Erbrochenes

…in Wort und Bild

Twitter

Twitter, Ihr habt vielleicht davon gehört, ist ein schönes schnelles neues Medium, das wir hier ausgiebig für Euch getestet haben. Nun zum Ergebnis: Twitter ist ganz geil, aber auch viel doof.

Ganz geil: Twitter ist komfortabel und schnell. Aber wofür eigentlich? Für die Informationen natürlich. Man “folgt” denjenigen Twitterern, für deren Beiträge man sich interessiert. Ein hoher Prozentsatz besteht aus dem einfachen Herumreichen von Links. In dieser Funktion unterscheidet sich Twitter wenig von Foren und Blogs, wo interessante Links ebenfalls die Runde machen. Es ist aber viel schneller, weil alles viel kürzer beschrieben wird und weil alle Leser dieselbe Plattform benutzen, Twitter eben. Mit einem Klick reicht man einen interessanten Tweet an seine eigenen Leser weiter, mit maximal 140 Anschlägen gibt man seinen eigenen Senf dazu. So wird der Twitterstream zur niemals endenden Linklawine für alle daran Beteiligten.

Twitter kann auch sehr lustig sein. Mit vielen Witzen und Sprüchen ist es so, dass sie sich auf 140 Zeichen runterbrechen lassen und dadurch eher besser als schlechter werden. Das gilt übrigens auch anderswo, und das ist der heutige gute Tipp der Redaktion: Wenn Ihr was schreibt, lest es hinterher durch und streicht jedes überflüssige Wort.
Sehr lustig ist zum Beispiel Tim Siedell.

Über Twitter liefern Experten und Idioten, die man sich jeweils aussuchen kann, Informationen zu allen möglichen Themen. Es ist auch unterhaltsam, ein großer Teil der gesammelten Links führt schließlich zu lustigen Videos und irgendwelchen OMFG-Geschichten.

Aber! Wie wirklich jeder andere Twitter-Nutzer auch bin ich davon überzeugt, zu wenige Leser (Follower) zu haben. Es sind jetzt gut 150 registrierte Leser, einige andere rufen die Seite bestimmt auch ohne Account auf. Andererseits sind viele der Follower sicher Karteileichen oder Spamaccounts. Das reduziert die Leserschaft auf einen sehr überschaubaren Kreis. Noch mauer wird es, wenn es um die verlinkten Beiträge geht. Der Blog-Eintrag über den neuen HSV-Trainer wurde an den ersten beiden Tagen offenbar keine zehn Mal angeklickt. Vielleicht verrechne ich mich da auch gerade, aber unterm Strich bleibt, dass der Nutzen für das Blog hart gegen null geht. Dazu kommt, dass ich mit knapp 700 Tweets (Einträgen) relativ aktiv war, auch ab und zu von deutlich besser besuchten Twitterern erwähnt wurde und inhaltlich natürlich nur Highlights geboten habe. Es liegt also nahe zu vermuten, dass mein Potential dort annähernd ausgereizt ist.

Während der Nutzen des Twitterns für das Blog (!) also überschaubar ist, ist der Schaden erheblich. Denn in den 700 Tweets stecken bestimmt 200 Blogeinträge, die nie geschrieben wurden. Es ist viel bequemer, einen Link zur Taz mit dem Hinweis “Antisemitisches Pamphlet in der taz” bei Twitter zu verlinken, als einen Blogeintrag zu schreiben, in dem die antisemitischen Elemente herausgearbeitet werden. Schließlich schreibt diesen Blogeintrag meist auch noch jemand anders in einem anderen Blog – den verlinkt man dann auch noch bei Twitter. Dem Mitteilungsbedürfnis und der Empörung sind damit Genüge getan. Die eigene inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema fällt aber weitaus weniger ertragreich aus, wenn der Blogeintrag ausfällt. Und die eigene Eitelkeit leidet mit, wenn statt 100 Kommentaren im Blog nur ein Re-tweet von Niels Ruf herausspringt.

