Erbrochenes

…in Wort und Bild

In Bremen gibt es eine lebhafte Naziszene, die personell eng mit den Bremer Hooligans verbunden ist. Mit der Entwicklung mitten in die Gesellschaft, die der Fußball genommen hat, sind die Hooligans allerdings auch in Bremen weitgehend von der Bildfläche verschwunden. Man muss die Gesichter schon kennen, um einige von ihnen vor dem Stadion zu erkennen, im Stadion selbst treten sie gar nicht mehr in Erscheinung. Stattdessen prügelt man sich heutzutage meist bei abgemachten Sportlertreffen in Feld, Wald und Wiese, jedenfalls abseits vom Stadion.

So treten die Hools nur noch selten in die Öffentlichkeit, und wenn sie das tun, dann meist in ihrer Eigenschaft als Nazis. Das zunehmende Engagement der Ultragruppen in Bremen vor allem gegen Rassismus und Nazis ist ihnen natürlich unangenehm, und so wurde die Stimmung zunehmend feindseliger, vor zwei Jahren gipfelte das in einem Überfall auf die Party von Racaille Verte, eine der beiden Ultragruppen in Bremen. Danach wurde es wieder weitgehend ruhig.

Soweit die Vorgeschichte. Jetzt haben sich bekennende Bremer Nazis auf ihrer Website kurz zu Wort gemeldet. Dass es sich dabei zumindest um Leute handelt, die mit den Hooligans eng verbunden sind, dürfte klar sein. Inwiefern hinter fn-bremen.org dieselben Leute stehen, die auch als Hooligans aktiv sind, weiß ich nicht. Entstanden ist nun ein denkwürdiges Dokument rechtsradikalen Wahns.

Mit linksextremen Choreographien, Flugblättern und Aufklebern missbrauchen sie [die Ultras] den Sport als Plattform für ihre menschenverachtende und verbrecherische Lügen-Propaganda, zur Denunzierung und Brandmarkung von Andersdenkenden.

Natürlich haben Nazis nie etwas dagegen gehabt, beim Fußball neue Anhänger für ihre Polit-Aktivitäten zu gewinnen. Auch ist Nationalismus beim Fußball ganz “normal”, im Gegensatz zu den Aktivitäten gegen (deutschen) Nationalismus, die dann wieder böse politisch sind, beziehungsweise einfach “Lügen”. Mit dieser Einstellung stehen sie allerdings mitten in der Gesellschaft, denn vom normalen Stadionbesucher bis zum deutschen Allesfahrer ist man sich einig: Diese Linken nerven und lenken vom Sport ab.

Die selbsternannten „autonomen“ Fußballfans, sind ein fester Bestandteil des Systems und von diesem finanziell und existenziell abhängig. Und anders herum gilt dasselbe. Woche für Woche schmeißen sie den Bonzen von Werder und Co Unsummen in den Rachen, machen jede Lächerlichkeit mit, unterstützen Werder-Projekte und sorgen so für die rein profit-orientierte Kommerzialisierung des Sports.

Offenbar sind die “Freien Nationalisten” nicht finanziell und existenziell “vom System” abhängig, sie säen Obst und schlachten noch selbst. Sie arbeiten nicht bei Betrieben, die Geld von Banken leihen, und sie fahren nicht auf den Straßen, die die BRD gebaut hat. Oder wie?
Begeistert wird der ein oder andere selbsterklärte Linksradikale aber aufnehmen, dass “das System” von ihm abhängig ist. Da werden alle Allmachtsphantasien wahr, die in der Realität so oft enttäuscht werden. Ein paar Jugendliche bewegen “Unsummen” und leben nicht etwa nur in diesen Zuständen, sondern sorgen erst für sie. Man fühlt sich ein wenig an die Mär erinnert, nach der Hitler eine Marionette des Kapitals gewesen sei, nur andersrum und ohne Machtergreifung.

