Eigenes

Meist bedeutungslos.

Von abseits

Was ist eigentlich ein Blog? Akademiker wissen das.

Weblogs sind “Onlinepublikationen, die sich durch kurze, umgekehrt chronologisch angeordnete Einträge sowie eine Dialogorientierung auszeichnen und besonders expressive, authentische Ausdrucksformen ermöglichen” (Zerfass and Boelter 2005: 20).

Wollte ich jetzt nörgeln, würde ich fragen, was denn expressive Ausdrucksformen sind und wie nicht-expressive Ausdrucksformen aussehen. Ich will aber nicht nörgeln, denn ich bin gerade begeistert. In der Schweiz haben sich nämlich kluge Menschen mit Blogs zum Thema Bundesliga auseinandergesetzt. Ihre Methode sieht so aus:

Dabei werden alle Blogs, die bei Technorati.com unter den Stichwörtern: “Fussball” und “Bundesliga” zu finden sind, in das Netzwerk aufgenommen. Anschliessend werden alle Verbindungen dieser Akteure untereinander untersucht.

Ziemlich lässiger Job, würde ich mal nebenbei bemerken. Aber interessant ist vor allem das Ergebnis. Und das sieht so aus:

Wer steht denn da in trauter Zweisamkeit im Abseits?

Da fühlen wir uns natürlich geehrt, sowohl von der guten Gesellschaft am rechten Rande als auch von der Isolierung von den anderen. Aber ohnehin knallen hier schon die Sektkorken, wenn so richtige Wissenschaftler sich mit uns beschäftigen. Ich möchte an dieser Stelle also Matthes Fleck von der Universität St. Gallen herzlich danken. Wir sind es wirklich wert, dass man sich mal ausführlicher mit uns auseinandersetzt. Mit Zugriffszahlen in einem Bereich, den viele Fünfjährige überhaupt noch nicht fassen können, sind wir ein gewichtiger Faktor in der Medienlandschaft. In noch extremerer Form dürfte das für die anderen untersuchten Blogs gelten, die - ich habe das kurz überprüft - auch qualitativ einige Ausreisser bieten. Die geringe Vernetzung zu erhalten, die als Untersuchungsergebnis festgestellt wird, bleibt uns somit weiterhin ein Anliegen.

Schön am Bloggen ist, dass man schreiben kann, was man will, irgendwer wirds schon lesen. Oder zumindest anfangen, es zu lesen. Vorhin hatte ich noch eine schöne Idee, über welches Sommerlochthema man noch schreiben könnte, jetzt habe ich es vergessen, aber das macht nichts.

Kürzlich bin ich mit der Mitfahrzentrale gefahren. Hinten im Auto saßen ein junger baldiger Zivildienstleistender und ein etwas älterer Student. Sie unterhielten sich über nicht weniger als die ganze Welt. Schön war das nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich. Ich fühle mich etwas schlecht und vor allem alt (oder ist das ein und dasselbe Gefühl?) dabei, das zu schreiben, aber diese Jugendsprache war sehr aufregend. Sao Paulo zum Beispiel ist nicht etwa eine sehr große Stadt, nein, “Sao Paulo ist echt megaheftig die riesige Stadt!” Ich finde “echt megaheftig die” als Synonym von “sehr” ziemlich gewagt. Gleichberechtigt neben “heftig” wurde “krass” benutzt, und auch das lässt sich durch den Zusatz “mega” immer noch steigern.

Der Zivi in spe, der kürzlich noch “mega die langen Haare” hatte, war wie sein Gesprächspartner schon mal in Kuba, und beide sind begeistert. Besonders die Taxifahrer hatten es ersterem angetan. “Die leben den Tag. Die fahren so den Tag lang Taxi und leben dann von dem, was sie verdient haben.” Als ich gerade so bei mir denke, dass man das nicht megageil, sondern “Armut” nennt, sagt sein Kollege auch gerade “Naja, müssen sie auch” und meint dasselbe.

Darüber, dass ein kubanischer Freund so “krass stolz” auf Kuba ist, mit Fahnen und so weiter, kommt einer von beiden zu seinem deutschen Coming-out heraus. “Ich bin jetzt auch viel, naja nicht nationalistischer, ne, patriotischer geworden, weisste? Wenn man so woanders ist merkt man, was man hier eigentlich dran hat und so.” Und als ob er ein Lehrstück aufführen möchte, folgt sofort darauf, dass z.B. “die Franzosen so pingelig” seien, was mit der Sache nichts zu tun hatte, sondern nur als Vorwurf her musste. Bei denen habe er sich auch immer ausgegrenzt gefühlt.

