Woanders ist auch schön.
Kürzlich meldete die Bremer Linkspartei verstört, dass es “nun auch in Bremen” einen “antideutschen Spuk” gebe. Anlass war offenkundig, dass die eigenen antisemitischen Veranstaltungen von “fanatischen Pro-Israel-Kämpfern” besucht wurden, die sich dann an den Diskussionen beteiligten und für schlechte Laune sorgten.
Gestern nun erreichte uns eine eMail, in der die sofortige Veröffentlichung der folgenden Proklamation verlangt wurde. Das war zwar frech, aber wer auf den Seiten der Linkspartei als “antideutscher Spuk”, als “Avantgarde dieser fanatischen Pro-Israel-Kämpfer”, die “im Hinter- und Untergrund arbeitet”, bezeichnet wird, der darf hier natürlich gerne veröffentlichen. Zum besseren Verständnis empfiehlt sich auf jeden Fall die vorherige Lektüre des oben angeführten Links. Dass Antideutsche so schreiben, wie sie schreiben – dafür kann die Redaktion jetzt auch nichts.
Antideutsche Avantgarde, schon 3 1/2 Wochen
Tja, lieber Bonde, da wirst du jetzt große Augen machen: ganz gegen den aktuellen Trend hat sich in unserem Bundesländchen eine „Antideutsche Avantgarde“ etablieren können, und das nicht erst seit gestern.
Vom Fachverband für die anti-anti-, also deutsche Frage, genannt „Die Linke in Bremen“, im Vorfeld des „Mavi Marmara“-Zwischenfalls am 28. Mai offiziell enttarnt und unter Zuhilfenahme gefaketer Expertise schonungslos etikettiert bilden diese „Freunde Israels“ anscheinend das letzte Bollwerk, das der erträumten „gerechten Aufteilung des Landes“ noch im Wege steht. „Viele linke Gruppen“ distanzierten sich angeblich schon dankend. Falls daran auch nur ein Wort wahr sein sollte wird blanker Neid in dem einen oder anderen Fall die nicht eben geringste Rolle gespielt haben. Und Verbrochenes.net sehe ich gleich schon mit auf der Liste.
Du kannst hier ja so ein bißchen antideutscheln, so gut das eben gelingt, oder Passivfußball spielen mit deinen Freunden, alles ein Tun. Antideutsche Avantgarde geht anders. Am besten geht die nämlich immer noch praktisch wie von selbst. „Anti-deutsch“ – das will ja kein angestrengtes Wollen, bemühtes Wirken, tiefes Fühlen und Drängen vorstellen, sondern gerade ganz das Gegenteil. Die antideutsche Avantgardestellung ergibt sich demnach auch völlig unerwartet – oder eben gar nicht. Selbst ein Weblog wäre dabei nur hinderlich, und falls das jetzt zufällig ein Englisch-Zweitsprachler lesen sollte, wird er den Kalauer hoffentlich genießen, den ich mir darauf erlaube, dass ich mir so etwas auch gar nicht erst virtuell ans Bein binde.
Wie also ist es den Fanatikern unter den Pro-Israel-Kämpfern gelungen, sich so souverän durchzusetzen? Ich muss ein bisschen ausholen:
Als im alten Jahr der Winter seinen harschen Einzug hielt und der avantgardistische AD-Troll vorerst nur schlummerte und schnarchte, verkündete die kulturelle Parteilinke im Lande mit großem Tam-Tam, aber ohne besonderes Aufsehen die Gründung einer sog. „Kulturredaktion“. Diese würde nach eigenem Bekunden gerne „das Politische in der Kultur aufspüren und den regionalen Aspekt betonen“ bzw. „eine Informations- und Diskussionsplattform für das linke Spektrum in Bremen und umzu bieten“, wobei umzu und der regionale Aspekt in diesem Fall mindestens bis zum Jordan und auf den Golan reichen, der Aspekt Information und Diskussion hingegen nicht allzu hoch bewertet werden sollte.
