Articles by Joinsen

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“Wenn es Ihnen gelingt, Hitler zu beseitigen, werde ich aufspringen und ‘Hoch, Müller!’ rufen, im nächsten Moment aber ‘Nieder mit Müller!’ Ich werde ihre Tat als ungeheuren Dienst am Vaterland schätzen, aber ich werde bedauern, daß sie im Namen der Generäle die Macht übernehmen. Wenn Sie Hitler beseitigen, werde ich landauf, landab das deutsche Volk bitten, Ihnen ein Denkmal zu errichten. Ich werde aber nicht zulassen, daß sie die Macht übernehmen.”

Diese Sätze gab Willi Elfes nach seiner Befreiung dem amerikanischen Offizier Saul K. Padover zu Protokoll, der im Auftrag der Abteilung für Psychologische Kriegsführung hinter der Front Interviews mit allen möglichen Menschen in Deutschland führte - Zwangsarbeitern, Soldaten, Widerstandskämpfern, Hausfrauen, Kommunisten, Sozialdemokraten, Nazis, Jugendlichen. Elfes war für den Interviewer besonders interessant, da dieser als katholischer Prediger immer wieder Stellung gegen die Nazis bezogen hatte, Nazigegner vernetzt hatte und sich zuletzt in einem Pfarrhaus in der Provinz verstecken musste - und weil er in die Pläne der militärischen Verschwörer gegen Hitler eingeweiht war. Der Müller, an den die oben wiedergegebenen Sätze gerichtet waren, war ein Gesandter des Leipziger Oberbürgermeisters Karl Goerdeler, der ihn über die Anschlags- und Umsturzpläne informierte und anfragte, wen Elfes für fähig hielte, in einer künftigen Regierung mitzuarbeiten und ob er selbst ein Amt übernehmen wolle. Er wollte nicht.

Die Verschwörer des 20. Juli waren gegen Hitler, und sie haben ihr Leben gewagt, und verloren. Dennoch muss es nachdenklich stimmen, dass ihr Anschlag der Anlass für die Bundesrepublik ist, des deutschen Widerstands zu gedenken. Den Militärs ging es in erster Linie darum, die deutsche Ehre zu retten. Und obwohl sie keine Demokraten waren, militaristisch dachten und nahezu vollständig ganz begeisterte Nazis waren, bis sie vor Stalingrad standen und geschlagen wurden, reicht ihre Liebe zum Vaterland bis heute als Grund für die Deutschen, ihrer zu gedenken.

Auch bei Elfes klingt dies durch: Es ist ihm ein Anliegen, dass das Vaterland wieder gut dasteht. Und trotz dieses Umstands, dass ihm Deutschland etwas bedeutet (die Kommunisten waren wohl die einzigen, die Nationalismus konsequent ablehnten, und selbst da wurden in der volkstümlichen Variante häufig Abstriche gemacht), wollte er mit den Generälen nichts zu tun haben.

Eine richtige Entscheidung, und doch ist auch er gescheitert. Laut Padover hielt er im Rheinland Versammlungen mit bis zu hundert Teilnehmern ab, er hatte Kontakt zu Adenauer und weiteren demokratischen Hitler-Gegnern. Sie verfassten eine Proklamation, die sie nach einem erfolgreichen Anschlag veröffentlichen wollten. Nichts ist daraus geworden.

Die Deutschen haben sich entschieden, einen “Immerhin”-Gedenktag abzuhalten. Immerhin gab es ein paar Leute, die bemüht waren, die Ehre des Vaterlandes zu retten. Angemessener wäre ein Gedenken des Scheiterns: Das bisschen deutscher Widerstand war alles andere als fortschrittlich, es war unfassbar klein, und die ganz wenigen, die fortschrittlich dachten und den Willen entwickelten, etwas zu tun, haben gar nichts hingekriegt.

Das Buch, aus dem ich die meisten Informationen und das Zitat oben habe, ist bei Econ erschienen. Dort hat man 2001 das 1946 auf amerikanisch erschienene Buch Experiment in Germany. The Story of an American Intelligence Officer übersetzt. Saul K Padover: Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45.

