Sportliches

ist gesund und macht uns HART!

Nun geht es wieder los. Die besten Deutschen haben ihre deutschen Fähnchen schon an ihrem deutschen Auto, weitere werden folgen. Oder gleich ihr ganzes Haus mit Nationalsymbolen behängen. Andere werden grölend durch die Straßen rennen und wie vor zwei Jahren die zu befürchtenden Siege der deutschen Nationalmannschaft auch mal mit einem lauten “Ausländer raus!” feiern. Diese Siege werden anders heissen, “deutsche Siege” nämlich. Nach solchen dürstet das Volk und das Land, nachdem es in militärischen Vergleichen so oft so bitter verloren hat. Ein massiver Minderwertigkeitskomplex hat sich breit gemacht in der BRD und die Symptome brechen sich nun wieder deutlich vernehmbarer Bahn. Das hat viele Gründe, zum Beispiel die Wiedervereinigung und die schrittweise Wiederherstellung deutscher Souveränität, das Erstarken der BRD auf europäischer und globaler Ebene.

Kurt Tucholsky sagte einmal: „Nie geraten die Deutschen so außer sich, wie wenn sie zu sich kommen wollen.“ Dann stehen sie erst auf und anschließend hinter ihren Kämpfern, bevor sie in ihren Volltrottelkostümen beim Sieg durchdrehen.

Aber so richtig ins Massenbewusstsein und nach außen tritt der Wunsch, “wieder wer zu sein” vor allem beim Fußball. Mit der WM in Deutschland wurde die frühere Zurückhaltung aufgegeben. Das ganze Land gab sich dem Volksrausch hin und die Feuilletonisten lieferten das gute Gewissen dazu, indem sie diesen “unbeschwerten” und angeblich “neuen” Patriotismus als völlig gerechtfertigt und unproblematisch schön redeten.

Krampfhaft unverkrampft kam das alles daher, so, als würden sich die Fahnenträger, Bäckchenbemaler und Trikotbesitzer selbst nicht recht trauen. Doch je unbefangener, desto bedrohlicher wird die Lage für den, der nicht mitspielen kann oder will.

“Warum denn nicht?” fragen die Nachfahren der Mörder, und sie meinen diese Frage ernst. Warum deutscher Nationalismus problematisch ist, warum er anders ist als äußerlich ähnlich daherkommende Begeisterung in anderen Ländern, das verstehen sie nicht. Sie seien doch keine Nazis, lassen die stolzen Deutschen jeden wissen, der sie nicht mag.

Als guter Deutscher ist man heute einfach kein Nazi mehr – weniger aus Einsicht, sondern weil es kontraproduktiv für die Pläne des Vaterlands ist.

Was deutschen Nationalismus ausmacht, wie deutsche Vergangenheitsbeseitigung funktioniert und warum Deutschland das Vorrundenaus zu wünschen ist, das hat Alex Feuerherdt in seinem Vortrag “‘Schwarz-rot-geil’ Reloaded?” (pdf) dargelegt, aus dem auch die Zitate in diesem Eintrag sind.
Der Vortrag ist einerseits einfach lesenswert, praktischerweise liefert er andererseits auch einige Argumente für die verbale Auseinandersetzung mit uneinsichtigen Kartoffeln, die sich für viele von uns in den nächsten vier Wochen sicher nicht immer wird vermeiden lassen.

Es ist definitiv schlimmer dieses Jahr. Ich mein, man verdrängt ja auch gerne, und für so manche Perversität, die man 2006 hinnehmen musste, ist die Zeit noch gar nicht reif. Aber man kann jetzt schon sagen: Es gab im Mai mehr von diesen Autofähnchen als im Vorvorjahreszeitraum, die Werbekampagnen sind wesentlich offener nationalistisch; viele Clips warben einst für Fernseher zum Fußballgucken, jetzt werben sie für den extraflachen nationalen Taumel.

