Was ich anders sehe als die Befreier: Es waren nicht nur Bismarck, Willhelm II und Hitler, die die Deutschen verführten; die Deutschen in ihren Vereinen und an ihren Stammtischen wollten verführt werden, groß werden und die Welt das Fürchten lehren. Viele wollen das bis heute. Das Deutschtum ist keine Krankheit, sondern eine Kultur.
…alles ist anders.
Der israelische Ministerpräsident ist gerade in Berlin. Allerdings bekommt man davon nichts mit. Sowohl bei FAZ.net als auch bei SpOn ist auf der Hauptseite nichts davon zu sehen. Die Suchfunktion schmeisst immerhin bei der FAZ einen Artikel von morgen aus, dessen Lektüre aber kostenpflichtig ist. Die Internetausgabe der Jerusalem Post zitiert ihn, aber nicht in Sachen Deutschland. Hängt alles damit zusammen, dass die politischen Gespräche erst morgen beginnen, wundert mich aber trotzdem.
Tagesschau.de fällt aus dem Rahmen und berichtet bereits heute. Und das relativ interessant.
Heute nun erklärte Olmert in Berlin, seine Regierung habe der Armee freie Hand gegeben, das Vorgehen im Gaza-Streifen zu verschärfen. “Unsere Sicherheitskräfte haben die Erlaubnis, alles Nötige zu unternehmen, um die Lage zu ändern”, sagte er. Vizeregierungschef Haim Ramon drohte sogar mit einer gewaltsamen Entmachtung der Hamas. “Es wird ein paar Monate dauern, vielleicht ein Jahr”, sagte er. “Aber am Ende wird es die Hamas als Terror-Organisation nicht mehr geben.”
Im exzellenten Blog von Yaacov Lozowick liest man Ähnliches.
He claims the goals will be to de-fang the Palestinian ability to wage terror from Gaza; to get rid of the Hamas government; to create a situation similar to the West Bank where Israeli tactical intelligence gathering is smooth, uninterrupted, local, and highly efficient; and to change the status of the Egyptian-Gaza border so that someone reliable really controls it.
Es steht also zu erwarten, dass die IDF demnächst massiv im Gaza-Streifen aktiv werden. Die Anführer der Terroristengruppen verstecken sich offenbar schon.
According to Al-Quds, after Haniyeh was reportedly placed at the head of Israel’s assassination list, Hamas security took steps to increase security around the heads of the organization, especially Haniyeh. “Only a few of Haniyeh’s bodyguards know where he is,” the sources said.
Falls man die Herrschaft der Hamas in Gaza tatsächlich beseitigen will, ist die interessante Frage, was danach kommen soll. Eine von den Israelis durchgesetzte Herrschaft der Fatah und damit die Wiederangliederung ans Westjordanland erscheint unrealistisch. Mahmud Abbas steht ohnehin schon im Ruf, zu viel mit den USA und Israel zusammen zu arbeiten. Ausserdem ist fraglich, ob das überhaupt die Probleme lösen würde, deretwegen man die Hamas jetzt bekämpfen will.
Eine erneute Besatzung wäre ein Rückschritt und würde viele Opfer fordern. Andererseits würde sie den Israelis um den Gazastreifen herum wieder ein sicheres Leben ermöglichen. Und das ist schliesslich das Ziel.
Ein weiteres Gedankenspiel beinhaltet eine internationale Schutztruppe in Gaza, was für Israel natürlich komfortabel wäre. Aber wer ist schon so hirnverbrannt, sich freiwillig diesen Alptraum aufzuhalsen?
Ägypten jedenfalls nicht, obwohl manche das gerne sehen würden. Für Israel wäre auch das eine sehr gute Lösung, zumal man damit den Gazastreifen langfristig vom Westjordanland trennen könnte, somit die bisherigen Pläne für einen palästinensischen Nationalstaat zurück in der Schublade verschwänden und für das Westjordanland eine andere Lösung gesucht werden könnte. Ein Traum für die israelische Rechte.
Wie man sieht, sind alle guten Lösungen unmöglich und alle möglichen Lösungen schlecht. Und ob man von denen eine erreicht, steht auch nochmal auf einem anderen Blatt.
Man darf gespannt sein, wie sich Jerusalem entscheidet. Regierung und Armeeführung haben auch noch den verpatzten Sommerkrieg von 2006 im Gepäck und wissen sehr genau, dass sie den nächsten Krieg gewinnen müssen. Nicht nur für ihr eigenes politisches Überleben, sondern vor allem, um das Abschreckungspotential der IDF wiederherzustellen. Dass es einen nächsten Krieg geben wird, ist sicher.
