Articles by Bonde

Ziemlich hübsch.

WM

Nachdem ich die WM mal wieder mit einem aufregenden sportlichen Ereignis verwechselt hatte, überkam mich nach dem ersten Spieltag der dringende Wunsch, in allen meinen Tipps die Anzahl der geschossenen Tore pro Team zu halbieren. Und heute ist klar: Ich hätte immer noch viel zu viele Tore getippt. Das liegt aber vor daran, dass im Moment die Auftaktspiele gespielt werden, und es in Vierergruppen nun mal rechnerisch so ist, dass eine Niederlage im ersten Spiel richtig große Scheiße ist. Bei manchen Konstellationen bedeutet sie schon fast das Aus. Da packt die Trainer die Angst, und man startet lieber mit einem Unentschieden, weil der Gegner dann auch nur einen Punkt kriegt und erstmal noch alles drin ist. Es sei denn, man spielt gegen Australien. Dann empfiehlt sich ein beherzter Angriffsfußball, vorausgesetzt man hat Mesut Özil in seiner Mannschaft. Ohne die Spanier gesehen zu haben muss man bis jetzt leider feststellen, dass alle Mannschaften langweilige Spiele geboten haben, viele davon wirklich ärgerlich öde waren, und nur die deutsche Mannschaft bisher ein bisschen Spaß gemacht hat. Ja, Spaß, obwohl sie gewonnen haben, schlimm war das, und vielleicht wird es noch schlimmer. Vielleicht ist diese junge spielfreudige Mannschaft tatsächlich die sympathischste der WM. Nur vielleicht. Vielleicht verlieren sie auch in einem Mittelfeldgewürge gegen Serbien und Mesut holt sich nach einer Tätlichkeit eine rote Karte ab. Aber eher nicht. Dazu kommt die Problematik, dass ich nichts gegen Özil, Marin und Mertesacker habe, eigentlich finde ich die sogar ziemlich cool. Müller find ich auch toll, und Podolski hätten wir echt mal kaufen sollen. Manchmal denke ich, dass man sich bei einer WM nicht nach weltanschaulichen Gesichtspunkten orientieren kann. Ich denke das aber nur, wenn gerade keine deutschen Autokorsos vorbei fahren.

Richtig sauer bin ich über Frankreich, das schon ein paar fähige Leute zur Verfügung hat und dann einen abstoßenden Altherrenfußball spielt, der mich als Betrachter persönlich beleidigt. Vorne stand Anelka, dann kam einer mit dem Ball und schon waren sie zu zweit. Gegen sechs Verteidiger. Wenn Frankreich ins Halbfinale kommt, ist das eine Niederlage für die Welt.

Besser: Argentinien. Messi war gut und kann noch viel besser. Ein frühes Tor hilft enorm, deshalb war das Spiel gegen schwache Nigerianer ganz erträglich. Dass die letzten fünf Minuten trotz deren Rückstand in der Hälfte der schrulligen Scharia-Boys stattfanden, sagt alles.

Griechenland ist raus! Entgegen meiner ersten Analyse können die Griechen kein antideutsches Potential mehr haben, weil sie von den Antiimps geentert wurden. Auf jeder linken Demo rennen die schlimmsten Sozialisten mit griechischen Fahnen rum, und das war auch schon sichtbar geworden, bevor ich die Griechen hier beworben habe. Ein vermeidbarer Fehler, sagt man im Tennis. Dass auch meine sportliche Einschätzung der Kriechenden falsch war, räume ich ganz offen ein. Es geht alles den Bach runter mit den Griechen.

England kommt noch.

Schade ist es um Kamerun, weil sie wohl ausscheiden werden, schade ist es auch um Holland, weil sie so enttäuscht haben. Italien spielt wie 2006, nur schlechter. Und die Elfenbeinküste schließt sich den anderen enttäuschenden Afrikanern an, wobei Ghana immerhin gewonnen hat und auch taktisch ganz überzeugend war.

Es war halt alles ein großes Elend bisher, von den Vuvuzelas will ich hier gar nicht anfangen.

Gruppe E

Nachdem mein Antrag, die WM um vier Tage nach hinten zu verlegen, abgelehnt wurde, geht es doch heute schon mit Gruppe E weiter. Tolle Gruppe! (Die anderen Gruppen und das ganze Tralala findet Ihr hier, und da kommentiert Ihr bitte auch.)

Mit der Gruppe E verabschiedet sich auch Euer Moderator Peter Bonde von Euch, die drei weiteren Gruppen werden von Experten betreut, und ich melde mich anschließend mit einem Fazit zurück!

Gruppe E

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Niederlande

1. Die Niederlande sind ein ganz, ganz mieser Flecken Erde. Erst schön einen auf dicker Kolonist machen, und dann – wenn es um was geht, Stichwort Weltkrieg – die Schweizer Karte ziehen und sich aus dem Staub machen. Ich kriech das Kotzen ey!

Über das 17. Jahrhundert weiß Wikipedia:

Die Republik wurde von einem Patriziat (Regenten) – bestehend aus wohlhabenden Bürgern und Adeligen, welche schon im ausgehenden Mittelalter in die Städte einwanderten – regiert und nicht von einem König oder hohen Edelleuten.

Na toll, das ist ja ein feines Völkchen, wo das Geld regiert anstatt derjenigen, die rechtmäßig das Sagen zu haben hätten. Wundert hier jetzt auch keinen, dass die damals auch New York gegründet haben, erstmal unter einem Tarnnamen natürlich, is klaaa.

Aber das war noch gar nicht das Schlimmste! Im Ersten Weltkrieg waren die Niederlande auf folgender Seite aktiv: GAR KEINER! Ich werd bekloppt! Einfach schön neutral abgewartet, zwischendrin zynischerweise noch einen Kartoffelaufruhr (echt jetzt! googlets!) inszeniert und am Ende, am Ende haben sie den Kaiser Wilhelm Zwo direkt unter Vertrag genommen, den Kriegstreiber, und in Deutschland schön Platz für Hitler geschaffen, auch wenn Historiker das natürlich heute wieder anders bewerten, ist ja klar, logisch. Hier lest Ihr aber trotzdem die Wahrheit!

Dann: Zweiter Weltkrieg. Na, was machen die berglosen Idioten? Genau: wollen wieder einen auf Schweizer machen, klappt aber diesmal nicht. Also doch einmal kämpfen, sogar gegen die Richtigen, aber bitte nicht länger als drei Tage. Ja, drei Tage, meine Güte, haben die damals schon mit leeren Bierflaschen geworfen und Lieder gesungen? Lappen. Anschließend haben sich 60.000 Holländer freiwillig für die Waffen-SS gemeldet. Früher hat man das mal verurteilt, bevor es mit Günther Grass ein Kavaliersdelikt wurde, naja.

Wie kommen also einige Leute darauf, dass Holland antideutsches Potenzial hätte, hä? Durch die ganze liberale Kacke, die ihnen in den letzten Jahren längst um die Ohren geflogen ist? Durchs Kiffen? Da lach ich doch über!

So, jetzt war ich eigentlich fertig, aber dieser Internationale Gerichtshof, der ist auch scheiße!