Letztlich ist der Unterschied zu 2006 wohl, dass sich die Wirtschaft diesmal lange vorher drauf einstellen konnte. Jedes erdenkliche Produkt wurde spätestens seit März auch in Schwarzrotgold hergestellt, und jetzt liegt alles in den Regalen. Die Bäcker, die früher vom Stolz auf das Vaterland gepackt selbst schwarzen Zuckerguss anmischen mussten, um Berliner und Amerikaner entsprechend zu dekorieren, können nun, sofern ihnen das der Berufsethos nicht verbietet, auf Fertigmischungen zurückgreifen. Niemand muss mehr Angst haben, keine Fahne mehr zu bekommen, selbst beim Zweierpack Toblerone gibt es einen solchen Lappen dazu.

Der vermeintliche Vorteil, dass nämlich ein paar tausend Fans das Land verlassen, um ihren Helden zuzujubeln, ist im Endeffekt leider ein Nachteil. Es verlassen das Land Leute, die ein Spiel gern live sehen wollen, im Land bleiben solche, für die die EM weniger ein Sportereignis ist als eine Gelegenheit, ihren dummen Patriotismus auszuleben. Und die sind es, die mich so aufregen. Obwohl, die anderen regen mich eigentlich auch auf.

Vorrundenaus

Ein toller Titeleinfall, dachte ich mir da gerade, obwohl er geklaut ist. Nun habe ich mir die Gruppe der deutschen Nationalmannschaft bei der EM noch einmal angeguckt und denke: Es ist auch ein sehr ambitionierter Titeleinfall. Warum ich dennoch vom Vorrundenaus überzeugt bin:

1. Jens Lehmann hat seine beste Zeit gehabt. Wenger wird ihn nicht aus Jux aussortiert haben und das fahrige Auftreten, das er gegen Weissrussland gezeigt hat, wird jetzt zur Regel werden. Er ist für einige Gegentore gut.

2. Christoph Metzelder. Ach, bitte. Für Madrid hat er monatelang so gut wie kein Spiel gemacht, und das lag nicht nur an Verletzungen. In Dortmund war er vorher in einer der zahlreichen miesen Saisons der Borussia zeitweise nur Ersatz hinter Spielern, deren Namen ich vergessen habe. Das wird für eine EM nicht reichen.

3. Im Mittelfeld steht hinter den guten Frings und Ballack nur Mittelmaß. Schweinsteiger hatte in München schon zu kämpfen, Borowski ist krank und könnte sein Hoch, das offenbar alle zwei Jahre kommt, bereits wieder überstanden haben. Trochowski und Odonkor sitzen beim HSV und bei Betis Sevilla auf der Bank. Was für Grottenspieler.

4. Miro Klose hat mal wieder eine unfassbar miese Rückrunde gespielt, dabei ein Tor geschossen. Und das beim überlegenen Meister. Na gut, kann man sagen, in der Nationalmannschaft war er besser. Nur spielen bei der EM leider so wenige schlechte Mannschaften mit, dass er unmöglich seine WM-Quote wiederholen kann.

5. Podolski ist zwar ein guter Spieler, hat aber auch ein Jahr Stillstand hinter sich. Von Kuranyi wollen wir hier gar nicht reden. Gomez ist ein Guter, wird das aber nicht zeigen dürfen.

6. Löw ist ein langweiliger Kerl, dessen Erfolge als Trainer überschaubar sind. Er wird scheitern.

Von den Spielern des SV Werder hört man derlei Ausrufe wohl nur, wenn Tino Polster gerade ganz in ihrer Nähe ist. Auf der Homepage des Vereins ist er quasi zu Hause. Und deshalb klingt es dort noch etwas euphorischer: “Jede Menge PS! Viele windschnittige Typen! Und richtig gute Laune!” Und alle glauben es dir. Vorausgesetzt, die Nasenscheidewände halten.

So wird offenbar im StudiVZ für das heutige Derby mobilisiert. Früher wurde das Bild von den Heuschrecken, die über den braven Bürger herfallen, von Nazis benutzt, um zu verkünden, dass die Juden über das deutsche Volk gekommen sind, um es auszubeuten. Heute verzichtet man zumindest in linken Kreisen darauf, die Ausbeuter als Juden zu benennen. Das Motiv und die Idee dahinter bleiben gleich.

