Erbrochenes

…in Wort und Bild

Wer als Fußballfan in Deutschland Berichte für ein Fanzine schreibt, hält sich dabei stets an gewisse Regeln, die sich eingebürgert haben. Dazu gehört ein Jargon der Beiläufigkeit, der in jeder Zeile deutlich macht, dass der Verfasser ein alter Hase ist und fast alles so oder so ähnlich schon einmal erlebt hat. Ein Beispiel:

Pünktlich zur Rückkehr des Winters brachen wir in den hohen Norden auf, wobei die zuvor befürchteten Schneechaos-Szenarien zwar Gott sei Dank ausblieben, schweinekalt wars aber trotzdem. Dies nahmen wir zum Anlass einen kleinen aufwärmenden Winterspaziergang zu unternehmen.

Das erste Schlüsselwort ist “pünktlich”, man geht hier also einer Art Pflicht nach, einer Routine. Das zweite Schlüsselwort ist “Spaziergang”. Man ging nicht erwartungsfroh zum großen Spiel, man schaute sich auch nicht die Stadt an, sondern man machte einen Spaziergang. Der war “klein” und wäre das auch gewesen, wenn er 10 Kilometer lang gewesen wäre.

Nun kommen wir zur zweiten Pflicht des Fanzine-Schreibers. Er muss sich abwertend über den Gegner äußern. Das kann am Beispiel der Stadt passieren, an ihren Bewohnern bzw. den Fans des gastgebenden Vereins oder am Verein selber. Ganz wichtig ist, dass man nicht zu emotional wird. Die Beiläufigkeit muss gewahrt werden, man lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und zwar schon gar nicht von denen. Falls talentiert genug, kann der Autor jetzt auch ein bisschen Humor aufblitzen lassen. Zum Beispiel so:

So spazierten wir also frohen Mutes und mit nur äußerst geringer Polizeibegleitung durch das Bremer Viertel, das zugegebenermaßen eigentlich ein recht nettes Flair versprüht. Lag wohl daran, dass wir keine einheimischen Ultras ertragen mussten.

Man spazierte, man begutachtete großmütig die fremde Stadt, alles ist lässig, und dann kommt er, der feinsinnige Hinweis auf die einheimischen Ultras. Nachdem diese Formalität erledigt ist, kommt direkt die nächste: die Stadionkritik. Zu beachten ist vorher, dass Gästeblöcke niemals “betreten” oder in das Stadion “gegangen” wird, es wird grundsätzlich “geentert”:

Am Stadion angekommen enterten wir selbiges recht zeitig.

Natürlich auch nicht “zeitig”, das wäre weniger lässig, man geht “recht zeitig”. Während der Gästeblock nicht recht goutiert wurde, fanden die Bremer Spruchbänder mehr Beachtung. Zunächst das erste:

Zu Spielbeginn gaben die Bremer mittels Spruchband schon mal die Marschrichtung vor, indem sie uns wissen ließen dass sie sich auf Fürth, Ingolstadt und Paderborn freuen. Schön dass man realistisch bleibt! Viel Spaß auf den Trips nach Fürth oder Ingolstadt, die dann sicher mal wieder zu weit sind um anzureisen.

Gleich zwei besonders durchdachte Attacken: Einmal die diesmal besonders feine Ironie, mit der dem Gegenüber Vorfreude unterstellt wird, wo tatsächlich Angst ausgedrückt wurde. Und zum anderen der Hinweis darauf, dass die Bremer Fanszene zu manchen Auswärtsspielen nicht besonders zahlreich anreist. Solche Verweise auf die jeweiligen Schwächen der gegnerischen Fans gehören unbedingt in jeden Bericht. Umgekehrt würde man den Münchnern beispielsweise vorwerfen, dass bei ihnen zu Hause in München eine jämmerliche Atmosphäre herrscht. Hamburgern würde man die misslungenen Choreographien vorhalten, Wolfsburgern ihr Werksvereinsdasein und so weiter.

Im vorliegenden Bericht, es handelt sich um den der Schickeria München zum letzten Gastspiel in Bremen, folgt jetzt ein spannender Teil, der so tatsächlich nicht in jedem Spielbericht zu lesen ist.

Im Zuge des internationalen Holocaust-Erinnerungstages am 27. Januar gedachten wir heute Otto Beer, dem ehemaligen Jugendleiter des FC Bayern und Vertrauten unseres verehrten Präsidenten Kurt Landauer, und seinem Einsatz für den FC Bayern. Otto Beer war direkt verantwortlich für die Entwicklung der Münchner Fußballkunst und zahlreiche Erfolge unseres Vereins vor dem zweiten Weltkrieg, welche 1932 im Gewinn der ersten Deutschen Meisterschaft für unsere wunderbare Stadt gipfelten. Doch auch seine Verdienste um München und den FC Bayern konnten ihn nicht davor schützen, wie seine Familie Opfer der rassistischen Mordpolitik der Nationalsozialisten und des Wegsehens viel zu vieler Münchner zu werden. Otto Beer wurde von den Nazis nach der Reichskristallnacht deportiert und schließlich 1941 im KZ Kaunas ermordet. Um diesem großen Mann aus der Geschichte des FC Bayern zu gedenken, zeigten wir mehrere Spruchbänder sowie eine Fahne mit Otto Beers Konterfei und unserem alten Vereinslogo. Die Aussage dürfte klar sein: Wir wollten anhand eines anschaulichen Beispiels die Verbindung aufzeigen zwischen der Geschichte unseres großartigen Vereins und der Notwendigkeit und Verantwortung für antifaschistisches Engagement heute! Vergesst niemals die Geschichte unseres Vereins, auf die wir stolz sein können! Vergesst nie Eure Menschlichkeit! Kein Fußball den Faschisten!

Abseits vom richtigen und wichtigen Anliegen, an die Morde der Deutschen zu erinnern, haben diese Passage und die Spruchbänder, auf die sie sich beziehen, einige interessante Aspekte. Da wäre zunächst die pathetische Sprache: “verehrten Präsidenten”, “Fußballkunst”, “wunderbare Stadt”, “großer Mann”. Sie erzeugt eine Atmosphäre der Erhabenheit, wo es in Wirklichkeit um millionenfaches Verrecken und Krepieren ging. Otto Beer mag ein guter Trainer gewesen sein, vielleicht auch ein guter Mensch, aber darauf kommt es nicht an: Die Nazis haben alle Juden ohne Unterschied ermordet, die Verbrecher wie die Gerechten, die Arbeiter wie die Fabrikbesitzer, die Greise wie die Säuglinge. Die Opfer des Holocaust waren keine Helden, sie waren Mordopfer. Deshalb taugt die Glorifizierung der Toten nicht, um an die Ereignisse zu erinnern, die naturgemäß ohnehin nicht von den Opfern, sondern von den Tätern vorangetrieben wurden.

Spätestens stutzig werden sollte man, wenn jemand von “Geschichte [...], auf die wir stolz sein können” spricht und damit 33-45 meint. Die Schickeria München praktiziert einen nachholenden Widerstand, der sich mit einer angeblichen “Verbindung zwischen der Geschichte [...] und der Verantwortung für antifaschistisches Engagement heute” begründet. Mit dem üblichen Antifa-Größenwahn halluzinieren sie die Notwendigkeit antifaschistischen Engagements herbei und begründen das mit der Geschichte, als ob sie Otto Beer noch retten könnten; oder als ob heute jemand von deutschen Gaskammern bedroht wäre und der Hilfe der Münchener Fußballfans bedürfte. So können Ultras die bequemste Form des Antifaschismus genießen. In München gibt es ohnehin kaum Nazis, beim FC Bayern schon gar nicht, und die Geschichte des FC Bayern lässt sich wunderbar als Ticket auf die richtige Seite der Geschichte nutzen. Da passt dann auch die Schutzheilige aller machtlosen Flugblattverteiler, Sophie Scholl, bestens ins Bild und auf den Doppelhalter. Die Geschichte von München als “Hauptstadt der Bewegung” spielt dabei keine Rolle mehr. Nun ist es verständlich, dass man sich nicht in die Traditionslinie der Nazis stellt. Dass man sich aber unbedingt identitätsstiftenderweise in eine Tradition stellen muss, mit der man in Wirklichkeit nichts zu tun hat, weil man damit heute nichts zu tun haben kann, das ist fragwürdig.

Das Selbstverständnis als antifaschistische Ultras, die bei Fußballspielen singen und dabei irgendwie auch mit dem deutschen Widerstand verwandt sein wollen, gibt einige Rätsel auf. So ist die Schickeria stolzes Mitglied vom “Alerta Network”, einem Bündnis für antifaschistische Ultras in Europa. In diesem Netzwerk ist es nicht nur völlig okay, sich für die palästinensische Sache einzusetzen, sondern auch, sich mit den antifaschistischen Genossen zu prügeln. Überhaupt, Prügeln und Feindesein ist ziemlich wichtig für die Münchener. Dabei ist für antifaschistische Gewalt kein Ziel in Sicht, auf die Militanz und ihren Chic will man trotzdem nicht verzichten. In München verteidigen sie deshalb bei Gelegenheit auch mal ein Schwimmbad dagegen, von feindlichen Fans beschwommen zu werden. Und selbst drastische Konsequenzen ihres Tuns haben nie etwas daran geändert, dass die Münchener Ultras sich stets zu den Guten rechnen.