Kurz: Ich blogge weniger, weil ich Twitter nutze, und anschließend leide ich darunter, dass ich weniger gebloggt habe. Das geht nicht nur mir so, andere Blogger berichten dasselbe und es ist ohnehin naheliegend. Unsere Zeit ist begrenzt, und man muss sich entscheiden, welche Medien man konsumieren und welche man machen möchte. Das ist hier soeben geschehen, womit ein monatelanger Entscheidungsprozess zu seinem Ende kommt. Das Twittern wird weitgehend eingestellt; was vorher nur getwittert wurde, findet nun wieder im Blog statt. Das wird dazu führen, dass hier gerne mal Einzeiler auftauchen oder wieder mehr Videos unkommentiert eingebunden werden. An mancher Stelle und für manchen User mag das auch weniger komfortabel zu konsumieren sein als vorher, aber das dürfte die Minderheit sein. Der Rest kann über die Kommentare teilhaben, und das ist super. Für mich bedeutet es, dass ich mehr schreiben werde, was ziemlich genau das ist, was ich gerade machen will. Für Pommes “Joinsen” Gerhard bedeutet es, dass er sich nicht länger auf seinen Lorbeeren ausruhen kann und in der Pflicht ist, hier in Zukunft ebenfalls wieder deutlich mehr zu leisten.

Für die Welt, und um nichts weniger geht es hier schließlich, bedeutet dieser Schritt nur Gutes. Twitter, ich will das betonen, bleibt ein wirklich schönes Medium. Probiert das ruhig mal aus, Freunde.

Entschuldigt mich an dieser Stelle, ich muss für das Derby trainieren. Auf dem Schießstand.

Der Hamburger SV ist auf der Suche nach einem neuen Trainer in Berlin fündig geworden. Nachfolger von Interimscoach Moniz wird der gebürtige Österreicher Adolf Hitler. Das gab Vorstandschef Bernd Hoffmann am Nachmittag bekannt. “Hitler ist genau der richtige Mann für uns. Er ist ein Besessener, ein echter Überzeugungstäter. Und die nötige Erfahrung bringt er auch mit.” In Hamburg wurde die Entscheidung zunächst überrascht aufgenommen. Hitler, der lange Jahre ohne Job war, hatte keiner auf dem Zettel gehabt. Dennoch war das Echo zunächst positiv. Ein Insider sagte unserer Zeitung: “Ich denke, dass das schon sehr gut passt. Der HSV und Adolf Hitler haben die gleichen Ziele und die gleiche Mentalität.”

Adolf Hitler, 1889 in Braunau geboren, erlangte besondere Berühmtheit als Trainer der deutschen Nationalmannschaft. Bei der großen Völkerweltmeisterschaft von 1939 bis 1945 konnte er zunächst große Erfolge verbuchen, bevor eine ganze Reihe von schmerzlichen Niederlagen den Ambitionen des kleinen Schnauzbartträgers ein Ende setzte. Hoffmann: “Natürlich ist uns das bewusst. Aber man muss auch einmal die Erfolge dieses Mannes sehen. Der hat halb, ach was, ganz Europa besiegt. Das wollen wir auch!”

Beobachter halten Hoffmanns europäische Großmachtpläne, die seit Jahren immer wieder scheitern, denn auch für den Hauptgrund der Verpflichtung. Dazu komme die große Fresse, die Hitler mit allen Hamburgern gemein habe. Wer heute anmerkt, dass da meistens nichts dahinter stecke, macht sich naturgemäß keine Freunde in der “Führerstadt Hamburg.”

Andere vermuten eine Marketingstrategie hinter dem Trainer-Coup. Viele der Braunhemden in Hamburg sind noch keine HSV-Fans, das soll sich ändern. Aber macht man nicht den Bock zum Gärtner, wenn ein Verein, der Jahr für Jahr gut startet und am Ende total versagt, dann auch noch ausgerechnet Adolf Hitler als Trainer verpflichtet? Hoffmann sagt nein: “Sehen Sie, der Führer ist da ein ganz anderer Typ als früher, und wir haben uns schließlich auch weiterentwickelt.” Auch Spekulationen, dass man eigentlich Felix Magath verpflichten wollte und, als das nicht geklappt hat, dann eben mit Hitler einen ganz ähnlichen Mann unter Vertrag genommen habe, wiesen die Verantwortlichen brüsk von sich.

