Bremisches

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Nunja, ich fand das Foto schön.

Im gestrigen Bremer Anzeiger, einem sonntäglichen Umsonstblatt, findet sich ein Interview mit Frank Imhoff von der CDU. Für die meisten Leser dürfte es ein ziemlicher Kampf sein, inhaltlich durchzusteigen, denn das Gespräch wurde auf Plattdeutsch geführt. Anlass ist der Antrag der CDU-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft, politische Unterstützung für die verschwindende Sprache in der Form auszudrücken, dass künftig einmal jährlich auf Plattdeutsch debattiert wird, außerdem sollen Angebote an Schulen und Kindergärten ausgeweitet werden. Die erste Frage drängt sich auf:

BREMER ANZEIGER: Herr Imhoff, de CDU wüllt mit een Andrag Plattdüütsch den Rüch steilen. Wat schall dat?

Frank Imhoff: Een mutt ja weten, wo man herkümmt. Dat sünd ja use Wutteln. Daar kümmt wi her, un wenn man dat nich weet, dann weet man ok nich, wo man hin mutt. Dat is´n Traditschoon, de wüllt wi wahren.

Man fragt sich nur, wer in Bremen eigentlich noch da her kommt, wo Herr Imhoff und seine Traditschoon ihre Wurzeln wähnen. Knapp 13% sind schon einmal Ausländer (Quelle), die zwar zu einem guten Teil hier aufgewachsen sind, aber ganz bestimmt nie im Leben irgendwas mit Plattdeutsch am Hut gehabt haben. Dazu kommen in Bremen traditionell viele Zugewanderte aus dem Inland, und auch das ganz bewusste Annehmen des Hochdeutschen ist in der Kaufmannsstadt eine Entwicklung, die eher vor der Moderne stattgefunden hat als im 20. Jahrhundert. Die Frage ist ja aber auch, welches Ziel man eigentlich kennt, wenn man die vermeintliche Herkunft im Platt annimmt.

Die Forderung nach der Einführung von Regionalsprachen in Parlamenten geht von der Annahme aus, diese Versammlungen seien sowas wie Stammesversammlungen, die dem Stamm ihre Identität geben. Ein modernes Verständnis von Demokratie sieht anders aus. Hauptziel sollte es sein, dass möglichst viele Betroffene die Debatten verstehen, wovon man bei einer hochdeutschen Debattenführung weitestgehend ausgehen kann. Langfristig wäre es eigentlich sogar erstrebenswert, dass alle Debatten weltweit in einer Sprache geführt würden, was in den meisten Ländern mit der weitestgehenden Aufgabe der eigenen Sprache einhergehen würde. Das ist natürlich so lange nicht praktikabel, wie große Teile der Bevölkerung kein Englisch sprechen, denn auf diese Sprache liefe es jawohl hinaus. Zum Glück haben die Plattdeutschen noch wesentlich größere Probleme:

Man woveel vun de Parlamentariers köönt denn överhaupt noch Platt snacken?

Dat kriggt we ja nu anner Week bi de Diskuschoon över use Andraag to sehn. Ick glööv avers, dat sünd leider nich ganz so veel.

(…)

Bi Se in de Frakschoon gifft dat ok nich alltoveel Plattsnackers, wat meent Se?

Verstahn doon dat ja veel. Rejell snacken könn dat villicht twee or dree. Ik up jeden Fall, Bernd Ravens und Elisabeth Motschmann en beten. Wie sünd sotoseggen de Plattdüütsch-Fraktschoon in us Fraktschoon.

Na dann: Viel Spaß beim Debattieren!

Referat mit Diskussion zu „Kredit und Börse“ in Bremen am Donnerstag, 22.05.08 um 19:30 Uhr

Dem Finanzkapital wird seit jeher weitreichende Macht und großer Einfluss zugesprochen; ebenso wird es verantwortlich gemacht für alles, was den Leuten nicht passt an dem, was sie sich unter Kapitalismus vorstellen. Die wenigsten wissen jedoch genau, was sich hinter Kreditgeschäften und Finanztransaktionen wirklich verbirgt. Wir wollen einen Einstieg in das schwierige Thema Finanzmärkte bieten (Vorkenntnisse sind dafür nicht nötig!) und fragen: Was ist und wie funktioniert der Kredit zwischen den Unternehmen und zwischen Banken und Unternehmen? Was ist spekulativer an Finanzgeschäften als an “normalen” Unternehmungen? Warum landen viele Menschen bei Betriebsinsolvenzen immer wieder zielstrebig beim Finanzkapital als Ursache und nicht etwa bei den unternehmerischen Konkurrenten? Und: Lässt sich in dieser Denkweise die alte Unterscheidung von “schaffendem” und “raffendem” Kapital aus der Nazi-Propaganda gegen das “internationale Finanzjudentum” wieder finden?

