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	<description>Gegen die Menschlichkeit</description>
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		<title>Zum 8. Mai</title>
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		<pubDate>Mon, 07 May 2012 19:16:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eigenes]]></category>

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		<description><![CDATA[In the late 1930s, in anticipation of the potential hostilities that would become the Second World War, the British government started a rearmament programme, and as part of this, &#8220;shadow factories&#8221; were built. These were paid for by the government but staffed and run by private companies. Two were run by Rover: one, at Acocks [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.verbrochenes.net/wp-content//IMAG0189.jpg" alt="" title="IMAG0189" width="500" height="299" class="aligncenter size-full wp-image-2505" /></p>
<blockquote><p><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Rover_Company#Second_World_War_and_gas_turbines">In the late 1930s,</a> in anticipation of the potential hostilities that would become the Second World War, the British government started a rearmament programme, and as part of this, &#8220;shadow factories&#8221; were built. These were paid for by the government but staffed and run by private companies. Two were run by Rover: one, at Acocks Green, Birmingham, started operation in 1937, and a second, larger one, at Solihull, started in 1940. Both were employed making aero engines and airframes.</p></blockquote>
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		<title>Aus erster Hand</title>
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		<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 09:23:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eigenes]]></category>

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		<description><![CDATA[In Bremen gab es einmal mehr eine Zusammenkunft der israelfixierten Antisemiten. Ein leidensfähiger Leser war da und hat uns auf seinen Bericht hingewiesen. Gruselig.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In Bremen gab es einmal mehr eine Zusammenkunft der israelfixierten Antisemiten. Ein leidensfähiger Leser war da und hat uns auf <a href="http://meimhoff.wordpress.com/2012/04/20/antisemitismus-aus-erster-hand/">seinen Bericht</a> hingewiesen. Gruselig. </p>
<div id="facebook_like"><iframe src="http://www.facebook.com/plugins/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.verbrochenes.net%2F2012%2F04%2F26%2Faus-erster-hand%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80" scrolling="no" frameborder="0" style="border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;" allowTransparency="true"></iframe></div>]]></content:encoded>
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		<title>Wirte, Täter und Helfer</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Apr 2012 20:55:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Erbrochenes]]></category>

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		<description><![CDATA[In der vorletzten Ausgabe der Jungle World steht ein erstaunlicher Satz, der so anfängt: &#8220;Nachdem die Deutschen und ihre Hilfsvölker nicht nur bewiesen hatten, dass man einen wahnhaft-projektiven Antikapitalismus bis zum industriell betriebenen Massenmord steigern kann[...]&#8220;. Da wundert man sich doch, dass Völker in einer linken Wochenzeitung und in einem Artikel, der einen Absatz später [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der vorletzten Ausgabe der Jungle World <a href="http://jungle-world.com/artikel/2012/12/45130.html">steht ein erstaunlicher Satz, der so anfängt: </a><em>&#8220;Nachdem die Deutschen und ihre <strong>Hilfsvölker</strong> nicht nur bewiesen hatten, dass man einen wahnhaft-projektiven Antikapitalismus bis zum industriell betriebenen Massenmord steigern kann[...]&#8220;</em>. Da wundert man sich doch, dass Völker in einer linken Wochenzeitung und in einem Artikel, der einen Absatz später die &#8220;allgemeine Emanzipation&#8221; hochhält, affirmativ als handelnde Akteure erwähnt werden. Die Frage ist nun, ob es denn mit &#8220;Hilfsvölkern&#8221; schon getan ist, oder ob man sich nicht noch weiter im Begriffs-Fundus der völkischen Bewegungen bedienen kann. Wenn schon die nichtdeutschen Helfer der Nazis als <a href="http://www.ub.bildarchiv-dkg.uni-frankfurt.de/Bildprojekt/Lexikon/php/suche_db.php?suchname=Hilfsv%F6lker">&#8220;Hilfsvölker&#8221;</a> durchgehen, kann sich dann nicht zum Beispiel die Islamkritik den Begriff des &#8220;Wirtsvolks&#8221; nutzbar machen? Muss ja gar nicht böse gemeint sein. Und was ist mit dem guten alten &#8220;Tätervolk&#8221;? Für Martin Hohmann waren die Juden keins und die Deutschen erst recht nicht, aber wie sieht es denn mit den Hutu aus?<br />
Ich bin jedenfalls gespannt, ob die Sicht auf die Menschheit als eine Ansammlung von Völkern mit bestimmten Eigenschaften und Funktionen, Ameisen nicht unähnlich, in der Jungle World sich durchsetzen wird. </p>
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		<title>Benny, Fidel und Jockel</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Mar 2012 10:12:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eigenes]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn der deutsche Papst verkündet, man müsse &#8220;alles tun, dieses zerstörerische Böse zu bekämpfen, das sich gegen die Menschheit und die Jugend richtet&#8221;, macht man sich reflexartig Sorgen um die Judenheit, aber natürlich hat der rüstige Regensburger etwas anderes im Blick, wenn er auf seinem Besuch im vom Drogenkrieg geplagten Mexiko sagt: &#8220;Es ist die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-03/papst-mexiko-drogenkrieg">der deutsche Papst verkündet</a>, man müsse &#8220;alles tun, dieses zerstörerische Böse zu bekämpfen, das sich gegen die Menschheit und die Jugend richtet&#8221;, macht man sich reflexartig Sorgen um die Judenheit, aber natürlich hat der rüstige Regensburger etwas anderes im Blick, wenn er auf seinem Besuch im vom Drogenkrieg geplagten Mexiko sagt: &#8220;Es ist die Aufgabe der Kirche, das Gewissen zu bilden, zur moralischen Verantwortung anzuhalten und das Böse zu entlarven, die Vergötterung des Geldes zu demaskieren, die den Menschen versklavt, und die falschen Versprechen der Drogen, ihre Lügen und der damit verbundene Betrug. (sic!)&#8221; Gut, dass die Mexikaner also die Kirche haben, wer würde es sonst als &#8220;das Böse entlarven&#8221;, wenn man mal wieder ein dutzend abgeschnittene Köpfe in der Wüste findet? </p>
<p>Ansonsten folgt der Papst streng den Regeln der Konkurrenz: Der Markt der Vergötterungen ist umkämpft, und wer das Geld vergöttert, der vergöttert keinen alten Mann in lustigen Klamotten. Wer die falschen (und die richtigen) Versprechen der Drogen glaubt, glaubt vielleicht denen der Kirche nicht mehr. </p>
<p>Inzwischen ist Benny Ratze im befreiten Kuba angekommen, wo er ganz erstaunliche Schlagzeilen provoziert: &#8220;Papst fordert Kuba zur Erneuerung auf&#8221; teilt der Bremer &#8220;Weser-Kurier&#8221; mit, und da freut man sich natürlich, wenn der Papst zur Erneuerung aufruft. Er beweist dabei, dass ihm im Labern keiner was vormacht und er auch den sozialistischen Jargon mühelos beherrscht. Für &#8220;den Aufbau einer offenen und erneuerten Gesellschaft, einer besseren, menschenwürdigeren Welt kämpfen&#8221; sollen die Kubaner. Einzelheiten wird er heute mit Fidel Castro besprechen, und wenn es noch eines Beweises für die umfassende Absurdität der menschlichen Existenz bedürfte, dann wäre der mit dem Erinnerungsfoto von Fidel und Benedikt sicher erbracht. </p>
<p>Wenn nun der Papst zur Erneuerung aufruft, ruft dann auch der Bundespräsident zur Ehrlichkeit und zur Arbeit auf? Heute mal nicht, denn er ist unterwegs. Und weil Gauck, der trottelige Ossi, nie müde wird, auf seine Erfahrungen mit der Diktatur zu verweisen, hat sich der &#8220;Weser Kurier&#8221; heute etwas ganz Besonderes ausgedacht. Gabriele Lesser macht uns nämlich vor, wie das war in der DDR, als die Politiker stets für den Frieden und die Völkerverständigung unterwegs waren. Überschrift: &#8220;Präsident Joachim Gauck gewinnt die Herzen der Polen&#8221;. Toll! Die meisten Polen dürften das nicht mitbekommen haben, weil sie arbeiten mussten, aber was solls, der polnische Präsident jedenfalls war so aus dem Häuschen, dass er bewegende Worte gefunden hat: &#8220;Diese gemeinsame Erfahrung stellt ein wichtiges Fundament für unsere künftige Zusammenarbeit dar, bilateral, aber auch in der EU&#8221;. Hach, ist das schön, da öffnet einer sein Herz. Die &#8220;gemeinsame Erfahrung&#8221; ist natürlich der Sozialismus. Doch während Gauck in Rostock als Pastor herumlungern und <a href="http://www.konkret-verlage.de/kvv/txt.php?text=a6">Pläuschchen mit der Stasi halten</a> konnte, musste Komorowski in Polen tatsächlich ins Gefängnis. Wirklich schlimm scheint für die Autorin etwas anderes zu sein: &#8220;Arbeit konnte er nur als Geschichtslehrer in einem katholischen Gymnasium finden.&#8221; Was waren das noch für Zeiten, in denen Menschen &#8211; und dann auch noch solche aus einer &#8220;Familie aus altem Adelsgeschlecht&#8221;! &#8211; als Geschichtslehrer arbeiten mussten! Zum Glück hat auch das Viertel der Deutschen in Lohnarbeit, das heute von Niedriglöhnen lebt, jetzt einen Präsidenten, der sie daran erinnert, dass es immer noch schlimmer kommen könnte: Unter den Kommunisten, da mussten adelige Menschen an katholischen Gymnasien unterrichten.</p>