Und was sagt der neue Mann selbst zu seinem neuen Arbeitgeber? Hitler selbst konnte sich noch nicht äußern, da er aktuell noch eine Beraterstelle bei einer großen deutschen Werbeagentur hat und sich als solcher nicht öffentlich äußern darf. Er ließ sich vom Hamburger Pressesprecher aber wie folgt zitieren:

“Äch bän särr glöcklich, im nächsten Jahrr mit dem SC Gerrrmania Hamburrrg wiederrr eine starrke Rolle in Deutschland und der Welt spielen zu können! Sieg Heil!”

Ähnlich äußerten sich auch die Fans des Vereins. “Wenn erst der Adi hier ist, dann trauen sich die Heuschrecken aus Bremen aber nicht mehr hierher”, sagte ein Sprecher der Chosen Few Hamburg. Andere Prioritäten setzt man beim Supporters Club: “Uns beim SC war ja immer wichtig, dass hier der Mob noch richtig was zu sagen hat! Und da geht jetzt natürlich ein Traum in Erfüllung, dass wir jetzt den Adolf geholt haben. Wir glauben hier schon alle, dass der da auf unserer Seite sein wird, auch was die Kommerzialisierung und alles angeht.”

Aus der Mannschaft hörte man ebenfalls nur Gutes über die Nachricht des Tages. Marcell Jansen, das blonde Kraftpaket, das wohl sicher bald Führers Liebling sein wird, sagte zwei Stunden vor dem entscheidenden Spiel in Fulham: “Ja gut, mit den Engländern hat der Herr Hitler ja auch noch eine Rechnung hoffen. Ich denke schon, dass man sagen kann, dass wir heute hier auch für den Führer spielen.” Dumm nur, dass Jansen selbst nicht mitspielen kann: Der lange Kerl hatte sich in der Vergangenheit schwer verletzt.

Hallo, da sind wir wieder, verbrochenes.net, das Kumpel- und Malocherblog aus Westdeutschland. Heute wollen wir Euch ein ganz besonderes Produkt vorstellen, den FLORABEST Tisch-Kugelgrill von Lidl! Der FLORABEST Tisch-Kugelgrill von Lidl macht seinen Käufer von der ersten Minute an froh. Hat der einsame Großstadtkunde sich eines der in der Tat kugelrunden Prachtexemplare gesichert, steigt auch schon sein Selbstwertgefühl in ungeahnte Höhen. Der komfortable Kugelgrill ermöglicht dem von der Natur entfremdeten Zivilisationsopfer ein authentisches Erlebnis mit Feuer und Flamme und Fleisch. Kein anderes Gerät kommt dabei so schick und mondän daher wie jenes von FLORABEST, das bei Lidl für nur 12,99€ zu haben ist. Hier vereinen sich Design, Funktionalität und die pure Männlichkeit der Bearbeitung rohen Fleisches, das für Freunde und Familie genießbar gemacht wird. Besonders für Erstkäufer, also meist junge Männer in spe, die bisher nur an fremden Grills zum Zuge kamen, ist dieses Einsteigergerät eine gute Wahl. Nur zu leicht fallen diese unerfahrenen aber motivierten Genossen auf billige Angebote herein und müssen sich dann mit Grillvorrichtungen herumschlagen, die so wackelig und fragil sind, dass an Maskulinisierungsschübe gar nicht mehr zu denken ist.

Noch ein Tipp für den schnellen Griller: Kaufen Sie erst den Grill und dann das Fleisch. So können Sie ein Stück Tier auswählen, das genau zum Grill passt!

Obacht!