Wir sprechen uns ganz deutlich und konsequent gegen diese perversen Zustände aus; wir wollen unseren Sport erhalten – in ehrlicher und reiner Form.

Verraten tut sich der Unsinn hier am deutlichsten im schönen Wort “erhalten”. Als ob es einst einen “reinen” Fußball gegeben hätte, der irgendwie ausserhalb des Kapitalismus existiert hätte. “Ehrlich” kann hier getrost als “deutsch” übersetzt werden.

Aus diesem Grunde werden wir – in Zusammenarbeit mit befreundeten Fußballgruppen - in den nächsten Wochen und Monaten verschiedene Aktionen gegen die fortschreitende Politisierung und Kommerzialisierung des Fußballs im und vor dem Weserstadion veranstalten. Denn: Fußball ist Fußball und Politik bleibt Politik!

Weil Politik Politik ist und Fußball Fußball, gehen wir jetzt mal zum Stadion und machen da politische Aktionen. Okay. Nun wird es aber auch abseits von der Kritik dieses Schwachsinns interessant.
Was haben die vor? Für Nazis ist es unmöglich, im direkten Fußballumfeld politisch aktiv zu werden. Flyer oder Plakate würden direkt von der bürgerlichen Antinazifront, allen voran aus Werder und der Polizei, verboten, die Aktivisten eingesammelt. Und selbst wenn das nicht so wäre, könnten die Nazis beim durchschnittlichen Stadionbesucher nicht landen. Das liegt nicht an ihren Inhalten, die sind wie gesagt teilweise zustimmungsfähig, sondern an dem Label “Nazi”, das sie sich selbst gegeben haben. Denn: Anständige Deutsche sind keine Nazis.
So bleiben nur wenige andere Möglichkeiten für die angekündigten “Aktionen”. Die wahrscheinlichste ist Gewalt gegen die Adressaten ihrer Anklagen, gegen Ultras. Das wäre nichts Neues, aber das liegt daran, dass Hooligans eben nicht viel anderes können. Wahrscheinlich haben wir es hier also mit einer Drohung zu tun, die sich als leere herausstellen kann oder eben nicht.

Selbstverständlich ist nicht nur der Fußball von diesen Zuständen betroffen; in jeder anderen Sportart, von der Kreisliga bis zu den internationalen Top-Ligen, wurden die olympischen, ehrvollen Attribute durch den undurchschaubaren und habgierigen Kommerz ersetzt.

Deshalb habe ich auch nur in der Kreisklasse gespielt. Da ist es noch so richtig olympisch und “ehrvoll”, auch wenn das gar kein Wort ist.

Wir wollen, dass unsere Jungs von Werder wieder ehrlichen Fußball spielen, wir wollen, dass der deutsche Nachwuchs – junge engagierte Talente aus Bremen – gefördert wird und endlich der Sport wieder im Vordergrund steht.

“Kinder statt Inder” nennt man das bei der CDU, oder eben Schmidt statt Özil. Die wiederholte Erwähnung von “Ehrlichkeit” bleibt irgendwie hängen. Es bedeutet hier, dass etwas mit Geld nichts zu tun haben darf und, dass man nichts für sich selbst tun darf. Sondern nur für “die Sache”, die natürlich im Endeffekt immer die deutsche ist.

Gegen die Politisierung und Kommerzialisierung des Fußballs –
Fördert den deutschen Sport!!!

So endet der Aufruf und wirft die Frage auf, was denn “der deutsche Sport” ist. Vorgeschlagen wurden bisher: Kegeln, Kartoffelweitwurf und: Panzerfahren nach Osten und zu Fuß wiederkommen.

Schnell ist man derzeit überall in der Szene mit Scherzen über diesen Nazitext bei der Hand. Dabei könnten sich so einige Sätze auch in Flyern aus der Ultraszene finden, andere wiederum bei deren Kritikern. Und das obwohl sie sich doch alle von Nazis immer so überzeugend distanzieren. Wenn die Veröffentlichung nun dazu taugt, dass einige mal über ihre eigene antikapitalistische Einstellung und deren Parallelen zur Nazi-Denke reflektieren, dann war es doch für etwas gut.

