Musikalisches

Lalalala la!

Vor zehn Jahren ist Ol‘ Dirty Bastard gestorben. Und das ist uns einen Link, ein Video und ein Zitat wert:

The people that want to cut off the welfare, man, I think that’s terrible. You know how hard it is for people to live without nothin’? You owe me 40 acres and a mule anyway. For real. I’m in this rap game to get money …. I got babies. It’s time to take care of my babies.

Wo wir sind

Redemption

Das Feuilleton ist in der Regel eine aufgeblasene, bedeutungshubernde Veranstaltung. Für die Literatur nicht ausreichend begabte Kulturinteressierte produzieren schlechte Prosa und verhunzen dabei akademische oder künstlerische Erzeugnisse. Die Leserschaft gleicht den Autoren: Verzweifelt am Bildungsbürgertum sich orientierende Frühvergreiste versichern sich ihres eigenen Status‘ als Intellektuelle, indem sie sich durch den neuesten Schrott von Schirrmacher bis Matussek quälen. Eine Sonderform des Feuilletons kann man zuweilen im Theater erleben. Dann wird der ganze Prozess ökonomisiert und das Stück selbst einfach gestrichen, um direkt zu dessen Erledigung im Diskursbetrieb überzugehen. Ein solcher Fall ist René Polleschs „Glanz und Elend der Kurtisanen“ an der Berliner Volksbühne, ein großer Publikumserfolg. Das Stück, das von Balzac kaum mehr als den Titel übernommen hat, verzichtet auf jedes erzählerische Moment. Stattdessen dürfen die erstklassigen Schauspieler Polleschs Kulturkritik gleich eins zu eins vortragen. Das klingt dann nicht viel anders als im Interview: „Es geht um die Differenz zwischen unseren Umgangsformen heute und der Gesellschaft, die Balzac beschreibt, wo Leute im sozialen Miteinander spielen, wo es eine Schönheit der Geste im öffentlichen Raum gibt, während heute alle dauernd protestantisch nach irgendwelchen echten Gefühlen suchen und einem ein Mikrofon vor die Nase halten und wissen wollen, ob sich das, was man tut, auch mit dem Inneren deckt.“ Klingt interessant? Könnte man mal ein Theaterstück drüber machen? Nicht nötig! Man kann sich eine Menge Arbeit ersparen und die Gedanken einfach auf die verschiedenen Schauspieler verteilen. Da braucht der Dramaturg keine Dramaturgie mehr zu entwerfen, da hilft ein bisschen soziologische Lektüre und einzwei Nächte freies Assoziieren. So viel Faulheit würde ein klügeres Publikum sicher erbost zurücklassen, aber in der Volksbühne ist man dankbar, die üblichen scheinintellektuellen Phrasen mal so lebhaft vorgetragen zu bekommen. Dabei hilft sicher auch das schöne Bühnenbild. Der Staatsknete sei es gedankt, es ist ein Traum aus Lametta und ein riesiger Heißluftballon, der bemerkenswert präzise durch die Luft gesteuert werden kann und mit dem Pollesch und seine Leute doch herzlich wenig anzufangen wissen. Nach gut neunzig Minuten ist das Gequatsche über Wahrheit, Individualität, Authentizität, Öffentlichkeit – den ganzen postmodernen Klimbim also – glücklicherweise schon erledigt. Die reifere Jugend im Saal ist begeistert, so unkonventionell, so selbstironisch, so geistreich war es. Dass man dabei war und es gut fand, beweist, dass diese Adjektive unbedingt auch auf einen selbst zutreffen. Und da wären wir schon bei der (vielleicht unfreiwilligen) Funktion dieser Art Theaters: die bornierte Selbstzufriedenheit des Publikums zu bestätigen.

Derzeit rätselt die Welt, warum Jassir Arafats Leiche laut Schweizer Wissenschaftlern Spuren von Plutonium aufweist. Wurde er ermordet? Von den Israelis? Ich möchte an dieser Stelle eine deutlich plausiblere Erklärung anbieten: Arafat war zum Judentum konvertiert. Denn: Jeder Jude hat den Messwert für Plutonium!

Das ist alles Plutonium!

Bei all den moralischen und sozialen Aspekten geht es im Leben natürlich auch um Rekorde. Wenn ich irgendwann sterbe, und das werden wir schliesslich alle, will ich was geleistet haben. Ich will was geschafft haben. Deswegen bin ich auch so hyperaktiv. Ständig habe ich diesen inneren Drang, etwas Neues zu erschaffen und noch mehr zu arbeiten – schnell, schnell, schnell. Ich will der Nachwelt etwas hinterlassen, dass sie an mich erinnert. Meine Vorbilder in dieser Hinsicht sind Menschen wie Galileo, Platon, Einstein, Mandela, Achilles oder Columbus. Nicht dass wir uns falsch verstehen, ich möchte nicht die Welt erobern oder so, aber diese Personen haben schlichtweg eine Vision gehabt und ließen sich von niemandem davon abbringen. Das waren ganz normale Typen wie wir. Ich meine, jeder von uns könnte der nächste Bill Gates sein, der irgendwo in der Garage seiner Eltern etwas erfindet, das in zehn Jahren die Welt verändern wird. Einstein chillte damals auch mit seienn Streber-Kumpels und grübelte über irgendwelche Theorien nach. Wir sitzen halt im Cafe, rauchen Wasserpfeife und überlegen, wie wir noch mehr Platten verkaufen können. Wo liegt der Unterschied? Es gibt keinen.

 

– Ferchichi, Anis Mohammed / Amend, Lars: „Bushido“, München 2008. S. 397f.

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