Kürzlich meldete die Bremer Linkspartei verstört, dass es “nun auch in Bremen” einen “antideutschen Spuk” gebe. Anlass war offenkundig, dass die eigenen antisemitischen Veranstaltungen von “fanatischen Pro-Israel-Kämpfern” besucht wurden, die sich dann an den Diskussionen beteiligten und für schlechte Laune sorgten.
Gestern nun erreichte uns eine eMail, in der die sofortige Veröffentlichung der folgenden Proklamation verlangt wurde. Das war zwar frech, aber wer auf den Seiten der Linkspartei als “antideutscher Spuk”, als “Avantgarde dieser fanatischen Pro-Israel-Kämpfer”, die “im Hinter- und Untergrund arbeitet”, bezeichnet wird, der darf hier natürlich gerne veröffentlichen. Zum besseren Verständnis empfiehlt sich auf jeden Fall die vorherige Lektüre des oben angeführten Links. Dass Antideutsche so schreiben, wie sie schreiben – dafür kann die Redaktion jetzt auch nichts.
Antideutsche Avantgarde, schon 3 1/2 Wochen
Tja, lieber Bonde, da wirst du jetzt große Augen machen: ganz gegen den aktuellen Trend hat sich in unserem Bundesländchen eine „Antideutsche Avantgarde“ etablieren können, und das nicht erst seit gestern.
Vom Fachverband für die anti-anti-, also deutsche Frage, genannt „Die Linke in Bremen“, im Vorfeld des „Mavi Marmara“-Zwischenfalls am 28. Mai offiziell enttarnt und unter Zuhilfenahme gefaketer Expertise schonungslos etikettiert bilden diese „Freunde Israels“ anscheinend das letzte Bollwerk, das der erträumten „gerechten Aufteilung des Landes“ noch im Wege steht. „Viele linke Gruppen“ distanzierten sich angeblich schon dankend. Falls daran auch nur ein Wort wahr sein sollte wird blanker Neid in dem einen oder anderen Fall die nicht eben geringste Rolle gespielt haben. Und Verbrochenes.net sehe ich gleich schon mit auf der Liste.
Du kannst hier ja so ein bißchen antideutscheln, so gut das eben gelingt, oder Passivfußball spielen mit deinen Freunden, alles ein Tun. Antideutsche Avantgarde geht anders. Am besten geht die nämlich immer noch praktisch wie von selbst. „Anti-deutsch“ – das will ja kein angestrengtes Wollen, bemühtes Wirken, tiefes Fühlen und Drängen vorstellen, sondern gerade ganz das Gegenteil. Die antideutsche Avantgardestellung ergibt sich demnach auch völlig unerwartet – oder eben gar nicht. Selbst ein Weblog wäre dabei nur hinderlich, und falls das jetzt zufällig ein Englisch-Zweitsprachler lesen sollte, wird er den Kalauer hoffentlich genießen, den ich mir darauf erlaube, dass ich mir so etwas auch gar nicht erst virtuell ans Bein binde.
Wie also ist es den Fanatikern unter den Pro-Israel-Kämpfern gelungen, sich so souverän durchzusetzen? Ich muss ein bisschen ausholen:
Als im alten Jahr der Winter seinen harschen Einzug hielt und der avantgardistische AD-Troll vorerst nur schlummerte und schnarchte, verkündete die kulturelle Parteilinke im Lande mit großem Tam-Tam, aber ohne besonderes Aufsehen die Gründung einer sog. „Kulturredaktion“. Diese würde nach eigenem Bekunden gerne „das Politische in der Kultur aufspüren und den regionalen Aspekt betonen“ bzw. „eine Informations- und Diskussionsplattform für das linke Spektrum in Bremen und umzu bieten“, wobei umzu und der regionale Aspekt in diesem Fall mindestens bis zum Jordan und auf den Golan reichen, der Aspekt Information und Diskussion hingegen nicht allzu hoch bewertet werden sollte.
Die Redaktion hat man sich auch nicht etwa als Verlautbarungsorgan der Partei Die Linke vorzustellen, die Stellungnahmen zu deren Veröffentlichungen bisher lieber vermied, sondern eher als eine Art zufällige Mitbewohnerin auf ein und derselben Internetadresse, die darüber hinaus ihren Autoren freie Hand lässt, ihr Geschreibsel ganz in eigener Verantwortung zu verbreiten. So versicherte es mir jedenfalls Sönke Hundt, der sich trotzdem irgendwie dafür zuständig zu fühlen scheint, auf Nachfrage. Und tatsächlich erschließt sich diese Politik ja vielfach schon durch einen Blick auf die Resultate, außer schwerwiegend Wahrnehmungsgestörten wie mir, versteht sich, denen ihre Umwelt ohnehin nur noch „komplett antisemitisch“ erscheint.