Also worum kann es nur gehen, wenn man die Niederlande gegen den deutschen Furor in Stellung bringt? Um Fussek, logisch. Aber ist Fußball wirklich wichtig? Natürlich, natürlich. Und dann hat der Rijkaard auch noch dem Völler in die Haare gespuckt. Das war, symbolisch, die größte Demütigung, die deutsche Hausfrauen jemals hinnehmen mussten. Wie dieser dunkelhäutige Holländer der Tante Käthe in die Haare spuckt! Großer Sport, zugegeben. Aber: Stimmt das denn auch? Ist Spucken nicht viel mehr die widerlichste Respektlosigkeit, die man einem anderen Menschen gegenüber zeigen kann, ohne Gewalt anzuwenden? Denkt da ruhig mal drüber nach, mit Eurer behinderten Rijkaard-Jugend, meineherrennocheins!

Bleibt die Abneigung, die in Deutschland gegenüber den Holländern gepflegt wird. Halb so wild, sag ich! 48% der Berliner glauben, dass die Niederlande ein Bundesland der BRD wären, zumindest schätze ich das. Damit steht das Land kurz vor einer freundlichen Übernahme durch Völkerverständigung und sanften Nationalismus. Holland ist das neue Österreich.

2. Puh, die sind natürlich schon ganz gut, Mittelfeld und Sturm sind Weltklasse, die Abwehr auch nicht schlecht, und wahrscheinlich verstehen die sich auch noch alle gut und spielen gut zusammen, alles tutti also, wie der Italiener nicht sagt. Robben ist noch verletzt, das muss aber nicht so bleiben.

3. Boulahrouz, Mathijsen, v.d. Vaart, de Jong, Elia.

Dazu noch Robben, der sein ewiges Gemecker und Geflenne leider trotz Topleistungen nicht wieder gut machen kann. Ich finde die scheiße, auch ihr Operettenpublikum nervt, obwohl die Trikots toll sind.

Fazit:
Bis mir das mit den ganzen HSVern aufgefallen ist, wollte ich eigentlich für Holland sein. Naja, hatte sich dann halt erledigt. Möchte mich aber für meine Ausfälle oben entschuldigen und sagen, dass ich wahrscheinlich doch auch für Holland bin.

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Dänemark

1.

Den ganzen Tag aufs Meer rausstieren
ab und an mal klimakonferieren –
so leben Dänenfrau und Dänenmann
dass man sich nicht beklagen kann.

Der Däne ist lustig, er karikiert -
und der Islamist, der ist pikiert.
Doch bleibt Dänemark froh und frei
trotz so mancherfrecher Axterei.

Die Löhne sind hoch in diesem Staat,
sieht neidisch der deutsche Sozialdemokrat.
Dem ne Mark und dem ne Mark,
Ganz Dänemark ist Freizeitpark.

Gegen Deutschland regt sich
hier nichts, man wohnt fast in Schleswich.
Nein, hier ist nichts faul, hier liegt keiner und bräunt sich
so wird man Europameister, Neunzehnzweiundneunzich.

Epilog:

Maria, Maria, wo bist Du geblieben?
- “Ich bin in Dänemark, bis viertel vor sieben!”

2. Dänemark ist ein böhmisches Dorf, nur viel größer. Für mich. Wahrscheinlich sind sie ziemlich gut, schließlich haben sie die Qualifikation vor Portugal beendet. Der Kader aber ist Mittelmaß mit ein paar Ausreißern. Daniel Jensen kuriert professionell Verletzungen bei Werder Bremen aus, könnte nun also vielleicht fit und in Form sein, dann ist er ziemlich gut. Im Sturm spielt der Superstar, Nicklas Bendtner von Arsenal London, aber auch Sören Larsen vom – Zebrastreifen weiß und blau! Ein jeder weiß genau! Das ist der M S V! Duisburg. Zweite Liga.
Liverpool, Turin und Wolfsburg sind auch vertreten, ein gewisses Niveau wird also erreicht. Das Achtelfinale ist auf jeden Fall drin, angesichts eines Gegners aus Gruppe F auch das Viertelfinale, und dann ist sowieso alles möglich.

3. Toll, die Dänen. Die kann man nur gut finden, was 82 Millionen Deutsche denn auch tun. Insofern ist keine Abgrenzung zu machen, aber muss ja auch nicht. Danish Dynamite, das klingt wie Göttingen Supertigers, geht aber auch als witzig durch.

Fazit:
Dänemark fühlt sich gut an, sympathisieren erlaubt, küssen verboten.

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Japan

1. Japan ist ein bisschen wie ein Psychopath, den man sympathisch und lustig findet, solange er keine Menschen umbringt. Alles ist WTF und OMG. Dabei können die Japaner selbst ihre irren TV-Sendungen gar nicht angucken, weil sie entweder gerade arbeiten oder Selbstmord begehen, damit sie nicht mehr arbeiten müssen. Japan ist trotz oder wegen der ganzen Arbeit und Disziplin tiefer verschuldet als die Redaktion von verbrochenes.net.

Bevor wir hier jetzt lange über Sushi und die ganze Klischeescheiße reden, eine Abkürzung: Arbeit und Krieg waren die Eckpunkte der japanischen Politik, bis amerikanische Atombomben dem Krieg seinen guten Ruf versaut haben. Bis dahin wurde fröhlich in allen Ecken Ostasiens gemordet und gemetzelt, weit weg von Europa und doch schließlich mit denselben Gegnern wie das Deutsche Reich. Interessanterweise haben wir dann in der Schule alle gelernt, wie schlimm die Atombombenabwürfe waren, wieviele Opfer sie hatten, wie unnötig sie waren und was die Amerikaner für Drecksäcke sind. Die Solidarisierung der Deutschen fand also auch Jahrzehnte später noch statt. Erhellendes über den Krieg im Pazifik könnt Ihr hier lesen.

2. Wer in der vierten Qualirunde mit 15 Punkten weit hinter Australien (20) liegt, kann so stark nicht sein. Im Kader befinden sich ganze drei Legionäre, einer spielt in Wolfsburg. Bei einer WM kann man immer mal Glück haben, und am Einsatz wird es bei den Japanern nicht mangeln, aber das Achtelfinale ist unwahrscheinlich, das Viertelfinale schon unmöglich. Der Stil der Japaner ist schrecklich, wenn ich “Laufbereitschaft” nur höre, wird mir ganz anders.

3. Es gibt ja Leute, die mögen Japan und seine von ihnen dann etwa als “ausgeflippt” beschriebene Kultur. Der ferne Osten ist naheliegenderweise Projektionsfläche für Fernweh und Realitätsflucht, und Japan bietet tatsächlich viele Dinge, die man auf Englisch als “outlandish” bezeichnen würde. Aber meine Sache ist das nicht.

Fazit:
JAPAN NAZIS MUST DIE!

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Kamerun

1. Das hier ist der erste deutschsprachige Text über eine WM-Teilnahme Kameruns, in dem Roger Milla nicht erwähnt wird. Kamerun war deutsche Kolonie, bis es im Ersten Weltkrieg an die Franzosen und Briten fiel. Die großen Massenmorde in Afrika, die das Deutsche Reich begangen hat, geschahen allerdings woanders.

Wie es damals zuging, lässt sich in zwei Bildern beschreiben:

Ein Vorschlag für eine neue Flagge Kameruns.

Gouverneur Jesko von Puttkamer

In Kamerun weiß man also, was es heißt, sich von bunt geschmückten quasi-Neanderthalern in deutscher Sprache herumkommandieren zu lassen. Deshalb gilt den Genossen schon einmal volle Solidarität. Auch den Umgang mit Winfried Schäfer muss man loben, obwohl einige seine Einstellung kritisiert haben. Nur so hatte man aber die Möglichkeit, das Arschloch zu entlassen. Kamerun hat es natürlich schwer, ist selbstverständlich bitterarm, aber augenscheinlich geht es dort nicht so finster zu wie anderswo, und deshalb hat Kamerun von mir ein klares Ja.

