Wahrheitssuche

Die ARD berichtet vom mit Epo erwischten Radfahrer Ricardo Ricco.

Auf die Frage, ob er EPO benutzt habe, anwortete er lediglich: “Das werden die kommenden Tage zeigen. Ich habe auf jeden Fall die Gegen-Probe beantragt.”

Woher soll er denn auch wissen, ob er gedopt hat, bevor das Labor das für ihn überprüft hat? Die Definition von Doping bzw. “Epo benutzen” ist ja nicht, dass man sich das Zeug in den Körper schüttet, sondern, dass der ganze Zirkus aus Kontrolleuren und Sportgerichten feststellt, dass man das ohne jeden Zweifel getan hat.

Im StudiVZ feiert die libanesische Community die Befreiung des Kindermörders Kuntar. Dafür wurde eigens eine Gruppe gegründet, sie heisst: “Libanesen bekommen immer was sie wollen…16.07.08 Samir Kuntar” Dort wird gefeiert, und zwar zuerst mal das eigene Libanesensein und zum anderen Samir Kuntar, der “Held”. Die zweifellos dümmste Frau in der Gruppe ist auch diejenige, die sie gegründet hat. Sie nennt sich “mimi schönheit” und ihr Profil sieht so westlich aus, als ob jeder der von ihr verehrten Hizbollah Kämpfer sie erstmal drei Tage verprügeln müsste, bevor er sie zu einer anständigen unterdrückten muslimischen Frau machen kann. Was den Krieg angeht, hat sie klare Vorstellungen.

wer ein krieger sein will darf nicht über seine feide denken!!
die libanesen machen das schon richtig und sie jubeln nicht wegen dem kind sondern wegen den guten krieger samir kuntar der sein heimatland verteiligt hat

An das Kind mag ohnehin niemand denken, erschlagene Kinder versauen irgendwie jede Feier. Ein weiteres würdiges Gruppenmitglied ist Ali Fardoun, der ein bißchen an seinen homosexuellen Landsmann von “Deutschland sucht den Superstar” erinnert und bei seinen islamistischen Idolen deshalb vermutlich ähnlich viel Respekt bekäme wie mimi. Zu seinem eigenen Glück weiss er das nicht:

wir sind Hezbollah wir hassen Israel im Libanon sind wir die Nr: 1

Neben diesen dummen Parolengrölern gibt es aber auch die klugen Bescheidwisser. In der inzwischen von der zionistischen Lobby angezettelten Diskussion glänzt Afif Harb Jr mit Faktenwissen.

Das israelische Massaker an libanesischen Zivilisten, hauptsächlich Kindern, im Dorf Kana ist ein ungeheures Kriegsverbrechen.

In tiefer Nacht, als die Opfer schliefen, schlugen mehrere Raketen ein und verwandelten das vierstöckige Wohnhaus und benachbarte Gebäude in ein Trümmerfeld. Mindestens 57 Bewohner wurden getötet, darunter auch 37 Kinder.

Wie man seit zwei Tagen nach dem Angriff, also jetzt seit zwei Jahren, weiss, starben in dem Haus ingesamt 27 Menschen. Aber wer will sich schon mit der Realität beschäftigen?

Weiterhin bereichert wird die Diskussion von einem “Mohammed [ THE GODFATHER ] Jaber”, der sich dadurch auszeichnet, dass er Filme über den amerikanischen Traum und deren Hauptfigur verehrt und gleichzeitig ein Fan der Hizbollah ist.

