Aus Jerusalem Susanne Knaul

Jedes Mal, wenn ich eine taz in die Finger kriege, hoffe ich auf einen saftigen Artikel zum Nahostkonflikt. Oft werde ich enttäuscht, dann gibt es nur eine Agentur-Meldung über das Leiden der Palästinenser oder Korruption in der israelischen Regierung. Heute aber gibt es sowohl aus Gaza als auch aus Jerusalem schöne Berichte.
In Gaza handeln jetzt die “Sicherheitskräfte” der Hamas.

Die Sicherheitskräfte der Hamas haben einen neuen Gegner: den islamistischen und gleichzeitig schwer bewaffneten Dormusch-Clan im Gazastreifen. Bei Gefechten zwischen der Familie und den Sicherheitskräften starben bis Dienstag Nachmittag elf Menschen, zehn davon Angehörige des mächtigen Clans, der im vergangenen Jahr für die Entführung des BBC-Reporters Alan Johnston verantwortlich war.
[...]
Die Familie gilt als der “Armee des Dschihad” nahestehend, die wiederum in Flugblättern die “baldige Ankunft” von Anhängern Ussama Bin Ladens ankündigte. Dann, so heißt es, würden “die Gebote Allahs und des Koran” auch im Gazastreifen umgesetzt werden. Dazu gehört das Verbot westlicher Musik, die Ausweisung aller Ausländer sowie strikte Kleidungsvorschriften für Frauen.

Da will man der Hamas ja fast die Daumen drücken. Dass es für die eine schlimme Beleidigung ist, wenn man ihnen ein Interesse an “Sicherheit” unterstellt, weiß Frau Knaul wahrscheinlich nicht. In Wirklichkeit hat sich mit der Hamas die eine Terrorbande an die Macht geballert, dabei die andere (Fatah) weitgehend vertrieben, und kämpft jetzt mit den verbliebenen Gotteskriegern um die Alleinherrschaft. Nun könnte man Gaza als das beschreiben was es ist, nämlich eine bunte Suppe aus völlig durchgeknallten Israelhassern, in die die IDF dringend mal hineinspucken müssten. Andererseits ist das in den Gebieten auch nichts neues. Da treibt immer die aktuell radikalste Gruppe den Rest vor sich her, und als westlicher Journalist entscheidet man sich gerne für diejenige, die gerade an der Macht ist. Deshalb werden die Fatah und Präsident Abbas als “moderat” gelobt und selbst die Hamasterroristen, die card-carrying Antisemiten, jetzt als Sicherheitskräfte gehandelt. Schließlich sind die anderen noch übler.

Und eigentlich ist das auch alles ganz klasse so, diese palästinensischen Zustände.

Der Kampf der Hamas gegen die palästinensischen “Taliban” hat den Vorteil, dass er auf den Gazastreifen beschränkt bleibt. Die Entwaffnung der islamistischen Großfamilie liegt zudem im Interesse von Palästinenserpräsident Abbas.

Vorteil für wen, ist hier die Frage. Aber bei der taz ist man mit seinen palästinensischen Freunden schon zufrieden, wenn sie nicht gleich die ganze eigene Hütte abbrennen.

Im zweiten Artikel von Frau Knaul heute geht es um die Nachfolge des “über seine Geldgier und mehrere Korruptionisaffären gestolperten Ehud Olmert” . Inwiefern Olmert in seine eigene Tasche gewirtschaftet hat oder “nur” seine Wahlkämpfe schwarz finanziert hat, ist mir zwar nicht klar; wann man nur von “Korruption” und wann von “Geldgier” schreibt, da habe ich aber schon einen Verdacht.

Zum Glück macht Susanne uns aber auch noch Hoffnung. Denn die Rede von Tzipi Livnis “Mentor, dem seit gut zweieinhalb Jahren im Koma verharrenden Expremierminister Ariel Scharon”, nährt Spekulationen darüber, dass Sharon freiwillig im Krankenhaus liegt und demnächst einfach wieder aufsteht. Dann vielleicht anders als hier beschrieben, mehr so: Ariel Sharon aus Koma erwacht. Ärzte: „Er ist bald wieder ganz der Alte“. Entsetzen in Gaza.

