November 2013

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Geld her!

Das Fan-Projekt Bremen ruft zu Spenden für einen im September im Ostkurvensaal schwer verletzten Mann auf. Radio Bremen berichtete damals so. Der Betroffene äußerte sich kürzlich im Fanszene-Forum.

Dem Spendenaufruf des Fanprojekts schließen wir uns an, der Mann braucht das Geld.

Liebe Werderfans,

wie sicherlich die meisten von euch wissen, gab es im September eine gewalttätige Auseinandersetzung im OstKurvenSaal. Dabei ist ein Rollifahrer schwer verletzt worden. Zur Finanzierung seiner Reha braucht er jede Unterstützung. Dafür haben wir ein Spendenkonto eingerichtet. Wir würden uns freuen, wenn ihr ihm eine Hilfe zukommen lassen könnt.

Sparkasse in Bremen
Kto. 81176448
BLZ 290 501 01

Fan-Projekt Bremen

Derzeit rätselt die Welt, warum Jassir Arafats Leiche laut Schweizer Wissenschaftlern Spuren von Plutonium aufweist. Wurde er ermordet? Von den Israelis? Ich möchte an dieser Stelle eine deutlich plausiblere Erklärung anbieten: Arafat war zum Judentum konvertiert. Denn: Jeder Jude hat den Messwert für Plutonium!

Das ist alles Plutonium!

Früher war alles besser. Jedenfalls bei den deutschen Progressiven, den Sozialdemokraten. Die triste Realität heißt Gabriel, Steinmeiner und Nahles – aber früher! Früher hatten sie Willy Brandt und Helmut Schmidt, der eine Emigrant, der andere Wehrmacht-Offizier. Besonders mit Willy Brandt verbinden sich hehre Ideale, und die hat man seit der Agenda 2010 nötiger denn je. Willy steht für den Fortschritt zu „mehr Demokratie“, er steht für die Zeit vor dem autoritären Helmut Schmidt, und er dient bei sich links verstehenden jungen Menschen als Symbol für die gute Sozialdemokratie. (Ostfront-Helmut bedient derweil die andere Klientel.)

Yasmina Banaszczuk, politisch engagierte Promoventin, ist mit großer Geste aus der SPD ausgetreten. Ihre Geschichte ist die des kraftvollen jungen Menschen, der an der Gleichgültigkeit der Mächtigen und der Beständigkeit der herrschenden Verhältnissen verzweifelt und aufgibt. Ihre Geschichte ist aber auch eine des persönlichen Scheiterns.

Ich führte unzählige Gespräche mit vielen Personen, auf verschiedensten Ebenen, ich schrieb an Anträgen mit, ich verteidigte die Partei, wenn irgendein Horst wieder irgendwas Bescheuertes sagte, ich rieb mich intern und extern auf. Ich wies auf Schwachstellen hin und lieferte immer konkrete Verbesserungsvorschläge mit. Ich lebte diese Partei.

[…]

Ich habe im vergangenen Jahr fünf Monate meines Lebens, und meiner Dissertation, für das Mitgliederbegehren in der SPD geopfert. Fünf Monate für die Diss, die ich mit hart Erspartem, Scheiße wegputzen auf Starbucksklos, teils zwei Jobs gleichzeitig und einer Episode ALG 1 und der ganzen verbundenen Demütigung auf der Agentur finanzierte.

[…]

Ich stand und stehe hinter vielen Inhalten der Partei. Aber anscheinend ist das nicht gut genug. Anscheinend ist das alles nichts wert.

[…]

Dieses System von Klüngelei, wo Wahlkampfjobs nicht nach Fähigkeit, sondern nach Buddyschaft vergeben werden.

Banaszczuk hat sich redlich bemüht, in der SPD etwas zu bewegen, aber sie hat es nicht geschafft. Während andere sich die Jobs zuschieben und von der Partei gut leben können, hat sie sich im von der SPD geschaffenen Niedriglohnsektor rumgetrieben, um ihr Partei-Engagement quer zu finanzieren. Das hat eine gewisse Komik, und es macht verständlich, warum sie gerade jetzt ausgetreten ist. Es ist offensichtlich, dass sie die Partei und ihre Strukturen nicht verstanden hat. Genau das hat Sigmar Gabriel nun einer Freundin von ihr vorgeworfen, und Banaszczuk fühlte sich mitgemeint:

Diese Internetaktivisten und Internetaktivisteninnen wären ja alle Berliner Intellektuelle, die keine Ahnung von Lebensrealitäten und „richtigen“ Wahlkreisen hätten, erklärte er Kathy Meßmer, mir und nebenbei auch dem versammelten Publikum. Und da ist irgendwas in mir zerbrochen.

