Eigenes

Meist bedeutungslos.

…und was sie wirklich dabei denken.

Israels Sicherheit ist Teil der deutschen Staatsraison!
Am besten fürs Vaterland ist es, wenn wir uns nicht wieder mit denen anlegen, die regieren die Welt!

Das ist die Wiedereinführung der DDR durch die Hintertür!
Ich zahle meine Steuern nur ungern, wenn andere Menschen von ihnen profitieren.

Leistung muss sich wieder lohnen!
Mehr für mich zu fordern fände ich egoistisch und falsch, aber wenn die anderen noch weniger bekommen könnten, das wäre doch eine gute Lösung!

Man muss die Menschen vor diesen Leuten schützen!
Mit “Menschen” meine ich meine Familie, mit “diesen Leuten” alle anderen.

Ich habe eben ein traditionelles Familienbild.
Ich verdiene mehr als die meisten Deutschen und kann deshalb eine Familie ernähren. Außerdem schätze ich die Stabilität und Hingabe, die finanzielle Abhängigkeit in eine Ehe bringt.

Das ist gesamtwirtschaftlich nicht sinnvoll.
Das ist eine Umverteilung, von der ich nicht profitiere.

Zu dieser Reform gibt es keine Alternative.
Das ist eine Umverteilung, von der ich profitiere.

Ach, das bisschen WM-Patriotismus ist doch nicht politisch.
Wer meiner Meinung ist, ist nicht politisch, sondern hat einfach nur recht!

Was damals passiert ist, darf sich auf keinen Fall wiederholen.
Sechs Millionen! Sechs Millionen deutsche Frauen hat der Russe damals vergewaltigt. Ungefähr.

Wer Arbeit sucht, der findet auch welche.
In Deinem Alter war Hitler schon Postkartenzeichner!

Man muss auch über deutsches Leid sprechen können.
Es wäre doch für alle das Beste gewesen, wenn wir den Krieg gewonnen hätten.

Ich bin ein überzeugter Transatlantiker!
Am besten fürs Vaterland ist es, wenn wir uns nicht wieder mit denen anlegen, die regieren die Welt!

Ich bin für eine soziale Marktwirtschaft.
Marktwirtschaft da, wo ich mich durchsetzen kann, sozial da, wo ich es nicht kann.

Das ist nicht zu finanzieren.
Davon würde ich nicht profitieren.

Wir müssen den Gürtel enger schnallen.
Ihr müsst den Gürtel enger schnallen.

Dominik Brunner ist ein Held.
Boah, wie gerne würde ich mal einem Heranwachsenden ins Gesicht schlagen und ein letztes Mal ‘ne Ladung Testosteron und Adrenalin spüren!

Wir hatten ja früher viel weniger als Ihr heute.
Ich halte Produktivitätssteigerung für ein ungerechtes Phänomen.

Wir müssen in Bildung investieren!
Aber nicht von meinem Geld.

Wir müssen mehr Geld für Bildung ausgeben!
Ihr zahlt jetzt Studiengebühren.

Das hat es früher nicht gegeben.
Und jetzt bin ich zu alt, um mitmachen zu können :(

65 Jahre nach…
Das ist jetzt aber wirklich das letzte Mal, dass wir darüber reden! DAS. LETZTE. MAL.

In unserer Gesellschaft geht es gerecht zu.
Ich kann nicht klagen.

Jeder ist seines Glückes Schmied.
Mit der Verteilung des gesellschaftlich erwirtschafteten Wohlstands bin ich ganz zufrieden.

Ich glaube, ich werde auf meine alten Tage doch noch ein Linker.
Ich habe meinen Job verloren.

Atomkraft ist sicher.
Ich hab zwar keine Ahnung, aber die Grünen gehen mir auf den Sack.

Ich bin gegen anstrengungslosen Wohlstand!
Ich habe keine wirklichen Probleme.

Ich bin für den schlanken Staat.
Solange er mir fette Autobahnen baut.

Ich gehe arbeiten, und die machen sich auf Staatskosten ein schönes Leben!
Ich kann nicht bis 359 zählen.

Die Linkspartei muss ihre Stasi-Vergangenheit aufarbeiten.
Mit den Alt-Nazis in den Spitzen von Union und FDP hatte ich kein Problem. Und 65 Jahre nach…

Wir müssen den Terrorismus entschlossen bekämpfen.
Morgen überweisen wir 500 Millionen Euro nach Ramallah, übermorgen stürmen wir das autonome Jugendzentrum Paderborn mit dem SEK.

Ich bin stolz auf Deutschland.
Andere Länder finde ich doof, weil sie mit ihrer verbrecherischen Vergangenheit nicht so gut umgehen.

Ich bin auch für Gleichberechtigung.
Im Rahmen der gegebenen Fähigkeiten! Frauen sind eben besser am Herd und mit den Kindern.

Der Staat muss verantwortungsbewusst mit den Steuergeldern umgehen.
Ich halte es für unverzichtbar, ein paar Märchenerzähler in komischen Kostümen mit Steuergeldern zu bezahlen.

Deutschland braucht eine starke Armee.
In Frankreich hat ein Jude den Finger am Atombombenknopf und die Tschechen werden auch immer frecher.

Das ist doch blanker Linkspopulismus!
Das weicht von der reinen, wahren Lehre ab. Womöglich glauben das die Leute auch noch!

Daran ist der linke Zeitgeist schuld.
Der Einzelne ist nie schuld. Es sei denn, er ist arbeitslos. Oder linker Politiker. Oder Demonstrant.

Da ist die Politik gefordert.
Irgendwas wird man schon verbieten können.

Hier herrscht noch Recht und Ordnung.
Ich freu mich über jeden, der von einem Polizisten auf die Fresse bekommt.

Mindestlöhne würden der Wirtschaft schaden.
Ich habe keine Lust, am Strand der DomRep meiner Putzfrau zu begegnen.

