Articles by Bonde

Ziemlich hübsch.

Menschen, die Länderspielpausen mögen, mögen auch:

Fußpilz

Werkzeug verleihen

Verständnisvolle Polizisten

Wenn nach dem Shamponieren das warme Wasser alle ist

Hamburger Sportvereine

Drehspieß nach Döner-Art

Preisverleihungen

Handball-Weltmeisterschaften

Eva Braun

Die fünfte Staffel “Lost”

Schuhe kaufen

Sternburg Bier

Fahrkartenkontrollen

Enddarm-Operationen

Auch im zehnten Jahr nach den Anschlägen vom 11. September bleibt völlig unklar, wer sie ausgeführt hat. Die offizielle Variante kann nicht stimmen, weil sie nicht stimmen kann. 2000 Jahre lang ist kein einziges Hochhaus eingestürzt, nur weil ein Flugzeug hineingeflogen ist. Aber jetzt auf einmal geht das, jedenfalls wollen sie uns das glauben machen. Das Pentagon hingegen ist nicht eingestürzt, obwohl angeblich ein ganz ähnliches Flugzeug hineingeflogen ist. Die offiziellen Erklärungen sind so abenteuerlich, dass man ihnen unmöglich glauben kann. Wer steckte also hinter den Anschlägen?

Die US-Regierung? Sie sollen alles fingiert haben, damit sie in den Irak und in Afghanistan einmarschieren können. Herzlichen Glückwunsch, möchte man da rufen, das wäre ja wirklich der dümmste Plan, von dem ich je gehört habe. Genau so gut könnte man eine Bank überfallen, um sich von dem Geld einen Tank voll Gülle zu kaufen und darin zu baden. Dafür waren Dick Cheney, immerhin der “Fürst der Finsternis”, und seine sinistre Runde dann doch zu clever.

Die Juden? Unmöglich. Ein Volk, das einen Großteil seiner internen Konflikte durch Hupen löst und für eine einfache Straßenbahntrasse mehr als fünf Jahre braucht, kann kaum hinter dem größten Terroranschlag der Weltgeschichte stecken. Mit Flugzeugen auch noch. Und ist Israel hinterher im Irak einmarschiert? Eben.

Außerirdische kommen nicht in Frage. Alle bisher gelandeten Exemplare sitzen in amerikanischen Militär-Einrichtungen ein. FACT!

Die gängigen Erklärungen sind also allesamt unglaubwürdig. Um die wirklichen Drahtzieher zu finden, muss man sich überlegen, wer tatsächlich von den Anschlägen profitiert hat. CUI BONO?

Wer hat finanziell von den Anschlägen profitiert? Wer hat Ansehen und Bedeutung gewonnen? Wer konnte ganze Karrieren auf die mörderischen Anschläge bauen? Wer hat die Anschläge oft zum eigenen Lebensinhalt gemacht und bezieht sein Selbstwertgefühl aus der Beschäftigung mit ihnen? Kurz: Wer sind die größten Profiteure des 11. September und damit die Top-Verdächtigen für seine Planung?

Die Truther-Bewegung. Filme wie “Loose Change” und “Zeitgeist”, zahllose Bücher und Zeitungsartikel haben den ein oder anderen Millionär gemacht und für Verlage viel Geld eingespielt. Viel wichtiger als das Geld könnte aber die Aufmerksamkeit sein, die ungezählte Internet-Nerds, Versager und orientierungslose Halbgebildete durch ihre Theorien zu den Anschlägen erhalten haben. Schwer vorstellbar, dass diejenigen, die behaupten, die wahren Hintergründe der Geschehnisse zu kennen, tatsächlich keine Ahnung haben. In Wirklichkeit wissen sie sehr wohl, wer dahintersteckt: sie selbst.

EVIDENCE:

Nahezu jeder Truther verfügt über einen Computer. Einen Computer, auf dem man durchaus einen Flugsimulator installieren könnte, um sich auf eine Terror-Tat vorzubereiten. Das ist noch kein Beweis, aber ein deutliches Indiz.

