Bremisches

Tourist-Information

So wird offenbar im StudiVZ für das heutige Derby mobilisiert. Früher wurde das Bild von den Heuschrecken, die über den braven Bürger herfallen, von Nazis benutzt, um zu verkünden, dass die Juden über das deutsche Volk gekommen sind, um es auszubeuten. Heute verzichtet man zumindest in linken Kreisen darauf, die Ausbeuter als Juden zu benennen. Das Motiv und die Idee dahinter bleiben gleich.

Ultras gefallen sich oft im revolutionären Stil, ausserdem ist ihr Gerede gegen den “modernen Fußball” meist schwer von einer verkürzten Kapitalismuskritik von links oder rechts zu unterscheiden. In Hamburg ist zumindest die Liebe zum pseudorevolutionären Gehabe sehr ausgeprägt. So trägt man dort auch gerne T-Shirts mit einem blauen Stern und der Aufschrift “Blaue Armee Fraktion”, eine Kopie des RAF-Logos. Anderswo sind Che und RAF zur Popkultur geworden, Ultras und Co. gefallen sich aber offensichtlich auch dabei, ein wenig in deren Rolle zu schlüpfen. Deshalb ist das Bild oben auch nicht einfach nur ein kleiner Spass. Auch Slogans wie “Die Stadt denen, die drin wohnen!” könnte man ruhig mal überdenken.

Ob die Hamburger heute tatsächlich mit Zwillen dastehen, anstatt - wie in diesen Breiten üblich - mit Flaschen zu werfen, wird sich zeigen. Ich bin gespannt. Im Zweifelsfall wird hamburgisiert.

Ein paar Gedanken zum Christival.

Mehrere Tage lang fielen tausende junge Christen in die Stadt ein. Das war nicht schön. Ein großer Teil von ihnen strahlte eine unwirkliche Euphorie und Fröhlichkeit aus. Mich erinnerte das sehr deutlich an Menschen, die auf chemischen Drogen total glückselig sind, die sich total aus der Realität geballert haben. Nun ist der durchschnittliche Jungchrist solchen Eskapaden relativ unverdächtig. Sie nehmen Jesus statt Drogen. Der feste Glauben an die schönen Geschichten aus der Bibel, an Gott und seinen Sohn und seine Mutter, der ist das, was diese Leute aus der Realität holt. Wenn die Welt schon recht lieblos ist, dann denkt man sich eben einen aus, der alle liebt. Und wenn es hier schon nicht schön ist, dann wirds halt nach dem Tode schön. Ich kann keinen Grund finden, warum ich das ernster nehmen sollte als jemanden, der sich das Grinsen mit Pillen ins Gesicht gefräst hat.
Immerhin, die körperlichen Nebenwirkungen werden geringer sein.

Wie ich in der Zeitung las, sagte eine Sängerin vor einem der zahlreichen Konzerte folgenden Satz zum Publikum: “Wir haben einen Gott anzubeten!”. Ein weiterer ekliger Effekt von Religion. Sie nimmt die Menschen in die Pflicht, etwas für jemanden zu tun, der gar nicht greifbar ist, der vermutlich gar nicht da ist. Denn trotz seiner latenten Abwesenheit fordern seine Vertreter Unterwerfung unter Gott. Am krassesten sieht man das bei den Moslems, die sich 5 Mal am Tag auf den Boden werfen, weil Allah alles ist und sie demnach gar nichts. Beim Christival veranstaltet man das natürlich anders, da muss alles nach einer Menge Spaß aussehen und sich auch so anfühlen. Aber sich unter etwas, was größer ist als man selbst, zu unterwerfen, das macht Spaß, gerade hierzulande.

Und dabei fühlen sie sich alle so stark. Verständlich, wenn man so liebt und so geliebt wird, von irgendwas. Was ist daran also falsch? Dass niemandem zugesprochen wird, Kraft und Verstand aus sich selbst zu haben. Dass die Formel immer ist: Jesus macht dich stark. Nachgebetet heisst das: “Jesus hat mir soviel gegeben! Mit Jesus habe ich soviel erreicht!” Hier wird niemand ermutigt, seinen eigenen Verstand zu benutzen, selbstbewusst zu sein, sein eigenes Leben zu leben. Die blaue Pille wird nicht angeboten, alle bleiben im Wunderland.