Die eigene Mentalität wurde zuletzt per Spruchband mit “Sometimes antisocial – always antifascist” beschrieben, was aus Bremen dieses Mal umgedeutet wurde in “Sometimes antifascist – always white sausage”. Die Weißwurstmentalität räumt man in München zwar ein, aber die Bezugnahme auf das eigene Spruchband zu erkennen wird konsequent verweigert:

Die Bremer zeigten unter anderem ein kreatives und inhaltlich sinnvolles Spruchband, in dem sie uns als White Sausages
bezeichneten. Ihr könnt machen was ihr wollt und bleibt doch für immer Weißwürste! oder so wäre ja mit viele Augen zudrücken evtl. irgendwo noch so was Ähnliches wie amüsant gewesen, aber White Sausage? Wem zum Teufel fällt so was ein? Und welche Runde von Vollnerds findet so was ernsthaft bombe und lustig? Da is wohl wem der Tee nicht bekommen. Unser Beileid sei ihnen sicher, hat jedenfalls gut für Lacher und Kopfschütteln gesorgt. Armes Bremen.

Hier ist wieder die Ironie zu beachten, mit der eingeleitet wird. Die grundsätzliche Überlegenheit der Münchener zeigt sich dann erneut in Lachern, Kopfschütteln und Mitleid. Ach, die Bremer, schreiben was auf Englisch! Weil er inzwischen in bornierter Selbstverliebtheit ertrunken ist, merkt der Autor auch nicht, wie die eigene Selbstdarstellung schließlich zur Karikatur wird. Auf die Erinnerung an den Holocaust folgt nämlich die ernst gemeinte Aufforderung an die Bremer, nicht mehr mit bestimmten Menschen zu tanzen. Nach dem Spruchband für Otto Beer ging es so weiter:

Wir hingegen teilten den Bremern mit, dass die neu aufkeimende Achse des Nordens Bremen-Hannover-Braunschweig irgendwie lächerlich ist. Zur Erläuterung: Hannoveraner (BN99) besuchten letztens eine Techno-Party von Infamous Youth und anderen Bremer Ultras, zu denen sie seit jeher ein mehr als angespanntes Verhältnis pflegen oder um es deutlich zu sagen: eigentlich sind Hannover und Bremen Erzfeinde! Erst beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften gelang es den Hannoveranern die Fahne einer Bremer Gruppe zu entwenden. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, reisten zu dieser Party die Hannoveraner und einige Braunschweiger (UB01), ebenfalls seit jeher erbitterte Erzfeinde (?), auch noch im selben Zug an!

Ein ungeheurer Vorgang, wenn man als echter Ultra auch echter Hassprediger ist. Ultraideologie heißt schließlich immer noch, dass man genau den Leuten, mit denen man am meisten gemein hat, auf die Fresse hauen muss.

Unsere Auffassung von Ultrà sieht in diesem Punkt mal grundlegend anders aus…oder anders formuliert: bevor wir zusammen mit den Blauen nach Nürnberg auf ein Konzert fahren, schneiden wir uns lieber im Absinth-Rausch die Ohren ab!

Das fasst die Idiotie, die Ultra ausmacht, ganz gut zusammen. Schließlich versuchen die Leute, die sowas sagen, es auch ernst zu meinen. Natürlich ist es großer Quatsch und am Ende sind ihnen doch ihre Ohren wichtiger als ihr Abgrenzungsbedürfnis, aber es ist doch das Ideal, genau so zu sein. Weil man dem Ideal aber nicht nahekommen kann, weil einen nie jemand vor die oben genannte Wahl stellt, muss man die eigene Besonderheit mit Verbalradikalismus und absurden Gewaltausbrüchen dokumentieren.

Da in Bremen ein Ultra-Gesetz, wie es den Münchenern vorschwebt, gebrochen wurde, gibt es auch eine Anklage und die Forderung nach Rechtfertigung.

Die zur Legitimation dieser Geschichte vorgebrachte Argumentation war dann ernsthaft, die Techno-Party sei eine “politische Veranstaltung” gewesen und habe ja mit Fußball nix zu tun gehabt. Da haben wir als explizit politische Ultrasgruppe lieber mal nachgefragt ob es ihre Art von Politik-machen ist, mit fußballerischen ERZFEINDEN fröhlich zu Technobeats durchs Discolicht zu hüpfen…

Die Rechtfertigung wird abgelehnt, denn für Tanzen sieht der große Ultrakodex keine Ausnahmen von der Regel vor. Für die Blockade von Naziaufmärschen erteilen die Ultra-Ayatollahs Genehmigungen, wie wir später lesen können. Für eine Tanzveranstaltung mit Soli-Charakter gilt das aber noch nicht. Wo die Grenze gezogen wird, entscheidet die “explizit politische Ultrasgruppe” je nach Eigenbedarf. Zum Beispiel war es völlig okay, am Rande des BAFF-Kongresses in Bremen mit Bremer Ultras, darunter die Redaktion dieses Telemediums, zu feiern. Natürlich könnte man einwenden, dass es anlässlich des BAFF-Kongresses okay ist, mit anderen Menschen Bier zu trinken. Aber darf man dann das Abendprogramm mitmachen? Gibt es ein Privatleben und ein Ultraleben?

Man kann angesichts dieser hirnrissigen Fragestellungen zu dem Ergebnis kommen, dass die Kontaktsperren und mit ihnen jedes Hass-Theater lächerlich sind und abgeschafft gehören. In München sieht man das anders und doziert weiter über das Verhältnis von Fußball zu Linkssein:

Uns ist der linke Hintergrund der Veranstaltung wohl bekannt. Linkes Engagement is prima! Jede Gruppe mehr, die das so sieht, ist ein Gewinn für die Gesellschaft. Wenn es extreme Fußballfans gibt, die sich auch politisch links positionieren und ohne ihr Fan-sein aufzugeben politisch agieren absolut Daumen hoch! Nur kann man ne musikalische Veranstaltung wohl kaum als “große politische Aktion” hinstellen, die irgendwas rechtfertigt. Für nen echten Fußballfan schon gar ned das Vergessen bzw. Aufgeben aller Werte, Gepflogenheiten und Rivalitäten aus der Fußballwelt.

Während völlig offen bleibt, was “links” ist, wird immerhin deutlich, was ein “echter Fußballfan” ist und was “alle” seine Werte und Gepflogenheiten zu sein haben. Nämlich, man muss sich das in Erinnerung rufen: Mit bestimmten Menschen nicht dieselbe Abendveranstaltung zu besuchen.

Noch dazu wenn man politisch so standhaft und straight ist, dass man mit rechten Bremern und Essenern kleinlaut in einer Kurve steht ohne sich je wirklich davon distanziert zu haben und so radikal, dass man sich unlängst von ner handvoll dahergelaufener Dorfnazis mit “mehreren hundert” Gutmenschen aus ner Sporthalle vertreiben lässt.

Wenn man das ironische Statement zurückdreht, will der Autor vermutlich sagen, dass man in München doch so “standhaft und straight” ist, dass die Schickeria nicht mit Rechten in einer Kurve steht. Das ist natürlich haltloser Quatsch, ebenso wie die missglückte Unterstellung, die Bremer Ultras hätten sich von – ja von was eigentlich? – nicht ausreichend distanziert. Und wenn die Bremer eine Veranstaltung verlassen, bei der Nazis von den Ordnern geschützt werden, anstatt sich ehrenhaft mit allen zu prügeln, dann ist das der Schickeria in Ferndiagnose nicht radikal genug. Denn dort ist Gewalt noch ein hohes Gut, und wenn sich Heranwachsende nicht mit Dorfnazis und Security-Ogern prügeln wollen, dann ist das kein “ernstzunehmendes Engagement”:

Dürfte sich also doch eher um kuschelige Polit-Folklore zum Wohlfühlen handeln als um ernstzunehmendes Engagement.

Dementgegen steht der Antifaschismus ohne Faschisten, den die Bayern so gekonnt zelebrieren. Deren Feinde stehen nicht in der Kurve, sondern sind seit siebzig Jahren tot und dementsprechend pflegeleicht.

Deshalb haben sie dort genug Zeit, um allgemeingültige Regeln für andere Leute aufzustellen. Die Polit-Folklore hat Anführungsstriche bekommen und der Hahn kräht in Richtung Norden, dass wir alle exkommuniziert sind aus der Familie der Fußballfans:

Wenn sowohl die einen als auch die anderen in die Stadt XY fahren und dort nen Naziaufmarsch blockieren und ansonsten jeder seiner Wege geht, kräht danach kein Hahn. Aber wenn man in der Hauptsache Ultras beim Fußball ist, macht man reine “Polit-Folklore” als Bremer Ultra nicht in Hannover und als Hannoveraner Ultra nicht in Bremen oder Braunschweig. Und schon gar nicht zusammen. Sonst hat man mit FUSSBALLFANS nix mehr zu tun! E basta!

Jetzt lebt es sich doch ganz ungeniert, wenn man endlich aus dem Kreis der Sportfreunde und Menschenfeinde ausgeschlossen ist. Doch so leicht kommt man dem Großinquisitor mit kleinem Herzen nicht davon. Schließlich schadet das gemeinsame Tanzen der gemeinsamen Sache:

Die Leute sollten sich vielleicht mal überlegen, dass sie damit auch jegliches ernsthaftes politisches Engagement innerhalb der
Fußballwelt und der mit ihr verbundenen Subkultur diskreditieren, einfach weil sie von anderen Fans nicht mehr ernst genommen werden können. Wir Ultras sind in erster Linie FANS und als solche irrationale Fanatiker unserer Städte und Vereine. Linke Ultrasgruppen sind also Fußballfanatiker mit linker politischer Einstellung, keine in irgendner Form (auch) fußballaffinen Politaktivisten. Eine eigentlich selbstverständliche Grundkonstante des Movimento Ultras, die bedauerlicherweise bei einigen anscheinend in Vergessenheit geraten ist.