Das wird man jawohl noch sagen dürfen!
Das steht seit Jahren in jeder Ausgabe jeder Zeitung jeder politischen Richtung.

h/t: Spirit of Entebbe

Bis zu fünf Euro winken jedem, der ein weiteres Hartz IV-Symbolbild für tagesschau.de baut:

Nachtrag, 27. September: Offenbar hat schon jemand einen ganzen Tag lang Symbolfotos gebastelt, die jetzt nach und nach verarbeitet werden:

Hartz IV-Empfänger werden sich von ihrem Geld höchstwahrscheinlich weder Scrabble kaufen noch den ganzen Tag Russisch Brot mampfen (selbst wenn es so schön karg aussieht). Man sollte vielmehr mal illustrieren, was man sich von fünf Euro so kaufen kann (zum Beispiel vier Tüten Russisch Brot), und wie sich ein Kind über ein Spiel für null Euro freut (zum Beispiel einen Stock).

Nachtrag, 28. September: tagesschau.de hat noch lange nicht fertig. Diesmal gibt es soagr schwarzrotgold:

Verbrochenes.net, das sympathische Weblog für alle Menschen, gibt es jetzt auch im Internet! Dabei kann das nur ein erster Schritt sein auf dem Weg zum Großen Ganzen, das sich sicher nicht von alleine abschafft. Deshalb haben wir jahrelang am Großen Wurf gearbeitet, der uns jetzt wieder nicht gelungen ist. Stattdessen haben wir ein neues Wirtschaftssystem entwickelt. Es heißt Bondismus, weil ich eitel bin und unbedingt in die Geschichtsbücher will. Es basiert auf Enteignungen und ist deshalb geeignet, für großes Aufsehen und Jubel bei den ausgebeuteten Massen zu sorgen. Das beste am Bondismus ist allerdings, dass man ihn auf einem Bierdeckel erläutern kann. Dabei ist das nicht einmal die einzige Eigenschaft des Bondismus, die unseren zahlreichen liberalen Freunden aus dem Parteibuch spricht.

Bondismus ist Enteignung und Kapitalmacht – the best from both worlds. Im Sinne einer offenen Gesellschaft, einem Staat, der das Maul hält und individueller Freiheit wird die Gesellschaft nach unserer Machtergreifung radikal-liberal organisiert. Sozialdemokratische Umtriebe werden verboten und insbesondere das Westoderland vollständig entsozifiziert. Das war es dann aber auch mit den Eingriffen. Ansonsten regiert hier niemand mehr, außer dem Geist der Chicago-Boys.

Aber was ist mit den furchtbaren sozialen Folgen? Was mit den Besitzlosen, den Bildungsfernen und den Beamten? Wer soll für sie sorgen, wenn die libertäre Ideologie regiert und es weder Sozialstaat noch öffentlich-rechtliche Medienanstalten gibt?

Sie selbst natürlich, da sind die kommunistisch-libertären Ideologen des Bondismus sich ganz einig. Und ich verbitte mir Sozialdemokratismusvorwürfe, wenn ich sage, dass diese Menschen natürlich erst einmal in die Lage versetzt werden müssen, sich selbst zu helfen. Zu diesem Zwecke werden wir knallhart durchgreifen: Sämtlicher Privatbesitz wird enteignet. Anschließend wird alles – abzüglich einiger Annehmlichkeiten für die Revolutionäre und ihre Vordenker – vollkommen gleichmäßig auf alle Menschen verteilt. Wie das zu geschehen hat, müssen Leute ausarbeiten, die sich mit Wirtschaft und Politik auskennen, ich bin Visionär, ich habe andere Sorgen. Vermutlich sind Aktien eine gute Idee.

Jedenfalls wird der gesamte Besitz im befreiten Gebiet direkt wieder in Privatbesitz überführt. Nach diesem Neustart des gesellschaftlichen Konkurrenzkampfes kann jede mit ihrem Teil machen, was sie will. Sie kann alles verkaufen und mit dem dann frei gewordenen Kapital eine Pommesbude eröffnen oder alles versaufen und anschließend betteln gehen. Natürlich kann man auch eine Kirche neu gründen, alles ist erlaubt. Und alles macht einen Riesenspaß. Denn das größte Übel des Kapitalismus, dass man selbst meist nämlich gar kein Kapital hat, ist beseitigt.

Nun, wenden die Abiturienten ein, ist doch aber ohne den Sozialstaat und das ganze Gemurkse bald wieder großes Elend angesagt. Hunderttausende unfähige Ex-Privilegierte werden ihr Startkapital längst mit skurrilen Geschäftsideen, die selbst im Bondismus/Kapitalismus zum Scheitern verurteilt sind, durchgebracht haben und schließlich auf den Straßen für Kriminalität ungekannten Ausmaßes sorgen. Und sowieso, die nächste Krise kommt bestimmt, das bringt das freie Wirtschaften so mit sich. Das ist richtig, aber es gibt eine Lösung. Bondismus bedeutet zyklisches Handeln, und Handeln bedeutet stetiges Enteignen. Nach einem stets gleichen Intervall, mir schweben da aktuell etwa 20 Jahre vor, wird erneut totalenteignet. So werden die gesellschaftlichen Besitzverhältnisse wieder gleichgemacht. Wohlgemerkt gleichgemacht, nicht “auf null gesetzt”, wie die reaktionäre Propaganda behaupten wird. Denn schließlich ist der gesamte gesellschaftlich gemachte Reichtum immer noch da, er kann auch weiter genutzt werden, nur die abstrakten Besitzverhältnisse sind wieder andere.

Aber was wird in den Jahren vor der Enteignung passieren? Wer strengt sich noch an, wenn bald sowieso wieder alles enteignet und dem nutzlosen Pöbel gegeben wird? Spannende Frage, finde ich auch! Wahrscheinlich ist, dass die Welt in den Jahren vor der Enteignung zu einem grotesken Konsumfest wird, in dem alles verbraucht und wenig produziert wird. Es werden wilde Jahre, es wird aufregend, und es wird etwas ganz Neues. Nach der Enteignung dagegen wird es an vielen Dingen mangeln, es wird gearbeitet werden wie nach einem Krieg und es wird Vollbeschäftigung geben und eine ungeheure wirtschaftliche Dynamik, einen Fortschrittsschub, eine rasante Jagd in die Zukunft.

