt keine Katastrophe in Gaza, Gaza ist kein Lager (Indizes wie Lebenserwartung und Kindersterblichkeit liegen deutlich höher als in vielen Ländern der Region) und die Apokalypse steht auch nicht bevor. Wer die Lage in Gaza verstehen will, muss neben der israelischen Politik auch die palästinensischen Akteure betrachten, insbesondere die beiden Intifadas spielen eine wichtige Rolle beim Verlust der Bewegungsfreiheit der Palästinenser in Gaza und der Westbank. Wer das ignoriert, muss sich fragen lassen, warum.

Angeblich hat Augstein die Formulierung vom Lager bedauert, sie steht aber immer noch da. Und wiederum sehen wir das gleiche Muster: Die Wirklichkeit wird durch in aus dem Antisemitismus bekannten Bildern formulierte Projektionen ersetzt. Das gilt auch für das „Lager“. Der Begriff selbst ist in diesem Zusammenhang unsinnig, weil Gaza eine Jahrtausende alte Siedlung ist und ihm der temporäre Charakter, der ein Lager konstituiert, somit fehlt. Er macht aber andererseits sehr viel Sinn, denn im Kontext, also in einem deutschen Text über Israel und Krieg und Zwang ruft er unweigerlich und unmissverständlich Bilder von Konzentrationslagern auf. Und selbst wenn Augstein das heute peinlich sein sollte, bleibt die Frage bestehen, warum er es dann geschrieben hat – wenn nicht aus dem ihm vorgeworfenen deutschen, gegen die Opfer und ihre Nachfahren gerichteten Abwehrreflex.

Zu bald traditionellen negativen Bildern vom Judentum gehört auch der ihm angeblich inhärente Hang zur Rache. Die findet sich hier als eigentliches Motiv für die israelischen Militärschläge:

Die Hamas feuert Raketen. Israel bombardiert. Das Gesetz der Rache ist grenzenlos. Wer es durchbrechen will, muss ihm die Nahrung entziehen. Will Israel das?

Nebenbei bemerkt: Das Gesetz ist grenzenlos, und wer es durchbrechen will, muss dem Gesetz die Nahrung entziehen. Okay.

Dass, wer das „Gesetz der Rache durchbrechen“ wollte, auch Israel anerkennen, auf Gewalt verzichten und in Verhandlungen über eine Aufteilung des Landes eintreten könnte, kommt hier natürlich nicht vor.

Antisemitismus ohne Antisemiten?

Angesichts seiner Texte ist es meines Erachtens schlichtweg nicht zu bestreiten, dass Augstein antisemitische Stereotype verbreitet. Die Fülle der Beispiele und die Tatsache, dass es keine Kolumne über Israel gibt, in denen sich kein solches finden würde, lassen keinen vernünftigen Zweifel daran.

Wenn Augstein nicht vom Gedanken beeinflusst ist, dass Juden einen schädlichen Einfluss haben, warum schreibt er dann so? Warum schreibt er immer wieder so wie die Leute, die sich noch offensiv zu ihrer Gegnerschaft zu den Juden bekannt haben? Diese Frage müssten diejenigen beantworten, die ihn verteidigen.

Im weiteren stellt sich die Frage, wie man das sinnvoll formuliert und kritisiert. Verbreitet er antisemitische Stereotype? Bedient er sich antisemitischer Sprache? Argumentiert er antisemitisch? Oder ist er Antisemit? Zweifellos besteht ein Unterschied zwischen jemandem, der irgendwo aufgeschnappt und sich gemerkt hat, dass die Juden den Palästinensern das Wasser klauen, und einem überzeugten Neonazi-Kader. Die Frage, wen man seiner antisemitisch beeinflussten Äußerungen wegen als Antisemit bezeichnet, ist nicht so einfach zu beantworten. Ich finde es bei Augstein insofern angemessen, als er die Mittel hätte, es besser zu wissen, und weil er mit so viel Vehemenz und Wiederholung an der Sache arbeitet. Dass ihm selbst sein Antisemitismus gar nicht bewusst ist, ändert daran nichts.

Das verdeutlicht wiederum der Vergleich mit rassistischen Bildern: Bei der deutschen Polizei kann man krass rassistische Kalender drucken lassen, ohne dass sich irgendwer zum Rassismus bekennen müsste. Die tägliche rassistische Diskriminierung in den Ämtern und Betrieben kommt ebenfalls längst ohne erklärte Rassisten aus. Trotzdem sagt mir niemand Sachen wie „Du glaubst doch nicht wirklich, dass er jetzt Osteuropäer für rassisch minderwertig hält, nur weil er von den ‚faulen Rumänen im Park‘ gesprochen hat.“

Allerdings birgt die Personifizierung des Phänomens auch die Gefahr, Antisemitismus grundsätzlich nicht als Problem der Gesellschaft und der Strukturen zu verstehen. Stattdessen produziert man sich die Antisemiten dort und die aufrechten Kritiker hier und ist es dann auch schon zufrieden. Das Problem wirft die Frage auf, was Kritik am modernen Antisemitismus eigentlich leisten kann und soll. Ich weiß es auch nicht recht.

  1. tikerscherk’s avatar

    It all started when he hit me back…

    Danke für diesen Text!

    Antworten

  2. caruso’s avatar

    Ich habe den Eindruck, viele, viel zu viele, sind nicht nur unfähig zu verstehen,
    was Antisemitismus ist. sondern sie wollen es (auch) nicht verstehen. Warum auch immer.
    Was Augstein den Juden gegenüber oder Israel gegenüber fühlt, ist vollkommen
    egal. Wichtig ist nur, was er schreibt, was für ein Bild er den Lesern von Juden / Israel(is) vermittelt. Und das ist m.A. nach klar antisemitisch.
    FG
    caruso

    Antworten

  3. Bonde’s avatar

    Ich verpflanze wiederum die Diskussion von Facebook hier rüber, weil ich ungern kostenlos Content für Facebook produziere, der zumal auf meiner eigenen Seite besser aufgehoben ist, weil er hier direkt am Ursprungstext steht und von mehr Leuten gelesen werden kann.

