Mal ganz abgesehen davon, dass entweder Sicherheitsvorkehrungen streng oder ein Sicherheitsbedürfnis hoch sein kann und diese seltsame Formulierung sehr verbreitet ist: Die Verpflichtung zum Tragen von Helmen sowie Schutzbrillen auf einer Baustelle ist weder für das eine noch für das andere ein Indiz. Aber sowieso ging es bei der Berichterstattung von tagesschau.de über die Eröffnung der neuen amerikanischen Botschaft wohl weniger um eine differenzierte Darstellung des Spannungsfeldes zwischen Architektur und Sicherheitsbedürfnis als um ein Kopfschütteln über letzteres. Diese Amerikaner, was haben die eigentlich? Stellen ein repräsentatives Gebäude an einen der berühmtesten Plätze der Welt und bauen das Haus dann so, dass es sicher ist - ist es zu fassen?
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Dieses mächtige Bild kommt von Jan. Nachdem viel zu lange seine einzigen öffentlich sichtbaren Werke die Headerbilder dieses Blogs waren, hält er sich jetzt endlich auch selbst für gut genug, seine anderen, wesentlich anspruchsvolleren Werke der weltweiten Öffentlichkeit vorzustellen. Das tut er auf der fabelhaften Plattform ipernity unter dem Namen jst, hier sind die Bilder, hier seine Startseite.
Er liest hier regelmäßig, wenn ihr also keinen Account bei ipernity habt, dürft ihr ihn auch hier in den Weltuntergangshimmel loben.
Warum man nicht tolerant sein muss gegenüber Nazis, Islamisten und anderen Arschlöchern? Na, das ist doch klar, weil die selbst intolerant sind. Tausendmal gehört, trotzdem Quatsch. Denn mit diesem einfachen Kriterium lässt man eine an und für sich wertlose Kategorie zum Maßstab werden und hilft so am Ende denjenigen, für die Werte keine Rolle spielen, weil sie Macht haben.
Toleranz bedeutet ja erstmal nur, das man das, was man toleriert, geschehen lässt. Und dass das nicht grundsätzlich gut ist, dürfte sofort klar werden. Ob man einer Sache tolerant gegenüber steht, sollte von der moralischen Qualität dieser Sache abhängen und nicht von deren Toleranzbemühungen. Ansonsten steht man auch ganz schnell selbst dumm da: Dann muss man nämlich tolerant sein, wenn man auf Toleranz angewiesen ist. Letztlich nützt diese einfache Marschregel bei allgemeiner Verwendung also denjenigen, die keine Toleranz brauchen.
Wenn man eine Vereinbarung trifft und diese bricht, redet man wohl kaum von einer Gefährdung der Vereinbarung, sondern von Wortbruch. Wenn freilich der Islamische Dschihad vier Raketen in Richtung Israel abfeuert und dabei immerhin einen Menschen verletzt, ist dies für tagesschau.de (Man achte auf die URL!) lediglich eine Gefährdung des vor einigen Tagen verabredeten Waffenstillstands zwischen Israel und den Palestinensern im Gazastreifen, vertreten durch die Hamas. Das liegt keineswegs daran, dass diese eine gute Begründung haben; der vermeintliche Anlass, die Razzia bei zwei Terroristen im Westjordanland, bei der einer zu Tode kam, ist mit dem Waffenstillstand absolut vereinbar, wie auch aus dem Artikel hervorgeht. Der Bruch der Waffenruhe ist deshalb nur eine Gefährung für die Waffenruhe, weil man wie fast immer damit rechnen kann, dass Israel nicht mit Waffengewalt reagieren wird. Das ist gut so. Aber man könnte das auch ruhig mal so schreiben.
Und in Israel fühlt sich das dann so an.
Wenn ihr in Bremen wohnt, wolltet ihr bestimmt schon immer wissen, wie der Mensch wohl aussieht, der diese Leute mit den ausdrucksstarken Gesichtern auf meist bräunliches Papier malt und dann überall in der Stadt aufhängt. Und was er sich dabei denkt. Einen kleinen Einblick gibt das folgende Video:
Der zweite Teil ist hier zu finden.
Danke für den Tipp an Matthias.

In der Jungen Welt vom 16. Juni war ein Artikel über Europa zu lesen, der mehr als sonst die Gemeinsamkeiten von Linken der Sorte, die diese Volks-Zeitung lesen, Rechtsextremen sowie nahezu dem gesamten unpolitischen Rest der Menschen in Europa aufzeigt. Das “freiheitsliebende Volk der Iren” hat sich nämlich in einem Referendum gegen den Lissabon-Vertrag entschieden und bietet den Startpunkt für die Kritik der linken Nationalisten an der EU: Die demokratischen und sozialen Rechte, die in den Nationalstaaten zumindest teilweise verwirklicht werden, werden mit einer weiteren Integration der europäischen Staaten immer weiter abgebaut, weil ihre Garanten Stück für Stück ihre Souveränität verlieren. Und das, ohne die Bevölkerungen zu befragen. Denn die würden natürlich dagegen stimmen, sie wissen, wer die Hüter ihrer Sozialleistungen sind: Sozial geht nur national.