Bondismus ist insofern permanente Revolution. Privateigentum wird auf die Spitze getrieben und gleichzeitig de facto abgeschafft. Individuelle Freiheit ist garantiert. Und Krieg gibt es auch, mit dem imperialistischen Ausland natürlich. Die Bewohner der befreiten Republik werden gerne für den Großen Verteidigungskrieg zahlen, wenn die Konterrevolution sie zurückenteignen will.

Für den Anfang würde es reichen, einmal die reichsten Zehntausend zu enteignen. Natürlich nicht im Sinne der DKP, die die wichtigsten Unternehmen gerne von Leuten verwalten lassen würde, die genauso unfähig und erfolglos sind wie sie selbst. Nein, man muss die herrschende Klasse enteignen und das ganze Zeug direkt in den Privatbesitz aller Menschen überführen.

Gestern wollte ich bereits eine Partei gründen, mir wurde beim Amt aber mitgeteilt, dass unsere Bewegung schon erstmal einen Wikipedia-Eintrag haben müsse, bevor Finanzamt oder der Verfassungsschutz da irgendwie tätig werden könnten. Ich habe also eine PR-Agentur damit beauftragt, erst einmal für eine umfassende öffentliche Darstellung der bondistischen Bewegung und ihrer Ziele zu sorgen. Anschließend geht es dann richtig los. Mit Luftballons, Kugelschreibern und Schlüsselbändern. Ich zähl auf Euch.

Sun

Man muss das auch mal andersherum sehen. Am Ende jedes Maschinengewehrs, das zufällig vorbeifahrende Menschen zerfetzt, da steht doch auch ein Mensch. Einer, der eine Entscheidung gefällt hat und dann danach gehandelt hat. Zweifellos ist es ein böser Mensch; aber derlei Zuschreibungen sind gemeinsam mit dem Gedanken, dass Menschen selbst entscheiden, was sie tun oder lassen, verloren gegangen. Heute ist jeder wahlweise von seinen Genen, seinem Hirn, seiner Geschichte oder der seiner Eltern, seiner Religion oder seiner Kultur, den Produktionsverhältnissen oder – noch besser – von seinem Gewissen in Haft genommen worden. Was Menschen so tun, tun sie, weil sie gar nicht anders können.

Palästinenser morden eben, weil die Besatzung so furchtbar ist, und dann ist es auch kein Mord, sondern eine Verzweiflungstat. Oder ein Torpedieren von Friedensverhandlungen. Man betrachtet das nur noch im Kontext und nicht mehr für sich: Jemand stoppt mit seinem Gewehr ein Auto, erschießt die vier Insaßen und fährt weiter. “Eine Tragödie”, sagt Obama dazu, als ob das Ereignis unausweichlich gewesen wäre. Die Umstände sind eben so, die Leute sind eben so, heißt das. Keine autonome Entscheidung der Täter und ihrer Auftraggeber wird anerkannt und kritisiert.

Und dann die Phrasen, hinter denen die schreckliche Wirklichkeit verschwindet: Man verurteilt die Tat. Aufs Schärfste. Ein Anschlag. Und dann kommt der Kontext hinterher, damit man die Tat auch verstehen kann. Dabei führt das alles dazu, dass man die Tat eben überhaupt nicht mehr verstehen kann, sie wird völlig ungreifbar: Eine Straße, nachts, ein Auto mit Menschen, ein anonymer Täter, der mit einem Maschinengewehr vier Fremde einfach umschießt, er schießt aus einem fahrenden Auto und Washington ist weit weg.

Guido Westerwelle lässt sein “aufs Schärfste” ins Englische so übersetzen: “in the strongest possible terms.” Mit den stärksten möglichen Ausdrücken also. Dabei bleiben diese dann aus: Er behauptet eine scharfe Verurteilung und unterlässt sie genau dadurch. Die stärksten möglichen Ausdrücke und Begriffe bleiben in der Schublade. Die Tat an sich nicht wahrzunehmen, sondern nur ihren Kontext, führt schließlich dazu, dass ein brutaler vierfacher Mord gemeinsam mit der Ankündigung von Bautätigkeiten abgeheftet wird.

Die Unfähigkeit, moralische Urteile zu fällen, also zum Beispiel einen Mord als einen Mord zu verurteilen, ist auch die Triebfeder der häufigen Nazivergleiche. Wie soll man Menschen klar machen, dass es dezidiert böse Menschen und Taten gibt, wenn nicht mit dem Hinweis auf Nationalsozialismus, Massenmord und millionenfaches beabsichtigtes Leiden? Dabei spielt es gar keine Rolle, ob es tatsächlich um schlimme Menschen und Taten geht oder ob es sich um Projektionen handelt. Auch Antisemiten sehen das Böse am Werk, deshalb ist ihnen der Nazivergleich so nah.

Es ist der Postmoderne geschuldet, dass nicht nur moralische Begriffe verschwinden, sondern auch eine objektive Beschreibung der Realität an sich für unmöglich gehalten wird. Wäre es common sense, dass ein Mord ein Mord ist und sonst gar nichts, dann wäre auch die Wahrnehmung des Nahostkonflikts eine andere, da man dann das Verhalten der Konfliktparteien objektiv bewerten würde. Da aber eine objektive Bewertung von postmodernen Beobachtern ganz explizit ausgeschlossen wird, ist ein Mord kein Mord mehr, sondern ein politisches Manöver wie viele andere auch.

Überhaupt, die Friedensgespräche: Wie sie enden werden, kann man bei den Nahost-Experten nachlesen. Wie sie begonnen haben, steht schon fest: Mit vier Toten.