    Folgende Kritik wurde dort formuliert:

    „Wo das Thema längst alle schon wieder leid sind, habe ich gute Chancen, endlich mal das letzte Wort zu haben. HEHE.€

    Schöner Versuch, der sicher auch aufgehen würde, wenn ich mich an deine folgende Handlungsanweisung aus den Kommentarspalten unter dem letzten FB Post halten würde:

    „Da ich im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern der lebhaften Debatte nicht dafür bezahlt werde, nur wenig Zeit und Nerven übrig habe und gerade ein starkes Gefühl der Vergeblichkeit und Sinnlosigkeit jeder Debattenbeteiligung habe …. – deshalb also bitte ich darum, mir nun umgehend uneingeschränkt zuzustimmen, um eine weitere Diskussion vermeiden zu können. Danke!€

    Ich werde dafür ja auch nicht bezahlt, aber es drängt mich geradezu die Widerworte zu wählen. Nicht weil ich des Themas nicht auch überdrüssig wäre, sondern weil du mir im Gegensatz zu anderen, mir unbekannten, AD€™s doch ans Herz gewachsen bist.

    Beginnen wir mit dem von dir zitierten Droste-Gedicht, welches durchaus eine unterhaltsames ist, denn etwas geistvolle Polemik tut dem Streit sicherlich nicht schlechter als die geistlose, die so oft den Ton bestimmt. Musste ich gestern an anderer Stelle doch wieder lesen, Broder sei mit seinem Artikel in den Stuttgarter Nachrichten, Wegebereiter eines verstärkten Antisemitismus in der Gesellschaft. Ach, was bin ich leid in diesem Konflikt immer zwischen den Stühlen zu sitzen, wieso sollte man zum Antisemiten werden, nur weil Broder so einen Stuss von sich gibt…

    „Ich höre sie jammern,
    sie dürften als Deutsche
    in Deutschland nichts gegen
    Israel sagen.

    Das dürfen sie aber,
    es tun auch fast alle,
    und können dann nicht mal
    ein Echo vertragen.€

    Wenn das Echo denn inhaltliche Kritik wäre, dann würde es bisweilen besser vertragen werden. Wenn das Echo aber regelmäßig darin besteht, als Antisemit abgestempelt zu werden, fällt es schwer dieses Echo zu vertragen. Denn, das mag ein überzeugter AD vielleicht nicht hören, aber ein offener Antisemitismus ist in unserer Zeit nicht mehr gesellschaftsfähig, jedenfalls nicht in unseren Breiten. Das Urteil Antisemit bedeutet, dass derjenige, den dieses Verdikt trifft, das Recht verwirkt hat am gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen. Dies wird nun zwar durch die inflationäre Nutzung dieses Musters entschärft, aber das allein zeigt schon, dass diese Entwicklung auch dazu führt, dass eigentlich ein uns genehmer Mechanismus (Mit Nazis, Rassisten und Antisemiten spricht man nicht) dadurch Beeinträchtigung erfährt, dass der Begriff zunehmend in der sachlichen Auseinandersetzung als Mittel der Diskreditierung eingesetzt wird.

    Fahren wir fort mit dem Teil deiner Antwort, in der du dich aufs „Zionist Occupied Government€ beziehst. Da heißt es:
    „Ironischerweise muss Augstein die positiven Effekte der U-Boot-Deals auf den deutschen Arbeitsmarkt verschweigen: Die werden schließlich von deutschen Arbeitern mit deutschem Material gefertigt, es handelt sich wie häufig bei „den Interessen der Rüstungsindustrie€ auch um ein Subventionsprogramm für deutsche High-Tech-Arbeitsplätze.€

    Richtig ist die Feststellung der Vorteile für die deutsche Rüstungsindustrie, falsch ist, dass Augstein dies verschweigt. Jetzt frage ich mich ob du das selbst nicht mehr ganz so auf dem Schirm hattest, oder ob du es bewusst unterstellst, weil es Augstein in einem für dich passenderem Licht dastehen lässt. Es heißt in dem, von dir sogar verlinktem, Artikel:

    „Und eine bessere Tarnung für die Interessen der Rüstungsindustrie als das schlechte deutsche Gewissen kann es nicht geben. … Die deutschen Rüstungsexportregeln sind ohnehin gedruckte Heuchelei. Keine Waffen in Krisenregionen? Dann könnte der Rüstungsexport einpacken. Von Dänemark und Holland werden deutsche Waffenschmieden nicht satt.€ http://is.gd/NAcs4J