In der Unteren Rathaushalle im malerisch an der Weser gelegenen Städtchen Bremen findet gerade die Ausstellung “Tatort Stadion 2 – Fußball und Diskriminierung” statt.

Die komplett überarbeitete Ausstellung Tatort Stadion 2 will informieren – sowohl über alltägliche Diskriminierung und Aktivitäten von Neonazis als auch darüber, was Fans dagegen tun.

Was sonst noch über die Ausstellung gewusst werden muss, erzählen Annika Hoffmann von BAFF und Thomas Janßen von der “AG Werderfans gegen Diskriminierung” im Interview mit Stadionwelt.

Soviel zur Veranstaltung, jetzt kommen wir zum Befehl. Da wir es als unseren Auftrag ansehen, unseren Lesern bei der Planung ihrer begrenzten Lebenszeit behilflich zu sein, befehlen wir, den unumgänglichen Besuch der Ausstellung zeitlich mit dem einer der beiden Abendveranstaltungen zu verbinden, die jeweils um 19 Uhr am gleichen Ort stattfinden und die thematisch ganz nach unserem (und somit auch eurem) Geschmack sind:

Am morgigen Montag, dem 19.04., findet im Rahmen der Ausstellung ein Vortrag von Alex Feuerherdt und Enno Wöhler über Antisemitismus beim Fußball statt. Dabei soll es um die verschiedenen Formen des Antisemitismus ebenso gehen wie um konkrete antisemitische Ausfälle beim Fußball; um den Antisemitismus der Nazis wie den des Mainstreams. Und natürlich wird es um Werder Bremen gehen, den sympathischen Verein aus dem Norden, dessen Fans in Hamburg schon einmal als gefährliche Heuschrecken und dessen Wappen in Hannover schon einmal als oranger Davidstern dargestellt wurden. In der anschließenden Diskussion darf dann der Frage nachgegangen werden, wie viele Baseballschläger bestellt werden müssen.

Im weiteren Verlauf des Abends berät die Redaktion von verbrochenes.net im privaten Rahmen alle Interessierten in Fragen der politischen Korrektheit und der korrekten Analyse der aktuellen Bundesligatabelle.

Eine Woche später, selbe Zeit und selber Ort, geht es um eine gelungene Intervention gegen Antisemitismus in unserer Stadt, nämlich die Befreiung durch die britische Armee vor 65 Jahren. Thema des Vortrags von Heinz-Gerd Hofschen (Historiker am Focke-Museum) soll aber auch sein, wieso es mit der Entnazifizierung dann doch nicht klappte.

„Ich habe alles, was ich brauche“, rief er durch seine geschlossene Tür.

Wo sonst als hier sollte er auch stehen, der schönste Satz des Tages. Ich lese das als Metapher auf alles. Diese ganze Sache hier!

England, Irland und Frankreich haben von Tel Aviv am Donnerstag Antworten auf die vielen offenen Fragen zum Mord an einem hochrangigen Hamas-Führer in dem Emirat gefordert.

Wird sicher ein paar Tage dauern, bis sie das Problem outgefigured haben und mal in Jerusalem nachfragen. Aber ob das hilft? verbrochenes.net kommentiert solche Vorfälle grundsätzlich nicht.

Halb Rom ist arbeitslos. An den Straßenecken stehen die Holzverkäufer, die kein Holz mehr verkaufen, bei den Geflügelhändlern, die kein Geflügel mehr verkaufen, und reden über die Fischer, die vom Fischen nicht mehr leben können. Vor den Brotmagazinen stehen die Bäcker um Brot an, und den Barbieren erklären die Blusenschneider, daß sie sich nicht mehr barbieren lassen können, weil die unbeschäftigten Hafenarbeiter keine Blusen mehr kaufen. Und im Senat reden die Väter immer noch von der Arbeitsscheu der unteren Schichten.

Wahlkampfberater Balbus in Brechts Die Geschäfte des Herrn Julius Caesar, erschienen 1957. Von mir gelesen heute.

