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	<title>VerbrochenesVerbrochenes &#187; </title>
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	<description>Gegen die Menschlichkeit</description>
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		<title>Jetzt neu: Starkes Deutschland entscheidet.</title>
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		<pubDate>Tue, 14 May 2013 23:56:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anderes]]></category>
		<category><![CDATA[Eigenes]]></category>

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		<description><![CDATA[verbrochenes.net, das Webmagazin für Demokratie und Gute Laune, fiebert bereits der Bundestagswahl im September entgegen. Die ersten Parteitage sind absolviert, die Kontrahenten haben sich positioniert, es geht los! Ein guter Zeitpunkt also, um einen ersten Blick auf die Kommunikation der verschiedenen Parteien zu werfen. Nationale Erneuerung Die Grünen stellten ihren Parteitag vor einigen Wochen unter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>verbrochenes.net, das Webmagazin für Demokratie und Gute Laune, fiebert bereits der Bundestagswahl im September entgegen. Die ersten Parteitage sind absolviert, die Kontrahenten haben sich positioniert, es geht los! Ein guter Zeitpunkt also, um einen ersten Blick auf die Kommunikation der verschiedenen Parteien zu werfen. </p>
<p><strong>Nationale Erneuerung </strong></p>
<p>Die Grünen stellten ihren Parteitag vor einigen Wochen unter das Motto &#8220;Deutschland ist erneuerbar!&#8221;. Das erinnert einerseits daran, dass die Partei als bürokratischer Arm einer <a href="http://www.zeit.de/1981/45/ein-volk-ein-reich-ein-frieden"><em>deutschnationalen Erweckungsbewegung</em></a> entstanden ist. Andererseits ist <em>Deutschland</em> auch einfach die politische Ebene, um die es der Partei hier geht. Die Selbstverständlichkeit, mit der pfiffig-keck aufs Vaterland verwiesen wird, kann trotzdem ein wenig irritieren.</p>
<p>Viel interessanter als das unvermeidbare nationale Klimbim ist aber das Wörtchen <em>erneuerbar</em> in diesem Motto. Ob beabsichtigt oder nicht, das ist eine tolle Idee. Denn die Deutschen sind alt, die Wähler der Grünen sind alt, und niemand will alt sein. Erneuerung! versprechen die Grünen dem greisen Wahlvolk. Wir können von vorne anfangen! Es gibt eine Zukunft! Die gibt es für die Menschen natürlich nur bedingt, weshalb sie es umso lieber hören, dass immerhin die Nation erneuert werden kann. </p>
<p><strong>Erektile Alternative </strong></p>
<p>Mit dem Alter kämpfen auch die meisten Anhänger der <em>Alternative für Deutschland</em>, einer Partei, deren Namen die Grünen bei ihrer Gründung auch gut hätten tragen können. Sie besteht zu einer überwältigenden Mehrheit aus alten Männern, und das sieht man <a href="https://www.alternativefuer.de/">in ihrem Logo: </a>Es handelt sich offensichtlich um eine Synthese des jugendlich-dynamischen Nike-Logos mit einem Phallus-Symbol. Die Botschaft: Mit der AfD geht es bald wieder aufwärts, an der Börse und in der Hose. Dieses Versprechen werden andere Parteien kaum überbieten können. </p>
<p><strong>Gut gemacht!</strong></p>
<p>Bei den Versprechen für die Zukunft ist die FDP derweil noch nicht angekommen. Sie ist damit beschäftigt, sich selbst zu beglückwünschen. Das ist, ähnlich wie der ständige Verweis auf Deutschland, eine Gesetzmäßigkeit im Wahlkampf: Die Regierungsparteien müssen kommunizieren, dass sie Großes geleistet haben. Nicht immer aber passiert das so cheesy wie gerade bei den Liberalen. <em>&#8220;Gut gemacht, FDP!&#8221;</em> sagt, nunja, <a href="http://www.fdp.de/Kampagne/1748b640/index.html">die FDP zu sich selbst.</a> Das erinnert an eine <a href="http://www.murataslanbln.com/blog/danke-arte-181tel">Kampagne von arte</a>, bei der sich die Verantwortlichen des TV-Senders ebenfalls so sehr nach Anerkennung gesehnt haben, dass sie einfach Leute erfunden haben, die sich bei ihnen bedanken. Bei der FDP dürfen wir nun gespannt sein, wie und wann die Kommunikation sich mehr auf die Zukunft ausrichtet, wann das &#8220;Gut gemacht!&#8221; also durch ein &#8220;Noch viel zu tun!&#8221; ergänzt wird.</p>
<p><strong>Wer Wir Was </strong></p>
<p>Bei meiner persönlichen Lieblingspartei, der SPD, geht es bisher wenig spektakulär zu. Der Claim <em>&#8220;Das Wir entscheidet&#8221;</em> wurde in den Medien ein paar Tage verspottet, weil ihn eine unbedeutende Leiharbeitsfirma schon länger benutzt. Aber so richtig hat das auch niemanden interessiert. Schon angesichts der für die SPD extrem schwierigen Konstellation stellt sich aber die Frage, mit welchen Themen und in welchem Tonfall sie die Union letztendlich angreifen wird. Peer Steinbrück als starken Mann und Macher darzustellen ist angesichts seiner Person zwar naheliegend, passt aber nicht recht zum &#8220;Wir&#8221;, das ja jetzt entscheidet. </p>
<p>Ähnlich unauffällig bleibt bisher die CDU. <em>&#8220;Starkes Deutschland. Chancen für Alle!&#8221;</em> stand beim Parteitag an der Wand, naja. Für Merkel gilt, dass sie alles richtig macht, so lange sie nichts falsch macht. Insofern dürfte es hier ziemlich langweilig bleiben. </p>
<p><strong>Wahlziel 100% </strong></p>
<p>Den Preis für die uninspirierteste Phrasendrescherei gewinnt trotzdem die Linkspartei: <a href="http://www.die-linke.de/dielinke/wahlen/debattezumbundestagswahlprogramm/100prozentsozialleitantragandenbundesparteitagentwurfdeswahlprogrammszurbundestagswahl2013/">&#8220;100 Prozent sozial&#8221; </a>ist ihr Wahlprogramm nämlich betitelt. Da steckt immerhin ein schlechter Witz mit SED-Wahlergebnis-Bezug drin, sonst aber leider überhaupt nichts. </p>
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		<title>Ein Leben in Zitaten (2)</title>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 21:04:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Links]]></category>

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		<description><![CDATA[Make no mistake: irony tyrannizes us. Irony and cynicism were just what the U.S. hypocrisy of the fifties and sixties called for. That’s what made the early postmodernists great artists. The great thing about irony is that it splits things apart, gets up above them so we can see the flaws and hypocrisies and duplicates. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Make no mistake: irony tyrannizes us.</p>
<p>Irony and cynicism were just what the U.S. hypocrisy of the fifties and sixties called for. That’s what made the early postmodernists great artists. The great thing about irony is that it splits things apart, gets up above them so we can see the flaws and hypocrisies and duplicates. The virtuous always triumph? Ward Cleaver is the prototypical fifties father? “Sure.” Sarcasm, parody, absurdism and irony are great ways to strip off stuff’s mask and show the unpleasant reality behind it. The problem is that once the rules of art are debunked, and once the unpleasant realities the irony diagnoses are revealed and diagnosed, “then” what do we do?</p>
<p>Irony’s useful for debunking illusions, but most of the illusion-debunking in the U.S. has now been done and redone. Once everybody knows that equality of opportunity is bunk and Mike Brady’s bunk and Just Say No is bunk, now what do we do? All we seem to want to do is keep ridiculing the stuff. Postmodern irony and cynicism’s become an end in itself, a measure of hip sophistication and literary savvy. Few artists dare to try to talk about ways of working toward redeeming what’s wrong, because they’ll look sentimental and naive to all the weary ironists. Irony’s gone from liberating to enslaving. There’s some great essay somewhere that has a line about irony being the song of the prisoner who’s come to love his cage.</p>
