konzert

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Einlass war um 22h. So richtig los ging es aber erst frühestens eine Stunde später, so dass man noch Zeit hatte, zurück zum Bahnhof Altona zu joggen, ein weiteres Bier zu kaufen, sich nett mit Endi zu unterhalten (schönen Gruß an dieser Stelle noch einmal!) und sich die anwesenden Menschen anzuschauen. Sah alles ziemlich nach Punk aus, was da so nach und nach in den Keller tröpfelte, der einzige Unterschied war im beinahe nicht vorhandenen Alkoholkonsum zu vermerken. Dies wirkte sich ausgesprochen angenehm in der Art aus, als dass man auch gegen vier Uhr die Toilette immer noch fast wie zu Hause besuchen konnte.Während Teile von egotronic noch schliefen, spielte der erste Act des Abends auf. Bleubird, ein MC aus Amerika, wusste mit schnellem Rap zu beeindrucken, inklusive unglaublich schneller Freestyle-Teile. Ich konnte nicht alles immer gut verstehen, so auch nicht den Teil, in dem er sich mit Präsident Bush beschäftigte, irgendwie geht mir dieses Gebashe langsam auf die Nerven.

Es folgten Curse ov Dialect, Leute vom anderen Ende der Welt, die sich verkleiden, dann temporeiche Musik machen und sich dann nachher entweder über die deutschen Ladenöffnungszeiten ärgern oder sich mit den zur Requisite gehörenden Knüppeln verkloppen.

Das war soweit ein überraschend unelektronisches Vorprogramm, zu gefallen wusste es trotzdem. Doch nun, so gegen ein Uhr, standen endlich Bratze auf der Bühne. Das Duo besteht aus Click Click Decker und Der Tante Renate (von dem hier ja auch schon ein Konzertbericht vorliegt) und spielt Indie-Musik mit elektronischen Klängen oder Elektro mit Indie-Texten, je nach Lust und Laune. Trotz nicht vorhandener Vorkenntnisse meinerseits über diese Band war ich in der Lage nicht nur mitzutanzen, was der ganze Saal von der ersten bis zur letzten Minute tat, sondern sogar mitzusingen, die Texte sind sehr eingängig. Letztlich kann ich mich aber kaum an Sachen erinnern, die ich hier nun inhaltlich weitergeben könnte. Eben drum schaute ich mich im Internet um, wo ich eine sehr professionelle Vermarktungsmaschine mit myspace, Blog und Album-Homepage fand, auf der man sich die Texte durchlesen sowie ein Lied sowie ein Video zu Gemüte führen kann. Im Video taucht auch das Iron Maiden-Shirt für den Bruchteil einer Sekunde auf, mit dem ich bestochen wurde, nur positive Erinnerungen an das Konzert abzurufen. Außerdem gibt es einen Zusammenschnitt des Albums, der auf Großes hoffen lässt, und soviel kann man dazu sagen: Auch live wird das Ganze gut umgesetzt. Gleich zwei Mal verabschiedeten sich die beiden, mit dem Hinweis, dass jetzt die ganz tollen Egotronic kommen würden, dennoch fanden alle das Konzert so gut, dass es noch eine Zugabe gab.

Dann kamen endlich Egotronic, doch es gab Probleme, technische Probleme, die sich immer mal wieder einstellten. Das Konzert rockte dennoch ganz gut, es wurde gepogt, wie man es bei einem Punkkonzert erwartet, und in den ersten drei Reihen war es auch hinreichend laut. Mir persönlich fehlte eine veritable Lichtanlage, Scheinwerfer in drei Farben, die sich dimmen lassen, sind nicht so der Oberburner. Dennoch, musikalisch und feiereimäßig konnte man vollauf zufrieden sein. Bei mehreren Lieder holten sich die drei Männer Unterstützung auf die Bühne, die dem Konzert die nötige Abwechslung gaben. Die Menge ging gut mit, so gut, dass die Band wie schon am Vorabend in Leipzig die Menge am Ende auf die Bühne holte, wo man Exportschlager Leitkultur mitgrölen und der Band zu einem gelungenen Auftritt gratulieren konnte.

Nach dem Konzert gab es noch Disco mit MT Dancefloor von Saalschutz, die auch demnächst irgendwann nach Hamburg kommen. Es waren aber nicht mehr so viele Menschen da, viele waren müdigkeitsbedingt gegangen. Einer schaffte es sogar, direkt inmitten wummernder Musik zu schlafen.

Presseschau: Bratze freuen sich, Torsun feiert sich und seine BandRiotpropaganda(c) erwähnt die Palitücher, die ich vergaß.

Am Sonntag spielte Tocotronic im Schlachthof. Der Saal war nicht ganz ausverkauft, und das Publikum hätte man vielleicht als erstes auf die Frankfurter Buchmesse geschickt, wenn es einen nach dem Weg zum nächsten Kulturevent gefragt hätte. Der Alterdurchschnitt lag in etwa bei dem der Band, was ja für die Künstler vielleicht auch ganz schön ist. Allerdings waren vieler der beschriebenen Leute nicht in der Lage, sich trotz hochintelligenter Texte einmal gehen zu lassen. Die Besucher auf der Empore ließen sich teilweise erst gegen Ende dazu bewegen, sich zu erheben.

Das Konzert war trotz sehr ähnlicher Setlist wie beim Premierenkonzert in Hamburg grundsätzlich verschieden von ebendiesem. Die Band ließ es wesentlich rockiger angehen, was natürlich dadurch begünstigt wurde, dass die Lieder mittlerweile als allgemein bekannt vorrausgesetzt werden können. Mir gefielen die dezenten Variationen, wenn ich mir auch gerade am Anfang nicht immer sicher war, ob Tocotronic sich nicht gerade einfach verspielt hatte. Wieder waren die Videos als Hintergrund zu einigen Liedern phänomenal anzusehen. Neu und besonders beeindruckend eine in Endlosschleife gegen eine Spiegelwand springende Labormaus bei Imitationen

Akustisch bestand - wieder einmal - das durch und durch bewegende an diesem Abend in den monumentalen Klanggebäuden, die die Musiker im Saal errichteten. Anhand der Albumversionen der Lieder wohl kaum zu erahnen und auf Tonträger vielleicht gar nicht fassbar ließen sie fast alle anderen sinnlichen Eindrücke verschwinden. Erstmals derart live interpretiert, hat Tocotronic Free Hospital ins Konzertprogramm aufgenommen - eine Bereicherung. Das Konzert schloss mit Explosionen ab, optisch mit Rauch und grellgelbem Scheinwerferlicht in Szene gesetzt und in einem fuminanten Krach aus Rückkopplungen und Schlägen gegen alle möglichen Bühnenrequisiten ausklingend. Schließlich stand auf der Leinwand nur noch das Wort Kapitulation.

Nachtrag 1: Bilder

Nachtrag 2: Video

Den Support Act hatte ich gar nicht erwähnt, weil er irgendwie nicht in meinen Textfluss passte. Er nannte sich Troy von Balthazar und machte recht anspruchsvolle Indie-Musik mit elektronischen Hilfsmitteln. Bei youtube steht jetzt ein Video von einem Teil seines Auftritts, nicht gerade das beste Lied, das er vortrug. Die Reihe impossible - impropable - impossible gefällt mir aber - somehow.