Was hier als Irrweg geschildet wird, ist in Wirklichkeit genau das Richtige. Man muss politisches Engagement bei denen diskreditieren, gegen die es ohnehin gerichtet ist. Die autoritären Männergruppen, die rechtsoffenen Alkoholiker, die alteingesessenen Platzhirsche und die Nazis sowieso – sie alle sollten wissen, dass ernsthaftes politisches Engagement sich auch gegen ihre Bräuche richtet und mit dem traditionellen, von reaktionären Münchenern verteidigten Verständnis von Fansein nicht vereinbar ist.

Der verzweifelte Versuch, eine Trennlinie zwischen linken Fans und fußballaffinen Linken zu ziehen, kann nicht erfolgreich sein. Der Geist ist aus der Flasche, Politik und Reflexion sind in der Ultrawelt angekommen. Wenn jetzt aus der Südkurve gerufen wird, dass man das alles nicht so gemeint habe und jetzt gefälligst alle wieder Fußballfans sein sollen, rennt die Schickeria längst der Entwicklung hinterher. “Zurück zum Fussball” soll es für die Ultras gehen. Kein Zufall, dass sie sich dabei einer Sprache bedient, die aus einem ZDF-Bericht über die Love Parade in den Neunzigern entnommen sein könnte: “Zu Beats stampfen”.

Abseits dieser grundsätzlichen Probleme gibt es für den Fanzineschreiber schlussendlich noch zwei Pflichtübungen zu absolvieren. Zunächst muss man sich des Sieges in einer körperlichen Auseinandersetzung rühmen, falls keine stattgefunden hat geht das auch im Konjunktiv.

Nach dem Spiel wurden wir dann von drei netten Herrschaften und einer Dame in blauen Leibchen erneut völlig unstressig und locker zum Bahnhof zurück begleitet und 15 oder 20 Bremer Spinner (O-Ton des Deeskalations-Teams hehe) mussten in der eigenen Stadt noch die Beine in die Hand nehmen.

Und schließlich gilt es noch, sich verwundert über die örtlichen Gepflogenheiten zu zeigen. Das kann anhand der Gastronomie, des Nahverkehrs und vieler anderer Gegebenheiten passieren. Hauptsache, es passiert etwas Ungewöhnliches und man kommentiert das dann im Hinblick auf den Ort: “Na, das ist aber komisch hier!”

Absolutes Tageshighlight war allerdings ein Schild in der Bremer Innenstadt, auf dem uns bildlich mitgeteilt wurde, dass zwischen 20 Uhr und 8 Uhr die Benutzung von Schusswaffen, Messern und Baseballschlägern untersagt sei. Wir haben Tränen gelacht, hier ist die Welt echt noch in Ordnung. Morden bitte nur vor 20 Uhr!

Ob das Schild tatsächlich nicht verstanden wurde oder für die bessere Belachbarkeit absichtlich falsch gelesen wurde, bleibt offen. Bei Ultras sind Waffen immerhin verboten – abgesehen von Flaschen und Leuchtspur.

* Der Spielbericht erschien im “skb-online”, einem Newsletter der Schickeria München

Jede europäische Macht, die etwas auf sich hält, hat sich im 19. Jahrhundert eine Repräsentanz in Jerusalem gesichert. So auch die Österreicher, deren Hospiz sich mitten in moslemischen Viertel befindet. In diesem Umfeld wirkt das Innere des Hospizes recht unwahrscheinlich, so geht man doch von den Gassen der Altstadt direkt in eine europäische Insel. Drinnen gibt es ein Kaffeehaus mit Garten, Sacher-Torte und Apfelstrudel, natürlich serviert von echt-autochthonen Österreichern. Früher waren die Wiener Aristokraten hier zu Gast, heute kann jeder rein und ein Zimmer nehmen oder im Schlafsaal übernachten.
Frei zugänglich ist auch das Dach, von dem aus man über die ganze Altstadt blicken kann, und von dem aus der famose Joinsen auch dieses Foto aufnahm. Es zeigt den Blick hinunter in die Gasse vor dem Haus, wo die Gastronomie gerade schließt.

Hinter dem Schild ist die größte Kirche im Nahen Osten zu sehen, in Nazareth, auf dem Gelände einer Moschee. Der Text ist ein Koran-Zitat, das sich aus dem Englischen ungefähr so übersetzen lässt: “Jeder, der eine andere Religion als den Islam wählt, wird von Gott niemals akzeptiert werden und im Jenseits zu den Verlierern gehören.” So werden die vielen christlichen Touristen gegrüßt, die meist mit Bussen für einen Tag hergebracht werden und die Verkündigungskirche besuchen. Aber natürlich richtet sich der kleine Gruß auch an die jüdischen Bewohner von Nazerat Illit. In der Nähe finden sich noch weitere Transparente, auf denen meist der Felsendom oder die al-Aqsa-Moschee abgebildet sind und auf denen es sinngemäß heißt, dass Allah den Moslems Kraft gebe, die Ungläubigen hingegen keine hätten. (Das Gegenteil ist richtig.)

Im Vergleich mit der Märtyrer-Verehrung und der Dichte an Felsendom-Bildern in der Westbank ist das Bild oben noch sehr milde, aber es ist bemerkenswert. Denn es lässt sich nicht allein im Kontext des Nahostkonflikts und der Auseinandersetzungen um bestimmte Flecken Land lesen. Es richtet sich an die christlichen Touristen, die Jesus’ mutmaßliche Heimatstadt besuchen und mit der arabischen Bevölkerung dort und anderswo nichts zu tun haben. An diese meist etwas unbedarften Gruppen richten die moslemischen Urheber des Schilds ihre verächtliche Botschaft der Intoleranz, ohne jeden Anlass und ohne jede Antwort.

Wie man mit dem deutschen Volksempfinden Geld verdient, weiß man am besten beim “Spiegel”. Ende November hatten sie den letzten Hitler-Titel, wenn auch nur mit Goebbels als “Mann, der Hitler machte”. Drei Wochen vorher waren es die “Verzweifelten Staaten von Amerika”, die die deutschen Krisengewinnler am Kiosk freudig glucksen ließen. Als im Dezember “Das letzte Gefecht” um den Euro ausgerufen wurde, kam die Angst um die deutsche Währung dran. Und schließlich wärmte das Blatt die Herzen mit dem “Mythos Mekka”, einem bewunderungsvollen Titel für die Hauptstadt der Antimoderne.

Mit dem aktuellen Titel haben die Magazin-Macher es allerdings geschafft, sich ein weiteres Mal zu übertreffen. Ein feist grinsendes Roboter-Insekt zerrt die Menschen aus ihren bescheidenen Häusern, die Überschrift sagt uns, um wen es sich handelt: “Die Unersättlichen”. Für diejenigen, die noch nicht wissen, welche unersättlichen Insekten es sind, die den Deutschen seit Jahr und Tag an Leib, Leben und Daten wollen, hat man es diesmal fast ausbuchstabiert: “Facebook & Co” wollen mit dem Allerheiligsten des Volkes “Milliarden-Geschäfte” machen. Weil es über Mark Zuckerberg, Facebook-CEO, inzwischen einen Film gibt und er “Person of the Year” im “Time Magazine” war, funktioniert das Bild noch viel schneller. Unersättliches Insekt, amerikanische Judenfirma, und der kleine Mann aus Deutschland fällt aus dem Fenster. Dazu die antimoderne Angst vor dem Fortschritt, fertig ist der Nazi-Titel, besser als jede rührselige Hitler-Story aus dem Bunker.

Dass hier antisemitische Karikaturen unters Volk gebracht werden, würde man beim Hamburger IntellektuellenBürger-”Stürmer” natürlich ehrlich empört von sich weisen. Schließlich geht es hier um Datenschutz, ein ehrbares Anliegen, gegen das wirklich niemand etwas haben kann. Außer den geldgierigen amerikanischen Corporations, natürlich. Die Google-Streetview-Kamera, die das Ungetüm auf dem Kopf hat, ist Tatwaffe des Verbrechens an den Deutschen und ihren Häusern. Während Google frech einfach die Welt fotografierte, obwohl die ihm doch gar nicht gehört, hat Facebook es – Zuckerberg! – viel perfider angestellt. Die deutsche Jugend liefert ihre Daten einfach freiwillig beim amerikanischen Unternehmen ab, das dann damit Geld verdient. Zum Beispiel mit schrecklicher Werbung. Allerdings ist so etwas wie personalisierte Werbung nur die Spitze des Eisbergs für das Social-Media-Opfer. Schlimm genug ist bereits, dass überhaupt jemand im Ausland über Daten verfügt.

Datenschutz ist inzwischen ungefähr so wichtig wie gegen Kinderpornos zu sein. Zwar ist es okay, wenn der deutsche Staat Daten über seine Bürger sammelt, man lässt auch gern mit “Payback-Card” sein Einkaufsverhalten protokollieren, aber wenn die USA Fluggastdaten haben wollen oder amerikanische Firmen kostenlose Dienstleistungen im Internet anbieten, dann empört sich die Nation und der “Spiegel” bekommt antisemitische Aufwallungen. Als ob man durch das Speichern von Namen und Hauswänden die Seelen der Betroffenen einfangen könnte, empören sich die Leute, obwohl sie außer – schrecklich! – Vermarktung nichts zu befürchten haben. Datenschutz wird so ideologisch aufgeblasen, ganz ähnlich wie zuvor der Umweltschutz. Wäre eine deutsche Firma Marktführer in irgendeinem Bereich im Internet, so wäre das Volk begeistert von der neuen Technik. Denn letztendlich sind auch die persönlichen Daten eine nationale Angelegenheit. Weil die fraglichen Firmen aber aus dem kapitalistischen Ausland kommen, möchte das Volk vor ihnen beschützt werden. Dass das in Eigeninitiative recht effektiv zu machen ist, indem man sie einfach nicht benutzt, spielt dabei keine Rolle. Für das Wohl der Deutschen war schon immer der Staat zuständig.