Nun gut, es gab noch so einige andere Beispiele für eine sehr romantische linke Weltsicht, aber die beiden waren sehr schnucklig und eindeutig auf der Seite der Guten.

Auf der Seite der Guten zu sein ist auch mir ein Bedürfnis. Deshalb unterstütze ich Senator Obama in seinem Präsidentschaftswahlkampf. Dass er der Gute ist, ist offensichtlich. Nur zynische konservative Hardliner können das anders sehen.

Was ich hier gerade mache, kann man übrigens als “assoziatives Schreiben” überhöhen.

Wo ich an Obama, den charismatischen Führer mit den faschistoiden Plakaten denke, fällt mir wieder ein Artikel aus der Bahamas ein, der das bekannte Kinderbuch “Momo” schön auseinander nimmt. Ich will es jetzt nochmal lesen, denn ich fand das alles sehr einleuchtend. Wem das zuviel Text ist (EUCH ALLEN ALSO), der kann sich einfach merken: Momo ist strukturell antisemitischer Schund, literarisch minderwertig, schlecht für Kinder und politisch reaktionärer als Habsburg. Das kann jetzt übrigens völliger Quatsch sein, dass mir beim Gedanken an die Reaktion das Wort “Habsburg” einfällt, es kann aber auch bestens passen. Glücksspiel.

Glück hatte der SV Werder heute nicht. Ein tunesischer FIFA-Richter hat, Überraschung, genau so entschieden, wie Präsident Blatter das gewünscht hat, Diego bleibt in Peking. Ich finde es aber sehr lobenswert, dass man sich zumindest noch eine Mickey-Maus-Justiz hält, die den Anschein erweckt, es gehe alles nach irgendwelchen Regeln.

Ein tunesischer Einzelrichter!

Ich musste diese Bemerkung machen, um zurück zu der Bahamas zu kommen. Zu der wollte ich noch schreiben, dass die unverhohlene Fremdenfeindlichkeit ihres Gurus Justus Wertmüller so langsam wirklich unangenehm wird. Konnte ich aber da oben nicht nachtragen, weil dann meine Überleitung mit dem Glück kaputt wäre. So. Wenn Justus von diesem Tunesier wüsste, der wäre auch sauer. Hat sicher was mit der Scharia zu tun, dass der Diego jetzt in Peking bleibt. Da muss ein norddeutscher Verein sich der Scharia beugen! So weit ist es gekommen.

In Israel tritt jetzt bald der Olmert ab. Der ist da Chef vom Ganzen. Er hat heute noch einen letzten Brief von seinem Konterpart in Ramallah bekommen:

Hast du wirklich nur diese Kleckerbeträge angenommen? Wir haben uns kaputtgelacht, als wir das erste Mal davon hörten. Für solcherart Kleingeld stehen sie bei uns in der PA nicht mal mittags auf.

Haha, es ist wirklich lustig.

In Amerika, also zurück zum Wahlkampf da, da hat der Kollege vom McCain jetzt die Deutschen beschimpft. “He prioritises throngs of fawning Germans over meeting with wounded combat troops in Germany.” Was genau “fawning” nun heisst, wird heiss diskutiert. Auf jeden Fall hat der Mann recht, und man kann nur hoffen, dass ein echter Kriegsheld Präsident wird und nicht dieser substanzlose Medien- und Jugendmanipulator Omabar.

Zum Schluss ein Witz: Was ist haarig und liegt in der Pfanne?

Bartkartoffeln!

the battles - atlas

Die aus NYC stammenden Battles waren auf dem Melt am letzten Abend eine der Vorgruppen von Björk und haben mich zumindest mit diesem Lied begeistern können. Festivalbericht #2 folgt demnächst.

Er lag seit zwei Stunden in der bis auf ihn leeren Badewanne und konnte sich nicht bewegen. Das Radio hatte wenige Minuten vorher aufgehört zu spielen und gab nun nur noch alle paar Minuten ein gequältes Knacken von sich. Es wird nicht mehr weitergehen, dachte er, die Polizei wird bald kommen, und dann beginnt mein neues Leben im Knast. Eine schöne kleine Zelle, mit Toilette, aber ohne Badewanne. So würde das für einige Jahre gehen, er hatte keine Ahnung, wie viel man für einen Bankraub und die damit verbundenen Körperverletzungen heutzutage bekam. Immerhin war er nicht vorbestraft, vielleicht würde es glimpflich abgehen.
Während er sich so in seine Zelle hineinversetzte, hörte er dazu passende Schritte im Hausflur. Einige Minuten vergingen, dann seufzte er kaum hörbar und überlegte, ob er nun erleichtert oder enttäuscht darüber war, dass die Polizei offenbar noch auf sich warten ließ.