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		<title>Morgen wird wie heute sein</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Mar 2012 12:59:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anderes]]></category>
		<category><![CDATA[Eigenes]]></category>

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		<description><![CDATA[Je weniger sie selbst in der Lage sind, die Gesellschaft zu verändern, desto mehr hoffen die Menschen darauf, der technische Fortschritt möge das für sie erledigen. Das neueste Beispiel dafür sind Internet und neue Medien, Facebook und Twitter. Für Ägypten und Tunesien wird ihnen eine befreiende Rolle zugeschrieben, und in der deutschen Politik sind sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Je weniger sie selbst in der Lage sind, die Gesellschaft zu verändern, desto mehr hoffen die Menschen darauf, der technische Fortschritt möge das für sie erledigen. Das neueste Beispiel dafür sind Internet und neue Medien, Facebook und Twitter. Für Ägypten und Tunesien wird ihnen eine befreiende Rolle zugeschrieben, und in der deutschen Politik sind sie ebenfalls angekommen: „Facebook-Partys“ versetzen Konservative in Angstlust, „Liquid Democracy“ soll die Demokratie stärken, und linksliberale Aktivistinnen und Aktivisten kämpfen mit Hingabe gegen Vorratsdatenspeicherung und für Netzneutralität. Ob man also für oder gegen den Fortschritt ist, im Internet ist das Schlachtfeld für diese Auseinandersetzung gefunden.</p>
<p><strong>Wie Facebook einmal eine Revolution gemacht hat </strong></p>
<p>Große Aufmerksamkeit bekamen die neuen Medien von den alten, als 2011 in Tunesien und Ägypten die Regierungen gestürzt wurden. Zuvor war schon einmal die „Twitter-Revolution“ ausgerufen worden, nämlich als 2009 nach den Präsidentschaftswahlen im Iran Facebook und Twitter als Instrumente zur Organisation von Protesten zum Einsatz gekommen waren. Wie groß der Einfluss der genannten Plattformen im Iran, in Tunesien und in Ägypten tatsächlich war, ist seitdem Gegenstand von Diskussionen.<br />
<a href="http://www.nytimes.com/2011/02/06/world/middleeast/06face.html?_r=1"><br />
Bereits im Juni 2010</a> hatten sich über 140.000 Menschen auf der nach einem von der Polizei ermordeten Ägypter benannten  Facebook-Seite „Wir sind alle Khaled Said“ zusammengefunden. Die Seite diente bald als Forum für unzufriedene und regimekritische Menschen und schließlich wurde dort auch zu den Protesten am 25. Januar aufgerufen, die dann die Revolution in Gang setzten. Ihr Administrator, ein Google-Mitarbeiter, wurde später kurzzeitig berühmt. Über die Frage, wie entscheidend die Rolle von Facebook in Ägypten war und darüber, wie Revolutionen überhaupt zustande kommen, haben Thomas Apolte und Marie Möller in der FAZ <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/arabische-welt/staaten-im-umbruch-die-kinder-der-facebook-revolution-1592378.html">einen interessanten Artikel veröffentlicht.<br />
</a></p>
<blockquote><p>
Überlegt sich ein Individuum unter diesen Bedingungen die Sache genau, so wird es feststellen: Protestiere ich, so wird das den Erfolg der Revolution praktisch nicht beeinflussen. Ich werde aber mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Strafe erdulden müssen. Ist die Bestrafungswahrscheinlichkeit hingegen gering, so weiß es: Ich habe zwar kaum Einfluss auf den Fortgang der Revolution, aber ich muss auch kaum mit einer Strafe rechnen. Wenn es dem Individuum einfach nur wichtig ist, dabei zu sein, so wird es genau dann dabei sein, wenn die Bestrafungswahrscheinlichkeit nicht zu hoch ist. &#8230; Je mehr Menschen an Umsturzaktionen teilnehmen, desto eher verlieren die Spitzel den Überblick und desto mehr sinkt die Bestrafungswahrscheinlichkeit. &#8230; Hat die Bestrafungswahrscheinlichkeit einmal einen kritischen Wert unterschritten, so zieht dies weitere Protestierende an, womit die Bestrafungswahrscheinlichkeit weiter sinkt, was wiederum weitere Protestierende anzieht, und so weiter. Zunächst kleine Proteste können sich jetzt schnell zu unkontrollierbaren Massenaktionen auswachsen. &#8230; Fassen wir zusammen: Will eine Bevölkerung ihre Unterdrücker abschütteln, so muss sie sich zur selben Zeit in so großer Zahl zusammenfinden, dass die Sicherheitskräfte den Überblick verlieren und daher die Wahrscheinlichkeit einer Strafe für jeden Teilnehmer so weit sinkt, dass er von Strafen nicht mehr abgeschreckt werden kann.
</p></blockquote>
<p>Damit die Bevölkerung sich nun &#8220;zur selben Zeit in so großer Zahl zusammenfinden&#8221; kann, braucht es einen &#8220;fokalen Punkt&#8221;, an dem das stattfinden bzw. seinen Ausgang nehmen kann. Und der scheint mit Facebook und Twitter gefunden. Apolte/Möller: </p>
<blockquote><p>[Plattformen wie Twitter und Facebook] erleichtern die Koordination revolutionärer Aktivitäten so sehr, dass sich künftig deutlich häufiger fokale Punkte zusammenbrauen könnten. Insoweit ist der Begriff der Facebook-Revolution durchaus treffend.</p></blockquote>
<p>Dass mit einer Revolution an sich aber noch nichts erreicht ist, kommt in diesem unbedingt lesenswerten Artikel noch zur Sprache. Außerdem ist festzustellen, dass es sich in Ägypten letztendlich nicht um eine erfolgreiche Revolution handelt, da zwar ein vergreister Präsident aus dem Amt gejagt wurde, das Regime an sich aber weiterhin an der Macht ist. Dass das Internet auch eine ganz neue Welt von Überwachungsmöglichkeiten bietet und von Regierungen zur Not auch einfach abgeschaltet werden kann, lässt zumindest fraglich erscheinen, ob es weitere &#8220;Facebook-Revolutionen&#8221; geben wird. </p>
<p><em>Fun Fact #1</em><br />
<em>Die Vorstellung, dass mit Twitter und Facebook ausgerechnet zwei Firmen aus Kalifornien den Unterdrückten der Dritten Welt die Freiheit bringen könnten, ist nicht umsonst so oft in den Medien. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt handelt es sich um einen attraktiven Gedanken für westliche Journalistinnen und Journalisten, weil die betreffende Technik von ihnen schon lange genutzt wird, während sie sich etwa in Ägypten gerade erst ausbreitet. Die sozialen Medien erlauben es, den eigenen computerisierten Alltag nicht nur in Beziehung zum Geschehen im Nahen Osten zu setzen, sondern sich selbst in einer Position zu wissen, die die anderen noch nicht erreicht haben. </em></p>
<p><strong>London calling </strong></p>
<p>Und im hochentwickelten Westen? Zumindest von der Bildwelt her kamen die randalierenden englischen Jugendlichen, die im August letzten Jahres Polizei-Autos, Läden und Häuser demolierten, dem romantischen Ideal einer Revolution am nächsten. Fünf Menschen starben. Auslöser war das Erschießen eines jungen Mannes durch die Polizei. Vgl.: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Chalid_Muhammad_Sa%CA%BFid">Khaled Said</a> in Ägypten und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mohamed_Bouazizi">Mohammed Bouazizi</a> in Tunesien.</p>
<p>Während in Spanien die zerfallende Mittelschicht freundlich auf öffentlichen Plätzen kampierte, randalierte in England die längst marginalisierte Unterschicht. Schnell als unpolitische Randale abgetan, hatten die Riots nach einer Untersuchung der „London School of Economics“ <a href="http://www.guardian.co.uk/uk/2011/dec/05/anger-police-fuelled-riots-study">und des „Guardian“ doch politische Gründe</a>, allen voran wenig überraschend den Hass auf die Polizei.</p>
<p>Organisiert wurden die spontanen Aktionen nicht über Facebook oder Twitter, sondern über Mobiltelefone und Kurznachrichten. Das ist nur folgerichtig: Solche Aktionen lassen sich nicht im Vorhinein öffentlich planen, Facebook ist deshalb nutzlos. Wer die Polizei angreifen, Autos anzünden und Elektronikmärkte ausplündern will, spricht sich besser mit seinen Freunden am Telefon ab, als eine Facebook-Gruppe zu gründen. Denn die Erkenntnis, dass man mit Facebook theoretisch mehr organisieren könnte als seinen Freundeskreis, ist auch der Polizei schon gekommen, weshalb in Deutschland die sogenannten Facebook-Partys schon misstrauisch beäugt und mitunter von Großaufgeboten der Polizei begleitet wurden. Sollte jemand planen, über Facebook so etwas wie eine unangemeldete, ungeordnete Demonstration zu organisieren, darf er mit der Aufmerksamkeit der Polizei rechnen. </p>
<p><strong>Occupy something</strong></p>