Nachtrag: Der Titel zitiert offenbar diese Lithografie des antisemitischen Zeichners Andreas Paul Weber.

Es gibt viele Wege zur Besserlesbarmachung des Internets, und wir müssen sie alle ausprobieren. Spaß beiseite, es gibt nur einen.

Die Lösung: “Readability”, das praktische Plugin für die lustigen Leser des irren Internets. Einmal installiert, erhöht sich das persönliche Lesevergnügen um etwa 42 Prozent. Sogar längere Texte werden jetzt zu Späßen für die ganze Familie!

Das Problem: Webseiten sind, auch ohne Werbung noch, unübersichtlich und wirr. Das macht sie hässlich, aber damit können wir leben. Es macht sie aber auch schwer lesbar, weil unsere viel zu klein geratenen Gehirne ständig abgelenkt werden und unsere Augen kleine faule Arbeitsverweigerer sind.
Hier ein Beispiel, bei dem neben dem Text noch massenweise andere Elemente herumstehen. Wir sind aber nur am Text in der Mitte interessiert, alles andere brauchen wir nicht. Deshalb machen wir, Du und ich und alle unsere Freundinnen und Freunde, Folgendes: Wir drücken auf den kleinen Button von “Readability” und entledigen uns mit einem Klick aller Webseiten-Elemente, die nicht der Haupttext auf der angezeigten Seite sind. Dieser wird nun in gut lesbarer Größe und schön formatiert angezeigt, bis wir ihn fertig gelesen haben und wieder auf den Button klicken. Schon sehen wir wieder die originale Webseite und können weiteren Links folgen.

Und das sagen Menschen, die “Readability” schon länger benutzen:

Klaus: “Sehr praktisch!”

Marianne: “Eine tolle Sache; jetzt finde ich das Internet noch besser!”

Peter: “Danke, Readability!”

Ewald: “Das ist so toll, dafür mache ich kostenlose Werbung in meinem Blog!”

Und wo gibts das tolle Ding jetzt nochmal? Im Internet! Yaaay, Internet!

Jahresrückblicke riechen immer ein bisschen nach Johannes B. Kerner oder der Bild am Sonntag. Ganz altersmilde schauen das Land und seine Medien auf die letzten Monate, Naturkatastrophen stehen neben Promi-Hochzeiten und Bestechungsskandale neben Sportereignissen. Die Welt hat wieder einmal ihren Lauf genommen, und die Konservative hat vorher gewusst, dass sie das tun würde. Deshalb sind die Jahresrückblicke meist so langweilig. Noch die aufregendsten Ereignisse werden heruntergebrochen auf ihre eine Gemeinsamkeit; darauf nämlich, dass sie schon vorbei sind. So ist es heute eigentlich alles egal, was damals passiert ist, und auf die Auswirkungen der ganzen Geschichte auf die Zukunft, und auf das, was was die Ereignisse über unsere Gegenwart auszusagen vermögen, darauf kommt es jetzt gar nicht mehr so an. Denn jetzt ist Weihnachten, jetzt ist auch mal gut.

Aber Jahresrückblicke haben auch ihren Reiz. Ganz besonders natürlich für den Redakteur, der mit wenig Aufwand einige Seiten oder Stunden seines Mediums füllen kann. Das kann sogar viel Freude machen, wenn man in einem Text über viele verschiedene Ereignisse palavern kann. Aber selbstverständlich kommt es für ein jugendliches Medium wie verbrochenes.net nicht in Frage, einen einfachen Jahresrückblick aufzulegen. Weil das Problem hinlänglich bekannt ist, gibt es auch einige anerkannte Lösungen. Aufregend und lustig kann eine Jahresvorschau auf das kommende Jahr sein, da ist Platz für Phantasie. Immer gern genommen sind auch Listen, Top oder Flop, die besten oder die lustigsten oder die skurrilsten Ereignisse oder Lieder oder Pannen des letzten Jahres. Man muss da kreativ sein, um wahrgenommen zu werden. “Der etwas andere Jahresrückblick” erreicht 94.000 Treffer bei Google, und wieviele von den “etwas anderen” sich gleichen, kann man sich ausmalen.

Umso stolzer ist die Redaktion, einen ganz neuen Blick auf das Jahr anbieten zu können. Als progressive Humanisten sehen wir die Welt mit Spannung und einer gewissen Erwartungshaltung. Wir, jugendlich und stürmisch, fordern die Welt heraus, uns etwas Ungesehenes zu zeigen. Postexistenzialistisch fragen wir: Kann die Sonne nicht einmal auf etwas Neues scheinen? Kann sie? Geht vielleicht doch etwas über die alten Fragen und die alten Antworten? Daran wollen wir das vergangene Jahr messen. Wir wollen sehen, was es zu bieten hatte. Wir wollen bewerten. Wir wollen benoten.

Hier ist es: Das Zeugnis für 2010.

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Sport: Mangelhaft

Es hatte alles so gut angefangen. 2010 ließ den SV Werder durch die Rückrunde spurten, dass es eine Freude war. Am Achten Mai befreite der SVW alle Hamburger von der Angst vor einer neuen Saison im Europapokal und eroberte sich selbst einen Platz in der Champions League, die Quali-Spiele sollten nur noch Formsache sein. Es war ein Rausch, diese Rückrunde. Aber das ist ja nichts Besonderes. In der Rückschau ist es überraschend, dass 2010 in Sport noch die Note 5 erhalten konnte, obwohl es diese wunderbaren Monate im Frühjahr gab.

Etwas Besonderes soll eine WM sein, und 2010 hatte eine zu bieten. Aber was wir dann zu sehen bekamen, war unterirdisch. Gerade für ehrgeizige Fußballfans, die eigentlich soviele Spiele wie möglich sehen wollten, war es schwer zu ertragen. Nahezu alle Spiele waren langweilig, langsam, einschläfernd, frustrierend und öde. In den ersten Gruppenspielen wollten grundsätzlich alle unentschieden spielen. In den letzten Gruppenspielen wollten einige, konnten aber immer noch nicht. Tore sind trotzdem irgendwie gefallen, ich kann mich aber nicht mehr an sie erinnern. Ausnahmen gab es zwei: Einmal die Spanier, die zwar keine Freude, aber immerhin Klasse zeigten. Und dann, ausgerechnet, die Deutschen, die für etwa 90% der guten Spiele zuständig waren und mit einer sympathischen Mannschaft auftraten. Ihr Fanclub war dafür unerträglich wie immer. An der WM war eigentlich alles scheiße, und sie hat dafür gesorgt, dass ich mich auf große Turniere nicht mehr so freue wie früher. Sie haben ihren Zauber verloren.

Für das Elend, dass der SV Werder nach der WM in die Welt gebracht hat und sicher noch eine ganze Weile fortsetzen wird, ist hier nicht genügend Platz. Und 2010 kann auch gar nicht so viel dafür. Es war jetzt halt soweit, und 2011 wird kaum erfolgreicher, nicht in dieser Saison und auch nicht in der nächsten. Leider hat 2010 jetzt keine Zeit mehr, um uns wenigstens von ein paar der Versager zu befreien, es wird keine Entlassungen und Verkäufe mehr geben. Also sehen wir uns im neuen Jahr wieder, Torsten Frings, Klaus Allofs, Aaron Hunt. Bringt Eure Freunde mit.

Hier wird qualifiziert über die Zukunft spekuliert.


Deutsch: Sehr gut

In Deutsch war das vergangene Jahr sehr gut. Alle Deutschen müssen arbeiten, während der Rest Europas mit Arbeitslosigkeit und Rezession zu kämpfen hat. Die Deutschen haben eine Regierung, über die sie morgens beim Zeitunglesen sehr gut schimpfen können. Deutschland liebt seine Fußballmannschaft. In beiden Wintern war und ist es kalt und verschneit wie in Stalingrad. Hitler ist immer noch tot und “Wetten daß…” wird jetzt noch sicherer. Kinderschänder begehen massenweise Selbstmord, und letzte Woche gab es schon den zweiten guten “Tatort” in fünf Jahren. Bayern München, Deutschlands Vorzeigeclub, hat ganz Europa überrannt, bis ihnen die Italiener in den Rücken gefallen sind. Diese Saison werden lauffreudige junge deutsche Männer mit reichlich Neonazis in der Anhängerschaft Deutscher Meister, es wäre dem Führer eine Freude gewesen.

Letztendlich fällt eine Bewertung der Leistungen in Deutsch aber schwer, denn was ist schon deutsch? Gewöhnlich immer das, was der grob links oder antideutsch gesonnene Autor nicht mag, aber das hat sich als wenig tragfähiges Konzept herausgestellt. Vor allem, da wir nun im Winter ganz heimelig werden und uns fragen, ob Deutsch nicht auch unsere Sprache ist, Teil unseres gemeinsamen kulturellen Erbes, das uns mit Papa, Oma und Adolf Eichmann verbindet. Man sollte da nicht so streng sein.