Im Hintergrund bleibt die Gefahr einer gut organisierten Bremer Naziszene, die niemand ausser den betroffenen Opfern tatsächlich wahrnimmt. Wenn die nun ihre Drohung wahr macht, so wird sie das natürlich nicht wie angekündigt am oder im Weserstadion tun, sondern unbemerkt im Umfeld.

Jörg Haider hätte es sicher gefreut, dass seine Todesnachricht von bundesdeutschen Zuhörern im österreichischen Radio gehört wird. Er hat sich das aber sicher anders vorgestellt als so:

Jörg Haider has been killed in a car accident.

fm4 ist Kulturimperialismus in seiner schönsten Form.

Am vergangenen Freitag fand die erste Debate zwischen John McCain und Barack Obama statt. Dabei ist zwar auch interessant, dass in Deutschland meist von einem “Duell” die Rede ist, wenn es um solche Gegenüberstellungen von Politikern geht, doch ist dies nicht der entscheidende Unterschied. Im ersten Abschnitt redeten die beiden Kandidaten, wie sollte es anders sein, auch über die Finanzkrise.

Der zentrale Disput bei diesem Thema, das mutmaßlich die Wahl entscheiden wird, wurde über die Deutung der Ursachen und somit auch in der langfristigen Wahl der Mittel geführt, die Amerika (und mittelbar der Welt) nun aus diesem Schlamassel helfen sollen. (Über das 700 Milliarden-Programm waren sich die beiden ja eigentlich einig.) Obama versprach, den Leuten auf der Main Street, also den Lohnabhängigen zu helfen, die von der aktuellen Krise ebenso betroffen seien wie die Investoren an der Wall Street. Sein Konzept ist es demzufolge, die Lohnabhängigen zu entlasten und zu unterstützen, er erhofft sich davon neuen Schub für die Wirtschaft. McCain hingegen verteidigte seine Position, nach der man gute Bedingungen für die Unternehmen schaffen muss, was dann letztlich auch den Arbeitern und Angestellten zu Gute kommt.

Keiner von beiden musste das Glaubensbekenntnis “I believe in the free market” ablegen, denn es ist völlig klar, dass der freie Markt die unbestrittene Grundlage der amerikanischen Vorstellung von Wirtschaft ist. Im Streit zwischen Obama und McCain geht es lediglich darum, an welchem Ende des freien Marktes ein wenig korrigiert werden muss, oben oder unten. Dass alle zusammen zur Glaubensgemeinschaft des Kapitalismus gehören, steht für sie außer Frage. Daraus folgt logischerweise, dass alle eine Mitschuld an der derzeitigen Krise tragen, weil es eine Krise des Systems ist, von dem alle profitieren, oder zumindest profitieren wollen.

Wirtschaftlich gesehen ist es in Deutschland nichts anderes: Kaum einer macht sich Gedanken, warum wir so wirtschaften, wie wir es tun, grundsätzliche Kritik wird selten laut. Ein jeder versucht sein bestes, macht irgendwie Geld, und zwar so viel wie es eben geht. Damit ist Deutschland eigentlich Teil des Zaubersystems Kapitalismus, und in Deutschland wiederum jeder einzelne, Main Street hin, Wall Street her.

Doch traditionell hat man damit hierzulande so seine Probleme. Erst recht, wenn es krisenhaft wird. So sagte der haushaltspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Steffen Kampeter zu Überlegungen, auch die deutsche Bundesregierung sollte ein Rettungsprogramm auflegen: “Die Amerikaner haben die Finanzkrise hervorgerufen, ihre Risikogeschäfte bringen die gesamte Welt in Bedrängnis und von daher glaube ich, dass vor allem die amerikanischen Steuerzahler und Steuerzahlerinnen gemeinsam an der Lösung dieser Probleme arbeiten sollten.” Gemeinsam, aber nur die anderen mit den anderinnen. Und zwar die Amerikaner, die sind nämlich Schuld an der Krise. Was ihnen konkret vorzuwerfen sei, konkretisierte SPD-Fraktionsvize Joachim Poß: “Die Amerikaner können jetzt nicht für ihr Versagen und ihre Arroganz Deutschland in die Haftung nehmen.” Davon, dass deutsche Unternehmen wohl kaum ein Problem hätte, wenn sie nicht auch gern mitgespielt hätten, sagt keiner was.

