Werder Bremen spielt schon seit Monaten konstant schlecht, und es sieht nicht so aus, als ob Thomas Schaaf irgendeine Idee hätte, die das ändern könnte. Stattdessen wird von Klaus Allofs verkündet, die Verantwortung liege zu 100% bei den Spielern, was ein Hohn ist, wenn es diejenigen sagen, die die tatsächliche sportliche Verantwortung tragen. Schaaf ändert nichts, sondern benimmt sich auch so, als sei er dafür nicht verantwortlich. Dabei fehlt es nicht einmal an Einsatz bei den Spielern, sie wollen alle, sie können aber im Moment nicht besser. Da wird es nicht helfen, wenn man sie weiter allein verantwortlich macht und im Training anpöbelt.
Jeder kann sehen, dass die Spieler selbst völlig fertig und überfordert mit der Situation sind. Da ist keiner dabei, jedenfalls auf dem Platz nicht, der das locker nimmt und diszipliniert werden müsste. Aaron Hunt sieht wirklich bedenklich aus, ich hoffe, der ist nicht zuviel allein. Arnautovic ist längst vom arroganten CL-Gewinner zum völlig verunsicherten 21jährigen mutiert, was vielleicht einige befriedigt, aber unsere 6,5-Millionen-Investition nicht gerade im Wert steigen lässt. Marin spielt Fehlpässe, die ohne Psychologie gar nicht mehr erklärt werden können. Sandro Wagner, ein etwas ungelenker Spieler und offenbar recht simpler Charakter, wird immer wieder Ziel von Schaafs Verbalattacken, zwischendrin wurde er zu den Amateuren degradiert, wo er sich bei Trainer Wolter bedankte, denn er “brauche das Vertrauen des Trainers”. Bald danach war er wieder im Kader und wurde in Hamburg auch eingewechselt, dafür musste Denni Avdic das ganze Spiel auf der Bank bleiben. Avdic, von dessen Qualitäten wir wenig wissen, dürfte sich längst fühlen wie im Irrenhaus. Es ist völlig klar, dass das, was alle Medien übereinstimmend über Schaaf und das Training berichten, diese Probleme nicht lösen, sondern verschlimmern wird.
Schaaf denkt, dass die Spieler schuld sind, deshalb schreit er sie an. Aber er ist selber schuld.
Werder hatte immer einen überragenden Zehner in den letzten Jahren. Jetzt haben sie keinen mehr und jeder, wirklich jeder, kann sehen, dass das ein großes Problem ist. Allofs und Schaaf leugnen es bis heute, weil sie sonst ihre eigene Verantwortung nicht mehr wegwischen könnten. Wenn sie es wenigstens zugeben und jetzt die Parole, es trotzdem irgendwie zu schaffen, ausgeben würden, könnte man weiter auf sie vertrauen. Aber durch diesen massiven Realitätsverlust werden die Probleme weiter liegen bleiben. Es wäre nicht das erste Mal, dass Personen, die lange Jahre erfolgreich waren, sich für unfehlbar halten und deshalb aufhören, ihre Fehler zu korrigieren.
Zu den Fehlern gehören die Taktikspielereien, die Schaaf irgendwann angefangen und in dieser Saison dann durchgezogen hat. Die Raute ist abgeschafft. Solange es sie gab, wusste immerhin jeder Spieler, was er wo zu tun hatte. Jetzt hat Schaaf ein Chaos angerichtet und die allgemeine Verunsicherung, die zu den vielen Slapstick-Gegentoren führt, ist eine Konsequenz daraus. Nicht dass ein Systemwechsel grundsätzlich schlecht gewesen wäre, Schaaf hat ihn nur einfach nicht hinbekommen. Jetzt ist die Chance, eine Mannschaft sich einspielen zu lassen, längst dahin. Jetzt müsste er Impulse setzen, etwas verändern, damit der Klassenerhalt geschafft wird.
