Dass in Deutschland etwas falsch läuft, merkt man mittlerweile bei jeder Fahrt zur Tankstelle.
Das teilte mir eben irgendein Politiker im Radio mit, wohl einer von der FDP. Ich würde ihn gerne fragen, wo man hinfahren muss, um das nicht zu merken.
…alles ist anders.
Dass in Deutschland etwas falsch läuft, merkt man mittlerweile bei jeder Fahrt zur Tankstelle.
Das teilte mir eben irgendein Politiker im Radio mit, wohl einer von der FDP. Ich würde ihn gerne fragen, wo man hinfahren muss, um das nicht zu merken.
Über Paul Dirac in der Frage, die hier neulich schon Thema war:
“Er war der einzige von uns, der die Vorläufigkeit unseres Wissens ertragen konnte. Selbst die Vermutung der großen Zahl war eher ein Spiel, eine Veranstaltung mit offenem Ende als ein Programm, das einen Abschluss will. Strenger Formalist, nie auf Abschluß aus, immer nur das nächste Puzzlestück finden, einpassen. Er wollte kein Gott werden, er wußte, anders als Einstein, Bohr, Heisenberg, daß es nicht unsere Aufgabe als Vernunftmenschen ist, die Religion zu ersetzen, sondern die Leute an einen Ort zu führen, wo sie merken, daß sie das nicht mehr brauchen: ein System von Aussagesätzen, das bereits das Ganze enthält. Die vorab gewusste, offenbarte Wahrheit: Darauf müssen wir verzichten.”
Oppenheimer in Dirac von Dietmar Dath
Zwei wunderbare Beispiele für falsche Benutzung von Statistiken:
1. Die schlicht dämliche Variante: “Wir sind sehr stolz darauf, dass es in Hamburg mehr Werder-Fanclubs gibt als es in Bremen HSV-Fanclubs gibt.”
In Hamburg gibt es ziemlich viele Sachen öfter als in Bremen. Wundersamerweise oftmals gut drei Mal so viel wie in Bremen. Schuhe zum Beispiel. Oder Kochtöpfe. Autos. Friseure. Supermärkte. Balkone. Es gibt sogar über drei Mal soviele Hamburger wie Bremer! Aber sag das mal einer dem Dachverband Bremer Fanclubs.
2. Die tendenziöse Variante: ‘Golan belongs to the Jewish people’
Heads of Golan communities: We’ll keep building in Golan; 80% of Israelis against ceding Golan Heights.
Kurze Erklärung: Die Golanhöhen sind strategisch wichtig im Norden Israels gelegen, wurden 1967 erobert und Syrien abgenommen, später dann annektiert und besiedelt. Nun steht theoretisch wieder die Möglichkeit einer Rückgabe an Syrien im Raum, gegen die natürlich von der israelischen Rechten Front gemacht wird. Bei der Jerusalem Post sieht das dann so aus, dass diejenigen, die ein unmittelbares Interesse daran haben, dass der Golan israelisch bleibt, nämlich vor allem die Juden, die dort leben, ausführlich zu Wort kommen. So schafft es die Aussage, dass 80% der Israelis gegen eine Rückgabe seien, bis in den Teaser auf der Hauptseite. Im Text liest man dann, wie diese Zahl zustande kommt:
We have been living on Israel’s quietest border for many years and the Israelis who come here to visit say in opinion polls that 80 percent of them are not willing to make concessions on the Golan.
Es geht also gar nicht um “die Israelis”, die irgendeine Meinung haben, sondern um diejenigen Israelis, die den Golan besuchen und mit den dort lebenden Menschen sprechen. Dass das bereits eine wichtige Vorauswahl ist, die nur die am Leben auf dem Golan interessierten Menschen einschliesst und alle anderen Israelis aussen vor lässt, scheint der JPost nicht aufzugehen, so sie es nicht ganz oder halb bewusst weggelassen hat. Genauso gut könnte man alle Fans von Werder fragen, ob der SVW für immer Deutscher Meister sein soll und das Ergebnis hinter her mit “94% der deutschen Fussball-Fans wollen, dass Werder für immer Deutscher Meister ist.”