Beendet wurde der Spaß dann von Queen Stupid selbst, die gute mimi schmiss “diesen Juden” raus und löste so das Problem.

hau ab man das ist meine gruppe
hier hast du nichts zusuchen
uled il kalb
kis icht il jahud
damit meinte ich natürlich diesen juden

ach leute wir müssen nicht contern
wir haben eh GEWONNEN
habe die rausgeworfen

Diese Libanesen haben eine Eigenschaft, die wir alle gerne hätten: Sie sind “richtig”, jedenfalls nach eigener Auskunft.

ja mimi, wir haben gewonnen…werden wir auch immer, weil wir richtig sind…
lass mal feiern hier
jupiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii

Das Schlusswort hat wieder mimi, die jegliche Zweifel an ihrer Gesinnung ausräumt und damit wohl den Anhängern Samir Kuntars aus dem Herzen spricht.

hi leute wir können hier keine judenschweine gebrauchen
wir libanesen können auch so spaß haben richtig oder richtig!!??
libanesen forever
yippi

Nachtrag: “Judenschwein” war wohl selbst für das StudiVZ zuviel, die Gruppe ist gelöscht. Das reicht aber auch an Bestrafung, Antisemiten-Mimi darf das VZ natürlich weiter benutzen.

Manche Leute entsprechen optisch den dümmsten Klischees. Es gibt schwule Friseure, die wie schwule Friseure aussehen. Es gibt Physikstudenten, die ein “Blind Guardian” T-Shirt tragen und lange Haare haben.

Und dann gibt es Samir Kuntar. Der ist libanesischer Terrorist und hat 1979 u.a. ein vierjähriges Mädchen ermordet. Er hat dafür ihren Kopf auf einen Felsen geschlagen und anschließend mit dem Kolben seines Gewehrs ihren Schädel zerschmettert. Wie mag so jemand aussehen?

So.

Ist das nicht grotesk? Dass diese Leute auch noch aussehen wie das personifizierte Böse, sich nicht nur so verhalten?

Mehr zum Thema bei den üblichen Verdächtigen.

Tolle Story

Thomas Schaaf begeistert mich im Interview:

SPOX: Man konnte lesen, Sie seien [in Australien] immer um vier Uhr nachts aufgestanden, um die EM-Spiele verfolgen zu können.

Schaaf: Eine tolle Story, die lassen wir so stehen.

Auch schön:

SPOX: Nach 36 Jahren im Verein - gilt da für Sie lebenslang grün-weiß oder könnten Sie sich auch vorstellen, in ferner Zukunft noch mal woanders zu arbeiten?

Schaaf: Diese Frage ist langweilig.

Die Problematik ist vermutlich, dass 90% der Fragen, die man Sportlern und deren Betreuern stellt, furchtbar langweilig sind. Mein Problem, das sich daraus ableitet, ist, dass ich sie trotzdem lese.

Er lag seit zwei Stunden in der bis auf ihn leeren Badewanne und konnte sich nicht bewegen. Das Radio hatte wenige Minuten vorher aufgehört zu spielen und gab nun nur noch alle paar Minuten ein gequältes Knacken von sich. Es wird nicht mehr weitergehen, dachte er, die Polizei wird bald kommen, und dann beginnt mein neues Leben im Knast. Eine schöne kleine Zelle, mit Toilette, aber ohne Badewanne. So würde das für einige Jahre gehen, er hatte keine Ahnung, wie viel man für einen Bankraub und die damit verbundenen Körperverletzungen heutzutage bekam. Immerhin war er nicht vorbestraft, vielleicht würde es glimpflich abgehen.
Während er sich so in seine Zelle hineinversetzte, hörte er dazu passende Schritte im Hausflur. Einige Minuten vergingen, dann seufzte er kaum hörbar und überlegte, ob er nun erleichtert oder enttäuscht darüber war, dass die Polizei offenbar noch auf sich warten ließ.

Gregor Schwarz war 28 Jahre alt und einer aufwendigen Selbstanalyse zufolge auf allen für sein Selbstverständnis relevanten Gebieten gescheitert. Er hatte kein Geld, keine Frau, keine Ausbildung und keine Lust mehr, etwas daran zu ändern.