Was im großen Maßstab mit dem Paar “arrogante Amerikaner” - “Deutschland” funktioniert, macht sich auch im Kleinen ganz gut. Dann heißt das Pärchen “Spekulanten” - “ehrliche Bürger”. So ist etwa Martin Schulz, Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten im Europaparlament der Überzeugung, es sei ein “ausgerasteter Finanzkapitalismus”, der an die Kette gelegt werden müsse. Damit macht Schulz den Split komplett. Nein, es ist kein Gesamtsystem, dass hier in Probleme geraten ist, sondern es sind die Spekulanten, die mit dem Verleihen von Geld Geld verdienen und so den anderen schaden. Dass ohne die Investoren der Kapitalismus ohne das Finanz- vornedran nicht funktionieren würde, verschweigt er. Ebenso wenig wird erwähnt, dass jeder, der sich von der letzten Regierung zum “Riestern” hat ermutigen lassen, ein vitales Interesse an Investmentbanking hat. Nur mit den hohen Renditen aus Risikogeschäften könnte sich eine Privatisierung der Altersvorsorge rechnen.

Dass die deutschen Politiker, durchaus ermuntert von ihrem Wahlvolk, die Verantwortung für die Krise des Systems, das auch ihres ist, in Amerika und beim Finanzkapital suchen, führt am Ende nur dazu, dass die deutschen Banken am Ende hinterherhinken, weil ihnen niemand hilft. Neues Futter für deutsche Minderwertigkeitskomplexe.

Personalisierung

Die aktuelle Startseite von tagesschau.de ist schon irgendwie bemerkenswert. Dort steht direkt untereinander:

Ackermann zahlt 2,8 Milliarden Euro für Postbank

Mehdorn verzichtet auf 2,50 Euro

Daneben jeweils ein Bild der beiden Bosse, Ackermann munter aktionsfreudig, Mehdorn eher griesgrämig.

Es ist schon ziemlich unwahrscheinlich, dass die beiden Herren die Entscheidungen ganz alleine gefällt haben, die zu diesen Schlagzeilen führten. Doch selbst wenn sie eigenmächtig handeln, ihre Beschlüsse werden doch von ihren Firmen durchgeführt. Natürlich ist es völliger Unsinn, dass Josef Ackermann auch nur einen Cent für die Postbank bezahlt, und ebensowenig wird Hartmut Mehdorn auf irgendwas verzichten müssen. Das weiß auch tagesschau.de. Der kleinere Text geht einmal mit “Die Deutsche Bank übernimmt …” und einmal mit “Die Deutsche Bahn hat …” los.

Was also bewegt die Jounalisten des öffentlich-rechtlichen Internetprogramms dazu, große Konzerne zu personifizieren? Wollen sie sie vielleicht menschlicher machen? Oder elitärer? Es ist müßig darüber zu spekulieren. Klar ist, dass diese Art der Berichterstattung den Blick auf die Realität vernebelt. Die Deutsche Bank kauft nicht deshalb andere Banken, weil sie diesen oder jenen Chef hat, sondern weil sie ein großes Unternehmen ist und nur so überleben kann. Und gerade der Rückzug beim Thema Bedienzuschlag hat sowas von gar nichts mit der Person Mehdorn zu tun, sondern stellt ein gutes Beispiel von medial und politisch transportierter Kundenmacht dar.