Als besonders verlässliches Trüffelschwein zur Aufspürung des Politischen in der Kultur wie auch für die zunehmende Regionalisierung eines altbekannten Konflikts erweist sich regelmäßig ein Arn Strohmeyer, der grundsätzlich nur noch als „der Bremer Journalist Arn Strohmeyer, der früher beim Weser-Kurier und den Bremer Nachrichten gearbeitet hat“ bezeichnet werden sollte, weil sonst kein durchschnittlich vernunftbegabter Mensch von selbst darauf käme. Die geistige Kapazität dieser Koryphäe im besonderen wie der „Kulturredaktion“ im allgemeinen erschließt sich am eingängigsten über ihren jüngsten gemeinsamen Geniestreich: die irre Behauptung, das Transparent, das den bärtigen Schlachterjuden zeigt, wie er den sympathischen Gaza-Hilfsdelfin auf den Haken nimmt, schächtet und ausbluten lässt, wäre auf der Demo am 5. Juni „von den meisten Teilnehmern vermutlich überhaupt nicht wahrgenommen worden“, mit dem Foto des Autors als Redner vor eben diesem Transparent zu illustrieren.
Strohmeyer legte in den vergangenen Monaten ein ganz erstaunliches Talent an den Tag, jedes Mal zugegen zu sein, wenn das Bremer Netzwerk für einen gerechten Frieden im Nahen Osten und andere Allmachtsphantasien und die „verschiedenen Friedens- und Nahostgruppen“, in denen er sich sonst noch tummelt, wieder mal einen „zumeist jüdischen oder israelischen Referenten“ aufgetrieben hatten, der ihnen erzählen sollte, dass die Juden in Israel eine „Holocaustreligion“ praktizieren bzw. dass dort seit nunmehr schon über 35 Jahren die Machtergreifung der jüdischen Nazis unmittelbar vor der Tür steht.
Dabei entging ihm auch nicht, dass in diesen Zirkeln von 15 Personen aufwärts mitunter Leute auftauchten, deren perfide Hinterlist, die propagierten Inhalte erst einmal ernst zu nehmen, um dann nachzuhaken, ob das denn tatsächlich ernst gemeint sein könnte, regelmäßig Abwehr und Unbehagen provozierte. So brachte z. B. dem Verfasser das irgendwo zwischen wohlwollend und naiv anzusiedelnde Manöver, in gutem Glauben erst einmal davon auszugehen, Reuven „Doc“ Moskowitz hätte tatsächlich jemals eine Dissertationsschrift verfasst, den Vorwurf ein, einen alten Mann „inquisitorisch nach seiner wissenschaftlichen Qualifikation befragt“ zu haben.
Die Darstellung hat mit der Wirklichkeit zwar nur etwa so viel zu tun wie die Analogien zwischen Reden im Reichstag 33-45 und in der Knesset 67-73, die der „Friedensabenteurer“ durch angestrengtes Suchen aufgedeckt haben will, schmerzt aber doch sehr, da sie vor dem geistigen Auge wieder und wieder das Schreckensbild eines Pontifikatsprätendenten wider Willen erweckt, der es auch unter der Folter ablehnt, sich zum Gegenstand zu äußern, und ungerührt fortfährt seinen Segen zu spenden. Immerhin: ein aufschlussreiches Indiz konnte dem Delinquenten abgepresst werden. Moskowitz` bahnbrechendes Grundlagenwerk „Deutsche und Juden zwischen der Macht des Geistes und der Ohnmacht der Gewalt“ scheint für die Menschheit tatsächlich noch nicht ganz verloren zu sein. Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung soll möglicherweise noch eine vage Ideensammlung existieren. Allerdings hatten die antideutschen Kundschafter sich nun schon so weit aus der Deckung gewagt, dass sie selbst in den Fokus des Interesses geraten mussten. Ein professioneller Seelsorger, geschult an E. R. Carmins „Das schwarze Reich“, der schon Iris Hefets mit der Frage konfrontiert hatte, ob sie denn überhaupt „blutsmäßig“ Jüdin wäre, nahm spontan eine Blickanalyse an mir vor. Das Ergebnis konnte aber nicht überzeugen. Jedenfalls mich nicht.
Wie eigentlich sowieso alles geriet die Sache aber über Henryk Broders Achse des Guten so richtig ins Rollen, in diesem Fall aber ganz zufällig, indem dort ein auf das Notwendigste beschränkter Augenzeugenbericht aus der denkbar „israelkritischen“ Freakshow „Zionismus – seine Genesis, seine Gefahren, sein Untergang“ erschien, die im März in den Katakomben des Überseemuseums gastierte, wie ja Veranstaltungen zum Nahost-Konflikt, die sich nicht bloß empörend darstellen, beckmesserisch und unqualifiziert, sondern einfach nur noch grauenhaft, grundgruselig und grottig, geradezu zwanghaft auf dieses Haus abonniert zu sein scheinen. Sei es, dass dort Dr. Massarat lehrt, sich mit der iranischen Bombe anzufreunden, oder Iris who-the-fuck Hefets Angriffe türkischer Hooligans auf israelische Sportler als begrüßenswerte politische Aktion feiert.