Zum selben Thema:
The fine art of gernalism

Vor einigen Monaten brachte die taz einen antisemitischen Text von Iris Hefets, in dem die Autorin sich über das Gedenken an den Holocaust lustig machte. Anschließend gab es eine kurze Debatte, dann die groteske Verweigerung einer Debatte durch die Chefredakteurin der taz, Ines Pohl, und schließlich entschied die taz, dem Hass auf Israel eine Serie zu widmen.

Außerhalb dieser Serie beschäftigt die Zeitung eine antisemitische Bloggerin, die Studentin Kübra Yücel. Auf deren Konto geht der bisher heftigste rassistische und antisemitische Ausfall der Zeitung. Yücel präsentierte dummdreist die These, dass “die ethnische Herkunft von ‘weißen’ Israeliten” die Ursache der Probleme im Nahen Osten sei. Ironischerweise benennt sie das Problem als “rassistische Politik Israels”, nachdem sie sich gerade selbst explizit als Rassistin geoutet hat. Und während man noch fassungslos darauf guckt, was diese Zeitung alles veröffentlichen mag, legt alle paar Tage ein weiterer Kommentator nach. Heute ist es der Redakteur Stefan Reinecke.

Um gleich klarzumachen, dass es bei der Serie zur Israelkritik nicht darum geht, was tatsächlich im Nahen Osten passiert, also zum Beispiel um Israel, trägt sie den Titel “Unser Israel”. Da kann natürlich jeder ungeachtet der Fakten einfach was von seiner Oma erzählen, und so ähnlich kommt es dann auch. Der Autor, nicht ganz untalentiert, führt seine Tante in der Rolle der guten Deutschen ins Feld. Die gute Dame war ängstlich, versuchte, nichts falsch zu machen, und ihre Erkenntnisse passten in einen Satz. Die Tante, die hier für die Deutschen steht, war also herzensgut und dumm. Reinecke, Fuchs der er ist, ist dagegen schlau. Zwar bewundert er seine Tante für ihre “geradlinige Erkenntnis”, lehnt diese aber gleichweg ab. Schließlich meinte seine Tante, sie hätte kein Recht, über Israel zu urteilen. Reinecke dagegen will nicht nur das Recht haben, er sieht sich sogar in der Pflicht. Nur warum?

Er ist ein Deutschnationaler. Er benutzt dieselben Wörter und dieselbe Argumentation, die man so schon hunderte Male von denen gehört hat, die ihr Deutschsein nicht mehr mit den Verbrechen der Deutschen beschmutzt sehen wollen. “65 Jahre nach Kriegsende” sind es jetzt schließlich, und Stefan Reinecke ist nicht nur Deutscher, er ist gleich “Deutscher 2010″. Und überhaupt, die Deutschen, sie sind “in einem Schuld-Sühne-Komplex” gefangen, noch. Dass die NS-Vergangenheit historisiert wird und ferner rückt, ist “keine Gefahr, [...] sondern eine Chance”. Er beklagt eine gefühlte “Freundespflicht gegenüber Israel”.

Nicht Martin Walser, nicht die Junge Freiheit, keine Burschenschaft und kein Gast bei Opas Fünfundneunzigstem redet so, sondern ein Redakteur der sich links verstehenden taz. Wie kann das sein, wie kommt dieses originär rechte Gerede in eine linke Zeitung, was will der Redakteur?

Wenn die deutsche Geschichte so entsorgt wird, dann geht es im nächsten Schritt stets gegen die Juden. Der Parlamentskorrespondent der taz ist ein Antisemit, der sich erst selbst einen Berechtigungsschein ausstellen muss, bevor er loslegen kann. Er meint, er könne “gelassen und nüchtern” gegen Israel sein, womit er sich von denen absetzen will, die nicht gelassen sind, sondern ganz unlinks und untazig verkrampft. Mit einer ist-doch-alles-selbstverständlich-Haltung wirft er die altbekannten Lügen noch einmal neu auf: Apartheid, Araber als Bürger zweiter Klasse, blabla. “Man kann das nicht ignorieren, auch nicht aus vermeintlich guten Gründen” schwallt er daher und unterstellt denen, die an Israel nichts auszusetzen haben, sie würden die bösen Taten der Juden ignorieren. Das will er abstellen, stattdessen sollen die Deutschen endlich erwachen.

Vom Nahen Osten kann und will der Kommentator keine Ahnung haben, weil das nicht sein Thema ist – sein Thema ist seine Tante, ihr Judenknacks und Deutschlands Heilung davon. Also phantasiert er, Netanjahu und sein Außenminister Lieberman würde man ohne Scheu “rassistische Demagogen” nennen, wenn sie denn in Moldau oder Österreich regieren würden und nicht in Israel. Abgesehen davon, dass er sie damit gerade selbst so genannt hat, hat er natürlich recht: Die beiden sind jüdische Politiker, natürlich würden der “Kreuzberger Kinder-Stürmer” (Broder) und seine Kameraden sie als Demagogen beschimpfen, schließlich ist das ein bekanntes antisemitisches Ressentiment.
Dass Österreich und Moldawien nicht von Feinden umgeben sind, die immer wieder Krieg gegen sie angefangen haben und das auch für die Zukunft ankündigen – geschenkt. Schließlich kann man davon ausgehen, dass Lieberman und Netanjahu sowieso einfach jemand anders unterdrücken würden, wenn mal keine Araber da wären. Die autochthonen Österreicher unter der Fuchtel der rassistischen jüdischen Politiker, und “keiner hätte Scheu” das auch mal auszusprechen – so sehen deutschnationale feuchte Träume aus.

Eine “streng zionistisch erzogene Freundin” lässt der vermutlich streng deutsch erzogene Reinecke raunen, das Land verwandle sich in eine Diktatur. Das findet er selbst nicht haltlos und unsinnig, sondern “übertrieben” und redet dann, ganz nüchtern und gelassen, über “furchterregende Kampagnen gegen NGOs”. Gut zu wissen, was ein taz-Redakteur, der über Selbstmordattentate und Vernichtungsdrohungen kein Wort verliert, dann tatsächlich furchterregend findet: Gesetzesinitiativen, die von NGOs verlangen, ihre Finanzen transparenter zu gestalten.