Ultras gefallen sich oft im revolutionären Stil, ausserdem ist ihr Gerede gegen den “modernen Fußball” meist schwer von einer verkürzten Kapitalismuskritik von links oder rechts zu unterscheiden. In Hamburg ist zumindest die Liebe zum pseudorevolutionären Gehabe sehr ausgeprägt. So trägt man dort auch gerne T-Shirts mit einem blauen Stern und der Aufschrift “Blaue Armee Fraktion”, eine Kopie des RAF-Logos. Anderswo sind Che und RAF zur Popkultur geworden, Ultras und Co. gefallen sich aber offensichtlich auch dabei, ein wenig in deren Rolle zu schlüpfen. Deshalb ist das Bild oben auch nicht einfach nur ein kleiner Spass. Auch Slogans wie “Die Stadt denen, die drin wohnen!” könnte man ruhig mal überdenken.

Ob die Hamburger heute tatsächlich mit Zwillen dastehen, anstatt - wie in diesen Breiten üblich - mit Flaschen zu werfen, wird sich zeigen. Ich bin gespannt. Im Zweifelsfall wird hamburgisiert.

Thomas Doll ist heute Vormittag ganz furchtbar böse gewesen. Wegen allem. Herausgekommen ist ein wunderbarer Monolog, der sich beim WDR vorzüglich und in voller Länge nachempfinden lässt.

Zwischen all den Emotionen bekommt man auch endlich den Beweis geliefert: Die Sprache des Thomas Doll kann mitunter etwas grob werden. Und dabei meine ich mit “grob” keineswegs gemeine Beleidigungen, sondern eher die Qualität seines Referats. Es ist erschreckend zu hören, wie lange er braucht, um seinen kleinen Wortschatz in zumindest halbwegs sinnvolle Sätze einzusortieren. Aber ich möchte hier nicht weiter spotten. Schließlich ist sowas genau “das, was ihn so ärgert”. Ein Jammer.

Nachtrag: Dasselbe bei Youtube.

In Schalke bläst man Trübsal. Das sieht man nicht unbedingt, weil manch einer seine Meinung hinter dick aufgetragenem Todesmut verschanzt:

Wenn wir lange ein 0:0 halten, warum sollen wir dann nicht auch mal einen Nadelstich in der Offensive setzen. Wir müssen Barcelona bekämpfen! (Mirko Slomka)

Aber auch das notdürftig zusammengeschusterte Motivationspaket der Königsblauen kann die nackte Wahrheit nicht vertuschen: Schalke 04 ist im Viertelfinale aus der Champions League ausgeschieden. Sie sind raus. Falls man das angesichts theoretischer Spielereien anzweifeln möchte, möge man sich doch bitte an das für Werder entscheidende Gruppenspiel in der Hauptstadt Kataloniens erinnern. Auch heute wird Barcelona, in der spanischen Liga zur Zeit wahrlich keine Übermacht, seinem Gegenüber keine Chance lassen. Jeder weiß das: Mirko Slomka, Andreas Müller, Marcel Reif und Franz Beckenbauer. Allein, sie machen einen Hehl draus, Gott weiß warum. Als ob es nicht ohnehin schon schwer genug geworden wäre, den künstlichen Funken Spannung am Leben zu erhalten, kündigt Leo Messi seine Rückkehr just für dieses Spiel an. Ich möchte euch deshalb ans Herz legen, den Fernseher rechtzeitig einzuschalten. Denn im Gegensatz zu Mirko Slomka ist meine Hoffnung echt und realitätsgebunden: drei Tore von Leo Messi unmittelbar nach seiner Einwechslung in der 60. Minute, eins davon nach dreifachem Umkurven sämtlicher Akteure einschließlich der Linienrichter, die er auf magische Weise ausdribbeln wird, ohne den Ball ins Aus zu katapultieren. Ich bin mir ganz sicher, das wird was.