Anlässlich des heutigen 2. Internationalen Day des Denglish fragen sich viele, wie sie besser Denglish sprechen können. Sie haben eingesehen, dass das eine gute Sache ist, wollen mitmachen, aber es fehlen ihnen die Worte. Dabei ist die denglishe Sprache so reich an Möglichkeiten. Ein paar davon sollen hier mit wenig Wissen und ohne den Anspruch auf Vollständigkeit vorgestellt werden. Ergänzungen sind herzlich willkommen.

  • Die einfachste Methode, Denglish in seinen Sprachalltag aufzunehmen, ist die Verwendung von ganz normalen englischen Wörtern. Besonders simpel zu handhaben sind die Adjektive: Kopieren, einfügen, fertig - ganz easy. Ebenfalls einfach machen es einem die Substantive, sie können genauso verwendet werden wie ihre deutschen Entsprechungen, bei der Pluralbildung orientiert man sich meistens an der Herkunftssprache und hängt ein s an. Die Artikel richten sich meistens nach den deutschen Entsprechungen. Damit ist man dann noch kein Pro, aber man kann die Chicks auf jeden Fall beeindrucken. Bei Verben sollte man berücksichtigen, dass sie sich nur gut einfügen, wenn man sie auch entsprechend konjugiert, ansonsten kann man auch gleich Englisch sprechen, wogegen natürlich auch nichts einzuwenden ist. Manchmal kann man auch konsidieren, die Wörter ganz in eine deutsche Schreibweise zu übertragen. Wenn man dann den Girlfriend an der Station aufpickt und mit ihr zum Date cruist, ist man in Sachen Freshness kaum noch zu toppen.
  • Die zweite Möglichkeit, die deutsche Sprache mit englischer zu bereichern ist die Übernahme von Wendungen und Sprichwörtern. Diese werden entweder direkt in den sonstigen Sprachbrei eingestreut oder vorher ins Deutsche übersetzt. Insbesondere Ausrufe der Verwunderung (”Gosh!”) wirken auf Englisch authentischer, manchmal macht es aber auch Sinn, zu übersetzen. Dann ist es Zeit, keinen Fick mehr zu geben auf althergebrachte Gleichgültigkeitsbekundungen.
  • Eine Mischform stellt das sogenannte ingen da. Hierbei nimmt man einen beliebigen Substantiv aus dem Englischen und hängt das bekannte -ing an, das man normalerweise an Verben anhängt, wenn man etwas gerade in diesem Moment tut. Ticketing ist zur Zeit das einzige Beispiel, das mir einfällt, aber dieses Feld ist bei weitem noch nicht abgeerntet.
  • Wem diese Sourcen der Vielfalt noch nicht reichen, muss selbst kreativ werden und sich englische Wörter ausdenken. Das ist ein anspruchsvolles Unterfangen, und man kann gehörig auf die Nase fallen, wenn man ein Fußballevent mit dem amerikanischen Wort für eine öffentliche Leichenschau belegt. Daher sind solche Scheinanglizismen auch sehr selten und bieten eine große Angriffsfläche für Sprachnazis.

Als Krautkiller sagen wir dann aber ganz easy: Wir kümmern uns nicht.

Mal ganz abgesehen davon, dass entweder Sicherheitsvorkehrungen streng oder ein Sicherheitsbedürfnis hoch sein kann und diese seltsame Formulierung sehr verbreitet ist: Die Verpflichtung zum Tragen von Helmen sowie Schutzbrillen auf einer Baustelle ist weder für das eine noch für das andere ein Indiz. Aber sowieso ging es bei der Berichterstattung von tagesschau.de über die Eröffnung der neuen amerikanischen Botschaft wohl weniger um eine differenzierte Darstellung des Spannungsfeldes zwischen Architektur und Sicherheitsbedürfnis als um ein Kopfschütteln über letzteres. Diese Amerikaner, was haben die eigentlich? Stellen ein repräsentatives Gebäude an einen der berühmtesten Plätze der Welt und bauen das Haus dann so, dass es sicher ist - ist es zu fassen?

Dieses mächtige Bild kommt von Jan. Nachdem viel zu lange seine einzigen öffentlich sichtbaren Werke die Headerbilder dieses Blogs waren, hält er sich jetzt endlich auch selbst für gut genug, seine anderen, wesentlich anspruchsvolleren Werke der weltweiten Öffentlichkeit vorzustellen. Das tut er auf der fabelhaften Plattform ipernity unter dem Namen jst, hier sind die Bilder, hier seine Startseite.