<p>Derweil steht die ganze Welt vor der Frage, wie man mit der neuesten Krise des Kapitalismus umgehen soll. Dass gleichzeitig für die Länder des Nahen Ostens genau dieser Kapitalismus mit angeschlossener Demokratie als zu erreichendes Ideal gilt, kann man getrost als Treppenwitz der Geschichte verbuchen. (Und es ist wahr: Für die Bevölkerung der arabischen Länder wäre eine Demokratie nach westlichem Vorbild ein wunderbarer Fortschritt. Wer allerdings auf eine ernsthafte Debatte darüber hofft, ob man nicht  doch nochmal etwas anderes, besseres probieren sollte, darf sich sicher sein, dass der Aufstieg der Demokratie zum Exportschlager dabei nicht helfen wird.) Wenig überraschend konnten denn auch in der Finanzkrise weder der Marxismus noch andere linke Welterklärungen punkten. Stattdessen gab es die „Occupy“-Bewegung, die zumindest in Europa vor allem aus Verschwörungs-Fans und anderen Idioten bestand, die kaum diskutable politische Äußerungen zustande brachten. Sie verdeutlicht aber in der Debatte über den Fortschritt, den die neuen Medien mit sich bringen könnten, einen interessanten Punkt. Denn das Ideal, das „Occupy“ zu reproduzieren sucht, ist keines vom Fortschritt, sondern eines aus der guten alten Zeit. Der amerikanische Publizist Mark Greif, selbst bei „Occupy“ aktiv, schrieb darüber: </p>
<blockquote><p>„Wenn es eine Vorstellung gibt, der die Occupy-Lager in New York, Oakland, Los Angeles, Atlanta, Chicago, Boston, Washington und hundert weiteren Orten am ehesten entsprechen, dann ist es wohl das Bild von der amerikanischen Kleinstadt, welches wir alle in uns tragen. Ich finde es erstaunlich, dass das noch niemand so gesagt hat. [….]  [Ich bin] davon überzeugt, dass im<br />
Hintergrund eine sehr alte, für die sogenannte &#8216;Mittelschicht&#8217; (in dem Sinne, in dem jeder Amerikaner, egal ob reich oder arm, sich zur Mittelschicht rechnet) typische Vorstellung mitschwang, deren Ursprünge bis in die Zeit Thomas Jeffersons zurückreichen: die Vereinigten Staaten als Erfolgsmodell auf der Grundlage der idealtypischen Kleinstadt, die es immer wieder zu reproduzieren gilt, egal in welcher Gegend und in welchem Klima.“
</p></blockquote>
<p><strong>Früher war alles besser<br />
</strong><br />
Für die neueste Spielart der sozialen Proteste ist die Kleinstadt die ideale Gemeinschaft, in der die Bewohner ihr Leben noch selbst in der Hand haben und im ur-demokratischen Austausch der Townhall-Meetings ihre Dinge gemeinsam regeln. „Occupy“ will das zurückhaben, was Globalisierung und Kapitalismus längst unmöglich gemacht haben.<br />
In Spanien ist es ähnlich, Millionen junge Arbeitslose sind keineswegs gegen den Kapitalismus, im Gegenteil: Sie wollen vom Kapitalismus das, was ihre Eltern noch hatten, was für sie selbst aber nicht mehr zu erreichen ist. Und auch in den Camps zeigt sich, dass es sich mitnichten um eine irgendwie sozialistische Bewegung handelt. Vielmehr sind es die Leute, die im Kapitalismus gerade zu den Verlierern gehören; die verschuldeten Kinder der Mittelschicht teilen ihre Lager mit Obdachlosen und können politisch nicht viel mehr äußern, als dass sie mit ihrer Situation unzufrieden sind. Insofern sind weder ihre Motivation, noch ihre Organisationsform, noch ihre Inhalte neu.<br />
<strong><br />
Fertigmachen zum weitermachen</strong></p>
<p>An der Spitze des Fortschritts stehen die Piraten aus der gleichnamigen Partei, die inzwischen nicht nur im Berliner Abgeordnetenhaus sitzen, sondern sich mit Umfragewerten um die neun Prozent auch berechtigte Hoffnungen auf einen Einzug in den Bundestag machen dürfen. Marxistische Theorie ist auch an dieser Bewegung spurlos vorbei gegangen; die Piraten sehen ihre Freiheit nicht durch 40 Stunden Lohnarbeit in der Woche bedroht, sondern durch bestimmte Vorstellungen von Urheberrecht und den ausufernden Überwachungsstaat. Als originäre Nerd-Partei sind die Piraten ein vom Aufkommen des Internets und der sozialen Medien nicht zu trennendes Phänomen. </p>
<p>Wenn es um die Vorratsdatenspeicherung oder, aktueller, um internationale Abkommen wie „Acta“ geht, erweisen Piraten und Konsorten sich als durchaus kampagnenfähig. Hier hat sich eine Bürgerrechtsbewegung gebildet, die das Land vor übermotivierten Innenpolitikern und ratlosen Konzernen schützen will – eine Aufgabe, die die etablierten Parteien ein wenig vernachlässigt haben. Konkurrenz haben die Piraten dabei in eigens gegründeten Verbänden mit lustigen Namen wie „Digitale Gesellschaft“, einer Vereinigung von Leuten, deren Qualifikation darin liegt, dass sie über Internetanschluss und linksliberalen Gestus verfügen und die bei den Medien dankbar als Stimme des Internets genommen werden, wenn Sascha Lobo mal nicht ans iPhone geht. Zu nennen wäre natürlich auch noch der „Chaos Computer Club“, der ein bisschen älter ist und weiser daherkommt. </p>
<p>An der Spitze des Fortschritts stehen die Aktivisten insofern, als sie daran arbeiten, einer Branche, in der kaum noch Geld verdient wird, wieder auf die Beine zu helfen. Filme, Musik und Zeitungen werfen kaum noch etwas ab, seit ihnen der technische Fortschritt in die Quere gekommen ist. Und wenn kein Geld mehr verdient wird, dann muss im Kapitalismus jemand etwas unternehmen. Dafür steht die „Netzgemeinde“ längst bereit und arbeitet daran, die Verwertungsketten gegen den Widerstand von schwerfälligen Riesenunternehmen und tumben Politikern wieder in Stand zu setzen. Neben einer Art neuen Urheberrechts werden die progressiven Kräfte die Demokratie auch mit allerlei Gedöns beehren, das der etwas langweilig gewordenen Volksherrschaft neues Leben einhauchen könnte: „Adhocracy“ zum Beispiel heißt ein spannendes Mitmach-Programm für jedermann, mit dem viele Fragen des täglichen Zusammenlebens in Zukunft am Computer effizienter, gerechter und unter direkter Beteiligung von echten Menschen entschieden werden könnten. So bleibt alles gleich und wird ganz anders. </p>
<p><em>Fun Fact #2</em><br />
<em>Das Internet steht im Westen fast allen Menschen offen – zur Benutzung. Dabei wird die Illusion der Teilhabe geschaffen, die den Kapitalismus insgesamt auszeichnet: Man kann alles kaufen, was produziert wird; man kann aber nicht mit darüber entscheiden, was überhaupt produziert wird. Der Fortschritt kommt über die Menschen wie der Regen, vielleicht vorhersagbar, aber nicht zu beeinflussen.<br />
</em><br />
<strong>Talking about my generation</strong></p>
<p>Gut möglich, dass der technische Fortschritt die längst überfällige Modernisierung der arabischen Welt angestoßen hat. Ebenso gut möglich, dass die Modernisierung noch eine Weile auf sich warten lassen wird, während Islamisten und andere Reaktionäre sich in den endlich aufgebrochenen politischen Verhältnissen austoben dürfen. </p>
<p>Mit Piratenpartei und Internet-Verbänden sind Blogs und Internetkultur derweil im bundesdeutschen Betrieb angekommen und damit ein gutes Beispiel dafür, wie der Fortschritt alles bewahrt. So schön das einmal klang, dass im Internet nun fast alle fast alles veröffentlichen können, so wenig hat es an den Verhältnissen geändert. Die zeitlich nach den ersten Blogs entstandenen Plattformen Facebook und Twitter haben sich als praktische Tools erwiesen, keine vernünftige Mobilisierung ist ohne Facebook noch komplett; sie haben sich aber auch als Privatangelegenheit erwiesen. Wo man sich nicht, wie in Tunesien geschehen, vor auf Hausdächern liegenden Scharfschützen warnen muss, kann man sich in Ruhe über die Tweets von Erika Steinbach aufregen und gleich anschließend merken, dass das Ideal eines vernünftigen Austauschs zwischen vernünftigen Menschen nur noch weiter in die Ferne gerückt ist. Das Internet ist ein Hort der bornierten Selbstgerechtigkeit. Wer früher nickend seine Zeitung las, drückt jetzt Retweet. Und dann alles weiter wie bisher.</p>
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		<title>Mordmaschinen im Vergleich</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 14:18:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anderes]]></category>

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		<description><![CDATA[Wolfgang Pohrt hat ein neues Buch geschrieben. Es heißt &#8220;Kapitalismus Forever: Über Krise, Krieg, Revolution, Evolution, Christentum und Islam&#8221;. Um das Buch ins Gespräch zu bringen, wurde ein Auszug im Tagesspiegel als Essay veröffentlicht, natürlich einer zu einem kontroversen Thema: dem Islam. Erwartbarerweise hält Pohrt den Islam nicht für eine schlimmere Religion als dessen Konkurrenten, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wolfgang Pohrt hat ein neues Buch geschrieben. Es heißt <a href="http://www.amazon.de/Kapitalismus-Forever-Revolution-Evolution-Christentum/dp/3893201661">&#8220;Kapitalismus Forever: Über Krise, Krieg, Revolution, Evolution, Christentum und Islam&#8221;.<br />
</a> Um das Buch ins Gespräch zu bringen, wurde ein Auszug <a href="http://www.tagesspiegel.de/meinung/andere-meinung/abendland-vs-islam-in-europa-sind-gottlose-in-einen-religionskrieg-getreten/6157224.html">im Tagesspiegel als Essay veröffentlicht,</a> natürlich einer zu einem kontroversen Thema: dem Islam. Erwartbarerweise hält Pohrt den Islam nicht für eine schlimmere Religion als dessen Konkurrenten, und so trägt er, der als Vordenker der Antideutschen gilt, sich erneut den Zorn der ex-antideutschen Kreise zu, die ihn schon vor neun Jahren einmal abgeschrieben hatten. Nun schreibt Pohrt stellenweise immer noch so brilliant wie früher, <a href="http://www.edition-tiamat.de/Textproben/Pohrt-Buch1-12.pdf">eine Kostprobe (PDF):</a></p>