Nur wenn man diese Zusammenhänge so berichtet, wie sie sind und nicht in die simple Chef-hat-entschieden-Rhetorik überträgt, lässt man denjenigen eine Chance zu einer vernünftigen Meinungsbildung, die bei derart langweiligen Meldungen nur die Überschriften lesen.

Wer gelegentlich Fußball im Fernsehen guckt, hört immer wieder von den “sogenannten Fußballfans”. Die sind identisch mit den temperamentvollen Südländern, nur dass bei ihnen das Zündeln mit Feuerwerkskörpern nicht ethnisch gerechtfertigt, sondern verurteilt wird - während die schönen Bilder über den Schirm flimmern.

Diese immer wiederkehrende Redewendung hat offenbar auch die Autoren des Vierten Berichts über Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit im Lande Bremen (pdf) inspiriert, der heute der Bremischen Bürgerschaft vorgestellt wird. Dort findet sich folgende Passage:

Die Grenzen des Hooligan-Spektrums zur rechtsextremen Szene sind inzwischen fließend. So erfolgte im Februar 2007 ein gewalttätiger Übergriff von Hooligans auf eine Feier der sogenannten antirassistischen Ultragruppierung Racaille Verte im Ostkurvensaal des Weserstadions, der bislang nicht eindeutig aufgeklärt werden konnte.

Sogenannt was? Antirassistisch? Ultra? Gruppierung? Racaille? Macht alles keinen Sinn.

Anywho, grundsätzlich ist so ein Bericht ja was ganz Feines und durchaus seine paar Megabytes wert. Immerhin wird dabei mal das Problem beim Namen genannt; die Aufstellung der rechten Straftaten wird nicht gleich wieder durch eine Auflistung links motivierter Delikte relativiert. Ganz richtig schreibt Toralf Staud in seinem Buch Moderne Nazis:

Praktisch jeden Tag werden in Deutschland Ausländer, Obdachlose und linke Jugendliche von rechten Schlägern überfallen. Aber es ist lange her, dass hierzulande ein Kapitalist von einem Linksterroristen ermordet wurde. (…)

Wer behauptet, man müsse gleichermaßen gegen Extremisten von rechts wie von links vorgehen, vernebelt den Blick auf die Realität. (…) Will man die NPD unbedingt mit irgendwem vergleichen, dann bitte mit Islamisten.

Fußnoten

Stefan Niggemeier setzt seine kleine Privatfehde mit Henryk Broder fort. Debatten über Antisemitismus und Meinungsfreiheit sind seine Sache allerdings nicht. Stattdessen hängt er sich daran auf, dass ein Kollege von Broder, Tobias Kaufmann, in dessen Kolumne nicht darauf hingewiesen hat, dass er selbst Mitglied von Broders “Achse des Guten” ist, obwohl er über dieselbe geschrieben hat. Das ist vermutlich ein berechtigter Vorwurf, allerdings auf der anderen Seite keine große Sache. Schließlich wird hier nichts verheimlicht, sondern dem Leser eben nur nicht noch einmal klar vorgeführt. Inzwischen steht gar der Link zu Niggemeier unter dem Text.

Aber offensichtlich geht es nicht darum, ob Kaufmann die Fußnote setzt oder nicht. Es geht um die Existenz eines Netzwerks, das, oh Wunder, in vielen Themen ähnlicher Meinung ist und dementsprechend publiziert.

Clemens Wergin, der das Urteil in der „Welt am Sonntag” im Sinne Broders kommentierte, scheint übrigens auch ein, sagen wir: guter Kumpel der Gutachsisten zu sein.

Echte Netzwerker. Das eigentlich Komische ist, dass diese Leute dabei immer noch so tun, als seien sie einsame Einzelkämpfer, die mühsam gegen den Mainstream der veröffentlichten Meinung anschwimmen.