Gregor Schwarz war 28 Jahre alt und einer aufwendigen Selbstanalyse zufolge auf allen für sein Selbstverständnis relevanten Gebieten gescheitert. Er hatte kein Geld, keine Frau, keine Ausbildung und keine Lust mehr, etwas daran zu ändern.

Fünf Stunden zuvor

Es begann um kurz nach Zehn, ein verregneter Morgen. Als er aus dem Bus stieg, tauchte er in das Einheitsgrau von Himmel, Straße und Häusern ein, er fühlte sich sicher. Das Ziel lag klar vor ihm. Es war die Sparkasse, deren strahlend rote Schilder am weißen Gebäude sich von der Umgebung abhoben und ihm klar zu sagen schienen, dass hier das bessere Leben abholbereit liegen würde.
Schwarz, fast zwei Meter groß und von sportlicher Statur, ging die 200 Meter zur Bank und dachte an all das Geld. Kurz vor der Tür zog er sich eine tarnfarbene Sturmhaube über den Kopf, nahm die Pistole, die er von seinem Vater geerbt hatte, aus der Tasche und atmete tief durch. Er tat das alles, ohne stehen zu bleiben. Dann schob er die Tür auf und war in der Bank.

Am Schalter stand eine junge blonde Frau im Hosenanzug, wahrscheinlich eine Auszubildende. Ihr Namensschild wies sie als Frau Tietjen aus. Vor dem Schalter befanden sich drei Kunden. Ein älteres Paar in rentnerbeiger Kleidung wartete geduldig darauf, dass Frau Tietjen einem Mann vor ihnen sein Geld auszahlen würde. Der Mann sah aus wie Mitte dreißig, war aber wahrscheinlich jünger. Er trug einen ausgewaschenen Jogginganzug, obwohl er sicher keinen Sport machte. Sein ganzes Äußeres wies darauf hin, dass er gerade seine Sozialhilfe abholte.

Als Gregor Schwarz den Raum betrat, bemerkte ihn zunächst niemand. Er wollte etwas rufen, aber das gelang ihm nicht. Abrupt blieb er stehen und verharrte einige Sekunden, in denen er vermummt und bewaffnet dabei zusah, wie dem Mann am Schalter 75 Euro ausgezahlt wurden. Nachdem der sein Geld in die Hand genommen hatte, blickte Frau Tietjen auf und sah aus den Augenwinkeln den erstarrten Gregor Schwarz. Ihr zunächst entspanntes Gesicht zeigte nacheinander Erstaunen, Entsetzen und Angst an. Als es sich überraschend bei Entschlossenheit einpendelte und sie Anstalten machte, den Schalter Richtung Hinterzimmer zu verlassen, erwachte auch Schwarz wieder und ging zum Angriff über. Mit der Pistole fuchtelnd und laut „ÜBERFALL!“ rufend ging er auf die Anwesenden zu. Die beiden Rentner bewegten sich langsam nach hinten, von Schwarz und Tietjen weg zur Wand. Der Mann, der mit seinem Geld in der Hand gerade vom Schalter weggegangen war, befand sich nun leicht versetzt zwischen der Bankangestellten und Schwarz. Dort blieb er mit offenem Mund stehen. Schwarz nahm ihn nicht wahr. Er sah nur Frau Tietjen, die stehen geblieben war, und das helle Holz des Schalters und der Möbel dahinter. Irgendwo da musste das Geld sein, und sie musste es ihm geben. Er rief noch einmal „ÜBERFALL!“ und dachte, dass damit doch alles klar sein müsste. Wenn man überfallen wird, rückt man die Kohle raus, das musste sie doch auch wissen. Stattdessen sah sie ihn einfach nur an. Er schrie hilflos „JETZT GIB DAS GELD HER!“ und wedelte mit der Waffe in seiner Hand herum, um ihr klar zu machen, warum sie besser tun sollte, was er wollte. Aber sie bewegte sich nicht. „DAS GELD!“ forderte Schwarz erneut.
Da drehte sich der mutmaßliche Sozialhilfeempfänger zu ihm herum und hielt ihm unsicher seine 75 Euro hin. Schwarz erschrak, als er ihn plötzlich sah. Die Aufmerksamkeit des Bankräubers ermutigte den Mann, er war von seiner Idee gleich viel überzeugter und ging auf ihn zu, das Geld am weit ausgestreckten Arm vor sich her tragend. Schwarz war überfordert und ging einen Schritt zurück, während er die Geldscheine anstarrte, die langsam auf ihn zu kamen. Er konnte sein Ziel, den geldgefüllten Schalter, nun nicht mehr sehen, der Mann drängelte sich geradezu dazwischen. Um sich an ihr festhalten zu können, hob er die Waffe hoch und richtete sie zitternd nach vorne. Auf den Lauf der Pistole fixiert sah Schwarz sein Gegenüber nur noch verschwommen vor sich. Der Mann stand nun fast vor ihm, murmelte leise „Hier!“ und hielt ihm das Geld hin.
Eine Sekunde später schoss Schwarz. Die Pistole, zwanzig Jahre alt, gab einen lauten Knall von sich und zerbarst in seiner Hand, die in einer grellen Flamme verschwand. Der Mann fiel zu Boden und schrie. Sein Polyesteranzug war an einem Arm verkohlt, die Haut in seinem Gesicht leuchtete rot. Schwarz stand noch. Er blickte erstaunt auf den Mann hinunter und hörte, wie die Überreste der Pistole zu Boden fielen. Seine Hand war ein schwarzroter Klumpen, der nun langsam begann, einen stechenden Schmerz durch seinen ganzen Körper zu schicken. Aus der Ferne schrie Frau Tietjen unaufhörlich.
Es dauerte noch einige Sekunden, bis der Schmerz und die Schreie Schwarz wieder zu Bewusstsein kommen ließen. Er blickte einmal durch den Raum, vom liegenden Mann über die schreiende Frau Tietjen und die regungslos an der Wand stehenden Rentner zu seinem ramponierten Arm und wieder auf den Mann am Boden. Dann griff er mit der linken Hand unbeholfen die verkohlten Geldscheine aus dessen Hand, drehte sich um und rannte aus der Tür.
Draußen kam ihm eine Frau entgegen, die gerade die fünf Stufen hinauf zur Tür ging, als er herausstürmte. Er lief direkt in sie hinein. Sein Arm traf sie im Gesicht und sie fiel rückwärts die Treppe herunter. Dabei schlug sie mit dem Kopf auf die letzte Stufe und blieb am Boden liegen. Schwarz sah sich kurz um, sah ihr Blut und ihr grotesk verdrehtes Bein und rannte weiter. Er riss sich die Sturmhaube vom Kopf, warf sie weg und rannte. Sein gesunder Arm hielt den verletzten am Ellbogen, Kopf und Gesicht waren schweißgebadet. Im Laufen wurde ihm bewusst, dass er keinen Fluchtplan hatte. Hatte er etwa im Linienbus flüchten wollen? Spätestens mit seiner Verletzung hatte sich diese Option erledigt. Er musste sich in Sicherheit bringen, er musste in seine Wohnung, in sein Badezimmer, sich einschließen. Also lief er weiter. Nach einer halben Stunde, in der er immer langsamer geworden war, kam er zu Hause an. Niemand hatte ihn aufgehalten oder angesprochen. Sicher hatten die Passanten ihn angesehen, aber das hatte er nicht bemerkt. Er betrat seine Wohnung und ging geradewegs ins Bad.