<blockquote><p>Sahra Wagenknecht also, die immer so aussieht, als käme sie frisch aus der Maske für einen Historienfilm im Zweiten. Auf echt geschminkt spielt die Rosa-Luxemburg-Doublette Kapitalschützerin und sorgt sich im Großkapitalistenblatt um den Mittelstand. So lustig war Volksfront noch nie.</p></blockquote>
<p>Kein Wunder, dass viele von denen, die gerne so schreiben können würden wie er, ihn irgendwann hassen gelernt haben und die ersten sich jetzt in die Jagdkleidung werfen, wo Pohrt ein vom Verlag als &#8220;assoziativ&#8221; geschrieben beschriebenes Buch heraus gibt, eine recht lose Ansammlung von Gedanken also. Er scheint angreifbar. Der erste, der sich ausführlich auf Pohrt gestürzt hat, ist Clemens Heni, der Pohrt aufgrund des Tagesspiegel-Texts gleich mal <a href="http://clemensheni.net/2012/02/05/das-ende-des-denkens-wolfgang-pohrt-der-kulturrelativismus-und-der-islamistische-antisemitismus/">das &#8220;Ende des Denkens&#8221; vorwirft</a> &#8211; drunter macht man&#8217;s heutzutage ja nicht mehr. Man muss nicht jeden Absatz aus Pohrts Text akzeptabel oder angemessen finden, um zu erkennen, dass er gegen Henis halbgare Attacken zu verteidigen ist. </p>
<p>Pohrt: </p>
<blockquote><p>In jedem Diskussionsforum im Internet gibt es faschistische Hetzer, die Koransuren angeblich aus dem Original zitieren, um zu beweisen, wie schrecklich und gefährlich der Islam sei. <em>Diese Akribie</em> erinnert an Eichmanns Judenreferat im Reichssicherheitshauptamt der SS, wo mit der Zeit die umfassendste Sammlung von Judaika zusammengetragen wurde und die Beflissensten unter den Mördern sogar Hebräisch gelernt hatten. Die kannten den Talmud besser als jeder Jude. Und so ist das heute auch. Die Moslemfresser können Koransuren zitieren, die einem Moslem mit Sicherheit unbekannt sind.</p></blockquote>
<p><em>(Hervorhebung von mir.) </em></p>
<p>Nun ist es natürlich Quatsch, dass diese faschistischen Hetzer sich in &#8220;jedem Diskussionsforum im Internet&#8221; finden würden, aber mit den tatsächlichen Fehlern in Pohrts Text beschäftigt Heni sich nicht. Dafür klärt er etwas anderes auf: Laut Heni werden mit dem zitierten Absatz &#8220;Kritiker des Jihad als Faschisten, ja als Nazis diffamiert&#8221;. Das ist interessant, weil Heni damit bestätigt, dass genau die Leute, die Pohrt zu recht als &#8220;faschistische Hetzer&#8221; bezeichnet, bei ihm als &#8220;Kritiker&#8221; durchgehen. Heni macht nicht etwa die Aufteilung &#8220;Schmuddelkinder von PI &#038; Co einerseits &#8211; Islamkritiker andererseits&#8221; auf, er liest nur &#8220;faschistische Hetzer&#8221; und macht sich dann zum Verteidiger derselben.</p>
<p>Nicht zum ersten Mal soll Pohrt jetzt als Antisemit geoutet werden: &#8220;Die Kritik am Islamismus in die Nähe von Auschwitz zu rücken, ist schon antisemitisch.&#8221; Um diesen Vorwurf zu machen, muss man erst einmal ignorieren, dass Pohrt nicht vom Islamismus, sondern vom Koran gesprochen hat. Schließlich gilt die angesprochene Hetze auch nicht den Islamisten (dann wäre es keine), sondern allen als Muslime wahrgenommenen Menschen. Und es ging Pohrt auch nicht um die Kritik, die er auch nicht mit Nazi-Texten verglichen hat, sondern um <em>die Akribie</em>, mit der in teils irrelevanten uralten Texten gewühlt wird, um eine Feinderklärung möglich zu machen. Pohrt behauptet nicht einmal ansatzweise, dass Moslems heute wie die Juden damals verfolgt werden würden. Er behauptet auch nicht, dass das Ressentiment gegen den Islam mit dem Antisemitismus vergleichbar wäre. Und erst recht betreibt er keine &#8220;Banalisierung von Auschwitz&#8221;, wie Heni unterstellt. Stattdessen bemerkt er, dass die Akribie der Moslemfresser beachtlich und nicht neu ist; und jeder, der sich mal kurz auf &#8220;Politically Incorrect&#8221; über den Koran informiert hat, weiß, dass er recht hat.</p>
<p>Wieder Pohrt: </p>
<blockquote><p>Also zurück zum Islam. Ist das eine besonders schlimme Religion?</p>
<p>Nein, im Gegenteil. Als Mordmaschine war das Christentum effizienter. Die Indianer in Südamerika und später in Nordamerika plattgemacht, im 30-jährigen Krieg einander verhackstückt, die Scheiterhaufen, die Folterkammern und die beiden Weltkriege mit an die 70 Millionen Toten – waren das etwa keine Christen? Und Auschwitz? Waren das die Moslems?</p></blockquote>
<p>Wieder muss Heni sich mehrfach verlesen, um Pohrt angreifen zu können: &#8220;Die Gleichsetzung von ‚Indianerausrottung‘ und Holocaust ist ein sekundärer Antisemitismus,&#8230;&#8221; Nur schade, dass Pohrt beides nicht gleichgesetzt hat, sondern ganz unterschiedliche Ereignisse aufzählt, die eben eines gemeinsam haben: Es sind große Menschenmassen umgebracht worden. Auschwitz steht, wenn man genau hinguckt, nicht einmal in einem Satz mit den anderen Ereignissen, sondern unter einer neuen Fragestellung in einem neuen Satz &#8211; was den Vorwurf der Gleichsetzung noch absurder und frecher macht. </p>
<p>Heni weiter: &#8220;Die dümmliche Gleichsetzung von Erstem und Zweitem Weltkrieg passt dazu, wobei übrigens beide Kriege als christlich dargestellt werden und nicht etwa als von Deutschen verursacht.&#8221; Dümmlich ist hier weiterhin nur Henis Vorstellung einer &#8220;Gleichsetzung&#8221;, man muss sich das nochmal vor Augen halten: Aus dem Satzbaustein &#8220;die beiden Weltkriege mit an die 70 Millionen Toten&#8221; leitet er ohne jede weitere Begründung eine Gleichsetzung von beiden Weltkriegen ab, was auch immer die nun eigentlich sein soll. </p>
<p>Beeindruckend ist die Feststellung, dass die Kriege doch gar nicht christlich gewesen seien, sondern von Deutschen verursacht worden seien. Kein falscher Einwand: Nicht alle historischen Ereignisse werden von der vor Ort verbreiteten Religion bestimmt. Aber ist das jetzt ein Einwand, den ausgerechnet die Verfechter der Islamkritik gegen einen Sozialisten vortragen sollten?<br />
Zum Lachen wird das Thema, als Heni später behauptet: &#8220;Wenn Pohrt ernsthaft schreibt, der Islam hätte noch fast nichts auf dem „Kerbholz“ leugnet er [...] u.a. auch die über 10 Millionen Toten, jene afrikanischen Sklaven, die Opfer des islamisch-arabischen Sklavenhandels wurden.&#8221; Die Opfer des Sklavenhandels (den er später tatsächlich als &#8220;islamischen Sklavenhandel&#8221; bezeichnet) will Heni also auch auf das Konto einer Religion verbuchen, was angesichts der offenkundigen ökonomischen Komponente von Sklaverei schon bemerkenswert ignorant ist. Notabene: Er schreibt das im selben Text, in dem er zuvor darauf hingewiesen hat, dass das Christentum schwerlich für alle Toten in der christlichen Welt verantwortlich gemacht werden kann. </p>
<p>Es folgt dann eine langwierige Aufzählung ohne erkennbaren Bezug zu Pohrt, in der Heni erwähnt, wer den Nazis alles gerne beim Holocaust behilflich war. Darunter auch &#8211; man glaubt es kaum &#8211; Muslime. Sollte das ernsthaft als Antwort auf Pohrts rhetorische Frage &#8220;Und Auschwitz? Waren das die Moslems?&#8221; gedacht sein, sollte Heni vielleicht noch einmal über seine eigenen Schuldabwehr-Mechanismen nachdenken. </p>
<p>Weiter: &#8220;Doch Fakten interessieren einen Ideologen wie Pohrt (‚der Kapitalismus ist an allem Schuld‘) überhaupt nicht, &#8230;&#8221;<br />
Heni, der Pohrt schon zu Anfang seines Textes vorgeworfen hat, er habe in den 80ern so getan (!), &#8220;als habe er die Kritische Theorie von Horkheimer und Adorno zur Kenntnis genommen&#8221;, will vom Kapitalismus nicht reden, vom Faschismus allerdings auch nicht schweigen. </p>
<p>Zuerst muss er aber einen weiteren Absatz Pohrt falsch verstehen.</p>
<p>Pohrt: </p>
<blockquote><p>Man will über den Islam sprechen und landet beim Christentum. Neuer Versuch: Fangen wir an mit dem 11. 9. 2001, den Anschlägen auf die Twin Towers und auf das Pentagon. Wer war’s? Natürlich Osama bin Laden und seine Crew. Aber das Drehbuch für den Horrorfilm kam aus Amerika. Mit dieser Szene endet Tom Clancys Bestseller „Ehrenschuld“, und sein Bestseller „Befehl von oben“ beginnt damit. Nur ist der Typ, der seine Maschine aufs Kapitol krachen lässt und damit die gesamte politische Spitze einschließlich des Präsidenten ausradiert, bei Clancy ein rachsüchtiger Japaner. Die Thriller erschienen 1994 und 1996, damals hatte man noch andere Feindbilder.</p>
<p>Was zeigt uns das? Osama bin Laden hat nicht nur amerikanische Serien im TV geguckt – „Fury“ mochte er am liebsten –, er war auch ein Fan von Tom Clancy. Und vermutlich kannte er Katastrophenfilme wie „Erdbeben“ oder „Flammendes Inferno“. Also: Wo uns der Islamismus am finstersten und archaischsten erscheint, ist die Verwestlichung am weitesten fortgeschritten.</p></blockquote>
<p>Was steht nicht in diesem Absatz? Genau: &#8220;Der Westen sei also selber Schuld <em>(sic!)</em> am Massenmord von 9/11.&#8221; Was noch nicht? &#8220;Die Kriegserklärung der Islamisten gegenüber dem Westen, wie sie z.B. schon 1998 in einem Dokument Bin Ladens deutlich wurde, wird komplett geleugnet. Pohrt verwechselt Fiktion und Wirklichkeit, ja für ihn ist die amerikanische Fiktion im Filmwesen schlimmer als die islamistisch-massenmörderische Wirklichkeit.&#8221;</p>