    Meines Erachtens ist der von dir beanstandete Satz „Denn wenn es um Israel geht, gilt keine Regel mehr: Politik, Recht, Ökonomie – wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen.€ genau wie du es auch sagst, „offenkundig Unsinn€. Nichtsdestotrotz kann man aber doch festhalten, dass das Verhältnis der deutschen Außenpolitik zu Israel geprägt ist durch eine besondere Beziehung, die sich ganz wesentlich durch die Geschichte unserer Völker bestimmt. Zum Glück wie ich finde, denn es sollte natürlich im Interesse einer deutschen Regierung sein, das israelische Projekt zu stützen, ist es doch erst durch deutsche Politik notwendig geworden. So zeugen Äußerungen deutscher Kanzler bis in die Gegenwart von der besonderen Beziehung zum Staat Israel. So wenn im Jahr 2002 Gerhard Schröder sagt: „Israel bekommt das, was es für die Aufrechterhaltung seiner Sicherheit braucht.“ oder Merkel 2008: „Die Sicherheit Israels ist niemals verhandelbar“ oder wenn sie von der »besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels spricht, die »Teil der Staatsräson unseres Landes geworden« ist. Daraus ergeben sich natürlich auch Handlungsmaxime, die der israelischen Regierung einen anderen Spielraum der Einflussnahme gibt, als den andere Regierungen dieser Region auf die Bundesregierung haben. Dies könnte man zwar leugnen, es ist meiner Ansicht nach aber offensichtlich und durchaus auch richtig im Lichte der Vergangenheit. Der falsche Schluss Augsteins schießt deswegen zwar über das Ziel hinaus, aber er entspringt wohl eher einem Miss- oder Unverständnis, wie weitgehend der deutsche Support Israels ist, als dass es eine bewusste Irreführung der Öffentlichkeit über die Einflussmöglichkeiten der Juden oder Israelis ist, die einem antisemitischen Geist entspringt. Um mal die Definition aufzugreifen, auf die sich das SWC diese Woche berief: Demnach gibt es in Berufung auf „den israelischen Autor Natan Sharansky drei Kriterien für die Unterscheidung zwischen Kritik und antisemitischer Äußerung: Doppelmoral, Dämonisierung oder Delegitimisierung.€ Ich kann nicht erkennen, welcher dieser drei Punkte sich hier manifestieren soll. Am ehesten käme die Doppelmoral in Betracht, gibt es doch auch Waffenlieferungen in die instabile Region, die nicht an Israel gehen. Im Fokus der öffentlichen Kritik, die Panzerlieferungen ans autokratische Saudi Arabien. Doch genau diese greift Augstein in einem seiner anderen Kolumnen ebenso an, wie jene nach Israel. http://is.gd/2DHCok

    Kommen wir dann zum Abschnitt, in dem es um die „Bedrohung des Weltfriedens€ geht. Du schreibst: „Die Auseinandersetzung ist im vollen Gange, und es ist eine bestenfalls willkürliche Entscheidung, erst einen israelischen Militärschlag (bzw. schon die €˜propagandistische Mobilmachung€™) als Anfang von irgendetwas darzustellen.€ Stimmt, die verbale und PR-technische Auseinandersetzung ist in vollem Gange und sicherlich ist die propagandistische Mobilmachung nicht die konkrete Gefährdung. Doch um sich noch einmal die Zeit vor Augen zu halten, in der das Grass-Gedicht geschrieben wurde, da ging es in den verbalen Scharmützeln ganz konkret um einen von israelischen Politikern geforderten und damit drohenden Erstschlag Israels gegen das iranische Atomprogramm. Dieser allerdings wäre ganz sicher der Beginn von etwas, nämlich der erneute Beginn einer ernsthaften militärischen Auseinandersetzung und zwar von einer mutmaßlichen Qualität und Quantität, dass er sich abheben würde von den Kriegen, die Israel im Rahmen der direkten Verteidigung seiner Grenzen in der Vergangenheit führte. Was für mögliche Szenarien gäbe es: Die Israelis wären mit punktuellen Angriffen auf spezifische Ziele sehr erfolgreich, es würde keine nennenswerte Gegenwehr des Iran geben, dann wäre alles in Butter und die Sache alsbald vergessen. Das spräche allerdings dagegen, dass der Antisemitismus der iranischen Führung mehr wäre, als eine weitere Krücke der eigenen despotischen Herrschaft Legitimation zu verleihen. Es könnte aber auch sein, dass die Gegenwehr Irans auf so einen Angriff hartnäckiger sein wird, als es bisher in solchen Fällen der Fall war, dass sich der Krieg zu einem Flächenbrand in der instabilen Region ausbreitet. Wie würde sich nun der Westen verhalten, würde Israel durch die Reaktion auf seinen Angriff ernsthaft in seiner Existenz bedroht? Darüber kann man natürlich nur spekulieren, aber angesichts der Äußerungen amerikanischer und europäischer Politiker muss man davon ausgehen, dass in solch einem Ernstfall militärische Hilfe geleistet werden würde. Wie ich finde auch zurecht. Das würde dann aber den Konflikt von einem regionalen zu einem internationalen machen, deswegen das Gerede von der Bedrohung des Weltfriedens. Das diese Äußerung nicht allen Einwürfen gerecht wird, geschenkt. Aber der Sinn dahinter ist zu erkennen und durchaus auch logisch. Ich würde ein Eingreifen auch deshalb befürworten, weil sich aus der Verantwortung unserer Vergangenheit ein Einstehen für das Projekt Israel ergibt, auch wenn man die Ursachen für die Eskalation nicht in unserem Interesse oder Wohlwollen standen. Da beißen sich die Garantien, die man Israel für seine Existenz gegeben hat und die Freiheit die man ihm zugestehen muss, seine Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. Das dies einem Linken wie Augstein schwer fällt, leuchtet mir ein. Denn gerade aus der von mir jetzt mal unterstellten Sympathie für das Projekt Israel heraus, ergibt sich der Wille Kritik zu üben an einer Politik, die man aus Linker Sicht wahrscheinlich eher ablehnen sollte. Dies ist nun beileibe nicht nur die Sicht eines Deutschen, der es den Juden nun mal zeigen will, wie verantwortungsvolle Politik aussehen sollte, es ist auch breiter Konsens in der innerisraelischen Linken gewesen, dass es keinen Präventivschlag gegen den Iran zu diesem Zeitpunkt geben sollte.