Einige Zeit, nachdem das Radio seinen Geist aufgegeben hatte, kamen Gregor Schwarz Zweifel. Vielleicht würden sie ihn doch nicht erwischen. Vielleicht war die Pistole seines Vaters nie registriert gewesen oder nun so beschädigt, dass sie ohnehin nicht mehr zuzuordnen war. Vielleicht brachte sie die Sturmhaube, die er zwei Tage vorher unweit der Bank in einem Army-Laden gekauft hatte, auch nicht auf seine Spur. Vielleicht war die Polizei einfach unfähig. Warum sollte er nicht am Ende noch Glück haben?
Im Waschbecken lagen die Überreste seiner Beute. Einer der Scheine, ein Zehner, war fast unbeschädigt. Beim Gedanken daran musste er lachen und zuckte vor Schmerz zusammen.
Die Schmerzen wurden langsam unerträglich. Jede Bewegung verstärkte sie derart, dass er schon lange auf weitere Versuche verzichtet hatte. Wenn sie nicht kommen würden, um ihn zu holen, dann müsste er sich darum bald selbst kümmern. Er spielte gerade in Gedanken durch, wie er sich aufraffen und die Hand erst waschen, dann desinfizieren und mit Wundsalbe eincremen würde, da klopfte es energisch an der Wohnungstür. Eine in Autorität geschulte Stimme sagte „Ist da jemand?“, und dann wurde die Tür eingetreten.

Anlässlich des heutigen 2. Internationalen Day des Denglish fragen sich viele, wie sie besser Denglish sprechen können. Sie haben eingesehen, dass das eine gute Sache ist, wollen mitmachen, aber es fehlen ihnen die Worte. Dabei ist die denglishe Sprache so reich an Möglichkeiten. Ein paar davon sollen hier mit wenig Wissen und ohne den Anspruch auf Vollständigkeit vorgestellt werden. Ergänzungen sind herzlich willkommen.