Er liest hier regelmäßig, wenn ihr also keinen Account bei ipernity habt, dürft ihr ihn auch hier in den Weltuntergangshimmel loben.

Toleranz

Warum man nicht tolerant sein muss gegenüber Nazis, Islamisten und anderen Arschlöchern? Na, das ist doch klar, weil die selbst intolerant sind. Tausendmal gehört, trotzdem Quatsch. Denn mit diesem einfachen Kriterium lässt man eine an und für sich wertlose Kategorie zum Maßstab werden und hilft so am Ende denjenigen, für die Werte keine Rolle spielen, weil sie Macht haben.

Toleranz bedeutet ja erstmal nur, das man das, was man toleriert, geschehen lässt. Und dass das nicht grundsätzlich gut ist, dürfte sofort klar werden. Ob man einer Sache tolerant gegenüber steht, sollte von der moralischen Qualität dieser Sache abhängen und nicht von deren Toleranzbemühungen. Ansonsten steht man auch ganz schnell selbst dumm da: Dann muss man nämlich tolerant sein, wenn man auf Toleranz angewiesen ist. Letztlich nützt diese einfache Marschregel bei allgemeiner Verwendung also denjenigen, die keine Toleranz brauchen.

Wenn man eine Vereinbarung trifft und diese bricht, redet man wohl kaum von einer Gefährdung der Vereinbarung, sondern von Wortbruch. Wenn freilich der Islamische Dschihad vier Raketen in Richtung Israel abfeuert und dabei immerhin einen Menschen verletzt, ist dies für tagesschau.de (Man achte auf die URL!) lediglich eine Gefährdung des vor einigen Tagen verabredeten Waffenstillstands zwischen Israel und den Palestinensern im Gazastreifen, vertreten durch die Hamas. Das liegt keineswegs daran, dass diese eine gute Begründung haben; der vermeintliche Anlass, die Razzia bei zwei Terroristen im Westjordanland, bei der einer zu Tode kam, ist mit dem Waffenstillstand absolut vereinbar, wie auch aus dem Artikel hervorgeht. Der Bruch der Waffenruhe ist deshalb nur eine Gefährung für die Waffenruhe, weil man wie fast immer damit rechnen kann, dass Israel nicht mit Waffengewalt reagieren wird. Das ist gut so. Aber man könnte das auch ruhig mal so schreiben.

Und in Israel fühlt sich das dann so an.

Wenn ihr in Bremen wohnt, wolltet ihr bestimmt schon immer wissen, wie der Mensch wohl aussieht, der diese Leute mit den ausdrucksstarken Gesichtern auf meist bräunliches Papier malt und dann überall in der Stadt aufhängt. Und was er sich dabei denkt. Einen kleinen Einblick gibt das folgende Video:

Der zweite Teil ist hier zu finden.

Danke für den Tipp an Matthias.

In der Jungen Welt vom 16. Juni war ein Artikel über Europa zu lesen, der mehr als sonst die Gemeinsamkeiten von Linken der Sorte, die diese Volks-Zeitung lesen, Rechtsextremen sowie nahezu dem gesamten unpolitischen Rest der Menschen in Europa aufzeigt. Das “freiheitsliebende Volk der Iren” hat sich nämlich in einem Referendum gegen den Lissabon-Vertrag entschieden und bietet den Startpunkt für die Kritik der linken Nationalisten an der EU: Die demokratischen und sozialen Rechte, die in den Nationalstaaten zumindest teilweise verwirklicht werden, werden mit einer weiteren Integration der europäischen Staaten immer weiter abgebaut, weil ihre Garanten Stück für Stück ihre Souveränität verlieren. Und das, ohne die Bevölkerungen zu befragen. Denn die würden natürlich dagegen stimmen, sie wissen, wer die Hüter ihrer Sozialleistungen sind: Sozial geht nur national.

Die Junge Welt definiert hier einen Standpunkt, der für viele Europäer schon lange gilt. Europa ist ein Projekt von Eliten, und die einzige Idee, die dahinter steckt, ist die Integration von Märkten, die alle Staaten wirtschaftlich weiterbringen kann. Demokratie ist sicherlich keine tragende Idee der EU - aber sie ist es auch nicht in den Nationalstaaten. Die tragende Idee dort ist weit älter und verdient es nach etwas mehr als 200 Jahren kaum noch als Idee bezeichnet zu werden: Die Nation. Und an diesem antiquierten Konstrukt halten auch große Teile der Linken fest, weil ihnen nichts besseres einfällt.