Viele Truther hielten sich am Morgen des 11. September in den USA auf. Andere in Europa, auch zum Beispiel in Hamburg, wo selbst nach offizieller Lesart die Attentäter sich lange Zeit aufgehalten haben sollen. Zufall? Wohl kaum.

Kaum eine Bewegung der letzten 20 Jahre hasst die USA so sehr, wie es die Truther tun, obwohl die Konkurrenz in dieser Beziehung nicht von Pappe ist. Neben den finanziellen und sozialen Vorteilen, die die Truther zu erwarten hatten, hatten sie also auch ein handfestes ideologisches Motiv.

Oft wird von Anhängern der offiziellen Theorie angeführt, dass es sich um eine gigantische Verschwörung handeln müsste, weil extrem viele Leute eingeweiht gewesen sein und anschließend geschwiegen haben müssten. Wer aber hat genug Leute, die eine im Wortsinne “verschworene” Gemeinschaft bilden? Genug Leute, um wie in Shanksville oder am Pentagon ein ganzes Flugzeug wegzuräumen, bevor die Behörden da sind? Genug Leute, um mit Nagelfeilen die tragenden Elemente des World Trade Centers anzusägen? Nur die Truther.

Und wer hat dank Internet und dem Niedergang der staatlichen Schulen die Möglichkeiten, um die Welt 10 Jahre lang von der Wahrheit abzulenken und mit den abstrusesten Theorien zu beschäftigen? Wer hat die Medienmacht, um das ganz subtil und klandestin durchzuziehen?

Wem es jetzt noch nicht wie Schuppen von den Augen fällt, dem kann ich auch nicht helfen. Ich fordere eine offizielle Untersuchung, die die Alibis der führenden 9/11-Verschwörungstheoretiker überprüft. Ich kenne jedenfalls niemanden, der beweisen kann, dass Bröckers, Wisnewski und Alex Jones nicht knietief mit drin stecken.

Übrigens, dieses Bild ist eine Fälschung. Das Flugzeug ist nur reinmontiert.

…wenn sich nur die CDU seiner annehmen würde!

Weil es in Japan ein Erdbeben gegeben hat, werden jetzt in Deutschland Reaktoren abgeschaltet. Dazu will man mal drei Monate nachdenken, was sich denn jetzt für die Nutzung der Atomkraft hierzulande verändert hat. Die Antwort ist augenfällig: gar nichts. Jedenfalls, wenn man von den Faktoren ausgeht, die tatsächlich in eine Analyse der Vor- und Nachteile der Technologie eingehen müssen. Nicht in der Sache hat sich etwas geändert, sondern in der stets undurchsichtigen Gefühlslage des Volkes. Zwei Wochen vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz ist Deutschland mal wieder in kollektive Apokalypse-Lust verfallen. Alle fiebern an den Livetickern, wie weit die verschiedenen Kernschmelzen wohl so sind.

Das Blog “Teilnahmebedingungen” kommentierte:

Es ist in Zusammenhang mit dem Katastrophenporno, der durch die Wohnzimmer flimmert, nicht nur hanebüchen, diesen für die Mobilmachung der Demonstrant_innen zu benutzen, sondern auch schlichtweg widerlich, denn wieviel mehr Hohn könnte man den Menschen im Katastrophengebiet jetzt entgegenschleudern, als noch im Moment ihres Unglücks nur das eigene Schicksal vor sich herzutragen, das heute nicht minder gut oder schlecht aussieht als noch vor einer Woche.

Bei der Aussicht, dass Menschen verstrahlt werden könnten, wurden alle ganz kirre. Dass kurz zuvor gerade tausende zu Tode gekommen waren, war da schnell vergessen. Dass bei einem Erdbeben Dinge kaputt gehen, geriet zur bahnbrechenden Erkenntnis. Und obwohl es hier keine Erdbeben gibt, nahm die Anti-Atom-Bewegung die nukleare Katastrophe, die übrigens bis heute noch nicht passiert ist, schon vor einigen Tagen zum Anlass, ihr prinzipiell richtiges Ziel auf die ihr eigene abstoßende Art zu verfolgen. Bei den Grünen dürften sofort die Sektkorken geknallt haben, schließlich würde sich der Fukushima-Effekt am 27. März ziemlich konkret in Wählerstimmen messen lassen. In Baden-Württemberg stehen vier Kernkraftwerke, Biblis in Südhessen ist gleich um die Ecke. Und desto länger und schlimmer es in Japan brodelt, desto wichtiger wird das Thema bei den Landtagswahlen werden.

