Schön am Bloggen ist, dass man schreiben kann, was man will, irgendwer wirds schon lesen. Oder zumindest anfangen, es zu lesen. Vorhin hatte ich noch eine schöne Idee, über welches Sommerlochthema man noch schreiben könnte, jetzt habe ich es vergessen, aber das macht nichts.
Kürzlich bin ich mit der Mitfahrzentrale gefahren. Hinten im Auto saßen ein junger baldiger Zivildienstleistender und ein etwas älterer Student. Sie unterhielten sich über nicht weniger als die ganze Welt. Schön war das nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich. Ich fühle mich etwas schlecht und vor allem alt (oder ist das ein und dasselbe Gefühl?) dabei, das zu schreiben, aber diese Jugendsprache war sehr aufregend. Sao Paulo zum Beispiel ist nicht etwa eine sehr große Stadt, nein, “Sao Paulo ist echt megaheftig die riesige Stadt!” Ich finde “echt megaheftig die” als Synonym von “sehr” ziemlich gewagt. Gleichberechtigt neben “heftig” wurde “krass” benutzt, und auch das lässt sich durch den Zusatz “mega” immer noch steigern.
Der Zivi in spe, der kürzlich noch “mega die langen Haare” hatte, war wie sein Gesprächspartner schon mal in Kuba, und beide sind begeistert. Besonders die Taxifahrer hatten es ersterem angetan. “Die leben den Tag. Die fahren so den Tag lang Taxi und leben dann von dem, was sie verdient haben.” Als ich gerade so bei mir denke, dass man das nicht megageil, sondern “Armut” nennt, sagt sein Kollege auch gerade “Naja, müssen sie auch” und meint dasselbe.
Darüber, dass ein kubanischer Freund so “krass stolz” auf Kuba ist, mit Fahnen und so weiter, kommt einer von beiden zu seinem deutschen Coming-out heraus. “Ich bin jetzt auch viel, naja nicht nationalistischer, ne, patriotischer geworden, weisste? Wenn man so woanders ist merkt man, was man hier eigentlich dran hat und so.” Und als ob er ein Lehrstück aufführen möchte, folgt sofort darauf, dass z.B. “die Franzosen so pingelig” seien, was mit der Sache nichts zu tun hatte, sondern nur als Vorwurf her musste. Bei denen habe er sich auch immer ausgegrenzt gefühlt.
Nun gut, es gab noch so einige andere Beispiele für eine sehr romantische linke Weltsicht, aber die beiden waren sehr schnucklig und eindeutig auf der Seite der Guten.
Auf der Seite der Guten zu sein ist auch mir ein Bedürfnis. Deshalb unterstütze ich Senator Obama in seinem Präsidentschaftswahlkampf. Dass er der Gute ist, ist offensichtlich. Nur zynische konservative Hardliner können das anders sehen.
Was ich hier gerade mache, kann man übrigens als “assoziatives Schreiben” überhöhen.
Wo ich an Obama, den charismatischen Führer mit den faschistoiden Plakaten denke, fällt mir wieder ein Artikel aus der Bahamas ein, der das bekannte Kinderbuch “Momo” schön auseinander nimmt. Ich will es jetzt nochmal lesen, denn ich fand das alles sehr einleuchtend. Wem das zuviel Text ist (EUCH ALLEN ALSO), der kann sich einfach merken: Momo ist strukturell antisemitischer Schund, literarisch minderwertig, schlecht für Kinder und politisch reaktionärer als Habsburg. Das kann jetzt übrigens völliger Quatsch sein, dass mir beim Gedanken an die Reaktion das Wort “Habsburg” einfällt, es kann aber auch bestens passen. Glücksspiel.
Glück hatte der SV Werder heute nicht. Ein tunesischer FIFA-Richter hat, Überraschung, genau so entschieden, wie Präsident Blatter das gewünscht hat, Diego bleibt in Peking. Ich finde es aber sehr lobenswert, dass man sich zumindest noch eine Mickey-Maus-Justiz hält, die den Anschein erweckt, es gehe alles nach irgendwelchen Regeln.
Ein tunesischer Einzelrichter!
Ich musste diese Bemerkung machen, um zurück zu der Bahamas zu kommen. Zu der wollte ich noch schreiben, dass die unverhohlene Fremdenfeindlichkeit ihres Gurus Justus Wertmüller so langsam wirklich unangenehm wird. Konnte ich aber da oben nicht nachtragen, weil dann meine Überleitung mit dem Glück kaputt wäre. So. Wenn Justus von diesem Tunesier wüsste, der wäre auch sauer. Hat sicher was mit der Scharia zu tun, dass der Diego jetzt in Peking bleibt. Da muss ein norddeutscher Verein sich der Scharia beugen! So weit ist es gekommen.
In Israel tritt jetzt bald der Olmert ab. Der ist da Chef vom Ganzen. Er hat heute noch einen letzten Brief von seinem Konterpart in Ramallah bekommen:
Hast du wirklich nur diese Kleckerbeträge angenommen? Wir haben uns kaputtgelacht, als wir das erste Mal davon hörten. Für solcherart Kleingeld stehen sie bei uns in der PA nicht mal mittags auf.
Haha, es ist wirklich lustig.
In Amerika, also zurück zum Wahlkampf da, da hat der Kollege vom McCain jetzt die Deutschen beschimpft. “He prioritises throngs of fawning Germans over meeting with wounded combat troops in Germany.” Was genau “fawning” nun heisst, wird heiss diskutiert. Auf jeden Fall hat der Mann recht, und man kann nur hoffen, dass ein echter Kriegsheld Präsident wird und nicht dieser substanzlose Medien- und Jugendmanipulator Omabar.
Zum Schluss ein Witz: Was ist haarig und liegt in der Pfanne?
Bartkartoffeln!





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