  • Die einfachste Methode, Denglish in seinen Sprachalltag aufzunehmen, ist die Verwendung von ganz normalen englischen Wörtern. Besonders simpel zu handhaben sind die Adjektive: Kopieren, einfügen, fertig - ganz easy. Ebenfalls einfach machen es einem die Substantive, sie können genauso verwendet werden wie ihre deutschen Entsprechungen, bei der Pluralbildung orientiert man sich meistens an der Herkunftssprache und hängt ein s an. Die Artikel richten sich meistens nach den deutschen Entsprechungen. Damit ist man dann noch kein Pro, aber man kann die Chicks auf jeden Fall beeindrucken. Bei Verben sollte man berücksichtigen, dass sie sich nur gut einfügen, wenn man sie auch entsprechend konjugiert, ansonsten kann man auch gleich Englisch sprechen, wogegen natürlich auch nichts einzuwenden ist. Manchmal kann man auch konsidieren, die Wörter ganz in eine deutsche Schreibweise zu übertragen. Wenn man dann den Girlfriend an der Station aufpickt und mit ihr zum Date cruist, ist man in Sachen Freshness kaum noch zu toppen.
  • Die zweite Möglichkeit, die deutsche Sprache mit englischer zu bereichern ist die Übernahme von Wendungen und Sprichwörtern. Diese werden entweder direkt in den sonstigen Sprachbrei eingestreut oder vorher ins Deutsche übersetzt. Insbesondere Ausrufe der Verwunderung (”Gosh!”) wirken auf Englisch authentischer, manchmal macht es aber auch Sinn, zu übersetzen. Dann ist es Zeit, keinen Fick mehr zu geben auf althergebrachte Gleichgültigkeitsbekundungen.
  • Eine Mischform stellt das sogenannte ingen da. Hierbei nimmt man einen beliebigen Substantiv aus dem Englischen und hängt das bekannte -ing an, das man normalerweise an Verben anhängt, wenn man etwas gerade in diesem Moment tut. Ticketing ist zur Zeit das einzige Beispiel, das mir einfällt, aber dieses Feld ist bei weitem noch nicht abgeerntet.
  • Wem diese Sourcen der Vielfalt noch nicht reichen, muss selbst kreativ werden und sich englische Wörter ausdenken. Das ist ein anspruchsvolles Unterfangen, und man kann gehörig auf die Nase fallen, wenn man ein Fußballevent mit dem amerikanischen Wort für eine öffentliche Leichenschau belegt. Daher sind solche Scheinanglizismen auch sehr selten und bieten eine große Angriffsfläche für Sprachnazis.

Als Krautkiller sagen wir dann aber ganz easy: Wir kümmern uns nicht.

fusion 2008

fusion 2008
Ankunft und Ausrüstung:

Eigentlich hatte ich das Festival schon abgeschrieben, dann erreichte mich aber doch noch eine Nachricht und ein Platz in einem Auto. Bliebe das Problem, dass ich natürlich keine Karte hatte. Zu dem Festival gehört aber auch, dass man vor Ort immer noch eine Karte bekommen kann. Bei steigender Besucherzahl in den letzten Jahren könnte das vielleicht einmal ein Problem werden, wenn man nicht das Gelände immer mehr erweitert und dem  Festival damit den mir -und ich denke auch vielen anderen- wichtigen familiären Charakter nehmen würde. Es darf also jeder kommen der nicht Thor Steinar oder Deutschlandfahne trägt. Letztere sah man dann aber doch auf dem Gelände: Gold entfernt und an die Fantasieautos getackert. Diese Autos waren auch der erste Kontakt mit dieser Parallelgesellschaft in die ich für 4 Tage eintauchte: Alte, rostige, bunte, umgeschweißte, entglaste, bemalte und doch noch irgendwie fahrtüchtige Vehikel kamen uns entgegen und die ersten Dreadlock-Träger zeigten uns den Weg. Größtenteils (oder nur?!) sind diese ehrenamtliche Helfer, die sich durch eine Arbeitsschicht die Karte verdienen können. Die Karte kostet nicht viel für das, was man dann geboten bekommt. In der Warteschlange bekommt man das “Fusion-Buch” mit Hinweisen, Lageplan, Spielplan usw. Auf dem Zeltplatz angekommen beginnt die Suche nach dem richtigen Platz für Auto und Zelte. Auto darf nämlich neben dem Zelt stehen. Einer der zahlreichen Pluspunkte. Leider wurden wir bei dieser Suche aber 2x verscheucht, sogar dummdreist und ohne Argumente. Das war schade und gar nicht hippie. Nach 2 Minuten auf unserem “Rückzugs-Ort” (Trancefloor 500m Luftlinie) kam der erste Händler seines Weges und bot uns seine Ware an: Pappe, Vitaminpillen und Grünzeug. Pappe verkaufe er an Erstpapper aber nicht. Ein Keksbauchladen kreuzte kurze Zeit später auf. 