Der selbstredend fruchtlose Versuch, die Direktorin dieses Museums zu überreden, wenigstens aus Rücksicht auf die Außenwirkung ihrer Einrichtung nach Hajo „Holocaustreligion“ Meyer nicht auch noch Iris „Schoah-Kult“ Hefets ein Forum zu bieten, tat ein übriges. Mitglieder der diversen „menschenrechtsbezogenen“ bzw. „zivilgesellschaftlichen“ Gruppen, die, teils in Personalunion, den Kampf gegen die jüdische Nationalbewegung zu dem ihren gemacht hatten, nahmen die getreue Wiedergabe ihrer Aktivitäten völlig zu recht als vollendeten Rufmord wahr und schlossen von dem Entsetzen, das sich ihrer daraufhin bemächtigte, fälschlich auf die Größe der unheimlichen Macht, die offenbar dahinter stecken musste, insofern Menschen nicht unähnlich, die jedes Mal aufs neue erschrecken, wenn sie im Spiegel ihren Schatten entdecken, weil sie sich nicht erklären können, wer ihnen das angehext haben mag und warum bloß.
Strohmeyer recherchierte jetzt noch ein bisschen sorgfältiger als sonst und stieß so auf den harten Kern einer eigentlich eher heterogenen Gruppe aus ca. zwei Bonvivants, die es sich zum schönen Brauch gemacht hatten, in ihrer Freizeit in loser Folge ein paar mehr oder auch weniger ersprießliche Vortragsveranstaltungen am Abend zu besuchen, um im Anschluss, so die Umstände das eben zuließen, eventuell noch einen heben zu gehen, aka „Sprengel“ (nein, das leitet sich nicht vom Naschwerk gleichen Namens ab), aka „Vorkämpfer“. Letzterer Nom-de-Guerre ist unverkennbar der schier verheerenden Wirkung geschuldet, die die pointierten Diskussionsbeiträge der pathologischen Philosemiten entfalteten, so sie denn überhaupt mal zu Wort kamen, die nur den Schluss zuließ, dass es sich bei ihnen wohl um die Schocktruppen handeln müsse, in deren Rücken das große anti-deutsche Aufräumen erbarmungslos seinen Lauf nehmen würde – „Zerstörung der deutschen Nation“ und Aufteilung der Bundesrepublik unter ihren Nachbarn inclusive, also recht genau das, was das Bremer Netzwerk für einen gerechten Frieden im Nahen Osten sich doch eigentlich für eine ganz andere Gegend ausgedacht hatte.
Diese „Avantgarde“, über die inzwischen schon eine Menge haarsträubender Unwahrheiten gestreut wurden, wobei die Behauptung, es handele sich um „junge Leute“ noch mit Abstand zu den schmeichelhafteren zählt, bin zuvorderst mal ich. Und über mich soll hier nicht mehr verraten werden, als ein Geistheiler, ein Möchtegern-Stasi-Agent und ein schludriger Kopist auch nicht herausgefunden haben, da es ja sonst nicht mehr spannend wäre.
Zweitens kommt da schon mein sporadischer Saufkumpan und unerschütterlicher Stil- und Politikberater JPH, eigentlich ein Kryptokonservativer reinsten Wassers, so links wie das Steuer an seinem chromblitzenden Bentley, der mich schon verflucht hat, bevor ich überhaupt die Zeit fand, mich hinzusetzen, um diese Erklärung schriftlich zu fixieren, und der jetzt mal schön selbst zusehen kann, wie er aus dieser Nummer wieder herauskommt. Ich gönne es ihm von ganzem Herzen! Ja, ganz vorn an der Spitze der Avantgarde, wo die Katjuschas pfeifen und das rotlackierte Ressentiment aus tausend Schlünden droht, kann es bekanntlich auch schnell einsam werden…
Was hier in Bremen sonst noch unter dem Label „antideutsch“ gehandelt wird, ganz gleich ob es sich dabei um eine Eigen- oder Fremdkreation handeln mag, wird über kurz oder lang gar keine andere Wahl haben, als sich in unsere Arrière-Garde einzureihen, oder aber für alle Zeit im Schmollwinkel der Geschichte zu versauern. Ich empfehle, rechtzeitig zu reservieren, die Bearbeitung der Mitgliedsanträge kann sich hinziehen. Eine Aufnahme wird selbstverständlich davon abhängig gemacht werden, ob gewisse Sätze antideutscher Ideologie unterschrieben werden oder eben auch nicht. Der Fragenkatalog ist erhältlich bei Arn Strohmeyer, dem früheren Weserkurier-Mitarbeiter, c/o Onlineredaktion bei Die Linke in Bremen. online-redaktion@dielinke-bremen.de
Good luck! Wir sehen uns dann am Donnerstag bei Inge Höger, der Heiligen Johanna der Frauendecks.
Diesmal auch ganz offiziell eingeladen von der Partei des deutschen Antizionismus. Sönke Hundt wird den Conférencier geben, Arn Strohmeyer wie gewohnt den interessierten Beobachter. So ein Zufall jetzt aber auch…
TL
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