Der eigene Verstand, oder sagen wir die Vernunft, ist hier nicht gefragt. Denn die brauchen Christen auch gar nicht. Alles, was sie wissen müssen, steht im Schlauen Buch. So sagte ein Bremer Pastor in einer Diskussion mit Volker Beck sinngemäß: “Ich weiss nicht, ob Homosexualität eine Veranlagung oder eine Krankheit ist. Ich weiss aber, dass die Bibel sagt, dass es eine Sünde ist.” So einfach ist das. Fundamentalistische Christen müssen sich über gar nichts Gedanken machen, erst recht nicht über Sexualität. Denn es steht bereits in der Bibel. Was Sexualität ist, welche Bedürfnisse verschiedene Menschen haben, wieso das so ist und was daraus folgen könnte: Egal. In diesem einen Buch steht etwas anderes.
Begründen muss die Bibel ohnehin nichts, der Verweis auf Gottes Wille reicht. Und so zieht sich das durch die ganze Diskussion um Sexualität. Und ist auf alle anderen Bereiche, in denen Christen sich auf die Bibel beziehen, übertragbar.

Jeder denkende Mensch, der es wissen will, weiss, dass die Evolutionstheorie als Fakt angenommen werden kann. Die wissenschaftlichen Belege dafür sind überwältigend. Aber mit Religiösen kann man über Erkenntnisse und Beobachtungen in der Realität nicht reden, wenn sie ihrem Buch widersprechen. Vieles lässt sich da irgendwie mit unterbringen und vereinen, wenn man ein bisschen wurschtelt. Das machen modernere Religiöse. Die Fundamentalisten, wie eben die Christivalisten, lassen sich von Fakten gar nicht beeinflussen. Jede Diskussion und Auseinandersetzung mit ihnen ist also relativ sinnlos, wenn sie nicht Selbstzweck ist.

Aufschlussreich auch ein Seminartitel vom Christival:

„Sex war Gottes Idee – Abtreibung auch?”

Darüber, wessen “Idee” nun Sex war, liesse sich streiten, wenn man denn mit Fundamentalisten streiten könnte. Darüber, dass Abtreibung eine Idee der Menschen ist, allerdings nicht. Natürlich ist sie das und kein Verfechter des Rechts auf Abtreibung würde das bestreiten, im Gegenteil. Wenn Menschen ihr Leben selbst in die Hand nehmen und die Zwänge des Natürlichen (oder Göttlichen, meinetwegen) abschaffen oder erträglich machen, dann nennt man das - Zivilisation.
Wieviele großartige Ideen Menschen schon hatten! Wieviele Erfindungen es gibt, die auf dem Verstand des Menschen beruhen! Zu Fuß gehen war Gottes Idee, Autofahren nicht. Ehe lebenslänglich war Gottes Idee, sexuelle Selbstbestimmung nicht. Damn right!

Die Diskussion über Ethik und Moral in Sachen Abtreibung muss geführt werden. Aber nicht mit denen, die unter Moral nur das verstehen, was Gooooott scheinbar vorgegeben hat.

Nun gab es einige Proteste gegen das Christival, völlig zu recht. Mag man den Spinnern zugestehen, spinnen zu dürfen. Aber das ist nicht der Sinn des Christivals gewesen. Vielmehr wurden tausende Menschen herangekarrt, um noch mehr als vorher von der Religion überzeugt zu werden und auch, um andere zu überzeugen. Die Veranstaltung hatte durchaus missionarischen Charakter und es war erklärtes Ziel, auch im Stadtbild präsent zu sein. Wer sich so exponiert, der will Reaktionen. Und es gab sie, in ihrer organisierten Form meist negativ. Das ist richtig so, denn wenn solche Leute ihre inakzeptablen Vorstellungen von menschlichem Zusammenleben derart offensiv vertreten, dann geht das alle, die anders leben wollen, etwas an.

Trotzdem hatten die Proteste viele schlechte Seiten. Was bringt es, die Bauzäune umzuwerfen, hinter denen lauter verpeilte Jugendliche stehen? Gar nichts, ausser vielleicht einer Festigung deren Weltbilds. Und was für eine Demo war das überhaupt?

Es gab einen FrauenLesbenTransblock, einen Queerblock und einen gemischten Block. Diese Öffnung wurde kontrovers diskutiert und die sich als Männer definierenden BioMänner, die gegen Sexismus und das Christival auf die Straße gehen wollten, wurden aufgerufen, sich im Hintergrund zu halten.