Nun schreibt man in Deutsch gerne auch mal Texte, genau wie in einem Blog – eine erschreckende Gemeinsamkeit. Und da war es hier nicht weit her, wir wollen das umstandslos einräumen. Da haben wir eine 6 verdient. Andererseits war es draußen auch schön, besonders, als es noch schön war.

Biologie: Ungenügend

Keine Vogelgrippe, keine Epidemie, eigentlich gar keine neue Krankheit. Kein besonderes Artensterben, kein Wal in der Elbe, nur ein schöner Haiangriff vor Ägypten. Was es aber gab: Schleichenden Völkermord. An den Palästinensern sowieso, aber auch an den Deutschen. Keiner von uns hat dieses Jahr eine neue Deutsche oder einen neuen Deutschen gemacht, und Ihr habt auch keine gemacht. Der erste Sex passiert Jugendlichen heute erst ein Jahr später als noch vor ein paar Jahren. Und ohne Ficken gibts kein Vaterland mehr. Aber das begreifen die nicht. Die nicht, ne. Biologie ist eine schwierige Sache, wer schonmal ein Brathähnchen gemacht hat weiß das. Und 2010 hat uns diesbezüglich nicht weitergebracht. Bei 12 Grad Minus fällt “das Leben” schwerer, und es ist ja schon im Frühling nicht einfach gewesen. Hat viel mit Biochemie zu tun, steckste nicht drin.

Werte und Normen: Befriedigend

Werte und Normen sieht man heute ja eher kritisch, Wertkritik und Kritik an der Xyz-normativität waren auch 2010 wieder sehr beliebt. verbrochenes.net, die kritischen Glücksforscher aus Westdeutschland, haben allerdings verwundert feststellen können, dass Kritiker der Normativitäten und der Werte 32% weniger glücklich sind als Fans von Werder Bremen. Im Spätherbst sanken diese Werte etwas, eine Blitzstichprobe ergab aber, dass das nichts mit den Freuden der Kritik zu tun gehabt hatte.

Erstes Ergebnis unserer Beobachtungen war heftige Lektüre der Schriften rechter Kulturkritiker und Gründung mehrerer Familien (Mannfraukind). Das hat geholfen, bringt uns aber schließlich die gleichen Probleme, nur von der anderen Seite betrachtet: Die Welt ist in einem miserablen Zustand, und was uns so zum Spielen zur Verfügung steht, hilft nicht weiter. Wenn jetzt die antiliberale Front aufgebaut werden soll, sind wir gern dabei.


Musik: Ausreichend

Musik hilft schon längst nicht mehr weiter. Da es aber bisher keine Beschwerden gegeben hat, scheint dieser Industriezweig weiterhin zu funktionieren. Begeisterungsfähigkeit ist der entscheidende Faktor, und die muss ohnehin auf Kundenseite erzeugt werden, da kann die Musik ja nichts dafür.

Mathematik: Gut

2010 gab es sehr viele Zahlen, weil die Finanzkrise offenbar am besten in Zahlen transportiert werden kann. Bemerkenswert sind dabei vor allem die (bemerkenswert) großen Zahlen, die besonders medial präsentiert einen Heideneindruck machen konnten. Manche waren so groß, dass man über sie hätte nachdenken müssen, um sie zu verstehen. Die Redaktion hat das stets vermieden, weil das nur Ärger bedeuten würde. Aber immerhin soll hier auch nicht die Redaktion, sondern das Jahr benotet werden. Es hatte auch sehr viele andere Zahlen zu bieten.

Öl im Golf von Mexiko: Sehr viel.

Menschen, die für die FDP stimmen würden, wenn sie jetzt könnten: Wenige.

Besuche in Afghanistan vom großen Mann: Sieben. Davon mit seiner Frau: Einer.

Wölfe in Ostdeutschland: Mehrere.

Sonnentage in Israel: Viele.

Mathe heißt, dass man mit den Zahlen jetzt noch etwas macht. Ein Beispiel:

Sonnentage in Israel geteilt durch Wölfe in Ostdeutschland: Mittelgroße Zahl.

2010 hat nun manchmal so tolle Sachen wie Griechische Staatsausgaben geteilt durch Deutsche Steuereinnahmen. Das hat uns gut gefallen, und deshalb gibt es die Note 2!

Politik: Ungenügend.

Die alten Fragen, die alten Antworten, die gleichen langweiligen Parteien, das alte Gezeter über immer dasselbe, die völlige Bewegungslosigkeit von allem – 2010 war furchtbar. Politik hat nicht stattgefunden, man täte gut daran, auch die trotzdem generierten Meldungen darüber zu ignorieren und ein Buch zu lesen. Wikileaks, wenn ich das schon höre. Nur unverbesserliche Langweiler wenden sich heute noch der Politik zu, coole Leute sind bestenfalls Soziologinnen oder Soldatinnen.

Und eins noch, wo wir dabei sind: Wenn noch einer mehr von Euch scheiß Sozialarbeiter wird, kotz ich. Ehrlich.

Das war das letzte, was es hier zu irgendwelchen politischen Themen zu lesen gegeben hat. Für immer. Ich schwöre.

Kunst: Ausreichend

2010 hatte gute und schlechte Kunst zu bieten. Schon lange wollte ich hier einen umfassenden Überblick über gute Filme und Serien geben, heute tue ich es wieder nicht.

2010 ist “Lost” zuende gegangen, zum Glück. Nachdem es fünf Staffeln lang von sehr hohem Niveau ausgehend bergab gegangen war, war das Ende wieder erträglich und gleichzeitig so unbefriedigend, wie man das seit Jahren erwarten musste.

2010 hatte auch eine fünfte Staffel “Dexter” zu bieten, die eine ehemals großartige Serie ebenfalls endgültig in die Grütze gefahren hat. Dafür gesorgt hat man mit strunzdummen Subplots mit hirnlosen Nebencharakteren. Auch ohne diese Fehler hätte die Serie eine Verjüngung gebraucht, ein neues Setting für ein paar Folgen, einen neuen Ansatz.

2010 ging auch “Mad Men” weiter, eine nahezu perfekt umgesetzte Serie, die Ihr gesehen haben solltet. Die vierte Staffel war sicher nicht die beste, aber das macht nichts.

An der Filmfront gibt es nicht viel zu vermelden – das Internet hat meine Konzentrationsfähigkeit ruiniert und ich kann nur noch Serien gucken. Als ich dachte, dass ich für “Inception” mal ins Kino gehen müsste, hatte ich mich geirrt. Nicht. Gucken. Boah.

Buchkunst gab es auch, ich würde da Jonathan Franzen empfehlen, aber weil Ihr ja alle “Die Korrekturen” noch nicht gelesen habt, lest doch erstmal das. Für “Freiheit” bekommt 2010 die befriedigende Note, das hat Spaß gemacht.

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Das ist ja alles schön und gut, aber wann gibts denn mal wieder richtige Beiträge auf verbrochenes.net? Nicht nur dieses selbstbezogene belanglose Gelaber? Eine gute Frage, auf die folgende Antworten möglich sind:

1. Wenn Joinsen vom Einsatz auf der Bohrinsel zurück ist.

2. Wenn die Jerusalemer Straßenbahn ihren Dienst aufnimmt.

3. Wenn wir genug Geld und Freizeit haben.

4. Wenn ich mich für ein neues Thema begeistern kann.

5. Wenn Ihr nett fragt.

Zuletzt möchte ich noch meine Mama grüßen. Und den Preis für den skurrilsten Ort der Welt vergeben: Er geht an das “Guesthouse Jenin”, ein von einem neokolonialistischen Regime aus der deutschen Linken besetztes Haus, das mitten in Jenin steht, einer ehemaligen Hochburg des islamischen Terrors, und von der deutschen Regierung finanziert wird. Wie gesagt, wenn Ihr nett fragt…

Nazareth

Wer Tel Aviv verlassen möchte, muss mit einiger Wahrscheinlichkeit den zentralen Busbahnhof aufsuchen. Das ist praktisch für Tel Aviv, weil es wahrscheinlich einige tausend Menschen im Jahr davon abhält, die Stadt zu verlassen. Der Busbahnhofsmonsterbau war der weltweit grösste seiner Art und versprueht den Charme eines rumänischen Einkaufszentrums. Man kann lange staunend darin auf und ab laufen und die unglaubliche Hässlichkeit schliesslich nur noch bewundern. Abseits der schäbigen kleinen Shops, die den grössten Teil des Gebäudes belegen, fahren hier aber auch noch Busse in alle Richtungen ab. Fuer 10 Euro kommt man eigentlich überall hin, das Land ist klein und der Bus das gängige Verkehrsmittel.

Der Weg in den Norden fuehrt durch die Sharon-Ebene, den fruchtbarsten und deshalb am dichtesten besiedelten Teil Israels. Bald wird es huegelig, die Siedlungen werden kleiner und seltener, was die Landschaft gleichzeitig schoener macht. Man kann den Pioniersgeist erahnen, mit dem viele der Kleinstaedte einst auf die Huegel gesetzt wurden, elektrifiziert und ausgebaut wurden, bis schliesslich so etwas wie europaeische Standards eingekehrt sind, wo vorher nur Sand oder Sumpf war. Und dadurch, dass sie auf Hügeln liegen, springen sie ins Auge, anders als in der norddeutschen Tiefebene.