Die Redaktion hat man sich auch nicht etwa als Verlautbarungsorgan der Partei Die Linke vorzustellen, die Stellungnahmen zu deren Veröffentlichungen bisher lieber vermied, sondern eher als eine Art zufällige Mitbewohnerin auf ein und derselben Internetadresse, die darüber hinaus ihren Autoren freie Hand lässt, ihr Geschreibsel ganz in eigener Verantwortung zu verbreiten. So versicherte es mir jedenfalls Sönke Hundt, der sich trotzdem irgendwie dafür zuständig zu fühlen scheint, auf Nachfrage. Und tatsächlich erschließt sich diese Politik ja vielfach schon durch einen Blick auf die Resultate, außer schwerwiegend Wahrnehmungsgestörten wie mir, versteht sich, denen ihre Umwelt ohnehin nur noch „komplett antisemitisch“ erscheint.
Als besonders verlässliches Trüffelschwein zur Aufspürung des Politischen in der Kultur wie auch für die zunehmende Regionalisierung eines altbekannten Konflikts erweist sich regelmäßig ein Arn Strohmeyer, der grundsätzlich nur noch als „der Bremer Journalist Arn Strohmeyer, der früher beim Weser-Kurier und den Bremer Nachrichten gearbeitet hat“ bezeichnet werden sollte, weil sonst kein durchschnittlich vernunftbegabter Mensch von selbst darauf käme. Die geistige Kapazität dieser Koryphäe im besonderen wie der „Kulturredaktion“ im allgemeinen erschließt sich am eingängigsten über ihren jüngsten gemeinsamen Geniestreich: die irre Behauptung, das Transparent, das den bärtigen Schlachterjuden zeigt, wie er den sympathischen Gaza-Hilfsdelfin auf den Haken nimmt, schächtet und ausbluten lässt, wäre auf der Demo am 5. Juni „von den meisten Teilnehmern vermutlich überhaupt nicht wahrgenommen worden“, mit dem Foto des Autors als Redner vor eben diesem Transparent zu illustrieren.
Strohmeyer legte in den vergangenen Monaten ein ganz erstaunliches Talent an den Tag, jedes Mal zugegen zu sein, wenn das Bremer Netzwerk für einen gerechten Frieden im Nahen Osten und andere Allmachtsphantasien und die „verschiedenen Friedens- und Nahostgruppen“, in denen er sich sonst noch tummelt, wieder mal einen „zumeist jüdischen oder israelischen Referenten“ aufgetrieben hatten, der ihnen erzählen sollte, dass die Juden in Israel eine „Holocaustreligion“ praktizieren bzw. dass dort seit nunmehr schon über 35 Jahren die Machtergreifung der jüdischen Nazis unmittelbar vor der Tür steht.
Dabei entging ihm auch nicht, dass in diesen Zirkeln von 15 Personen aufwärts mitunter Leute auftauchten, deren perfide Hinterlist, die propagierten Inhalte erst einmal ernst zu nehmen, um dann nachzuhaken, ob das denn tatsächlich ernst gemeint sein könnte, regelmäßig Abwehr und Unbehagen provozierte. So brachte z. B. dem Verfasser das irgendwo zwischen wohlwollend und naiv anzusiedelnde Manöver, in gutem Glauben erst einmal davon auszugehen, Reuven „Doc“ Moskowitz hätte tatsächlich jemals eine Dissertationsschrift verfasst, den Vorwurf ein, einen alten Mann „inquisitorisch nach seiner wissenschaftlichen Qualifikation befragt“ zu haben.
Die Darstellung hat mit der Wirklichkeit zwar nur etwa so viel zu tun wie die Analogien zwischen Reden im Reichstag 33-45 und in der Knesset 67-73, die der „Friedensabenteurer“ durch angestrengtes Suchen aufgedeckt haben will, schmerzt aber doch sehr, da sie vor dem geistigen Auge wieder und wieder das Schreckensbild eines Pontifikatsprätendenten wider Willen erweckt, der es auch unter der Folter ablehnt, sich zum Gegenstand zu äußern, und ungerührt fortfährt seinen Segen zu spenden. Immerhin: ein aufschlussreiches Indiz konnte dem Delinquenten abgepresst werden. Moskowitz` bahnbrechendes Grundlagenwerk „Deutsche und Juden zwischen der Macht des Geistes und der Ohnmacht der Gewalt“ scheint für die Menschheit tatsächlich noch nicht ganz verloren zu sein. Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung soll möglicherweise noch eine vage Ideensammlung existieren. Allerdings hatten die antideutschen Kundschafter sich nun schon so weit aus der Deckung gewagt, dass sie selbst in den Fokus des Interesses geraten mussten. Ein professioneller Seelsorger, geschult an E. R. Carmins „Das schwarze Reich“, der schon Iris Hefets mit der Frage konfrontiert hatte, ob sie denn überhaupt „blutsmäßig“ Jüdin wäre, nahm spontan eine Blickanalyse an mir vor. Das Ergebnis konnte aber nicht überzeugen. Jedenfalls mich nicht.