So sieht er aus, der antisexistische Protest. Welche “Öffnung” da gemeint ist, weiss ich nicht, ich sehe keine. Ich sehe nur sich aufs Geschlecht beziehende strenge Grenzen. Die mögen woanders verlaufen als in der Gesellschaft, aber sie werden ganz bewusst gezogen. Und wenn in solchen Kreisen Leute auf ihr biologisches Geschlecht hin einsortiert werden, kann ich nicht einmal mehr lachen. Begründet wird das mit der patriarchalen Gesellschaft, als ob man der ihre eigene Umkehrung vorführen müsse. Ich frage mich, ob da nicht vielleicht einige Frauen auch gerne mal Macker spielen wollen. Das sei ihnen vergönnt, dann sollten sie aber tunlichst vermeiden, es zu ihrer politischen Überzeugung zu machen, dass männliche Macker der Feind sind.

Wie man sieht, war die Stadt tagelang voll mit Geisteskranken.

Soundtrack

In Bremen spukt es gerade. Viele verwirrte Jugendliche laufen durch die Stadt und suchen den Heiland. Der ist aber gar nicht da. Das ganze steht unter dem Titel “Christival” und hat vielfältige Proteste hervorgerufen, weil die Evangelikalen u.a. Homosexualität für therapiebedürftig und Abtreibungen natürlich für schlimme Sünde halten.
Und nun hat es auch die Webseite der Festivalbetreiber erwischt. Jetzt ist sie offline, vorher stand dort das hier. Ich musste sehr lachen.

(via Indymedia)

Vielleicht später mehr vom Christival, das noch bis Sonntag geht. Bisher wurde allerdings kein Religionsbeauftragter von verbrochenes.net ausgewürfelt. Ich traue mir den Job aber schon zu!

Die Künstler bei MySpace.

Nur, dass ihr euch nicht wundert, wenn ich im Sommer ganz unvermittelt anfange, bewundernd über eure Mütter zu sprechen.

Warum auf verbrochenes.net im Moment alles etwas auf Sparflamme mit wenig Text läuft, weiss ich auch nicht. Fest steht aber, dass Joinsen und ich den Anspruch haben, das zu ändern und mehr eigene Inhalte zu liefern, also mehr tatsächlich interessanten Kram mit eigenen Gedanken zu schreiben. Mal sehen.

Was viele ja nicht wissen: Unter Verbrechern herrscht eine Solidarität, wie man sie unter gesetzestreuen Menschen nur selten findet. Und so sei hier und heute auf den Verbrecher Verlag im Allgemeinen und auf zwei neue Bücher im Speziellen hingewiesen. Aus Berlin kommen die guten Menschen und verlegen linke oder zumindest irgendwie andere Literatur.

Unter beide Klassifikationen fällt jedenfalls das brandneue Bremenbuch, das sich in eine bereits zehnteilige Serie von Stadtbüchern im gleichen Verlag einreiht. Es handelt sich dabei um eine Sammlung von Texten und Bildern zu unserer schönen Stadt, in denen ein Blickwinkel eingenommen wird, den man bei den Veröffentlichungen von Schünemann und Edition Temmen nur selten abmessen kann. Ich habe das Buch noch nicht gelesen, sondern nur angeguckt und angehört. Beim Angucken fällt auf, dass die Bilder schön, aber ein bisschen zu wenig sind. Beim Anhören, ich hatte die Gelegenheit, einige Autoren auf einer Werbestraßenbahnfahrt lesen zu hören, fällt auf, dass die Texte manchmal gut und manchmal nicht so gut sind. Vorgetragen wurde eine nette Studie der Befindlichkeiten der Bewohner des Viertels, die sich über die “Kommerzialisierung ihrer Geschäftsstraße” ärgern und jedes Silvester auf 1988 warten. Auch schön, aber viel zu kurz sind die persönlichen Erinnerungen von Sven Regener an 50 Jahre Neue Vahr, wo er 20 Jahre lebte. Eine weitere Geschichte handelt von einem Punker, der nur Gutes tun wollte, dafür in der Ausnüchterungszelle landete und dort Hafturlaub forderte, wegen Weihnachten. Etwas sinnlos erschien mir ein Brief an die BSAG, in der die neuen Bahnen gedisst werden. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich dem Buch mit etwa 180 Seiten einen Wert von 13€ zuschreiben kann und soll.

Eine weitere Neuerscheinung ist nicht ganz eine, immerhin erschien Für immer Honig schon 2005 in einer kleineren Auflage. Autor ist Dietmar Dath, von dem es ein bisschen was auch auf der Verlagsseite zu lesen gibt. Das Werk hat 1000 Seiten und ist angeblich dennoch “relativ rasch runterzulesen”. Die Themenliste des historischen Romans ohne historische Vorlage klingt mit “Pädophilie, Hillary Clinton, Wölfen, Molekulargenetik, der NATO, den Schulden der Dritten Welt, süddeutschen Provinznestern, Schnee, Nazis, Islamismus” und vielem mehr tatsächlich alles andere als langweilig. Das Buch erscheint im Mai und kostet dann 32€, ein Buch für Reiche mit viel Platz im Regal.

