1934 wurde der Kutscher Wilhelm im Alter von 19 Jahren von der Gestapo festgenommen. Der Grund laut Protokoll:

wegen Verächtlichmachung der Hakenkreuzfahne. (Er hat gesagt: “Was ist das für ein Votzenlappen.” Er warf die Fahne auf die Erde und sagte: “Da werde ich mal raufscheissen.”)

Über den weiteren Verbleib des Kutschers ist uns nichts bekannt, dieses und andere erhellende Dokumente über die Arbeit der Nazibehörden kann man sich in der Ausstellung “Topographie des Terrors” anschauen. Den Nachnamen des Wilhelms habe ich leider nicht aufgeschrieben, was sehr bedauerlich werden könnte, wenn man mal ein Kommando nach jemandem benennen will.

Aufmacher

Wie ich soeben bemerkte, wird unter dieser Adresse heimlich gebloggt. Dem Betreiber, der uns als Protokonservativer bekannt ist, sei gesagt, dass sein Bild im Header, also in gewisser Weise sein Aufmacher, ein ausgelutschtes langweiliges Ding ist. Ein Haufen Zeitungen? Ich bitte Sie, Hein! Vielleicht doch noch was mit “Blätterwald”? Oder, ganz frech, eine Buchstabensuppe?

Nein, think out of the box! Also “Aufmacher”, naja, wir sind doch alle in der Kreativbranche, also warum nicht einen Flaschenöffner? Glauben Sie mir, das funktioniert, ein Wort aus der Zeitungswelt, ein Bild aus der Kneipenwelt. Text, Bild und Schere. Machen Sie es so oder anders. Und wenn das mit dem Bloggen losgeht, dann passen Sie auf Ihre Inhalte auf. Wir wollen keinen konservativen Scheiß lesen. Das hier ist das Internet, da geht es immer nur nach vorne. Weiter, immer weiter. Fortschritt wird gemacht, und zwar nicht von der CDU.

Jemand muss auch mal mit gutem Beispiel voran gehen. In irgendeiner Sache mit irgendeinem guten Beispiel vorangehen, das ist schon so ein Ziel von mir, aber es bleibt auch alles sehr vage. Der Markt für Vorangeher ist aber, da bin ich sicher, deutlich unterversorgt. Man geniert sich eben, diesen Job zu übernehmen. Das liegt zum einen an der Terminologie, die hier oft vom Führen statt vom Vorangehen spricht. Das will ich ändern, eben mit dem Marketingkniff, einen neuen Begriff einzuführen. Also gut, die Entscheidung ist gefällt, wir wollen vorangehen. Aber mit was? Zunächst einmal vielleicht damit, einen Eintrag auf Verbrochenes.net zu machen. Ich will ein leuchtendes Beispiel sein! Ein leuchtendes Beispiel für all die Joinsens und Hepes, die jHs und phlos und all die ungeborenen Menschen, die Menschen, die hier noch gar nicht posten können.

Zuletzt kam die Fragen auf, was der verehrte Joinsen wohl macht. Ich muss gestehen: ich weiß es nicht. Aber ich kann dies und das vermuten.

1. Joinsen arbeitet als Schiedsrichter bei einer “Fußball-Weltmeisterschaft”, die offenbar in diesen Tagen in Südafrika stattfindet.

2. Joinsen schreibt an seiner Doktorarbeit über den fehlenden Zusammenhang von diesem und jenem.

3. Joinsen ist untergetaucht und trainiert in einer paramilitärischen Gruppe für die Befreiung eines asiatischen Landes von seiner Regierung.

Die kumulierte Wahrscheinlichkeit dieser drei Szenarien liegt bei etwa 45 Prozent.

Hauptsache ist doch, dass es ihm gut geht. Finanziell. Darum habe ich auch darüber nachgedacht, Flattr auszuprobieren. Das ist eine ziemlich gute Idee, die uns aber leider nicht nützen wird. Man überweist eine bestimmte Summe an Flattr, und Flattr überweist es dann anteilig an die Blogger, bei denen man auf den Flattr-Button am Ende eines Eintrags geklickt hat. So kann sich die Blogosphäre gegenseitig Geld zukommen lassen. Bei einigen großen Blogs funktioniert das offensichtlich schon ganz gut mit dreistelligen Euro-Beträgen im Monat. Dementsprechend könnte man damit rechnen, dass sich die Redaktion hier auch immerhin ein Bier im Monat refinanzieren könnte. Allerdings befürchte ich, dass Flattr überwiegend von der sozialdemokratischen Blogosphäre genutzt wird, denen also, die zu jedem Spiegel-Artikel eine Meinung haben und sich vier Jahre lang darüber streiten können, ob sie SPD oder Grüne wählen sollen. Die lesen uns hier nicht und deshalb ist Flattr wohl überflüssig.