<p>The problem is that, however misprised it’s been, what’s been passed down from the postmodern heyday is sarcasm, cynicism, a manic ennui, suspicion of all authority, suspicion of all constraints on conduct, and a terrible penchant for ironic diagnosis of unpleasantness instead of an ambition not just to diagnose and ridicule but to redeem. You’ve got to understand that this stuff has permeated the culture. It’s become our language; we’re so in it we don’t even see that it’s one perspective, one among many possible ways of seeing. Postmodern irony’s become our environment.<br />
<em><br />
David Foster Wallace: E Unibus Pluram: Television and U.S. Fiction , Review of Contemporary Fiction. 13:2. 1993<a href="http://jsomers.net/DFW_TV.pdf"> (PDF)</a><br />
</em></p>
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		<title>Alles neu macht der Mai</title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2013 23:28:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sportliches]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Redaktion wünscht einen schönen Tag der Befreiung! Unsere russischen Genossinnen und Genossen feiern bekanntlich erst einen Tag später, dafür aber umso besser. Wir verweisen daher gern auf diese Veranstaltung am Donnerstag, dem Tag des Sieges, der dieses Jahr endlich zum gesetzlichen Feiertag erklärt wurde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.verbrochenes.net/wp-content//IMAG0703.jpg" alt="" title="IMAG0703" width="500" height="835" class="aligncenter size-full wp-image-2916" /></p>
<p>Die Redaktion wünscht einen schönen Tag der Befreiung! Unsere russischen Genossinnen und Genossen feiern bekanntlich erst einen Tag später, dafür aber umso besser. Wir verweisen daher gern auf <a href="http://www.9-mai.tk/">diese Veranstaltung</a> am Donnerstag, dem Tag des Sieges, der dieses Jahr endlich zum gesetzlichen Feiertag erklärt wurde. </p>
<div id="facebook_like"><iframe src="http://www.facebook.com/plugins/like.php?href=http%3A%2F%2Fwww.verbrochenes.net%2F2013%2F05%2F08%2Falles-neu-macht-der-mai%2F&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=500&amp;action=like&amp;font=segoe+ui&amp;colorscheme=light&amp;height=80" scrolling="no" frameborder="0" style="border:none; overflow:hidden; width:500px; height:80px;" allowTransparency="true"></iframe></div>]]></content:encoded>
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		<title>Ein Leben in Zitaten (I)</title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2013 11:18:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jeder Blick nach außen und auf andere ist einer in den den Spiegel. Weil das kein erfreulicher Anblick ist, sagen alle: &#8220;Das bin nicht ich.&#8221; Wo die Menschen schon zu Lebzeiten so gleich gemacht werden, wie sie es sonst nur vor dem Tode sind, täuscht der falsche Selbstbehauptungswille ihnen vor, sie würden einander immer fremder. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Jeder Blick nach außen und auf andere ist einer in den den Spiegel. Weil das kein erfreulicher Anblick ist, sagen alle: &#8220;Das bin nicht ich.&#8221; Wo die Menschen schon zu Lebzeiten so gleich gemacht werden, wie sie es sonst nur vor dem Tode sind, täuscht der falsche Selbstbehauptungswille ihnen vor, sie würden einander immer fremder. Ans Trugbild ihrer Andersartigkeit klammern sie sich, weil sie das Schicksal der Massen weder abwenden noch teilen wollen. Trost finden sie bei begabten und weniger begabten Modedenkern. Dem Publikum und vor allem sich selber reden sie ein, Fremdheit gehöre zu den ersten oder letzten Dingen. Weil sie fremd und anders wären, würden Leute verfolgt, die doch in Wahrheit auf das Allgemeinmenschliche reduziert sind, auf den Hunger und die Sorge um das Dach über dem Kopf. Feindschaft gegen Ausländer, die nicht ausländisch, sondern nur elend sind, ist Feindschaft gegen alle ohne Unterschied. </p>
<p><em>Wolfgang Pohrt: Abschied ohne Tränen. In: Derselbe: Harte Zeiten. Neues vom Dauerzustand. Berlin, 1993.</em></p>
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		<title>Uli in Gefahr</title>
		<link>http://www.verbrochenes.net/2013/05/02/uli-in-gefahr/</link>
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		<pubDate>Thu, 02 May 2013 21:29:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Anderes]]></category>
		<category><![CDATA[Erbrochenes]]></category>
		<category><![CDATA[Links]]></category>

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		<description><![CDATA[Internet contrarianism Uli Hoeneß hat Steuern hinterzogen und wird dafür wahrscheinlich bestraft werden. So weit, so einfach. In Politik und Medien ist man sich einig, dass das alles sehr bedauerlich ist. Was soll man sonst auch sagen? Die Sache ist eindeutig, und nur Hoeneß&#8217; Prominenz macht sie zur Meldung. Sie ist allerdings so eindeutig, dass [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Internet contrarianism</strong></p>
<p>Uli Hoeneß hat Steuern hinterzogen und wird dafür wahrscheinlich bestraft werden. So weit, so einfach. In Politik und Medien ist man sich einig, dass das alles sehr bedauerlich ist. Was soll man sonst auch sagen? Die Sache ist eindeutig, und nur Hoeneß&#8217; Prominenz macht sie zur Meldung. Sie ist allerdings so eindeutig, dass es sich schon wieder lohnt, nach einem Gegenstandpunkt zu suchen. Das garantiert im Internet Aufmerksamkeit und kann ruhig auch um den Preis inhaltlicher Unzulänglichkeiten geschehen. So wird Hoeneß vom gewöhnlichen Steuerhinterzieher zum Objekt einer nationalen Verfolgungsjagd.</p>
<p>Einen Versuch in diese Richtung hat <a href="http://boess.welt.de/2013/04/22/warum-hinterziehst-du-uli/">Gideon Böss von der Welt gestartet</a>: <em>&#8220;Osama bin Laden kann froh sein, dass er nur das World Trade Center in die Luft sprengte und nicht als deutscher Staatsbürger Gelder in der Schweiz versteckte. Was Steuerflucht angeht, kennt Deutschland nämlich keine Gnade.&#8221; </em></p>
<p>Nanu, wurde Hoeneß bereits erschossen? Wie sieht das aus, wenn <em>&#8220;Deutschland&#8221;</em> 2013 <em>&#8220;keine Gnade&#8221;</em> kennt? So:  <em>&#8220;Irgendein SPDler aus Bayern (&#8230;) nannte Steuerhinterziehung &#8216;die schlimmste Form asozialen Verhaltens&#8217;. Das ist eine Ansage, schlimmer geht es nicht.&#8221;</em> Nein, wirklich nicht. Der arme Hoeneß! </p>
<p>Böss selbst stellt die großen Fragen: <em>&#8220;Was in der deutschen Steuerdebatte völlig fehlt, ist das Interesse am „Warum“. (&#8230;) Könnte es vielleicht Gründe geben, weswegen jemand das Risiko eingeht, sein Geld im Ausland zu verstecken, anstatt es ganz normal dem Finanzamt zu melden?&#8221; </em>Ja, warum hinterzieht jemand Steuern? Warum ist mehr Geld in der eigenen Tasche besser als weniger? An der Frage, die jedes Kind, das das erste Mal Taschengeld erhalten hat, beantworten kann, scheitert der Weltkolumnist: <em>&#8220;Keine Ahnung, was die genauen Gründe für Leute wie Uli Hoeneß sind, Teile ihres Vermögens ins Ausland zu schaffen (&#8230;)&#8221;  </em></p>