Nur dumm für die Grünen, dass Angela Merkel das auch weiß und ihnen an Cleverness weit überlegen ist. Die Kanzlerin hat umgehend dekretiert, dass Biblis A und Neckarwestheim sofort heruntergefahren werden. Außerdem soll drei Monate, und damit bis nach den nächsten vier Landtagswahlen (Sachsen-Anhalt und Bremen sind auch noch dran), heftig darüber nachgedacht werden, wie es denn weitergehen soll mit der Atomkraft. Man sollte nicht erwarten, dass dabei irgendetwas herauskommt. Die Grünen haben damals einen Ausstieg beschlossen, der nie passiert ist, und genau so kann es die jetzige Regierung auch machen. Damit sind alle zufrieden, denn der Strom fließt, Geld wird verdient und der Ausstieg bleibt trotzdem in Sicht. Wenn dann in den nächsten zehn Jahren nichts dazwischen kommt, kann man immer noch wieder ein paar Jahre Laufzeit drauflegen. Und wäre es nicht auch besser, sicherer und umweltfreundlicher, man baute neue Atomkraftwerke anstatt die alten weiter zu benutzen? So gibt es immer einen Weg zum Konsens.

Einen Konsens herzustellen vermögen nur wenige so gut wie Angela Merkel. Mit ihr kann sich die CDU bald als Ausstiegspartei gerieren, wie sie es mit der Rede von der “Brückentechnologie” bereits angedeutet hat. Ab sofort ist es vollkommen okay, gegen Atomkraft zu sein und die CDU zu wählen. Das wird einige grüne Veteranen auf die Palme bringen, lässt aber auf eine bitter notwendige Entspannung der nationalen Diskussion hoffen. Die Parolen der professionell gemanagten Anti-Atom-Kampagnen laufen meist auf eine Heimatschutz-Argumentation hinaus, wie “Atomkraft schadet dem Ländle”. Dieses Geblöke würde seinen kritischen, linken Beiklang verlieren, wenn die ganze Volksbewegung endlich da landet, wo sie hingehört: in Deutschlands christlicher Volkspartei.

Ich habe mir etwas ganz Neues einfallen lassen. Bin untergetaucht. Terrorismus. Aber nicht so radikal. Mehr sozialdemokratisch. Sozialdemokratischer Terrorismus will nicht immer gleich Revolution machen. Er will die Lebensumstände der Menschen verbessern. Und, wenn das gerade nicht geht, dann will er angehört werden. Ins Gespräch kommen, auf sich aufmerksam machen. Wozu ein Flugzeug nach Mogadischu entführen und die Freilassung irgendwelcher Verwirrten fordern, wenn man auch den Bürgermeister von Wuppertal entführen und eine Erhöhung des Arbeitslosengelds II fordern kann? Ich rechne mir da ganz gute Chancen aus. Kaufhausbrand nicht als Konsumkritik, auch nicht als Kriegserklärung, sondern als Druckmittel für mehr Kindergartenplätze in Prenzlauer Berg.

Eine Revolution ist sehr anstrengend. Hinterher hat man den ganzen Laden am Hals, und die ganzen Arschlöcher. Da lasse ich mich gar nicht erst drauf ein. Aber die ungerechte Gesellschaft, die macht mir schon zu schaffen. Da muss man was tun, praktisch werden. Und jetzt wird ja auch die Vorratsdatenspeicherung neu verhandelt. Da habe ich mir überlegt, ein paar Telefonzellen abzufackeln. Fordern will ich eine maximal viermonatige Speicherung der Verbindungsdaten. Das wäre eine vernünftige Lösung, das habe ich auch schon ins Internet geschrieben, aber mein Vorschlag hat nicht recht Eindruck gemacht bei der Regierung. Das wird sich jetzt ändern.