    Weiter wird in dem Abschnitt über den Einfluss israelischer Interessen auf die US-Politik spekuliert. Du zitierst Augstein mit einem, diesen Einfluss sehr weit interpretierendem Zitat, mogelst dich aber um die Feststellung herum, dass der Kernbereich dieses Zitates schwer zu widerlegen ist, nämlich dass es einerseits „jüdische Lobbygruppen€ gibt, deren Unterstützung sich amerikanische Politiker immer wieder versichern. Und anderseits, dass „Netanjahu damit die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs€ führt. Dabei ist die Augsteinsche Wortwahl „ganze Welt€ genauso ungenau und polemisch, wie die Erwiderung, nun doch mal in Moskau oder Wellington nachzufragen, ob die das auch so sehen. Natürlich verwendet Augstein sein „weltweit€ im Sinne von, die westliche und die arabische (bzw. islamische) Welt betreffend. Das dies durchaus korrekt ist, konnte ich im letzten Abschnitt zumindest für die Möglichkeit ins Felde führen, dass Israel sich auf ein militärisches Abenteuer einlässt, dass es allein nicht bestehen würde.

    An der Lageräußerung will ich mich inhaltlich gar nicht weiter abarbeiten, zu deplaziert finde ich die selbst, als dass ich da größere Lust verspüre Augstein zur Seite zu springen. Spannender finde ich dann deine Frage: „Wenn Augstein nicht vom Gedanken beeinflusst ist, dass Juden einen schädlichen Einfluss haben, warum schreibt er dann so? Warum schreibt er immer wieder so wie die Leute, die sich noch offensiv zu ihrer Gegnerschaft zu den Juden bekannt haben? Diese Frage müssten diejenigen beantworten, die ihn verteidigen.€

    Ich würde das, auf die Gefahr hin damit auch falsch zu liegen, so erklären: Es ist die Freundschaft zu Israel, die Grass und Augstein so reden lässt, gepaart mit der Ohnmächtigkeit, Einfluss auf deren Politik nehmen zu können. In Scham und Schmerz und mit der Verantwortung, die sich aus deutscher Geschichte ergibt, wünscht man dem Staat Israel Frieden und ein erfolgreiches Gelingen des Ziels, einen Schutzraum für die Überlebenden des jüdischen Volkes schaffen zu können. Nun läuft das aber alles nicht so, wie sich der Israel-geneigte Linke den Fortgang der Geschichte wünscht und er verzweifelt an der eigenen Ohnmächtigkeit, daran etwas zu ändern. Die Mehrheit der israelischen Bevölkerung ist genau wie die Mehrheiten anderer Länder nicht davor gefeit, Konzepten von militärischer Stärke, imperialen Auftreten und rassistischen Ressentiments bei Wahlen den Vorzug zu geben und wählt damit Politiker in Amt und Würde, die jedem Linken zuwider sein müssen. Peinlich ist diese verfehlte Projektion allemal. Warum sollte nun gerade die jüdische Mehrheit, im Bewusstsein um die Geschichte des Holocaust den falschen Versprechungen einer vermeintlich höheren Sicherheit durch rechte Politiker weniger Glauben schenken, als andere Menschen in anderen Ländern. Gerade im Bewusstsein darum habe ich für jeden Israeli Verständnis, der einen Präventivschlag gegen den Iran als sinnvoller erachtet, als sich schon wieder hilflos und ohne größere Gegenwehr zur Schlachtbank führen zu lassen. Doch kann ich auch Jeden verstehen, der da dazwischen ruft und sagt, bitte stoppt diesen Weg der Konfrontation. Friede ist nur möglich, wenn man miteinander redet und Verständnis aufbaut, anstatt sich zu bombardieren. Blöd von Leuten wie Augstein, wie Grass, nun eingeschnappt zu wirken, dass „die Juden€ nicht das aus der Geschichte gelernt haben, was diese Art von Linken sich nun gerade wünschen würden. Das ist auch scharf zu kritisieren, es entspringt aber beileibe nicht dem Hass aufs jüdische und nicht dem Gedanken, dass Juden einen grundsätzlich schädlichen Einfluss hätten.

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  4. Bonde’s avatar

    Denn, das mag ein überzeugter AD vielleicht nicht hören, aber ein offener Antisemitismus ist in unserer Zeit nicht mehr gesellschaftsfähig, jedenfalls nicht in unseren Breiten. Das Urteil Antisemit bedeutet, dass derjenige, den dieses Verdikt trifft, das Recht verwirkt hat am gesellschaftlichen Diskurs teilzunehmen.

    Ich glaube, dass die ADs betreffend das Gegenteil richtig ist: Die Unmöglichkeit, hier und heute offen antisemitisch zu sein, ist ihre Geschäftsgrundlage. Ich selbst habe meinen Text sogar damit eingeleitet, genau diesen Umstand zu beschreiben. Deshalb verstehe ich Deinen Einwand überhaupt nicht. Dass der moderne Antisemitismus heute verdeckt daherkommt, war für die Antideutschen ganz wichtig. Nur so kann man nämlich etwas entdecken und benennen, was die meisten anderen ignoriert haben. Und genau das war für viele sehr reizvoll. Es ist ja auch so schön einfach: Redet jemand schlecht über Israel, wird er als Antisemit erkannt. Das funktioniert ohne Nachzudenken, und der Clou: Es stimmt auch noch fast immer. Insofern ist das Problem aber nicht, dass der Begriff inflationär gebraucht würde, sondern dass es so viel Antisemitismus im deutschen Diskurs gibt. Dass das keiner mehr ernst nimmt, ist auch kein Problem derer, die diesen Umstand benennen, im Gegenteil.
    Dabei würde ich auch gerne mal fragen, wo denn der Antisemitismus eigentlich hin sein soll. Über Jahrtausende war Judenhass ein wichtiges Thema, dann fand er seinen mörderischen Höhepunkt genau hier, und jetzt ist er aus der Mitte der Gesellschaft, aus den großen deutschen Publikationen und dem Denken der Menschen völlig verschwunden? Das ist leider auch nicht glaubwürdig.