So schallte es hier kürzlich völlig zu Recht über den Flur. Richtigen Ehrgeiz gibt es heute gar nicht mehr, und da sind diese jungen Leute schon zufrieden, wenn es eben denn so geht. Aber geht es denn so eben auch, oder muss man schon feststellen, dass es nicht ausreichend ist, wenn es eben so geht? Natürlich geht es immer, und genau genommen braucht man auch nicht viel Geld, weshalb man nicht so viel Arbeit braucht – soviel politisches Statement darf heute sein. Aber so langfristig ist das ja doch nichts mit den Aquarellen, und wenn man auch keine Ambitionen hat, die Macht zu ergreifen, dann muss etwas Neues her.

Ich spiele deshalb aber kein Lotto. Denn ich rechnete es aus: Das Ausfüllen und Bezahlen von Lottoscheinen erhöht die Chancen auf einen Gewinn nur um eine statistisch nicht signifikante Größe. Aber was weiß ich denn heute noch von Signifikanz, was wissen wir überhaupt von Signifikanz. Die meisten Leute, die sich Gedanken über Signifikanz machen und feststellen, dass ihre eigene beängstigend niedrig angesiedelt ist, machen dann ein Kind und das merkt dann irgendwann, dass es ihm auch nicht anders geht mit der Signifikanz, es sei denn, es wird Bundeskanzler oder Zoowärter oder schreibt eben ein Blog und dann liest es das da unter den Stats ab: Signifikanz heute bei 500 Unique Visitors; und das Kind dann so: Yeaahh!

Jedenfalls könnte es so sein, möchte ich mich schonmal rechtfertigen, es könnte so sein. Und dann diese Politikscheiße, ich lese eine Zeitung und in diesem Internet, und ich gebe das hier jetzt zu: Ich interessiere mich für Tagespolitik, ich verfolge die Politik der neuen Regierung und ich glaube, dass eine andere besser gewesen wäre. So, jetzt ist es raus. Verhaftet mich ruhig wegen sozialdemokratischer Umtriebe, ich kann meine Unschuld beweisen, auch wenn ich derlei Rechtfertigungen vorzutragen natürlich ablehnen und stattdessen auswandern würde. Ihr würdet mir hinterherrufen, dass ich den Kommunismus verhindert hätte, und ich würde nur weise lächeln.

“No peace with Syria could mean war” sagt Verteidungsminister Barak laut Jerusalem Post. Die Umkehrung ist das Interessantere: Kein Frieden könnte Krieg bedeuten. Man ist hierzulande immer wieder verwundert, dass da, wo Krieg ist, kein Frieden ist. Wie kann das sein, wie kommt denn das, was denken die sich dabei, bittesehr? Können die nicht Aquarelle zeichnen, so wie wir? Genau.

Ich schließe mit Musik.

Es ist Zeit, sich diesen Verein einmal genauer anzusehen. Der FC Bayern ist ein deutscher Sonderfall, so etwas gibt es nirgendwo sonst. Überall in Europa gibt es mindestens zwei etablierte große Vereine, nur in der DDR (Dynamo Berlin) und in der BRD gab und gibt es einen Vorzeigeklub. Heute spricht man oft vom “Branchenprimus” und meint das dann irgendwie bewundernd. Die Münchner sind hinter Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg der dritte Klub, der sich nicht nur sponsorn lässt, sondern bei dem ein Teil des ganzen Ladens gleich an die deutsche Industrie verkauft wurde, hier Adidas und Audi.

Das ist halt heute so, sagen die einen, das ist cleveres Management, sagen deren Freunde, und beide ignorieren, dass hier etwas gekippt ist: Von Vereinen, die für Geld Werbung machen, damit sie erfolgreich Fußball spielen können, zu Konzernen, die sich einen Verein kaufen, der dann für sie Werbung macht. Der Verein wird umgewidmet von einer Institution für Sport zu einer für Werbung und Marketing. Bayern ist dabei schon längst über die Grenze. Die ganz harten Fans, die seit Austria Salzburg kein Red Bull mehr trinken, können schonmal ihre Adidas-Jogger in den Spendencontainer für Haiti werfen.