Bei meiner Fahrt wurde mir bald klar, dass ich nicht merken wuerde, wann wir wohl in Nazareth angekommen waeren, der Bus hielt an den Hauptstrassen und die Beschilderung half mir nicht weiter. Mir blieb also nichts anderes übrig, als mit den Eingeborenen zu kommunizieren. Ein junger Soldat gewann schnell mein Herz, indem er sich mir annahm. Er empfahl mir den besten Imbiss (der sich allerdings als geschlossen herausgestellt hat), wies mir den Weg und warb noch ein bisschen dafuer, doch besser im juedischen Teil der Stadt nach einem Quartier zu suchen. Ich aber war schon festgelegt und spazierte schliesslich den Berg hinauf in die Altstadt.

Nazareth ist die “Hauptstadt der arabischen Israelis”, der groesste Teil der Stadt wird von Arabern bewohnt, christlichen wie moslemischen, auf dem oestlichen Huegel daneben steht ein juedisches Wohnviertel. Oben drauf thront das Gerichtsgebaeude, das durch Lage und Architektur den Anspruch des Staates beeindruckend deutlich macht. Gegenueber, in der Altstadt, liegt das erste richtige Hostel der Stadt, das Fauzi Azar Inn, in dem ich mich aufhalte. Das Gebaeude ist wunderschoen, das Hostel auch, und deshalb bin ich nun schon ein bisschen laenger hier als geplant. Die Altstadt von Nazareth ist genau so, wie man sich eine arabische alte Stadt vorstellt, baulich mit den engen Gassen und dem hellen Stein durchaus mit Jerusalem zu vergleichen, aber laengst nicht so gut restauriert, dafuer von echten Menschen bewohnt, mit echten Geschaeften, in denen die Einwohner der Stadt und nicht in erster Linie die Touristen einkaufen. Wenn man gerade von einem laengeren Aufenthalt in Tel Aviv kommt, ist die Ruhe geradezu himmlisch, ebenso wie die Luft und auf was man sonst noch so Wert legt im Alter.

Himmlisch – diese miese, falsche Ueberleitung sei gestattet – geht es natuerlich auch im Rest von Christussens Heimatstadt zu. Die größte Kirche im Nahen Osten steht hier, über der Grotte, in der der Erzengel Gabriel angeblich der Jungfrau Maria erschien und behauptete, sie werde den Sohn Gottes auf die Welt bringen. Das ist, obwohl Jesus hier auch seine ganze Jugend verbracht hat, anscheinend das wichtigste Ereignis in der christlichen Geschichte Nazareths. Die dazugehörige Kirche wurde erst in den Fünfzigern aus Beton gebaut, ist von innen dementsprechend hässlich und wurde angeblich zu einem guten Teil von Frank Sinatra bezahlt, was nun auch nicht jede Kirche von sich behaupten kann. Wobei Kirchen in der Regel gar nichts über sich selbst behaupten, aber ein bisschen Metaphernversagen hier und da, das finde ich schön. Schön ist auch, dass ich eben auf die Idee kam, den Computer auf deutsche Tastatur umzustellen, Ihr werdet es gemerkt haben. Über der Grotte standen zuvor viele andere Kirchen, die mit schöner Regelmäßigkeit wieder zerstört wurde, der Nahe Osten war schon immer eine harte Wohngegend.

Neben der Kirche gibt es ein Kloster, daneben eine weitere Kirche, die auf Ausgrabungen aus der Zeit Jesu steht, von denen man irgendwann angefangen hat zu behaupten, es handle sich um Josephs Werkstatt. Es gibt hier viele Ausgrabungen, die die Besiedlung zur fraglichen Zeit belegen, die Behauptungen allerdings, die daraus schließlich christliche Wallfahrtsorte gemacht haben, sind meist eher fragwuerdig. Wobei es meistens fragwürdig ist, wenn jemand behauptet, einer Frau sei ein Engel erschienen und ein paar Monate später habe sie den Sohn Gottes geboren. Ich sehe das kritisch, klar.

Gestern kam eine große Gruppe von französischen Pilgern an, putzige Leute, wie soviele Christen stets beseelt und liebenswert. Ebenso wie ein Kanadier, geboren in Ägypten, der sämtliche hier gesprochenen Sprachen spricht, Arabisch, Englisch, Deutsch, Französisch und wer weiß was noch. Mit ihm und einer in Seattle ansäßigen Britin saß ich gestern auf dem Balkon und unterhielt mich etwa zwei Stunden sehr gut über Gott und die Welt, bis ich nach ihren Berichten über die Situation in der Westbank anmerkte, dass es Gründe für Zäune und Checkpoints gibt. Das war für die dahin wirklich nette Frau offenbar schon zuviel, und dann brach sich der blanke Hass ein Bahn. Sie fiel mir sofort ins Wort, und auf meinen Einwand, dass die Selbstmordattentate tatsächlich stattgefunden hätten, rotzte sie mir verächtlich hin, dass mehr Israelis an Erdnussallergie gestorben seien als durch Terroranschläge. Nun, da fehlen einem die Worte. Anmerkungen, dass das pointless sei, wischte sie beiseite. Sie war inzwischen wirklich wütend und beschied mir in der Folge, dass ich nicht in Tel Aviv auf meinem Arsch sitzen solle – wir befinden uns in Nazareth – sondern in die Gebiete fahren und mit den Leuten sprechen. Als ob also das Elend der Palästinenser aufzurechnen sei gegen die Opfer von Selbstmordattentaten. In dem Allergievergleich steckt gleichzeitig, dass sich in die Luft sprengende Araber einfach hinzunehmen sind: Manchen machen Erdnüsse krank, und manchen sprengt ein Araber in die Luft – da kann man nichts machen, tja.
Nachdem sie mir nahezu schreiend vorgehalten hat, ich müsse da mal hinfahren, sage ich nichts mehr und wende mich schließlich wieder dem Kanadier und einer französischen Krankenschwester zu, die uns dann passenderweise fragt, wie denn die israelische Position sei, mit einem Palästinenser habe sie schon gesprochen. Ich lege das gerne und nervös dar, benutze eine Formulierung wie “die Palästinenser wollten…”, da fällt mir von hinten die schon einpackende Britin ins Wort: Die Palästinenser wollen Freiheit! Gaza sei ein Konzentrationslager, und, unvermeidlich: Die Juden hätten aus Warschau nichts gelernt. Mir bleibt nur noch der Hinweis, dass sie keine Ahnung habe, was ein Konzentrationslager ist, da rauscht sie davon.

Es fällt schwer, mit diesem Hass umzugehen. Dabei habe ich das alles schon oft gelesen, darüber geschrieben, das waren keine neuen Positionen. Und doch schockiert es, wenn einem nach einem längeren lockeren Gespräch auf einmal so etwas entgegenschlägt, natürlich frei von jedem Wissen, dafür mit viel Selbstbewusstsein. Dabei glaubt sie mit ganzem Herzen, was sie sagt. Sie spielt die Humanistin nicht nur, sie hält sich selbst für eine, wenn sie das Leid der Palästinenser beklagt, die unter Checkpoints leiden. Gleichzeitig begegnet sie der Tatsache, dass Israelis in diesem Konflikt sterben, mit Schulterzucken. Es ist ihr bestenfalls egal. Geschichte zählt nicht, von Warschau und Auschwitz und Treblinka weiß sie nichts, es interessiert sie auch nicht. Was sie interessiert, und das ist eine entlarvende Bemerkung, sind ihre Steuergelder. Sie arbeitet in Amerika und übertreibt, dass “jeder Steuer-Dollar”, den sie bezahlt, an “those fuckers” gehe. Wenn es ein paar Cent sind, die jeder Amerikaner anteilig nach Israel schickt, würde mich das schon wundern, aber der Antisemitin ist wirklich gar kein Argument zu schade, um sich selbst endlich persönlich in den Konflikt zu befördern, damit sie auch unter den Juden leiden kann.

Ich brauchte Stunden, um einzuschlafen. Jetzt gerade ruft mich der Kanadier nach draußen: Der Mond geht hinter den Hügeln der Stadt auf, was für ein Anblick. Die Franzosen bevölkern das Haus, ich gehe nach draußen, etwas essen, ohne das hier vorher Korrektur zu lesen. Morgen fahre ich nach Tiberias.

verbrochenes.net, das Fachmagazin für humanistische Katastrophen, nimmt verspätet Stellung zu Gaza-Guido und seinem mutigen Besuch in Hamastan. Soweit uns bekannt ist, ist er der erste Außenminister, der einen aktuellen Kriegsgegner eines befreundeten Staates besucht und ihm logistische Hilfe verspricht. Auch die Logik des deutschen Heilsbringers ist bestechend: Wenn man für wirtschaftlichen Aufschwung sorgt, festigt man nicht etwa das Regime, sondern schwächt es. Die Redaktion schätzt, dass der Zweite Weltkrieg schon 1940 hätte beendet werden können, wenn die Briten den Deutschen ein paar schöne Klärwerke gebaut und die deutsche Industrie gefördert hätten. Doch leider musste erst ein Politiker von Westentaschenformat kommen, um diese Taktik zu entwickeln. Spannend daran ist auch, dass die westliche Welt ein paar Kilometer weiter östlich eine gegenteilige Strategie verfolgt: Beim Iran geht man davon aus, dass wirtschaftliche Sanktionen weiterhelfen würden, die Regierung auf Linie zu bringen.