2. Die Mannschaft ist solide, mit einem Superstar: Samuel Eto’o. Er ist easily einer der erfolgreichsten noch aktiven Spieler:

* UEFA Champions League: 2006, 2009 (FC Barcelona), 2010 (Inter Mailand)
* Goldmedaille beim Olympischen Fußballturnier: 2000
* Afrikameister: 2000, 2002
* Weltpokal: 1998 (Real Madrid)
* Copa del Rey: 2003 (Mallorca), 2009 (FC Barcelona)
* Spanische Meisterschaft: 2005, 2006, 2009 (FC Barcelona)
* Italienische Meisterschaft: 2010 (Inter Mailand)
* Italienischer Pokalsieger: 2010 (Inter Mailand)

Wenn auch der Rest der Mannschaft ein paar gute Wochen erwischt, kann Kamerun ebenso wie Dänemark aufs Achtelfinale und mehr hoffen. Durch die Qualifikation sind sie jedenfalls durchspaziert. Trainer Paul Le Guen war früher bei Olympique Lyon und hat der Redaktion so die wahrscheinlich schönste 2:7 Auswärtsniederlage aller Zeiten beschert. Ich hatte Spaß.

3. Ja, es gab die Trikots ohne Ärmel. Ich will da gar nichts schönreden, aber man muss auch mal vergessen können! Und der Spitzname “Die unbezwingbaren Löwen” ist nicht albern, sondern authentisch.

Fazit:
Als Opfer des deutschen Kolonialismus verdient Kamerun Solidarität, aktuellere Befunde sprechen sanft für Kamerun. Kann man mal gutfinden!

Die immer weiter steigenden Mieten in den Berliner Innenstadtbezirken führen jetzt zu einem neuen Trend. Nachdem auch die in Amerika üblichen Trailer Parks für Wohnwagen vielen Menschen zu teuer sind, nimmt das städtische Wohnen ganz neue Formen an:

Zynischerweise heißt dieses Modell der neuartigen Wohndecken auch noch “Villa”, der blanke Hohn für die Menschen, die ihre schnucklige Wohnung im Prenzlberg gegen eine solche Decke eintauschen mussten und von einer echten Villa nur träumen können. Mit einem Quadratmeterpreis von knapp 10 Euro bewegt sich die Wohndecke zumal auch preislich im Bereich der aufgewerteten Bezirke, sie ist halt nur viel kleiner.

Nach dem an Verlierern gewiss nicht armen Zwischenfall im Mittelmeer mit zahlreichen Toten und Verletzten zeigen sich nun auch in der deutschen Politiklandschaft Kollateralschäden.

Die drei (ex)Bundestagsabgeordneten der Linkspartei, die beim Angriff auf die IDF-Blockade mit an Bord waren, wurden in Berlin wie Helden von ihrer Partei empfangen. Norman Paech durfte in den Tagesthemen einmal mehr sein antisemitisches Altherrengeschwurbel loswerden, gewohnt wirr und völlig abseits jeder Realität. Doch mit den drei Freaks auf Feindfahrt war es noch lange nicht getan, auch die Vorsitzende der Partei, Gesine Lötzsch, feierte ihre Genossinnen: “Wir sind stolz!” Und der ehemalige starke Mann, Gregor Gysi, protestierte gegen den Militäreinsatz, bevor er irgendetwas über ihn wusste. Dabei hatte Gysi vor Monaten noch gefordert, die Linkspartei müsse ihr Verhältnis zu Israel überdenken, und dabei eine moderatere Form der Israelschmähung angemahnt, als sie die Irren in seiner Partei in der Regel praktizieren. Das alles ist nun offensichtlich passé, nachdem Paech, Groth und Höger sich nicht nur an dem Angriff auf Israels Sicherheit beteiligt haben, sondern anschließend wie beschrieben von ihrer Partei dafür gefeiert wurden. Dank der prächtigen PR, die das für die Partei mit sich gebracht hat, dürfte man hier also sehr zufrieden sein mit sich und der Aktion, bei der 9 Menschen starben.

Die Verlierer stehen auf der anderen Seite der Linkspartei: der Bundesarbeitskreis (BAK) Shalom ist ein Teil der Nachwuchsorganisation der Linkspartei, der Linksjugend. Er hat sich gegründet als “Plattform gegen Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus” und in den letzten Jahren beharrlich aus der Linkspartei heraus gegen Menschen wir Norman Paech angeschrieben und geredet. Dabei haben sie viel Beachtung genossen, schließlich ist die Idee ganz erstaunlich, in dieser Partei und gleichzeitig israelsolidarisch zu sein. Nun hat sich einmal mehr herausgestellt, dass sie auch nicht funktioniert. Das war aber keineswegs notwendig so, auch wenn es immer wahrscheinlich war.

Es spricht zunächst einmal nichts dagegen, dass eine Partei gegen Hartz4 und für Israel, gegen Kapitalismus und für eine sichere Heimstatt für die Juden ist. Die Überzeugung, dass eine Gesellschaft sich besser organisieren kann als unsere, ohne dass vorher die Juden dran glauben müssen, ist ja nicht gerade abwegig. Dass eine Partei dieses Ziel besser durchsetzen oder zumindest beim Weg dahin mithelfen kann, ebenfalls nicht. Es hat sich nur einmal mehr gezeigt, dass die Linkspartei nicht diese Partei sein kann, weil ihre Ausrichtung eine andere ist und die überwältigende Mehrheit ihrer Mitglieder und Führungskader genau dem regressiven Antikapitalismus anhängt, den der BAK Shalom zu bekämpfen angetreten war. All das, wogegen sie sich richten, sind konstituierende Elemente dieser Partei.

Wenn es einen Kampf um die Ausrichtung der Linkspartei im Nahostkonflikt gegeben hat, dann hat der BAK Shalom ihn verloren. Das ist nicht erst letzte Woche passiert, aber letzte Woche wurde es für jeden offensichtlich. Umso schmerzhafter dürfte es gewesen sein, erneut eine der üblichen Erklärungenz zu verfassen, in der die Antisemiten an der Spitze der Partei, die sich zuvor mit Blumensträußen im Karl-Liebknecht-Haus selbst gefeiert haben, kritisiert werden. In der Erklärung werden hauptsächlich Fakten referiert, etwa über die gewalttätigen Islamisten an Bord des Schiffes, die antisemitischen Gesänge, den üblichen Sexismus; sie haben den senilen Quatsch, den die drei Parteigenossen hinterher geredet haben, denunziert und sie haben die politischen und militärischen Hintergründe der Blockade erläutert.
Als ob es um die Fakten ginge! Als ob Aufklärung helfen würde! Antisemitismus funktioniert da, wo die Fakten zugunsten einer Projektion beiseite geschoben werden; nicht nur da, wo es an Faktenkenntnis mangelt. Norman Paech würde dem Selbstmordattentäter, der vor seinen Augen “Tod den Juden!” ruft und dann zwanzig von ihnen in die Luft sprengt, noch sein Beileid ausdrücken, bevor er dessen gute Absichten erläutern und jeden antisemitischen Hintergrund der Tat leugnen würde. Und weil das auch für den großen Rest der Linkspartei gilt, ist der BAK Shalom mit seiner Strategie gescheitert.