Dabei ist beim Rekordmeister immer noch das alte Personal in den entscheidenden Positionen. Und was für ein Personal es ist! Hoeneß und Rummenigge repräsentieren reaktionäres Kleinbürgertum. Ab und zu bekennen sie sich diskret zur sozialdemokratischsten aller Nazi-Parteien, der CSU, denn das muss man machen, wenn man ein Großunternehmer in Bayern ist. Uli Hoeneß ist genau genommen zwei Großunternehmer, er verkauft nebenher noch Wurst, und das passt zu ihm.

Auch den Größten Fußballer Aller Zeiten verdanken wir den Bayern, Franz Beckenbauer beweist jeden Tag in den Medien, dass es nicht der Intellekt sein muss, der einen zum gefühlten zwölffachen Weltmeister als Spieler, Trainer und Busfahrer macht. Dieses völlig aus den Fugen geratene Selbstbewusstsein, dieser unerschütterliche Glaube, auf jede Frage eine Antwort zu wissen, die produziert der FC Bayern München bei allen seinen Angestellten.
Viele Bayern-Fans gefällt es heute, sich über Lothar Matthäus lustig zu machen, dabei übersehen sie in ihrem Wahn, dass der Mann ein Produkt des FCB-Establishments ist, deren Anhänger sie sind und merkwürdigerweise auch bleiben. Lothar Matthäus ist das, was die vielgerühmte “Mir san mir” Einstellung wirklich bedeutet.

Der erfolgreichste Trainer der letzten Jahre in München war Ottmar Hitzfeld, genannt “der General”. Nach ihm erfolgreich war der Disziplinfanatiker Felix Magath, der Bundesliga-Trainer, der wohl am meisten Wert auf die sogenannten deutschen Tugenden legt. Dazu ein Trainerstab mit Hermann Gerland, der geborenen Provinzialität und, das muss man sich erstmal klar machen: Chefscout ist Paul Breitner. Was für ein schrecklicher Mensch, mir fehlen die Worte.
Trainer Louis van Gaal lässt sich von seinen Töchtern siezen, und die Bayern-Fans beschmunzeln das, weil es für sie eine eigenartige Marotte ist, wenn es nicht ohnehin als vorbildlich empfunden wird. Liebhaber des Mittelalters fühlen sich wohl beim FC Bayern.

Irgendwie haben es die Müncher geschafft, in der Stadt selbst noch weniger beliebt zu sein als 1860 München, was über alle drei etwas aussagen könnte: den FCB, 1860 und München. Die Hauptstadt der Bewegung ist bald nur noch für die Schickeria zu bezahlen, aber nicht für die Münchner Ultras.
Die “Schickeria München” gibt sich gerne als linke Gegenbewegung, taugt aber vor allem als arrogante Prollbewegung. Mit Bremer Ultras engagierte man sich der Theorie nach zwar im Netzwerk “Alerta”, gleichzeitig ist es den Münchner Männern aber auch wichtig, den Genossen weiterhin auf die Fresse hauen zu können. Das überrascht, da es sich hier ja nicht nur um eine vermeintlich linke Gruppe handelt, sondern eines ihrer Mitglieder eben auch schon einmal eine Frau derart mit einer Flasche traf, dass sie heute auf einem Auge blind ist. Aber Ultras sind eben in erster Linie starke Männer oder Menschen, die sich dafür halten, erst recht in Bayern.

Überhaupt müssen sich aktive Fans in München fragen lassen, warum sie da überhaupt noch hingehen. In der Allianz Arena, einem abseits der Zivilisation gelegenen Event-Komplex aus der Zukunft, ist nichts erlaubt, was Fans gefällt. Die meisten haben das erkannt, weshalb konsequenterweise keine Fans mehr kommen, sondern Zuschauer, die schon jedes Musical gesehen haben und nun auch den Schweini mal live sehen wollen. Natürlich kann man auch das gut finden, man kann dann aber nicht mehr davon träumen, dass im Fußball und unter seinen Zuschauern irgendetwas zu erleben wäre, was es anderswo nicht gibt; und man muss sich auch vom Gedanken verabschieden, dass im Fußballumfeld vielleicht etwas gesellschaftlich Relevantes entstehen könnte.