    Was die inhaltliche Kritik angeht, die Du forderst, so kann ich doch wieder auf Broder verweisen: Wenn Kritik etwas mit ihrem Gegenstand zu tun haben muss, dann ist Drostes Gedicht dem Gejammer der Aug-Martensteine viel eher angemessen als eine sachliche Auseinandersetzung, um die zum Beispiel ich mich ja bemüht habe.

    Richtig ist die Feststellung der Vorteile für die deutsche Rüstungsindustrie, falsch ist, dass Augstein dies verschweigt. Jetzt frage ich mich ob du das selbst nicht mehr ganz so auf dem Schirm hattest, oder ob du es bewusst unterstellst, weil es Augstein in einem für dich passenderem Licht dastehen lässt.
    (…)
    Meines Erachtens ist der von dir beanstandete Satz „Denn wenn es um Israel geht, gilt keine Regel mehr: Politik, Recht, Ökonomie “ wenn Jerusalem anruft, beugt sich Berlin dessen Willen.€ genau wie du es auch sagst, „offenkundig Unsinn€. Nichtsdestotrotz kann man aber doch festhalten, dass das Verhältnis der deutschen Außenpolitik zu Israel geprägt ist durch eine besondere Beziehung, die sich ganz wesentlich durch die Geschichte unserer Völker bestimmt.

    Das kann man gerne festhalten, nur tut Augstein das ja nicht, sondern verbreitet eben diesen offenkundigen Unsinn, der nicht zufällig zu 100% antisemitischen Parolen entspricht. Das ist genau das, was ich als Argument im Text angeführt habe: Dass es erstens inhaltlich nicht haltbar ist und zweitens aus dem Baukasten des Antisemitismus stammt. Und diese Beobachtung trifft auch hier zu.

    Trotzdem hast Du recht, Augsteins Kolumne ist in diesem Fall nicht ganz klar. Er erwähnt die Rüstungsindustrie und sagt gar, dass sich das Geschäft „für Deutschland rechnet“. Andererseits beklagt er, dass „das Geld aus Deutschland kommt“ und „die Regeln der guten Haushaltspolitik und Marktwirtschaft“ außer Kraft gesetzt würden, „deutsche Großzügigkeit“ sieht er am Werk. Das ist alles in sich schon nicht schlüssig. Interessant ist aber, dass die Deutschen selbst als Steuerzahler und Drogistinnen vorkommen, die leider verloren haben, während die Werftarbeiter eben nicht vorkommen, sondern nur die anonyme „Rüstungsindustrie“.

    Inwiefern Deutschlands Politik, auch bezüglich von Rüstung, von einem Gefühl der Verantwortung vor der Geschichte geprägt ist, müsste man mal detailliert betrachten. Dann könnte man auch systematisch die Faktoren raussuchen, die für diese U-Boot-Deals sprechen. Dass Du Augsteins Quatsch wohlwollend als „falschen Schluss“ bewertest, als übers-Ziel-hinausgeschossen, kann ich meinetwegen noch akzeptieren. Dass Du den Umstand ignorierst, dass sein falscher Schluss einem antisemitischen Stereotyp inhaltlich zu 100% entspricht und einfach postulierst, das sei aber nicht antisemitisch, weil’s das halt nicht sei, finde ich unverständlich.

    Zu der DDD-Definition: Die Doppelstandards lassen sich da finden, wo man von Israel Sachen fordert, die man von anderen Ländern niemals fordern würde. Die Dämonisierung da, wo Netanjahu et al Bösartigkeit und irrational böses Verhalten, z.B. Lust am Krieg unterstellt wird. Und die Delegitimisierung da, wo Israels Existenzberechtigung in Frage gestellt wird, meist mit dem Verweis auf Landnahme. (Die so ziemlich jeder Staatsgründung irgendwann vorausgegangen ist.)

    Doch um sich noch einmal die Zeit vor Augen zu halten, in der das Grass-Gedicht geschrieben wurde, da ging es in den verbalen Scharmützeln ganz konkret um einen von israelischen Politikern geforderten und damit drohenden Erstschlag Israels gegen das iranische Atomprogramm. Dieser allerdings wäre ganz sicher der Beginn von etwas, nämlich der erneute Beginn einer ernsthaften militärischen Auseinandersetzung und zwar von einer mutmaßlichen Qualität und Quantität, dass er sich abheben würde von den Kriegen, die Israel im Rahmen der direkten Verteidigung seiner Grenzen in der Vergangenheit führte.