Fünf Stunden zuvor

Es begann um kurz nach Zehn, ein verregneter Morgen. Als er aus dem Bus stieg, tauchte er in das Einheitsgrau von Himmel, Straße und Häusern ein, er fühlte sich sicher. Das Ziel lag klar vor ihm. Es war die Sparkasse, deren strahlend rote Schilder am weißen Gebäude sich von der Umgebung abhoben und ihm klar zu sagen schienen, dass hier das bessere Leben abholbereit liegen würde.
Schwarz, fast zwei Meter groß und von sportlicher Statur, ging die 200 Meter zur Bank und dachte an all das Geld. Kurz vor der Tür zog er sich eine tarnfarbene Sturmhaube über den Kopf, nahm die Pistole, die er von seinem Vater geerbt hatte, aus der Tasche und atmete tief durch. Er tat das alles, ohne stehen zu bleiben. Dann schob er die Tür auf und war in der Bank.

Am Schalter stand eine junge blonde Frau im Hosenanzug, wahrscheinlich eine Auszubildende. Ihr Namensschild wies sie als Frau Tietjen aus. Vor dem Schalter befanden sich drei Kunden. Ein älteres Paar in rentnerbeiger Kleidung wartete geduldig darauf, dass Frau Tietjen einem Mann vor ihnen sein Geld auszahlen würde. Der Mann sah aus wie Mitte dreißig, war aber wahrscheinlich jünger. Er trug einen ausgewaschenen Jogginganzug, obwohl er sicher keinen Sport machte. Sein ganzes Äußeres wies darauf hin, dass er gerade seine Sozialhilfe abholte.