Achja, sollte Schalke doch gewinnen, werde ich diesen Beitrag natürlich umgehend löschen. Ich meine, immerhin stürmt Kuranyi. Da weiß man nie.

Als faszinierter Beobachter pyrotechnischer Aktionen hörte ich gespannt zu, als mir Samstag Abend erstmals von der Spielunterbrechung im Match Frankfurt gegen Nürnberg berichtet wurde. Der Bekannte, der mich mit den ersten Infos versorgte, erzählte von Bengalos sowie Raketen und Leuchtspur, die aufs Spielfeld geflogen seien.

Die Realität dahinter: Im Nürnberger Block explodierten drei Knaller, außerdem landete ein dank der Nahaufnahmen im TV eindeutig als fitzelig identifizierbares Fäckelchen auf der Torauslinie. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel für 20 Minuten und pfiff es nur mit der Ansage wieder an, dass jeder weitere Verstoß zu einem Spielabbruch führen würde. Diese Message wurde von Club-Präsident Roth höchstpersönlich rübergebracht.

Was folgte, war eine Hysterie, der man das obligatorische “Medien-” vornedran entziehen muss, weil nicht nur Presse und Fernsehen mitmachten, sondern auch Vereine und Fans. Schon im Stadion waren Spieler und die sogenannten Verantwortlichen in ihren Betroffenheitsbekundungen einig wie die deutsche Bevölkerung bei der Betrachtung der US-Außenpolitik. Einzig Angelos Charisteas konnte die Aufregung nicht fassen angesichts der Dinge, die in seinem Heimatland gang und gäbe sind. Die Berichterstattung war entsprechend, und selbst in der berühmt-berüchtigten Viererkette im DSF fiel offenbar niemandem auf, dass es trotz Liveübertragung mit geschätzten 26 Kameras keine Bilder vom tödlichen Inferno gab. Auch der eigens per Telefon zugeschaltete Experte freute sich so sehr, dass er überhaupt gefragt wurde, dass der Anlass keine Rolle spielte. Spiegel Online bastelte sich sein Randale-Video einfach selbst, mit Schnipseln aus Italien und dem Verweis auf den Lazio-Fan Gabriele ,”der vor einem Ersligaspiel zu Tode gekommen” sei. Er wurde auf einem Rastplatz von einem Polizisten erschossen, aber hey! Italien ist doch soo gut geeignet zum Herstellen von Horrorszenarien, die die Ultras über die Welt bringen werden, da machen wir doch lieber einen Vergleich zu viel als zu wenig. Ebenfalls sehr populär ist die Aussage, die Szenen in Frankfurt hätten an den Spielabbruch des Mailänder Derby vor drei Jahren erinnert. Nun kann sich ja jedermann jederzeit erinnern, an was er will, aber hier wird zweifelsohne eine Mückenlarve zu einer Elefantenherde gemacht.

Viele Fans hielten es ähnlich. Im Forum der Fanszene Bremen wurde der zum Thema gehörige Thread unter den Titel “Feuerwerkskörper, Hassgesänge, Spielunterbrechung” gestellt, den Spiegel Online als Motto für die Hetzjagd vorgegeben hatte. Der Hass auf Menschen mit unangepasstem Verhalten im Stadion scheint auch bei einem User des offiziellen Werder-Forums die Triebfeder der Kritik zu sein, da man mit dem Verweis auf Frankfurt und nur mit logischen Schlüssen wohl kaum zu der folgenden Aussage kommen kann:

Von mir aus kann es Stadionverbote hageln gegen Ultras. Das ist ein Geschwür, was einfach rausgeschnitten gehört. Sie missbrauchen den Fußball in jeder Hinsicht, um ihre Show zu machen, ihre Stimmungssoße übers Stadion zu gießen, ihre Schwanzvergleiche durchzuführen - aber für den Fußball ist es eine Last. Ohne diese führergelenkten Kinderchöre waren die Kurven einfach authentischer und effektiver und näher an der Mannschaft.