<p>Eine Ahnung hat er da aber schon geäußert: <em>&#8220;Ist womöglich das Steuersystem nicht so gerecht, wie es sein sollte?&#8221; </em>Hat der Uli also sein Geld in der Schweiz versteckt, um ein Gerechtigkeitsdefizit auszugleichen? Und heißt das dann, dass er oder Böss oder sonst irgendwer eine plausible Idee davon hat, was eine <em>gerechte</em> Verteilung von Wohlstand ist? Was hier kurz davor ist, ausgesprochen zu werden, ist die Tatsache, dass Gerechtigkeit in einer Marktwirtschaft überhaupt kein Kriterium für die Verteilung von Gütern ist. Sie ist einfach nicht vorgesehen und erscheint in den Debatten bestenfalls als ihre eigene Karikatur, als die <em>soziale</em> Gerechtigkeit &#8211; als ob es auch eine andere geben könnte. Statt einer gerechten Verteilung wird von denen, denen es nützt, oft eine Art naturwüchsiger Verteilung behauptet, die allerdings durch <em>Umverteilung</em> gefährdet sein soll. Die wiederum ist dann, weil ja die alte Verteilung die richtige war, Diebstahl: <em>&#8220;Für die Linke ist Sozialneid ohnehin das Fundament für alles weitere und die Grünen schielen ebenfalls auf das Geld der Reichen, weil sie ja auch gerne umverteilen. Ist dann natürlich ärgerlich, wenn das Geld weg ist, ehe man es den Leuten stehlen kann.&#8221; </em></p>
<p>Dabei ist natürlich diejenige Verteilung eine rein fiktive, die ohne staatliche Eingriffe zustande käme, weil das ganze System ohne den Staat gar nicht denkbar ist. Und schließlich wäre auch jede andere Verteilung eine gesellschaftlich vermittelte, gemachte. Sonst würden Weltjournalisten von Buchstaben leben müssen, während die VW-Arbeiter ab und zu ein neues Auto mit nach Hause nehmen könnten. </p>
<p>Gegen wen die sind, die für reiche Steuerhinterzieher in die Bresche springen, erfahren wir bei Böss auch, wenn er über den namenlosen SPD-Mann spottet: <em>&#8220;Da kann man als Fußball-Hooligan Innenstädte zertrümmern, als Mutter das eigene Kind verwahrlosen lassen oder als Stalker anderen das Leben zur Hölle machen, alles kein Vergleich.&#8221;</em> Und am Schlimmsten: <em>&#8220;der Schwarzarbeiter, der für erheblich höhere Steuerausfälle verantwortlich ist&#8221;</em>. Wer kennt ihn nicht, den Anstreicher, der auf seinen Millionen sitzt und über Ulis Spielgeld lacht? So gewinnt Böss im deutschen Volkssport gegen die Bayern-SPD: Er weiß noch besser als jene, wo die unschädlich zu machenden <em>Asozialen </em>sitzen. </p>
<p><strong>Der Geist ist schwach</strong></p>
<p>Wo Böss <em>&#8220;Deutschland&#8221;</em> am Werke sieht, ist es <a href="http://freie.welt.de/2013/04/23/der-deutsche-volksgeist-kontra-uli-hoenes/">bei seinem Kollegen Richard Herzinger </a>etwas spezifischer der <em>&#8220;deutsche Volksgeist&#8221;</em>, der Hoeneß ans Leder will. Da sind angeblich <em>&#8220;die Gemüter der Republik bis zu Weißglut erregt&#8221;</em>, Herzinger beschwört gar eine<em> &#8220;ungeheure moralingesättigte Empörungswelle, die wegen Hoeneß über das Land hinwegbraust&#8221;</em>. Wo er all das entdeckt haben will, bleibt sein Geheimnis. Der Mann schreibt zwar im Internet, verzichtet in diesem Artikel aber auf Links, und Zitate gibt es auch keine. Dafür steht das Wort <em>&#8220;Staatsverbrechen&#8221;</em> in Anführungszeichen, eine Google-Suche führt aber auch hier nur zu Herzinger zurück. Der hat sich offensichtlich einen schönen Strohmann gebaut, und die Hysterie, die er bei anderen behauptet, findet sich vor allem bei ihm selbst. </p>
<p>Die <em>&#8220;kollektive deutsche Volksseele&#8221;</em> wird im Weiteren beschworen, sie soll sich gegen den armen Wurstmann gewendet haben. Derweil <a href="http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-04/Hoeness-Umfrage-Vorverurteilung">glauben 37% der Deutschen</a>, Hoeneß werde vorverurteilt. In der <em>Zeit</em> wurde die vermeintliche Hysterie <a href="http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-04/Hoeness-Vorverurteilung-Steuerhinterziehung-Kommentar">bereits thematisiert.</a> Kurz gesagt: Es gibt sie nicht. Für Herzinger, Springers Hauptstadtschreiber, sind aber nicht einmal die Medien die eigentlichen Träger der Debatte, er sieht hier die <em>&#8220;tränenselige Anklagehaltung einer medial potenzierten Volksmeinung&#8221; </em>durchscheinen. Wenn nun schon 37% eine Vorverurteilung beklagen, stellt sich die Frage, was wohl die <em>&#8220;Volksmeinung&#8221; </em>konstituiert. Ob Herzinger jemanden kennt, der ernsthaft die von ihm beschriebene <em>&#8220;teils schäumende, teils kumpelhaft schmollende Vorwurfshaltung&#8221;</em> an den Tag legt? Ob ich auf der Straße jemanden finden würde, der tatsächlich zu echten Emotionen bei diesem Thema in der Lage ist? Wo mag sie sein, <em>&#8220;die ganze Republik&#8221;</em>, die <em>&#8220;wegen Hoeneß´ illegalen Extratouren so voll und ganz aus allen moralischen Wolken fällt&#8221;</em>? </p>
<p>In Wirklichkeit ist alles halb so wild und hat mit Hoeneß nichts zu tun. Das erwähnte Ressentiment gegen die Spekulanten ist ein im Stillen gehegtes &#8211; selbst bei den &#8220;Blockupy&#8221;-Protesten gegen die Frankfurter Banken achten die verdrucksten Linken erstens peinlich genau auf ihre Wortwahl, zweitens haben derlei randständige Proteste mit der deutschen Mehrheitsgesellschaft und ihrem Volksgeist nichts zu tun. Dass der existiert, ist keine Frage. Herzinger irrt sich allerdings, wenn er meint, er würde sich gegen den schwerreichen Präsidenten des FC Bayern wenden. Wenn der deutsche Volksgeist sich tatsächlich regt, geht es gegen Leute, die sich nicht wehren können: Asylanten, Obdachlose, <em>Asoziale</em>. Deshalb muss sich keiner Sorgen um die Banker machen, um die Roma aber schon. Deshalb wurden hier Türken und Griechen erschossen, aber bis heute keine Regierung gestürzt. Und vor Fabrikbesitzern werfen sich die Deutschen sowieso jederzeit ehrfürchtig auf den Boden. </p>
<p><strong>Extra time</strong></p>
<p>Inzwischen hat Jörn Schulz in der Jungle World einen Kommentar geschrieben, der Böss erwähnt, (und<a href="http://jungle-world.com/artikel/2013/18/47627.html "> nun auch online ist</a>). Und Herzinger hat noch einmal nachgelegt. Die Tatsache, dass Hoeneß immer noch nicht vom Mob erschlagen wurde, erfordert anscheinend eine Erklärung, und <a href="http://www.welt.de/kultur/article115814269/Suender-Hoeness-in-der-Republik-der-Reue.html">Herzinger findet sie:</a> <em>&#8220;Indem sich Steuersünder Uli Hoeneß in einem Interview Erleichterung von seiner Seelenpein verschafft, ist der Weg zurück ins empfindsame Herz der Deutschen frei.&#8221;</em> Um die Sätze, die er meint, so wachsweich und inhaltsleer in einem gut getimeten Interview zu formulieren, brauchen andere eine PR-Agentur, Hoeneß nicht. Es braucht aber schon einen echten Germanisten, um bei Hoeneß &#8211; <em>&#8220;obwohl selbst Katholik&#8221;</em> &#8211; eine <em>&#8220;Reue im Sinne Martin Luthers&#8221;</em> auszumachen. Natürlich kennen auch die Katholiken Reue, Gewissensprüfung und Beichte. Aber mit derlei Spitzfindigkeiten kann sich nicht aufhalten, wer solche Zwischenüberschriften dichtet: <strong><strong>&#8220;Der Kapitalist muss vor dem Volk zu Kreuze kriechen&#8221;</strong></strong>. Das ist so weit weg von der gesellschaftlichen Realität, dass man sich schon anderswo nach Herzingers Motiven umsehen muss. Seit es keine Kommunisten mehr gibt, seit es also keine &#8220;Freie Welt&#8221; mehr gibt, weil ihr ihr Gegenstück abhanden gekommen ist, muss der Kapitalismus vielleicht von anderer Seite bedroht werden. Aber das ist Spekulation. Ein paar Grundsätze, die auch Herzinger beim politischen Schreiben beachten sollte, kann man <a href="http://nymag.com/daily/intelligencer/2013/04/david-brooks-and-the-role-of-opinion-journalism.html">hier nachlesen. </a></p>
<p>Interessant ist, abseits von der Causa Hoeneß, wie Herzinger in einem anderen Blogeintrag seine Idealvorstellung von Gesellschaft formuliert:</p>
<blockquote><p>