Personalisierung

Die aktuelle Startseite von tagesschau.de ist schon irgendwie bemerkenswert. Dort steht direkt untereinander:

Ackermann zahlt 2,8 Milliarden Euro für Postbank

Mehdorn verzichtet auf 2,50 Euro

Daneben jeweils ein Bild der beiden Bosse, Ackermann munter aktionsfreudig, Mehdorn eher griesgrämig.

Es ist schon ziemlich unwahrscheinlich, dass die beiden Herren die Entscheidungen ganz alleine gefällt haben, die zu diesen Schlagzeilen führten. Doch selbst wenn sie eigenmächtig handeln, ihre Beschlüsse werden doch von ihren Firmen durchgeführt. Natürlich ist es völliger Unsinn, dass Josef Ackermann auch nur einen Cent für die Postbank bezahlt, und ebensowenig wird Hartmut Mehdorn auf irgendwas verzichten müssen. Das weiß auch tagesschau.de. Der kleinere Text geht einmal mit “Die Deutsche Bank übernimmt …” und einmal mit “Die Deutsche Bahn hat …” los.

Was also bewegt die Jounalisten des öffentlich-rechtlichen Internetprogramms dazu, große Konzerne zu personifizieren? Wollen sie sie vielleicht menschlicher machen? Oder elitärer? Es ist müßig darüber zu spekulieren. Klar ist, dass diese Art der Berichterstattung den Blick auf die Realität vernebelt. Die Deutsche Bank kauft nicht deshalb andere Banken, weil sie diesen oder jenen Chef hat, sondern weil sie ein großes Unternehmen ist und nur so überleben kann. Und gerade der Rückzug beim Thema Bedienzuschlag hat sowas von gar nichts mit der Person Mehdorn zu tun, sondern stellt ein gutes Beispiel von medial und politisch transportierter Kundenmacht dar.

Nur wenn man diese Zusammenhänge so berichtet, wie sie sind und nicht in die simple Chef-hat-entschieden-Rhetorik überträgt, lässt man denjenigen eine Chance zu einer vernünftigen Meinungsbildung, die bei derart langweiligen Meldungen nur die Überschriften lesen.

Das Ernüchternde daran, hier Veranstaltungshinweise zu schreiben, ist, dass noch nie nie nie einer unserer Leser einem unserer Hinweise gefolgt ist. Aber das macht nichts, denn wir bloggen schließlich, um zu bloggen. Here we go again: Das Kino 46 in Walle veranstaltet eine Filmreihe zum Thema Israel.

Am 14. Mai jährte sich zum 60. Mal die Gründung des Staates Israel. In der achtteiligen Filmreihe steht vor allem die Frage im Mittelpunkt, wie sich die besondere Situation des Landes auf den Alltag der Menschen auswirkt und mit welchen filmischen Mitteln dies reflektiert wird. Sicher ist der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern das bestimmende Thema in den meisten Filmen.
Gleichzeitig zeigt die Auswahl, mit welchen Produktionen sich das Filmland Israel auf internationalem Pflaster etablieren konnte, was auch die zahlreichen Preise aller Sparten bei großen wie kleinen Festivals belegen.
Wir freuen uns über die »Deutsch-Israelische Gesellschaft« und das »Lidice-Haus« als Kooperarionspartner. Bei den Filmen »Kadosh« und »Vulcan Junction« gibt es zudem eine Kooperation mit der Israelischen Botschaft. Wir sind gespannt auf die Zuschauerreaktionen und die Gespräche danach.

Heute fangen sie mit “Die Band von nebenan” an, dem einzigen gezeigten Film, den ich schon kenne. Es ist ein netter kleiner Film, mehr aber auch nicht. Das weitere Programm könnten interessierte Leser dann unter dem Link oben selbst nachlesen.

Und wo ich schon dabei bin, hier könnt ihr natürlich auch einfach mal nicht hin gehen! Der miese Flyer ist ein guter Grund. Oder ihr wart schon letztes Mal da.