Wie eigentlich sowieso alles geriet die Sache aber über Henryk Broders Achse des Guten so richtig ins Rollen, in diesem Fall aber ganz zufällig, indem dort ein auf das Notwendigste beschränkter Augenzeugenbericht aus der denkbar „israelkritischen“ Freakshow „Zionismus – seine Genesis, seine Gefahren, sein Untergang“ erschien, die im März in den Katakomben des Überseemuseums gastierte, wie ja Veranstaltungen zum Nahost-Konflikt, die sich nicht bloß empörend darstellen, beckmesserisch und unqualifiziert, sondern einfach nur noch grauenhaft, grundgruselig und grottig, geradezu zwanghaft auf dieses Haus abonniert zu sein scheinen. Sei es, dass dort Dr. Massarat lehrt, sich mit der iranischen Bombe anzufreunden, oder Iris who-the-fuck Hefets Angriffe türkischer Hooligans auf israelische Sportler als begrüßenswerte politische Aktion feiert.
Der selbstredend fruchtlose Versuch, die Direktorin dieses Museums zu überreden, wenigstens aus Rücksicht auf die Außenwirkung ihrer Einrichtung nach Hajo „Holocaustreligion“ Meyer nicht auch noch Iris „Schoah-Kult“ Hefets ein Forum zu bieten, tat ein übriges. Mitglieder der diversen „menschenrechtsbezogenen“ bzw. „zivilgesellschaftlichen“ Gruppen, die, teils in Personalunion, den Kampf gegen die jüdische Nationalbewegung zu dem ihren gemacht hatten, nahmen die getreue Wiedergabe ihrer Aktivitäten völlig zu recht als vollendeten Rufmord wahr und schlossen von dem Entsetzen, das sich ihrer daraufhin bemächtigte, fälschlich auf die Größe der unheimlichen Macht, die offenbar dahinter stecken musste, insofern Menschen nicht unähnlich, die jedes Mal aufs neue erschrecken, wenn sie im Spiegel ihren Schatten entdecken, weil sie sich nicht erklären können, wer ihnen das angehext haben mag und warum bloß.
Strohmeyer recherchierte jetzt noch ein bisschen sorgfältiger als sonst und stieß so auf den harten Kern einer eigentlich eher heterogenen Gruppe aus ca. zwei Bonvivants, die es sich zum schönen Brauch gemacht hatten, in ihrer Freizeit in loser Folge ein paar mehr oder auch weniger ersprießliche Vortragsveranstaltungen am Abend zu besuchen, um im Anschluss, so die Umstände das eben zuließen, eventuell noch einen heben zu gehen, aka „Sprengel“ (nein, das leitet sich nicht vom Naschwerk gleichen Namens ab), aka „Vorkämpfer“. Letzterer Nom-de-Guerre ist unverkennbar der schier verheerenden Wirkung geschuldet, die die pointierten Diskussionsbeiträge der pathologischen Philosemiten entfalteten, so sie denn überhaupt mal zu Wort kamen, die nur den Schluss zuließ, dass es sich bei ihnen wohl um die Schocktruppen handeln müsse, in deren Rücken das große anti-deutsche Aufräumen erbarmungslos seinen Lauf nehmen würde – „Zerstörung der deutschen Nation“ und Aufteilung der Bundesrepublik unter ihren Nachbarn inclusive, also recht genau das, was das Bremer Netzwerk für einen gerechten Frieden im Nahen Osten sich doch eigentlich für eine ganz andere Gegend ausgedacht hatte.
Diese „Avantgarde“, über die inzwischen schon eine Menge haarsträubender Unwahrheiten gestreut wurden, wobei die Behauptung, es handele sich um „junge Leute“ noch mit Abstand zu den schmeichelhafteren zählt, bin zuvorderst mal ich. Und über mich soll hier nicht mehr verraten werden, als ein Geistheiler, ein Möchtegern-Stasi-Agent und ein schludriger Kopist auch nicht herausgefunden haben, da es ja sonst nicht mehr spannend wäre.