Ort: Infoladen Bremen St.Paulistr. 10-12 (Ostertor)

Eine Veranstaltung von Kritik im Handgemenge Bremen

Von den Spielern des SV Werder hört man derlei Ausrufe wohl nur, wenn Tino Polster gerade ganz in ihrer Nähe ist. Auf der Homepage des Vereins ist er quasi zu Hause. Und deshalb klingt es dort noch etwas euphorischer: “Jede Menge PS! Viele windschnittige Typen! Und richtig gute Laune!” Und alle glauben es dir. Vorausgesetzt, die Nasenscheidewände halten.


Auch sehr schön.

Demnächst kommen Bratze ja wie angekündigt nach Bremen, und damit nicht irgendwer nachher rumnölt, dass er ein oder zwei Lieder noch gar nicht kannte, sagen wir euch, wo ihr noch ein paar Tonansammlungen herkriegt, die potenziell gespielt werden könnten. Tatsächlich von Bratze ist D.U.T.T. Royal von der Single Waffe, die gestern rausgekommen ist - brühwarm präsentiert von Endi. Nicht eigentlich von Bratze, aber von den gleichen beiden tollen Menschen ist die Filzlaus. Irgendwann gab es da auch mal einen mp3-Download, aber ich finde ihn nicht mehr. Ich werde alles dafür tun, dass dieses Lied in Bremen gespielt wird.

So wird offenbar im StudiVZ für das heutige Derby mobilisiert. Früher wurde das Bild von den Heuschrecken, die über den braven Bürger herfallen, von Nazis benutzt, um zu verkünden, dass die Juden über das deutsche Volk gekommen sind, um es auszubeuten. Heute verzichtet man zumindest in linken Kreisen darauf, die Ausbeuter als Juden zu benennen. Das Motiv und die Idee dahinter bleiben gleich.

Ultras gefallen sich oft im revolutionären Stil, ausserdem ist ihr Gerede gegen den “modernen Fußball” meist schwer von einer verkürzten Kapitalismuskritik von links oder rechts zu unterscheiden. In Hamburg ist zumindest die Liebe zum pseudorevolutionären Gehabe sehr ausgeprägt. So trägt man dort auch gerne T-Shirts mit einem blauen Stern und der Aufschrift “Blaue Armee Fraktion”, eine Kopie des RAF-Logos. Anderswo sind Che und RAF zur Popkultur geworden, Ultras und Co. gefallen sich aber offensichtlich auch dabei, ein wenig in deren Rolle zu schlüpfen. Deshalb ist das Bild oben auch nicht einfach nur ein kleiner Spass. Auch Slogans wie “Die Stadt denen, die drin wohnen!” könnte man ruhig mal überdenken.

Ob die Hamburger heute tatsächlich mit Zwillen dastehen, anstatt - wie in diesen Breiten üblich - mit Flaschen zu werfen, wird sich zeigen. Ich bin gespannt. Im Zweifelsfall wird hamburgisiert.

Ein paar Gedanken zum Christival.

Mehrere Tage lang fielen tausende junge Christen in die Stadt ein. Das war nicht schön. Ein großer Teil von ihnen strahlte eine unwirkliche Euphorie und Fröhlichkeit aus. Mich erinnerte das sehr deutlich an Menschen, die auf chemischen Drogen total glückselig sind, die sich total aus der Realität geballert haben. Nun ist der durchschnittliche Jungchrist solchen Eskapaden relativ unverdächtig. Sie nehmen Jesus statt Drogen. Der feste Glauben an die schönen Geschichten aus der Bibel, an Gott und seinen Sohn und seine Mutter, der ist das, was diese Leute aus der Realität holt. Wenn die Welt schon recht lieblos ist, dann denkt man sich eben einen aus, der alle liebt. Und wenn es hier schon nicht schön ist, dann wirds halt nach dem Tode schön. Ich kann keinen Grund finden, warum ich das ernster nehmen sollte als jemanden, der sich das Grinsen mit Pillen ins Gesicht gefräst hat.
Immerhin, die körperlichen Nebenwirkungen werden geringer sein.