Als Gregor Schwarz den Raum betrat, bemerkte ihn zunächst niemand. Er wollte etwas rufen, aber das gelang ihm nicht. Abrupt blieb er stehen und verharrte einige Sekunden, in denen er vermummt und bewaffnet dabei zusah, wie dem Mann am Schalter 75 Euro ausgezahlt wurden. Nachdem der sein Geld in die Hand genommen hatte, blickte Frau Tietjen auf und sah aus den Augenwinkeln den erstarrten Gregor Schwarz. Ihr zunächst entspanntes Gesicht zeigte nacheinander Erstaunen, Entsetzen und Angst an. Als es sich überraschend bei Entschlossenheit einpendelte und sie Anstalten machte, den Schalter Richtung Hinterzimmer zu verlassen, erwachte auch Schwarz wieder und ging zum Angriff über. Mit der Pistole fuchtelnd und laut „ÜBERFALL!“ rufend ging er auf die Anwesenden zu. Die beiden Rentner bewegten sich langsam nach hinten, von Schwarz und Tietjen weg zur Wand. Der Mann, der mit seinem Geld in der Hand gerade vom Schalter weggegangen war, befand sich nun leicht versetzt zwischen der Bankangestellten und Schwarz. Dort blieb er mit offenem Mund stehen. Schwarz nahm ihn nicht wahr. Er sah nur Frau Tietjen, die stehen geblieben war, und das helle Holz des Schalters und der Möbel dahinter. Irgendwo da musste das Geld sein, und sie musste es ihm geben. Er rief noch einmal „ÜBERFALL!“ und dachte, dass damit doch alles klar sein müsste. Wenn man überfallen wird, rückt man die Kohle raus, das musste sie doch auch wissen. Stattdessen sah sie ihn einfach nur an. Er schrie hilflos „JETZT GIB DAS GELD HER!“ und wedelte mit der Waffe in seiner Hand herum, um ihr klar zu machen, warum sie besser tun sollte, was er wollte. Aber sie bewegte sich nicht. „DAS GELD!“ forderte Schwarz erneut.
Da drehte sich der mutmaßliche Sozialhilfeempfänger zu ihm herum und hielt ihm unsicher seine 75 Euro hin. Schwarz erschrak, als er ihn plötzlich sah. Die Aufmerksamkeit des Bankräubers ermutigte den Mann, er war von seiner Idee gleich viel überzeugter und ging auf ihn zu, das Geld am weit ausgestreckten Arm vor sich her tragend. Schwarz war überfordert und ging einen Schritt zurück, während er die Geldscheine anstarrte, die langsam auf ihn zu kamen. Er konnte sein Ziel, den geldgefüllten Schalter, nun nicht mehr sehen, der Mann drängelte sich geradezu dazwischen. Um sich an ihr festhalten zu können, hob er die Waffe hoch und richtete sie zitternd nach vorne. Auf den Lauf der Pistole fixiert sah Schwarz sein Gegenüber nur noch verschwommen vor sich. Der Mann stand nun fast vor ihm, murmelte leise „Hier!“ und hielt ihm das Geld hin.
Eine Sekunde später schoss Schwarz. Die Pistole, zwanzig Jahre alt, gab einen lauten Knall von sich und zerbarst in seiner Hand, die in einer grellen Flamme verschwand. Der Mann fiel zu Boden und schrie. Sein Polyesteranzug war an einem Arm verkohlt, die Haut in seinem Gesicht leuchtete rot. Schwarz stand noch. Er blickte erstaunt auf den Mann hinunter und hörte, wie die Überreste der Pistole zu Boden fielen. Seine Hand war ein schwarzroter Klumpen, der nun langsam begann, einen stechenden Schmerz durch seinen ganzen Körper zu schicken. Aus der Ferne schrie Frau Tietjen unaufhörlich.
Es dauerte noch einige Sekunden, bis der Schmerz und die Schreie Schwarz wieder zu Bewusstsein kommen ließen. Er blickte einmal durch den Raum, vom liegenden Mann über die schreiende Frau Tietjen und die regungslos an der Wand stehenden Rentner zu seinem ramponierten Arm und wieder auf den Mann am Boden. Dann griff er mit der linken Hand unbeholfen die verkohlten Geldscheine aus dessen Hand, drehte sich um und rannte aus der Tür.
Draußen kam ihm eine Frau entgegen, die gerade die fünf Stufen hinauf zur Tür ging, als er herausstürmte. Er lief direkt in sie hinein. Sein Arm traf sie im Gesicht und sie fiel rückwärts die Treppe herunter. Dabei schlug sie mit dem Kopf auf die letzte Stufe und blieb am Boden liegen. Schwarz sah sich kurz um, sah ihr Blut und ihr grotesk verdrehtes Bein und rannte weiter. Er riss sich die Sturmhaube vom Kopf, warf sie weg und rannte. Sein gesunder Arm hielt den verletzten am Ellbogen, Kopf und Gesicht waren schweißgebadet. Im Laufen wurde ihm bewusst, dass er keinen Fluchtplan hatte. Hatte er etwa im Linienbus flüchten wollen? Spätestens mit seiner Verletzung hatte sich diese Option erledigt. Er musste sich in Sicherheit bringen, er musste in seine Wohnung, in sein Badezimmer, sich einschließen. Also lief er weiter. Nach einer halben Stunde, in der er immer langsamer geworden war, kam er zu Hause an. Niemand hatte ihn aufgehalten oder angesprochen. Sicher hatten die Passanten ihn angesehen, aber das hatte er nicht bemerkt. Er betrat seine Wohnung und ging geradewegs ins Bad.

Einige Zeit, nachdem das Radio seinen Geist aufgegeben hatte, kamen Gregor Schwarz Zweifel. Vielleicht würden sie ihn doch nicht erwischen. Vielleicht war die Pistole seines Vaters nie registriert gewesen oder nun so beschädigt, dass sie ohnehin nicht mehr zuzuordnen war. Vielleicht brachte sie die Sturmhaube, die er zwei Tage vorher unweit der Bank in einem Army-Laden gekauft hatte, auch nicht auf seine Spur. Vielleicht war die Polizei einfach unfähig. Warum sollte er nicht am Ende noch Glück haben?
Im Waschbecken lagen die Überreste seiner Beute. Einer der Scheine, ein Zehner, war fast unbeschädigt. Beim Gedanken daran musste er lachen und zuckte vor Schmerz zusammen.
Die Schmerzen wurden langsam unerträglich. Jede Bewegung verstärkte sie derart, dass er schon lange auf weitere Versuche verzichtet hatte. Wenn sie nicht kommen würden, um ihn zu holen, dann müsste er sich darum bald selbst kümmern. Er spielte gerade in Gedanken durch, wie er sich aufraffen und die Hand erst waschen, dann desinfizieren und mit Wundsalbe eincremen würde, da klopfte es energisch an der Wohnungstür. Eine in Autorität geschulte Stimme sagte „Ist da jemand?“, und dann wurde die Tür eingetreten.