Zweitens kommt da schon mein sporadischer Saufkumpan und unerschütterlicher Stil- und Politikberater JPH, eigentlich ein Kryptokonservativer reinsten Wassers, so links wie das Steuer an seinem chromblitzenden Bentley, der mich schon verflucht hat, bevor ich überhaupt die Zeit fand, mich hinzusetzen, um diese Erklärung schriftlich zu fixieren, und der jetzt mal schön selbst zusehen kann, wie er aus dieser Nummer wieder herauskommt. Ich gönne es ihm von ganzem Herzen! Ja, ganz vorn an der Spitze der Avantgarde, wo die Katjuschas pfeifen und das rotlackierte Ressentiment aus tausend Schlünden droht, kann es bekanntlich auch schnell einsam werden…
Was hier in Bremen sonst noch unter dem Label „antideutsch“ gehandelt wird, ganz gleich ob es sich dabei um eine Eigen- oder Fremdkreation handeln mag, wird über kurz oder lang gar keine andere Wahl haben, als sich in unsere Arrière-Garde einzureihen, oder aber für alle Zeit im Schmollwinkel der Geschichte zu versauern. Ich empfehle, rechtzeitig zu reservieren, die Bearbeitung der Mitgliedsanträge kann sich hinziehen. Eine Aufnahme wird selbstverständlich davon abhängig gemacht werden, ob gewisse Sätze antideutscher Ideologie unterschrieben werden oder eben auch nicht. Der Fragenkatalog ist erhältlich bei Arn Strohmeyer, dem früheren Weserkurier-Mitarbeiter, c/o Onlineredaktion bei Die Linke in Bremen. online-redaktion@dielinke-bremen.de
Good luck! Wir sehen uns dann am Donnerstag bei Inge Höger, der Heiligen Johanna der Frauendecks.
Diesmal auch ganz offiziell eingeladen von der Partei des deutschen Antizionismus. Sönke Hundt wird den Conférencier geben, Arn Strohmeyer wie gewohnt den interessierten Beobachter. So ein Zufall jetzt aber auch…
TL
Obacht!
In der Unteren Rathaushalle im malerisch an der Weser gelegenen Städtchen Bremen findet gerade die Ausstellung “Tatort Stadion 2 – Fußball und Diskriminierung” statt.
Die komplett überarbeitete Ausstellung Tatort Stadion 2 will informieren – sowohl über alltägliche Diskriminierung und Aktivitäten von Neonazis als auch darüber, was Fans dagegen tun.
Was sonst noch über die Ausstellung gewusst werden muss, erzählen Annika Hoffmann von BAFF und Thomas Janßen von der “AG Werderfans gegen Diskriminierung” im Interview mit Stadionwelt.
Soviel zur Veranstaltung, jetzt kommen wir zum Befehl. Da wir es als unseren Auftrag ansehen, unseren Lesern bei der Planung ihrer begrenzten Lebenszeit behilflich zu sein, befehlen wir, den unumgänglichen Besuch der Ausstellung zeitlich mit dem einer der beiden Abendveranstaltungen zu verbinden, die jeweils um 19 Uhr am gleichen Ort stattfinden und die thematisch ganz nach unserem (und somit auch eurem) Geschmack sind:
Am morgigen Montag, dem 19.04., findet im Rahmen der Ausstellung ein Vortrag von Alex Feuerherdt und Enno Wöhler über Antisemitismus beim Fußball statt. Dabei soll es um die verschiedenen Formen des Antisemitismus ebenso gehen wie um konkrete antisemitische Ausfälle beim Fußball; um den Antisemitismus der Nazis wie den des Mainstreams. Und natürlich wird es um Werder Bremen gehen, den sympathischen Verein aus dem Norden, dessen Fans in Hamburg schon einmal als gefährliche Heuschrecken und dessen Wappen in Hannover schon einmal als oranger Davidstern dargestellt wurden. In der anschließenden Diskussion darf dann der Frage nachgegangen werden, wie viele Baseballschläger bestellt werden müssen.