Das Gelände, das Essen: 

Das Gelände gehört dem Kulturkosmos und wird von diesem das ganze Jahr über gepflegt und genutzt. Es ist ein altes Militärgelände, ein ehemaliger Flugplatz mit den charakteristischen Hangars. Der Übergang vom Zeltplatz zur Tanzwiese ist fließend, so dass neben manchem Stand ein Zelt steht und man auch alles mit auf das Gelände nehmen darf. Positiv, gleichzeitig aber auch negativ, da sich so sehr viele Glasflaschen sammeln, die ja bekanntlich aus Scherben zusammengeklebt sind. Die Stände selbst sind holzlastig, ohne viele elektronische Geräte, alles wirkt eher spartanisch und vor allem liebevoll mit dem Wort, das über dem ganzen Gelände schwebt: detailreich. An jeder Ecke kann man neue Dinge entdecken, Lichterspiele in der Nacht, Holzkonstruktionen am Tag, beides zusammen im Halbdunkel - die Tageszeit spielt hier sowieso keine Rolle mehr. Die Straßen haben Namen, man wird sehr freundlich angesprochen, es gibt keine Hektik und kein Gedrängel. “Und was kann ich für dich tun?” “Die Preise kenne ich selber nicht.” - oft gehörte Sätze beim Einkauf der ausschließlich vegetarischen Leckereien. Wagenburger, Spaghetti, Fladen und Chili Sin Carne. Gut genährt kann man zu Workshops gehen, ins Kino, Super Mario spielen, Jonglieren, auf einem großen blauen Ball stehen und nicht runterfallen, auf den Hangar klettern und schauen, sich ins Erdloch legen und alle neidisch machen, weil man einen Teppich unten und eine Plane oben hat. Kurz: alles entdecken und dann natürlich auch noch tanzen!

Die Musik, der Tanz:

Dub, Reggae, Dancehall, Elektro, Ska, Punk, Alternative, Techhouse, Minimal, GOA, Trance - mir fallen bestimmt noch mehr Musikrichtungen ein und fast alle könnte man hier aufschreiben. Das Angebot ist vielseitig, es gibt 10 Bühnen von denen die meisten Tag und Nacht Programm haben.
Meine Highlights waren The Notwist, Steve Bug, Dominik Eulberg und ganz viele andere, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, die aber mich und meine Mitreisenden immer mächtig zum hüpfen animieren konnten. Nach einigen Stunden schweißtreibender Arbeit gab es dann Energiebällchen (ohne Zusatzstoffe, wirklich!) oder Chai oder Tee oder Wasser oder Milchshake oder vielleicht auch Bier. Bierwagen darf man hier allerdings nicht suchen. Und natürlich sieht man auch nicht ein einziges Werbebanner.

Die Menschen, das Volk:

Auf der Spieleverpackung zur Fusion wäre wohl eine Familie inklusive Hund abgebildet mit der Altersempfehlung 0-99+. Denn so setzt sich das Publikum zusammen. Vom Althippie über den Normalhippen zum Technogirlie. Alles dabei. Kinder mit auf dieses Festival zu nehmen ist einerseits toll, weil Kinder einfach eine schöne Atmosphäre schaffen können, wenn allerdings das Nichtkinddrumherrum ganz und gar nicht kindgerecht ist, wird es schwierig. Andererseits ist diese bunte Welt so noch bunter gewesen und die Kinder die ich sah hatten auch alle sehr viel Spaß; nur die Hunde, die haben da wirklich nichts zu suchen. Viel zu laut plus Zusatzkot.

Fazit:

Dieses Festival ist für jeden zu empfehlen, der sich darauf einlassen möchte und ich habe tatsächlich zum ersten Mal wirklich das Gefühl gehabt, dass das Festival eine Botschaft hat, etwas vermitteln will und das diese Botschaft auch ankommt. Jedenfalls bei mir. Wie aus dem Reiseheft kann man “fernab vom Alltagsstress und Zivilisationslärm die Seele auftanken” und spüren, dass gerade ohne viel Geld sehr viel Miteinander möglich ist. Ein bisschen Schade finde ich nur, dass für viele diese Erfahrung mit dem Konsum von Drogen einher geht. Die Angebotsvielfalt, das ganze drumherum zeigen aber auch immer wieder, dass dieser nicht im Vordergrund stehen soll. Ich komme wieder!