Unpolitisch

ZEVEN. Wegen des Brandanschlages auf einen muslimischen Gebetsraum in Sittensen (Kreis Rotenburg) hat das Amtsgericht Zeven einen 19-jährigen Neonazi zu drei Jahren Haft verurteilt. Das bestätigte gestern der Sprecher des Landgerichts Stade, Björn Kaufert. Der bereits zuvor einschlägig verurteilte Christian S. gilt als Rädelsführer des Anschlages.

Mit dem Urteil folgte die Richterin dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf zwei Jahre Haft plädiert. Als Mittäter verurteilte das Amtsgericht zwei weitere junge Männer zu je zwei Wochen Jugendarrest. Zudem müssen sie je 80 Stunden für eine Sozialeinrichtung eines muslimischen Vereines arbeiten.

Die drei Rechtsextremisten haben in der Nacht zum Ostersonnabend dieses Jahres zwei Molotowcocktails in den muslimischen Gebetsraum in Sittensen geworfen, nachdem sie die Fensterscheiben des Raumes zuvor zerstört hatten. Nur durch Zufall kamen keine Menschen zu Schaden: Zur Tatzeit schliefen in einem angrenzenden Wohnhaus fünf Personen. Sie hatten Glück, denn das Feuer erlosch von allein. Die Polizei bezifferte den Sachschaden auf insgesamt 10 000 Euro.

Vor dem Amtsgericht gab sich der geständige Hauptangeklagte geläutert: Er bedauere den Anschlag und distanziere sich ausdrücklich von der NPD. Die Täter hatten wenige Stunden vor der Tat einen “Stützpunkt Sittensen” der rechtsextremen Partei gegründet. Angesichts der einsichtigen Äußerungen verneinte die Richterin einen politischen Hintergrund ausdrücklich. Sie stellte Christian S. auch eine vorzeitige Haftentlassung in Aussicht.

In Verhandlungspausen war von Reue allerdings kaum noch die Rede. Der Brandanschlag habe lediglich die Falschen getroffen, sagte Christian S. Journalisten, aus seiner heutigen Sicht wären Polizisten und Politiker sinnvollere Ziele gewesen. Nach seiner Haftentlassung werde er “weitermachen”, kündigte S. an, aber dann nicht mehr für die “verweichlichte” NPD aktiv werden, sondern in der militanten Kameradschaftsszene.

Christian S. war einige Zeit vor der Tat aus Hamburg nach Sittensen gezogen und hatte bereits in der Hansestadt unter anderem wegen Gewalttaten im Jugendgefängnis eingesessen. Noch Anfang dieses Jahres hatte er während des niedersächsischen Landtagswahlkampfes für die NPD geworben und war für die Partei auch als Redner aufgetreten.

aus dem Weser-Kurier und nicht zu fassen.

Wer gelegentlich Fußball im Fernsehen guckt, hört immer wieder von den “sogenannten Fußballfans”. Die sind identisch mit den temperamentvollen Südländern, nur dass bei ihnen das Zündeln mit Feuerwerkskörpern nicht ethnisch gerechtfertigt, sondern verurteilt wird - während die schönen Bilder über den Schirm flimmern.

Diese immer wiederkehrende Redewendung hat offenbar auch die Autoren des Vierten Berichts über Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit im Lande Bremen (pdf) inspiriert, der heute der Bremischen Bürgerschaft vorgestellt wird. Dort findet sich folgende Passage:

Die Grenzen des Hooligan-Spektrums zur rechtsextremen Szene sind inzwischen fließend. So erfolgte im Februar 2007 ein gewalttätiger Übergriff von Hooligans auf eine Feier der sogenannten antirassistischen Ultragruppierung Racaille Verte im Ostkurvensaal des Weserstadions, der bislang nicht eindeutig aufgeklärt werden konnte.

Sogenannt was? Antirassistisch? Ultra? Gruppierung? Racaille? Macht alles keinen Sinn.

Anywho, grundsätzlich ist so ein Bericht ja was ganz Feines und durchaus seine paar Megabytes wert. Immerhin wird dabei mal das Problem beim Namen genannt; die Aufstellung der rechten Straftaten wird nicht gleich wieder durch eine Auflistung links motivierter Delikte relativiert. Ganz richtig schreibt Toralf Staud in seinem Buch Moderne Nazis:

Praktisch jeden Tag werden in Deutschland Ausländer, Obdachlose und linke Jugendliche von rechten Schlägern überfallen. Aber es ist lange her, dass hierzulande ein Kapitalist von einem Linksterroristen ermordet wurde. (…)

Wer behauptet, man müsse gleichermaßen gegen Extremisten von rechts wie von links vorgehen, vernebelt den Blick auf die Realität. (…) Will man die NPD unbedingt mit irgendwem vergleichen, dann bitte mit Islamisten.