Im weiteren Verlauf des Abends berät die Redaktion von verbrochenes.net im privaten Rahmen alle Interessierten in Fragen der politischen Korrektheit und der korrekten Analyse der aktuellen Bundesligatabelle.
Eine Woche später, selbe Zeit und selber Ort, geht es um eine gelungene Intervention gegen Antisemitismus in unserer Stadt, nämlich die Befreiung durch die britische Armee vor 65 Jahren. Thema des Vortrags von Heinz-Gerd Hofschen (Historiker am Focke-Museum) soll aber auch sein, wieso es mit der Entnazifizierung dann doch nicht klappte.
Ich hab den Witz schon auf Twitter gemacht, aber ich mach ihn hier nochmal. Bei der taz gibt es eine neue Aktion, sie heißt “Analphabeten gegen Isarel”. Eine Ivesa Lübben schmiert mit gefetteter Feder einen Schmachtfetzen ins Schmockblatt, dass einem der Schweiß aus den Augen fließt. Vorgeschichte: Tausend verkommene Spinner leiden so sehr unter ihrer Bedeutungslosigkeit in der postheroischen Langweilergesellschaft, dass sie jetzt im Kampf gegen die Juden mal so richtig was hermachen wollen, fahren nach Kairo und verlangen, nach Gaza einreisen zu können. Hundert von ihnen lassen die Ägypter rein, der Rest bleibt draußen.
Iseva Lübber schreibt einfach mal drauf los über das, was die im Gazastreifen vielleicht erlebt haben. Da kommt dann ein “Mentel Health Zentrum” vor, das mutmaßlich am International Day des Denglish gegründet wurde. Ist ja auch alles nicht so wichtig, wichtig ist, dass alles ganz schlimm ist, und dass Israel daran schuld ist und sonst keiner.
Einer Katastrophe gleich käme es, wenn Ägypten tatsächlich die Tunnel schließt, durch die Waren nach Gaza geschmuggelt würden. “Jede Wasserflasche, jede Coladose, die ich getrunken habe, selbst das Toilettenpapier, das ich benutzt habe – absolut alles kommt durch die Tunnel,” erzählt eine Amerikanerin nach dem Trip.
Da säuft die gute Frau eine Coladose nach der anderen und muss trotzdem noch irgendwie erzählen, dass alles schlimm ist. Das ist schwierig, aber Isolde Lüger von der taz nimmt das gerne auf. Unnötig zu erwähnen, dass das Trinkwasser in Gaza natürlich nicht durch die Tunnel geschmuggelt werden muss. Aber es gruselt so schön!
Besonders lustig wird es, wenn Frau Flobber auf das hohe Bildungsniveau hinweist, was ja doch irgendwie auf ein ganz gutes Leben hinweist, um dann sofort zu beklagen, dass die armen Leute doch nicht im Ausland studieren könnten. Verschwiegen wird natürlich, dass im letzten Jahr 18.500 Leute ausreisen durften. Der Grund für die Blockade wird sowieso im ganzen Geschmiere nicht erwähnt.
Ein Kanadier berichtet, er hätte einer Familie, die in Trümmern lebte, gesammelte Spenden geben wollen. Doch sie hätten konsequent abgelehnt.
Mein Gott, die Menschen sind quasi am Verhungern und lehnen Spenden trotzdem ab. Irgendwas stimmt hier nicht, Frau Lübke! Ach so, das ist Mut und Würde. Ich dachte, die brauchen das vielleicht gar nicht. Oder der Kanadier hat sich vielleicht benommen wie ein Touri beim Affenfüttern im Zoo.
Auch die palästinensichen NGOs, die in Gaza das Programm des Friedensmarsches vorbereitet hatte, lehnten das ägyptische Angebot mehrheitlich ab: “Wir wollen nicht immer und immer wieder irgendwelchen Abordnungen die Hände schütteln, wie wollen nachhaltige politische Solidarität”, erklärzen sie.
Liebe Palästinencher, mit Euren illiteraten Freunden wird das leider nichts, wie sollen die das mit der Solidarität denn auf die Reihe kriegen. Und mal angenommen, das führt irgendwann zu irgendwas und man kann nicht mehr in Rafah den Dicken schieben, sollen die dann nach Tibet ausweichen oder was? Scheißkalt ist es da und mit den Chinesen ist auch nicht so gut Humus essen. Außerdem ist das immer noch ein gutes Geschäft, Hände schütteln gegen weltweite PR, oben drauf bringen die Deppen ja auch noch ein bisschen Kram. Stellt Euch nicht so an.