Na, das ist jetzt aber Quatsch. Natürlich sind nicht diejenigen, die Flattr nutzen, dafür verantwortlich, dass unsere Leserinnen das nicht tun. Ihr seid schuld. Du und Du. Macht aber nichts. Verbrochenes.net ist durch Erbschaft reich geworden und tut das alles nur für Spaß und Fame. Unsere Zugriffszahlen hängen ohnehin an der Situation im Nahen Osten. Wir profitieren vom Krieg, und natürlich schreiben wir ihn deshalb auch herbei. Es handelt sich hier um interessengeleitete Publizistik, und das hat auch was mit Kapitalismus zu tun. Wundert Euch nicht, wenn Ihr nach einer ruhigeren Phase in der taz lesen könnt, dass es einen Mord in Beirut gegeben hat, in den womöglich Blogger aus Deutschland verwickelt waren, die mehr Besucher für Ihr Blog haben wollten. Natürlich schreiben wir nicht über unsere eigene Tat, wir schreiben dann über die Debatte darüber. So läuft das Geschäft.

Und beruflich? Naja. Eigentlich wollte ich entweder Fanbeauftragter bei Werder oder Bundespräsident werden. Beides hat jetzt nicht geklappt, Stichwort “überqualifiziert”. Nachdem eine neue Fanbeauftragte eingestellt worden war, hatten viele gehofft, dass der bei Werder degradierte Dieter Zeiffer jetzt Bundespräsident werden würde, aber auch er hat es nicht geschafft. Dabei wäre Dieter der “Präsident aller Deutschen” gewesen, den das Amt erfordert. Schade drum.

verbrochenes.net ist das Blog aller Deutschen

Wasser ist das Getränk aller Deutschen

Atmen ist das Hobby aller Deutschen

Die Tagesschau ist die Sendung aller Deutschen

Bäuche sind die Körperteile aller Deutschen

Wow, diese ganz subtile Kritik, die man gar nicht so richtig bemerkt, echt gut versteckt und so, fast wie ein Gedicht oder so. Gleich muss ich kotzen.

Am Samstag habe ich Geburtstag. Komm doch vorbei!

Jeder in Deutschland weiß, dass Lothar Matthäus der ideale Trainer für den HSV wäre. Da man sich dort aber bekanntermaßen anders entschieden hat, ist LOTER weiterhin arbeitslos. Aber ist das gerecht? Nein, sagt der Chefredakteur des kicker, Rainer Holzschuh.

Holzschuh hat den Lothar in Afrika erlebt, wo der, Zitat, für den “berühmten TV-Sender ‘Al Jazeera’” arbeitet. Das Adjektiv verrät, dass Holzschuh hier nur Gutes mit Lothar vorhat. Verzweifelt versucht der Mann vom kicker, den erbarmungswürdigen Altnationalspieler in ein gutes Licht zu rücken. Und da wird dann auch mal ein Fernsehsender zur Berühmtheit. Scharfsinnig beobachtet der Journalist, dass Matthäus mit “arabisch aussehenden Männern” unterwegs ist. Ist das aufregend! Weite Welt! Metropolothar!

Aber auch kicker-Rainer ist ein Mann aus bestem Holz. Wenn der den Lothar trifft, dann sprechen sie “konsequenterweise” über die deutsche Mannschaft. Konsequenz als Sekundärtugend der beiden alten Recken, das kommt gut an. Und dabei macht Ol’ Rainer die Beobachtung, die eigentlich eine Vorabmeldung des kicker gerechtfertigt hätte, aber doch nur hier im Kommentar versteckt bleibt: Der Lothar ist “ein wirklich guter Analytiker des Fußballs”. Und wenn er analysiert, dann nicht etwa mit der Dummheit in den Augen und Borniertheit in der Stimme, nein, “mit einer faszinierenden Fachlichkeit, dass kein Zuhörer nur einen Hauch von Zweifel hegen konnte”. Man wünschte sich derlei “Fachlichkeit” – Moment, ist das überhaupt ein Wort? – bei Holzschuhs Kerngeschäft, dem Schreiben deutscher Texte, aber vergeblich.

Man mag sich das gar nicht ausmalen, wie Lothar Matthäus daherschwafelt wie es derzeit jeder zweite Deutsche jeden Tag tut, über Schweini und Klose, über das Talent Özils und die Schwachstelle hinten links, während Holzschuh daneben steht, ihn verliebt anguckt und sich fragt, warum bloß niemand diesen Trottel in leitender Position in sein Unternehmen holt. Holzschuh hat schon längst keine Ahnung mehr von irgendwas, aber er bewegt sich auf den Bühnen der FIFA-Society und denkt, das sei Arbeit und die Leute da seien Experten, weil sie sich das alle ständig gegenseitig versichern. Da hilft man sich dann auch mal aus, denkt Rainer, und schreibt ein Loblied auf den gescheiterten deutschen Ex-Helden. Aber was heißt “schreibt”, wir reden hier von Metaphern wie “genährt von tausend Schlachten”, was wirklich eine lustige Idee ist. Aber der Mann ist Herausgeber der größten deutschen Sportzeitschrift, wie kann das angehen?

Bitter für LOTER sei es, “dass sein Wissen in Deutschland weniger gefragt ist. Zumindest rund um den Fußballplatz.” Sein Wissen ist woanders also gefragter als um den Fußballplatz? Wo? Der Mann ist gelernter Raumpflegerausstatter. Natürlich ist Fußball alles, wofür er jemals gefragt war. Wollen wir nun alle gemeinsam hoffen, dass es doch noch irgendwo einen so unprofessionellen Verein gibt, dass der LOTER bald einen Job in Reichweite der von uns konsumierten Medien bekommt. Entertain me!