Übrigens, wird hier geraunt, der gehört auch dazu! Was das zu welcher Sache tut, bleibt ein bißchen versteckt. Die Unterstellung, man geriere sich mitten im Netzwerk als Einzelkämpfer, ist völliger Quatsch. Die Hinweise darauf, dass die große Mehrheit der Deutschen in dieser Debatte, wie auch in allen anderen zum Thema Israel, natürlich Partei gegen den Judenstaat ergreifen würde, wenn man sie denn fragte, sind nur allzu berechtigt.
Diese Umstände zu ignorieren und die Hinweise darauf ganz gezielt mißzuverstehen, indem er aus dem tatsächlich antiisraelischen Mainstream deutscher Meinungen den “Mainstream veröffentlichter Meinung” macht, ist geschickt, doch wird Niggemeier den selbstgesetzten hohen Ansprüchen an Wahrhaftigkeit so kaum gerecht.
Wobei eine Analyse der “veröffentlichten Meinung” trotz der hier angeprangerten pro-israelischen Schreiber immer noch interessant wäre, denn die größten deutschen Qualitäts-Zeitungen, SZ und FAZ, nahmen ganz klar Partei gegen Broder, die taz ebenso, und über die Haltung von den vielen Provinzblättern will ich nicht spekulieren.

Wie Niggemeiers Beitrag verstanden wird und vermutlich auch zu verstehen ist, kann man in den Kommentaren nachlesen. Das dunkle Netzwerk nimmt dort geradezu verschwörerische Gestalt an.

Gerade damit das aber die Geschäfte in Israel nicht womöglich stören könnte, dürfte die Schreibe eines Tobias Kaufmann nicht unwillkommen sein.

Dass man es sich der Geschäfte wegen nicht mit den Juden verscherzen dürfe, würde meine Oma auch so unterschreiben.

Wer für die Achsenmächte schreibt, erledigt zumeist das Tagwerk fremder und meist ausländischer und nicht gutmeinender Interessen.

Fremde, ausländische, nicht gutmeinende Interessen (nicht einmal Menschen). Diejenigen, die sich vor einigen Jahrzehnten zum Ziel gesetzt hatten, gegen so etwas vorzugehen, nannten sich selbst “Antisemiten”.

der ksta ist meine zeitungs-sozialisation, weil den mein vater am frühstückstisch immer gelesen hat und ich mich immer auf die samstagsbeilage gefreut habe, weil da die kinderbilder drin waren.
ich habe die zeitung immer für halbwegs seriös gehalten, aber die scheint ja jetzt unterwandert von so ..ähm…tobias kaufmanns (hoffe das ist nicht justiziabel), die sich nicht schämen

Und jetzt wird es wirklich tränenreich. Eine anständige Zeitung, die sowohl der Vater als auch sein deutscher Sohn immer gerne gelesen haben, wird unterwandert von Itzigs Tobias Kaufmanns, die ihrer Natur entsprechend unverschämt sind.

Wer die antisemitischen Denkmuster in den Kommentaren nicht entdeckt, der will vom Antisemitismus nichts wissen. Wie Niggemeier, der ja vordergründig nur über eine fehlende Fußnote bloggen wollte, damit nun umgehen wird, bleibt spannend.

Man kann dieses Buch gar nicht lesen, und erst recht nicht besprechen, ohne es ständig mit den beiden Vorgängern zu vergleichen, ohne immer wieder zu überlegen, wie es in die Geschichte des Bremers Frank passt, der zehn Jahre später Herr Lehmann genannt wird und sich in Berlin dagegen wehrt, einen Lebensinhalt haben zu müssen. Der kleine Bruder beschreibt eine Episode, die zwischen Neue Vahr Süd und Herr Lehmann liegt. Dabei ist die Handlung den Ereignissen in Bremen zeitlich viel näher, und doch schon ganz Berlin, durch und durch. Sven Regener liefert das Endstück seiner Trilogie, indem er einen Mittelteil schreibt, der nicht in der Mitte liegt. Der Roman hat dann auch einen grundsätzlich anderen Charakter als die ersten beiden Bände, es wird aufgeklärt oder zumindest angedeutet, was aus dem Bremer Bundeswehrsoldaten aus Schusseligkeit ohne Zukunft den Berliner Kneipenprofi ohne Zukunft macht - überraschenderweise reichen dazu die ersten zwei Tage in Berlin.