Der Werbeslogan einer Bank lautet: “Unterm Strich zähle ich”. Das könnte als Motto einer Bürgergesellschaft gelten, in der sich autonome Individuen in ihre persönliche Lebensgestaltung von möglichst niemandem mehr hineinreden lassen wollen. Dass der Einzelne seinen Lebensweg individuell ausgestaltet und die staatlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen die Räume schaffen, um diese Selbstverwirklichung zu ermöglichen, gilt dieser Bürgergesellschaft als Ideal.</p></blockquote>
<p>Das hat bezeichnenderweise viel mehr mit einer kommunistischen Utopie zu tun als mit jeder jemals existenten Marktwirtschaft.</p>
<p>____</p>
<p>Besser als mit seinem gedankenlosen Blogeintrag kommt Gideon Böss übrigens <a href="http://jungle-world.com/artikel/2013/17/47604.html">hier weg, und lesenswert ist das auch noch.  </a></p>
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		<title>Auf der Autobahn nachts um halb vier</title>
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		<pubDate>Fri, 26 Apr 2013 22:00:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bremisches]]></category>
		<category><![CDATA[Erbrochenes]]></category>
		<category><![CDATA[Sportliches]]></category>

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		<description><![CDATA[Mit dem 0:3 gegen Wolfsburg dürfte der SV Werder Bremen seinen sportlichen Tiefpunkt in dieser Saison bereits erreicht haben, viel weniger geht nicht. Das heißt aber nicht, dass das allgemeine Elend, das den Verein derzeit umgibt, sich nicht ähnlich spektakulär auch an anderer Stelle zeigen kann. Die nächtliche Autobahnfahrt von Marko Arnautovic und Eljero Elia, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mit dem 0:3 gegen Wolfsburg dürfte der SV Werder Bremen seinen sportlichen Tiefpunkt in dieser Saison bereits erreicht haben, viel weniger geht nicht. Das heißt aber nicht, dass das allgemeine Elend, das den Verein derzeit umgibt, sich nicht ähnlich spektakulär auch an anderer Stelle zeigen kann. Die nächtliche <a href="http://www.youtube.com/watch?v=D8DowNxyLFs">Autobahnfahrt</a> von Marko Arnautovic und Eljero Elia, die zu <a href="https://www.werder.de/de/profis/news/44167.php">ihrer Suspendierung aus dem Kader</a> führte, eröffnet einige Räume für Spekulationen über den Zustand des Vereins. Die Einstellung der beiden prominentesten Spieler des Kaders ist ganz offensichtlich unter aller Sau &#8211; wer nachts um drei noch durch die Gegend fährt, wenn er am nächsten Morgen trainieren soll, der schert sich wenig um jenes Training und den Verein, die Mannschaft und den Trainer, die es veranstalten. </p>
<p>Arnautovic und Elia interessieren sich vor allem für sich selbst, und das Ergebnis ihrer Nabelschau ist stets große Begeisterung. Daran ist zunächst nichts Verwerfliches, es ist nur sehr schlecht für Werder Bremen. Denn wer so stolz auf das Leben ist, das er führt, wie Elia das <a href="http://abload.de/img/elia9ob4w.jpg">gerade wieder dokumentiert</a> hat, der muss auch keine großen Ziele mehr haben. Kann er natürlich, muss er aber nicht. Das ist, wie gesagt, nur allzu verständlich: Wer solche Autos hat, hat erstens ausgesorgt und zweitens eine Menge Spaß. Das ist aber nicht unbedingt der Stoff, aus dem der Ehrgeiz gemacht ist, der Werder Bremen in den Europapokal bringt. Dass er schon der Größte ist, denkt auch Marko Arnautovic. Das hat ihn noch nach der nächtlichen Blamage dazu verleitet, sich <a href="https://www.facebook.com/MarkoArnautovicOfficialpage">auf Facebook</a> beleidigt darüber auszulassen, dass die Polizei die Sache ganz falsch darstelle. Die Problematik dabei, sich als Fußball-Profi nachts auf der Autobahn rumzutreiben, ist ihm gar nicht bewusst. Inzwischen hat sein Bruder und Manager Daniel noch einmal <a href="http://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/werder-bremen/article115648860/Arnautovic-Bruder-attackiert-die-Polizei-und-Werder.html">kräftig nachgelegt.</a> Das nennt man dann wohl Chuzpe.  </p>
<p>Bemerkenswert ist, was die beiden aus einer relativ kurzen guten Zeit bei Twente Enschede herausgeholt haben. Sie sind reich geworden und anscheinend sehr zufrieden mit sich. Bei Juventus und Inter sind sie gescheitert, aber bei Werder Bremen gab es neue Verträge. Ihre Leistungen hier sind bestenfalls durchwachsen, das Geld für den Verein jedenfalls nicht wert. Das könnte daran liegen, dass man hier im Gegensatz zu früheren Transfers eine andere Mentalität in den Verein gebracht hat. Vielleicht ist es so, dass für die beiden mit dem Wechsel zu Werder schon alles geregelt war. Vielleicht dachten sie, damit wäre der Weg von Diego und Klose, von Özil und Pizarro auch für sie schon vorgezeichnet. An ihrer eigenen Klasse haben die beiden sicher keine Zweifel gehabt. Wie es anders geht, kann man bei Werder ausgerechnet an dem Spieler sehen, der hier keinen Vertrag mehr hat. Kevin de Bruyne merkt man in jeder Minute an, dass sein Ziel die erste Elf beim FC Chelsea ist &#8211; so wie man Diego angemerkt hat, dass er seinem Ruf als Supertalent nach der verkorksten Zeit in Porto endlich gerecht werden wollte. </p>
<p>Ein Schlag ins Gesicht ist die nächtliche Prolltour seiner Spieler auch für Thomas Schaaf. Aus beiden konnte er nicht die ihrem Preis angemessene Leistung herausholen, und nun stellt sich für alle sichtbar heraus, dass die beiden daran auch nicht sonderlich hart arbeiten. Passiert ist das wohlgemerkt in der Woche, in der verschiedene Team-Building-Maßnahmen angesetzt waren und allenthalben die Ernsthaftigkeit der Situation, besonders für den Trainer und seine Zukunft, betont wurde. Während dessen Arbeit schon ihrer Erfolglosigkeit wegen in Frage steht, kommt jetzt noch die gefürchtete Disziplinlosigkeit dazu, die Führungskräfte stets schlecht aussehen lässt. </p>
<p>Marko Arnautovic&#8217; Vertrag läuft 2014 aus, eine Verlängerung schien bisher schon nicht besonders klug, jetzt dürfte die letzte Chance zum Verkauf genutzt werden. Elia hat noch einen Vertrag bis 2016, da könnte Werder auf eine Wertsteigerung spekulieren. Neben den beiden Edel-Gockeln hat Werder aber noch ein anderes Problem im Kader, nämlich die mangelnde Qualität. Spieler wie Sebastian Mielitz und Assani Lukimya können froh sein, überhaupt einen Platz bei Werder Bremen bekommen zu haben. Daneben gibt es zum Glück eine Reihe von Spielern, die können <em>und</em> wollen. Die werden auch in der Lage sein, in den letzten Spielen der Saison die nötigen Punkte zu holen. Die große Frage ist, ob Thomas Eichin mit oder ohne Schaaf in den kommenden Jahren eine Mannschaft zusammenstellen kann, die die Qualität und die Mentalität hat, um in Bremen wieder erfolgreichen Fußball zu zeigen.</p>
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		<title>No Homö</title>
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		<pubDate>Thu, 11 Apr 2013 20:51:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eigenes]]></category>
		<category><![CDATA[Erbrochenes]]></category>

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		<description><![CDATA[Demonstrativ aufgeklärt In Wien wurde gerade wieder gegen Homöopathie protestiert. Das ist einerseits berechtigt: Homöopathie ist der reine Aberglaube, aufgeklärte Menschen wissen das. Nicht nur ist ihre Nicht-Wirksamkeit bewiesen, es gibt noch nicht einmal eine ansatzweise plausible Idee davon, wie das Zeug überhaupt funktionieren könnte. Ich kenne neben mir selbst noch verschiedene andere Leute, die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Demonstrativ aufgeklärt</strong></p>