Vorhin rief mich ein Freund an und teilte mir mit, dass die WM völlig in die Binsen gegangen sei. Ich machte mich dann im Internet schlau und sah, dass er die Wahrheit gesagt hatte. Sei es drum. Natürlich liegt es nahe, dieses Ereignis, nun als es nicht den vorhergesagten und gewünschten Verlauf genommen hat, als Ganzes zu kritisieren. Aber wem hilft denn das weiter, und wer soll das glauben, wenn nebenher doch deutlich hörbar Japan – Paraguay läuft.

Fußball ist geschichtsvergessen, wenn nicht gar offen revisionistisch. Es interessiert ihn nicht, was vor siebzig Jahren war. Es interessiert aber auch nicht, ob ein Ball hinter der Linie ist, ob jemand im Abseits steht oder ob es einen harmlosen Schubser gab. Der Sport ist beliebig, wenn die Schiedsrichterentscheidungen beliebig sind. Fußball ist Hättehätte Lichterkette, und das ist das was mich so ärgert. Günther Netzer findet das gut und meint, das sei das Tolle am Spiel, dass man hinterher raten kann, was passiert wäre, wenn die Regeln was wert wären. Anstatt das hinterher zu erraten könnte man es auch einfach während des Spiels sehen, das wäre irgendwie interessanter, aber nicht für Netzer.

Es ist müßig, über die Gründe für Fehlentscheidungen zu spekulieren, von Bestechung bis menschlichem Versagen ist alles drin. Und wer erlebt hat, wie Gastgeber Korea 2002 ins Halbfinale gepfiffen wurde,der darf eigentlich keinen Zweifel mehr daran haben, dass bei derlei Turnieren auch manipuliert wird, wo es nötig ist. Warum und wieso – darüber darf spekuliert werden, Verschwörungstheoretiker nach vorn. Ich tippe bei Uruguay gegen Ghana jedenfalls auf Ghana, obwohl ich Uruguay für stärker halte.

Der Kommentator sagt gerade, im Achtelfinale seien die 16 besten Teams der Welt, das ist natürlich Quatsch. Die Nationalmannschaften zum Beispiel von Bosnien, Kroatien, Russland und sicher einige Südamerikaner sind besser als Truppen wie Neuseeland, Honduras oder Nordkorea. Aber damit es eine Weltmeisterschaft ist und kein Gehege im Völkerzoo leer bleibt, muss auch aus jeder Ecke einer mitmachen. Schlecht ist das nicht, aber man sollte das zumindest wissen, wenn man anderen Leuten beruflich etwas über die WM erzählt. Das Niveau ist nach wie vor unterirdisch, was bei einer WM aber auch selten anders war. Ein Drittel der Mannschaften würde in Deutschland in die zweite Liga gehören, und was man in der Bundesliga sonst so zu sehen kriegt, ist ja auch nicht sonderlich unterhaltsam, habe ich gehört. Auch das kann man vorher wissen. Länder wie England oder Italien spielten dagegen einen Scheiß, über den man sich wundern muss. Andererseits haben die Italiener schon vorher mit ihrem Kader klar gemacht, dass sie von vorgestern sind. England – meine Güte! Alt und müde und ängstlich, in jedem Spiel. Zumindest an ersterem könnte man was ändern, aber ich weiß nicht, ob das wirklich helfen würde. Gemein mit den Franzosen ist den Stars der irre Glaube, sie seien auch ohne Leistung echte Helden beziehungsweise ihre Leistung sei immer groß, auch wenn sie klein war. Unglaublich, der Realitätsverlust bei Franzosen und John Terry, die nach unterirdischen Leistungen sich in der Position wähnten, gegen den Trainer vorgehen zu können.

Das Elfmeterschießen fängt an. Ihr wisst: JAPAN NAZIS MUST DIE. Mal gucken. Ich will, dass Nelson schießt. Nelson ist “ein guter Junge.” Da isser. Ist das spannend. Hach, ein toller Elfmeter! So, nun ist es aus mit Japan. Mehr als Achtelfinale wäre auch frech gewesen.

Nun also die Frage, wer im Viertelfinale nun zu unterstützen ist, da England und die USA ausgeschieden sind. Das ist eine einfache Frage. Hier die Reihenfolge:

1. Argentinien (Hier übernimmt das Primat des Sportlichen.)

2. Ghana (Kevin-Prince! Hoffentlich kann er überhaupt weitermachen.)

3. Holland (Spielt hässlich und gewinnt, die Deutschen hassen sie. Passt.)

4. Brasilien (Wird Weltmeister, joine das winning team!)

5. Spanien (Ist doch echt egal, wer die Deutschen rauswirft, Hautpsache jemand tut es. Spanien kann es zur Not im Halbfinale.)

6. Paraguay

7. Uruguay

8. Deutschland (Toller Fußball!)

Ja, es stimmt: Portugal fliegt nachher raus.