Fußnoten

Stefan Niggemeier setzt seine kleine Privatfehde mit Henryk Broder fort. Debatten über Antisemitismus und Meinungsfreiheit sind seine Sache allerdings nicht. Stattdessen hängt er sich daran auf, dass ein Kollege von Broder, Tobias Kaufmann, in dessen Kolumne nicht darauf hingewiesen hat, dass er selbst Mitglied von Broders “Achse des Guten” ist, obwohl er über dieselbe geschrieben hat. Das ist vermutlich ein berechtigter Vorwurf, allerdings auf der anderen Seite keine große Sache. Schließlich wird hier nichts verheimlicht, sondern dem Leser eben nur nicht noch einmal klar vorgeführt. Inzwischen steht gar der Link zu Niggemeier unter dem Text.

Aber offensichtlich geht es nicht darum, ob Kaufmann die Fußnote setzt oder nicht. Es geht um die Existenz eines Netzwerks, das, oh Wunder, in vielen Themen ähnlicher Meinung ist und dementsprechend publiziert.

Clemens Wergin, der das Urteil in der „Welt am Sonntag” im Sinne Broders kommentierte, scheint übrigens auch ein, sagen wir: guter Kumpel der Gutachsisten zu sein.

Echte Netzwerker. Das eigentlich Komische ist, dass diese Leute dabei immer noch so tun, als seien sie einsame Einzelkämpfer, die mühsam gegen den Mainstream der veröffentlichten Meinung anschwimmen.

Übrigens, wird hier geraunt, der gehört auch dazu! Was das zu welcher Sache tut, bleibt ein bißchen versteckt. Die Unterstellung, man geriere sich mitten im Netzwerk als Einzelkämpfer, ist völliger Quatsch. Die Hinweise darauf, dass die große Mehrheit der Deutschen in dieser Debatte, wie auch in allen anderen zum Thema Israel, natürlich Partei gegen den Judenstaat ergreifen würde, wenn man sie denn fragte, sind nur allzu berechtigt.
Diese Umstände zu ignorieren und die Hinweise darauf ganz gezielt mißzuverstehen, indem er aus dem tatsächlich antiisraelischen Mainstream deutscher Meinungen den “Mainstream veröffentlichter Meinung” macht, ist geschickt, doch wird Niggemeier den selbstgesetzten hohen Ansprüchen an Wahrhaftigkeit so kaum gerecht.
Wobei eine Analyse der “veröffentlichten Meinung” trotz der hier angeprangerten pro-israelischen Schreiber immer noch interessant wäre, denn die größten deutschen Qualitäts-Zeitungen, SZ und FAZ, nahmen ganz klar Partei gegen Broder, die taz ebenso, und über die Haltung von den vielen Provinzblättern will ich nicht spekulieren.

Wie Niggemeiers Beitrag verstanden wird und vermutlich auch zu verstehen ist, kann man in den Kommentaren nachlesen. Das dunkle Netzwerk nimmt dort geradezu verschwörerische Gestalt an.

Gerade damit das aber die Geschäfte in Israel nicht womöglich stören könnte, dürfte die Schreibe eines Tobias Kaufmann nicht unwillkommen sein.

Dass man es sich der Geschäfte wegen nicht mit den Juden verscherzen dürfe, würde meine Oma auch so unterschreiben.

Wer für die Achsenmächte schreibt, erledigt zumeist das Tagwerk fremder und meist ausländischer und nicht gutmeinender Interessen.