Wie ich in der Zeitung las, sagte eine Sängerin vor einem der zahlreichen Konzerte folgenden Satz zum Publikum: “Wir haben einen Gott anzubeten!”. Ein weiterer ekliger Effekt von Religion. Sie nimmt die Menschen in die Pflicht, etwas für jemanden zu tun, der gar nicht greifbar ist, der vermutlich gar nicht da ist. Denn trotz seiner latenten Abwesenheit fordern seine Vertreter Unterwerfung unter Gott. Am krassesten sieht man das bei den Moslems, die sich 5 Mal am Tag auf den Boden werfen, weil Allah alles ist und sie demnach gar nichts. Beim Christival veranstaltet man das natürlich anders, da muss alles nach einer Menge Spaß aussehen und sich auch so anfühlen. Aber sich unter etwas, was größer ist als man selbst, zu unterwerfen, das macht Spaß, gerade hierzulande.

Und dabei fühlen sie sich alle so stark. Verständlich, wenn man so liebt und so geliebt wird, von irgendwas. Was ist daran also falsch? Dass niemandem zugesprochen wird, Kraft und Verstand aus sich selbst zu haben. Dass die Formel immer ist: Jesus macht dich stark. Nachgebetet heisst das: “Jesus hat mir soviel gegeben! Mit Jesus habe ich soviel erreicht!” Hier wird niemand ermutigt, seinen eigenen Verstand zu benutzen, selbstbewusst zu sein, sein eigenes Leben zu leben. Die blaue Pille wird nicht angeboten, alle bleiben im Wunderland.

Der eigene Verstand, oder sagen wir die Vernunft, ist hier nicht gefragt. Denn die brauchen Christen auch gar nicht. Alles, was sie wissen müssen, steht im Schlauen Buch. So sagte ein Bremer Pastor in einer Diskussion mit Volker Beck sinngemäß: “Ich weiss nicht, ob Homosexualität eine Veranlagung oder eine Krankheit ist. Ich weiss aber, dass die Bibel sagt, dass es eine Sünde ist.” So einfach ist das. Fundamentalistische Christen müssen sich über gar nichts Gedanken machen, erst recht nicht über Sexualität. Denn es steht bereits in der Bibel. Was Sexualität ist, welche Bedürfnisse verschiedene Menschen haben, wieso das so ist und was daraus folgen könnte: Egal. In diesem einen Buch steht etwas anderes.
Begründen muss die Bibel ohnehin nichts, der Verweis auf Gottes Wille reicht. Und so zieht sich das durch die ganze Diskussion um Sexualität. Und ist auf alle anderen Bereiche, in denen Christen sich auf die Bibel beziehen, übertragbar.

Jeder denkende Mensch, der es wissen will, weiss, dass die Evolutionstheorie als Fakt angenommen werden kann. Die wissenschaftlichen Belege dafür sind überwältigend. Aber mit Religiösen kann man über Erkenntnisse und Beobachtungen in der Realität nicht reden, wenn sie ihrem Buch widersprechen. Vieles lässt sich da irgendwie mit unterbringen und vereinen, wenn man ein bisschen wurschtelt. Das machen modernere Religiöse. Die Fundamentalisten, wie eben die Christivalisten, lassen sich von Fakten gar nicht beeinflussen. Jede Diskussion und Auseinandersetzung mit ihnen ist also relativ sinnlos, wenn sie nicht Selbstzweck ist.

Aufschlussreich auch ein Seminartitel vom Christival:

„Sex war Gottes Idee – Abtreibung auch?”

Darüber, wessen “Idee” nun Sex war, liesse sich streiten, wenn man denn mit Fundamentalisten streiten könnte. Darüber, dass Abtreibung eine Idee der Menschen ist, allerdings nicht. Natürlich ist sie das und kein Verfechter des Rechts auf Abtreibung würde das bestreiten, im Gegenteil. Wenn Menschen ihr Leben selbst in die Hand nehmen und die Zwänge des Natürlichen (oder Göttlichen, meinetwegen) abschaffen oder erträglich machen, dann nennt man das - Zivilisation.
Wieviele großartige Ideen Menschen schon hatten! Wieviele Erfindungen es gibt, die auf dem Verstand des Menschen beruhen! Zu Fuß gehen war Gottes Idee, Autofahren nicht. Ehe lebenslänglich war Gottes Idee, sexuelle Selbstbestimmung nicht. Damn right!