Was fast mehr nervt als der Flaggenwahn draußen, ist die Kriegsberichterstattung in den Medien. Dass es beim Fußball keinen kritischen Journalismus mehr gibt, war klar, aber das Ausmaß des Burgfriedens ist beeindruckend. Kritik an Manuel Neuer findet nicht statt, egal wie tapsig der knuddelige Manu durch seinen Fünfmeterraum irrt und springt. Mertesacker wird, anstatt ihn für seine Leistungen zu kritisieren, an seine früheren Taten erinnert, und Joachim Löw ist längst ein Nationalheld, weil Deutschland im Viertelfinale ist. Jeder Gegner wird vorher in den Boulevardzeitungen beschimpft und in der Qualitätspresse werden seine Schwächen analysiert. Die Einheit von Volk und Mannschaft ist perfekt, was jetzt noch stört sind diejenigen, die nicht mitmachen wollen. Man muss das Pack noch nicht einmal beschimpfen, es reicht wenn man an Deutschlandfans nach einem Sieg nur vorbeigeht, damit die fragen, warum man denn nicht feiere und ob man sich nicht einfach mal freuen dürfe.

Zeit für den Erlöser.

Kürzlich meldete die Bremer Linkspartei verstört, dass es “nun auch in Bremen” einen “antideutschen Spuk” gebe. Anlass war offenkundig, dass die eigenen antisemitischen Veranstaltungen von “fanatischen Pro-Israel-Kämpfern” besucht wurden, die sich dann an den Diskussionen beteiligten und für schlechte Laune sorgten.

Gestern nun erreichte uns eine eMail, in der die sofortige Veröffentlichung der folgenden Proklamation verlangt wurde. Das war zwar frech, aber wer auf den Seiten der Linkspartei als “antideutscher Spuk”, als “Avantgarde dieser fanatischen Pro-Israel-Kämpfer”, die “im Hinter- und Untergrund arbeitet”, bezeichnet wird, der darf hier natürlich gerne veröffentlichen. Zum besseren Verständnis empfiehlt sich auf jeden Fall die vorherige Lektüre des oben angeführten Links. Dass Antideutsche so schreiben, wie sie schreiben – dafür kann die Redaktion jetzt auch nichts.

Antideutsche Avantgarde, schon 3 1/2 Wochen

Tja, lieber Bonde, da wirst du jetzt große Augen machen: ganz gegen den aktuellen Trend hat sich in unserem Bundesländchen eine „Antideutsche Avantgarde“ etablieren können, und das nicht erst seit gestern.

Vom Fachverband für die anti-anti-, also deutsche Frage, genannt „Die Linke in Bremen“, im Vorfeld des „Mavi Marmara“-Zwischenfalls am 28. Mai offiziell enttarnt und unter Zuhilfenahme gefaketer Expertise schonungslos etikettiert bilden diese „Freunde Israels“ anscheinend das letzte Bollwerk, das der erträumten „gerechten Aufteilung des Landes“ noch im Wege steht. „Viele linke Gruppen“ distanzierten sich angeblich schon dankend. Falls daran auch nur ein Wort wahr sein sollte wird blanker Neid in dem einen oder anderen Fall die nicht eben geringste Rolle gespielt haben. Und Verbrochenes.net sehe ich gleich schon mit auf der Liste.

Du kannst hier ja so ein bißchen antideutscheln, so gut das eben gelingt, oder Passivfußball spielen mit deinen Freunden, alles ein Tun. Antideutsche Avantgarde geht anders. Am besten geht die nämlich immer noch praktisch wie von selbst. „Anti-deutsch“ – das will ja kein angestrengtes Wollen, bemühtes Wirken, tiefes Fühlen und Drängen vorstellen, sondern gerade ganz das Gegenteil. Die antideutsche Avantgardestellung ergibt sich demnach auch völlig unerwartet – oder eben gar nicht. Selbst ein Weblog wäre dabei nur hinderlich, und falls das jetzt zufällig ein Englisch-Zweitsprachler lesen sollte, wird er den Kalauer hoffentlich genießen, den ich mir darauf erlaube, dass ich mir so etwas auch gar nicht erst virtuell ans Bein binde.

Wie also ist es den Fanatikern unter den Pro-Israel-Kämpfern gelungen, sich so souverän durchzusetzen? Ich muss ein bisschen ausholen:

Als im alten Jahr der Winter seinen harschen Einzug hielt und der avantgardistische AD-Troll vorerst nur schlummerte und schnarchte, verkündete die kulturelle Parteilinke im Lande mit großem Tam-Tam, aber ohne besonderes Aufsehen die Gründung einer sog. „Kulturredaktion“. Diese würde nach eigenem Bekunden gerne „das Politische in der Kultur aufspüren und den regionalen Aspekt betonen“ bzw. „eine Informations- und Diskussionsplattform für das linke Spektrum in Bremen und umzu bieten“, wobei umzu und der regionale Aspekt in diesem Fall mindestens bis zum Jordan und auf den Golan reichen, der Aspekt Information und Diskussion hingegen nicht allzu hoch bewertet werden sollte.

Die Redaktion hat man sich auch nicht etwa als Verlautbarungsorgan der Partei Die Linke vorzustellen, die Stellungnahmen zu deren Veröffentlichungen bisher lieber vermied, sondern eher als eine Art zufällige Mitbewohnerin auf ein und derselben Internetadresse, die darüber hinaus ihren Autoren freie Hand lässt, ihr Geschreibsel ganz in eigener Verantwortung zu verbreiten. So versicherte es mir jedenfalls Sönke Hundt, der sich trotzdem irgendwie dafür zuständig zu fühlen scheint, auf Nachfrage. Und tatsächlich erschließt sich diese Politik ja vielfach schon durch einen Blick auf die Resultate, außer schwerwiegend Wahrnehmungsgestörten wie mir, versteht sich, denen ihre Umwelt ohnehin nur noch „komplett antisemitisch“ erscheint.