Die Wahrheit ist natürlich, dass Guido Westerwelle sich nicht dafür interessiert, wie man die Hamas schwächen könnte. Dem eitlen Geck geht das Herz auf, wenn er als Gönner durch die Mädchenschulen laufen kann. Dabei sind die Palästinensergebiete einzigartig, was ihr Angebot an westliche Politiker angeht. Denn während ein Spaziergang mit hungrigen Afrikanerkindern nur eine herzerwärmend gute Tat ist, ist dieselbe Veranstaltung im Gaza-Streifen eine gute Tat und ein weithin beachteter Akt der internationalen Diplomatie noch dazu, ein Spaziergang auf der großen internationalen Bühne. Westerwelle hat sich den langersehnten Platz an der Sonne gesichert, indem er vorgegeben hat, den vermeintlichen Opfern der Juden zu helfen und sich dazu unter den Schutz der antisemitischen Mörder begeben hat. So betreibt die deutsche Regierung das Geschäft der Palästinenser, unterstützt deren absurde Forderungen und legitimiert Schritt für Schritt den “Widerstand” gegen israelische Zivilisten. Immerhin hat Westerwelle als deutscher Klärwerksbeauftragter noch einmal daran erinnert, was die Welt einmal von der Hamas gefordert hat, nämlich die Anerkennung Israels, den Verzicht auf Gewalt und die Anerkennung bestehender Verträge zwischen Palästinensern und Israel. Davon, dass er die Forderung ausspricht, wird sie aber natürlich nicht erfüllt. Und wer auf die Nichterfüllung seiner Forderungen mit großzügiger Entwicklungshilfe antwortet, der wird bald nicht mehr ernst genommen. Insofern sind sich BRD und Hamas einig, weil sie sich gegenseitig nicht ernst nehmen. Das wäre anders, würden die Islamisten Guidos Wählerschaft mit Raketen beschießen, aber soweit ist es noch nicht. Und bis es soweit ist, glauben die Deutschen, dass die Scheiße aus Gazas Abwasser zu fischen ein probates Mittel ist, um mittelfristig den Krieg der Palästinenser gegen Israel zu beenden. Man muss ihnen ob der Originalität fast Respekt zollen.

Derweil wird an der Heimatfront erfolgreich daran gearbeitet, das Bild vom Juden als Täter salonfähig zu machen. Alfred Grosser, bekennender Israel-Hasser, sprach am 9.11. anlässlich des Gedenkens an die Novemberpogrome 1938 in der Frankfurter Paulskirche. Dabei gab es im Vorfeld viel Aufregung und die Befürchtung, Grosser könnte erneut gegen Israel austeilen. Aber was dann geschah, war viel perfider und in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen.

Die FR fasst zusammen:

„Auschwitz ist die Grundlage dafür, dass man an den Anderen denkt. Unsere Werte sind Werte für alle. Israel gehört zu unserem Westen.“ Deswegen müsse man Israel auch wegen der Palästina-Politik kritisieren, sonst mache sich der Westen mit dem Anspruch der Universalität der Menschenrechte in der Welt unglaubwürdig: „Wir können Grundwerte nur wollen, wenn wir sie nicht verletzen“

Und bei tagesschau.de:

Man könne von keinem Palästinenser verlangen, “dass er die Schrecken der Attentate versteht, wenn man nicht ein großes Mitgefühl hat, die Leiden im Gazastreifen zu verstehen”.

Und wenn man sich jetzt fragt, warum Palästinenser das Grauen eines Selbstmordattentates nicht verstehen können sollten, und was mein Mitgefühl mit Gaza damit zu tun haben soll, was ein Palästinenser versteht oder nicht – dann ist man Grosser längst auf den Leim gegangen.

Der Nazi-Mob von 38 hat mit dem Leid der Palästinenser soviel zu tun wie meine Oma mit dem Toten Meer. Wenn am 9. November in einer deutschen Bürgergesellschaft vom Leid der Palästinenser gesprochen wird, dann ist das nichts anderes als eine durch und durch antisemitische Attacke. Die Juden als Täter darzustellen ist Grossers Ziel, und das deutsche Publikum fällt vor Dankbarkeit auf die Knie, indem es sich zu Standing Ovations erhebt. Man schert sich nicht um das Leid der Palästinenser, denn es geht, wie das Datum bezeugt, hier um die Juden. Man ist in Deutschland fertig damit, sich der Juden als Opfer der Deutschen zu erinnern, und jetzt wird zum politischen und diskursiven Angriff geblasen. Als Rechtfertigung kommen die Palästinenser gerade recht, und die Argumentation selbst könnte verlogener kaum sein. Grosser hält ausgerechnet den Universalismus und die Menschenrechte hoch, um mit ihnen gegen Israel und für die Palästinenser zu kämpfen. Im Namen des Universalismus gesteht er den Palästinensern zu, dass sie die Schrecken der Attentate nicht verstehen müssten. Die so – mal wieder – entmündigten Wilden gehören nicht zu Grossers Universum, und so fordert er sein Publikum zur Solidarität mit den Opfern der Juden auf. Und das 72 Jahre, nachdem die deutsche Straße sich gewehrt hat – gewehrt gegen das jüdische Kapital, das zuvor so lange die deutsche Arbeiterschaft hatte leiden lassen. Nächstes Jahr fordert dann vielleicht jemand am gleichen Ort zur gleichen Zeit ein großes Mitgefühl mit den Mitarbeitern von Karstadt, die bis dahin möglicherweise auf der Straße sitzen. Schließlich gälte es dann, “soziale Unruhen” zu verhindern, wie es sie schon am 9. November 1938 gab. Denn da ist man sich einig: Man muss den Anfängen wehren.

Vielleicht erleben wir das nächste Kapitel aber auch schon am 27. Januar. Dann wird der Befreiung von Auschwitz gedacht, und es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich den Spin vorzustellen, mit dem dann wieder über das Leid der Palästinenser gesprochen werden könnte.

Links:

Andreas Moser

Juedische.at – Ein Teilnehmer berichtet . Henryk M. Broder antwortet

Lizas Welt im Vorfeld

Wegen der besseren Lesbarkeit will ich gerne in Zukunft ohne Links im Text auskommen, was hält die Leserschaft davon?

Der Berliner Rapper Oliver Harris, dessen Nachname schon in der ersten Ermangelung von Kreativität sein Künstlerpseudonym wurde, hat einen Musiktrack über Deutschland und diese ganze Scheisse gemacht:

Harris Nur ein Augenblick

Wer nun erwartet, von einem, der einmal den selbst ernannten Berlin fickt euch in den Arsch-Style repräsentierte und von Gras, Becks und Zärtlichkeit träumte – was nicht viel, aber immerhin mehr als der ganz normale deutsche Mief ist – würde man auch nur ein schlechtes Wort über dieses, über sein Land hören, der hat sich getäuscht. Harris macht lieber gleich von Anfang an klar, wer sein Zielpublikum ist:

Du bist jung, schwarze Haare, braune Augen, dunkle Haut

Menschen mit Migrationshintergrund, die über einen anderen Phänotyp verfügen, brauchen also gar nicht erst hinhören, wenn der gebürtige Kreuzberger etwas über Integrationswillen und dieses Deutschland erzählt. Getragen von einem düsteren, unheilvollen Beat kriegen alle, die es ertragen können, nun fast 5 Minuten lang feinste Ideologie von jemandem ins Gehör gedrückt, der dafür auch von irgendeinem CSU-Kreisverband bezahlt worden sein könnte. Während Harris sich – wie bedeutungsvoll – seinen Weg durch eine Fanmeile bahnt, umringt von hunderten Feierdeutschen und den obligatorischen Migrantenkids mit schwarz-rot-gold auf den Wangen, kommt er direkt zum Punkt: Dir gefällts hier nicht? Dann zieh doch einfach wieder dahin, wo du herkommst!

Wieso wohnst du in diesem Land / über zehn Jahre / vielleicht länger / und sprichst trotzdem nicht die deutsche Sprache? / Du sagst Deutsche sind scheisse / deutsche Frauen sind Dreck / Tu Deutschland bitte einen Gefallen und zieh weg / Dieses Land braucht keine Menschen, die hier nicht sein wollen

Falls doch noch Orientierungsprobleme bei den Auszuweisenden auftauchen, Harris hat die Antwort direkt, denn er zeigt den Deutschlandhassern gerne auch den Weg zum Airport (und, wer sich ein bisschen mit Berliner Musik um die Jahrtausendwende auskennt, wird vielleicht denken: Vielleicht beendet Taktlo$$ dort dann wenigstens den Höhenflug von Harris.), denn der Volkskörper, zu dessen sich geborgen fühlendem Teil Harris selbst genauso geworden ist wie sein Hamburger Kollege Samy Deluxe, der braucht so einen Menschenschlag nicht: Unproduktiv, integrationsunwillig, ja, am Besten noch kriminell – aber bitte nicht hier.