“Warum brauchen wir eine Mauer gegen unsere palästinensischen Brüder, wenn die Grenze zu Israel völlig ungesichert ist?” Fragt die liberale Wafd-Zeitung und beweist die These mit einen Korrespondenten, der ohne kontrolliert zu werden über die isarelisch-ägyptische Grenze in die isarelische Negev-Wüste gewandert ist.
Gute Frage, liebe Liberale! Vielleicht kommt die Antwort ja von selbst. Vielleicht liegt sie aber auch in der isarelischen Wüste, wo fast jeder hinreisen darf.
Kurzer Logikcheck hinterher: Weil man von Ägypten nach Israel einreisen kann, braucht es keine Mauer zwischen Ägypten und Gaza?
Vielleicht wird es dadurch wahr, dass Ilse Labber es behauptet. Wenn sich dieses Prinzip durchsetzt, erlaubt der Duden bald auch das Kommasetzen mit dem Salzstreuer, und Tippfehler werden Pflicht.
Die Vorgänge in den zurückliegenden Tagen und Wochen mache eine Stellungnahme der Redaktion unausweichlich.
Jürgen Rieger
Selbstverständlich ist der Tod Riegers zu begrüßen. Wir hatten uns allerdings gewünscht, die Hinrichtung Riegers möge von einem Kampfhubschrauber aus durch Raketenbeschuss erfolgen. Diese Hoffnung hatten wir bereits mehrfach bei den zuständigen Stellen geäußert, offensichtlich ohne Erfolg. Nun gilt es bei der – soviel sei unseren Lesern verraten – bereits in Planung sich befindlichen Neutralisierung von Udo Pastörs ein erfolgversprechendes Konzept vorzulegen, das keinen Zweifel an der Entschlossenheit der antifaschistischen Kräfte in der BRD lässt.
Minarettverbot
Ungeachtet seines Gegenstandes ist ein Verbot an sich zunächst einmal ein sehr schönes Konzept. Die Redaktion hat kein Verständnis für die Einengung der Debatte auf Minarette. Es sind weitere Verbote nötig. Wir fordern exemplarisch ein Verbot der Polizei und anderer staatlicher Repressionsbehörden. Sie behindern zahlreiche sinnvolle Verbotsverfahren, wie zum Beispiel das der NPD oder das von Gewalt gegen Menschen. Weitere sinnvolle Verbote: Currywurst, Ruhrgebiet, Sternburg.
Das zweite Problem der Debatte ist, dass sie sich auf die Schweiz beschränkt. Wen interessiert denn, was da erlaubt ist und was nicht? Uns nicht, wir sind Weltmenschen.
Bei unseren linksliberalen Lesern wollen wir uns dennoch mit einem Kompromissvorschlag anbiedern: Man könnte Minarette erlauben und im Gegenzug Moscheen verbieten. Der wirklich schlimme Kram passiert schließlich in den Moscheen, nicht auf den Minaretten. Die könnten ihren Platz dann anderswo finden, beispielsweise an Kirchen, Bibliotheken oder Kneipen mit Kegelbahnen.
Bob Dylan / Weihnachten
Bob Dylan hat einen musikalischen Selbstmordversuch unternommen. Nun bleibt zuerst zu fragen, warum die Redaktion sich so fürchterlicher Beschreibungen wie “musikalischer XY” für ein Musikstück bedient. Die Antwort lässt auf sich warten. Zweitens ist festzustellen, dass Dylan gescheitert ist, zur musikalischen Untermalung dieses Beitrags läuft “Stuck inside a mobile with the Memphis Blues again“.
Wenn das schreckliche Machwerk dem Künstler nicht geschadet hat, dann ist auch verständlich, warum es seinem Gegenstand, dem Weihnachtsfest, nicht genützt hat. Das bleibt unpopulär wie eh und je. Bei uns zu Hause wurde es bereits abgesagt, nachdem nicht genug Karten verkauft werden konnten.