Fremde, ausländische, nicht gutmeinende Interessen (nicht einmal Menschen). Diejenigen, die sich vor einigen Jahrzehnten zum Ziel gesetzt hatten, gegen so etwas vorzugehen, nannten sich selbst “Antisemiten”.

der ksta ist meine zeitungs-sozialisation, weil den mein vater am frühstückstisch immer gelesen hat und ich mich immer auf die samstagsbeilage gefreut habe, weil da die kinderbilder drin waren.
ich habe die zeitung immer für halbwegs seriös gehalten, aber die scheint ja jetzt unterwandert von so ..ähm…tobias kaufmanns (hoffe das ist nicht justiziabel), die sich nicht schämen

Und jetzt wird es wirklich tränenreich. Eine anständige Zeitung, die sowohl der Vater als auch sein deutscher Sohn immer gerne gelesen haben, wird unterwandert von Itzigs Tobias Kaufmanns, die ihrer Natur entsprechend unverschämt sind.

Wer die antisemitischen Denkmuster in den Kommentaren nicht entdeckt, der will vom Antisemitismus nichts wissen. Wie Niggemeier, der ja vordergründig nur über eine fehlende Fußnote bloggen wollte, damit nun umgehen wird, bleibt spannend.

Amerika

Ich hab gerade mal ein Blog in die Blogroll aufgenommen, dass da viel zu lange nicht drin war: USA erklärt. Ziel dieser Seite ist es, die Vereinigten Staaten möglichst sachlich zu erklären, und der Autor ist dabei sehr dedicated. Mir gefällt das sehr, und die Frage ist nun, ob dieses Blog in die Kategorie der sehr guten darf. Was meint ihr?

Wenn wir schon bei Amerika sind: Bei Lizas Welt ist ein zweiteiliger Vortrag in Schriftform erschienen, der sich mit dem Pluralismus in den USA befasst. Bitte lesen.

Zum Bloggen komme ich gerade nur schwer. Dabei mangelt es an allerlei, aber nicht an Themen. Zum Beispiel wollte ich heute über meine beim Zeitunglesen immer wiederkehrenden Pläne, Erika Steinbach zu ermorden, schreiben. Aber über das ziehende Verlangen hinaus, es zu tun, gibt es da wenig zu sagen. Und natürlich muss man dazu sagen, dass ich es nicht tue und ihr es auch nicht tun solltet, weil das verboten ist und sowieso gar keine gute Idee. Hilft ja nichts.

Oder über meine erstaunte Belustigung über die Gedankenwelt eines Arnd Zeigler. Der schreibt mutmaßlich jetzt unter Pseudonym im werder.de Forum und schreibt dabei Quatsch wie diesen:

Und dann ist es ganz große Klasse, dass sich manche der zugehörigen Fanclubs zwar auf selbstgemachten Aufklebern “gegen Nazis” wendet, dafür sich aber im Umgang mit Polizisten selbst wie Nazis benehmen, indem sie einen ganzen Berufsstand durch die Bank als “minderwertig” betrachten. (Um vorzubeugen: Nein, ich habe hier nicht Ultras mit Nazis verglichen. Ich vergleiche nur das Diskriminieren ganzer Gruppen einzig aufgrund von Herkunft, Religion, sexueller Ausrichtung - oder gewähltem Beruf. Da sehe ich keinen großen Unterschied.)

Ein Kennzeichen von Nazis ist es für den Autor also, dass sie einen Berufsstand als minderwertig betrachten. Einen Unterschied zwischen Merkmalen wie Herkunft oder Religion und Entscheidungen wie der Berufswahl, den kann “Linienrichter Jablonski” nicht erkennen. Und so dilettiert er mit der gezückten Nazikeule durchs Forum und fordert Toleranz für alles, ausser für die Sachen, die er nicht so mag, Ultras zum Beispiel. Das ist alles nichts Neues, aber die völlige Abwesenheit von politischer Bildung, die krude Vorstellung von Toleranz und die altbekannte Selbstherrlichkeit, das ist schon gar nicht mehr sinnvoll zu analysieren oder zu parodieren. Aber bitte, niemand möge jemanden diskriminieren, nur weil der gerne KZ-Kommandant oder “Führer” werden möchte. Hätte ich Lust und Hirnkapazität, man könnte einmal die Rolle der außer Kontrolle geratenen (Fußball-)Polizei in einer liberalen Demokratie wie der BRD besprechen. Hätte hätte Fahrradkette.