Übrigens halte ich die gerade ins Spiel gebrachte Rückgabe des Golan ohnehin für illusorisch. Die vernünftigen Bedingungen, die daran geknüpft sein müssen, wären im Rahmen eines Friedensvertrags mit Syrien u.a. ein Ende der Unterstützung für Terrorgruppen wie Hisbollah und Hamas, eine Einigung über das Wasser des Jordan und eine Demilitarisierung des Golan. Das alles kann sich Syrien als Juniorpartner des antisemitischen iranischen Regimes aber nicht erlauben.
Sollte Syrien sich in Zukunft aber tatsächlich anders orientieren, wäre es ein guter Tausch. Man gibt den Golan zurück und erhält damit einen Frieden im Norden, wenn die Hisbollah im Libanon nicht mehr durch Syrien gestützt wird. Mit dieser Perspektive vor Augen würde vermutlich eine überwältigende Mehrheit der Israelis einer Räumung zustimmen. Und nicht nur 20%.
Das alles ist aber so unwahrscheinlich, dass die jüdischen Siedler dort ruhig erstmal weiterbauen können, während in ihrer Nähe die Manöver von syrischer und israelischer Armee stattfinden. Vor ein paar Wochen sahen einige schon einen Krieg im Sommer kommen, nun gehen die Bedingungen eines Friedens durch die Medien, ohne dass zwischendrin irgendetwas passiert wäre. Der Nahe Osten wird nie langweilig.

Das kann nur gelogen oder sehr alt sein, denn Wikipedia weiss weder beim jetzigen noch beim vorherigen Präsidenten von Ungarn davon. Anyway, ein schönes Bild.
…beisst du besser nicht. Sollte man meinen. Im Gazastreifen sieht man das anders. Heute sind mehrere Terroristen von dort nach Israel eingedrungen und haben einen Terminal angegriffen, von dem aus Benzin in den Gazastreifen gebracht wird. Merkwürdigerweise versorgt Israel nämlich den ganzen Gazastreifen mit Benzin und Strom, während man de facto im Krieg mit Gaza ist. Mit der aus Israel gelieferten Energie arbeiten auch die offenbar zahllosen Terroristen, die dann Kassam-Raketen über die Grenze feuern. Kürzlich führte das zu der spannenden Situation, dass ein Krankenhaus in Ashkelon beschossen wurde, in dem gerade eine Araberin aus Gaza ihre Zwillinge bekommen hatte. Wäre das ein Volltreffer gewesen! Nun also ein Angriff auf die Spritversorgung, bei der man mutmaßlich Israelis entführen wollte. Das gelang nicht, zwei Israelis starben, anschliessend erwischten die IDF ein Auto der Terroristen, über die Anzahl der Getöteten wird noch gestritten.
Wer nun eigentlich nur noch den Kopf schütteln kann über die Dummheit der Hamas, liegt nicht ganz richtig. Sollte Israel nun konsequenterweise endlich die Lieferungen nach Gaza einstellen, wird das altbekannte Geheule von dort wieder lauter werden, und sämtliche Gutmenschen mit oder ohne Amt rund um die Welt werden Israel für seine Rücksichtslosigkeit verurteilen. Das wiederum ist für den Judenstaat offensichtlich noch weniger hinzunehmen als der ständige Beschuss seiner Bürger in der Gegend um den Gazastreifen. Also liefert man weiter, nimmt den Beschuss hin und tötet ab und zu ein paar Terroristen bei Operationen im Gazastreifen.
Mal sehen, wie lange das noch so weitergeht.
Nachtrag: Lozowick hats auch schon kommentiert.
Besonders beachtlich finde ich übrigens das Ambiente drumherum.
Was viele ja nicht wissen: Unter Verbrechern herrscht eine Solidarität, wie man sie unter gesetzestreuen Menschen nur selten findet. Und so sei hier und heute auf den Verbrecher Verlag im Allgemeinen und auf zwei neue Bücher im Speziellen hingewiesen. Aus Berlin kommen die guten Menschen und verlegen linke oder zumindest irgendwie andere Literatur.