Anlässlich des heutigen 2. Internationalen Day des Denglish fragen sich viele, wie sie besser Denglish sprechen können. Sie haben eingesehen, dass das eine gute Sache ist, wollen mitmachen, aber es fehlen ihnen die Worte. Dabei ist die denglishe Sprache so reich an Möglichkeiten. Ein paar davon sollen hier mit wenig Wissen und ohne den Anspruch auf Vollständigkeit vorgestellt werden. Ergänzungen sind herzlich willkommen.

  • Die einfachste Methode, Denglish in seinen Sprachalltag aufzunehmen, ist die Verwendung von ganz normalen englischen Wörtern. Besonders simpel zu handhaben sind die Adjektive: Kopieren, einfügen, fertig - ganz easy. Ebenfalls einfach machen es einem die Substantive, sie können genauso verwendet werden wie ihre deutschen Entsprechungen, bei der Pluralbildung orientiert man sich meistens an der Herkunftssprache und hängt ein s an. Die Artikel richten sich meistens nach den deutschen Entsprechungen. Damit ist man dann noch kein Pro, aber man kann die Chicks auf jeden Fall beeindrucken. Bei Verben sollte man berücksichtigen, dass sie sich nur gut einfügen, wenn man sie auch entsprechend konjugiert, ansonsten kann man auch gleich Englisch sprechen, wogegen natürlich auch nichts einzuwenden ist. Manchmal kann man auch konsidieren, die Wörter ganz in eine deutsche Schreibweise zu übertragen. Wenn man dann den Girlfriend an der Station aufpickt und mit ihr zum Date cruist, ist man in Sachen Freshness kaum noch zu toppen.
  • Die zweite Möglichkeit, die deutsche Sprache mit englischer zu bereichern ist die Übernahme von Wendungen und Sprichwörtern. Diese werden entweder direkt in den sonstigen Sprachbrei eingestreut oder vorher ins Deutsche übersetzt. Insbesondere Ausrufe der Verwunderung (”Gosh!”) wirken auf Englisch authentischer, manchmal macht es aber auch Sinn, zu übersetzen. Dann ist es Zeit, keinen Fick mehr zu geben auf althergebrachte Gleichgültigkeitsbekundungen.
  • Eine Mischform stellt das sogenannte ingen da. Hierbei nimmt man einen beliebigen Substantiv aus dem Englischen und hängt das bekannte -ing an, das man normalerweise an Verben anhängt, wenn man etwas gerade in diesem Moment tut. Ticketing ist zur Zeit das einzige Beispiel, das mir einfällt, aber dieses Feld ist bei weitem noch nicht abgeerntet.
  • Wem diese Sourcen der Vielfalt noch nicht reichen, muss selbst kreativ werden und sich englische Wörter ausdenken. Das ist ein anspruchsvolles Unterfangen, und man kann gehörig auf die Nase fallen, wenn man ein Fußballevent mit dem amerikanischen Wort für eine öffentliche Leichenschau belegt. Daher sind solche Scheinanglizismen auch sehr selten und bieten eine große Angriffsfläche für Sprachnazis.

Als Krautkiller sagen wir dann aber ganz easy: Wir kümmern uns nicht.