Ich lasse das lieber sein und erzähle euch, was mir gerade durch die Kopfhörer, die ich für neun Euro gestern kaufte, in die weiche Birne strömt: Peterlicht hat ein neues Album und es macht mich ganz milde und glücklich. Das letzte Album hat drei Sommer durchgehalten, das neue scheint sich besonders im Herbst sehr gut zu machen. So wunderbar, wie Joinsen Bücher rezensiert, kann ich ein Album allerdings nicht beschreiben, besonders nicht während des ersten Hörens. Muss ich auch nicht, weil ihr euch das ohnehin alle selber besorgen müsst.

Lass uns glücklich sein, oder verschwunden sein,
lass uns kleiner werden, am Horizont,
was anderes seh ich nicht, am Horizont,
lass uns weiter gehen, als unsere Augen sehen,
was anderes sehe ich nicht, als in weiter Ferne lauter Licht.
In weiter Ferne lauter Licht.
In weiter Ferne lauter Licht.

Tja, nun bin ich ein Lied weiter und das ist noch viel zitierwürdiger, aber wo kämen wir denn da hin. Vor einem guten Jahr sah die Redaktion den Peter live in Bremen, und das war wunderschön. Am vierundzwanzigsten Zehnten ist er wieder da, diesmal viel größer im Schlachthof. Viel weniger schön als schöne Musik sind Diskussionen darüber. Finde ich jedenfalls.

Man kann dieses Buch gar nicht lesen, und erst recht nicht besprechen, ohne es ständig mit den beiden Vorgängern zu vergleichen, ohne immer wieder zu überlegen, wie es in die Geschichte des Bremers Frank passt, der zehn Jahre später Herr Lehmann genannt wird und sich in Berlin dagegen wehrt, einen Lebensinhalt haben zu müssen. Der kleine Bruder beschreibt eine Episode, die zwischen Neue Vahr Süd und Herr Lehmann liegt. Dabei ist die Handlung den Ereignissen in Bremen zeitlich viel näher, und doch schon ganz Berlin, durch und durch. Sven Regener liefert das Endstück seiner Trilogie, indem er einen Mittelteil schreibt, der nicht in der Mitte liegt. Der Roman hat dann auch einen grundsätzlich anderen Charakter als die ersten beiden Bände, es wird aufgeklärt oder zumindest angedeutet, was aus dem Bremer Bundeswehrsoldaten aus Schusseligkeit ohne Zukunft den Berliner Kneipenprofi ohne Zukunft macht - überraschenderweise reichen dazu die ersten zwei Tage in Berlin.

Frank findet Freunde, die zwar alle etwas seltsam sind, aber immer noch besser als die K-Gruppen-Menschen in Bremen. Er lernt die Stadt kennen, in der Punk zwar mal mehr war als am Fluss rumhängen und Bier trinken, aber mittlerweile zum Betätigungsfeld von verrückten Künstlern mit bescheuerten Künstlernamen geworden ist, die sich dann unwürdige Gefechte mit den echten Punks liefern. Das Flair der Berliner Gaslaternen, der langen Wege und der Mauer in der Stadt nimmt Frank ebenso selbstverständlich zur Kenntnis wie ein halbes Jahr zuvor das des Viertels in Bremen - und würde dabei nie von Flair reden. Und am Ende hat er Wohnung und Arbeit, ohne sich wirklich darum gekümmert zu haben.

Das, worum er sich die ganze Zeit kümmert, nämlich die Suche nach seinem Bruder, findet erst ganz zum Schluss ein erfolgreiches Ende, und doch kein Happy End. Letzlich wird das Buch erst mit den letzten beiden Kapiteln ein wirklicher Roman. Bis zu diesem Punkt gewinnt man gelegentlich den Eindruck, Regener hätte einem Schreibroboter den Schreibstil der anderen Bücher beigebracht und wäre dann in die Kneipe gegangen. Das ist dann zwar durchaus amüsant zu lesen, ja, man kann sogar herzhaft lachen angesichts der schnellen Dialoge über Punk, Kunst und Paranoia. Bliebe es dabei, wäre das Buch allerdings nicht wesentlich wertvoller als eine Folge Scrubs - womit Frank Lehmann zweifelsohne zufrieden wäre.