Da ist etwas in ihr zerbrochen, weil er recht hat. Wer in den anderthalb Jahren vor einer Bundestagswahl sein Leben einer Partei opfert und dabei nichts für sich abgreift, nichts wird, der hat etwas falsch gemacht. Und wie! Ein „wissenschaftliches Papier“ hat sie verfasst, in dem sie Bourdieu zitiert und sich dann wundert, dass Andrea Nahles ihr darauf nicht antwortet. Reminder: Andrea Nahles. Bourdieu. Das klingt platt, aber es stimmt: Banaszczuk spricht die Sprache der Partei nicht und hielt es auch nicht für nötig, sie zu lernen.

Das liegt auch an der schieren Arroganz der selbsternannten Netzaktivisten. Gabriel hat völlig recht, wenn er darauf so reagiert wie hier:

„Das Internet ist mein Lebensraum, mein Aktionsfeld, meine politische Bühne“, und sie, Kathy Meßmer, würde Sigmar Gabriel gerne einmal „an der Hand nehmen“, um es ihm zu zeigen. Gabriel quittierte das, ganz ruhig übrigens, so: „Ich würd€™ Sie gerne mitnehmen in die Welt außerhalb des Internets.“ Daraufhin Kathy Meßmer: „Oh, ich glaube, die kenn€™ ich.“ Gabriel: „Ne, ich glaube, das kennen Sie nicht. Ich habe große Zweifel, ob Sie in der Welt, die Sie zu Ihrer erklärt haben, diese Welt, über die ich rede, kennen.“

Es handelt sich um dieselbe Veranstaltung, auf der Banaszczuk das Herz gebrochen wurde, dieses Mal von der FAZ beschrieben. Die zeigt sich verwundert über die Empfindlichkeit in der Netzwelt.

Dabei ist es ja wirklich bitter, wenn man alles besser weiß und dann merken muss, dass das aber niemanden interessiert. Wieso die Leute, die aus unerfindlichen Gründen so stolz auf ihre Internet-Nutzung sind, in der SPD nichts werden, könnten Banaszczuk und Konsorten in ihrem Bourdieu nachlesen. Aber vom eigenen Habitus will die gute Frau nicht reden, nur von dem der anderen Sozialdemokraten. Die FAZ hilft nach:

Als „Netzaktivistinnen“ gehören die beiden Frauen in der Tat einem speziellen Milieu an, in dem nämlich so getan wird, als ob Aktivitäten im Netz noch von einer ganz anderen Qualität, ja, Dignität wären, die nur ihnen zugänglich ist, mutiger, redlicher, authentischer und transparenter als jede andere.

Und vorher:

Muss man gleich aus einer Partei aus- und einen Entrüstungssturm lostreten, weil deren Vorsitzender zu einer Mitstreiterin gesagt hat, sie, die Mitstreiterin, habe nur Ahnung von der Welt, in der sie sich bewege? Milieuzuschreibung ist doch ein ganz normaler Vorgang.

Das Ding ist: Milieuzuschreibung macht nur Spaß, wenn man andere auf ihr Milieu reduzieren kann, nicht wenn es einem selbst passiert. Deshalb reden Sozialpädagogen und -demokraten so gerne über die Unterschicht; deshalb treten Leute in die SPD ein, um den verstaubten Politikern zu zeigen, wie Politik gehen müsste. Die Partei nimmt solche Leute gerne mit, und sie hat mit Willy Brandt die perfekte Figur geschaffen, um sie weiterhin anzuziehen. So zitiert Frau Banaszczuk noch in ihrem Austrittstext den Großen Vorsitzenden von Seite 1 des Parteibuchs: „Die Sozialdemokratie muss sich als Volkspartei ständig erneuern. Nur so kann sie sich als bewegende Kraft bewähren.“ Wer solche Allgemeinplätze als Aufforderung zum Handeln versteht, ist allerdings selber schuld.

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PS: Ich werde mich in den nächsten Tagen bemühen, diese Sätze in meine Alltagskommunikation einzuflechten:

Ich kann das alles in meinem Wertesystem nicht weiter tragen.

Der letzte Tropfen, der das Fass voll Frust und Resignation und Verzweiflung und “ ja, auch “ Verletzung zum Überlaufen brachte, war…

Ich wies auf Schwachstellen hin und lieferte immer konkrete Verbesserungsvorschläge mit.

All die kleinen und großen Steine, die mir und anderen auf verschiedensten Ebenen und Gliederungen in den Weg gelegt wurde, […] steckte ich weg.

Ich trat einst in die Partei ein, weil ich Ideale hatte