Die Diskussion über Ethik und Moral in Sachen Abtreibung muss geführt werden. Aber nicht mit denen, die unter Moral nur das verstehen, was Gooooott scheinbar vorgegeben hat.

Nun gab es einige Proteste gegen das Christival, völlig zu recht. Mag man den Spinnern zugestehen, spinnen zu dürfen. Aber das ist nicht der Sinn des Christivals gewesen. Vielmehr wurden tausende Menschen herangekarrt, um noch mehr als vorher von der Religion überzeugt zu werden und auch, um andere zu überzeugen. Die Veranstaltung hatte durchaus missionarischen Charakter und es war erklärtes Ziel, auch im Stadtbild präsent zu sein. Wer sich so exponiert, der will Reaktionen. Und es gab sie, in ihrer organisierten Form meist negativ. Das ist richtig so, denn wenn solche Leute ihre inakzeptablen Vorstellungen von menschlichem Zusammenleben derart offensiv vertreten, dann geht das alle, die anders leben wollen, etwas an.

Trotzdem hatten die Proteste viele schlechte Seiten. Was bringt es, die Bauzäune umzuwerfen, hinter denen lauter verpeilte Jugendliche stehen? Gar nichts, ausser vielleicht einer Festigung deren Weltbilds. Und was für eine Demo war das überhaupt?

Es gab einen FrauenLesbenTransblock, einen Queerblock und einen gemischten Block. Diese Öffnung wurde kontrovers diskutiert und die sich als Männer definierenden BioMänner, die gegen Sexismus und das Christival auf die Straße gehen wollten, wurden aufgerufen, sich im Hintergrund zu halten.

So sieht er aus, der antisexistische Protest. Welche “Öffnung” da gemeint ist, weiss ich nicht, ich sehe keine. Ich sehe nur sich aufs Geschlecht beziehende strenge Grenzen. Die mögen woanders verlaufen als in der Gesellschaft, aber sie werden ganz bewusst gezogen. Und wenn in solchen Kreisen Leute auf ihr biologisches Geschlecht hin einsortiert werden, kann ich nicht einmal mehr lachen. Begründet wird das mit der patriarchalen Gesellschaft, als ob man der ihre eigene Umkehrung vorführen müsse. Ich frage mich, ob da nicht vielleicht einige Frauen auch gerne mal Macker spielen wollen. Das sei ihnen vergönnt, dann sollten sie aber tunlichst vermeiden, es zu ihrer politischen Überzeugung zu machen, dass männliche Macker der Feind sind.

Wie man sieht, war die Stadt tagelang voll mit Geisteskranken.

Soundtrack

In Bremen spukt es gerade. Viele verwirrte Jugendliche laufen durch die Stadt und suchen den Heiland. Der ist aber gar nicht da. Das ganze steht unter dem Titel “Christival” und hat vielfältige Proteste hervorgerufen, weil die Evangelikalen u.a. Homosexualität für therapiebedürftig und Abtreibungen natürlich für schlimme Sünde halten.
Und nun hat es auch die Webseite der Festivalbetreiber erwischt. Jetzt ist sie offline, vorher stand dort das hier. Ich musste sehr lachen.

(via Indymedia)

Vielleicht später mehr vom Christival, das noch bis Sonntag geht. Bisher wurde allerdings kein Religionsbeauftragter von verbrochenes.net ausgewürfelt. Ich traue mir den Job aber schon zu!

Die Künstler bei MySpace.

Nur, dass ihr euch nicht wundert, wenn ich im Sommer ganz unvermittelt anfange, bewundernd über eure Mütter zu sprechen.

Warum auf verbrochenes.net im Moment alles etwas auf Sparflamme mit wenig Text läuft, weiss ich auch nicht. Fest steht aber, dass Joinsen und ich den Anspruch haben, das zu ändern und mehr eigene Inhalte zu liefern, also mehr tatsächlich interessanten Kram mit eigenen Gedanken zu schreiben. Mal sehen.

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