Ich will da auch gar nicht unbedingt so gemäßigt bleiben. Man könnte schon auch mal jemanden erschießen, aber da muss dann auch richtig was rausspringen. Ich will kein Richter sein, also Rache-Akte oder blindes Töten gibt es bei mir nicht. Aber für eine richtige soziale Steuerreform, wenn das möglich wäre, dann muss vielleicht auch mal ein korrupter Christdemokrat dran glauben. Also wenn man jetzt zum Beispiel den Steuersatz für mittlere und niedrige Einkommen von 1500 bis 2900 Euro kräftig senken könnte, das wäre doch ein toller Erfolg. Bin aber auch an weniger radikalen Dingern dran, zum Beispiel die Fahrkartenpreise. Ich denke, dass da durch höhere Zuschüsse vom Staat Preissenkungen von bis zu zehn Prozent möglich sind. Jetzt überlege ich noch, wie ich das deutlich machen kann. Gewalt gegen Schaffner halte ich legitim, zweifle aber an der Effektivität. Vielleicht doch besser Scheiben einschmeißen.

Ich habe auch über die Gründung einer Gruppe nachgedacht, das aber verworfen. Gibt doch nur Streit. Jetzt mit den Lokführern weiß ich schon alleine nicht, was ich davon halten soll. Streik ist eine Sache, besser wäre aber doch eine richtige Sozialdemokratie, in der man das alles einvernehmlich mit den Arbeitgebern mal besprechen kann. Denn eigentlich, eigentlich sitzen wir doch alle im selben Boot. Das müssen die jetzt mal begreifen.

Wahrscheinlich, weil sie an einer bestimmten Zeitabfolge festhält – erst der Terrorakt, dann die Reaktion des Staates, schließlich die Berichterstattung der Medien. Demgegenüber definiere ich Terrorismus nicht nur als die terroristische Tat selbst. Neben den (Selbst-)Stilisierungen der Akteure wird das Phänomen durch strafrechtliche, politische und mediale Diskurse konstituiert. Dieses Verständnis von Terrorismus geht davon aus, dass das, was als Reaktion, als Maßnahme auf vorangegangene Terrorakte erscheint, maßgeblich daran beteiligt ist, den Terrorismus hervorzubringen.

Gerade den letzten Satz kann man ruhig öfter lesen, er wird mit der Zeit noch besser. Fragt sich nur, wer oder was bloß die “vorangegangenen Terrorakte” hervorgebracht hat – das Huhn oder das Ei?

Quelle

Es sind schockierende Meldungen, die uns so oft in den Medien erreichen. Vor gut drei Jahren zum Beispiel diese:

News vom 20.02.08

Mike Hanke erneut Papa

Mike Hanke ist in der Nacht vom 20. Februar erneut Vater geworden. Der kleine Bruder für Schwesterchen Janatha-Fay soll Jayron-Cain heißen. Um 1.44 Uhr erblickte er das Licht der Welt, Mutter und Kind sind wohlauf.

Das muss man erstmal verarbeiten. Klar ist: Mike Hanke hat es nie leicht gehabt. Er hat eine Rasenallergie und leidet nach jedem Spiel unter Pusteln und Hautreizungen. Nun perpetuiert sich das Elend in Gestalt seiner Kinder, die es mindestens so schwer haben werden wie ihr Vater. So wie Vater Mike zum Tabellenletzten wechseln musste, so werden Janatha-Fay oder Jayron-Cain vielleicht einmal bei Schlecker landen. Das Wichtigste ist jetzt, dass die beiden eine gute Ausbildung erhalten. Mike weiß das aber auch.

Mit Spott ist es vielleicht nicht getan. Vielleicht muss man da mal was planen, für die Kinder. Oder mal die gesellschaftlichen Umstände kritisieren, unter denen Kinder ihre Namen erhalten. Aber wem würde das helfen? Die Wahrheit ist: Janatha und Jayron zahlen den Preis der Freiheit. Nicht ihrer Freiheit, im Gegenteil, der Freiheit ihrer Eltern. Im selben Akt wird deutlich, dass J-Fay und J-Cain selbst unfrei sind: Andere Menschen entscheiden über ihre Identität. Da hilft nichts. So ist der Mensch, so ist der Mike.