Etwas bizarr wird das Geseier, wenn er “die Libertären, Weltoffenen” lobt, die Israel verlassen, weil der Judenstaat so furchtbar geworden ist. Die gehen natürlich, wohin denn sonst, nach Berlin. Und erfreuen sich an der libertären BRD, wo es kaum Steuer und noch weniger Staat gibt. Genau.

Das Beste kommt zum Schluss: Genüsslich Nüchtern und gelassen prophezeit der Autor den Untergang des jüdischen Staates. “Auszehrung und Ermüdung” werden die Juden heimsuchen, wenn sie ihr nationales Projekt nicht aufgeben und ihren Küstenstreifen zum nächsten Araberstaat umfunktionieren lassen, damit der taz-Fuchs zufrieden ist. Für ihn ist Israel keineswegs die sichere Heimstatt der Juden, kein Zufluchtsort für Millionen aus aller Welt, schon gar kein wirtschaftliches, kulturelles und religiöses Zentrum – für ihn ist Israel ein “Flugzeugträger der USA”, die wiederum sind ohnehin “im Abstieg” und so soll es bald auch mit Israel zuende sein.

Zuletzt hat Reinecke noch einen Wunsch an seine Landsleute und Volksgenossen.

In Israel deutet viel darauf hin, dass die systematische Unterdrückung auf die Dauer die eigene, offene Gesellschaft zerstört. Die Generation meiner Tante konnte das nicht sagen. Wir sollten es, ohne Hochmut und mit viel Selbstdistanz. Das können wir von uns verlangen.

Ein großes Opfer, dass das deutsche Volk von sich selbst verlangen kann, in der Tat: Israelkritik als letzte heroische Tat in einer postheroischen Gesellschaft.

Schon im Titel steckte die Feinderklärung ganz verschmitzt: “Feigheit vor dem Freund”. Und am Ende ist klar, was die taz nun fordert: Die Deutschen sollen den Juden gegenüber nicht mehr so feige sein. In Verbindung mit der Drohung, dass ihr Staat untergehen wird, wenn sie sich nicht endlich bessern, weckt diese Forderung genau die Erinnerungen, deren Ende Reinecke eingangs so vehement gefordert hat.

Kein Zufall.

Warum man eigentlich Partei für Israel ergreifen sollte, fragen sich manche. Dabei muss man gar nicht Partei für Israel ergreifen, man muss sich nur der Wahrheit verpflichtet fühlen.

Ich befinde mich in einem ständigen Staunen darüber, wie unglaublich die Lügen sind, die Antisemiten sich erst ausdenken, dann selbst glauben und schließlich auch noch publizieren. Fassungslos stieß ich heute auf diesen Eintrag bei CiFwatch, die sich mit dem Diskussionsbereich der Website des “Guardian” beschäftigen, wo sich linksliberale Antisemiten und ihre Freunde treffen.
Auf der Website der Zeitung war ein Foto erschienen, auf dem zu sehen ist, wie ein israelischer Soldat an einer Infusion für einen am Boden liegenden Mann arbeitet. Die Bildunterschrift jedoch behauptete das genaue Gegenteil: Der Mann am Boden würde total ignoriert.

Diese Leute schreiben unter ein Foto das Gegenteil von dem, was tatsächlich darauf zu sehen ist. Derlei antisemitische Lügen sind offenkundig. Man muss nicht politisch sein, um die Lüge und ihre Motivation zu erkennen.
“Jeder Evidenz ins Gesicht zu lügen,(…) das ist die Wahrheit der Antisemiten” formulierte die Bahamas ganz richtig und traf damit einen faszinierenden Punkt. Während man viel über die antisemitische Ideologie, ihre Rolle und ihre Geschichte lesen kann, wird eine wichtige Tatsache als selbstverständlich betrachtet und dabei beinah vergessen: Das, was Antisemiten gegen die Juden und ihren Staat sagen, ist unwahr. Es ist nicht etwa eine falsche Auslegung gewisser Tatsachen, es ist schlicht und ergreifend unwahr.

Natürlich ist das eine Binse, schließlich wäre der Antisemitismus berechtigt, wenn die Schauermärchen über Juden auch nur 1% Wahrheitsgehalt hätten. Aber die Auseinandersetzung mit den Feinden Israels muss da, wo sie nicht ohnehin mit Waffengewalt ausgetragen wird, eine um die Wahrheit sein. Das effektivste Argument gegen Antisemiten ist nicht, dass ihre Äußerungen antisemitisch sind – das bestreiten sie ohnehin mit großer Lässigkeit – sondern, dass sie unwahr ist.

Eigentlich ist das hier die Stelle, an der ein launiger und wie immer optimistischer Saisonausblick steht. Aber eben begab es sich, dass ich, nachdem ich die Überschrift schon ersPONnen hatte, auf eine sehr sehr traurige Nachricht gestoßen bin. Hugo Almeida möchte Werder verlassen und redet auch drüber. Im Worum übersetzt man ihn so:

… habe keine konkreten Angebote
… möchte noch einige Jahre im Ausland spielen, bevor ich zurück nach Portugal wechsle
… Ich behalte den Wunsch, in einer anderen Liga zu spielen, nicht für mich. Ich habe bereits mit den Verantwortlichen von Bremen darüber gesprochen.
… Also Abschied wahrscheinlich? Ich fühle mich gut hier, ich bin glücklich, aber ich muss in Ruhe warten, was da kommt und dann entscheiden was für mich und den Verein am Besten ist.
… Aber ich kann sagen, dass es am Wahrscheinlichsten ist, nicht mehr in der Bundesliga diese Saison aufzulaufen? Ja, lass uns sagen, dass das am Wahrscheinlichsten ist. Ich sehe da Gesprächsbereitschaft von Bremen (mich ziehen zu lassen). Zeit ist gekommen, aber bin ruhig. Wenn ich am Ende noch ein Jahr bei diesem Club bleiben müsste, würde ich mich wie immer reinhauen
… ich möchte gerne nach England oder Spanien, am Besten wäre für mich aktuell Spanien, in die Liga will ich wechseln.