Für die meisten Menschen ist die Nation nach wie vor die Größe, unter die sie sich stellen. Weder Demokratie noch freiheitliche Rechte für alle entfalten in Europa die Anziehungskraft, von der ein großes Projekt leben könnte. Und daher bleibt die EU ein Projekt, dass von den Eliten getragen wird, solange sich nicht eine Idee zeigt, für die die Menschen in Europa (und am besten auch die drumherum) sich begeistern können.

Sollen die Eliten nun also weiter machen? Europa hat den Europäern viel Gutes gebracht und wird dies wohl auch weiterhin tun. Gleichzeitig ist die EU auch Trägerin von Marktliberalisierung und ordnet sich daher mehr den Marktgesetzen unter als es die Nationalstaaten (in einer Zeit vor der alles erfassenden Globalisierung) mussten. Doch die Globalisierung ist nicht aufzuhalten, und Europa muss darauf reagieren, um im Markt zu bestehen. Dies ist der Ort, in dem sich der “Wohlstand der Nationen” heute entscheidet, die Arena der Staaten spielt eine immer geringere Rolle. Die Eliten haben das erkannt und reagieren darauf. Die kleinen Leute wollen an ihrer dummen Idee der Nation festhalten, statt eine neue zu entwickeln, in der die Gesetze des Marktes ihnen gestohlen bleiben können, weil sie ihn nicht mehr brauchen.

Wir sind allesamt Werderfans. Was macht man nun, wenn man bei der EM völlig zurecht für die niederländische Mannschaft cheert, und dann das rechte oder linke Kreuzband von Rafael van der Vaart mit lautem Knall in Stücke reißt? Findige Moralschieber retten sich dann damit, dass er ja ein ganz anderes Trikot trägt, als wenn er für den Verein aus Stellingen spielt, und dass sie sich demzufolge natürlich nicht freuen würden, wenn er sich verletzen würde. Man muss kein besonders großer Freund der Nazikeule sein, um unwillkürlich zu erwidern: Wenn du nun also Adolf Hitler im Hawaiihemd treffen würdest, würdest du auch einen Sex on the Beach mit ihm trinken?

Ist das eine Verharmlosung von Hitler, oder von Hawaiihemden? Nein. Um sich das zu veranschaulichen, genügt es, die zusammengehörigen Teile einmal ins Verhältnis zu setzen, also Quotienten zu bilden. Man kann dann mit Fug und Recht behaupten, dass Hitler geteilt durch Hawaiihemd ungefähr den gleichen Wert ergibt wie Van der Vaart geteilt durch Oranje-Dress. Es ergeben sich interessante Möglichkeiten, durch simples Umstellen der Gleichungen neue Erkenntnisse in fußball- und modemoralischen Fragen zu gewinnen. So lässt sich zum Beispiel sagen, das Van der Vaart identisch ist mit Hitler, wenn man diesen noch mit Hollandtrikot durch Blumenhemd (dem sogenannten Hemdquotienten) multipliziert. Dieser ist aufgrund der relativ verheerenden Wirkung von Hawaiihemden auf die Augen sehr gering. Genaue Werte liegen bisher nicht vor, man schätzt aber, dass Hitler 3 bis 14 Zehnerpotenzen schlimmer ist als Van der Vaart, dies entspricht genau dem Verhältnis zwischen den beiden genannten Kleidungsstücken.

Sprich: Van der Vaart bleibt ein HSVer, wenn er ein anderes Trikot trägt, genau wie Hitler ein Nazi bleibt, wenn er ein Hawaiihemd anhat. Und das, obwohl zwischen beiden Welten liegen, Welten von der gleichen Mächtigkeit wie zwischen den Kleidungsstücken. Was passiert, wenn Hitler ausländische Trikots anzieht, wurde bisher nicht erforscht. Vielleicht könnte man ihn dann liebgewinnen. Dann wird es ganz schwierig für jeden HSVer, da mitzuhalten. Werdertrikots kriegen sie von uns jedenfalls nicht.

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