In den “Prenzlauer Berg Nachrichten”, einem Berliner Blog mit irgendwie kommerziellem Anspruch, wird heute das “Alois S.” beworben. Der Beitrag über die Bar, in der man alle Werder-Spiele im Fernsehen sehen kann, ist offensichtlich als Reklame zu verstehen.

Dem Autor ist offenbar nicht einmal bekannt, dass man in der Bundesliga auch Auswärtsspiele hat und es deshalb wenig bringen würde, wenn er “jede Woche” nach Bremen fahren würde. Mit solchen Fehlern könnte man leben, wenn er sein Loblied nicht auf so einen furchtbaren Laden wie das Alois S. singen würde.

Wie im Beitrag beschrieben ist es dort üblich, lange vor Spielbeginn Plätze für Leute zu reservieren, die vielleicht noch kommen. Es hilft also wenig, früh zu kommen, weil die zehn Leute, die um drei schon da sind, sämtliche Plätze irgendwie reserviert haben. Das könnte man noch okay finden, wenn nicht freudig auch für die reserviert würde, die dann am Ende gar nicht oder erst gegen fünf kommen.

Dabei kann man Personal erleben, das selbst in Mitte noch als besonders unfreundlich durchgehen würde. Wer hier gefragt wird, ob er noch etwas möchte, bekommt dabei deutlich signalisiert, dass es nicht um ein Bedürfnis des Kunden, sondern um dessen Pflicht, gefälligst Umsatz zu machen, geht. Dass Gastronomie keine Wohlfahrtsveranstaltung ist, weiß jeder. Der Job eines Kellners ist nur eigentlich, das den Kunden nicht ständig spüren zu lassen.
Mein persönliches Highlight mit dem Personal im Alois S. war, als der Kellner uns nach draußen hinterherkam, weil er zwanzig Cent zu wenig berechnet hatte. Da belästigt man seine Kunden doch gerne noch einmal, bei solchen Summen. Wenn die Kellner nicht zu solcher Hochform auflaufen, muss man an der Theke schon damit zufrieden sein, wenn die Bedienung eine Minute, nachdem sie jemanden bemerkt hat, endlich ihr Gespräch unterbricht, um dem Kunden klar zu machen, dass sie sich gestört fühlt und der Job ohne ihn viel angenehmer wäre.

Diese miese Atmosphäre ließe sich kaum noch verschlechtern, wenn da nicht der Fischmob Berlin wäre. Dieser Fanclub besingt sich selbst als “arrogant”. Das wäre lustig, wenn es nicht stimmen würde. Ihre Arroganz gründet sich in erster Linie darauf, dass sie sehr gut fernsehen und Bier trinken können. Direkt vor der Leinwand plaziert muss man sie den ganzen Nachmittag über sehen und dabei spüren, wie geil man sich als Fan und Stammgast vorkommen kann. Der Laden gehört ihnen, denken sie. Das äußert sich zum Beispiel so, dass sie gerne vor dem Spiel so vor der Leinwand stehen, dass fünf andere Leute, die drei Meter vor ihnen sitzen und ganz offensichtlich das laufende Zweitligaspiel verfolgt haben, nichts mehr sehen können. Wer einen Witz macht, lacht selbst am lautesten, und man müsste nicht einmal zuhören, um zu erfahren, dass diese Menschen sich und ihr samstägliches Tun für unfassbar geil halten. Nur warum?

Wenn sich jemand auf einen der freien Plätze setzt, die der Fischmob für sich beansprucht, kommt sofort der Hinweis: “Also die gehören eigentlich zum Fischmob, ist auch mit Lothar so abgesprochen…” Mit Lothar, dem Chef, hat man sich arrangiert. Die Sonderstellung, von der sie denken, sie hätten sie verdient, weil sie besonders cool sind, bezahlen sie mit ihrer Bierrechnung. Der Fischmob ist immer da und trinkt viel, weil Trinken bei ihnen wichtig ist. So und nicht anders kommt man zu reservierten Plätzen.