<p>Heni hat hier schlichtweg nicht verstanden, was Pohrt sagen will: Die Verwestlichung des Islam ist im vollen Gange und zeigt sich selbst im antiwestlichen Terroranschlag noch. Al-Qaida als weltweit operierendes Netzwerk ist ein gutes Beispiel, und die spektakuläre Inszenierung des Massenmords ein weiteres. Antiamerikaner holen sich ihre Anregungen zum Krieg gegen die westliche Dekadenz aus der amerikanischen Kulturindustrie. (Wenn&#8217;s denn stimmt, mit den Anregungen, wer weiß, wo Pohrt das her hat.) Aber auch ohne diese Anekdote ist die Verwestlichung des Islam schwer zu leugnen. Wer will, kann mehr über die zugrundeliegenden Prozesse bei <a href="http://www.bpb.de/publikationen/1UQQ1L,0,Der_islamische_Weg_nach_Westen.html">Olivier Roy</a> nachlesen. Für Islamkritiker empfiehlt sich das allerdings nicht recht, da sie die Vorstellung eines klar von ihrem eigenen Kollektiv, sei es nun das Vaterland oder &#8220;der Westen&#8221;, abtrennbaren Islam nicht würden aufrecht erhalten können. </p>
<p>Inzwischen wurde Pohrt gleich zwei Mal als antisemitisch gebrandmarkt, aber das kann natürlich noch nicht alles sein: &#8220;Der positive Rassismus von den Pohrts dieser Welt liegt darin, Muslime und Islamisten nicht als Subjekte ernst zu nehmen.&#8221; Wiederum bemerkenswert von einem, der als handelndes Subjekt den Islam ausgemacht hat, der u.a. Afrikaner versklavt. </p>
<p>Weil Pohrt das deutsche Establishment zu sehr hasst, um zuzugeben, dass der Antisemitismus der islamistischen Parteien diese zu deutlich unangenehmeren Zeitgenossen als die Christdemokraten macht, meint Heni, ihn indirekt als &#8220;Freund des blutigen Jihad&#8221; verleumden zu dürfen. Aber auch das reicht ihm noch nicht, Pohrt ist auch noch &#8220;wie ein kleines Kind&#8221;. Dass er &#8220;bei Wahnsinnigen wie der iranischen Führung vom cui bono&#8221; fabuliere, könnte man als Lüge bezeichnen, weil nichts dergleichen bei Pohrt vorkommt. Wahrscheinlicher ist aber, dass auch hier wieder einfach nicht verstanden wurde, was wirklich gemeint war. In diesem Fall also, Pohrt: &#8220;Ich will wissen, wie die Leute ticken, und das weiß ich. Nämlich so: Allah ist groß – aber ein Cadillac ist größer. Dem Iran geht es um Atomwaffen, nicht um fromme Sprüche.&#8221; Womit Pohrt den berechtigten Hinweis bringt, dass ein Staat kein Gottesstaat sein muss, um auf die Idee zu kommen, mit einer Atombombe seine Macht auszubauen; dass mithin also (politische) Prozesse existieren, die nicht von der Religion oder Ideologie, sondern von Geld und Macht u.ä. bestimmt werden. Zwar hat er damit sicher 99% derjenigen auf seiner Seite, die sich akademisch mit den internationalen Beziehungen beschäftigen, aber denjenigen, die sich beruflich oder anderweitig obsessiv mit Ideologie beschäftigen, ist diese Erkenntnis manchmal ein bisschen verloren gegangen. Womit natürlich über den tatsächlichen Einfluss religiöser Faktoren auf die iranische Außenpolitik noch nichts gesagt ist. </p>
<p>Heni: </p>
<blockquote><p>Wer sich einigermaßen realitätsnah mit der Welt befasst, erkennt: die größte Gefahr für den Weltfrieden und für Israel und die Juden geht von einem möglicherweise atomar bewaffneten Iran aus. Nicht viel weniger gefährlich ist der ebenso islamische Antisemitismus des Iran schon jetzt, sowie jener in weiten Teilen der arabischen Welt, &#8230;</p></blockquote>
<p>Der Antisemitismus des Iran ist also ähnlich gefährlich wie der Iran? Das ist ein bisschen gaga. Ist in Blogs natürlich schon mal erlaubt, aber nicht in hasstriefenden Verrissen. Dass einer, der für sich beansprucht, sich &#8220;einigermaßen realitätsnah mit der Welt&#8221; zu befassen, im gleichen Absatz einen &#8220;Weltfrieden&#8221; konstatiert, der anscheinend existent und bedroht ist, das muss man so am Rande mitnehmen. Heni behauptet in seinem Text zwei Mal, Pohrt befasse sich nicht mit der Realität, ein weiteres Mal konstatiert er gleich Realitätsverlust. Und dann schreibt er: </p>
<blockquote><p>Keine dieser Sendungen [bekannte Fernseh- und Radioformate, d.A.] hat das Problem Islamismus je ernst genommen. Seit 9/11 sind vielmehr ein Abwiegeln und eine ungeheuer große und aggressive Agitation gegen Kritiker des islamischen Antisemitismus und der islamistischen, antiwestlichen Ideologie zu erkennen.</p></blockquote>
<p>Wer nach dem 11. September keine ernsthaft besorgten Beiträge über Islamismus mitbekommen hat, der wollte auch keine mitbekommen. Aber auch das ist nicht besonders originell, schließlich gehört es zum kleinen Einmaleins jedes Agitatoren, die eigene Sache als unterrepräsentiert, ja totgeschwiegen und gleichzeitig heftig attackiert zu präsentieren, so machen das vermeintlich im &#8220;linken Mainstream&#8221; marginalisierte Reaktionäre ebenso wie die Palästina-Solidarität oder eben die Heimatschützer von der Islamkritik. </p>
<p>Zusammengefasst: Pohrt ist laut Heni ein kleines Kind mit Realitätsverlust, antisemitisch (primär und sekundär), ein Rassist, ein Freund des blutigen Jihad, dümmlich soll er sein und sein Text nur Gedankenmüll. Wie kommt es, dass sich einer wie Heni das traut? Vielleicht ist die Tatsache, dass bei Pohrt nicht mehr jede Zeile perfekt sitzt, das Zeichen, dass man dem großen Polemiker jetzt endlich zuleibe rücken kann. Und wenn Pohrt endlich, endlich erledigt ist, müssen seine Ex-Bewunderer auch nicht mehr so darunter leiden, dass sie nie so schreiben konnten wie er, nie so luzide denken, nie so vernichtend kritisieren konnten. Sie müssen sich dann nicht mehr damit plagen, dass sie nach Pohrts Kritik an der deutschen Linken kaum noch einen eigenen originellen Gedanken zustande bekommen und stattdessen immer und immer wieder dasselbe über Friedensbewegung, Ökos und andere Linke geschrieben haben, weil es so schön einfach war und weil es so unbedingt richtig war, was Wolfgang Pohrt damals geschrieben hat. </p>
<p>Jetzt wird von allen Seiten festgestellt werden, dass Pohrt sich gewendet habe. Manche werden das ganz gönnerhaft bedauern, der Pohrt war doch ein Guter, was hat ihn bloß so ruiniert, bla bla, andere werden Gift und Galle spucken, so wie Heni, und wieder andere werden sich freuen, dass die antideutsche Galionsfigur vermeintlich in ihr Lager gewechselt sei und jetzt den Islam gut finde &#8211; was natürlich nicht stimmt. Angesichts dieser Schlacht um den alten Mann lohnt es sich, seine alten Texte noch einmal zu lesen, zum Beispiel im großartigen Sammelband <a href="http://www.amazon.de/Gewalt-Politik-Ausgew%C3%A4hlte-Reden-Schriften/dp/3893201416/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;qid=1328492355&#038;sr=8-1">&#8220;Gewalt und Politik&#8221;.</a> Wer diese jahrzehntealten Texte jetzt neu liest, wird feststellen, dass Pohrt nie die Positionen vertreten hat, die Antideutsche unter verschiedenen Labels in den letzten 15 Jahren vertreten haben. Pohrt hat sich nie für die USA oder Israel eingesetzt, er hat sich stets gegen selbstgerechte Deutsche und deren Ressentiments gewandt. Er hat die Deutschen zum Beispiel auch nicht aufgefordert, die Kritik an den USA zu unterlassen, sondern sie darauf hingewiesen, dass man für eine solche Kritik erst einmal die Selbstbezeichnung und Identität als Deutscher aufgeben müsse. Der Vietnamkrieg war für ihn schon damals ein &#8220;Vernichtungsfeldzug&#8221;, Israel bescheinigte er selbst in seinen Attacken auf  dessen deutsche Feinde noch &#8220;mörderische Operationen&#8221; im Libanon. Es gibt einige Beispiele mehr, die auch den Pohrt von damals heute zur Zielscheibe für Hassattacken machen würden. Pohrt hat für die herrschende Klasse nichts übrig, und dass er sich einem aufgeblasenen Kult zur Rettung der kapitalistischen Staaten vor der Barbarei und vor fremdgläubigen Migranten anschließen würde, war nie zu erwarten. Es ist insofern eine absurde Vorstellung, Pohrt hätte sich zur Debatte um Islamkritik anders verhalten können, als er es jetzt getan hat. </p>
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		<title>Offener Brief von Racaille Verte</title>
		<link>http://www.verbrochenes.net/2011/12/15/offener-brief-von-racaille-verte/</link>
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		<pubDate>Thu, 15 Dec 2011 10:54:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eigenes]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Bremer Ultra-Gruppe Racaille Verte, mit der diese Webseite weder verwandt noch verschwägert ist, hat einen offenen Brief an Alemannia Aachen geschrieben. Wir dokumentieren: Sehr geehrte Verantwortliche bei Alemannia Aachen sowie im Aachener Fanprojekt, wahrscheinlich kommt dieser Brief etwas unerwartet für Sie. Wir, die Mitglieder der Ultragruppierung „Racaille Verte“, schreiben Ihnen bezüglich des Angriffs von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Die Bremer Ultra-Gruppe Racaille Verte, mit der diese Webseite weder verwandt noch verschwägert ist, hat einen <a href="http://racaille.de/?p=252">offenen Brief an Alemannia Aachen</a> geschrieben. Wir dokumentieren: </em></p>