Als besonders verlässliches Trüffelschwein zur Aufspürung des Politischen in der Kultur wie auch für die zunehmende Regionalisierung eines altbekannten Konflikts erweist sich regelmäßig ein Arn Strohmeyer, der grundsätzlich nur noch als „der Bremer Journalist Arn Strohmeyer, der früher beim Weser-Kurier und den Bremer Nachrichten gearbeitet hat“ bezeichnet werden sollte, weil sonst kein durchschnittlich vernunftbegabter Mensch von selbst darauf käme. Die geistige Kapazität dieser Koryphäe im besonderen wie der „Kulturredaktion“ im allgemeinen erschließt sich am eingängigsten über ihren jüngsten gemeinsamen Geniestreich: die irre Behauptung, das Transparent, das den bärtigen Schlachterjuden zeigt, wie er den sympathischen Gaza-Hilfsdelfin auf den Haken nimmt, schächtet und ausbluten lässt, wäre auf der Demo am 5. Juni „von den meisten Teilnehmern vermutlich überhaupt nicht wahrgenommen worden“, mit dem Foto des Autors als Redner vor eben diesem Transparent zu illustrieren.

Strohmeyer legte in den vergangenen Monaten ein ganz erstaunliches Talent an den Tag, jedes Mal zugegen zu sein, wenn das Bremer Netzwerk für einen gerechten Frieden im Nahen Osten und andere Allmachtsphantasien und die „verschiedenen Friedens- und Nahostgruppen“, in denen er sich sonst noch tummelt, wieder mal einen „zumeist jüdischen oder israelischen Referenten“ aufgetrieben hatten, der ihnen erzählen sollte, dass die Juden in Israel eine „Holocaustreligion“ praktizieren bzw. dass dort seit nunmehr schon über 35 Jahren die Machtergreifung der jüdischen Nazis unmittelbar vor der Tür steht.

Dabei entging ihm auch nicht, dass in diesen Zirkeln von 15 Personen aufwärts mitunter Leute auftauchten, deren perfide Hinterlist, die propagierten Inhalte erst einmal ernst zu nehmen, um dann nachzuhaken, ob das denn tatsächlich ernst gemeint sein könnte, regelmäßig Abwehr und Unbehagen provozierte. So brachte z. B. dem Verfasser das irgendwo zwischen wohlwollend und naiv anzusiedelnde Manöver, in gutem Glauben erst einmal davon auszugehen, Reuven „Doc“ Moskowitz hätte tatsächlich jemals eine Dissertationsschrift verfasst, den Vorwurf ein, einen alten Mann „inquisitorisch nach seiner wissenschaftlichen Qualifikation befragt“ zu haben.

Die Darstellung hat mit der Wirklichkeit zwar nur etwa so viel zu tun wie die Analogien zwischen Reden im Reichstag 33-45 und in der Knesset 67-73, die der „Friedensabenteurer“ durch angestrengtes Suchen aufgedeckt haben will, schmerzt aber doch sehr, da sie vor dem geistigen Auge wieder und wieder das Schreckensbild eines Pontifikatsprätendenten wider Willen erweckt, der es auch unter der Folter ablehnt, sich zum Gegenstand zu äußern, und ungerührt fortfährt seinen Segen zu spenden. Immerhin: ein aufschlussreiches Indiz konnte dem Delinquenten abgepresst werden. Moskowitz` bahnbrechendes Grundlagenwerk „Deutsche und Juden zwischen der Macht des Geistes und der Ohnmacht der Gewalt“ scheint für die Menschheit tatsächlich noch nicht ganz verloren zu sein. Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung soll möglicherweise noch eine vage Ideensammlung existieren. Allerdings hatten die antideutschen Kundschafter sich nun schon so weit aus der Deckung gewagt, dass sie selbst in den Fokus des Interesses geraten mussten. Ein professioneller Seelsorger, geschult an E. R. Carmins „Das schwarze Reich“, der schon Iris Hefets mit der Frage konfrontiert hatte, ob sie denn überhaupt „blutsmäßig“ Jüdin wäre, nahm spontan eine Blickanalyse an mir vor. Das Ergebnis konnte aber nicht überzeugen. Jedenfalls mich nicht.

Wie eigentlich sowieso alles geriet die Sache aber über Henryk Broders Achse des Guten so richtig ins Rollen, in diesem Fall aber ganz zufällig, indem dort ein auf das Notwendigste beschränkter Augenzeugenbericht aus der denkbar „israelkritischen“ Freakshow „Zionismus – seine Genesis, seine Gefahren, sein Untergang“ erschien, die im März in den Katakomben des Überseemuseums gastierte, wie ja Veranstaltungen zum Nahost-Konflikt, die sich nicht bloß empörend darstellen, beckmesserisch und unqualifiziert, sondern einfach nur noch grauenhaft, grundgruselig und grottig, geradezu zwanghaft auf dieses Haus abonniert zu sein scheinen. Sei es, dass dort Dr. Massarat lehrt, sich mit der iranischen Bombe anzufreunden, oder Iris who-the-fuck Hefets Angriffe türkischer Hooligans auf israelische Sportler als begrüßenswerte politische Aktion feiert.