Wer also Ultras oder andere Fans im Stadion für arrogant hält, weil sie sich auf ihr Fan-Dasein etwas einbilden, der würde sich wundern, wenn er einmal Fans vor dem Fernseher erleben würde. Man kann sich auf viel weniger viel mehr einbilden. Besonders keck kommt sich die Belegschaft im Alois S. vor, wenn es Anstoß gibt. Dann ruft einer vorne “Gib den Ball her” bzw. “Mach den Ball rein” und der Rest des Lokals ruft zurück “Aber flott”. Wer das pfiffig findet, ist dumm, und wer das aufregend findet, war noch nie im Stadion.

Nun könnte das Alois S. vielleicht außerhalb der Spieltage ein netter Ort sein. Ist es aber nicht: Das Essen ist auch schlecht. Aber dafür teuer.

Es geht hier um Salat. Und um richtiges Essen. Und um Leute, die diese blöden Nurfleischistrichtigesessen-Witze leid sind. Mich zum Beispiel. Und es geht um Freunde. Man findet keine Freunde mit Salat. Man findet Freunde mit Blattgold, dem wundervollen Produkt, das ich hier gerade bewerbe. Ihr müsst es kaufen. Damit Ihr Freunde findet, Freunde und Freundinnen. Blattgold macht Menschen glücklich. Alle? Nein. Nur Folgende: Mütter, Väter, Kinder, Sportler, Angestellte, Astronauten, Doktoranden, Werber, Berliner, Spargelstecher, Vegetarier, Metzger, Jäger, Sammler, Feministen, Inder, Kinder, Blogger, Schuhverkäufer, Kommunisten, Malermeister, Stewardessen, Vera am Mittag, Islamisten, Staatsanwälte, Verteidigungsminister, Antiimperialisten, Sozialdemokraten, Sänger, Fernsehmoderatoren, Publizisten, Hippies, Yuppies, Pausenbrotschmierer und gelegentliche Passanten. Was mit dem Rest der Menschheit los ist, weiß ich nicht. Sie kaufen Blattgold nicht weil es sie glücklich macht, sondern weil es sie schön macht. Das ist legitim, finde ich.

Blattgold macht glücklich und schön, aber nicht reich. Bis jetzt. Das muss sich ändern. Wenn einer reich wird, müssen andere ihn bezahlt haben. In diesem Fall kommt Euch die etwas unangenehmere Rolle in dieser Transaktion zu. Das macht aber nichts, denn Ihr bekommt etwas dafür. Blattgold. War klar. Blattgold wird verkauft vom Haus der feinen Kost und ist das beste Salatdressing, das man bekommen kann, ohne bei Adam zum Abendessen eingeladen zu sein. Adam stellt jede Flasche Blattgold selbst her und behauptet, das Ergebnis schmecke nicht nur mit Salat, sondern mit Fleisch, Brot, Nudeln und diesem anderen da. Komm nicht drauf. Jedenfalls ist es lecker und wer für sich selbst kein Geld ausgeben will findet in Blattgold ein schönes Geschenk. Auf Wunsch auch ein sehr schönes und sehr teures Geschenk: Blattgold gibt es auch mit – Blattgold. Echtem jetzt. Das sieht geil aus. Echt. Und wenn Ihr wie ich gerade den Link zum Haus der feinen Kost weiterreichen könntet, wäre das eine gute Sache. Gibts natürlich auch bei Facebook.

Zu verschenken

Werder Bremen spielt schon seit Monaten konstant schlecht, und es sieht nicht so aus, als ob Thomas Schaaf irgendeine Idee hätte, die das ändern könnte. Stattdessen wird von Klaus Allofs verkündet, die Verantwortung liege zu 100% bei den Spielern, was ein Hohn ist, wenn es diejenigen sagen, die die tatsächliche sportliche Verantwortung tragen. Schaaf ändert nichts, sondern benimmt sich auch so, als sei er dafür nicht verantwortlich. Dabei fehlt es nicht einmal an Einsatz bei den Spielern, sie wollen alle, sie können aber im Moment nicht besser. Da wird es nicht helfen, wenn man sie weiter allein verantwortlich macht und im Training anpöbelt.