Das Buch kann dann aber letztlich doch einem Anspruch gerecht werden, den es selbst gar nicht unbedingt stellt. Es bietet in sehr offener Weise Ansätze zu den großen Fragen des Lebens. Dabei ist es kein Ratgeber oder so, es doziert nicht, es gibt nichts vor. Sein Ende ist nur ein Ende insofern, als dass die Anfangsbedingungen gesetzt sind. Es scheint alles möglich. Das Leben hält vieles bereit, es gibt viele Entscheidungen zu treffen, Kämpfe auszutragen, und oft genug ist auch alles egal. Für diese oder irgendwelche anderen Erkenntnisse ist dieses Buch, sind alle drei Werke besser geeignet als Thomas Mann und der ganze Familienkram, den man so in der Schule liest. Es gibt kein Ziel, keinen Sinn - aber man kann damit leben.

Wer nicht so auf tiefsinnige Deutungen steht, kann Der kleine Bruder auch einfach als einen humorvollen Rückblick in die Zeit Anfang der 80er nehmen, mit “so Kunst und Punk und New Wave und Neue Deutsche Welle und Postpunk und sonst was”. Und sich dabei ausmalen, wie herrlich sich dieses Buch verfilmen ließe. Anders als bei Neue Vahr Süd bietet Der kleine Bruder einen Elfmeter in dieser Hinsicht, gegen einen Torwart, der nur eine Chance hat, wenn der Soundtrack schlecht ist. Es wäre ein Film mit tollen Dialogen und schönen langen stillen Szenen im dunklen Berlin.

Egal, welchen der letzten beiden Absätze man nun als das Fazit dieser Rezension ansehen möchte, folgendes Zitat aus dem Buch passt zu beiden: “So geht´s natürlich auch, dachte Frank, daß man Straßenlaternen aufstellt, die nur dafür gut sind, sich selbst zu beleuchten.”

Das Zitat oben mit der Kunst und dem Punk und dem ganzen Kram kommt aus einem Interview mit Sven Regener, das der Eichborn Verlag zur Verfügung stellt, neben vielen anderen Infos zum Buch. Bei dem ist Der kleine Bruder nämlich erschienen, es kostet 19,95€ und hat 282 Seiten.

Den Nazis von Blood & Honour ist ein kleines Missgeschick passiert. Agenten der ZoGs haben ihr komplettes Forum samt Mitgliedsdaten geklaut und für jeden verfügbar online gestellt. Das klingt like a lot of fun, und ich werde es mir nachher mal angucken.

Presse

Und so guckt man sich den Spaß an:

werte genossen,
in den download links am ende meiner ansprache findet ihr 4 7z dateien.
so ladet diese herunter entpacket sie und folget der anleitung “readme.txt”.
ihr installieret einen lokalen webserver und sehet am ende: das komplette “blood&honour” forum - offline gespiegelt auf euerem desktop.
die anleitung wurde geschrieben vom großen vorsitzenden für die massen mit den kapiteln: windows und linux.
so werte bewohner der volksrepublik internet sollte jeder damit umgehen können.
verbleibet mir euch spass mit den daten zu wünschen.

gehet, tuet die kunde kund und verteilet die gaben!
gebet es besonders an: presse von radio, fernsehen und zeitung!

pressestelle der datenantifa!

und zu guter letzt an die nazis: ZOG is watching you harharhar

um 7z dateien zu entpacken:

7zip Windows Download:
http://downloads.sourceforge.net/sevenzip/7z457.exe

7zip Linux Source Download:
http://downloads.sourceforge.net/sevenzip/7z460.tar.bz2

7zip für Ubuntu:
sudo apt-get install p7zip

Pakete für andere Linux Distributionen und MacOS:
http://www.7-zip.org/download.html

Download:

http://rapidshare.de/files/40275351/install.7z.001.html
http://rapidshare.de/files/40276344/install.7z.002.html
http://rapidshare.de/files/40276657/install.7z.003.html
http://rapidshare.de/files/40276853/install.7z.004.html

Mirror:

http://www.megaupload.com/?d=08K7HVI0
http://www.megaupload.com/?d=XMYS4W63
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http://www.megaupload.com/?d=EJ0DB1X5

Viel Spaß beim durchstöbern

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