Der selbstredend fruchtlose Versuch, die Direktorin dieses Museums zu überreden, wenigstens aus Rücksicht auf die Außenwirkung ihrer Einrichtung nach Hajo „Holocaustreligion“ Meyer nicht auch noch Iris „Schoah-Kult“ Hefets ein Forum zu bieten, tat ein übriges. Mitglieder der diversen „menschenrechtsbezogenen“ bzw. „zivilgesellschaftlichen“ Gruppen, die, teils in Personalunion, den Kampf gegen die jüdische Nationalbewegung zu dem ihren gemacht hatten, nahmen die getreue Wiedergabe ihrer Aktivitäten völlig zu recht als vollendeten Rufmord wahr und schlossen von dem Entsetzen, das sich ihrer daraufhin bemächtigte, fälschlich auf die Größe der unheimlichen Macht, die offenbar dahinter stecken musste, insofern Menschen nicht unähnlich, die jedes Mal aufs neue erschrecken, wenn sie im Spiegel ihren Schatten entdecken, weil sie sich nicht erklären können, wer ihnen das angehext haben mag und warum bloß.

Strohmeyer recherchierte jetzt noch ein bisschen sorgfältiger als sonst und stieß so auf den harten Kern einer eigentlich eher heterogenen Gruppe aus ca. zwei Bonvivants, die es sich zum schönen Brauch gemacht hatten, in ihrer Freizeit in loser Folge ein paar mehr oder auch weniger ersprießliche Vortragsveranstaltungen am Abend zu besuchen, um im Anschluss, so die Umstände das eben zuließen, eventuell noch einen heben zu gehen, aka „Sprengel“ (nein, das leitet sich nicht vom Naschwerk gleichen Namens ab), aka „Vorkämpfer“. Letzterer Nom-de-Guerre ist unverkennbar der schier verheerenden Wirkung geschuldet, die die pointierten Diskussionsbeiträge der pathologischen Philosemiten entfalteten, so sie denn überhaupt mal zu Wort kamen, die nur den Schluss zuließ, dass es sich bei ihnen wohl um die Schocktruppen handeln müsse, in deren Rücken das große anti-deutsche Aufräumen erbarmungslos seinen Lauf nehmen würde – „Zerstörung der deutschen Nation“ und Aufteilung der Bundesrepublik unter ihren Nachbarn inclusive, also recht genau das, was das Bremer Netzwerk für einen gerechten Frieden im Nahen Osten sich doch eigentlich für eine ganz andere Gegend ausgedacht hatte.

Diese „Avantgarde“, über die inzwischen schon eine Menge haarsträubender Unwahrheiten gestreut wurden, wobei die Behauptung, es handele sich um „junge Leute“ noch mit Abstand zu den schmeichelhafteren zählt, bin zuvorderst mal ich. Und über mich soll hier nicht mehr verraten werden, als ein Geistheiler, ein Möchtegern-Stasi-Agent und ein schludriger Kopist auch nicht herausgefunden haben, da es ja sonst nicht mehr spannend wäre.

Zweitens kommt da schon mein sporadischer Saufkumpan und unerschütterlicher Stil- und Politikberater JPH, eigentlich ein Kryptokonservativer reinsten Wassers, so links wie das Steuer an seinem chromblitzenden Bentley, der mich schon verflucht hat, bevor ich überhaupt die Zeit fand, mich hinzusetzen, um diese Erklärung schriftlich zu fixieren, und der jetzt mal schön selbst zusehen kann, wie er aus dieser Nummer wieder herauskommt. Ich gönne es ihm von ganzem Herzen! Ja, ganz vorn an der Spitze der Avantgarde, wo die Katjuschas pfeifen und das rotlackierte Ressentiment aus tausend Schlünden droht, kann es bekanntlich auch schnell einsam werden…

Was hier in Bremen sonst noch unter dem Label „antideutsch“ gehandelt wird, ganz gleich ob es sich dabei um eine Eigen- oder Fremdkreation handeln mag, wird über kurz oder lang gar keine andere Wahl haben, als sich in unsere Arrière-Garde einzureihen, oder aber für alle Zeit im Schmollwinkel der Geschichte zu versauern. Ich empfehle, rechtzeitig zu reservieren, die Bearbeitung der Mitgliedsanträge kann sich hinziehen. Eine Aufnahme wird selbstverständlich davon abhängig gemacht werden, ob gewisse Sätze antideutscher Ideologie unterschrieben werden oder eben auch nicht. Der Fragenkatalog ist erhältlich bei Arn Strohmeyer, dem früheren Weserkurier-Mitarbeiter, c/o Onlineredaktion bei Die Linke in Bremen. online-redaktion@dielinke-bremen.de

Good luck! Wir sehen uns dann am Donnerstag bei Inge Höger, der Heiligen Johanna der Frauendecks.