Am Samstag werden die, die sich außerhalb der Linkspartei “gegen Antisemitismus, Antizionismus, Antiamerikanismus und regressiven Antikapitalismus” aussprechen, also das antideutsche israelsolidarische Spektrum, vor deren Parteizentrale gegen die Linkspartei demonstrieren. Der absolut lesenswerte Aufruf zur Demonstration findet sich auf den Seiten der Redaktion Bahamas. Es ist nicht ganz frei von Ironie, dass gerade jetzt eine antideutsche Demonstration gegen den Antisemitismus der Linkspartei stattfindet, als die Antideutschen in der Linkspartei endgültig gescheitert sind.

Hier gibt es einen Ausschnitt aus einem Interview mit Henning Wötzel-Herber, im Internet und hier im Blog als “plastikstuhl” bekannt, der über seinen bevorstehenden Austritt aus der Linkspartei und seine Gründe dafür spricht.

Die Einleitung, Erklärung und der Beginn dieser Serie finden sich hier. Dort kann und soll auch kommentiert werden. Danke!

Gruppe D

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Deutschland

1. In Deutschland regiert das Kleinbürgertum, genau genommen ist Deutschland das Land des Kleinbürgertums. Der aktuelle Umweltminister wurde in einer Zeitung überschrieben mit “Ein Intellektueller im Umweltministerium” (aus dem Gedächtnis zitiert.) Die Überschrift macht nur Sinn, weil der Rest des Kabinetts aus Trotteln und Schmocks besteht, die Intellekt mit Selbstgerechtigkeit ersetzen und in jeder Rolle Spaß haben, weil sie keine Ahnung haben. Das Parlament besteht aus Lehrern und Anwälten, erstere wissen über jeweils drei Themenfelder ungefähr ein Drittel von dem, was in einem Schulbuch von 1970 darüber zu lesen ist; und letztere konnten früher mal ein paar Gesetze auswendig, heute können sie besonders fundiert das Grundgesetz loben.

Von diesen Leuten wird Deutschland also ein bisschen hin und her regiert, so mancher Trend von Umweltschutz bis Abtreibung wird mal besprochen, und den finanziellen Sachzwängen wird natürlich auch entsprochen. Komischerweise ist dieses ausgesprochen dumpfe Schauspiel Gegenstand vielfältiger Berichterstattung von Leuten, die deutlich klüger sind als die, über die sie schreiben. So baut sich im zweiten Level bzw. auf der vierten Säule eine große Lupe auf, die alles, was unter ihr passiert, viel größer erscheinen lässt. Großes Theater passiert, und die Leute schauen immer noch gespannt zu, wenn im Reichstag die Lindenstraße nachgespielt wird.

Die Kleinbürger verwalten die Nation und das Anhängen an derselben. In den Gewerkschaften träumt man auch 65 Jahre nach Hitlers Kopfschuss noch von der Volksgemeinschaft, in der Arbeit und Kapital zusammengehen. Die Arbeitgeber lachen sich krumm und schief und senken die Löhne mit dem Argument des nationalen Standorts. Was gespart wird, wird eingesteckt, richtig so. Die kleinen Entscheider sorgen dafür, dass alles im Konsens passiert. Die Arbeiterklasse wird langsam abgeschafft, erstmal kommt die Hauptschule weg, dann Opel und am Ende sind alle irgendwie geschäftig unterwegs von hier nach da, können auch das Internet benutzen und tun so, als ob.

Kleinbürger sind die zivilisiertesten unter den Ungebildeten, und deshalb ist auch der Antisemitismus hierzulande so zivilisiert. So ein Massenmord ist doch ziemlich unappetitlich, das weiß man, trotzdem sind die Juden dem Deutschländer nicht geheuer. Das Ergebnis ist der verdruckste Antisemitismus, der immer einen Anlass braucht, um loszubrechen, und der sich auch dann immer rückversichert mit gewissen Einschränkungen bezüglich seiner Konsequenz. Gerade heraus sagt keiner, dass die Juden die Fresse halten sollen, nur “der Friedman” eben. Es sagt auch keiner, dass Israel weg muss, man kritisiert eben nur alle Maßnahmen, die Israels Verschwinden verhindern. Das ist nicht ganz ungeschickt, aber es ist eine unbewusste Geschicklichkeit, die der verschämte Judenhass so hervorbringt.

Wichtig ist in Deutschland, dass es große Portionen gibt. Nicht Geld, auch nicht Spaß, sondern Essen. Das muss nicht schmecken, das muss aber in großen Portionen kommen und billig sein. Das hat man sich verdient. Ansonsten, so die landläufige Meinung, hat man sich nicht viel verdient, obwohl hier soviel Reichtum wie kaum irgendwo produziert wird. Man will genügsam sein. Vielleicht eine neue Couchgarnitur nächstes Jahr. Aber erst den großen Fernseher. Wenn das mit dem Urlaub diesen Sommer dann nicht klappt, dann lieber doch keine Couch. Jedenfalls nicht jetzt. Der Bierkonsum sinkt. Der Absatz von Maschinenbauern auch, dafür steigt der Geschäftsklimaindex. Der Arbeitsmarkt ist überraschend stabil, aber das Haushaltsdefizit explodiert. Alle Jugendlichen haben einen Ausbildungsplatz, toll – aber was ist mit den Langzeitarbeitslosen? Schulden vom Staat sind Vermögen von Privatpersonen. Muss man auch mal sehen. Der Autoindustrie geht es gut. Der Milchpreis steigt, der Ölpreis fällt, ebenso wie die Auflage der “Bild”. Egal, jetzt ist WM.

2. Und da fängt der Ärger an. Die deutsche Offensive ist eine starke, Podolski brennt schon wieder, Özil ist Weltklasse und ein guter Stürmer wird sich auch noch finden. Marin auf der Bank, Müller auf dem Platz, herrje, das ist alles ziemlich aufregend. Dahinter Schweinsteiger und Khedira, der anscheinend auch ganz gut ist, ich weiß das nicht. Ballack ist alt, und die Nachkommenden sind ehrgeizig, konzentriert und erfahren. Das kann klappen. Hinten sieht es nicht so gut aus, aber auch nicht schlecht. Badstuber war im CL-Finale die blanke Angst, und Arne Friedrich spielte jahrelang bei Hertha BSC. Das kann trotzdem gutgehen. Manuel Neuer wird mindestens ein Gegentor klar verschulden, das kann ein entscheidendes sein, muss es aber nicht.

Im Achtelfinale ginge es gegen England oder die USA, insofern in Gruppe C nichts Merkwürdiges passiert. Rule, Britannia!

3. Katastrophe. Deutscher Nationalismus kommt wieder als Pop daher, als ganz schlechter natürlich. Unter dem Titel “Deutschland abreißen!” hat die Redaktion, die Gesetzesverstöße strikt ablehnt und aus praktischen Gründen auch ihren Leserinnen vom Begehen derselben abrät, folgenden Katalog entwickelt:

Autofähnchen: 1 Punkt
Tröten und so: 1 Punkt
Große Fahnen: 3 Punkte
Riesige Fahnen: 10 Punkte
Shirts, Pullis usw.: 10 Punkte
Nazifahnen: 20 Punkte

Vom Zusammenhang von Volltrottelkostümen und Nationalismus war hier schon vor zwei Jahren die Rede, und das stimmt immer noch alles. Los, lest das jetzt nochmal.