Jeder kann sehen, dass die Spieler selbst völlig fertig und überfordert mit der Situation sind. Da ist keiner dabei, jedenfalls auf dem Platz nicht, der das locker nimmt und diszipliniert werden müsste. Aaron Hunt sieht wirklich bedenklich aus, ich hoffe, der ist nicht zuviel allein. Arnautovic ist längst vom arroganten CL-Gewinner zum völlig verunsicherten 21jährigen mutiert, was vielleicht einige befriedigt, aber unsere 6,5-Millionen-Investition nicht gerade im Wert steigen lässt. Marin spielt Fehlpässe, die ohne Psychologie gar nicht mehr erklärt werden können. Sandro Wagner, ein etwas ungelenker Spieler und offenbar recht simpler Charakter, wird immer wieder Ziel von Schaafs Verbalattacken, zwischendrin wurde er zu den Amateuren degradiert, wo er sich bei Trainer Wolter bedankte, denn er “brauche das Vertrauen des Trainers”. Bald danach war er wieder im Kader und wurde in Hamburg auch eingewechselt, dafür musste Denni Avdic das ganze Spiel auf der Bank bleiben. Avdic, von dessen Qualitäten wir wenig wissen, dürfte sich längst fühlen wie im Irrenhaus. Es ist völlig klar, dass das, was alle Medien übereinstimmend über Schaaf und das Training berichten, diese Probleme nicht lösen, sondern verschlimmern wird.

Schaaf denkt, dass die Spieler schuld sind, deshalb schreit er sie an. Aber er ist selber schuld.

Werder hatte immer einen überragenden Zehner in den letzten Jahren. Jetzt haben sie keinen mehr und jeder, wirklich jeder, kann sehen, dass das ein großes Problem ist. Allofs und Schaaf leugnen es bis heute, weil sie sonst ihre eigene Verantwortung nicht mehr wegwischen könnten. Wenn sie es wenigstens zugeben und jetzt die Parole, es trotzdem irgendwie zu schaffen, ausgeben würden, könnte man weiter auf sie vertrauen. Aber durch diesen massiven Realitätsverlust werden die Probleme weiter liegen bleiben. Es wäre nicht das erste Mal, dass Personen, die lange Jahre erfolgreich waren, sich für unfehlbar halten und deshalb aufhören, ihre Fehler zu korrigieren.

Zu den Fehlern gehören die Taktikspielereien, die Schaaf irgendwann angefangen und in dieser Saison dann durchgezogen hat. Die Raute ist abgeschafft. Solange es sie gab, wusste immerhin jeder Spieler, was er wo zu tun hatte. Jetzt hat Schaaf ein Chaos angerichtet und die allgemeine Verunsicherung, die zu den vielen Slapstick-Gegentoren führt, ist eine Konsequenz daraus. Nicht dass ein Systemwechsel grundsätzlich schlecht gewesen wäre, Schaaf hat ihn nur einfach nicht hinbekommen. Jetzt ist die Chance, eine Mannschaft sich einspielen zu lassen, längst dahin. Jetzt müsste er Impulse setzen, etwas verändern, damit der Klassenerhalt geschafft wird.

Fehler macht er auch bei der Aufstellung. Ich weiß selbst, dass sich eh jeder für den besten Trainer hält und man über sowas genauso wie über Geschmack streiten kann. Aber: Mickael Silvestre immer wieder aufzustellen ist eine einfach inakzeptable Entscheidung. In der Hinrunde gab es mehrere Spiele, in denen Silvestre bei jedem Ballkontakt einen peinlichen Fehler gemacht hat, das war unerträglich. Schaaf hat stoisch an ihm festgehalten. Jetzt ist Silvestre immer noch jederzeit für ein Gegentor gut, er spielt weiter, auch wenn die Alternativen gesund sind. Dominik Schmidt wurde derweil genüsslich der Presse vorgeführt, weil sein Berater zuviel Geld gefordert hatte. Das kann man natürlich machen, es ist nur der Atmosphäre nicht sonderlich zuträglich.