Mal ganz abgesehen davon, dass entweder Sicherheitsvorkehrungen streng oder ein Sicherheitsbedürfnis hoch sein kann und diese seltsame Formulierung sehr verbreitet ist: Die Verpflichtung zum Tragen von Helmen sowie Schutzbrillen auf einer Baustelle ist weder für das eine noch für das andere ein Indiz. Aber sowieso ging es bei der Berichterstattung von tagesschau.de über die Eröffnung der neuen amerikanischen Botschaft wohl weniger um eine differenzierte Darstellung des Spannungsfeldes zwischen Architektur und Sicherheitsbedürfnis als um ein Kopfschütteln über letzteres. Diese Amerikaner, was haben die eigentlich? Stellen ein repräsentatives Gebäude an einen der berühmtesten Plätze der Welt und bauen das Haus dann so, dass es sicher ist - ist es zu fassen?

Dieses mächtige Bild kommt von Jan. Nachdem viel zu lange seine einzigen öffentlich sichtbaren Werke die Headerbilder dieses Blogs waren, hält er sich jetzt endlich auch selbst für gut genug, seine anderen, wesentlich anspruchsvolleren Werke der weltweiten Öffentlichkeit vorzustellen. Das tut er auf der fabelhaften Plattform ipernity unter dem Namen jst, hier sind die Bilder, hier seine Startseite.

Er liest hier regelmäßig, wenn ihr also keinen Account bei ipernity habt, dürft ihr ihn auch hier in den Weltuntergangshimmel loben.

fusion 2008

fusion 2008
Ankunft und Ausrüstung:

Eigentlich hatte ich das Festival schon abgeschrieben, dann erreichte mich aber doch noch eine Nachricht und ein Platz in einem Auto. Bliebe das Problem, dass ich natürlich keine Karte hatte. Zu dem Festival gehört aber auch, dass man vor Ort immer noch eine Karte bekommen kann. Bei steigender Besucherzahl in den letzten Jahren könnte das vielleicht einmal ein Problem werden, wenn man nicht das Gelände immer mehr erweitert und dem  Festival damit den mir -und ich denke auch vielen anderen- wichtigen familiären Charakter nehmen würde. Es darf also jeder kommen der nicht Thor Steinar oder Deutschlandfahne trägt. Letztere sah man dann aber doch auf dem Gelände: Gold entfernt und an die Fantasieautos getackert. Diese Autos waren auch der erste Kontakt mit dieser Parallelgesellschaft in die ich für 4 Tage eintauchte: Alte, rostige, bunte, umgeschweißte, entglaste, bemalte und doch noch irgendwie fahrtüchtige Vehikel kamen uns entgegen und die ersten Dreadlock-Träger zeigten uns den Weg. Größtenteils (oder nur?!) sind diese ehrenamtliche Helfer, die sich durch eine Arbeitsschicht die Karte verdienen können. Die Karte kostet nicht viel für das, was man dann geboten bekommt. In der Warteschlange bekommt man das “Fusion-Buch” mit Hinweisen, Lageplan, Spielplan usw. Auf dem Zeltplatz angekommen beginnt die Suche nach dem richtigen Platz für Auto und Zelte. Auto darf nämlich neben dem Zelt stehen. Einer der zahlreichen Pluspunkte. Leider wurden wir bei dieser Suche aber 2x verscheucht, sogar dummdreist und ohne Argumente. Das war schade und gar nicht hippie. Nach 2 Minuten auf unserem “Rückzugs-Ort” (Trancefloor 500m Luftlinie) kam der erste Händler seines Weges und bot uns seine Ware an: Pappe, Vitaminpillen und Grünzeug. Pappe verkaufe er an Erstpapper aber nicht. Ein Keksbauchladen kreuzte kurze Zeit später auf. 