 

Vor zwei Wochen war ich in Berlin. Da ist es interessant, da trifft man Leute. Ich traf also auf die Freundin einer Freundin, nennen wir sie mal Sabine, und unterhielt mich eine Weile ganz nett mit ihr, u.a. darüber, wie realistisch so ein an den Himmel geworfenes Batman-Zeichen eigentlich ist, über Filme, Geschichten und solche Scherze.

Heute sitze ich mit meinen Eltern im Café 100 Meter von hier entfernt, und wer setzt sich mit fünf Freunden an den Nebentisch? Genau, Sabine. Ab hier beginnen nun meine Überlegungen zu sozialer Verkrüppelung. Ich weiss nämlich gar nicht, wie sowas gesellschaftlich geregelt ist. Grüßt man sich in solchen Fällen? Oder unterhält man sich gar kurz, wenn man sich dann wieder trifft?

Von diesen Fragen abgesehen kann es natürlich auch noch eine unterschiedliche Wahrnehmung geben. Was dem einen eine nette Unterhaltung war, kann dem anderen auch der langweiligste Freitagabend aller Zeiten gewesen sein. Das macht die Sache noch komplizierter. Zumal andere Leute öfter mal gute Unterhaltungen haben, weil’s anderswo (Berlin!) auch zahlreiche interessante Menschen gibt. Solche sind hier erfahrungsgemäß rar.

Konkret hatte ich nun mehrere Möglichkeiten, die perfekte Junge-Leute-Im-Café-Idylle nebenan zu stören. Ein freudiges “Hallo Sabine, hast du das mit BATMAN eigentlich mal geklärt?????” bietet alle Chancen, eine peinliche Situation für sämtliche Anwesenden zu kreieren. Könnte aber auch ziemlich komisch sein. Abgekürzt ginge auch “Hallo Sabine!”, das könnte im Falle des Nichterinnerns ihrerseits noch viel peinlicher sein, schliesslich entfällt die Möglichkeit für mich, direkt auf entlaufener Behinderter zu machen, die ich bei der Batmanvariante immerhin schon gut vorbereitet hätte.
Für Leute, die nicht sozial behindert sind, wäre das wahrscheinlich das Selbstverständliche, einfach mal Hallo zu sagen. Aber wer ist das schon? Ich würde diesen Eintrag nicht schreiben, wenn ich nicht wüsste, dass es Vielen so geht. Und natürlicherweise auch nicht, wenn sie ihrerseits Hallo gesagt hätte.

Zum Glück hat man immer noch eine weitere Möglichkeit: Nach Hause gehen und alles ins Blog zu schreiben. Das ist zweifellos die peinlichste. Nein, noch peinlicher wäre es, im StudiVZ zu lügen: “Warst du das eigentlich im Café Wolf? Ich war mir nicht sicher! Wie gehts so?”

Falls sich jemand findet, der die Frage mit dem Batmanzeichen klären kann, wäre das super. Braucht es dafür Wolken, an die es geworfen werden kann? Und wie klar können die Konturen eigentlich werden? Ich habe da so meine Zweifel an der Machbarkeit.

Fernweh

“Scheiß auf Kroatien!” war das erste, was ich vom Balkon aus nach dem Elfmeterschiessen eben gehört habe. Eine Handvoll Leute grölt es ihrem Anführer nach, der anschliessend “Türkiye! Türkiye” intoniert. Das deckt sich mit der Erfahrung nach dem Sieg der Türken gegen die Schweiz, wo das erste, was ich aus dem beginnenden Autokorso heraus hörte, “Schweiz kann jetzt nach Hause fahrn!” war. Dass “die Schweiz” es in dem Fall nicht so weit hätte, könnte sie überhaupt irgendwohin fahren, ist gar nicht mal das Bemerkenswerteste daran.
Den Schreihälsen von eben wurde schnell geantwortet. Von gegenüber schrie es ein “Deutschland, Deutschland” zurück. Daraufhin machte sich einer der betrunkenen Halbstarken auf den Weg Richtung Straße, stand dort kurz und wurde zurückgerufen, da seine Kumpel “keinen Bock auf den Stress” hätten, den er offensichtlich mit den zu erwartenden und jetzt zu sehenden Jubeltürken anzufangen plante.
Als die feiernden Deutschen gestern gerade vom fröhlichen Jubel zum zwangsläufig folgenden faschistoiden “Sieg”-Gegröle übergegangen waren, als die mitgebrachten Fußbälle und das mit ihnen zu feiernde Fußballfest nicht mehr gefragt waren, da machten sich am Sielwall die ersten jungen Türken daran, diese Bälle in böser Absicht mal feste in Richtung Kartoffelecke zu schiessen. So nah liegt das beieinander, so ist das eine im anderen angelegt.