Erst mal was anderes: Warum brauche ich bei Wochenzeitungen, selbst wenn sie so dünn sind wie die Jungle World, eigentlich grundsätzlich zwei Wochen zum Durchlesen? Heute im Zug war ich jedenfalls endlich auf Seite 21 des Dschungels der Ausgabe aus der vorvergenen Woche angekommen. Dort wird in köstlicher Manier der “schlechteste Roman der Welt”, Rupertshain von Martin Mosebach, in seiner sprachlichen Unvollkommenheit auseinandergenommen. Ein Ausschnitt:
Was sie nicht ertrug, waren die Phasen der Zerknirschung, in denen Ivanovich sich immer wieder badete. (89) Da man jedoch in einer Phase nicht baden kann wie in Wasser oder in Eselsmilch oder womöglich auch wie in der eigenen Zerknirschung, bedeutet dieser Satz, dass Ivanovich jene Phasen damit verbringt, seine Badewanne mehrmals zu besteigen und zu verlassen. Aber ist es das, was Mosebach sagen will?
Die Tränenströme, die Ivanovich nun vergoß, trafen sie daher unvorbereitet. (137) Nein, keine Sorge! In Wirklichkeit treffen die Tränen sie gar nicht. Mosebach will hier bloß sagen, dass Marie-France es nicht erwartet hat, Ivanovich weinen zu sehen.
Tatsächlich konnte ich mir an dieser Stelle eine Lachträne nicht mehr verkneifen. Und obwohl ich mit dieser mein Gegenüber knapp verfehlte, bekam ich die abschätzigen Blicke, die man als emotionaler Leser in der Öffentlichkeit hin und wieder ertragen muss.
Die Klugscheißerbücher, die der Spiegel mittlerweile in Serie herausbringt, hasse ich ja auch. Doch in diesem Artikel trifft es das Werk eines Autoren, der für ebendieses einen Büchnerpreis bekommen hat und von den Vertretern des Literaturbetriebs gefeiert wird. Wer also Unterhaltung auf Kosten anderer in Kombination mit berechtigter Kritik am Kulturestablishment sucht, wird hier fündig.
Als ich gerade eine .org-Seite ansteuerte, stellte ich mir die Frage, ob die Domain orgasm.org schon vergeben sei und an wen. Obwohl mir das Ergebnis schon fast klar war, gab ich sie dennoch in den Browser ein und fand - eine konservative amerikanische Politikseite mit dem schönen Titel YouPolitical. Diese bekommt so zwar ganz bestimmt eine Menge Besucher, aber ich bin mir nicht sicher, ob diese sich wirklich über Amerika und den Internationalen Terrorismus informieren wollen.
Wenn man nämlich Angst hat, den nächsten Anschlag in seiner Nähe zu verpassen, wendet man sich vertrauensvoll an terroristwarning.com. tagesschau.de tut es aber vielleicht auch.

… sieht uebrigens die NPD-Bundeszentrale von hinten aus. Da ist es nicht verwunderlich, dass es bei manchen auch mit der nationalen Idee an sich bergab geht.
In der englischen Ausgabe meines Lieblingsbuches habe ich gerade eine tolle Kategorie gefunden: Deutsche Lehnwörter in der Weltsprache. Vielleicht sagen diese knapp 400 Wörter mehr als tausend Worte über die Funktion Deutschlands als Segen für die Welt. Aber: Wenn man die kriegerischen und faschistoiden Schöpfungen der Dichter und Denker mal ausklammert, hat man es hier mit einer astreinen Kandidatenliste für das schönste Wort in deutscher Sprache vorliegen. Nur Kapitulation wurde vergessen.
Nachtrag, 21:14: Mir fällt gerade auf, dass auch Machtergreifung auf der Liste steht. So ein Zufall. Wozu brauchen die Deutschen einen Holocaustgedenktag? Der ganze Kalender ist voller Gedenktage in Deutschland.
Joe Pesci und Robert De Niro diskutieren über ihr persönliches Verhältnis. De Niro führt ein Casino in Las Vegas, Pesci ist ein brutaler Schläger und gefährdet so das Geschäft.
Ich trags ganz vorneweg mal nach, für die marodierenden Horden Demointeressierter, die hier über Google reinkommen: Demobericht und Diskussion bei Indymedia.
Und wenn ihr schon hier seid, guckt doch auch mal beim Antifacamp vorbei.
Ich sags vorneweg: Ich will an Kleinigkeiten herummäkeln.