Egal, was in den kommenden Wochen in deutschen Stadien passiert, das Medienecho wird die Sensationsgier wiederspiegeln, die nach den Vorfällen der letzten drei Tage aufgebaut wurde. Nicht nur das Zünden von Bengalos würde eine wahre Vernichtungsrhetorik gegen die Urheber auslösen, um die konkreten Vorfälle geht es nämlich gar nicht. Es geht um die mediale Verwertbarkeit, und die ist hoch, wenn es einigermaßen gute Bilder gibt und die Szenerie sich einfach in Gut und Böse aufteilen lässt. Bei Ereignissen, die live televised von Leuten begangen werden, die gesellschaftlich ungefähr die Anerkennung von Scheiße mit Senfsoße genießen, ist alles klar; wenn Bremer Polizisten die Menschen aus der gleichen Gruppe am Abend mit einem Gewaltexzess im Hauptbahnhof begrüßen, stehen die Chancen für die Skandalisierung, ja selbst für einen Nennung in den Medien, schlecht.

Für die Ultras geht es damit unaufhaltsam bergab. Jedes Wochenende wie dieses macht es schwieriger, den eigenen Lebensstil fortzuführen und auf der anderen Seite einfacher, ein weiteres Wochenende der Desinformation folgen zu lassen - mit wieder gleichen Folgen.

Soviel ist beim aktuellen Kurs das eine Prozent der 2200,65$ wert, die Diego an seinen “charitable trust GOL AMIGO” überweisen möchte, sobald er jemanden gefunden hat, der ihm so viel Geld für das Trikot gibt, das er gegen Glasgow trug. Was für ein armer Mensch.

Folgende Beispiele sind gültige Anwendungen des Wortes “schade”:

1. Schade, dass Van der Vaart nicht zu Valencia gewechselt ist.
2. Schade, dass du heute nicht kommen kannst.
3. Schade, aber das wird nichts mehr mit uns.

Ich wollte euch nur darin erinnern, was mit diesem Wort so alles möglich ist. Vielleicht könnt ihr euch mit Hilfe dieser Vorahnung der Lektüre des folgenden FAZ-Schnipsels hingeben:

Dariusz Wdowczyk, der Trainer des polnischen Fußball-Zweitligaklubs Polonia Warschau, hat nach Angaben polnischer Medien zugegeben, Schiedsrichter und Spielbeobachter bestochen zu haben.
Schade, es ist passiert“, sagte der Trainer nach seiner Vernehmung durch die Staatsanwaltschaft in Breslau. Nach Zahlung der Kaution wurde Wdowczyk entlassen.

Ja, Wdowczyk, so etwas ist wirklich äußerst schade. Die fremden Mächte, die sich deines Gehirns bemächtigt hatten, haben dich ausgenutzt, und nun stehst du plötzlich ganz allein da und bist sehr traurig. Es ist alles einfach so dumm gelaufen. Was soll jetzt bloß mit dem armen polnischen Fußball passieren. Dir wird ein bisschen schwindelig. Nicht schon wieder ein Skandal im Profifußball! Du weißt, du hättest es ahnen können. Zum Beispiel, als du dem Schiri Woche für Woche Geld und Anweisungen gegeben hast. Oder als du auf die Tribüne zum Spielbeobachter gegangen bist, um ihm mit hundert Euro beide Augen zuzudrücken. Aber du bist eben auch nur ein Mensch, ein kleines Zahnrad in einem unübersichtlichen Maschinensystem. Du konntest die Zusammenhänge einfach nicht erkennen, aber trotzdem fühlst du dich ein kleines bisschen schuldig und niedergeschlagen. Du warst bloß eine Marionette und hast das nicht kapiert. Wer würde bei soviel Schicksal nicht seinen Kopf betreten nach unten wenden, wer würde da nicht “Schade, es ist passiert” murmeln. Aber weißt du Wdowczyk, mach dir da nicht so viele Gedanken. Niemand wird dir einen Vorwurf machen. Diese bösen Mächte hätten schließlich jeden treffen können. Alles halb so wild. Aber schade ist es natürlich trotzdem irgendwie! Vielleicht sogar so schade, dass du dafür ins Gefängnis musst. Wir drücken dir die Daumen.

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