    Ich wiederhole mich da ein bisschen, aber: Es bleibt ein willkürlicher Akt, zu sagen, wo genau jetzt die Bedrohung des Friedens anfängt. Du sagst, es wäre der israelische Präventivschlag, der den ganz großen, neuen Ärger wahrscheinlich verursachen würde. Dabei wäre es doch eigentlich die von Dir erwartete Reaktion des Iran, die den „Flächenbrand“ und die Beteiligung des Westens auslösen würde, oder? Ein paar Fabriken zu bombardieren, ist auch im Irak, Syrien und Sudan schon gelungen. Es ist das Echo, das Dir Sorge macht. Trotzdem richtet sich der Fokus auf Israel. Man kann anders, immer noch willkürlich, auch viel früher ansetzen: Wenn der Iran Hezbollah und Hamas mit Waffen und Geld versorgt und damit Kriege gegen Israel befördert, droht langfristig eine handfeste Auseinandersetzung zwischen Israel und Iran. So hat aber niemand argumentiert, die Sache hat längst ihren Lauf genommen. Aber jetzt wo der Ball scheinbar in Israels Feld liegt, da fängt das Geschrei an, ihn doch bitte liegen zu lassen. Dabei ist es der Iran, der Israel zu seinem Feind erklärt hat und jetzt an der Bombe baut, die die Machtverhältnisse massiv verändern würde. Aber nicht diese vorangetriebene Änderung wird als Risiko beklagt, sondern deren Verhinderung. Das ist halt unsinnig. Und das hat auch nichts mit links oder rechts zu tun, sondern damit, gegen Israel zu sein und ihm ungeachtet der Fakten eine falsche Politik zu unterstellen. Das hat dann auch nichts mit der vernünftigen Frage zu tun, ob man lieber mit der iranischen Bombe leben oder jetzt den Krieg und seine Folgen ertragen will. Denn dazu müsste man erst mal Interesse an der Sachlage haben, anstatt mit viel Pathos vom Weltfrieden zu fabulieren.

    Das Gerede von der „jüdischen Lobby“ hat wiederum nichts mit einer Auseinandersetzung mit tatsächlichen Lobbygruppen zu tun, von denen es viele gibt, die alle in ihrem Feld nichts anderes als AIPAC und Konsorten machen. Die pro-israelische Lobby, die zu einem wichtigen Teil aus Christen besteht, als „jüdische Lobby“ zu bezeichnen, ist allein schon problematisch. Den Umstand zu ignorieren, dass Lobbygruppen ihrem Wesen und Ziel nach die Unterstützung der Politiker suchen und nicht nur andersherum, ebenfalls. Nur bei Antisemiten wie Augstein gibt es jüdische Gruppen, mit deren Hilfe ein anderer Jude „die ganze Welt am Gängelband“ zu führen in der Lage ist. Und dann finde ich Deine Augstein-Apologie auch sehr bemüht. Ich mein: Er hat das ja geschrieben. Das steht da ja: die ganze Welt am Gängelband. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass er das nicht so meint. Und wenn Du nun schon einräumst, dass es nicht der Wirklichkeit entspricht, und Du außerdem einräumen müsstest, dass es einer antisemitischen Vorstellung entspricht (!), dann bleibt nicht mehr viel übrig, als Augstein und Antisemitismus zusammen zu denken.

    Das Bild von der Freundschaft zu Israel finde ich völlig unangebracht. Ich rede nicht so über meine Freunde. Und wenn meine Freunde sich so verändern, dass ich alle paar Wochen öffentlich über ihre Dämlich- und Bösartigkeit abkotze, dann sind sie irgendwann nicht mehr meine Freunde. Grass ist ja folgerichtig in Israel auch nicht mehr erwünscht. Niemand zwingt mich, irgendwen oder irgendwas gut zu finden. Und wenn ich irgendwas scheiße finde, kann ich nicht behaupten, dass ich es eigentlich gut finde.

    Dass deutsche Publizisten so enttäuscht von Israel sind, spricht deutlich für die oben gestreifte Doppelmoral / die Doppelstandards. Du sagst es ja:

    Die Mehrheit der israelischen Bevölkerung ist genau wie die Mehrheiten anderer Länder nicht davor gefeit, Konzepten von militärischer Stärke, imperialen Auftreten und rassistischen Ressentiments bei Wahlen den Vorzug zu geben und wählt damit Politiker in Amt und Würde, die jedem Linken zuwider sein müssen. Peinlich ist diese verfehlte Projektion allemal. Warum sollte nun gerade die jüdische Mehrheit, im Bewusstsein um die Geschichte des Holocaust den falschen Versprechungen einer vermeintlich höheren Sicherheit durch rechte Politiker weniger Glauben schenken, als andere Menschen in anderen Ländern. Gerade im Bewusstsein darum habe ich für jeden Israeli Verständnis, der einen Präventivschlag gegen den Iran als sinnvoller erachtet, als sich schon wieder hilflos und ohne größere Gegenwehr zur Schlachtbank führen zu lassen.

    (So sicher würde ich jetzt nicht gegen „falsche“ Versprechungen und „vermeintliche“ Sicherheit argumentieren, aber sei es drum.)

    Blöd von Leuten wie Augstein, wie Grass, nun eingeschnappt zu wirken, dass „die Juden€ nicht das aus der Geschichte gelernt haben, was diese Art von Linken sich nun gerade wünschen würden. Das ist auch scharf zu kritisieren, es entspringt aber beileibe nicht dem Hass aufs jüdische und nicht dem Gedanken, dass Juden einen grundsätzlich schädlichen Einfluss hätten.

    Was macht Dich da so sicher? Wir sind uns ja nun einig, dass deren Geschreibe ganz wesentlich damit zu tun hat, dass die Bewohner Israels mehrheitlich Juden sind. Unstrittig ist auch, dass sie über ebenjene nur Schlechtes schreiben. Und ebenso unstrittig ist, dass sie sich dabei verschiedener bereits von bekennenden Antisemiten reichlich benutzten Bildern bedienen. Ich hab da eigentlich keine weiteren Fragen.

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  5. Bonde’s avatar

    Im aktuellen Spiegel gibts ein Streitgespräch von Augstein mit Dieter Graumann vom Zentralrat, darin sagt er zu den U-Booten noch mal: „Dazu kommt, dass diese U-Boote teilweise geschenkt, teilweise unter Wert verkauft wurden. Das soll ohne politischen Druck aus Israel geschehen sein? Für Netanjahus fordernde Anrufe bei Frau Merkel gibt es Zeugen im Kanzleramt.“ Aus vernünftigen wirtschaftlichen und außenpolitischen Gründen kann es also für ihn nicht geschehen sein, stattdessen empört er sich über einen ganz normalen Vorgang, in dem ein Politiker versucht, seine Ziele bei anderen Politikern zu erreichen.