<p>Sehr geehrte Verantwortliche bei Alemannia Aachen sowie im Aachener Fanprojekt,</p>
<p>wahrscheinlich kommt dieser Brief etwas unerwartet für Sie. Wir, die Mitglieder der Ultragruppierung „Racaille Verte“, schreiben Ihnen bezüglich des Angriffs von „Alemannia Supporters“ und „Karlsbande“ auf die „Aachen Ultras“, weil wir glauben, dass unsere Bremer Erfahrungen im Umgang mit rechtsgerichteten Fans Ihnen durchaus eine Hilfe sein können.</p>
<p>Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass die Schilderungen der „Aachen Ultras“ in irgendeiner Weise falsch oder übertrieben sind. Es ist innerhalb der Ultraszene seit längerem bekannt, dass die „Karlsbande“ nicht nur rechts unterwandert ist, sondern ausdrücklich unter antiprogressivem Vorzeichen gegründet wurde. Die ebenfalls beteiligten „Alemannia Supporters“ können als Tarngruppe für die Aachener Hooligans gesehen werden. Auch diese sind politisch eindeutig rechts einzuordnen.</p>
<p>Es ist uns schleierhaft, wieso Sie den Angreifern auf der offiziellen Vereinsseite eine Plattform gegeben haben, auf der sie ihre Sicht der Dinge quasi unkommentiert darstellen dürfen. Noch viel mehr schockiert uns allerdings Ihre Aufforderung an die „Alemannia Supporters“ und die „Aachen Ultras“, „an der Lösung ihrer Konflikte aktiv zu arbeiten und zur Überwindung des tiefen Risses beizutragen, der die Aachener Fanszene durchzieht“. Wir wollen Ihnen im Detail darlegen, warum wir Ihre Wortwahl und die dahinter stehenden Vorstellungen für völlig abwegig und gefährlich halten.</p>
<p>Dadurch wird eine völlig unangebrachte Äquidistanz zu Opfern und Tätern geschaffen. Es hat hier einen Angriff gegeben, der ganz klar von einem rechtsgerichteten Haufen ausging. Als Verein sind Sie in der Verantwortung, sich hinter diejenigen zu stellen, die sich gegen Diskriminierung und für eine bunte Fankurve einsetzen, und diejenigen zu verurteilen und auszuschließen (nicht nur aus dem Stadion, sondern aus dem gesamten Diskurs), die sich Hass und die gewaltsame Verdrängung andersdenkender Menschen auf die Fahnen geschrieben haben.</p>
<p>Die „Aachen Ultras“ leisten seit einigen Jahren gute Arbeit gegen Diskriminierung. Es ist ein Hohn, nun von dieser Gruppe zu fordern, mit rassistisch, homophob, sexistisch und antisemitisch motivierten Rechtsradikalen zusammenzuarbeiten, um einen Riss in der Fanszene zu kitten. Wenn es zu einem solchen Riss in einer Fanszene kommt, ist die Zeit gekommen, klar Stellung zu beziehen und nicht die Illusion einer Einheit zu wahren.</p>
<p>Eine solche notwendig klare Positionierung mag gerade einem kleineren Verein schwer fallen, doch es lohnt sich. Nachdem unsere Gruppierung vor nunmehr fast fünf Jahren von Neonazis aus der Bremer Hooliganszene angegriffen wurde, erhielten auch wir über die Presse das Angebot des Vereins, sich an einen runden Tisch zu setzen. Wir waren entrüstet ob der Vorstellung, uns mit Nazi-Schlägern zu treffen, die uns erklärtermaßen mit Gewalt loswerden wollten (und bis heute wollen). Nach einiger Zeit sah der Verein seinen verfehlten Ansatz ein und unterstützte unseren Kampf gegen Diskriminierung, den wir trotz aller Drohungen immer weiter intensivierten. Heute kann sich der SV Werder damit rühmen, eine vorbildliche Arbeit gegen Diskriminierung innerhalb und außerhalb des Stadions zu leisten. Durch die kontinuierliche Arbeit der Fans und mit Hilfe der Rückendeckung des Vereins und Fanprojekts hat die Bremer Ostkurve mittlerweile den Ruf, ein offener Ort für alle Menschen zu sein. Das hat nicht nur zur Folge, dass die aktive Fanszene heute größer ist als je zuvor, es sind auch sichtbar mehr Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund anzutreffen. Der Kampf gegen Diskriminierung ist weitgehend Konsens, rechte Schläger sind ein Randphänomen.</p>
<p>Aber nicht nur der Verein, sondern auch das Fanprojekt ist hier in der Pflicht. Eine deutliche, öffentliche und schnelle Positionierung zur Solidarität und Unterstützung der „Aachen Ultras“ wäre das Mindeste. Des Weiteren sollte diese heikle Situation durch ausgebildete Fachkräfte begleitet werden. Die Opfer jetzt alleine zu lassen, würde einer Akzeptanz für den politisch motivierten Angriff gleichkommen. Das Fanprojekt Bremen hat gezeigt, wie eine solche Unterstützung aussehen kann.</p>
<p>Wir wünschen Ihnen in Aachen eine ähnlich erfreuliche Entwicklung. Die „Aachen Ultras“ haben dafür den richtigen Weg eingeschlagen. Unterstützen Sie Ihre Fans auf diesem Weg und verabschieden Sie sich von rechten und rechtsoffenen Ewiggestrigen, denn sie werden Ihnen nicht fehlen!</p>
<p>Herzliche Grüße aus Bremen, Racaille Verte</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Antisemiten raus aus der Villa Ichon!</title>
		<link>http://www.verbrochenes.net/2011/12/07/antisemiten-raus-aus-der-villa-ichon/</link>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 18:13:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bremisches]]></category>
		<category><![CDATA[Eigenes]]></category>

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		<description><![CDATA[Obwohl es in Bremen eine große Nazi-Szene gibt, findet man die umtriebigsten Antisemiten in der Hansestadt auf der Linken. Da gibt es den &#8220;AK Süd-Nord&#8221;, der sich mit Propaganda gegen Israel profiliert hat. Und da gibt es das Bremer Friedensforum, das sich ebenfalls seit Jahren mit abenteuerlichen Geschichten über den jüdischen Staat hervor tut. Dabei [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Obwohl es in Bremen eine große Nazi-Szene gibt, findet man die umtriebigsten Antisemiten in der Hansestadt auf der Linken. Da gibt es den &#8220;AK Süd-Nord&#8221;, der sich mit <a href="http://www.verbrochenes.net/2008/02/26/antisemitische-propaganda/">Propaganda gegen Israel</a> profiliert hat. Und da gibt es das <a href="http://www.verbrochenes.net/2008/02/25/friede-sei-mit-euch/">Bremer Friedensforum</a>, das sich ebenfalls seit Jahren mit abenteuerlichen Geschichten über den jüdischen Staat hervor tut. Dabei greifen sie gerne in den riesigen historischen Fundus der Judenfeindlichkeit und schämen sich nicht, von durch Juden zerstörte Brunnen zu schwadronieren oder <a href="http://reflexion.blogsport.de/2011/07/20/in-bremen-hetzt-es-sich-gut/">einen Boykott jüdischer Betriebe</a> auf die Beine zu stellen. Im Bündnis mit der Linkspartei und türkischen und moslemischen Gruppen lassen sich in Bremen bei gutem Wetter schon einmal 7000 Menschen zu einer <a href="http://www.verbrochenes.net/2009/01/08/regenwurmer/">offen antisemitischen Demonstration</a> zusammenbringen.</p>
<p>So weit, so bekannt. Was neu ist, ist die organisierte Kritik an den genannten Gruppen durch das <a href="http://www.buendnis-bremen.tk/">&#8220;Bremer Bündnis gegen Antisemitismus&#8221;</a>. Dessen <a href="http://againstantisemitism.blogsport.de/texte/grundsatztextaufruf-gegen-antisemitische-positionen-im-bremer-friedensforum-und-ak-sued-nord-die-spitze-des-eisbergs/">Aufruf </a>könnte man kritisieren, &#8211; er könnte deutlicher sein und einige unglückliche Formulierungen weniger enthalten &#8211; man kann das aber auch lassen. verbrochenes.net unterstützt das Bremer Bündnis, weil sein Anliegen richtig ist und es die Kritik an Friedensforum und AK Süd-Nord über das Internet heraus trägt. </p>
<p>Erreicht hat sie bereits die taz, die sich umgehend auf die Seite der Antisemiten geschlagen hat: <a href="http://againstantisemitism.blogsport.de/2011/12/07/erste-resonanz/">&#8220;Philosemiten kämpferisch&#8221;</a> überschreibt das linke Blatt seine Kurzmeldung über das Bündnis, und was das heißen soll, kann man sich denken: Kritik am Antisemitismus üben nur Judenfreunde, Philosemiten eben, die ihren Judenknacks weg haben. Dass der Kampf gegen Antisemitismus einer für die Aufklärung, einer für das Eigeninteresse jedes Einzelnen, in einer erträglichen Gesellschaft zu leben, ist, das kann der taz-Lokalredakteur nur deshalb nicht begreifen, weil er selbst einiges für den Antisemitismus übrig hat. Man darf jetzt gespannt sein, ob die taz demnächst über antirassistische Bündnisse unter Zeilen wie <em>&#8220;Niggerfreunde machen Alarm&#8221;</em> berichten wird.   </p>
<p>Adressat des Aufrufs sind <em>&#8220;alle Organisationen und Gruppen, die bisher das Friedensforum sowie den AK-Süd-Nord für adäquate Bündnispartner gehalten haben&#8221;</em>. Namentlich genannt werden die Linkspartei Bremen &#8211; selbst eine Ansammlung skurriler Freaks mit antisemitischer Prägung &#8211; und der Asta der Uni Bremen. Nicht genannt, obwohl als Ziel einer solchen Kampagne sehr viel geeigneter, wird die Bremer Landesregierung. Dabei gehört die zu den größten Unterstützern des Bremer Friedensforums: Die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Villa_Ichon">Villa Ichon</a>, in der das Forum standesgemäß residiert, gehört dem Land Bremen. Es ist also nicht zu viel gesagt, wenn man der rot-grünen Landesregierung vorwirft, eine antisemitische Organisation zu unterstützen. Und es ist auch nicht zu viel verlangt, wenn man von ihr fordert, diesen Zustand umgehend zu beenden. Belege für antisemitische Plakate und Aktionen gibt es wie erwähnt genug, und so kann die politische Forderung an Politik und Öffentlichkeit nur heißen: <strong>Antisemiten raus aus der Villa Ichon!  </strong></p>