Frank findet Freunde, die zwar alle etwas seltsam sind, aber immer noch besser als die K-Gruppen-Menschen in Bremen. Er lernt die Stadt kennen, in der Punk zwar mal mehr war als am Fluss rumhängen und Bier trinken, aber mittlerweile zum Betätigungsfeld von verrückten Künstlern mit bescheuerten Künstlernamen geworden ist, die sich dann unwürdige Gefechte mit den echten Punks liefern. Das Flair der Berliner Gaslaternen, der langen Wege und der Mauer in der Stadt nimmt Frank ebenso selbstverständlich zur Kenntnis wie ein halbes Jahr zuvor das des Viertels in Bremen - und würde dabei nie von Flair reden. Und am Ende hat er Wohnung und Arbeit, ohne sich wirklich darum gekümmert zu haben.

Das, worum er sich die ganze Zeit kümmert, nämlich die Suche nach seinem Bruder, findet erst ganz zum Schluss ein erfolgreiches Ende, und doch kein Happy End. Letzlich wird das Buch erst mit den letzten beiden Kapiteln ein wirklicher Roman. Bis zu diesem Punkt gewinnt man gelegentlich den Eindruck, Regener hätte einem Schreibroboter den Schreibstil der anderen Bücher beigebracht und wäre dann in die Kneipe gegangen. Das ist dann zwar durchaus amüsant zu lesen, ja, man kann sogar herzhaft lachen angesichts der schnellen Dialoge über Punk, Kunst und Paranoia. Bliebe es dabei, wäre das Buch allerdings nicht wesentlich wertvoller als eine Folge Scrubs - womit Frank Lehmann zweifelsohne zufrieden wäre.

Das Buch kann dann aber letztlich doch einem Anspruch gerecht werden, den es selbst gar nicht unbedingt stellt. Es bietet in sehr offener Weise Ansätze zu den großen Fragen des Lebens. Dabei ist es kein Ratgeber oder so, es doziert nicht, es gibt nichts vor. Sein Ende ist nur ein Ende insofern, als dass die Anfangsbedingungen gesetzt sind. Es scheint alles möglich. Das Leben hält vieles bereit, es gibt viele Entscheidungen zu treffen, Kämpfe auszutragen, und oft genug ist auch alles egal. Für diese oder irgendwelche anderen Erkenntnisse ist dieses Buch, sind alle drei Werke besser geeignet als Thomas Mann und der ganze Familienkram, den man so in der Schule liest. Es gibt kein Ziel, keinen Sinn - aber man kann damit leben.

Wer nicht so auf tiefsinnige Deutungen steht, kann Der kleine Bruder auch einfach als einen humorvollen Rückblick in die Zeit Anfang der 80er nehmen, mit “so Kunst und Punk und New Wave und Neue Deutsche Welle und Postpunk und sonst was”. Und sich dabei ausmalen, wie herrlich sich dieses Buch verfilmen ließe. Anders als bei Neue Vahr Süd bietet Der kleine Bruder einen Elfmeter in dieser Hinsicht, gegen einen Torwart, der nur eine Chance hat, wenn der Soundtrack schlecht ist. Es wäre ein Film mit tollen Dialogen und schönen langen stillen Szenen im dunklen Berlin.

Egal, welchen der letzten beiden Absätze man nun als das Fazit dieser Rezension ansehen möchte, folgendes Zitat aus dem Buch passt zu beiden: “So geht´s natürlich auch, dachte Frank, daß man Straßenlaternen aufstellt, die nur dafür gut sind, sich selbst zu beleuchten.”

Das Zitat oben mit der Kunst und dem Punk und dem ganzen Kram kommt aus einem Interview mit Sven Regener, das der Eichborn Verlag zur Verfügung stellt, neben vielen anderen Infos zum Buch. Bei dem ist Der kleine Bruder nämlich erschienen, es kostet 19,95€ und hat 282 Seiten.