Fehler macht er auch bei der Aufstellung. Ich weiß selbst, dass sich eh jeder für den besten Trainer hält und man über sowas genauso wie über Geschmack streiten kann. Aber: Mickael Silvestre immer wieder aufzustellen ist eine einfach inakzeptable Entscheidung. In der Hinrunde gab es mehrere Spiele, in denen Silvestre bei jedem Ballkontakt einen peinlichen Fehler gemacht hat, das war unerträglich. Schaaf hat stoisch an ihm festgehalten. Jetzt ist Silvestre immer noch jederzeit für ein Gegentor gut, er spielt weiter, auch wenn die Alternativen gesund sind. Dominik Schmidt wurde derweil genüsslich der Presse vorgeführt, weil sein Berater zuviel Geld gefordert hatte. Das kann man natürlich machen, es ist nur der Atmosphäre nicht sonderlich zuträglich.
Im Mittelfeld fehlt ein Gestalter, Hunt bringt es nicht und Marin ist bestenfalls ein Stürmer. Das sind alles Probleme, die man sich in der Personalplanung selbst eingebrockt hat, ebenso wie der Mangel im Sturm, nachdem Almeida verkauft wurde. Mit Pizarros Ausfällen war zu rechnen, jetzt schießt keiner mehr Tore. Das geht auf Allofs ebenso wie auf Schaaf. Dabei habe ich auch gedacht, dass man Almeida besser jetzt für Geld abgibt, als ihn zu behalten. Die Realität hat nur leider bewiesen, dass Klaus und ich uns geirrt haben, weshalb es einfach unglaublich ist, dass der sich jetzt vor die Presse stellt und die Schuld für alles den verbliebenen Spielern aufbürdet, um sich selbst schadlos zu halten.
Es gibt wenige Gründe, gegen Leverkusen eine bessere Leistung als zuletzt zu erwarten. Gekämpft wurde schon, das hat aber nicht gereicht. Werder erspielt so gut wie gar keine Torchancen, das letzte herausgespielte Tor war das 1:0 gegen Hoffenheim. Gleichzeitig haben die Konkurrenten am letzten Wochenende gezeigt, was sie können. Stuttgart hat in Leverkusen zwei Tore geschossen und war dem Sieg zeitweise näher als der Gegner, Mönchengladbach hat Schalke an die Wand gekämpft, einen Rückstand aufgeholt und gewonnen. Für Wolfsburg hat Diego ein Weltklassespiel gemacht und selbst Kaiserslautern hat beim 0:3 in Hannover gezeigt, dass sie im Moment besser drauf sind als Werder Bremen. Köln hat seine drei letzten Heimspiele gewonnen, am Wochenende gepunktet und spielt stellenweise richtigen Fußball. Einzig Frankfurt kommt uns ein bisschen entgegen, wirkt dabei aber auch torgefährlicher als Werder. Dass Werder keine Torchancen hat, ist kein neues Phänomen in diesen Wochen, das war schon in der Hinrunde so, beispielsweise bei dem Heimdesaster gegen Kaiserslautern.
Einfacher als in Hamburg wird es nicht mehr werden, Punkte zu holen. Leverkusen ist die zweitbeste Auswärtsmannschaft der Liga und hat acht von elf Auswärtsspielen gewonnen. Selbst wenn Werder auf einmal zu alter Stärke zurückfinden würde, stünden die Chancen, das Spiel zu verlieren, noch sehr gut.
Werder.de verbreitet bis dahin Zuversicht, indem sie die Rückkehr der Verletzten in Aussicht stellen. Die Hoffnung ruht also auf Spielern, die bestenfalls am Mittwoch oder Donnerstag vor dem Spiel wieder in Mannschaftstraining einsteigen können. Der Wichtigste ist da Wesley, dem man tatsächlich zutrauen kann, die Mittelfeldmisere dergestalt zu lindern, dass am Ende der Klassenerhalt steht. Zu Pizarro muss man nichts mehr sagen; wenn er wieder dauerhaft verletzt sein sollte, sieht es düster aus.
Aber selbst wenn Werder mit Schaaf den Klassenerhalt schafft, woran ich nicht glaube, bleiben die Probleme mit seiner Mentalität, seiner vermeintlichen Unfehlbarkeit, mit Klaus Allofs, mit der ganzen verkorksten Saison und dem Nichteingestehen der eigenen Verantwortung. In vier Wochen ist alles Spekulieren ohnehin überflüssig. Denn dann gelten in Bremen dieselben Regeln wie anderswo: Wenn Schaaf die nächsten Spiele verliert, wird er gehen. Wenn er sie gewinnt, hat er genug Kredit, um mit Werder abzusteigen.
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