Im Mittelfeld fehlt ein Gestalter, Hunt bringt es nicht und Marin ist bestenfalls ein Stürmer. Das sind alles Probleme, die man sich in der Personalplanung selbst eingebrockt hat, ebenso wie der Mangel im Sturm, nachdem Almeida verkauft wurde. Mit Pizarros Ausfällen war zu rechnen, jetzt schießt keiner mehr Tore. Das geht auf Allofs ebenso wie auf Schaaf. Dabei habe ich auch gedacht, dass man Almeida besser jetzt für Geld abgibt, als ihn zu behalten. Die Realität hat nur leider bewiesen, dass Klaus und ich uns geirrt haben, weshalb es einfach unglaublich ist, dass der sich jetzt vor die Presse stellt und die Schuld für alles den verbliebenen Spielern aufbürdet, um sich selbst schadlos zu halten.

Es gibt wenige Gründe, gegen Leverkusen eine bessere Leistung als zuletzt zu erwarten. Gekämpft wurde schon, das hat aber nicht gereicht. Werder erspielt so gut wie gar keine Torchancen, das letzte herausgespielte Tor war das 1:0 gegen Hoffenheim. Gleichzeitig haben die Konkurrenten am letzten Wochenende gezeigt, was sie können. Stuttgart hat in Leverkusen zwei Tore geschossen und war dem Sieg zeitweise näher als der Gegner, Mönchengladbach hat Schalke an die Wand gekämpft, einen Rückstand aufgeholt und gewonnen. Für Wolfsburg hat Diego ein Weltklassespiel gemacht und selbst Kaiserslautern hat beim 0:3 in Hannover gezeigt, dass sie im Moment besser drauf sind als Werder Bremen. Köln hat seine drei letzten Heimspiele gewonnen, am Wochenende gepunktet und spielt stellenweise richtigen Fußball. Einzig Frankfurt kommt uns ein bisschen entgegen, wirkt dabei aber auch torgefährlicher als Werder. Dass Werder keine Torchancen hat, ist kein neues Phänomen in diesen Wochen, das war schon in der Hinrunde so, beispielsweise bei dem Heimdesaster gegen Kaiserslautern.

Einfacher als in Hamburg wird es nicht mehr werden, Punkte zu holen. Leverkusen ist die zweitbeste Auswärtsmannschaft der Liga und hat acht von elf Auswärtsspielen gewonnen. Selbst wenn Werder auf einmal zu alter Stärke zurückfinden würde, stünden die Chancen, das Spiel zu verlieren, noch sehr gut.
Werder.de verbreitet bis dahin Zuversicht, indem sie die Rückkehr der Verletzten in Aussicht stellen. Die Hoffnung ruht also auf Spielern, die bestenfalls am Mittwoch oder Donnerstag vor dem Spiel wieder in Mannschaftstraining einsteigen können. Der Wichtigste ist da Wesley, dem man tatsächlich zutrauen kann, die Mittelfeldmisere dergestalt zu lindern, dass am Ende der Klassenerhalt steht. Zu Pizarro muss man nichts mehr sagen; wenn er wieder dauerhaft verletzt sein sollte, sieht es düster aus.

Aber selbst wenn Werder mit Schaaf den Klassenerhalt schafft, woran ich nicht glaube, bleiben die Probleme mit seiner Mentalität, seiner vermeintlichen Unfehlbarkeit, mit Klaus Allofs, mit der ganzen verkorksten Saison und dem Nichteingestehen der eigenen Verantwortung. In vier Wochen ist alles Spekulieren ohnehin überflüssig. Denn dann gelten in Bremen dieselben Regeln wie anderswo: Wenn Schaaf die nächsten Spiele verliert, wird er gehen. Wenn er sie gewinnt, hat er genug Kredit, um mit Werder abzusteigen.

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