    Und noch was, Du schriebst: „…es sollte natürlich im Interesse einer deutschen Regierung sein, das israelische Projekt zu stützen, ist es doch erst durch deutsche Politik notwendig geworden.“ Das ist ein bisschen viel der Ehre für die Deutschen, den Zionismus als Reaktion auf die schlechte Situation der Juden gab es schließlich schon deutlich vor dem NS und keineswegs exklusiv in Deutschland.

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  6. Bea’s avatar

    Vielen Dank für diesen großartigen Text und die Arbeit, sich mit so lästigen Figuren wie Augstein zu beschäftigen!

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  7. Marc Belle’s avatar

    „Es ist ja auch so schön einfach: Redet jemand schlecht über Israel, wird er als Antisemit erkannt. Das funktioniert ohne Nachzudenken, und der Clou: Es stimmt auch noch fast immer.€

    Ah ja.

    „Dabei würde ich auch gerne mal fragen, wo denn der Antisemitismus eigentlich hin sein soll. Über Jahrtausende war Judenhass ein wichtiges Thema, dann fand er seinen mörderischen Höhepunkt genau hier, und jetzt ist er aus der Mitte der Gesellschaft, aus den großen deutschen Publikationen und dem Denken der Menschen völlig verschwunden?€

    Nicht zu fassen, kann doch nicht einfach weg sein, unser guter alter Antisemitismus. Über Jahrhunderte gepflegt und als Steilvorlage fürs Superverbrechen genutzt darf der uns doch nicht einfach verlassen. Ist bestimmt vererbbar dieser Antisemitismus, dass Menschen dazu lernen, ist eher nicht anzunehmen, deswegen regiert noch der Kaiser, Todesstrafe und Folter sind an der Tagesordnung und alle warten nur sehnsüchtig darauf den letzten Juden den Garaus zumachen, um die Schmach der Nazis zu tilgen, die Endlösung nicht zu Ende gebracht zu haben.

    „Es bleibt ein willkürlicher Akt, zu sagen, wo genau jetzt die Bedrohung des Friedens anfängt. … Man kann anders, immer noch willkürlich, auch viel früher ansetzen: Wenn der Iran Hezbollah und Hamas mit Waffen und Geld versorgt und damit Kriege gegen Israel befördert, droht langfristig eine handfeste Auseinandersetzung zwischen Israel und Iran.€

    Der Frieden ist vorüber wenn der Krieg beginnt. Daran ist nichts willkürlich. Oder doch? Bedrohen Waffenlieferungen den Frieden? Aber dann sicher nur die des Irans an die Hamas. Die westlichen Lieferungen an Israel sind reine Friedenssicherung. Die Atombombe des Irans wird speziell für die Auslöschung des jüdischen Volkes gebaut, die israelischen dienen sicherlich nur der Abschreckung.

    „Das Bild von der Freundschaft zu Israel finde ich völlig unangebracht. Ich rede nicht so über meine Freunde. Und wenn meine Freunde sich so verändern, dass ich alle paar Wochen öffentlich über ihre Dämlich- und Bösartigkeit abkotze, dann sind sie irgendwann nicht mehr meine Freunde. Grass ist ja folgerichtig in Israel auch nicht mehr erwünscht.€

    Nun sind deine Freunde wahrscheinlich in der Mehrzahl kein demokratisches Kollektiv und Staaten sind keine persönlichen Freunde, sondern politische Akteure und natürlich redet man über die öffentlich. Den meisten Menschen dürfte auch der Zugang zu Bibi fehlen, um ihm seine Politik um die Ohren zu hauen. Und natürlich sollte man seine Freunde kritisieren dürfen und das bei Bedarf auch machen. Deswegen verstehe ich den Kritik diskreditierenden Ansatz der Doppelstandards nicht. Wenn sich Jemand aus meinem Freundeskreis sexistisch oder rassistisch äußert, werde ich ihn dafür sicherlich heftiger kritisieren, als irgendeinen Proll, dessen unangemessene Äußerung vielleicht genau so störend ist, von dem ich aber nichts anderes erwarte. Klar kritisiere ich Israel heftiger für die Missachtung humanitärer Belange oder Kriegsverbrechen, als ich das bei der Hamas machen würde. Das dies in Anbetracht der momentanen israelischen Regierung absurd sein mag, will ich nicht bestreiten, jedoch die Hoffnung stirbt zuletzt. Und ja, meine Hoffnung den entscheidenden Schritt zum Frieden zu gehen, ist eher eine Hoffnung auf die Menschen in Israel. Dort können die Menschen frei wählen und sind finanziell halbwegs so unabhängig, dass sie weniger Rücksicht auf die Herrschenden nehmen müssen, als dies in den palästinensischen Gebieten der Fall ist. Ihre Vergangenheit ist nicht nur durch den Holocaust geprägt, sondern auch durch die Werte der Aufklärung. Ich erwarte von meinem vierjährigen Sohn, dass er nicht in die Hose kackt und würde auch sicherlich mehr meckern, als beim Anderthalbjährigen, den ich noch windeln muss…

    Was mir übel aufstößt, ist der Satz „Grass ist ja folgerichtig in Israel auch nicht mehr erwünscht.€ Wenn Augstein oder Grass von Israel reden und die rechte Regierung meinen, dann wird das gern bestritten, natürlich müssen sie damit eigentlich die Juden meinen. Wenn aber gesagt werden soll, bei der jetzigen Regierung ist Grass nicht mehr erwünscht, dann kann man offensichtlich verallgemeinernd von Israel sprechen.