Die Junge Welt definiert hier einen Standpunkt, der für viele Europäer schon lange gilt. Europa ist ein Projekt von Eliten, und die einzige Idee, die dahinter steckt, ist die Integration von Märkten, die alle Staaten wirtschaftlich weiterbringen kann. Demokratie ist sicherlich keine tragende Idee der EU - aber sie ist es auch nicht in den Nationalstaaten. Die tragende Idee dort ist weit älter und verdient es nach etwas mehr als 200 Jahren kaum noch als Idee bezeichnet zu werden: Die Nation. Und an diesem antiquierten Konstrukt halten auch große Teile der Linken fest, weil ihnen nichts besseres einfällt.
Für die meisten Menschen ist die Nation nach wie vor die Größe, unter die sie sich stellen. Weder Demokratie noch freiheitliche Rechte für alle entfalten in Europa die Anziehungskraft, von der ein großes Projekt leben könnte. Und daher bleibt die EU ein Projekt, dass von den Eliten getragen wird, solange sich nicht eine Idee zeigt, für die die Menschen in Europa (und am besten auch die drumherum) sich begeistern können.
Sollen die Eliten nun also weiter machen? Europa hat den Europäern viel Gutes gebracht und wird dies wohl auch weiterhin tun. Gleichzeitig ist die EU auch Trägerin von Marktliberalisierung und ordnet sich daher mehr den Marktgesetzen unter als es die Nationalstaaten (in einer Zeit vor der alles erfassenden Globalisierung) mussten. Doch die Globalisierung ist nicht aufzuhalten, und Europa muss darauf reagieren, um im Markt zu bestehen. Dies ist der Ort, in dem sich der “Wohlstand der Nationen” heute entscheidet, die Arena der Staaten spielt eine immer geringere Rolle. Die Eliten haben das erkannt und reagieren darauf. Die kleinen Leute wollen an ihrer dummen Idee der Nation festhalten, statt eine neue zu entwickeln, in der die Gesetze des Marktes ihnen gestohlen bleiben können, weil sie ihn nicht mehr brauchen.
Wir sind allesamt Werderfans. Was macht man nun, wenn man bei der EM völlig zurecht für die niederländische Mannschaft cheert, und dann das rechte oder linke Kreuzband von Rafael van der Vaart mit lautem Knall in Stücke reißt? Findige Moralschieber retten sich dann damit, dass er ja ein ganz anderes Trikot trägt, als wenn er für den Verein aus Stellingen spielt, und dass sie sich demzufolge natürlich nicht freuen würden, wenn er sich verletzen würde. Man muss kein besonders großer Freund der Nazikeule sein, um unwillkürlich zu erwidern: Wenn du nun also Adolf Hitler im Hawaiihemd treffen würdest, würdest du auch einen Sex on the Beach mit ihm trinken?
Ist das eine Verharmlosung von Hitler, oder von Hawaiihemden? Nein. Um sich das zu veranschaulichen, genügt es, die zusammengehörigen Teile einmal ins Verhältnis zu setzen, also Quotienten zu bilden. Man kann dann mit Fug und Recht behaupten, dass Hitler geteilt durch Hawaiihemd ungefähr den gleichen Wert ergibt wie Van der Vaart geteilt durch Oranje-Dress. Es ergeben sich interessante Möglichkeiten, durch simples Umstellen der Gleichungen neue Erkenntnisse in fußball- und modemoralischen Fragen zu gewinnen. So lässt sich zum Beispiel sagen, das Van der Vaart identisch ist mit Hitler, wenn man diesen noch mit Hollandtrikot durch Blumenhemd (dem sogenannten Hemdquotienten) multipliziert. Dieser ist aufgrund der relativ verheerenden Wirkung von Hawaiihemden auf die Augen sehr gering. Genaue Werte liegen bisher nicht vor, man schätzt aber, dass Hitler 3 bis 14 Zehnerpotenzen schlimmer ist als Van der Vaart, dies entspricht genau dem Verhältnis zwischen den beiden genannten Kleidungsstücken.