Was für ein infamer Verrat! Dabei haben wir alle ihn geliebt. Das ist jetzt natürlich vorbei, ich will das Schwein nicht mehr sehen! Als ob es so wichtig wäre für einen jungen und talentierten Fußballer, auch zu spielen und als ob es auf Werder Bremens Bank nicht immer schön gewesen wäre! Als ob ein Kerl wie Hugo gut nach England passen würde! Aber gut, das muss er alles selber wissen. Bisher bietet leider nur Lazio Rom. “Rom oder Bremen, Hauptsache England” wird Hugo sagen und dem Wechsel hoffentlich zustimmen.

Wechsel! Dieses schäbige Spiel. Mein armes Herz wird ein weiteres Mal gebrochen werden, wenn Diego demnächst nach Wolfsburg wechselt. Wenn ich ihn nicht mehr haben kann, soll ihn auch kein anderer haben! Aber so läuft das im Fußball nicht. VW wird sich den kleinen Sympathieträger einiges kosten lassen, nachdem sie Ballack nicht bekommen haben. Irgendeinen Grund braucht man ja, um beim Wolfsburgspiel in der Sportschau nicht doch eben Bier holen zu gehen anstatt VW-Logos anzugucken.

“Ich hab Vertrag”, das bringt das ganze große Elend auf den Punkt. Mesut Özil gibt seit seinem Urlaub nur noch zu Protokoll, dass er hier sei, weil er einen Vertrag hat, den er respektiert. Lies: Er ist nur noch deshalb hier, sonst wäre er woanders, aber es geht halt nicht. Er hat Vertrag. Er würde das nicht sagen, wenn ein Wechsel in den nächsten Tagen nicht mehr möglich wäre. Dann würde er nämlich sagen: Ich habe noch große Ziele mit Werder Bremen und freue mich auf die neue Saison. Tut er aber nicht. Derweil wird ein Wechsel immer unwahrscheinlicher. Für Werder wäre beides zu verkraften, also ein Wechsel oder ein Bleiben. Allerdings sollte Özil dann bis zum ersten Heimspiel irgendwas nettes über Werder sagen, sonst werde ich nämlich grantig. Und eine ziemlich gute Saison sollte er spielen, sonst wird er nämlich ausgepfiffen. Der gemeine Fan versteht auch nicht, dass Özil 85 Minuten rumstehen kann, bis er dann die beiden entscheidenden und brillanten Pässe spielt. Der gemeine Fan pfeift dann nach der 50., mit Özils aktueller Vertragssituation eher nach der 15. Minute.

Auf der Habenseite können wir vielleicht demnächst einen neuen Brasilianer verbuchen, jedenfalls wenn es nach Per Mertesacker geht. Der hat in der BILD bereits verkündet, dass Allofs Wesley erstens für nötig hält und zweitens auch sagt, dass der Wechsel tatsächlich passieren wird. (“Er sagt, dass Wesley kommen wird und wir diesen Spieler brauchen.”) Da jubelt natürlich das Managerherz, wenn der Gegenseite in den Verhandlungen klar gemacht wird, dass man den Spieler wirklich dringend braucht und den Wechsel auf jeden Fall machen wird. Vielleicht muss Mertesacker ja jetzt die Million, die Santos nach dem Interview mehr verlangen sollte, selbst zahlen. Merte, der Experte. Auch kluge Fußballspieler sind eben sehr dumm. Vielleicht ist aber Mertesacker auch nur sauer, weil er bei Werder Bremen bleiben muss. Anscheinend ist das schließlich ein sehr hartes Los.

Vielleicht hat die BILD die Informationen aber auch aus ihm rausgepresst und damit gedroht, sonst eine ähnliche Kampagne gegen ihn zu fahren wie gegen Marko Arnautovic. Der muss sich inzwischen täglich beschimpfen lassen, unter anderem von Mario Basler. Der warf ihm ganz sinnbefreit schonmal “null Pflichtspiele, null Tore” vor, was zu diesem Zeitpunkt wirklich triftig ist. Dabei bin ich davon überzeugt, dass der Mann ein Zuckerstück ist, eine Granate, ein Supermann. Ihr werdet es erleben.

Aber was wird denn nun mit der Saison?

Das weiß doch jetzt noch keiner! Außer mir. Werder wird unter den ersten Fünf landen. Bisher gibt es keine Abgänge, dafür aber einen vielversprechenden Neuzugang. Die jungen Spieler sind wieder ein bisschen besser geworden, allen voran Aaron Aaron Hunt. Marko Marin wird eine gute Saison spielen, er ist ehrgeizig. Pizarro und Frings werden älter, aber eine gute Saison haben beide noch in den Knochen. Borowski wird schwerlich eine noch schlechtere Saison hinlegen können als die letzte, und sein Potenzial ist bekanntermaßen in der Kategorie “Interesse von Bayern”. Vermutlich deshalb (und wegen Wesley) durfte Niemeyer nun auch endlich gehen. In der Abwehr fehlt Naldo, das könnte ein richtiges Problem werden, wird es aber nicht. Alles wird gut mit Naldo. Noch im August steigt er wieder ins Mannschaftstraining ein und dann wird alles immer besser.
Auf den Außenpositionen sind wir mit Fritz sehr gut, mit Boenisch hoffnungsvoll und mit Pasanen gut besetzt. Wer da ständig rummeckert soll sich mal bei den anderen Bundesligavereinen umgucken. Und für Boenisch gilt auch, dass die nächste Saison auf jeden Fall besser wird als die letzte. Und in der sind wir bekanntlich Dritter geworden.