Morgen findet in Osterholz-Scharmbeck, einer Kleinstadt vor Bremen, eine Antifa-Demo statt. Die Beschreibung ist kurz zitiert, einen längeren Aufruf finde ich nicht, vermutlich gibt es keinen.
Antifaschistische Demonstration in Osterholz-Scharmbeck
Am 26. Januar findet in Osterholz-Scharmbeck unter dem Motto: “Nazis raus aus den Köpfen und aus den Parlamenten” eine Antifa-Demo statt. Los geht es um 14 Uhr am Bahnhof. Nach der Demo ist ab 20 Uhr noch ein Konzert im KUZ (Am Kleinbahnhof).
Im Wahlkreis 60 (Osterholz), zu dem auch Osterholz-Scharmbeck zählt, kandidiert übrigens der Verdener Neonazi Sven Wellhausen für die NPD.
Achtung, die Demo findet um 14 Uhr statt, nicht um 17 Uhr!
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Auf dem Flyer Plakat unten kann man lesen, wogegen sich diese Demo wendet: “Demonstration gegen den Antritt rechter Parteien bei den Landtagswahlen in Niedersachsen 2008″.
Es geht also nicht darum, gegen Nazis an sich zu demonstrieren. Noch weniger geht es darum, sich gegen deren Inhalte zu wenden. Es geht auch nicht gegen die Existenz rechtsextremer Parteien, namentlich vielleicht eben der NPD, es wird kein Verbot gefordert. Man benennt noch nicht einmal die Nazis, gegen die es gehen soll.
Stattdessen wird mit der Formulierung “rechter Parteien” weiter Interpretationsspielraum gelassen. Will man Landtagswahlen ohne CDU? Oder nur ohne die NPD? Warum dann “gegen den Antritt” und nicht gegen die NPD oder einfach gegen Nazis, die es in Niedersachsen zuhauf gibt, Parteiorganisation hin oder her?
Wie kommen linksextreme Gruppen dazu, sich ausgerechnet an Landtagswahlen zu klammern?
Oben ist von Parlamenten die Rede, die nazifrei zu halten seien. Das ist zwar immerhin eine Parole gegen die Nazis, klingt aber genauso arg nach Linkspartei und DGB.
Grundsätzlich ist mir die Idee, sich gegen Nazis auszusprechen, in welcher Form auch immer, natürlich sympathisch. Genau deswegen wundere ich mich aber, warum offensichtlich über ganze zwei Sätze, die man zur Mobilisierung schreibt, nicht mal ein bisschen nachgedacht wird bzw. warum so etwas dabei herauskommt.
Ein älterer, aber noch nicht richtig alter Mann sitzt in einer Bahn der Linie 6 in Richtung Universität, ich steige am Leipnitzplatz zu. Zur zeitlichen Orientierung webe ich die Ansagen der Haltestellen in den Monolog des Scheißdeutschen ein.
(Leipnizplatz) Scheiße das alles hier! (Wilhelm-Kaisen-Brücke) Richtig Scheiße! (Domsheide - City Center) Das schlimmste - das schlimmste sind ja sowieso Sozialdemokraten, die Volkswagen fahren. VW! Sozialdemokraten mit VW, das sind die Schlimmsten. Die wissen doch, dass das Hitlerautos sind. Sind aber eh alles Schweine. Lustreisen und so, alle von der SPD und von VW. Scheiß Sozialdemokraten! (Hauptbahnhof - Main Station) Vielleicht noch ne Ansage auf Türkisch? (Anderer Fahrgast: Ja, und für sie vielleicht noch auf Plattdeutsch?) Nee, Plattdeutsch ist auch scheiße, das wird überbewertet. Ich hab immer Hochdeutsch gesprochen. - Englisch. Alles wollen uns die Amerikaner vorschreiben. Kriegstreiber sind das. Fangen überall Krieg an. Krieg ist schlimm. Hab das alles erlebt. Schlimm. Und die Frauen mussten nicht kämpfen. Die sollen mal in den Krieg gehen, damit die sehen, wie schlimm das ist. In Serbien, die hatten Frauen, die Partisanen. Die Partisanenfrauen, das waren die schlimmsten. Meine Nachbarin ist auch so eine, so ne Partisanenfrau. Aber die mach ich fertig, die kriegt mich nicht klein.
Drei Mädchen im Teenageralter, Optik unbekannt. Akustik:
Teenie 1: Ich find das ja total aufregend, dass Bremen jetzt einen Starbucks hat! Lass da nachher mal hin.
Teenie 2: Och nee, ich war da schon in New York.

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