Heute nun fiel es schwer, überhaupt einer Mannschaft die Daumen zu halten, wenn man mal über das Sportliche ein wenig hinausdenkt. Slaven Bilic spielt in der Kabine gerne mal ein Lied der ultranationalistischen Band Thompson. (Zu der ich mal einen interessanten Artikel gelesen habe, den ich nicht wiederfinde.) Bei den Türken dagegen titelte eine Zeitung vorher, dass die Mütter der Spieler sie für diesen Tag geboren hätten. Wofür setzt man auch sonst Kinder in die Welt, wenn nicht dafür, dass sie der Nation Ruhm und Ehre bringen? Der Trainer, Fatih Terim, äusserte sich nach dem Spiel in etwa so, jemand hat mir das mal transkribiert:

blabla…es ist ein großer tag für unser volk…blabla…wenn unser volk auf uns stolz ist sind wir auch auf sie stolz…blablabla….das wichtigste ist, dass unsere landsmänner stolz sind…usw.

In all diesem faschistischen Brei fällt es schwer, einfach Fußball zu gucken.

Und nun muss man langsam anfangen, sich das Spektakel nächste Woche auszumalen. Als erstes werden die zu Recht besorgten Politiker zu einem friedlichen Fest aufrufen. Der Imageschaden für Deutschland ist kaum auszumalen, sollte es zu ernsthaften Auseinandersetzungen kommen. Also wird ein fröhliches Multikulti- und/oder Integrationsbild gezeichnet werden, das mit der Straßenrealität, mit dem grölenden Fan, wenig zu tun hat. Zum Glück wird der im Endeffekt von der Staatsmacht in seinen Schranken gehalten, am Ende wollen ja doch alle gute Deutsche sein. Das Theater drumherum verhindert das alles nicht.

Gerade bekomme ich eine SMS, vermutlich wiederum vom Sielwall oder einem anderen zentralen Punkt der Feierlichkeiten: “Es wird alles immer schlimmer.” Das glaube ich gerne. Und würde am liebsten flüchten. Angeblich reicht Skandinavien schon aus, ich würde aber lieber nach Fernost. Mindestens.

Wir sind allesamt Werderfans. Was macht man nun, wenn man bei der EM völlig zurecht für die niederländische Mannschaft cheert, und dann das rechte oder linke Kreuzband von Rafael van der Vaart mit lautem Knall in Stücke reißt? Findige Moralschieber retten sich dann damit, dass er ja ein ganz anderes Trikot trägt, als wenn er für den Verein aus Stellingen spielt, und dass sie sich demzufolge natürlich nicht freuen würden, wenn er sich verletzen würde. Man muss kein besonders großer Freund der Nazikeule sein, um unwillkürlich zu erwidern: Wenn du nun also Adolf Hitler im Hawaiihemd treffen würdest, würdest du auch einen Sex on the Beach mit ihm trinken?

Ist das eine Verharmlosung von Hitler, oder von Hawaiihemden? Nein. Um sich das zu veranschaulichen, genügt es, die zusammengehörigen Teile einmal ins Verhältnis zu setzen, also Quotienten zu bilden. Man kann dann mit Fug und Recht behaupten, dass Hitler geteilt durch Hawaiihemd ungefähr den gleichen Wert ergibt wie Van der Vaart geteilt durch Oranje-Dress. Es ergeben sich interessante Möglichkeiten, durch simples Umstellen der Gleichungen neue Erkenntnisse in fußball- und modemoralischen Fragen zu gewinnen. So lässt sich zum Beispiel sagen, das Van der Vaart identisch ist mit Hitler, wenn man diesen noch mit Hollandtrikot durch Blumenhemd (dem sogenannten Hemdquotienten) multipliziert. Dieser ist aufgrund der relativ verheerenden Wirkung von Hawaiihemden auf die Augen sehr gering. Genaue Werte liegen bisher nicht vor, man schätzt aber, dass Hitler 3 bis 14 Zehnerpotenzen schlimmer ist als Van der Vaart, dies entspricht genau dem Verhältnis zwischen den beiden genannten Kleidungsstücken.

Sprich: Van der Vaart bleibt ein HSVer, wenn er ein anderes Trikot trägt, genau wie Hitler ein Nazi bleibt, wenn er ein Hawaiihemd anhat. Und das, obwohl zwischen beiden Welten liegen, Welten von der gleichen Mächtigkeit wie zwischen den Kleidungsstücken. Was passiert, wenn Hitler ausländische Trikots anzieht, wurde bisher nicht erforscht. Vielleicht könnte man ihn dann liebgewinnen. Dann wird es ganz schwierig für jeden HSVer, da mitzuhalten. Werdertrikots kriegen sie von uns jedenfalls nicht.

« Older entries