Die schon erwähnte Allianz aus CSU und Vorstand kümmert sich rührend darum, allen Fremden den Besuch zu verleiden, dazu gehören brutale Polizeieinsätze ebenso wie simple Schikane. So durfte sich die Redaktion dort gemeinsam mit 60 anderen Businsaßen einmal zum Foto aufstellen, weil irgendwo in Stadionnähe eine Oma umgefallen war. Wer Bayern bejubelt, bejubelt Beckstein, und wer Staatsfeind, Liberaler oder Mensch ist, der fühlt sich in Bayern nicht wohl.

Wer den FC Bayern als liberalen Musterverein darstellt, bei dem erfrischend wenig Deutschtum zu sehen sei, der muss auch sagen, was denn stattdessen passiert. Wenn der FC Bayern internationale Stars verpflichtet und auf die Nationalität seiner Spieler wenig achtet, dann kann man das schön finden. Man kann darin aber auch die übliche Ausländerfreundlichkeit sehen, die heute Staatsideologie ist: Wenn er etwas für uns hat oder tun kann, dann ist er ein guter Ausländer. Und wenn er nur im Verdacht steht, das einst nicht mehr zu tun, dann ist er “ein Franzos” und “München is ihm wurscht”.

Wer sich die Spieler der Bayern genauer anguckt, wird nur wenig Bewundernswertes finden. Michael Rensing ist zur tragikomischen Gestalt geworden, im Traum war er schon Nationaltorhüter, nun muss er bald in die zweite Liga. Und wer kann ernsthaft einer Mannschaft zujubeln, in der Mark van Bommel Kapitän ist? Viele glauben, er sei ein harter Spieler, aber das ist nicht wahr. Van Bommel ist ein hinterhältiger Treter, der nicht aus Erfolgshunger, sondern aus Bösartigkeit seinen Gegenspielern weh tut. Dazu ein Ivica Olic, der letztes Jahr Per Mertesacker mutwillig aus dem Uefa-Cup trat, und Franck Ribery, die hässliche Diva. Philipp Lahm hat mit seinem Interview vor Wochen bewiesen, dass er den Bayern-Wahn, alles am besten zu wissen, schon tief verinnerlicht hat.
Es wird also nicht mehr lange dauern, bis er Kapitän werden kann, beim Branchenprimus.

Nachtrag:
Alles Quatsch und das Gegenteil ist richtig, sagt Lizas Welt.

Diese Mail erreichte meinen Provider und schließlich mich.

Hallo,

ich hätte eine Bitte an Sie. Seit einiger Zeit wid, wenn man meinen Namen bei google eingibt, ein Suchergebnis bei www.verbrochenes.net bzgl. Antisemitismus angezeigt, bei dem mein Name erwähnt wird. Da diese verächtliche Einstellung nicht meiner eigenen entspricht, würde ich Sie bitten diese Site zu löschen oder zumindest meinen Namen. Es wäre mir wirklich enorm wichtig, da mir dadurch in jüngster Vergangenheit erhebliche berufliche Nachteile entstanden sind.

Über eine schnelle Antwort würde ich mich sehr freuen.

mit freundlichen Grüßen

Klaus Klitsche*

*Name von der Redaktion geändert. Einen zweiten Googletreffer hat er vorerst nicht verdient.

Nun wollte ich dem Kameraden gerade anbieten, gegen eine kleine Spende an eine passende wohltätige Einrichtung das Problem aus der Welt zu schaffen, da er offenbar schon ganz gut gestraft ist, aber da fiel mir sein übler Kommentar ganz am Ende der Diskussion wieder ins Auge. Was meint Ihr, Freundinnen und Freunde?

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