<p>In Wien wurde gerade wieder <a href="http://www.sueddeutsche.de/wissen/wiener-protest-gegen-homoeopathie-ueberdosis-gegen-aberglaube-1.1646956">gegen Homöopathie protestiert</a>. Das ist einerseits berechtigt: Homöopathie ist der reine Aberglaube, aufgeklärte Menschen wissen das. Nicht nur ist ihre Nicht-Wirksamkeit bewiesen, es gibt noch nicht einmal eine ansatzweise plausible Idee davon, wie das Zeug überhaupt funktionieren könnte. Ich kenne neben mir selbst noch verschiedene andere Leute, die bereits kurz davor waren, zu lieben Menschen äußerst grob zu werden, weil die nicht von ihrem Aberglauben abrücken wollten. Es ärgert uns, wenn jemand eine offensichtlich unhaltbare Position nicht verlassen will und sich dabei nicht einmal genötigt sieht, überhaupt ein Argument anzuführen. Diesem Ärger wollten auch die Demonstranten Luft machen, man muss da Verständnis haben. Dabei ist es bedenklich, wenn man nichts Besseres zu tun hat, als solche Happenings zu inszenieren, ebenso wie wenn man in Diskussionen mit den Gläubigen zur Wut sich hinreißen lässt. Letztendlich muss man sich damit arrangieren, dass wir nicht in einer aufgeklärten Gesellschaft leben. Und überhaupt, wie Adorno schon sagte: Mit der Aufklärung ist es so eine Sache.</p>
<p><strong>Super Sache </strong></p>
<p>Ich schlage deshalb eine andere Haltunf vor: Homöopathie ist eine ziemlich tolle Sache. Denn sie hilft, das bezweifelt niemand, tatsächlich. Das ist vor allem dem Placebo-Effekt zu verdanken. Mit dem Placebo-Effekt ist es so, dass er, das liegt in der Natur der Sache, nicht explizit genutzt werden kann. Erklärt man dem Patienten, dass er eine völlig wirkungslose Pille schlucken wird, dann bleibt das Kügelchen tatsächlich wirkungslos. Erzählt man ihm dagegen, dass er durch einen vielfach verdünnten Wirkstoff seinem Körper die entscheidenden Signale schicken wird &#8211; dann gibt es den Placebo-Effekt, der erheblich sein kann.</p>
<p><a href="http://lesswrong.com/lw/2pv/intellectual_hipsters_and_metacontrarianism/"><strong>Meta-contrarianism </strong><br />
</a><br />
Man kommt deshalb schwerlich umhin, die Homöopathie zu bewundern: Sie ist die geradezu geniale Nutzbarmachung des Placebo-Effekts in einer nicht aufgeklärten Gesellschaft. Irgendeine Tarnung braucht das Placebo immer. Die Hahnemannsche Zauberei liefert eine sehr schöne und ist dazu frei von Nebenwirkungen. Ich werde ihren Einsatz deshalb ab sofort begeistert befürworten. Bei mir selbst natürlich nicht, ich habe die Sache schließlich längst durchschaut. Das hat für mich den Vorteil, dass ich mich dabei sehr klug fühlen kann. Allgemein hat diese Art der Befürwortung der Homöopathie den Vorteil, dass man in der Debatte noch einen Schritt weiter ist als alle anderen. Kritiker gibt es schon zu viele (Cover-Story im Spiegel!), als dass man damit noch besonders kritisch und aufgeklärt wirken könnte. Um wirklich cool zu sein, muss man die Schraube noch einen Schritt weiter drehen &#8211; und wieder dafür sein.</p>
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		<title>Mesut, 17</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Mar 2013 10:42:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sportliches]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Kurzfilm &#8220;Mesut, 17&#8243; kann man nicht nur den jungen Mesut Özil bei einem Hallenturnier sehen, sondern auch einen anderen für Werder-Fans wunderschönen Moment: &#8220;Gehalten von Sebastian Mielitz!&#8221; hören wir den Hallensprecher sagen, ein in der Gegenwart sehr selten gewordenes Ereignis. Wertvoll ist der Film auch als Studienmaterial für alle, die wie ich seit Jahren [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Kurzfilm &#8220;Mesut, 17&#8243; kann man nicht nur den jungen Mesut Özil bei einem Hallenturnier sehen, sondern auch einen anderen für Werder-Fans wunderschönen Moment: &#8220;Gehalten von Sebastian Mielitz!&#8221; hören wir den Hallensprecher sagen, ein in der Gegenwart sehr selten gewordenes Ereignis. Wertvoll ist der Film auch als Studienmaterial für alle, die wie ich seit Jahren versuchen, sich eine Karriere als Uli-Stielike-Imitatoren aufzubauen. </p>
<p><iframe width="500" height="281" src="http://www.youtube.com/embed/P_K9a6ajxY4?rel=0" frameborder="0" allowfullscreen></iframe></p>
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		<title>Thoroughly missed</title>
		<link>http://www.verbrochenes.net/2013/03/22/thoroughly-missed/</link>
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		<pubDate>Thu, 21 Mar 2013 23:53:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Bonde</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eigenes]]></category>

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		<description><![CDATA[]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=rjdzGcaOQ2A"><img src="http://www.verbrochenes.net/wp-content//jan.jpg" alt="" title="" width="500" height="667" class="aligncenter size-full wp-image-2865" /></a></p>
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		</item>
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		<title>Shouting the Battle Cry of Freedom</title>
		<link>http://www.verbrochenes.net/2013/03/20/shouting-the-battle-cry-of-freedom/</link>
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		<pubDate>Wed, 20 Mar 2013 19:59:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goniwe</dc:creator>
				<category><![CDATA[Eigenes]]></category>

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		<description><![CDATA[“Wanted?” Dick Cheney wirkt verblüfft, als er das sagt. Gerade hat man ihm die Frage gestellt, ob die US-Administration, in deren Turnus er als Vizepräsident der Vereinigten Staaten gearbeitet hat, den Irak-Krieg gewollt habe. Der ehemalige Kongressabgeordnete des Bundesstaates Wyoming – es ist der einwoehnerärmste des Landes – scheint mit so einer Frage entweder nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>“Wanted?”</strong></p>
<p>Dick Cheney wirkt verblüfft, als er das sagt. Gerade hat man ihm die Frage gestellt, ob die US-Administration, in deren Turnus er als Vizepräsident der Vereinigten Staaten gearbeitet hat, den Irak-Krieg gewollt habe. Der ehemalige Kongressabgeordnete des Bundesstaates Wyoming – es ist der einwoehnerärmste des Landes – scheint mit so einer Frage entweder nicht gerechnet zu haben oder für einen Politiker sehr gut schauspielern zu können. Nach einem kurzen Augenblick entscheidet er sich, mit einer Gegenfrage zu antworten: <em>Why, ’cause we liked war?</em></p>
<p>Es ist eine von vielen merkwürdigen Szenen in R.J. Cutlers Film <em><a href="http://www.sho.com/sho/reality-docs/titles/3370771/the-world-according-to-dick-cheney">The World According to Dick Cheney</a></em>, der zwar schon auf dem Sundance Film Festival Premiere feierte, im US-Fernsehen allerdings erst am vergangenen Freitag ausgestrahlt wurde. Der Sendetermin dürfte kaum zufällig an dieses Datum verlegt worden sein: Den heute 72-Jährigen wird man trotz einer abwechslungsreichen politischen Karriere im Wesentlichen für seine Dienstzeit unter George W. Bush in Erinnerung behalten, und in diesen Tagen jährt sich der Beginn der<em> Operation Iraqi Freedom</em> zum zehnten Mal. Cheney gilt als einer der vehementesten Befürworter des Irak-Kriegs. Selbst bei der <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Dick_cheney">Wikipedia</a> lässt sich erfahren, dass er der angeblich mächtigste Vizepräsident in der langen Geschichte seines Landes war, in den Augen seiner Feinde ist er gar so etwas wie die graue Eminenz der Ära Bush, ein skrupelloser Machtpolitiker und Lobbyist, nach dessen Vorbild die Ultra-Hardliner in Agentenserien wie 24 geschnitzt wurden, deren politischer Alltag nur aus dem Erpressen von Foltergeständnissen und dem Vereiteln von ABC-Waffenanschlägen besteht. Wenn in den letzten zehn Jahren in der linksliberalen deutschen Presse von den <em>Falken</em> in der amerikanischen Regierung die Rede war, dann ist Cheney unter ihnen derjenige mit der größten Flügelspannweite.</p>