Ganz doof auch, dass mit Özil, Marin, Wiese und Merte vier so Vollschnuckis aus Bremen dabei sind, denen man schwer etwas Schlechtes wünschen kann. Schwer, aber nicht unmöglich. Wenn Özil eine gute WM spielt, geht er ohnehin. Und wenn er eine schlechte spielt, kann er meinetwegen auch bleiben. Marin sitzt auf der Bank, Wiese auch, und Mertesacker tut auch keinem weh.

Fazit:
Sportlich sieht das alles leider gut aus, aber das Losglück wird uns einen antideutschen Triumph im Achtelfinale bringen. Just great! Vorfreude!

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Australien

1. Ich weiß nicht, ob es noch irgendwie uninteressanter geht als Australien. Man kann da lernen, sich von hinten an ein Känguruh anzuschleichen und ihm mit dem Messer die Kehle durchzuschneiden. True Story! Außerdem ist das, was die Aborigines mit den Deutschen machen, auch nichts anderes als das, was die Palästinenser mit den Indianern damals gemacht haben!

2. Mark Schwarzer, der erste unter den Fulham 11, ist über jeden Zweifel erhaben, der Rest der Australier dagegen ist völlig wehrunfähig und wäre mit einem eckigen Ball gut bedient.

3. Da muss mir gar keiner mit dieser Surferscheiße kommen, mit dem tollen Lifestyle und dem lustigen australischen Akzent. Australier sind selbstgerechte Arschlöcher. Jedenfalls die, die ich nicht kenne. Die meisten versuchen verzweifelt, die Insel zu verlassen, um dann aus unerfindlichen Gründen zurückzukehren.

Fazit:
Schade, dass so ein langweiliges Land mit seiner Graupentruppe in der deutschen Gruppe gelandet ist.

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Serbien

1. Das antideutsche Potenzial der Serben ist groß, wenn auch bekanntermaßen nicht groß genug:

Landstreitkräfte

* Kampfpanzer

o M-84, M84A – 212
o T-72M – 13 (werden außer Dienst gestellt)

* Schützenpanzer / Transportpanzer

o M-80/M-80 A – 320
o BOV – 137
o M-60P (APC) – 147 (werden/sind ausgemustert)
o BRDM-2 – 88

* Artillerie

*
o 2S1 (122-mm-Haubitze, Selbstfahrlafette) – 72
o M56 (10- mm-Haubitze) – 162 (Langzeit-MatE)

*
o M69 (81/82-mm Mörser) – 385 (Langzeit-MatE)
o M75 (120 mm) – 205

*
o M-63 Plamen (MLRS) – 20
o M-77 Oganj (MLRS) – 60

* Flugabwehrraketen-Systeme

o SA-7 Grail – 108
o SA-18 Grouse

* FLAK

o BOV-3 – 63
o L/70 BOFORS mit Giraffe Radar-60

* Panzerabwehr

o AT-3 Sagger
o M-60 Rückstoßfreies Geschütz -1500(soll durch die Bumbar ersetzt werden)
o M79 OSA Panzerfaust
o Bumbar (Nachbau des Französischen Eryx)

* Infanterie

o M21 – Sturmgewehr
o M70 – Sturmgewehr
o Master FLG 9mm
o M97 (UZI Kopie)
o Steyr AUG – Sturmgewehr
o HK MP5 – Maschinenpistole
o M76 – Scharfschützengewehr
o M84 – Maschinengewehr
o M87 – Überschweres Maschinengewehr
o BGA – automatischer Granatenwerfer, Lizenzbau der AGS-17

Flugabwehrraketen-Systeme

o SA-3 Goa mit erweitertem Radarsystem
o SA-6 Gainful mit erweitertem Radarsystem

Hubschrauber

o Mil Mi-8 – 10
o Mil Mi-24 – 2
o Aérospatiale Gazelle – 61

Kampfflugzeuge

o MiG-29 – 4
o MiG-21 – 24
o G-4 Super Galeb – 25
o Soko J-22 Orao – 32

Lufttransport

o Antonow An-26 – 4
o Jakowlew Jak-40 – 2
o Utva 75 (Verbindungs Flugzeug) – 16
o An-2 (Transportflugzeug) – 1

Wasserfahrzeuge

* 2 Transportboote für Ausrüstung oder Soldaten Typ 411
* 1 Kommandoschiff und Minenleger RPB-30 “Kozara”
* 4 Minenräumboote Typ RML

2. Die Serben haben einen relativ guten Kader, mit Weltklasse in der Abwehr, einem sehr guten Mittelfeld und einem durchschnittlichen Sturm. Dazu kommt ein erfahrener und erfolgreicher Trainer, und in der Qualifikation lief es auch gut, Serbien ließ Frankreich hinter sich. In den letzten Testspielen gab es leider nicht so gute Ergebnisse, aber beim Turnier wird das alles gutgehen.

3. Der krasse Nationalismus, der auf dem Balkan angesagt ist, nervt auch bei den Serben extrem, die Kriegsverbrecherquote auf den Tribünen dürfte relativ hoch sein. Insofern ist das Land kein großer Sympathieträger, obgleich ihnen gegen UCK und Bundeswehr der Sieg zu gönnen gewesen wäre. Sei es drum.

Fazit:
Gutes Team. Ambivalenter Hintergrund. Müssen wir uns erstmal im Einsatz angucken, bevor Sympathien freigemacht und ausgeteilt werden können. Gegen Deutschland sind die freundlichen Freischärler selbstverständlich Hoffnungsträger.

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Ghana

1. Ghana ist eine tolle Sache, es ist schön warm da, es gibt Gold und Meer und Multikulti. Der einzige Grund, dieses schöne Land zu verlassen, ist eine Karriere im europäischen Profifußball. Nebenan liegt die ehemalige deutsche Kolonie Togo, was Ghana zu so einer Art Frankreich Afrikas macht, nur eben mit englischen Kolonisten.

Soweit das eine etwas lustlose Internetrecherche erkennen lässt, ist es in Ghana nicht ganz so übel wie anderswo in Afrika, obwohl die Armut extrem ist. Wow, what a downer! Dafür ist Ghana der Alptraum des deutschen Kleinbürgers. Na klar, auch wegen der vielen Schwarzen, aber das wirklich Schlimme ist, dass die auch noch alle verschiedenen “Ethnien” angehören und die verschiedensten Sprachen sprechen! Denen müsste mal jemand klar machen, dass sie auch nur zu Gast auf der Welt sind (die sie dazu auch nur von ihren Kindern geliehen haben!) und auffordern, endlich eine Sprache zu sprechen, auch wegen der Integration.

2. Die haben Spieler im Kader, die spielen noch in Ghana. Mehrere. Schlimmes Ding. Dafür waren sie 2006 ziemlich super, aber dieses Mal fehlt ihr allerüberbester Spieler, Essien. In der Abwehr steht John Paintsil bereit, die Deutschen ebenso zu hamburgisieren, wie der FC Fulham es mit dem HSV tat. Neben ihm stehen einige hochklassige Spieler im Kader, die es auch in Europa geschafft haben, aber das Gesamtpaket reicht einfach nicht aus für den großen Wurf. Wenn die Serben schwächeln könnte es für das Achtelfinale reichen, aber ich glaub nicht dran.