    Ich hab damit auch keine Fragen mehr. Dafür etwas mehr Mitleid.

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  8. Bonde’s avatar

    Das mit dem Mitleid hab ich überlesen, muss ja nicht sein.

    Deine Polemik trifft meinen Einwand nicht. Aus einer militärischen Kapitulation folgt noch kein Sinneswandel in der besiegten Bevölkerung. Die These, dass der Antisemitismus oder auch der Rassismus völlig spurlos verschwunden wären, müsste man halt mal ebenso untermauern, wie man das mit dem Gegenteil muss und wozu ich mich hier lange gemüht habe. Meinetwegen glaub das, dass es hierzulande nur noch aufrichtige Beschneidungsgegner und Israelkritiker gibt, das ist nur eben ne steile These, mindestens so steil wie die von der Transformation antisemitischer Feindbilder.

    Willst Du bestreiten, dass die israelischen Atomwaffen nur der Abschreckung dienen? Und willst Du bestreiten, dass es im Konflikt mit dem Iran um Israels Existenz als Staat geht und nicht um die des Iran? Willst Du bestreiten, dass es die Vernichtungsdrohungen gibt und dass sie einseitig sind? Will Israel etwa den Iran abschaffen und dort einen Kurdenstaat errichten? Oder war’s doch andersrum?

    Ich hatte von der „Bedrohung des Friedens“ gesprochen, die Israel ja vorgeworfen wird. Wo die anfängt, war deshalb auch die Frage, und die Antwort von Augstein und anderen ist absurderweise, dass jede Drohung und Handlung aus dem Iran ignoriert wird, die aus Israel aber als Anschlag auf den Weltfrieden gewertet wird.

    Dass das Bild vom „Freund“ unter Staaten nicht funktioniert, ist leider wahr, aber ich habe ja bereits gesagt, dass es unangebracht ist. Sei es drum: Wenn Dein Freund den einen Tag rassistisch, den anderen sexistisch, den nächsten gewaltgeil und den übernächsten dreist fordernd auftritt und Du ihm das jedes Mal vorhalten musst, dann ist er halt nicht mehr Dein Freund, zumal wenn Du zwischendrin schon nichts Gutes mehr an ihm finden kannst – und er an Dir übrigens gar kein Interesse hat. Augstein war übrigens noch nie in Israel, würde privat auch nicht hinfahren. Weil er nach Südafrika damals auch nicht gefahren wäre.

    Warum ich glaube, dass Grass und Augstein die Juden meinen, wenn sie Israel beschimpfen, habe ich glaube ich erschöpfend beschrieben. Das war ja der Punkt hier, der meinetwegen auch nicht allen einleuchten muss.

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  9. nuko’s avatar

    Moin!
    Bin von Liza rübergeschlittert und es gefällt mir hier hervorragend!
    Insbesondere schönen Dank dafür, dass ihr euch tatsächlich die Mühe macht, euch derart abzusabbeln und das Antisemitismus-Ding so zu erklären, dass ich nur noch den Link copy-pasten und an die schicken muss, die immer mit mir diskutieren wollen..nur bin ich so schrecklich maulfaul.
    Geil!

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  10. Atlantische Inseln’s avatar

    Wie sich der Islam zur Aufklärung so verhält sich diese Truppe zum Leninismus, sie ist die negative Aufhebung dessen. Die materialistische Kritik ist in dieser Theorie der Freundinnen zum Götzen geworden einer protoreligiösen Verschiebung vom hintersichgelassenen, historischen Materialismus, der in seiner Dialektik gänzlich unbegriffen als Geschichtsteleologie abgetan, niedergetrampelt wird, insofern sind sie nicht die materialistische Wendung stalinistischer Verballhornung der Methode hinter der Erkenntnis deutscher Ideologie, sondern die gleiche und andere Sublimierung des mataphysischen Bedürfnisses. Kann man getrost ad acta legen.

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  11. Atlantische Inseln’s avatar

    Dass du dich mit der Revolte der Enthemmten gemein machst, war abzusehen. Dein ganzes Blog als apokalyptischer Abgesang auf ein Leben, das einen mürbe und scheinbar abgeklärt gemacht hat, dessen Privilegien man zwar zäh gegen die Konkurrenten verteidigt, von dem man sich aber einredet, dass man es gern aufzugeben bereit wäre, wenn denn alle mitzugehen gezwungen wären, beinhaltet den ewigen Existenzkampf in der Horde gegen andere Horden als unhinterfragbaren Ausdruck von Freiheit.
    Die Einrichtung in einem Alltag, der einem nicht dauernd Bekenntnisse zu einer „Sache“ abherrscht und gerade deshalb erlaubt, von außen kommend und unbedingt draußen bleibend die toten Verhältnisse zu kritisieren, ist einem von manchen Intellektuellen scheinbar selbst gewählten permanenten Ausnahmezustand unendlich überlegen, in dem man sich frei vom Objektbezug als „der Kritiker“ und sein Tun als „die Kritik“ geheimnisumwittert in Szene setzt.

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  12. Atlantische Inseln’s avatar

    Ich weiss gar nicht was du willst. Der Zweck das jüdische Volk unter Zuhilfenahme der Staatsmacht zu schützen, verlangt eben auch eine Bevölkerungspolitik, die dafür sorgt das Israel den Herausforderungen des Kampfes gegen den Antisemitismus gewachsen ist. Nun ist fraglich, ob die geschilderten Maßnahmen dafür dienlich sind, aber die Notwendigkeit einer antinationalen Bewegung in Israel, also letztlich einer antiisraelischen Bewegung sehe ich nicht. Die Notwendigkeit Israels steht außer Frage.

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