<p>Genau wie sein engster privater Freund Donald Rumsfeld hat er bereits seine Memoiren verfasst und das aktive Politikerdasein an den Nagel gehängt. Die letzten beiden Präsidentschaftswahlen hat seine Partei, die republikanische, verloren, und es gibt nicht wenige, die das dem Wirken der Bush-Administration ankreiden. Die <em>grand old party</em> galt den US-Bürgern von den 70ern bis zum Ende von George W. Bushs erster Amtszeit als die in Fragen der <em>national security</em> <a href="http://www.washingtonpost.com/opinions/how-the-iraq-war-hurt-republicans/2013/03/08/34e7eab8-82ca-11e2-b99e-6baf4ebe42df_story.html">kompententere</a>, ein Vorsprung, den sie schon eingebüßt hatte, bevor Barack Obama die Tötung von Osama bin Laden verkünden konnte. Ihr Kandidat für den Wahlkampf des letzten Jahres, Mitt Romney, hatte die Volksabstimmung gegen einen durchaus amtsmüde wirkenden demokratischen Präsidenten auch deshalb verloren, weil in sicherheitspolitischen Fragen an den Erfolgen der Obama-Administration wenig auszusetzen war.<br />
<strong><br />
The Dark Side of the Force</strong></p>
<p>Wer sich die folgenden 110 Minuten in Gänze anschaut, wird danach vorraussichtlich nicht viel an seinem Weltbild ändern müssen. Entweder man sieht in Cheney genau den <em>political darth vader</em>, als den ihn einer der zu Wort kommenden Journalisten gegen Ende beschreiben wird. Und, könnte man fragen, gibt es überhaupt ein oder? Genauere statistische Erhebungen zu dem Thema scheinen nicht angestellt zu werden, aber Cheney dürfte seinem ehemaligen Chef im weissen Haus in Sachen Unbeliebtheit in nichts nachstehen. Der Regisseur Cutler, den wir die ganze Zeit über nicht zu Gesicht bekommen werden, stellt Cheney einige banale Fragen. Was ihm die wichtigste Tugend sei, was das schlimmste Unglück. Und sein Lieblingsessen? <em>Spaghetti.</em> Man meint zu bemerken, dass er die Fragen ein wenig albern findet, da bekommt er gleich die nächste gestellt. Man wird sie in den <a href="http://www.sho.com/sho/reality-docs/titles/3370771/the-world-according-to-dick-cheney#/index">Trailer</a> schneiden, denn es passt einfach zu gut zu dem Bild, dass man von Cheney schon jetzt bekommen soll: Was sein größter Fehler sei, wird er gefragt, und natürlich hat er keine Antwort parat. Wer könnte so eine Frage schon beantworten, zumal, ohne nachzudenken? Er verbringe nicht viel Zeit mit dem Nachdenken über seine Fehler, sagt er dann, die Kamera blendet aus und – so funktioniert Fernsehen – lässt dem Zuschauer ein paar Sekunden Zeit, über die Fehler eines anderen Menschen zu sinnieren.</p>
<p>Umso genüsslicher und umfangreicher werden andere Cheneys Fehler in den kommenden Tagen noch einmal Revue passieren lassen, auch in Deutschland, wo die Bush-Administration wie in vielen anderen Ländern die mit Abstand unbeliebteste US-Regierung nach 1945 war. Man wird sich an Colin Powells Auftritt vor den Vereinten Nationen erinnern, – so, als habe es vor den dieser Versammlung weder davor, noch danach jemals andere <a href="http://www.youtube.com/watch?v=EISxbC6vzlo">Peinlichkeiten</a> gegeben – an<em> black sites </em>und Guantanamo, an <em>weapons of mass destruction</em>, die sich als inexistent herausstellten, an die <em>axis of evil</em>, <em>old europe</em> und <em>terrorist support</em>. In der <a href="http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-03/irak-krieg-10-jahre">Zeit</a> beispielsweise macht Martin Gehlen schon im Titel klar, dass man nach zehn Jahren nur auf ein <em>katastrophales Erbe</em> schauen könne – natürlich das Erbe des George W. Bush, nicht etwa Saddam Husseins. Über <a href="http://abcnews.go.com/Politics/wireStory/money-spent-iraq-results-18663079">750 Milliarden US-Dollar</a> hat der Krieg bereits verschlungen, einer der Hauptgründe für seine Unbeliebtheit in den Vereinigten Staaten. Barack Obama hat das Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur 2008 auch deshalb gewonnen, weil er sich als vehementen Gegner des Kriegs inszenieren konnte, eine Haltung, die seine Hauptkonkurrentin kaum glaubhaft verkaufen konnte.</p>
<p>Denn Hillary Clinton hatte 2003 als Senatorin für den Bundesstaat New York ebenso wie die Hälfte der anderen demokratischen Senatoren für den Krieg gestimmt, wir können das in <em>The World According to Dick Cheney</em> noch einmal sehen. Es ist einer von vielen Film- und Bildschnipseln, die Cutler aus den Archiven der Fernsehsender gegraben hat, um sie im Sinne einer ansatzweise kohärenten Erzählung von Cheneys Leben wieder zusammen zu setzen. Wir sehen viele Bilder aus dem, was man für den Alltag eines Politikers halten könnte: Mal sitzt er vor einem Berg von Akten oder Papieren über dem Schreibtisch, dann schüttelt er die Hand von Richard Nixon oder hält eine Pressekonferenz. Akustisch untermalt wird das Ganze von einer tiefen Erzählerstimme und einer ganzen Armada von Buchautoren und Journalisten, die immer wieder zwischen die Aufnahmen geschaltet werden und mehr oder weniger sinnvolle Kommentare und Erläuterungen abgeben. Eine von ihnen erklärt, wie mächtig der Vizepräsident war, in dem sie allen Ernstes auf seine Anwesenheit bei wichtigen Meetings verweist, ein anderer betont Cheneys Einflussnahme bei der Zusammensetzung des Kabinetts. <em>Unprecedented</em>, beispiellos, wird Cheneys Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 bezeichnet, was nur denjenigen verblüffen dürfte, der sich der Beispiellosigkeit von 9/11 nicht bewusst ist. Als die nicht immer zeitlich stringent verlaufende Timeline dieses Datum erreicht hat, sehen wir einen sorgenvollen Vizepräsidenten in einem Raum des weissen Hauses, umringt von Regierungsmitgliedern wie Condoleeza Rice, hinter ihm ist das Wappen des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu sehen. Es stammt tatsächlich vom 11. September, denn der amtierende Präsident war zum Zeitpunkt der Anschläge, auch diese Aufnahmen gehören zu den berühmtesten des Jahrzehnts, in einer Grundschule in Florida damit beschäftigt, aus Kinderbüchern vorzulesen, weshalb Cheney an der Stelle sitzt, die sonst dem Präsidenten vorbehalten ist, darum ist er sein Stellvertreter. Ein Journalist erklärt, Cheney sei nach den Anschlägen, die sein Amtskollege Rumsfeld im Pentagon übrigens aus nächster Nähe erlebt hat, mit einem Helikopter aus dem weissen Haus ausgeflogen worden. Wem diese Annehmlichkeit sonst noch zu Teil wird? Präsidenten. <em>Nur</em> Präsidenten.</p>
<p><strong>The Neoconservative Persuasion</strong></p>