Derby
Die nächste öffentliche Demütigung der Hitleristen aus Hamburg findet am 20. Dezember statt. Schließlich hatten nicht einmal die Nazis einen schlechteren ‘Stürmer’ als der HSV. So weit, so bekannt. Was die wenigsten wissen, ist, dass bedeutende Teile der Redaktion noch ohne Karte sind und sich deshalb ein etwas anderes Programm überlegt haben. Wir werden völlig zugekokst vor der Arena stehen und Streit suchen.
Bullenschweine
Dieser Vorfall ruft Ekel hervor. Uniformierte Arschlöcher schwingen sich zum Herrenmenschen auf und erniedrigen andere mit Gewalt. Sie dürfen das, denn sie sind Polizisten, und sie haben sich unangreifbar gemacht. Was man da machen kann? Gute Frage, die eine wohlüberlegte Diskussion abseits von Empörungsgesten lohnen würde.
Zuletzt hat es hier berechtigte Kritik an uns gegeben. Dazu will ich ganz klar Stellung beziehen: Ich verbitte mir das! Von jedem, ob im Inland oder im Ausland.
Super, das macht Spaß. Den Leuten so richtig schön über den Mund fahren, schön einen auskanzlern. Das muss man sich erlauben können, und natürlich habe ich jedes Recht dazu. Wir leben hier immer noch ganz gut vom Glanz vergangener Tage und könnten noch Jahre mit selbstreferentiellem Scheiß bestreiten und dabei stets in der allerersten Reihe der Blogs bleiben, also in ungezählten Lesezeichen-Symbolleisten die Premiumplätze belegen.
Was bisher nur die wenigsten unserer Leser wissen, weil sie reich sind, ist, dass das Leben kein Kinderschlecken ist. In einem künstlerischen Versuch, das Leben so abzubilden, wie es wirklich ist, habe ich dieses Foto geschossen.

Es zeigt die Zweiteilung des Lebens in Himmel und Mais, in blau und eine andere Farbe. Eine Farbe, die keinen Namen hat. Ich habe übrigens gehört, dass Herta Müllers neues Buch jetzt doch diesen Titel tragen soll: “Eine Farbe, die keinen Namen hat” Vielleicht kann ich ihr mein Bild als Cover verkaufen, irgendwo muss die Miete ja herkommen.
Ehrlich, dieses Bedeutungsgescheische mit Sprache ist wirklich beängstigend bescheuert. Eben bei Anne Will wollte so ein Vollidiot der Welt erklären, dass Sozialstaat und Rechtsstaat in einem Spannungsverhältnis stünden und es da in der wunderbaren BRD natürlich ein Gleichgewicht gäbe, dass aber nicht zugunsten des Sozialstaats kippen dürfe. Also er hat das jetzt nicht irgendwie vertreten, und eigentlich hat er es auch gar nicht erklärt, er hat das halt einfach so dahingeschwurbelt und keinerlei Anstalten gemacht, seine These plausibel zu machen. Man täuscht sich da manchmal, wenn man Dinge nicht versteht. Meistens gibt es gar nichts zu verstehen.
Das gilt auch für so einige polittheoretisch angestrichene Texte von selbsternannten Radikallinken, die im Endeffekt ganz unpolitisch sind. Da sitzt man dann so davor und fragt sich “Und was wollen die Genossen jetzt, was sollte irgendwer tun, was wäre denn GUT?” und merkt dann, dass das dem Autor doch scheißegal ist, oder man merkt es eben nicht. Jedenfalls will ich das irgendwann mal anprangern: Das Unpolitische in vermeintlich hochpolitischen Pamphleten.
Wat is da wenn man et braucht? – Pommes!
Wat is niemals ausverkauft? Pommes!
Wat hat ganz viel working class? Pommes!
Wat macht inne Schnauze Spaß? Pommes!
Die beste deutsche Band ist Eisenpimmel. Gibts auch intelluell erklärt und zum Reinhören hier. Ich muss da immer ganz viel lachen bei.
Bei Twitter sammeln wir derzeit die schönsten Fußballphrasen. Das wird sicher noch ein bis zwei Jahre dauern, bis wir alle relevanten Phrasen zusammengetragen haben.
Das wars für heute. Übrigens, es gibt jetzt immer ab Montags um 0 Uhr alle Spielzusammenfassungen aus der Bundesliga auf sky.de. Das ist ziemlich cool.




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