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		<title>Libero auf Modernisierungskurs</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 16:20:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In den letzten Jahren haben die Medien das Thema &#8220;Homosexualität im Fußball&#8221; für sich entdeckt. Seitdem kann man immer mal wieder Artikel lesen, in denen dann steht, dass es keinen offen schwulen Profi-Fußballer gibt, gefolgt von einem Zitat eines Spielers oder Funktionärs, dass das aber wirklich gar kein Problem wäre und niemand irgendwas gegen Schwule [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten Jahren haben die Medien das Thema &#8220;Homosexualität im Fußball&#8221; für sich entdeckt. Seitdem kann man immer mal wieder Artikel lesen, in denen dann steht, dass es keinen offen schwulen Profi-Fußballer gibt, gefolgt von einem Zitat eines Spielers oder Funktionärs, dass das aber wirklich gar kein Problem wäre und niemand irgendwas gegen Schwule habe. Allerdings scheinen fast alle, die über Homosexualität im Fußball reden, anschließend über ihre eigene Heterosexualität reden zu müssen, so zum Beispiel <a href="http://lizaswelt.net/2011/10/28/offensive-der-heteros/">Arne Friedrich und Philipp Lahm.</a> Das ist angesichts der Verhältnisse in Gesellschaft und Sport auch nur vernünftig. Denn als Schwuler kann man inzwischen zwar im Show-Business, also als Komiker, Moderator oder als Bürgermeister von Berlin, erfolgreich arbeiten, von den echten Männerberufen hält man sicher aber besser fern. Denn im Fußball will das Volk echte Kämpfer sehen. Und ob jemand das sein kann, hängt in der öffentlichen Wahrnehmung offensichtlich noch davon ab, mit wem er ins Bett geht. Wer sich heute outen würde, müsste deshalb nicht nur mit dem Medienrummel leben, sondern auch mit Gehaltseinbußen und Jobverlust rechnen. Fußball wird von Sponsoren und dem Fernsehen bezahlt, und es ist leicht auszurechnen, dass erstere in aller Regel keinen schwulen Fußballer als Aushängeschild bezahlen wollen. Deshalb gilt bis auf weiteres <em>don´t ask, don´t tell</em> und es ist nicht damit zu rechnen, dass demnächst ein Fußballer gegen seine eigenen wirtschaftlichen Interessen sein coming out plant. </p>
<p>Gleichzeitig schafft Fußball einen öffentlichen Raum, an dem von Millionen von Menschen teilhaben. Es ist also für alle, die Homophobie für ein abzuschaffendes Übel halten, keine Nebensache, wenn dieselbe sich beim Fußball so hartnäckig hält &#8211; Fortschritt in den Fankurven ist Fortschritt in der Gesellschaft. Deshalb ist die <a href="http://www.aktion-libero.de/">&#8220;Aktion Libero&#8221;</a> unbedingt zu unterstützen, die seit heute auf vielen Sportblogs für eine erneute Auseinandersetzung mit dem Thema wirbt. Sie schreibt: </p>
<blockquote><p>Ein Spiel dauert neunzig Minuten. Zumindest im besten Fall, für schwule Profifußballer dauert das Versteckspiel ein Leben lang: Keiner wagt es, seine Homosexualität offen zu leben. So schön Fußball auch ist – Ressentiments halten sich in seinem Umfeld hartnäckig.</p>
<p>Ein unerträglicher Zustand! Ob jemand schwul  ist, oder rund, oder grün, das darf keine Rolle spielen. Wir alle sollten ein bisschen besser aufpassen – auf unsere Worte, unser Denken, unsere Taten: Die Freiheit jedes Einzelnen ist immer auch die eigene Freiheit.</p>
<p>Wir schreiben in unseren Blogs über Sport, und unsere Haltung ist eindeutig:<br />
Wir sind gegen Homophobie. Auch im Fußball.</p></blockquote>
<p>Das können wir so unterschreiben. Zu hoffen ist, dass die Aktion Wirkung über den Mikrokosmos der Sportblogs hinaus zeigt und auch in den Stadien immer mehr Menschen sich offen gegen Homophobie positionieren. Wie so oft steht die Fanszene des SV Werder Bremen auch hier an der Spitze des Fortschritts und hat sich schon vor anderthalb Jahren mit viel Aufwand klar gegen die herrschende Homophobie geäußert: </p>
<p><a href="http://www.verbrochenes.net/wp-content//choreoweb-1.jpg"><img src="http://www.verbrochenes.net/wp-content//choreoweb-1.jpg" alt="" title="choreoweb-1" width="400" height="360" class="aligncenter size-full wp-image-2448" /></a></p>
<p>Und auch 2011 kann man <a href="http://board.fanszene-bremen.net/thread.php?postid=773157#post773157">die Homophoben</a> noch mit <a href="http://www.zaunsturm1905.de/images/stories/Saison%202011-12/Mainz%20-%20Bremen/JAN_5603.JPG">einer Regenbogenfahne</a> provozieren. Und wenn man kann, dann soll man auch. Vielleicht ist es dann irgendwann so weit, dass ein Fußballer nicht bereitwillig über seine Heterosexualität Auskunft gibt, sondern einfach verkündet, dass seine Sexualität niemanden etwas angeht. Das wäre ein echter Fortschritt gegenüber dem üblichen &#8220;Ich habe nichts gegen Schwule<a href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&#038;v=UniYXL1qBDI#!">, no homo!&#8221;<br />
</a></p>
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		<title>If the apollo program was a hoax..</title>
		<link>http://www.verbrochenes.net/2011/10/13/if-the-apollo-program-was-a-hoax/</link>
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		<pubDate>Thu, 13 Oct 2011 06:18:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goniwe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eigenes]]></category>
		<category><![CDATA[Erbrochenes]]></category>

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		<description><![CDATA[Die politische Karriere des Josef Fischer ist eine der schillerndsten und aufregendsten der Nachkriegszeit. Waehrend das Gros seiner vormaligen Genossen entweder in die zahllosen Wohngemeinschaftssuempfe und Aussteigerbauernhoefe abgetaucht oder aber in die linksliberale Presselandschaft der Republik herueberoszilliert ist, hat Joschka es dann doch ein gutes Stueck weiter nach oben auf der Karriereleiter gebracht: Statt einer [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die politische Karriere des Josef Fischer ist eine der schillerndsten und aufregendsten der Nachkriegszeit. Waehrend das Gros seiner vormaligen Genossen entweder in die zahllosen Wohngemeinschaftssuempfe und Aussteigerbauernhoefe abgetaucht oder aber in die linksliberale Presselandschaft der Republik herueberoszilliert ist, hat Joschka es dann doch ein gutes Stueck weiter nach oben auf der Karriereleiter gebracht: Statt einer vegetarischen Eckkneipe im Frankfurter Westend fuehrte er – in Turnschuhen – die gruene Partei an die Spitze der Macht, was &#8211; der Kampf ging schliesslich weiter &#8211; fuer ihn selbst immerhin das Amt eines bundesdeutschen Aussenministers abwarf. Just in dieser Rolle wurde er dann auch der Weltoeffentlichkeit bekannt, als er einem sichtlich nicht amuesierten Verteidigungsminister namens Donald Rumsfeld <a href="http://www.youtube.com/watch?v=FtLwo--n2AA">erklaerte</a>, dass er <em>not convinced</em> sei (in diesem Jahr sollte dann auch noch sein Buch mit gleichlautendem Titel nachgelegt werden – das Auskommen will ja auch im hoeheren Alter noch gesichert sein). Wirklich ueberzeugend hatte Fischer wohl nur die Ausfuehrungen des <strong>deutschen </strong>Verteidigungsministers Scharping bezueglich der Existenz von Konzentrationslagern in Srebrenica gefunden, getroffen zu einer Zeit, als die rot-gruene Regierung noch sehr viel eher bereit gewesen war, einen Kriegseinsatz zu autorisieren.</p>
<p>Fischers bekannte Muenchner Rede erntete damals in Deutschland vor allem aus zwei Gruenden grosse Zustimmung: Einmal, weil Deutsche in ihrer Selbstwahrnehmung in den allermeisten Faellen Recht haben, denn man hat es hierzulande eigentlich schon immer besser gewusst, da traf es sich noch besser, dass die Amerikaner den Anstand hatten, ihren Fehler offen einzugestehen. Und zweitens, weil, so stand es damals in den Zeitungen dieses Landes zu lesen, endlich mal wieder jemand den USA die Stirn bot &#8211; dazu auch noch dem ohnehin ungeliebten Bush und seinem vom militaerisch-industriellen Komplex finanzierten Schattenkabinett. Mutig war der ehemalige Linksradikale da gewesen, der von seinen NATO-Kollegen gern mal <em>comrade</em> genannt wurde, wie im vormals erwaehnten Buechlein zu erfahren ist. Im gleichen Maße, wie sich Fischers Bedenken in diesem Fall als richtig herausstellten, ist die unmittelbare Wirkung seines Auftrittes auch heute noch zu bemerken: Spaetestens seit dem Irakkrieg glaubt man amerikanischen Offiziellen am Besten erst einmal gar nichts mehr.</p>