3. Kevin-Prince Boateng! Der Ballackbesieger wird es wohl in die Stammelf schaffen, und das finde ich super. Ein Treffer von ihm zum Sieg gegen Deutschland wäre das Beste, was in der Vorrunde passieren kann. Seine Verpflichtung durch Werder Bremen wäre dann kaum mehr zu vermeiden.
Sympathisch auch der Torhüter, der als großer Schwachpunkt der Mannschaft gilt: Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 trug der Spieler den Namen „Kingson“ auf seinem Trikot, nachdem er zuvor als „Richard Kingston“ bekannt war. Der ghanaische Verband bestätigte daraufhin „Kingston“ als richtige Schreibweise. Der Torhüter selbst verwendet jedoch die Schreibweise „Kingson“. Richards Bruder Laryea spielt hingegen als Laryea Kingston.

Fazit:
Ghana ist eines der afrikanischen Länder, denen die Redaktion den Erfolg gönnt, auch weil sie Afrikaner sind. Schade, dass es trotzdem so unwahrscheinlich ist. Mit Boateng gibt es einen echten Deutschland-Bezug, der Ghana zum Sympathieträger für den antideutschen Pop macht.

Die lustigste Meldung der vergangenen Tage erreicht uns aus dem Gazastreifen:

Hamas will not allow goods from an aid flotilla raided by Israel to enter the blockaded Gaza Strip, a spokesman for the Islamist organization said Thursday.

Ahmed al-Kurd, Social Welfare Minister in the Hamas government which rules Gaza, said Hamas would block the aid cargo until Israel met all of the group’s conditions.

Die Hamas versucht nun also, Israel durch Nichtannahme von Hilfsgütern zu erpressen. Was zuerst total irre anmutet, könnte sich zum neuesten Erfolg der palästinensischen Propaganda entwickeln: Der kollektive Hilfsstreik. Demnächst könnte der Gazastreifen die Annahme aller Hilfslieferungen aus Israel ablehnen. Die Zionisten wären düpiert, und wenn man das lange genug durchzieht, entwickelt sich ja vielleicht endlich die langersehnte humanitäre Katastrophe, da würde das Besatzungsregime aber Augen machen, während Milch und Eier vor ihren Augen verrotten!

Das Modell könnte auch über den Konflikt hinaus Schule machen, zum Beispiel in Griechenland. Dort würde man einfach die Annahme des Hilfspakets verweigern und damit drohen, so richtig richtig pleite zu gehen. Kinder könnten die Annahme von Süßigkeiten verweigern, und am Ende streiken in den Fußgängerzonen die Bettler.

Einen nicht minder bemerkenswerten Einblick in das Innenleben einer Antisemitin bietet eine Passagierin der berühmten Bootsfahrt, die jetzt von Israel abgeschoben wurde: “It was an insane situation. I’m exhausted. I haven’t slept for days. I was on hunger strike for the last few hours.

Es muss der langersehnte kleine Djihad für alle diese Leute gewesen sein. Die Selbstüberhöhung ist unglaublich, endlich ist die gute Frau politische Gefangene geworden, da muss sie auch sofort einen Hungerstreik anfangen. Wie gerne sie noch länger geblieben wäre! Eine Gefangene der Zionisten, sie hätte Solidaritäts-Briefe empfangen können und man hätte mit ihrem Foto in der Hand vor der israelischen Botschaft demonstriert, weinend und schluchzend. Aber nichts da, die gemeinen Juden schieben sie einfach wieder ab. Und zwar, Achtung, ohne zu unterschreiben!

Ms Yaqub said that the Israeli authorities had tried to force her to sign a document written in Hebrew, but she refused.

In der Natur des Zwangs liegt es zwar, dass man sich nicht einfach weigern kann, aber Frau Yaqub wurde ja auch von den Zionisten gefangen, nicht von der Logik.

Gruppe C

Wer noch nicht weiß, worum es hier geht, klickt bitte sofort hier jetzt mal drauf so mit der Maus und verpasst gar nichts. Wer kommentieren will – und Kommentare machen uns immer glücklich – tut das ebenfalls in jenem Ursprungseintrag.

Gruppe C

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England

1. In England gibt es sehr viele Ritter, sehr viel mehr sogar als in Deutschland, obwohl die hiesigen Ritter oft unter anderen Namen unterwegs sind, während ein englischer Ritter auch Ritter heißt. Obwohl es um das emanzipatorische Potenzial des Rittertums an sich in der Redaktion verbissene Diskussionen gegeben hat, sind sich alle einig, dass Drachentöten definitiv ein antifaschistischer Akt ist. Ergo steht der heilige Georg bei uns hoch im Kurs.

Wiki weiß: “Georg rettet die jungfräuliche Königstochter vor einer Bestie, dem Drachen, indem er diesen tötet.

Die Bildsprache ist klar: Die “jungfräuliche (!) Königstochter” sind wir, die ungeborene Redaktion von verbrochenes.net. Die “Bestie” ist der deutsche Nationalsozialismus, der von Georg, dem Bomber Harris unter den Rittern des Mittelalters, getötet wird. Die Rolle der Befreier ist also die historische Rolle der Engländer. Und so führt der Anblick des Georgskreuzes bei uns immer zu großer Freude, zu Feuerwerken der Emotionen.

Wo andere Blogs über Gentrifizierung schimpfen, zeigen wir immer wieder auf, wie das Problem gelöst wurde und wieder gelöst werden kann: Hamburgisierung (BE: hamburgisation, AE: hamburgization) war die große Tugendtat des zwanzigsten Jahrhunderts. Erst als die deutsche Volksgemeinschaft in Schutt und Asche lag, wurde allen klar: Gegen die Engländer ist kein Kraut gewachsen. Zu den Amerikanern kommen wir gleich noch, aber schon jetzt ist festzustellen, dass die echten Kriegshelden die Engländer waren.

Weil die Franzosen – soviel Chauvinismus ist hier jetzt aber auch mal erlaubt manmussauchmalwasaussprechendürfen! – einfach mal gar nichts taugen, sind die Briten der einzige Gegenpol zum deutschen Boden in Europa. Sie haben den ganzen Euroblödsinn nicht mitgemacht, weil sie ihre Geldpolitik nicht von den Krauts machen lassen wollen. Zu recht! Würden die Briten heute Finanzprobleme haben und Geld von der EU benötigen, die Antwort des deutschen Stammtisches wäre klar: “Die sollen sich erstmal für den Zweiten Weltkrieg entschuldigen, und dann sehen wir weiter!”

Nein, die Briten machen die ganze postnational getarnte deutsche Politik nicht mit, ihr Herz schlägt links. Vom Atlantik.

Auf den grassierenden Überwachungswahn, den furchtbar durchregulierten Fußball und das Essen wird hier aus naheliegenden Gründen nicht eingegangen.

2. Das Potential ist da, keine Frage. Alle Spieler aus dem englischen Kader spielen in der Premier League, die meisten bei einem großen Klub. Das war aber auch bei den letzten Turnieren so, genutzt hat es nichts. Im Sturm sieht es neben Rooney etwas mau aus. Dafür haben die Engländer endlich mal einen Torwart, der aussieht, wie er aussehen muss. Fabio Capello ist im Gegensatz zu Sven-Göran Eriksson ein Trainer, der nicht nur den Ruf eines Startrainers, sondern auch dessen Erfolge vorzuweisen hat. Somit rechnen wir fest mit einer deutlichen Leistungssteigerung der Engländer. Und natürlich kann es auch für den Titel reichen. Zunächst mal wäre ein Viertelfinalsieg im Elfmeterschießen gegen Deutschland ganz großartig. Come on, England!