<p>Gäbe es so etwas wie ein politisches Unwort der Bush-Zeit, der Begriff vom <em>neocon</em> landete mit großer Sicherheit in der Endausscheidung. Personen des öffentlichen Lebens inner- und außerhalb der republikanischen Partei, die sich als solche bezeichnen, hat es seit den 1970er Jahren immer wieder gegeben. Die Liste der Verdächtigen ist lang und unvollständig: Neben Rumsfeld und Cheney wären da weitere Mitarbeiter der Regierung wie Paul Wolfowitz und Richard Perle, Intellektuelle und Publizisten wie John und Norman Podhoretz vom Commentary Magazine, der Journalist Charles Krauthammer oder der mittlerweile verstorbene Irving Kristol, den man als den ideologischen Vater der Bewegung bezeichnet hat. Es sagt eine Menge über die Kurzlebigkeit solcher politischer <em>labels</em> aus, dass in <em>The World According to Dick Cheney</em> das Wörtchen vom Neocon kein einziges Mal vorkommt: Weder der geschiedene mächtigste zweitmächtigste Mann der Welt noch irgendein anderer Akteur führt es ein einziges Mal im Mund. Man muss schon darauf warten, von Sebastian Fischer, dem USA-Korrespondenten des Spiegel, <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/jahrestag-der-invasion-wie-der-irak-krieg-die-usa-veraendert-hat-a-886830.html">zehn Lehren</a> aus dem Irak-Kriegs präsentiert zu bekommen, um mal wieder über diesen geheimbundartigen Zusammenschluss zu stolpern. Dort lässt sich erfahren, dass, <em>sechstens,</em> der Irak-Krieg einer der Neocons war und sie obendrein <em>siebtens</em> daraus wenig gelernt haben, weil sich Kristols Sohn William tatsächlich erdreistet, weiterhin eine Zeitung zu publizieren und die Lebensgeschichte von Donald Rumsfeld käuflich <a href="http://www.amazon.de/Known-Unknown-Memoir-Donald-Rumsfeld/dp/159523067X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&#038;qid=1363782160&#038;sr=8-1">zu erwerben</a> ist. Mit der tatsächlichen politischen Realität in den USA hat das, das weiss Fischer vermutlich selbst, wenig zu tun. In der republikanischen Partei sind die hoffnungsvollsten und beliebtesten Vertreter der Partei keine außenpolitischen Hazardeure mehr: Es bedarf schon einiger inhaltlicher Verrenkungen oder einer gewollten analytischen Unschärfe, um Mitt Romney einen Neokonservativen zu nennen, bei den neuesten <em>shooting stars</em> wie Rand Paul oder Marco Rubio wäre es glatter Unfug. Sie befürworten wie die mit ihnen eng verbundene tea party für eine isolationistisch ausgerichtete Außenpolitik der USA und die <em>Reagonomics</em> der Achtziger würden vor ihren fiskalpolitischen Maßnahmen vermutlich wie ein sozialdemokratisches Reformprogramm wirken.</p>
<p>Dass die Neokonservativen im Urteil des überwiegenden Teils der Nachwelt nicht gerade gut wegkommen, dürfte auch ihrem funktionalistischen Politikverständnis geschuldet sein. <em>It is more important to be successful than to be loved</em>, sagt Cheney in die Kamera, was einerseits stimmen mag, andererseits aber ein schlechter Wahlspruch für demokratisch legitimierte Politiker ist, die auf die Stimmen ihrer Bürger angewiesen sind. In diesen Momenten des Films lässt sich erahnen, warum der Versuch dieses Mannes, sich von seiner Partei als Präsidentschaftskandidat aufstellen zu lassen, gescheitert ist. Beeindruckend viel Neues erfahren wir in den knappen zwei Stunden zwar nicht, aber dem Filmemacher Cutler ist es gelungen, die Ausgangslage einer Ära nachzuzeichnen, die, wie Hank Stuever in der Washington Post ganz richtig feststellte, lang noch nicht an ihrem Ende angelangt <a href="http://www.washingtonpost.com/entertainment/tv/the-world-according-to-dick-cheney-a-too-polite-form-of-interrogation/2013/03/12/c376dedc-86a9-11e2-999e-5f8e0410cb9d_story.html"><em>- still raw inside -</em> </a>ist. Der Zuschauer taucht noch einmal in die Diskussionen der unmittelbaren Zeit nach 9/11 ein: Es geht um die Behandlung von mutmaßlichen und tatsächlichen Terroristen, um das Abschiessen von Flugzeugen und die Frage, welche Verhörmethoden als Folter zu bezeichnen sind; das <em>waterboarding</em> gehört für Cheney nicht dazu. Man erinnert sich an die Vehemenz, mit der auch in den Feuilletons deutscher Zeitungen über solcherlei Themen gestritten wurde, an Dispute um völkerrechtliche Legitimation und amerikanischen Unilateralismus. Vielleicht war die Opposition zu diesem Krieg in jenen Tagen nicht nur aufgrund seiner fragwürdigen Begründung durch die Bush-Administration so heftig, sondern auch, weil man hierzulande kaum etwas von seinen Folgen spürte. Anders als etwa in Vietnam machte es für das Gros der Protestierenden wenig Sinn, sich gleich auf die Seite des Gegners der <em>Koalition der Willigen</em> zu schlagen: Um Saddam Husseins Baath-Regime irgendwie gutmeinend gegenüber zu stehen, musste es einen schon tief in den Sumpf der Verschwörungstheorien oder aber an den äußersten rechten oder linken Rand des politischen Kompasses verschlagen haben. Umso leichter ging die Anti-Kriegsrhetorik im pazifistischen Elfenbeinturm Bundesrepublik von der Hand, wo sich die in diesen Tagen amtierende Bundesregierung ohnehin gegen eine Beteiligung am Waffengang im Golf ausgesprochen hatte, eine Entscheidung, die die damalige Doppelspitze Schröder-Fischer für immer als ihr politisches Vermächtnis reklamieren wird. Mit Dick Cheneys Resümee sind die Zeitgenossen weniger gnädig: Ob er weiss, dass man ihn im vergangenen Jahr vor dem Kuala-Lumpur-Kriegsverbrechertribunal in Abwesenheit <a href="http://www.jungewelt.de/2013/03-20/041.php">schuldig gesprochen</a> hat, Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen zu haben?</p>
<p><strong>New world order</strong></p>
<p>Solch negatives Feedback hat eine Menge mit dem zu tun, was in der Folge des schnell beendeten militärischen Auseinandersetzungen und dem Ende von Saddam Husseins Herrschaft nicht passiert ist: Es konnten weder Beweise für die Zusammenarbeit mit Terrororganisationen wie Al Qaida noch Massenvernichtungswaffen gefunden werden, und die Bilanz der <em>freedom agenda</em>, also der Demokratisierung des mittleren Ostens, ist zehn Jahre später längst nicht so <em>bright and shiny</em>f, wie man sich das einmal <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lHZkc5zgwkU">erhofft</a> hatte. Das Land versinkt zunehmend in innermuslimischen Konflikten und Streitigkeiten um Machtpositionen, hat mit Korruption und Amtsmissbrauch zu kämpfen und obendrein sieht die anfangs von Spöttern als Marionetten-Regierung denunzierte derzeitige politische Führung eine diplomatische Annäherung an Iran als sinnvoll und wünschenswert an. In den ersten fünf Jahren nach Beginn des Krieges begingen über 900 Menschen Selbstmordattentate, denen weit mehr irakische Zivilisten als Angehörige der amerikanischen Streitkräfte zum Opfer fielen. Wer hinter solchen Angriffen auf die öffentliche Ordnung lediglich einen – wie legitim auch immer geführten – nationalistischen Befreiungskampf gegen ausländische Besatzungsmächte vermutet, sieht sich spätestens seit dem weitgehenden Abzug der US-Armee getäuscht: Der Bombenterror hat an Intensität nicht <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/bagdad-mindestens-18-tote-bei-anschlaegen-12114616.html">nachgelassen</a>, die Regierung des Landes ist quasi handlungsunfähig. Der Krieg ist zu einem regelrechten PR-Desaster für die mächtigste Nation der Welt mutiert, seine Durchführung hat zum rapiden Anstieg der us-amerikanischen Staatsausgaben ihr Scherflein beigetragen, ohne dabei die erwünschten Erfolge zu zeitigen. Dabei ist es faszinierend zu sehen, dass sich nicht nur viele Prognosen und Behauptungen der berüchtigten Neokonservativen als falsch erwiesen haben, sondern auch die ihrer Gegner. Im Frühjahr des Jahres 2003 konnte man sich in der Presselandschaft vor Artikeln, die über die vermeintlich dunklen Machenschaften hinter den Kulissen berichteten, kaum retten.</p>