Die Konkurrenz schläft auch nicht, in Wolfsburg und Schalke wird wieder mit den Millionen geworfen. Wenn ich in Gelsenkirchen wohnen würde, würde ich übrigens mal nachfragen, warum die Stadt den Verein mit 20 Millionen rettet, damit der dann ein paar Monate später 30 Millionen in neue Fußballspieler investiert. Das Fußballgeschäft ist ein ungerechtes, aber wir sind trotzdem besser als alle anderen. Hamburg hat eine schlechte Mannschaft und kann unter der Woche auch noch ausschlafen. Warten wir mal ab, ob die dieses Jahr wirklich wieder gegen uns antreten wollen. Ich teile da diese Prognose.

Leider hängt bei uns doch viel davon ab, ob Özil bleibt und wenn ja, in welcher Verfassung er das tut. Wenn er bleibt, spielt er um einen neuen, großen Vertrag. Das wäre ganz gut, auch wenn ich dann in den nächsten zwei Monaten erstmal wenig von ihm erwarte. Kommt es so, spielen wir ganz oben mit um die CL-Plätze. Wichtig ist auch, dass wir die CL-Quali gegen Genua schaffen, damit wir nicht wieder tausend Spiele in der Europa League machen müssen, die dann die Kraft für die Bundesliga rauben. Geht Özil und kommen wir in der EL weit, wird es in der Bundesliga zum Kampf um Platz 5, vielleicht Platz 4. Viel tiefer wird es nicht gehen, weil wir eine eingespielte Mannschaft mit guten und ehrgeizigen Spielern haben, vom Trainer gar nicht zu reden. Meister wird sowieso Bayern, Quell ewiger Langeweile.

Gespannt bin ich auf Wolfsburg, wo Hoeneß hilflos Geld verprasst. Der Trainer spricht kein Deutsch, Dzeko hat keinen Bock und wie Diego in ein rasantes 4-3-3 passen soll, wie McClaren es in Enschede spielen ließ, weiß keiner. Wenn die Einkaufspolitik des Managers dem Trainer die Taktik diktiert, geht das meistens schief. Wenn Leute wie Diego und Dzeko in einer Mannschaft spielen, geht das meistens gut. Wir werden sehen.

Dortmund wird Sechster und dann wundern sich da alle, weil sie schon wieder im Größenwahn delirieren. Aber bald ist ja der CL-Sieg von vor 13 Jahren abbezahlt.

Genua. Seit der Auslosung habe ich schreckliche Angst vor Sampdoria Genua. Das ist ziemlich irrational, weil ich nichts über sie weiß, außer dass sie Vierter in Italien waren und Cassano irgendwie ein berühmter Stürmer ist. Dazu habe ich Angst vor Merte-Prödl, die bis Dienstag vielleicht noch keine gute Abwehr bilden können. Und wie bitter wäre das nach dem Endspurt in der vergangenen Saison, jetzt zu scheitern. Die anderen Male waren es Basel und Zagreb, Genua ist mindestens eine Nummer größer. Andererseits ist der italienische Fußball auch nicht mehr das, was er mal war (nämlich: gut). So langsam weicht meine Angst einer vorsichtigen Zuversicht.

Für die Zukunft des Vereins wäre die Qualifikation unglaublich wichtig, denn wenn sie verpasst wird und wir dieses Jahr nicht die direkte Qualifikation für das nächste Jahr schaffen, dann sind die fetten Jahre hier erstmal vorbei. Wie die fetten Jahre aussahen und wie teuer der Kader geworden ist, lässt ein Blick auf die Bilanzen deutlich werden. Wiederum im Worum hat jemand das aufgelistet. Damit diese Entwicklung jetzt nicht abrupt zurück gedreht wird, muss Werder in die Champions League kommen.

Im Sommerloch starren die Medien in die große Leere, und die Leere starrt zurück in die Medien. Nicht so bei verbrochenes.net. Hier die drei großen Sommertipps für Spiel, Spaß und Stress.

1. Die ganz abgefuckte Tour: Pfandbons bei Kaiser’s liegenlassen.

2. Im Bekanntenkreis fragen, wer denn eigentlich der bekannteste deutsche Kanzler war. Im Regelfall lautet die Antwort ‘Helmut Kohl’ und ist falsch. Anschließend kann den Befragten Geschichtsvergessenheit und den Deutschen allgemein ein verlogener Umgang mit der eigenen Vergangenheit vorgeworfen werden. Auf den sehr richtigen Einwand, Hitler habe die Demokratie schließlich umgehend abgeschafft und damit auch der demokratischen Institution Kanzlerschaft faktisch ein Ende gesetzt, weshalb er völlig zu Recht heute nicht als Kanzler bekannt ist, sollte man mit höhnischem Gelächter reagieren und das Thema wechseln.

3. Als neues Thema bietet sich dann die Planung eines Mordes an. Spielt das ruhig mal durch. Zunächst braucht Ihr ein Opfer. Emotional ist es am einfachsten, wenn es sich um jemanden aus dem entfernteren Bekanntenkreis handelt, der oder die Ihr nicht besonders mögt. Desto entfernter die Bekanntschaft ist, umso weniger wahrscheinlich ist es, dass Ihr in den Fokus der Ermittlungen geraten werdet. Falls Ihr tatsächlich ein Mordmotiv gegen die Person hättet, spielt das am Ende auch der Polizei in die Karten.

Ist die Person nun ausgesucht, muss das genaue Vorgehen geplant werden. Ein Giftmord erscheint zunächst sehr attraktiv, schließlich vermeidet man so das unmittelbare Morden und muss im Idealfall gar nicht mehr anwesend sein, wenn es mit der bemitleidenswerten Zielperson zuende geht. Dabei ergeben sich aber weitere Probleme, nämlich die Beschaffung des Gifts und schließlich die Zuführung in den Körper des Feindes. Schön wäre natürlich, wenn das Gift in der Nahrung ohne Geschmack und Geruch untergeht und eine geringe Menge reicht. Ob man derlei Gift aber bekommen oder herstellen kann, das bleibt zu ermitteln. Hat man es erst einmal, kann man die vergiftete Nahrung per Post schicken und hoffen, dass der Empfänger es probiert. Mir schwebt da aus irgendeinem Grund Honig vor.
Aber da tut sich selbst für hartgesottene Mörder und solche, die es werden wollen, ein moralisches Dilemma auf: Was, wenn dritte Personen davon essen oder trinken? Wohl dem, dem das ganz egal ist. Ihm würde ich die Postvariante ans Herz legen, das ist eine schöne saubere Lösung. Wer ohnehin oft nah an seinem Opfer ist, kann es auch direkt vergiften, aber wie gesagt: Nähe zum Opfer ist der direkte Weg in die Ermittlungsakten. Und gerade als Ersttäter unterlaufen einem noch so einige Fehler, an denen man dann scheitern könnte. Fünfzehn Jahre sind eine lange Zeit.