Diesmal auch ganz offiziell eingeladen von der Partei des deutschen Antizionismus. Sönke Hundt wird den Conférencier geben, Arn Strohmeyer wie gewohnt den interessierten Beobachter. So ein Zufall jetzt aber auch…

TL

WM

Nachdem ich die WM mal wieder mit einem aufregenden sportlichen Ereignis verwechselt hatte, überkam mich nach dem ersten Spieltag der dringende Wunsch, in allen meinen Tipps die Anzahl der geschossenen Tore pro Team zu halbieren. Und heute ist klar: Ich hätte immer noch viel zu viele Tore getippt. Das liegt aber vor daran, dass im Moment die Auftaktspiele gespielt werden, und es in Vierergruppen nun mal rechnerisch so ist, dass eine Niederlage im ersten Spiel richtig große Scheiße ist. Bei manchen Konstellationen bedeutet sie schon fast das Aus. Da packt die Trainer die Angst, und man startet lieber mit einem Unentschieden, weil der Gegner dann auch nur einen Punkt kriegt und erstmal noch alles drin ist. Es sei denn, man spielt gegen Australien. Dann empfiehlt sich ein beherzter Angriffsfußball, vorausgesetzt man hat Mesut Özil in seiner Mannschaft. Ohne die Spanier gesehen zu haben muss man bis jetzt leider feststellen, dass alle Mannschaften langweilige Spiele geboten haben, viele davon wirklich ärgerlich öde waren, und nur die deutsche Mannschaft bisher ein bisschen Spaß gemacht hat. Ja, Spaß, obwohl sie gewonnen haben, schlimm war das, und vielleicht wird es noch schlimmer. Vielleicht ist diese junge spielfreudige Mannschaft tatsächlich die sympathischste der WM. Nur vielleicht. Vielleicht verlieren sie auch in einem Mittelfeldgewürge gegen Serbien und Mesut holt sich nach einer Tätlichkeit eine rote Karte ab. Aber eher nicht. Dazu kommt die Problematik, dass ich nichts gegen Özil, Marin und Mertesacker habe, eigentlich finde ich die sogar ziemlich cool. Müller find ich auch toll, und Podolski hätten wir echt mal kaufen sollen. Manchmal denke ich, dass man sich bei einer WM nicht nach weltanschaulichen Gesichtspunkten orientieren kann. Ich denke das aber nur, wenn gerade keine deutschen Autokorsos vorbei fahren.

Richtig sauer bin ich über Frankreich, das schon ein paar fähige Leute zur Verfügung hat und dann einen abstoßenden Altherrenfußball spielt, der mich als Betrachter persönlich beleidigt. Vorne stand Anelka, dann kam einer mit dem Ball und schon waren sie zu zweit. Gegen sechs Verteidiger. Wenn Frankreich ins Halbfinale kommt, ist das eine Niederlage für die Welt.

Besser: Argentinien. Messi war gut und kann noch viel besser. Ein frühes Tor hilft enorm, deshalb war das Spiel gegen schwache Nigerianer ganz erträglich. Dass die letzten fünf Minuten trotz deren Rückstand in der Hälfte der schrulligen Scharia-Boys stattfanden, sagt alles.

Griechenland ist raus! Entgegen meiner ersten Analyse können die Griechen kein antideutsches Potential mehr haben, weil sie von den Antiimps geentert wurden. Auf jeder linken Demo rennen die schlimmsten Sozialisten mit griechischen Fahnen rum, und das war auch schon sichtbar geworden, bevor ich die Griechen hier beworben habe. Ein vermeidbarer Fehler, sagt man im Tennis. Dass auch meine sportliche Einschätzung der Kriechenden falsch war, räume ich ganz offen ein. Es geht alles den Bach runter mit den Griechen.

England kommt noch.

Schade ist es um Kamerun, weil sie wohl ausscheiden werden, schade ist es auch um Holland, weil sie so enttäuscht haben. Italien spielt wie 2006, nur schlechter. Und die Elfenbeinküste schließt sich den anderen enttäuschenden Afrikanern an, wobei Ghana immerhin gewonnen hat und auch taktisch ganz überzeugend war.

Es war halt alles ein großes Elend bisher, von den Vuvuzelas will ich hier gar nicht anfangen.

Gruppe H

In letzter Sekunde hier auch noch die Entscheidungshilfe für die Gruppe H. Wer die ganzen Spiele bislang ohne unsere Beratung geguckt hat, kann sich hier informieren, ob ihr oder ihm dabei Fehler unterlaufen sind. Schlechte Ausreden und sonstige Kommentare werden ebenfalls dort abgegeben.

Eines vorweg: In Gruppe H gibt es nichts zu sehen, außer guten Fußball. Und den eigentlich auch nur beim ersten Kandidaten:

Spanien

1. Von 1939 bis 1975 hatte Spanien eine faschistische Diktatur. Als sie diese endlich abschafften, installierten sie einen König, wegen der nationalen Einheit. Man könnte jetzt natürlich sagen: Ja aber, da haben doch erst eine ganze Menge Leute gegen den Faschismus gekämpft und die haben doch eigentlich nur wegen der Hilfe aus Deutschland nicht gewonnen, und dass es einen König braucht, um nationale Einheit zu schaffen, ist doch schon mal ein gutes Zeichen. Das erste mag stimmen, aber de fakto haben diese Leute ja verloren und dann gab es ein paar Jahrzehnte Faschismus, in dem die ganzen guten Leute auch noch umgebracht wurden. Das zweite ist Quatsch, denn es ist ja nicht so, dass da irgendwer gegen die Nation an sich ist. Die Gegner der spanischen Nation sind selbst Nationalisten, so links sie auch sein mögen.  In diesem ganze Wirrwarr aus demokratischen Monarchisten und nationalistischen Anarchisten finde ich mich beim besten Willen nicht zurecht, und daher lehne ich es ab.