Das Gelände, das Essen: 

Das Gelände gehört dem Kulturkosmos und wird von diesem das ganze Jahr über gepflegt und genutzt. Es ist ein altes Militärgelände, ein ehemaliger Flugplatz mit den charakteristischen Hangars. Der Übergang vom Zeltplatz zur Tanzwiese ist fließend, so dass neben manchem Stand ein Zelt steht und man auch alles mit auf das Gelände nehmen darf. Positiv, gleichzeitig aber auch negativ, da sich so sehr viele Glasflaschen sammeln, die ja bekanntlich aus Scherben zusammengeklebt sind. Die Stände selbst sind holzlastig, ohne viele elektronische Geräte, alles wirkt eher spartanisch und vor allem liebevoll mit dem Wort, das über dem ganzen Gelände schwebt: detailreich. An jeder Ecke kann man neue Dinge entdecken, Lichterspiele in der Nacht, Holzkonstruktionen am Tag, beides zusammen im Halbdunkel - die Tageszeit spielt hier sowieso keine Rolle mehr. Die Straßen haben Namen, man wird sehr freundlich angesprochen, es gibt keine Hektik und kein Gedrängel. “Und was kann ich für dich tun?” “Die Preise kenne ich selber nicht.” - oft gehörte Sätze beim Einkauf der ausschließlich vegetarischen Leckereien. Wagenburger, Spaghetti, Fladen und Chili Sin Carne. Gut genährt kann man zu Workshops gehen, ins Kino, Super Mario spielen, Jonglieren, auf einem großen blauen Ball stehen und nicht runterfallen, auf den Hangar klettern und schauen, sich ins Erdloch legen und alle neidisch machen, weil man einen Teppich unten und eine Plane oben hat. Kurz: alles entdecken und dann natürlich auch noch tanzen!

Die Musik, der Tanz:

Dub, Reggae, Dancehall, Elektro, Ska, Punk, Alternative, Techhouse, Minimal, GOA, Trance - mir fallen bestimmt noch mehr Musikrichtungen ein und fast alle könnte man hier aufschreiben. Das Angebot ist vielseitig, es gibt 10 Bühnen von denen die meisten Tag und Nacht Programm haben.
Meine Highlights waren The Notwist, Steve Bug, Dominik Eulberg und ganz viele andere, an die ich mich nicht mehr erinnern kann, die aber mich und meine Mitreisenden immer mächtig zum hüpfen animieren konnten. Nach einigen Stunden schweißtreibender Arbeit gab es dann Energiebällchen (ohne Zusatzstoffe, wirklich!) oder Chai oder Tee oder Wasser oder Milchshake oder vielleicht auch Bier. Bierwagen darf man hier allerdings nicht suchen. Und natürlich sieht man auch nicht ein einziges Werbebanner.

Die Menschen, das Volk:

Auf der Spieleverpackung zur Fusion wäre wohl eine Familie inklusive Hund abgebildet mit der Altersempfehlung 0-99+. Denn so setzt sich das Publikum zusammen. Vom Althippie über den Normalhippen zum Technogirlie. Alles dabei. Kinder mit auf dieses Festival zu nehmen ist einerseits toll, weil Kinder einfach eine schöne Atmosphäre schaffen können, wenn allerdings das Nichtkinddrumherrum ganz und gar nicht kindgerecht ist, wird es schwierig. Andererseits ist diese bunte Welt so noch bunter gewesen und die Kinder die ich sah hatten auch alle sehr viel Spaß; nur die Hunde, die haben da wirklich nichts zu suchen. Viel zu laut plus Zusatzkot.

Fazit:

Dieses Festival ist für jeden zu empfehlen, der sich darauf einlassen möchte und ich habe tatsächlich zum ersten Mal wirklich das Gefühl gehabt, dass das Festival eine Botschaft hat, etwas vermitteln will und das diese Botschaft auch ankommt. Jedenfalls bei mir. Wie aus dem Reiseheft kann man “fernab vom Alltagsstress und Zivilisationslärm die Seele auftanken” und spüren, dass gerade ohne viel Geld sehr viel Miteinander möglich ist. Ein bisschen Schade finde ich nur, dass für viele diese Erfahrung mit dem Konsum von Drogen einher geht. Die Angebotsvielfalt, das ganze drumherum zeigen aber auch immer wieder, dass dieser nicht im Vordergrund stehen soll. Ich komme wieder!

 

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