Gift ist gut, aber der Königsweg zum Menschenmord bleibt die Schusswaffe. Da besteht das Problem der Beschaffung freilich auch. Es wird noch vergrößert dadurch, dass man bei der Beschaffung mit anderen Menschen sprechen muss, ein Treffen vereinbaren und so weiter und so fort. Und wo findet man Waffenhändlerinnen, denen man vertrauen kann? Es ist schwierig. Spricht man eine vergebens an, gibt es wieder eine Person mehr, die weiß, dass man selbst eine Waffe kaufen wollte. Vom Wissen bis zur Aussage ist es oft nur ein kleiner Schritt. Der Weg ins Ausland zum Waffenkauf scheint attraktiv, ist aber mit weiteren Risiken behaftet. Trotzdem ist die Beschaffung einer Schusswaffe sicher möglich und auch erstrebenswert.

Hat man nun das Schießgewehr, geht die Suche nach einem geeigneten Tatort los. Hier ist man natürlich vollständig von den Gewohnheiten des Opfers abhängig. Ein verlassener Ort ist am besten. Aber man sollte auch vor dem direkten Weg nicht zurückschrecken. Einfach mal nachts um halb fünf (im Winter) die Wohnungstür eintreten, die Sache erledigen, und dann schnell verschwinden. Es ist nachts, es ist dunkel und man vermummt sich natürlich. So ist das Risiko, erkannt oder gar gefasst zu werden, geringer als man denkt. Bei manchen Wohnorten geht das besser als bei anderen, das muss man dann sehen. Die Flucht könnte erst durch unbesiedeltes Gebiet, vielleicht einen Wald, führen, sodass man erst weit weg vom Tatort überhaupt erst wieder sichtbar wird. Falls ein solches Gebiet sogar als Tatort in Frage kommt – umso besser. Wichtig ist, dass kein irgendwie dokumentierbarer Kontakt zum Opfer aufgenommen wird. Man sollte also darauf verzichten, es irgendwohin zu locken oder anderen eitlen Blödsinn zu veranstalten. Man muss aus dem Nichts in den Alltag des Opfers stürmen und genauso schnell wieder daraus verschwinden.

Nun gut, es ist widerlich, aber wir müssen auch darüber nachdenken: Stichwaffen. Sie sind sehr leicht und unverdächtig zu bekommen und erledigen ihre Aufgabe bei fachgerechter Benutzung in Sekundenschnelle und sehr leise. Im Endeffekt läuft der Rest (Ort, Zeit, Flucht) ähnlich wie bei einer Schusswaffe, ausgenommen das Schießen auf große Entfernung. Wer das beherrscht und das nötige Gewehr dazu besitzt, wird aber bei entsprechender Tat ohnehin bald befragt und eingelocht. Den Mord mit einem Messer aber muss man sich auch zutrauen, hier tritt das größte Problem beim Morden offen zu Tage: Kann ich das überhaupt? Das muss jeder mit sich selbst ausmachen, in den meisten Fällen dürfte die ehrliche Antwort ein klares Nein sein.

Die schönsten Morde sind die mit unkonventionellen Lösungen, zum Beispiel ein manipulierter Fallschirm. Aber auch mit einem geklauten Auto kann man einiges machen, besonders wenn das Opfer Fußgängerin oder Fahrradfahrer ist. Wenn es am Ende nach Fahrerflucht aussieht, gibt es vielleicht gar keine Mordkommission. Wenn die körperlichen Verhältnisse stimmen, ist auch ein Ersticken oder ein Erdrosseln gut machbar. Gewissen Charme hat ein Fenstersturz, keinen Stil hat hingegen das Erschlagen. Wer bei der Planung eines Mordes ein Erschlagen in Erwägung zieht, der sollte gar nicht erst planen, sondern sich direkt im Gefängnis melden. So bleibt auch das Opfer am Leben.

Die Planung eines Mordes ist ein faszinierender Spaß. Für Begriffsstutze und Strafverfolger sei erklärt, dass die Planung etwas anderes ist als die Durchführung. Die Planung macht morbide Freude, die Durchführung ist ein schreckliches Verbrechen.

Wie ich soeben bemerkte, wird unter dieser Adresse heimlich gebloggt. Dem Betreiber, der uns als Protokonservativer bekannt ist, sei gesagt, dass sein Bild im Header, also in gewisser Weise sein Aufmacher, ein ausgelutschtes langweiliges Ding ist. Ein Haufen Zeitungen? Ich bitte Sie, Hein! Vielleicht doch noch was mit “Blätterwald”? Oder, ganz frech, eine Buchstabensuppe?

Nein, think out of the box! Also “Aufmacher”, naja, wir sind doch alle in der Kreativbranche, also warum nicht einen Flaschenöffner? Glauben Sie mir, das funktioniert, ein Wort aus der Zeitungswelt, ein Bild aus der Kneipenwelt. Text, Bild und Schere. Machen Sie es so oder anders. Und wenn das mit dem Bloggen losgeht, dann passen Sie auf Ihre Inhalte auf. Wir wollen keinen konservativen Scheiß lesen. Das hier ist das Internet, da geht es immer nur nach vorne. Weiter, immer weiter. Fortschritt wird gemacht, und zwar nicht von der CDU.

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