2. Spanien ist sportlich extrem krass aufgestellt. Im Mittelfeld haben sie gute Spieler für mindestens drei Mannschaften, davor und dahinter stehen ebenfalls sehr gute Spieler. Alle sagen, dass Spanien Weltmeister wird. Da in dieser Rubrik aber gefordert wird, dass die Genossen wissen, wo das Tor steht, nützt das alles nichts.

3. Für schönen Fußball kann man sich immer begeistern.

Fazit: Der antideutsche Faktor ist ein hartes Kriterium. Als Deutschlandkiller ist Spanien jedenfalls geeignet, für mehr leider nicht.

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Schweiz

1. Die Schweiz ist neutral. Zum einen formal, zum anderen in der Bilanz der sie bewohnenden Menschen. Die ist exakt ausgewogen: Auf der einen Seite gibt es Saalschutz, die beste Band des Universums. Auf der anderen Seite steht der Rest der Schweizer, die alle Rassisten sind.

2. Die Schweiz ist neutral. Ein paar ganz fitte Bundesligaspieler, aber kein echtes Potential für irgendwas größeres. Die WM-Quali sagt uns da auch nichts Neues: Zwar wurde man dort Gruppenerster, aber wahrscheinlich so ungefähr in der schlechtesten Gruppe in ganz Europa.

3. Die Schweiz ist neutral. Rot, aber mit Kreuz. Nicht deutsch, aber deutschsprachig. Politisch so ähnlich wie die USA, aber in Europa – und eben neutral.

Fazit: Wir bleiben neutral.

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Honduras

1. 57% der Menschen denken, dass Honduras eine Insel ist, in China sind es 51%, in Honduras 14%. In echt ist Honduras aber ein Staat in der Mitte zwischen zwischen Amerika und Südamerika. Das Staatsmotto klingt wie das Credo eines Süchtigen: “Frei, souverän und unabhängig”. In echt ist Honduras wahrscheinlich hochgradig abhängig von den USA, was ja nicht das schlechteste ist, wenn die Alternative Chavez heißt.

Während 1969 anderswo der Summer of Love zelebriert wurde, engagierte sich Honduras im Fußballkrieg. Klingt erstmal ganz cool. Bei näherer Betrachtung war die Rolle der Honduraner aber eine sehr deutsche:

Der Grund waren Spannungen um Wirtschaftsflüchtlinge aus El Salvador, die seit längerem von der Bevölkerung Honduras’ für die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich gemacht und angefeindet wurden.

Diese ganze Sache mit dem Putsch letztes Jahr versteht kein Mensch. Im Ergebnis wird Honduras jetzt aber von der Naumann-Stiftung beraten. Das ist schlecht für Honduras, also nicht nur für die Menschen dort, sondern auch für unsere Bewertung in Sachen deutsche Verhältnisse.

2. Ganz ehrlich, wir haben keine Ahnung. Aber sie werden sehr schlecht sein. Gründe: Armut, Abwanderung der besten in die USA, Krieg, Kleinheit, Armut.

3. Selbst wenn, es nützt ja alles nichts.

Fazit: Naumann-Stiftung aus dem Land jagen, danach den Vereinigten Staaten anschließen.  Wenn das noch so ein paar kleine Länder machen, haben wir einen würdigen England-Nachfolger.

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Chile

1. Chile ist unglaublich lang und beansprucht ein Kuchenstück von der Antarktis. Land und Leute sind offenbar sehr schön. Es gibt Berge und Vulkane, Seen, Flüsse und einen Pazifik. Das ist verdächtig, ich fühle mich schon ganz romatisch und kriege Fernweh. Ethnisch homogen sind die Chilenen auch noch. Und im Zweiten Weltkrieg blieb Chile wegen der Deutschstämmigen im Lande so lange neutral, bis klar war, wer gewinnt. Später dann hatte Chile Pinochet, jetzt sind sie demokratisch. Wer da keine Analogie riecht, hat die Lehren aus der Geschichte verschlafen.

2. Chile ist vielleicht gar nicht so schlecht. Ihre Qualifikationsergebnisse sollte man die Chilenen allerdings nicht überbewerten, weil sie bei Heimspielen regelmäßig die Gegner mit dünner Luft betäuben. In Südafrika genießen sie aber immerhin Südhalbkugelheimvorteil, heißt sie müssen sich nicht erst an den Winter gewöhnen und daran, dass sie auf dem Kopf stehen müssen. Die Namen sind nicht hinreichend groß, dass ich sie kenne, aber ich traue ihnen alles zu.

3. Siehe oben – es ist alles sehr schön dort. Das lassen wir hier einfach mal so stehen, denn die Gefahren dieser Schönheit wurden ja dort schon beschrieben.

Fazit: Da die simple Schönheit als Argument hier bislang etwas zu kurz kam, sei Chile jedem als Zweitmannschaft ans Herz gelegt, die man so lange behält, bis sie gegen England, Holland oder Griechenland verliert.

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