Den Nazis von Blood & Honour ist ein kleines Missgeschick passiert. Agenten der ZoGs haben ihr komplettes Forum samt Mitgliedsdaten geklaut und für jeden verfügbar online gestellt. Das klingt like a lot of fun, und ich werde es mir nachher mal angucken.

Presse

Und so guckt man sich den Spaß an:

werte genossen,
in den download links am ende meiner ansprache findet ihr 4 7z dateien.
so ladet diese herunter entpacket sie und folget der anleitung “readme.txt”.
ihr installieret einen lokalen webserver und sehet am ende: das komplette “blood&honour” forum - offline gespiegelt auf euerem desktop.
die anleitung wurde geschrieben vom großen vorsitzenden für die massen mit den kapiteln: windows und linux.
so werte bewohner der volksrepublik internet sollte jeder damit umgehen können.
verbleibet mir euch spass mit den daten zu wünschen.

gehet, tuet die kunde kund und verteilet die gaben!
gebet es besonders an: presse von radio, fernsehen und zeitung!

pressestelle der datenantifa!

und zu guter letzt an die nazis: ZOG is watching you harharhar

um 7z dateien zu entpacken:

7zip Windows Download:
http://downloads.sourceforge.net/sevenzip/7z457.exe

7zip Linux Source Download:
http://downloads.sourceforge.net/sevenzip/7z460.tar.bz2

7zip für Ubuntu:
sudo apt-get install p7zip

Pakete für andere Linux Distributionen und MacOS:
http://www.7-zip.org/download.html

Download:

http://rapidshare.de/files/40275351/install.7z.001.html
http://rapidshare.de/files/40276344/install.7z.002.html
http://rapidshare.de/files/40276657/install.7z.003.html
http://rapidshare.de/files/40276853/install.7z.004.html

Mirror:

http://www.megaupload.com/?d=08K7HVI0
http://www.megaupload.com/?d=XMYS4W63
http://www.megaupload.com/?d=SKDPG4B0
http://www.megaupload.com/?d=EJ0DB1X5

Viel Spaß beim durchstöbern

via

In eigener Sache: Richtigstellung eines Schreibfehlers

Mit großem Bedauern stellt kicker online fest, dass bei der Meldung über Ümit Özat ein Rechtschreibfehler unterlaufen ist.

Es handelt sich hierbei um einen Buchstabendreher, so dass aus Versehen “Karnakenhaus” statt “Krankenhaus” publiziert wurde.

Wir bitten vielmals um Entschuldigung.

You could not make this stuff up.

Heute habe ich in einer Rasiererwerbung erfahren, dass neunzig Prozent der Men’s Health Leser der Meinung sind, mit rasiertem Körper hätten sie bessere Chancen bei Frauen. Das finde ich bemerkenswert. Um das zu wiederholen: Die Werbung behauptet nicht, man habe mit rasiertem Körper bessere Chancen bei Frauen. Sie stellt nur fest, dass die Leser dieses Magazins das glauben.

Die Überzeugungskraft dieser Strategie scheint gering. Es dürfte kaum eine Gruppe von Menschen geben, die weniger über Frauen weiß als die Men’s Health Leser. Das ist einerseits die Vorbedingung dafür, dass sie das Blatt überhaupt kaufen, andererseits das Resultat der Lektüre. Kein Wunder also, wenn der langjährige Abonnent denkt, Frauen räkelten sich in ihrer Freizeit gern nackt auf Autos oder Fußballplätzen.

Für den noch unentschlossenen männlichen potenziellen Körperrasierer wären Informationen über die tatsächlichen Präferenzen seiner angestrebten Sexualpartner deutlich hilfreicher. Aber leider ergibt sich da sicher keine so schöne Prozentzahl. Und was sagen eigentlich die Leserinnen?

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