3. England hatte mal eine aufregende Fußballkultur, und bei der Nationalmannschaft ist noch etwas davon zu sehen. Südafrika ist weit weg, trotzdem hoffen wir auf große Unterstützung für das Team aus England. Was war das schön, als die Fans aus Fulham den Hamburgern zuriefen “Who are ya? Who are ya?”. Ein weiterer Klassiker ist das “It was so fuckin easy!” nach schönen Siegen, und die Ten German Bombers sind längst Pop. Ebenso sorgen die englischen Hooligans, die in zahlreichen Filmen und Büchern in den letzten Jahren massentauglich vermarktet wurden, hier für einige Faszination. England ist im Fußball ein echter Gegner auf allen Ebenen.

Eigentlich wollten wir in der Zeit der WM nur noch Cockney sprechen, allerdings klingt das bei uns wie Lena Meyer-Landrut, was egal gewesen wäre, wenn die blöde Kuh standesgemäß Neunzehnte geworden wäre. Naja. Im englischen Teamhotel wird es wahrscheinlich sowieso eher wie bei Rosamunde Pilcher zugehen, und das steht uns auch gut. Lord Peter wartet in den Kommentaren bereits darauf, weitere Hintergrundinformationen zu liefern, zum Beispiel, warum das englische Team keine Nation vertritt. Da bin ich aber gespannt!

Fazit:
England ist ein naheliegender Favorit für die antideutsche Zuneigung. Das Sportliche stimmt ebenso, das Ästhetische auch. Das Einzige, was gegen England spricht ist, dass nichts gegen sie spricht. Hey, das ist mir jetzt zu verkopft!

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USA

1. Stop. Zurück zu England. England ist in Deutschland unbeliebt, keine Frage. Dabei treibt die Deutschen vor allem der Glaube, überlegen zu sein. Deutschland baut an Europa, und die Engländer, die Spalter, machen nicht mit, weil sie es nicht kapieren. England ist europäischer Nachbar und eigentlich ganz ähnlich, nur halt viel dümmer als Deutschland.

Anders sieht das antiamerikanische Ressentiment aus. Die USA sind nicht Nachbar und Kollege, sondern Gegner. Den Amis neidet der Stolzdeutsche ihre große Armee und die dadurch gegebene Möglichkeit, zu tun, was sie wollen. Auch wirtschaftlich sind die USA das deutlich stärkere Land, sie können sich dick und rund fressen vor lauter Wohlstand, und die Deutschen hassen das. Während deutsche Nationalisten also die Engländer scheiße finden, haben sie vor den Amerikanern Angst. Und obwohl die Briten schließlich der entschlossenste Gegner Nazideutschlands waren, waren es die Amerikaner und die Sowjets, die den Krieg am Ende gewannen.

Im Fußballkontext sieht das alles natürlich wieder ganz anders aus. Da haben die USA nichts zu melden, sind kein Gegner. Oder doch? 2002 spielten die US-Boys (sprecht das ruhig mal laut aus und nehmt es im kommenden Monat als Synonym für das amerikanische Team: US-Boys) Rudis Kartoffeln fast vom Acker, bis Michael Ballack zum obligatorischen 1:0 traf und Torte Frings den Ball mit der Hand von der Linie schaufelte. Ein kurzer Rückblick auf die Gegner der Deutschen bei jenem Turnier: Saudi-Arabien, Irland, Kamerun, Paraguay, USA, Südkorea, Brasilien. Gegen den ersten starken Gegner verloren sie prompt, gegen das restliche Fallobst in den K.O.-Runden war man das schlechtere Team und gewann trotzdem. Nur mal so reingeworfen jetzt.

Amerika ist das geilste Land in allen denkbaren Kategorien. Musik, Politik, Wissenschaft, Sport, Geographie, Wetter, Größe, Geschichte, Essen – alles! Und das wird auch so bleiben. Die deutsche Presse schreibt jeden Tag fünf Artikel darüber, warum Amerikas Abstieg begonnen hat und Europa (politisch) und China (wirtschaftlich) die Modelle der Zukunft sind. Nichts dergleichen wird passieren, denn Amerika ist dynamischer als das veralternde Europa, es passiert in New York jeden Tag mehr interessanter Scheiß als in allen deutschen Großstädten zusammen. Außer in Bremen, klar. In zwanzig Jahren ist Deutschland längst Peripherie, und die USA stellen den besten Fußballspieler der Welt.

2. Tun sie heute aber noch nicht. Scheiße. Dafür haben sie einen Helden in ihren Reihen, Clint Dempsey, der mit dem FC Fulham den HSV aus der Europa League warf. Guter Mann, ganz bestimmt. Der Rest des Kaders ist europäischer Durchschnitt, was aber – siehe Deutschland 2002 – bei einer WM durchaus auch mal fürs Finale reichen kann. Die Gruppenphase können sie auf jeden Fall überstehen, müssen sie, sollen sie, bitte bitte.

3. Ästhetisch, sympathisch – es sind die USA, goddamnit! Die Jungens sehen super aus, sind stets gut gelaunt und zum Finale kommt Obama. Es gibt da wirklich gar keine Bedenken!

Fazit:
Alles Granate, bis auf das Sportliche. Im Viertelfinale gehts wieder raus, und dann hat man den Salat. Den USA ist Erfolg unbedingt zu wünschen, sein Herz sollte man allerdings besser woanders hinhängen.

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Algerien

1. Algerien, der sympathische Mittelmeeranrainer, über den keiner irgendwas weiß! Algerien hat einen Präsidenten, der Bouteflika heißt und bisher nicht als Gangsterrapper unter dem Namen “Booty Flicker” aufgetreten ist. Aber was nicht ist, Ihr wisst schon. 90 Prozent der Bürger finden ihn gut, weshalb er sowohl beim HSV als Sportdirektor im Gespräch war, als auch als neuer Bundespräsident hoch gehandelt wird. Algerien ist sehr groß, größer als mehrere Blauwale hintereinander, und man trägt die Haare dort eher lang, Strähnchen werden nicht so gerne gesehen, sind aber unter einem Schleier oder einer Burka auch okay.

In Algerien ist Frankreich genauso beliebt wie in Deutschland, also Obacht. Dafür werden in Algerien aber keine Autos gebaut und kein Sauerkraut gegessen, immerhin. Hätte Algerien eine Südküste, wäre das der größte Strand der Welt. Wenn man einem Algerier mit dem Wortspiel vom Mittelmeer, an dem man keine Mittel mehr habe, kommt, reagiert er verwundert, weil er wahrscheinlich kein Deutsch kann. Dennoch sind die Algerier nicht als humorlos misszuverstehen, bei gutem Wetter wird auch mal gelacht.

Nicht so lustig war der Betrug, den die deutsche Volksgemeinschaft 1982 in Gijon an den Algeriern vorgenommen hat. Es besteht deshalb Grund zur Hoffnung, dass bei einem eventuellen Aufeinandertreffen mit den Deutschen die Fäuste zum Einsatz kommen. Das wäre toll.

2. Die sind total scheiße. Ein paar Algerier spielen in der Bundesliga, aber keiner bei richtigen Vereinen. Vorrundenaus. Eigentlich ist es ne Frechheit, dass die überhaupt antreten. Vielleicht überlegen sie es sich noch anders. Hoffentlich. Auch für das nationale Selbstwertgefühl wäre das gut. Jetzt reißt Euch mal zusammen, Ihr Algerier!