Sprich: Van der Vaart bleibt ein HSVer, wenn er ein anderes Trikot trägt, genau wie Hitler ein Nazi bleibt, wenn er ein Hawaiihemd anhat. Und das, obwohl zwischen beiden Welten liegen, Welten von der gleichen Mächtigkeit wie zwischen den Kleidungsstücken. Was passiert, wenn Hitler ausländische Trikots anzieht, wurde bisher nicht erforscht. Vielleicht könnte man ihn dann liebgewinnen. Dann wird es ganz schwierig für jeden HSVer, da mitzuhalten. Werdertrikots kriegen sie von uns jedenfalls nicht.
Immer wieder stehe ich im Buchladen rum und frage mich, ob ich mir nicht mal das Buch Am Beispiel meines Bruders von Uwe Timm kaufen sollte. Der Autor hat sich mit dem Roman Kerbels Flucht durchaus empfohlen, und auch die Idee, die Geschichte des Bruders, der SS-Soldat war, niederzuschreiben, ist ja nicht von vornherein zu veruteilen. Warum man sie überhaupt verurteilen könnte? Die deutsche Literatur neigt dazu, sehr viel Verständnis für Naziverbrecher aufzubringen und sie nach Möglichkeit irgendwie als Opfer darzustellen.
Dass dies in Timms autobiografischer Familienrecherche nicht der Fall ist, versichert Hannes Heer im fünften Kapitel seiner quellenreichen, aber dennoch äußerst flüssig lesbaren und lesenswerten Geschichtsschreibungskritik “Hitler war´s”. Die Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit. In diesem Abschnitt beschäftigt er sich mit den Familenerinnerungen, die in den vergangenen zehn bis zwanzig Jahren den Markt geradezu überschwemmt haben und zweifelsohne häufig das Bedürfnis der Deutschen nach Verständnis für ihre Taten und nach Mitleid für ihr Leiden bedient haben. Und er sortiert den Markt ein wenig, mit guten Argumenten, wie ich finde, weshalb ich die Werke hier einfach mal in den Kategorien aufliste, in die Heer sie implizit einreiht - als Entscheidungshilfe vielleicht.
Konsequente Beschäftigung mit den Tätern in der eigenen Familie:
- Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders
- Stephan Wackwitz: Ein unsichtbares Land
- Wibke Bruns: Meines Vaters Land
- Dagmar Leupold: Nach den Kriegen
- Monika Jetter: Mein Kriegsvater
- Martin Pollack: Der Tote im Bunker
- Claudia Brunner und Uwe von Seltmann: Schweigen die Täter, reden die Enkel
Realistische Romane selbstverschuldeten deutschen Leids:
- Tanja Dückers: Himmelskörper
- Reinhard Jirgl: Die Unvollendeten
Typisch deutsche Geschichtsklitterei:
- Thomas Medicus: In den Augen meines Großvaters
- Ulla Hahn: Unscharfe Bilder
- Günter Grass: Im Krebsgang
- Arno Surminski: Vaterland ohne Väter
So sieht Heer das jedenfalls. Vielleicht können ja auch einige Leser näheres zu den genannten Büchern sagen.
Es ist definitiv schlimmer dieses Jahr. Ich mein, man verdrängt ja auch gerne, und für so manche Perversität, die man 2006 hinnehmen musste, ist die Zeit noch gar nicht reif. Aber man kann jetzt schon sagen: Es gab im Mai mehr von diesen Autofähnchen als im Vorvorjahreszeitraum, die Werbekampagnen sind wesentlich offener nationalistisch; viele Clips warben einst für Fernseher zum Fußballgucken, jetzt werben sie für den extraflachen nationalen Taumel.
Letztlich ist der Unterschied zu 2006 wohl, dass sich die Wirtschaft diesmal lange vorher drauf einstellen konnte. Jedes erdenkliche Produkt wurde spätestens seit März auch in Schwarzrotgold hergestellt, und jetzt liegt alles in den Regalen. Die Bäcker, die früher vom Stolz auf das Vaterland gepackt selbst schwarzen Zuckerguss anmischen mussten, um Berliner und Amerikaner entsprechend zu dekorieren, können nun, sofern ihnen das der Berufsethos nicht verbietet, auf Fertigmischungen zurückgreifen. Niemand muss mehr Angst haben, keine Fahne mehr zu bekommen, selbst beim Zweierpack Toblerone gibt es einen solchen Lappen dazu.
Der vermeintliche Vorteil, dass nämlich ein paar tausend Fans das Land verlassen, um ihren Helden zuzujubeln, ist im Endeffekt leider ein Nachteil. Es verlassen das Land Leute, die ein Spiel gern live sehen wollen, im Land bleiben solche, für die die EM weniger ein Sportereignis ist als eine Gelegenheit, ihren dummen Patriotismus auszuleben. Und die sind es, die mich so aufregen. Obwohl, die anderen regen mich eigentlich auch auf.

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