<p>Der interessierte Leser lernte in diesen Tagen eine Menge über Privatunternehmen wie Halliburton, die ihre Angestellten für verschiedenste Tätigeiten ins Zweistromland schickten. Schnell war eine Verbindung hergestellt zum omnipräsenten Cheney, der als Vorstandsvorsitzender für den texanischen Konzern gearbeitet hatte, woraus man wiederum die Behauptung ableitete, der Krieg werde in Wahrheit um die reichen Ölvorkommen des Irak geführt. Eine deutsche Ministerin verglich die außenpolitischen Maneuver von Bush junior mit denjenigen Adolf Hitlers, noch schrillere Stimmen prophezeiten die Etablierung einer neuen Weltordnung, deren Installation schon Reagan oder wahlweise Bushs Vater auf ihre Agenda gesetzt hatten. Von all diesen <em>bold predictions</em> hat sich kaum eine bewahrheitet: Die Konzessionen zur Ölforderung hat die irakische Regierung in der weit überwiegenden Mehrheit Firmen aus Ländern wie China und Russland <a href="http://www.nytimes.com/2011/06/17/business/energy-environment/17oil.html?pagewanted=all">zugeteilt</a>, die sich nicht am Krieg beteiligt hatten. Von einer neuen Epoche us-amerikanischer Hegemonie über die arabische Welt kann genauso wenig gesprochen werden wie von dem Krieg gegen den Islam, den Bush angeblich vom Zaun zu brechen beabsichtigte. Stattdessen attestiert Klaus-Dieter Frankenberger auf der Titelseite der FAZ, dass Iran zehn Jahre später zum <em><a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/irakkrieg-mission-erfuellt-12121008.html">geopolitischen Gewinner</a></em> mutiert ist. Vielleicht ist es absurderweise letztlich dem Unwillen der USA geschuldet, noch viel größere Summen in den Aufbau einer demokratischen Ordnung zu stecken, um das in den letzten Jahren international so wichtig gewordene <em>nation building</em> voranzutreiben.<br />
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The Forever War<br />
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Wo auch immer die Formulierung von der Nationenbildung zu hören ist, ist der Komplementärbegriff<em> – der failed state –</em> nicht weit. Diese Begrifflichkeit ist nicht erst im Gefolge des letzten Golfkriegs entwickelt worden und der Irak ist nicht das erste Land, dem ein solches Schicksal droht. Somalia beispielsweise fällt in diese Kategorie, Syrien droht dasselbe Schicksal und erst kürzlich hat die internationale Gemeinschaft  einen weiteren Zerfallsprozess aufzuhalten versucht, in dem man den territorial größten Staat Afrikas, Sudan, in zwei separate Nationen aufgespalten hat, man kennt ein ähnliches Prozedere aus dem ehemaligen Jugoslawien. Das mediale Interesse für derartige Vorkommnisse ist üblicherweise sehr kurzlebig, aktuell sieht man das am westafrikanischen Mali, welches kaum ein paar Wochen nach dem raschen militärischen Erfolg der französischen Armee im Kampf gegen radikale Islamisten beeindruckend schnell wieder aus den Nachrichtensendungen und Auslandsspalten verschwunden ist. Dem Irak scheint dieses Schicksal des Vergessenwerdens nach einer verlängerten Latenzzeit ebenfalls zu Teil zu werden, es ist ein scheinbar unaufhaltsamer Prozess, der viel über die medial aufbereitete Informationsgesellschaft, in der wir leben, verrät. Wenn nicht gerade ein runder Jahrestag ansteht, sucht man sogar in der <em>middle east</em>-Rubrik der New York Times vergebens nach aktuellen Artikeln: <em>Aus Bagdad nichts Neues.</em> In der internationalen Presselandschaft hat man sich intensiver mit David Petraeus’ Sex-Affäre beschäftigt als mit seinen Ideen zur<a href="http://www.amazon.de/Marine-Corps-Counterinsurgency-Field-Manual/dp/0226841510/ref=sr_1_2?ie=UTF8&#038;qid=1363799684&#038;sr=8-2"> Aufstandsbekämpfung</a>, über die Arbeitsfelder von US-Sicherheitsfirmen wie Blackwater ist mehr bekannt als über die Aktivitäten des gegenwärtigen irakischen Kabinetts.</p>
<p>Der Krieg ist nach zehn Jahren ein vergessener Krieg im globalen Gedächtnis, geblieben sind nur noch ein paar zumeist aus traurigen Gründen berühmt gewordene Bilder und die dazu passenden verbalen Formulierungen aus dem ihm eigenen rhetorischen Ideenhimmel. Das Stigma, den Krieg letztlich verloren zu haben, werden sich die USA nicht anheften müssen – das war nach dem Vietnam-Krieg anders, als Kriegsheimkehrer an den Flughäfen des Landes von wütenden Protestlern empfangen und angefeindet wurden. Zwei Veteranen des Krieges sind inzwischen bereits <a href="http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&#038;v=QAgiFH5Rjy4">Kongressabgeordnete</a> geworden, ob sie ihre eigene politische Agenda allerdings allzu eng mit diesem Teil ihrer Biographie verknüpfen werden, ist eine andere Frage, denn über den Irak gibt es wenig Erquickliches zu erzählen, was ein grosszügiges Umschiffen des Themas als Gebot der Stunde ausweist. Man sieht diese Vergessenheit auch an der beinahe kompletten Ignoranz, die dem Krieg in der amerikanischen Populärkultur zu Teil geworden ist: Kaum ein Film nimmt sich des Stoffs an, während es sogar schon eine <a href="http://www.imdb.com/title/tt1790885/?ref_=fn_al_tt_1">Oscar-prämierte Inszenierung</a> der <em>greatest manhunt in history </em>– der nach Osama bin Laden &#8211; gibt. Und nur eine einzige – wenn auch äußerst sehenswerte – TV-Serie beschäftigt sich explizit mit dem Thema, sie wurde von den Machern von <em>The Wire </em>geschaffen und trägt den ziemlich martialischen Namen <em>Generation Kill.</em> Die Protagonisten der Serie sind allesamt Mitglieder einer Aufklärungseinheit des United States Marine Corps, die an den wenigen Kämpfen mit Einheiten der irakischen Volksarmee oder Saddams Revolutionsgarden beteiligt sind und dabei so gar nicht wie die beeindruckenden Elitesoldaten aus den <a href="http://www.youtube.com/watch?v=6xWA1rp50rs">Werbespots</a> wirken. Im Irak kämpften in überwiegender Mehrzahl die Kinder aus den finanziell schlechtergestellten Familien des Landes, für die vorgebliche Verteidigung westlicher Werte zogen im überwiegenden Teil nicht New Yorks und Hollywoods Linksliberale, Ivy League-Absolventen oder gar Berliner Antideutsche in den Krieg, sondern Amerikas Kleinstadt- und <em>trailer park</em>-Bewohner, wie der Kriegsberichtserstatter Dexter Filkins in einem der bedrückendsten <a href="http://www.amazon.de/The-Forever-Vintage-Dexter-Filkins/dp/0307279448/ref=sr_1_3?ie=UTF8&#038;qid=1363802414&#038;sr=8-3">Bücher </a>zu diesem frischen Kapitel der Zeitgeschichte festgestellt hat: </p>
<blockquote><p>
“The soldiers and their wives and the moms and the dads: they wanted to talk. Maybe nobody else did but they did. Back in the world, there was a kind of underground conversation about Iraq and Afghanistan. Underground and underclass. The rest of the country didnt much care. In Pearland and Osawatomie and LaGrange, Iraq and Afghanistan lived on, and people wanted to talk.”</p></blockquote>
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The Empire strikes back</strong></p>
<p>In den letzten Minuten von <em>The World According to Dick Cheney</em> begleitet die Kamera den Privatmann beim Fliegenfischen auf einem Fluss in den unendlichen weiten Wyomings. Es ist sein erster Angelausflug, seit ihm ein neues Herz eingepflanzt wurde, er wirkt genauso fokussiert und ernst wie auf den vielen Bildern, die ihn im Oval Office zeigten. Die Welt, seine Welt, die wir laut dem Anspruch des Films nun zu kennen glauben, würde er wieder in diesem Sinne gestalten. <em>I’d do it all over again</em>, das sind in der Erzählreihenfolge des Films Cheneys letzte Worte. Und die Neokonservativen, um die es nach Cheneys Abgang aus dem Staatsdienst so ruhig geworden ist, haben sie alle mit einem Mal ihre politischen Tätigkeiten eingestellt? Bei Irving Kristol, den man als den <em>godfather</em> der Bewegung bezeichnet hat, finden wir einen über dreissig Jahre alten Hinweis, wo die Spurensuche, so sie denn erwünscht ist, weitergehen könnte:</p>
<blockquote><p>
“(&#8230;) if the political spectrum moved rightward and we should become ‘neoliberal’ tomorrow, I could accept that too. As a matter of fact, I wouldn’t be too surprised if just that happened.”</p></blockquote>
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