3. Nee.

Fazit:
Ohne Algerien wäre die Welt zwar kleiner – also angenommen, da wäre dann nichts, oder die Welt würde sich derart zusammenziehen, dass das Loch geschlossen würde und die Welt durch die Kontraktionen schrumpfen – aber nicht ärmer. Weil Algerien auch sehr arm ist. Naja. Nicht für Algerien sein, Freunde.

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Slowenien

1. Slowenien ist zur Hälfte mit Wald bedeckt worden, wodurch die einheimischen Menschen ihre Ablehnung der Moderne ausdrücken wollen. Diese Ablehnung schlägt natürlich auch auf die Politik des Landes durch. Aus dem jugoslawischen Vielvölkerstaat hat man sich früh verabschiedet und den anschließenden Einmarsch der jugoslawischen Armee in nur wenigen Tagen abgewehrt. Das war umso bemerkenswerter, als das slowenische Urvolk sich dabei nur Zwillen und Knüppeln bediente, was zu teils sehr hässlichen Verletzungen bei den would-be-Besatzern führte. Die gewonnen Unabhängigkeit wurde absurderweise einerseits mit dem Pflanzen der erwähnten Wälder, andererseits mit großen Lagerfeuern aus Holz gefeiert.
Dank soviel autochthonen Geschmurgels sind die Slowenier ein geliebtes Ziehkind des deutschen Hegemons geworden, sogar den Euro dürfen sie benutzen, sind in der Nato, der EU und in mehreren Ortsvereinen der al-Qaida vertreten.

2. Im entscheidenden Spiel haben die Slowenen Russland geschlagen, also so ganz mies können sie nicht sein, aber es war schon auch ein glücklicher Sieg mit zwei roten Karten für den Gegner. In der Qualifikationsrunde landeten sie hinter der Slowakei und vor Tschechien, Nordirland, Polen und San Marino. Ganz ähnlich also wie Deutschlands Gegner bei der WM 2002: Alles easy. Die Spieler kenne ich alle nicht, fast alles spielt sich etwa auf deutschem Zweitliganiveau ab.

3. Nicht zu bewerten.

Fazit:
Gegen die Slowenier kann man schwerlich etwas haben, aber in dieser Gruppe sollen doch bitte England und die USA weiterkommen. Danke.

Anlässlich der israelischen Militäraktion gegen die Hamas-Soli-Flotte im Mittelmeer gab es heute eine Demonstration gegen Israel auf dem Alexanderplatz. Wie immer zu solchen Anlässen versammelte sich eine ungeheure Freakshow, um über die Juden zu schimpfen.

Karneval, Fußball oder Israelhass – man weiß das oft nicht so genau. Auf Demonstrationen wird der ganze antisemitische Wahn zur Folklore, es gibt Gemeinschaftsgefühl und Individualismus gleichermaßen, hier sehen wir einen Vertreter der letzteren Strömung.

Wegen der allseits bekannten Probleme mit den Fakten bewegt sich die Argumentation der Antisemiten meist auf der emotional-verlogenen Ebene. Hier sehen wir ein bewegendes Porträt des Gazastreifens, bei dem die geographische Situation zwar ebenso wenig wahrheitsgemäß dargestellt wird wie die militärische, aber guck mal, da vorne, ein kleines Mädchen, wie süß! Mit Friedenstaube! Also mich hat es überzeugt! Wollte noch fragen, was das Bild kostet – die Frau präsentierte es so merkwürdig – habe mich aber nicht getraut.

Auf der Fahne steht sehr hübsch eingestickt “KPD”, womit der einstige Platzhirsch unter den Verfassungsfeinden auch heute wieder auf sich aufmerksam machen konnte. Leider ein untergehender Stern, die Zukunft gehört eindeutig dem islamistischen Mob, der stets vitaler und bedrohlicher wirkt als die Kommunisten. Die meisten anwesenden Kommunisten standen ohnehin eher neben der Demo als dabei, schaulustige Antideutsche mit angewidertem Blick.

Zu der illustren Schar von Islamisten und nationalen Sozialisten kamen dieses Mal besonders viele Türken, schließlich hatte es mehrere ihrer Blutsbrüder erwischt. Weil das Judenlynchen heute so gefährlich ist und immer wieder Todesopfer fordert, ist man auch in der osmanischen Community besonders empört. Im Kampf darum, wen der Begriff “Faschist” am besten beschreibt, sind die Grauen Wölfe sicher ganz weit vorne, auch wenn die Konkurrenz heute groß war.

Hier steht “Gegen Kapitalismus, Krieg und Fundamentalismus” und unten “Für ein säkulares sozialistisches Palästina/Israel“. Ein guter Fotograf hätte nun ein Bild gemacht, auf dem die vielen bekopftuchten, fundamentalistischen islamistischen Frauen dahinter stehen, das ist mir aber nicht gelungen. Oh, the irony! Überhaupt, der Chor der Sozialisten, der “die internationale Solidarität” forderte, als hätten wir 1970, wurde mehrfach mit einem grummeligen “Für den Islam!” beantwortet. Wenn es nicht so traurig wäre…

Das Maschinengewehr von der Frau auf dem Bild ist übrigens gegen Krieg, nicht für Krieg. Im Hintergrund auf dem Pappschild steht “Armed to the teeth“, auf der Rückseite steht es auf deutsch: “Bewaffnet bis an die Zähne“. Ja, das ist wohl das Problem mit den Juden, die Waffen, mit denen sie sich verteidigen, diese Frechdachse.

Wie man sieht werden die Zahlen hier immer wieder angepasst, das Plakat ist sozusagen die HSV-Bundesligauhr unter den Demomaterialien. Entlarvend die Wahl der ersten Jahreszahl: Das Problem ist die Gründung Israels, denn wer die Nichtexistenz eines Staates Palästina beklagen wollte, könnte sich jedes beliebige Jahr aussuchen. Wir wünschen den Frauen jedenfalls, dass sie ihr Plakat noch ganz ganz lange benutzen können.

Meine Güte, guckt Euch diese Klapskallis an.

Geredet wurde über ein altes Megaphon, ich verstand nicht viel. Ein Redner beendete seine Rede jedenfalls mit “Es lebe Hamas, es lebe Hisbollah” unter großem Jubel. Die Getöteten seien Märtyrer und Helden, bla bla, bla bla. Besonders unangenehm der deutsche Redner, der sich angesichts der Aufmerksamkeit für sein Gelaber den ganzen Abend über ein breites Grinsen nicht verkneifen konnte; manche Leute erleben offenbar ihre glücklichsten Momente, wenn Sie in selbstgerechter Hetze gegen Juden aufgehen. Er verfügte auch, dass man keine Nazis auf seiner Demo haben wolle, weil die nur gegen Israel seien, weil sie Juden hassen. Ganz im Gegensatz natürlich zu allen anderen dort, die wegen einer Schießerei irgendwo im Mittelmeer da waren, ach so.

Die Unterstützung für Hamas und Hisbollah, die Plakate und die Reden machten klar, dass es hier nicht um den Vorfall von vorgestern geht, sondern ganz grundsätzlich um Israel. Es ist ganz egal, was der jüdische Staat macht, diese Leute werden weiterhin regelmäßig gegen ihn demonstrieren. Das wird auch kein Teilnehmer bestreiten. Die Medienberichte über “Protest gegen Israels Militäraktion” muss man wieder mal korrigieren: Es ist Protest gegen die Existenz eines jüdischen Staates im Nahen Osten.

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