Wie problemlos solch ideologischer Beton angerührt werden kann, wenn man nur lange genug die Schleuder dreht, das sieht man an derlei Beispielen am Allerbesten: Ein paar Fussball-WMs und Integrationsdebatten in Talkshows reichen vollkommen aus, und wenn dann noch ein  Ausländer endlich mal das sagt, was sowieso schon fast alle denken, ist die Szenerie perfekt: Mit ein bisschen Fähigkeit zur theatralischen Inszenierung kriegt man noch die bescheuertesten Meinungen im gesamtgesellschaftlichen Diskurs platziert, und wer eignet sich da besser als jemand, der so aussieht, als wäre er gar nicht das, was er ist – nämlich ein Deutscher? Es ist, als hätte sich Kristina Schröder in der jüngst von ihr angestoßenen Pseudodebatte um Deutschenfeindlichkeit Schützenhilfe erbeten, und Harris griff sofort zu Stift und Papier – Gras und Becks erstmal zur Seite, denn jetzt wirds ernst, wird er sich gedacht haben – um Zeilen wie diese aufzuschreiben:

Du kannst aber hier nicht leben / und alles schlecht reden / und denken dass man dann auch noch nett ist zu dir / vor allem wenn du die Deutschen nicht respektierst

Man bekommt den Eindruck, der zu sich selbst gekommene Harris steigere sich hier langsam in einen Rausch, denn wie anders ist es zu erklären, dass er unter völliger Missachtung des ohnehin nur sehr rudimentär vorhandenen Reimschemas dann auch noch zu folgender Feststellung gelangt – der Ekelschauer ist jedem Zuhörer, der sein kritisches Bewusstsein noch nicht völlig verabschiedet hat, sicher:

Ich weiss es klingt verrückt / ich bin stolz, Deutscher zu sein / bin Patriot und hab ne gute Portion Nationalbewusstsein>

Hätte ein böswilliger Zyniker bessere Figuren schaffen können als jene, die in den letzten Monaten zur Ehrenrettung des deutschen Nationalgefühls herangezogen wurden? Libanesen mit übergroßen Schland-Fahnen mitten in Neukölln, Jogi Löw und jetzt eben Harris. Vorbei sind die Zeiten, wo immerhin noch gut gemeinte, wenn auch nutzlose Musik ala Adriano produziert wurde, denn Nazis gibts hier eh nicht (mehr). Und falls doch, liebe Opfer rassistischer Gewalt: Es ist nur ein Augenblick. Wirklich.

Eigentlich verkaufen die swb den Bremern Strom. Weil der aber ziemlich teuer ist, geben sie nebenbei auch reichlich Geld für Werbung und für ein Kundenzentrum aus, in dem sich dann schöne Veranstaltungen machen lassen. Dazu gehört auch das sogenannte “Hörkino”, bei dem man zum Radiohören endlich wieder aus dem Haus gehen muss. Und während im Dezember schon das Thema “Speed-Dating” Gegenstand einer ausführlichen Reportage wird, geht es im November noch bedeutsamer zu. Da geht es um “zwei Welten, zwei Wirklichkeiten”, um “ein Wintermärchen” und die Fragen “Was ist Lüge?” und “Was ist Wahrheit?”.

Aber halt, kann denn so ein transzendentales Thema wirklich die stromverbrauchenden Massen ins Kundenzentrum ziehen, ist das nicht etwas zu philosophisch?

Nein! Denn auf die ganz großen Fragen kommen deutsche Redakteure schließlich erst bei einem Thema, das als Publikumsschlager bekannt ist. Man ahnt es bereits, es geht hier um Israel und Palästina, und darum, wie man mit ganz großen Worten erst einmal gar nichts sagt. Da wird gemutmaßt, ob “beide Völker in einer Glasglocke” leben, nicht wie echte Europäer in der echten Welt und ohne Dach. Da wird rhetorisch gefragt, ob “der Frieden überhaupt erwünscht” ist, und wir kennen die Antwort, weil wir die für das Rührstück Verantwortliche kennen. Die macht sich, wie bei diesen Anlässen üblich, mit ihrer Identität wichtig: Ruth Fruchtman möchte als “jüdische Europäerin” verstanden werden.

Zwischen zwei Welten, zwei Wirklichkeiten, kaum zwanzig Kilometer voneinander entfernt, wird die Autorin als jüdische Europäerin zerrieben. Auch deshalb ein Wintermärchen.

Wenn letztere Phrase ein ganzer Satz wäre, könnte man vielleicht erahnen, was das Wintermärchen ausmacht und ob Heine sich angesichts des äußerst schlechten Ausdrucks von Frau Fruchtman wohl im Grabe umdreht. So bleibt nur zu sehen, dass der identitäre Quatsch dem Israelkritiker so wichtig ist wie seine jüdischen Freunde – man ist entweder “gerade als Deutscher” oder “besonders als Muslim”, “ich als Frau” oder eben als jüdische Europäerin, Linkshänderin, Raucherin oder als Migrant ganz besonders befähigt und betroffen.

Was Ruthie nun erlebt hat, verrät die Ankündigung nicht einmal ansatzweise. Man kann sich aber ungefähr ausrechnen, welchen Spin sie der ganzen Story gegeben hat, wenn man weiß, dass sie die “Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost” mitgegründet hat, und nachdem man ihren offenen Brief an Lala Süskind gelesen hat. Die Frau, die sich als “freie Journalistin” und als “Autorin” ausgibt, obwohl sie zumindest im Internet kaum publizistische Spuren hinterlassen hat, kann keinen Satz geradeaus schreiben. Das hindert sie aber nicht daran, als selbsternannte Stimme der Moral die altbekannten Anwürfe gegen Israel und – damals aktuell – gegen die Jüdische Gemeinde Berlin zu artikulieren.

Schon an wenigen Beispielen aus ihrem Text lässt sich ermessen, was Fruchtman umtreibt. Dankbarer Gegner ist dabei einmal mehr der zweifellos widerliche Avigdor Lieberman:

Keine Erwähnung der Sprache des israelischen Außenministers, Avigdor Lieberman; seiner in der Öffentlichkeit geäußerten Drohung, Palästinenser mit israelischer Staatsbürgerschaft und Knesset Abgeordnete, hinrichten zu lassen.

Nur dumm, dass der damals nicht Außenminister, sondern einfacher Abgeordneter war, und dass er seiner Hoffnung Ausdruck verliehen hat, es möge so kommen, nicht aber damit gedroht hat. Wie sollte er auch drohen, wenn jeder weiß, dass er nicht in der Position dazu ist. Übrigens ging es um Abgeordnete, die Kontakt zur Hamas haben. Wenn Fruchtman also hier einen drohenden Außenminister beschreibt, wo tatsächlich ein hetzender Abgeordneter stand, ist das mindestens ein gefälschtes Zitat.

Mehrfach scheitert Fruchtman an der Zeichensetzung:

Demnach bestreitet sie [Iris Hefets] nicht die Existenz des Staates – nach Ihrem Informationsblatt: Arbeitsdefinition „Antisemitismus“ freundlicherweise zur Klärung auf den Sitzplätzen ausgelegt – einer der Punkte, der einen zum Antisemiten macht.

Dabei ist es fast lustig zu lesen, dass Fruchtman offenbar tatsächlich das Bestreiten von Israels Existenz und nicht etwa dessen Existenzrechts für problematisch und diskutabel hält. Mit solchen Leuten kann man auch über die Existenz des Mondes streiten; zumindest aber der Mondlandung.

Vielleicht ist es müßig, sich mit dem sprachlichen Unvermögen der Israelkritikerinnen auseinanderzusetzen, aber bitte, man darf das nicht ignorieren.

Es ist schade, daß Henryk Broder und Prof. Micha Brumlik, der sich auch den Ausdruck „Jüdischer Antisemit“ zu eigen macht, offenbar die jüdische Diskussionskultur in Deutschland – sehr zu deren Ungunsten – beherrschen.

Zu wessen Ungunsten? Der Juden offenbar, aber wieso schreibt sie das bloß nicht? Sie selbst lehnt den Begriff vom jüdischen Antisemitismus “kategorisch ab” und immunisiert sich so selbst. Denn sie möchte gerne alles mögliche behaupten können, ohne dafür kritisiert zu werden, in ihren Worten: “diffamiert zu werden.”

Dann schlägt sie in dieselbe Kerbe wie Iris Hefets. Mit der Erinnerung an den Holocaust muss Schluss sein. Israels Kritiker müssen den Massenmord an den Juden erst entsorgen, damit sie anschließend die Verteidigung des Staates als unnötig herausstellen können. Dabei will Fruchtman die Erinnerung noch zulassen, nur Konsequenzen sollen bitte keine gezogen werden:

Nur ist die Heilige Kuh, der Holocaustkult, etwas angekratzt. Als Jüdin befürworte ich selbstverständlich das Erinnern an den Holocaust, jedoch weder dessen Sakralisierung noch dessen Instrumentalisierung; beide sind Mißbrauch. Auch der jüdische Soziologe Zygmunt Bauman warnt vor einer Sakralisierung des Holocaust.

Im letzten Satz wird es geradewegs grotesk: Die jüdische Fruchtman sucht sich einen Kronzeugen, den sie wiederum explizit als jüdisch ausweisen muss, damit ihre gemeinsame Position gestärkt wird. Es ist also nicht den Nicht-Juden vorbehalten, auf das Jüdischsein einiger ihrer besten Freunde zu verweisen.

Während Ruth Fruchtman politisch auch von allen guten Geistern verlassen sein mag, kann sie privat ein toller Mensch sein. Allerdings kommt man ins Zweifeln, wenn sie Sätze wie diesen über die Freundschaft sagt:

Besteht wahre Freundschaft nicht vielmehr aus sachlicher Kritik als aus einer unverbindlichen Jasagerei?

Was sind das für Menschen, für die sachliche Kritik die Kerneigenschaft von Freundschaft ist? Wie darf man sich ein Gespräch unter Freunden da vorstellen?

Man darf davon ausgehen, dass die swb einen Abend der Israelkritik veranstalten und bezahlen und eine bisher kaum gelesene ältere Dame, die gerne Journalistin wäre, damit ein Stück salonfähiger machen. Das ist, wie JP Hein richtig anmerkt, ein kleines Ärgernis. Hein weiter: “Dass der “Rundfunk Berlin-Brandenburg” ein Stück der Aktivistin Fruchtman ins Programm nimmt und sie damit zur Journalistin macht, ist ein großes Ärgernis.”

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