<p>Und jetzt, wo der Aussenminister a.D. schon lange im Lobbynest der Energieindustrie sitzt, kommen die Amis schon wieder mit so einer Raeuberpistole daher: Ein Mordkomplott unter Beteiligung der iranischen Regierung, das Ziel ausgerechnet der saudische Botschafter – na, so ein Zufall, wo das mit dem Oel doch schon jeder weiss. Wer kann da besser Licht ins Dunkel bringen als die deutsche Presse, Hueterin von Anstand und Moral und in gleichem Maße auch fuer die Vermittlung von stichhaltigen Informationen zustaendig? Routinemaessig beginnt eine sinnvolle Recherche zum Thema <strong>Chevrolet</strong> diesmal nicht bei Juergen Elsaesser, wohl aber bei der jungen Welt, wo Knut Mellenthin uns <a href="http://www.jungewelt.de/2011/10-13/028.php">versichert</a>: The whole thing has been turned upside down &#8211; die Spur fuehrt nach Washington, nicht nach Teheran. Hastig, immer in der Angst, vom US-Geheimdienst auf frischer Tat ertappt zu werden, wird sich der Ex-KB&#8217;ler noch ein paar Mal umgeschaut haben, bevor er der Leserschaft die Bedeutung des Begriffs<em> Sting Operation</em> naeherzubringen versuchte:</p>
<blockquote><p>&#8220;(..) eine sogenannte Sting Operation, wie sie in den vergangenen Jahren immer häufiger von FBI, CIA und anderen US-Sicherheitsbehörden praktiziert wurde, um der Öffentlichkeit »muslimische Terroristen« vorführen zu können. Bei dieser Methode werden systematisch labile Individuen aufgespürt, die sich von Polizei- und Geheimdienstagenten in fingierte Verschwörungen verwickeln lassen. Diese entspringen überwiegend der Phantasie und den Aktivitäten eben dieser Behörden.&#8221;</p></blockquote>
<p>Die jW war allerdings auch schon besser aufgelegt, sehnsuechtig erwarten wir also den bald eintreffenden Artikel von Rainer Rupp. Langley und Arlington, die Orte, an denen die Faeden der Macht zusammenlaufen, wenn gerade mal keine Bilderberger-Treffen stattfinden, liegen zwar genau genommen nicht in Washington, D.C. – aber die paar Kilometer schenken wir der Redaktion an diesem Donnerstagmorgen gerne und wenden uns, ein wenig verstoert ob der Frage, wann und ob auch wir von einem <em>Drogenabhaengigen oder Kriminellen</em> kontaktiert werden, dem zu, was fuer Mellenthin vermutlich <em>ein Mainstreammedium</em> ist. Eins davon, die SZ, leistet sich mit <a href="´http://www.anstageslicht.de/index.php?UP_ID=1&amp;NAVZU_ID=16&amp;STORY_ID=33&amp;AUTOR_ID=93">Tomas Avenarius</a> einen eigenen Nahost-Korrespondenten, der offenbar auch ueber Irans polykratische Herrschaftsstrukturen und insbesondere dessen Geheimdienst bestens <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/geplantes-mordkomplott-in-den-usa-iranisches-eigentor-1.1161044">Bescheid </a>weiss:</p>
<blockquote><p>&#8220;Da sind Präsident Mahmud Ahmadinedschad, das Parlament, die schiitische Geistlichkeit, aber auch Technokraten, einflussreiche Händler und Geschäftsleute sowie die mächtigen Revolutionsgarden mit ihren Al-Quds-Brigaden. Gebändigt wird dieses Machtgeschwür mehr oder weniger erfolgreich vom Geistlichen Führer Ayatollah Ali Chamenei. &#8220;</p></blockquote>
<p>Aus einem Geschwuer entstehen irgendwann einmal viele, das weiss jeder Medizinstudent, da kann sich die Weltoeffentlichkeit gluecklich schaetzen, dass es Ali Chamenei gibt, der nicht nur das iranische Atomprogramm bestens im Griff hat, sondern auch nachhilft, wenn vor Ort nicht ganz saubere <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,395954,00.html">Geschichtswissenschaft </a>betrieben wird. Und, auch das ist fuer einen echten Kenner der Geheimdienstszenerie augenfaellig: Die Al-Quds-Brigaden waren es nicht, dafuer war der Anschlag zu <em>dilettantisch vorbereitet</em>. Vielleicht kann am Ende sogar die hiesige Industrie von der Geschichte profitieren, denn die saudische Monarchie, die <em>nun noch einen Grund hat, neue Panzer und Jets zu bestellen, </em>klopft vielleicht nochmal in Deutschland an. Stirnrunzelnd bleiben wir auf der Seite der SZ haengen und bekommen von Wolfgang Jaschensky erklaert, dass wiederum jemand anderes – kein Mitglied der Al-Quds-Brigaden, dafuer aber von der Stiftung Wissenschaft und Politik – sagt, ebenjene operierten ausschliesslich auf arabischem Boden. Muessen unsere Nachforschungen also wieder bei Null anfangen? In einer guten Krimiserie wird dann immer die Kardinalsfrage nach dem Taetermotiv gestellt: Was wollen die Iraner denn nun? Von ihnen selbst wird nichts Erhellendes zu erfahren sein, denn Sprecher der iranischen Regierung sprechen lapidar von einem <em>konstruierten Szenario </em>– aber das tun sie in Bezug auf Auschwitz auch. Also weiter im Text:</p>
<blockquote><p>&#8220;Vieles spricht dafür, dass Iran an einer Verschärfung des Konflikts mit den USA kein Interesse hat. Doch es scheint auch denkbar, dass das Regime in Teheran den Streit mit Washington eskalieren will, gerade da der Kampf um die Vorherrschaft in der Region mit Saudi-Arabien an Schärfe gewinnt. Möchte das Regime zeigen, dass es aus einer Position der Stärke heraus agiert? Wollen konservative Kreise eine vorsichtige Annäherung an die USA torpedieren? Oder ist es Rache für die Ermordung des Atomwissenschaftlers Massud Ali-Mohammadi, für die Iran die USA verantwortlich macht? &#8220;</p></blockquote>
<p>Denkbar ist alles, auch ein Berg, dessen Kuppe aus reinem Gold besteht. Und wenn die USA einen Atomphysiker um die Ecke gebracht haben, warum soll dann dafuer der saudische Botschafter sterben? Das Geheimdienstgeschaeft ist nicht leicht zu durchblicken. Viele Fragen, und dann ist der Artikel zu Ende. So leicht laesst sich ein Redakteur dieses Blogs nicht abspeisen, also weiter zur Studentenausgabe der Bild, die sich Spiegel nennt. In gewohnter journalistischer Qualitaet stillt die Onlineausgabe des Hamburger Wochenblaettchens gleich mit mehreren Artikeln unseren Wissensdurst. Von Anna Reimann werden wir in die Geheimnisse der Al-Kuds-Brigaden <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,791346,00.html ">eingefuehrt </a>– doch warum eigentlich, wenn die doch gar nicht dahinterstecken? Schnell klar wird vor allem eines, naemlich, dass man so ziemlich gar nichts ueber diese Kerle weiss – wer haette es gedacht, reden wir doch von einer der <em>effizientesten Spezialeinheiten weltweit</em>. Ploetzlich operieren sie allerdings auch in Bosnien, Nigeria und Afghanistan, die wiederum nun wahrlich nicht zur arabischen Welt gehoeren. So weit, so gut. Ein letzter Versuch beim Spiegel bringt uns wenigstens eine der klassischen Einleitungsphrasen, fuer die wir das Heft so <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/spiegel-sex-power-bullshit/">lieben</a>:</p>
<blockquote><p>&#8220;Code-Wörter, konspirative Treffen, verdächtige Telefonate: (..)</p>
<p>Am 28. September schnappt die Falle zu. An jenem Mittwoch fliegt der iranisch-amerikanische Geschäftsmann Manssor Arbabsiar von Mexiko nach New York. Verdeckte US-Ermittler sind bereits mit an Bord. Kaum ist das Flugzeug auf dem Flughafen John F. Kennedy gelandet, zücken sie die Handschellen, nehmen Arbabsiar fest und bringen ihn in ein New Yorker Gefängnis. &#8220;</p></blockquote>
<p>Bei sovielen Unklarheiten kann man sich fast gluecklich schaetzen, dass es auch noch die <em>Zeitung fuer Deutschland</em> gibt. In deren heutiger Printausgabe bringt es Guenther Nonnenmacher, der ansonsten auch schonmal die Loesung des Nahostkonflikts in zwei Spalten bewerkstelligt, auf den Punkt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Dass Kraefte in Teheran bei einem mexikanischen Rauschgiftkartell einen Auftragskiller gedungen haben sollen, um den saudiarabischen Botschafter in Washington zu ermorden, das klingt zu phantastisch, als dass es erfunden sein koennte.&#8221;</p></blockquote>
<p>And the FAZ delivers. Wenn man sich vor Augen haelt, dass in einer mehr oder minder lupenreinen Demokratie wie der Bundesrepublik Staatstrojaner ohne das Wissen aller offiziellen Stellen zum Einsatz gekommen sind, dann faellt es nun wirklich nicht so schwer sich vorzustellen, wie finstere persische Brigadisten ein Mordkomplott aushecken. Vielleicht hilft es den Skeptikern auch, sich an den state terrorism eines Gaddafi zu erinnern, den der notorische Noam Chomsky uebrigens noch Jahre spaeter von jeder Mittaeterschaft an Lockerbie und La Belle freisprechen wollte. Alternativ kann man auch noch etwa zwanzig Jahre warten, bis auf n-tv zum Jahrestag der Festnahme Manssor Arbabsiars eine Dokumentation kommt, bei der zwielichtige Gestalten, deren berufliche Qualifikation mit <em>Ex-Geheimdienstler</em> umschrieben sein wird, das genaue Prozedere der Ermittlungsaktivitaeten preisgeben, dank Wikileaks geht es vielleicht sogar noch etwas schneller. Einstweilen wird die Affaere wohl der Startschuss fuer verschaerfte Sanktionen gegen eines der unangenehmeren politischen Systeme des 21. Jahrhunderts sein – was noch lange nicht heisst, dass das ins Auge gefasste Anschlagsziel der Repraesentant einer offenen Gesellschaft gewesen sei.</p>
<p>Uebrigens, fuer alle, die nicht ganz ohne das <em>big picture</em> auskommen wollen: Die nun entfaltete diplomatische Offensivstrategie der US-Regierung hat Michael Scott Duran schon in der vergangenen Ausgabe des Peridodikums Foreign Affairs unter dem Titel <a href="http://www.foreignaffairs.com/articles/67942/dalia-dassa-kaye-and-frederic-wehrey-michael-scott-doran/arab-spring-persian-winter">Arab Spring, Persian Winter</a> skizziert. Leg&#8217; dein Ohr auf die Schiene der Publizistik.</p>
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