Unter beide Klassifikationen fällt jedenfalls das brandneue Bremenbuch, das sich in eine bereits zehnteilige Serie von Stadtbüchern im gleichen Verlag einreiht. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Texten und Bildern zu unserer schönen Stadt, in denen ein Blickwinkel eingenommen wird, den man bei den Veröffentlichungen von Schünemann und Edition Temmen nur selten abmessen kann. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, sondern nur angeguckt und angehört. Beim Angucken fällt auf, dass die Bilder schön, aber ein bisschen zu wenig sind. Beim Anhören, ich hatte die Gelegenheit, einige Autoren auf einer Werbestraßenbahnfahrt lesen zu hören, fällt auf, dass die Texte manchmal gut und manchmal nicht so gut sind. Vorgetragen wurde eine nette Studie der Befindlichkeiten der Bewohner des Viertels, die sich über die “Kommerzialisierung ihrer Geschäftsstraße” ärgern und jedes Silvester auf 1988 warten. Auch schön, aber viel zu kurz sind die persönlichen Erinnerungen von Sven Regener an 50 Jahre Neue Vahr, wo er 20 Jahre lebte. Eine weitere Geschichte handelt von einem Punker, der nur Gutes tun wollte, dafür in der Ausnüchterungszelle landete und dort Hafturlaub forderte, wegen Weihnachten. Etwas sinnlos erschien mir ein Brief an die BSAG, in der die neuen Bahnen gedisst werden. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich dem Buch mit etwa 180 Seiten einen Wert von 13€ zuschreiben kann und soll.
Eine weitere Neuerscheinung ist nicht ganz eine, immerhin erschien Für immer Honig schon 2005 in einer kleineren Auflage. Autor ist Dietmar Dath, von dem es ein bisschen was auch auf der Verlagsseite zu lesen gibt. Das Werk hat 1000 Seiten und ist angeblich dennoch “relativ rasch runterzulesen”. Die Themenliste des historischen Romans ohne historische Vorlage klingt mit “Pädophilie, Hillary Clinton, Wölfen, Molekulargenetik, der NATO, den Schulden der Dritten Welt, süddeutschen Provinznestern, Schnee, Nazis, Islamismus” und vielem mehr tatsächlich alles andere als langweilig. Das Buch erscheint im Mai und kostet dann 32€, ein Buch für Reiche mit viel Platz im Regal.
Zwar habe ich die Broschüre, aus der ich fast alle meine Informationen gezogen habe, bei Thalia bekommen. Dennoch sei für den Kauf all der schönen Bücher doch abermals der Golden Shop im Fehrfeld wärmstens empfohlen. Wenn man Glück hat, bekommt man dort sogar noch einen der seltenen (das ist wahrscheinlich gelogen) und äußerst schicken (gesicherte Info) Verbrecher-Buttons zu seinem Kauf. Das entscheidende Argument, diesen Laden allen anderen vorzuziehe, ist allerdings folgendes: Als einziger Laden in ganz Bremen (mit einem Stichprobenumfang von 7) hat man hier Mein Katalonien von George Orwell immer vorrätig.
Dieser Tipp wird Ihnen locker-flockig präsentiert von der verbrochenes.net-Lebensberatung. Wer es damit immer noch nicht auf die Reihe kriegt, ist dumm.
Dietmar Dath veröffentlicht etwas Neues und zwar keinen Roman, sondern eine Streitschrift. Revolutionär wird es zugehen, glaubt man dem Verlagstext:
Wie soll man die Maschinen stürmen, um sie in Besitz zu nehmen? Kann man die moderne Arbeitsteilung beibehalten, aber die Hierarchien, Abhängigkeiten und das Unrecht loswerden, die an ihr kleben? Was haben die Industrie, der von ihr geschaffene Reichtum und der von ihr ausgeworfene Schmutz mit Freiheit zu tun?
Am schnellsten und bequemsten kommt man vermutlich durch eine Vorbestellung bei Amazon an dieses 10€ billige Heft. Das schöne an Dietmar Dath ist, dass es selbst, wenn es sich als inhaltlicher Quatsch herausstellen sollte (unwahrscheinlich!), wunderbar zu lesen sein wird.
Apropos Zeitgeist: Anthroposophen glauben tatsächlich an einen Zeitgeist als einen Geist, der je nach Zeit(alter) die Handlungen der Menschen bestimmt. Und an verschiedene Erdgeister, von denen der amerikanische aufrechte Arier nach ihrer Auswanderung aus Europa zu dekadenten Indianern macht. So komme ich auf verworrenen Wegen endlich dazu, ein Buch zu empfehlen, das zwar nichts mit dem Video, aber umso mehr mit Athroposophie zu tun hat: Peter Bierl: Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister. Die Anthroposophie Rudolf Steiners und die Waldorfpädagogik. Erschienen im Konkret Literatur Verlag.
Letzte Kommentare