Zwar habe ich die Broschüre, aus der ich fast alle meine Informationen gezogen habe, bei Thalia bekommen. Dennoch sei für den Kauf all der schönen Bücher doch abermals der Golden Shop im Fehrfeld wärmstens empfohlen. Wenn man Glück hat, bekommt man dort sogar noch einen der seltenen (das ist wahrscheinlich gelogen) und äußerst schicken (gesicherte Info) Verbrecher-Buttons zu seinem Kauf. Das entscheidende Argument, diesen Laden allen anderen vorzuziehe, ist allerdings folgendes: Als einziger Laden in ganz Bremen (mit einem Stichprobenumfang von 7) hat man hier Mein Katalonien von George Orwell immer vorrätig.

Soviel ist beim aktuellen Kurs das eine Prozent der 2200,65$ wert, die Diego an seinen “charitable trust GOL AMIGO” überweisen möchte, sobald er jemanden gefunden hat, der ihm so viel Geld für das Trikot gibt, das er gegen Glasgow trug. Was für ein armer Mensch.

Werder hat sich in der “Anti-Diskriminierung” Rubrik auf der Homepage mal wieder selbst übertroffen.

Über Fußbälle und einen ganz besonderen Trikotsatz durfte sich die Breakthrough Sports Academy in Sambia freuen. Denn die Trikots aus der Saison 2000/2001, in denen die Kinder und Jugendlichen seit kurzem trainieren und spielen, gelten fast schon als Raritäten.

Sie haben also alte Trikots zu verschenken gehabt und diese nach Afrika geschickt. So weit, so gut. Wie eigentlich immer in dieser Rubrik ist die Frage, was das jetzt mit Anti-Diskriminierung zu tun hat. Hätte man diesen Eintrag gemacht, wenn man die Trikots in Deutschland verschenkt hätte? Oder nach Russland, oder sagen wir einfach: An Weisse? Nein, natürlich nicht.
Wenn ein reicher Verein alten Kram an Schwarze verschenkt und sich das als Aktion gegen Diskriminierung bescheinigt, dann zeigt sich darin nichts anderes als der eigene Rassismus. Was für ein peinliches Eigentor.

Finaler Vers

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Gesehen an einer Bushaltestelle.

Vom 9.5. bis zum 11.5. findet in der schönsten Stadt der Welt, im Weser-Miami, ein interessanter Kongreß statt.

Kongress gegen die Versöhnung mit der deutschen Nation

Es soll darum gehen, den Zusammenhang von Nationalismus und deutscher ‚Vergangenheitsbewältigung’ als Kern der Kritik an kollektiven und individuellen Schuldabwehrstrategien zu reflektieren und dabei den Fokus auf die Bedeutung des deutschen Generationenverhältnisses - insbesondere dem der Enkel- und NS-TäterInnengeneration - zu richten. Die neue Unbefangenheit im Umgang mit der Geschichte, in der Auseinandersetzung mit den Erfahrungen der eigenen Großeltern, der Wunsch, bei der Weltmeisterschaft auch einmal unbeschwert „schwarz-rot-geil” zu sein, macht die dritte TäterInnengeneration zum Protagonisten eines neuen postnazistischen Nationalgefühls, das in jener Kultur entstand und sich aus dieser entwickelte, die nach 1945 wesentliche Elemente des nationalsozialistischen Bewusstseins und des Antisemitismus in die demokratische Nachkriegsgesellschaft überführte.

Anmeldungen an info@kittkritik.net

Dabei einige vielversprechende Vorträge, zum Beispiel:

Mit Judo gegen Wodka Bruno, Miethai Zinse und Dr. Mubase. TKKG – ein postnazistischer Jugendkrimi

Fun auf Deutsch heißt Stahlbad – Thesen zu Kulturindustrie, Nationalsozialismus und Postfaschismus

Ein Traum von Postfaschismus – Die Deutschen und ihr Fußball

Zwei Wochen später gibt sich die Kulturindustrie selbst die Ehre und beschert uns Bratze und Mediengruppe Telekommander auf einmal, und zwar bei “Campus rockt!”, ein Minifestival, das wir trotz des verblödeten Namens besuchen werden. Ein paar andere Bands kommen auch, aber die interessieren mich nicht. Kostenpunkt 16€.

Flag Day

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Der Botschafter war da.

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