Jedes Mal, wenn ich eine taz in die Finger kriege, hoffe ich auf einen saftigen Artikel zum Nahostkonflikt. Oft werde ich enttäuscht, dann gibt es nur eine Agentur-Meldung über das Leiden der Palästinenser oder Korruption in der israelischen Regierung. Heute aber gibt es sowohl aus Gaza als auch aus Jerusalem schöne Berichte.
In Gaza handeln jetzt die “Sicherheitskräfte” der Hamas.
Die Sicherheitskräfte der Hamas haben einen neuen Gegner: den islamistischen und gleichzeitig schwer bewaffneten Dormusch-Clan im Gazastreifen. Bei Gefechten zwischen der Familie und den Sicherheitskräften starben bis Dienstag Nachmittag elf Menschen, zehn davon Angehörige des mächtigen Clans, der im vergangenen Jahr für die Entführung des BBC-Reporters Alan Johnston verantwortlich war.
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Die Familie gilt als der “Armee des Dschihad” nahestehend, die wiederum in Flugblättern die “baldige Ankunft” von Anhängern Ussama Bin Ladens ankündigte. Dann, so heißt es, würden “die Gebote Allahs und des Koran” auch im Gazastreifen umgesetzt werden. Dazu gehört das Verbot westlicher Musik, die Ausweisung aller Ausländer sowie strikte Kleidungsvorschriften für Frauen.
Da will man der Hamas ja fast die Daumen drücken. Dass es für die eine schlimme Beleidigung ist, wenn man ihnen ein Interesse an “Sicherheit” unterstellt, weiß Frau Knaul wahrscheinlich nicht. In Wirklichkeit hat sich mit der Hamas die eine Terrorbande an die Macht geballert, dabei die andere (Fatah) weitgehend vertrieben, und kämpft jetzt mit den verbliebenen Gotteskriegern um die Alleinherrschaft. Nun könnte man Gaza als das beschreiben was es ist, nämlich eine bunte Suppe aus völlig durchgeknallten Israelhassern, in die die IDF dringend mal hineinspucken müssten. Andererseits ist das in den Gebieten auch nichts neues. Da treibt immer die aktuell radikalste Gruppe den Rest vor sich her, und als westlicher Journalist entscheidet man sich gerne für diejenige, die gerade an der Macht ist. Deshalb werden die Fatah und Präsident Abbas als “moderat” gelobt und selbst die Hamasterroristen, die card-carrying Antisemiten, jetzt als Sicherheitskräfte gehandelt. Schließlich sind die anderen noch übler.
Und eigentlich ist das auch alles ganz klasse so, diese palästinensischen Zustände.
Der Kampf der Hamas gegen die palästinensischen “Taliban” hat den Vorteil, dass er auf den Gazastreifen beschränkt bleibt. Die Entwaffnung der islamistischen Großfamilie liegt zudem im Interesse von Palästinenserpräsident Abbas.
Vorteil für wen, ist hier die Frage. Aber bei der taz ist man mit seinen palästinensischen Freunden schon zufrieden, wenn sie nicht gleich die ganze eigene Hütte abbrennen.
Im zweiten Artikel von Frau Knaul heute geht es um die Nachfolge des “über seine Geldgier und mehrere Korruptionisaffären gestolperten Ehud Olmert” . Inwiefern Olmert in seine eigene Tasche gewirtschaftet hat oder “nur” seine Wahlkämpfe schwarz finanziert hat, ist mir zwar nicht klar; wann man nur von “Korruption” und wann von “Geldgier” schreibt, da habe ich aber schon einen Verdacht.
Zum Glück macht Susanne uns aber auch noch Hoffnung. Denn die Rede von Tzipi Livnis “Mentor, dem seit gut zweieinhalb Jahren im Koma verharrenden Expremierminister Ariel Scharon”, nährt Spekulationen darüber, dass Sharon freiwillig im Krankenhaus liegt und demnächst einfach wieder aufsteht. Dann vielleicht anders als hier beschrieben, mehr so: Ariel Sharon aus Koma erwacht. Ärzte: „Er ist bald wieder ganz der Alte“. Entsetzen in Gaza.

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